Lange vor Sonnenaufgang war das Licht pastellig weich und fotogen. Ich schlich mich aus dem Haus und arbeitete mich fotografiernd über die Schafweide zum alten Haus. Tief im Gras und Erde versteckt fand ich eine grüne Glaslasche, die wahrlich alt wirkte, weil sie eingedruckte Buchstaben drauf hatte. Ich kämpfte einige Minuten um sie zu befreien, nur um fest zu stellen, dass da keine Flaschenpost drin war. Haben die früher auch schon Spam verschickt. So eine Frechheit :-)

Malcoms Lieblingsschaf

das alte Haus und die Schafe von Malcom, dem Hobbyschafhirten
Immer noch strahlte die Sonne am völlig blauen Himmel. Das war das ideale Wetter für weite Sandstände, die es auf der Isle of Harris wie Sand am Meer gibt. Für uns, in der Mitte von Lewis & Harris bedeutet das etwa 1,5 h Fahrt. Wir pendeln sozusagen von Nord nach Süd und wieder in die Mitte. Es hört sich an, als seien Lewis & Harris zwei Inseln. Der Name stammt aus Zeiten, zu denen die Menschen eher mit Booten als per Auto unterwegs waren. Es gab keine Straße durch die bergige Mitte und per Boot schienen es zwei Inseln zu sein. Der Süden der Insel ist bergiger, felsiger mit vielen Sandstränden und Buchten. Der Norden der Insel ist nur hügelig, weniger Strände, hat mehr Klippen. Zwei völlig unterschiedliche Gesichter also. Daher dachten die Menschen früher, es seien zwei Insel und gaben dem Süden den Namen Harris, dem Norden den Namen Lewis. Tatsächlich handelt es sich um eine Inselgruppe. Wir sind zum Beispiel auf Great Bernera, einer kleinen Inselgruppe in der Mitte. Südlich von Bernera liegt noch ein weiteres Gebiet mit eigenem Namen, Uig.

Wellengardinen, Isle of Harris
Wir machten uns also auf, den Süden der Insel, der mittlerweile mit einer Straße verbunden wurde, zu besuchen. Wir genossen grandiose Aussichten auf leicht schneebedeckte Berge, hielten hie und da für Fotos. Die 100 km lange Fahrt zog sich. Weitläufige helle Sandstrände entlohnten bald die Mühe. Am Horizont hingen glücklicherweise fotogene Wölkchen. Es bereitete uns große Freude einfach nur an der Wasserlinie des enlosen, langen Strandes entlang zu laufen und einen leichten Wind um die Nase zu spüren. So nach und nach klapperten wir einige Strände ab, an manchen war die leichte Brise zu einem bissigen Wind angewachsen, was die Verweildauer direkt proportional zur Windstärke verkürzte. Die fotogenste Stelle für uns war allerdings ein felsiger Küstenabschnitt. Wie durch einen Tunnel schoß in unregeläßigen Abständen die Welle einige Meter hoch in den Himmel. Ich kletterte mutig tief hinuter, natürlich nachdem ich das Spektakel eine Weile beobachtet hatte und mich sicher fühlte, und war so sehr nah am Geschehen und windgeschützt noch dazu. Gunter meinte nur, dass ich klatschnaß geworden wäre, hätte der Wind einen kurzen moment ausgesetzt, weil ich dann unter der Wellenfontäne gestanden hätte.

sieht doch fast aus wie Sommer, oder?
Stundenlang waren wir in der frischen Winterluft, hatten kilometerweit Sand unter die Füße genommen, jetzt verlangte der Körper nach Nahrung. Harris kam uns einsamer als Lewis vor und weit und breit war keine Stadt in Sicht. Alle Buden oder Fish & Chips Lädchen zum Beispiel in Bussen, waren winterfest verschlossen. Ein kleiner Supermarkt bot vor allem Bohnen in Dosen und Angelausrüstung. In Tarbert leuchtete weit sichtbar neongrell ein Fish & Chips Schild in einem winzigen Fensterchen. Esra rüttelte halb ausgehungert an der Tür, sie zeigte sich von all der jugendlichen Manneskraft unbeeindruckt. Sie war verschlossen und blieb es auch, egal wie hungrig wir waren. Die Tage der Inselerkundung sind lang. Fast scheint es, als wären wir Robinson auf der einsamen Insel – ganz allein und auf der Suche nach Nahrung :-)
Nun, dann müssen wir zukünftig doch Brote schmieren. Schade, wo wir ausgerechnet heute mal Essen gehen wollten!
Auf der kleinen Insel Scalpay steht seit 1789 der älteste Leuchtturm der Hebriden. Von der Fähre Uig – Tabert aus kann man den rot-weiß gestreiften Turm zwischen den Klippen sehen. Mir war der typische Stevenson mit außergewöhnlicher Farbe natürlich auch direkt ins Auge gefallen. Dabei war ich in diesem Moment tief ins Gespräch mit dem Amerikaner Charles vertieft gewesen.
Die Straßen der Insel sind tatsächlich der Rede wert :-) Wie froh ich doch mal wieder war, nicht im Mobil, sondern im VW Bus zu sitzen. Ständig kurvig geht es auf und ab auf einer Straße, die exakt die Breite unseres Autos hatte. Wir fragten einen älteren Herrn nach dem Leuchtturm: „Ja, am Ende der Straße und dann 30 Minuten zu Fuß.“ kam die Antwort. Hmm, die Zeitangaben sind sehr relativ – wir scheinen immer langsamer als die Schotten zu wandern! Es war etwa 90 Minuten vor Sonnenuntergang, würden wir es schaffen?
Erst seit 1997 gibt es eine Brücke auf diese kleine Insel Scalapy.
Größere Kartenansicht
Hügelig, wie die ganze Insel, ging es auf der Wanderung weiter. Über Stock, nein eher nicht, über Stein, ja, schon eher, und durch Matsch und über weiches, dickes, trockenes Gras. Den Markierungen folgend legten wir einige Höhenmeter zurück. Die Wellen rauschten über Felsen, dann wieder Ruhe auf der Höhe. Wir liefen schnell und kamen kräftig ins Schwitzen. Wenn’s nicht regnet wird man eben von innen nass. Und dann noch einmal den Berg hinauf und wieder hinunter. Der höchste Hügel der Insel ist 100m, wir sind diesen gefühlt fünf mal hoch und runter. In der Ferne sahen wir die Spitze des Leuchtturms, dann war sie wieder weg, weil wir wieder im Tal waren. Der Wind blies auf die geschwitzte Haut, auch durch winddichte Pullis.
Immer hielten wir die Sonne im Blick, würde sie bloß nicht noch früher untergehen! Die Landschaft sah traumhaft aus und es verzückte uns über all die Hügel, in die Täler und auf die Seen und das Meer zu schauen. Ach, grandios! Doch der Zeitmangel verdarb den Spaß. Der Leuchtturm schien so nah, noch ein wenig weiter und wir würden ihn ganz sehen; doch, kennt ihr das auch? Es täuscht! Viel weiter ist der Weg, das Ziel schien vor uns davonzulaufen. Gunter verdrehte sich in der Eile das Knie. Das war gar nicht gut! Wir übernahmen sein Fotogepäck, er humpelte nun etwas vorsichtiger aber jetzt in Richtung des Autos. Für heute hatten wir aufgegeben. Schade!
Ein Foto habe ich vom halben Turm, aber nur zur Dokumentation! Die Gefahr uns in der Dunkelheit der Nacht zu verirren war uns zu groß. Immerhin ist es Winter und friert nachts. Durch das hügelige Gelände würden wir im Dunkeln keine Orientierung mehr haben. Wir nahmen uns vor, diese Wanderung mit mindestens zwei Stunden mehr Puffer nochmal zu machen.

Blick über die Insel Scalapy
In Tarbert fuhren wir einen kleinen Umweg, ob da jetzt vielleicht jemand Fritten brutzeln würde? Die Tür, an der Esra vorher ach so vergebens gerüttelt hatte, strand nun offen. Der typische Geruch von heißem Fett strömte uns bereits entgegen, bevor die Tür des Autos offen war. Wir bestellten soviel, dass uns der nette Herr fragend und etwas mitleidig anschaute: „Nein, nicht nur für uns, da sind noch zwei im Auto“ meinte Gunter verlegen. Er und hungrig oder gar verfressen – wie kommt der Mann bloß darauf!
Wir mapften wie auch wahrscheinlich Robinson sein erstes warmes Mahl auf der Insel eingenommen hat. Schmatzend und mit den Fingern. Und es war ach so lecker! Jetzt konnten wir mit brummendem Auto, ohne knurrende Mägen die Rückfahrt antreten. Es war auch gar nicht mehr so übel, dass sie so lange war. Wir hören zur Zeit fast nur klassische Musik. Beethoven hat es uns angetan. Vor allem die Beethoven: Symphonies Nos.5 & 7
Auf der Isle of Skye kam in Fernsehen eine tolle deutsche Sendung über diese Symphonie – war klasse! Nur so „by the way“!
Es war tiefe Nacht – nun im Winter beginnt sie bekanntlich wesentlich früher als später im Jahr – als wir endlich „daheim“ eintrudelten. Wir waren verdient müde!
Isle of Harris, weite Strände und Wanderung zum Leuchtturm Scalpay
Lange vor Sonnenaufgang war das Licht pastellig weich und fotogen. Ich schlich mich aus dem Haus und arbeitete mich fotografiernd über die Schafweide zum alten Haus. Tief im Gras und Erde versteckt fand ich eine grüne Glaslasche, die wahrlich alt wirkte, weil sie eingedruckte Buchstaben drauf hatte. Ich kämpfte einige Minuten um sie zu befreien, nur um fest zu stellen, dass da keine Flaschenpost drin war. Haben die früher auch schon Spam verschickt. So eine Frechheit :-)
Malcoms Lieblingsschaf
das alte Haus und die Schafe von Malcom, dem Hobbyschafhirten
Immer noch strahlte die Sonne am völlig blauen Himmel. Das war das ideale Wetter für weite Sandstände, die es auf der Isle of Harris wie Sand am Meer gibt. Für uns, in der Mitte von Lewis & Harris bedeutet das etwa 1,5 h Fahrt. Wir pendeln sozusagen von Nord nach Süd und wieder in die Mitte. Es hört sich an, als seien Lewis & Harris zwei Inseln. Der Name stammt aus Zeiten, zu denen die Menschen eher mit Booten als per Auto unterwegs waren. Es gab keine Straße durch die bergige Mitte und per Boot schienen es zwei Inseln zu sein. Der Süden der Insel ist bergiger, felsiger mit vielen Sandstränden und Buchten. Der Norden der Insel ist nur hügelig, weniger Strände, hat mehr Klippen. Zwei völlig unterschiedliche Gesichter also. Daher dachten die Menschen früher, es seien zwei Insel und gaben dem Süden den Namen Harris, dem Norden den Namen Lewis. Tatsächlich handelt es sich um eine Inselgruppe. Wir sind zum Beispiel auf Great Bernera, einer kleinen Inselgruppe in der Mitte. Südlich von Bernera liegt noch ein weiteres Gebiet mit eigenem Namen, Uig.
Wellengardinen, Isle of Harris
Wir machten uns also auf, den Süden der Insel, der mittlerweile mit einer Straße verbunden wurde, zu besuchen. Wir genossen grandiose Aussichten auf leicht schneebedeckte Berge, hielten hie und da für Fotos. Die 100 km lange Fahrt zog sich. Weitläufige helle Sandstrände entlohnten bald die Mühe. Am Horizont hingen glücklicherweise fotogene Wölkchen. Es bereitete uns große Freude einfach nur an der Wasserlinie des enlosen, langen Strandes entlang zu laufen und einen leichten Wind um die Nase zu spüren. So nach und nach klapperten wir einige Strände ab, an manchen war die leichte Brise zu einem bissigen Wind angewachsen, was die Verweildauer direkt proportional zur Windstärke verkürzte. Die fotogenste Stelle für uns war allerdings ein felsiger Küstenabschnitt. Wie durch einen Tunnel schoß in unregeläßigen Abständen die Welle einige Meter hoch in den Himmel. Ich kletterte mutig tief hinuter, natürlich nachdem ich das Spektakel eine Weile beobachtet hatte und mich sicher fühlte, und war so sehr nah am Geschehen und windgeschützt noch dazu. Gunter meinte nur, dass ich klatschnaß geworden wäre, hätte der Wind einen kurzen moment ausgesetzt, weil ich dann unter der Wellenfontäne gestanden hätte.
sieht doch fast aus wie Sommer, oder?
Stundenlang waren wir in der frischen Winterluft, hatten kilometerweit Sand unter die Füße genommen, jetzt verlangte der Körper nach Nahrung. Harris kam uns einsamer als Lewis vor und weit und breit war keine Stadt in Sicht. Alle Buden oder Fish & Chips Lädchen zum Beispiel in Bussen, waren winterfest verschlossen. Ein kleiner Supermarkt bot vor allem Bohnen in Dosen und Angelausrüstung. In Tarbert leuchtete weit sichtbar neongrell ein Fish & Chips Schild in einem winzigen Fensterchen. Esra rüttelte halb ausgehungert an der Tür, sie zeigte sich von all der jugendlichen Manneskraft unbeeindruckt. Sie war verschlossen und blieb es auch, egal wie hungrig wir waren. Die Tage der Inselerkundung sind lang. Fast scheint es, als wären wir Robinson auf der einsamen Insel – ganz allein und auf der Suche nach Nahrung :-)
Nun, dann müssen wir zukünftig doch Brote schmieren. Schade, wo wir ausgerechnet heute mal Essen gehen wollten!
Auf der kleinen Insel Scalpay steht seit 1789 der älteste Leuchtturm der Hebriden. Von der Fähre Uig – Tabert aus kann man den rot-weiß gestreiften Turm zwischen den Klippen sehen. Mir war der typische Stevenson mit außergewöhnlicher Farbe natürlich auch direkt ins Auge gefallen. Dabei war ich in diesem Moment tief ins Gespräch mit dem Amerikaner Charles vertieft gewesen.
Die Straßen der Insel sind tatsächlich der Rede wert :-) Wie froh ich doch mal wieder war, nicht im Mobil, sondern im VW Bus zu sitzen. Ständig kurvig geht es auf und ab auf einer Straße, die exakt die Breite unseres Autos hatte. Wir fragten einen älteren Herrn nach dem Leuchtturm: „Ja, am Ende der Straße und dann 30 Minuten zu Fuß.“ kam die Antwort. Hmm, die Zeitangaben sind sehr relativ – wir scheinen immer langsamer als die Schotten zu wandern! Es war etwa 90 Minuten vor Sonnenuntergang, würden wir es schaffen?
Erst seit 1997 gibt es eine Brücke auf diese kleine Insel Scalapy.
Größere Kartenansicht
Hügelig, wie die ganze Insel, ging es auf der Wanderung weiter. Über Stock, nein eher nicht, über Stein, ja, schon eher, und durch Matsch und über weiches, dickes, trockenes Gras. Den Markierungen folgend legten wir einige Höhenmeter zurück. Die Wellen rauschten über Felsen, dann wieder Ruhe auf der Höhe. Wir liefen schnell und kamen kräftig ins Schwitzen. Wenn’s nicht regnet wird man eben von innen nass. Und dann noch einmal den Berg hinauf und wieder hinunter. Der höchste Hügel der Insel ist 100m, wir sind diesen gefühlt fünf mal hoch und runter. In der Ferne sahen wir die Spitze des Leuchtturms, dann war sie wieder weg, weil wir wieder im Tal waren. Der Wind blies auf die geschwitzte Haut, auch durch winddichte Pullis.
Immer hielten wir die Sonne im Blick, würde sie bloß nicht noch früher untergehen! Die Landschaft sah traumhaft aus und es verzückte uns über all die Hügel, in die Täler und auf die Seen und das Meer zu schauen. Ach, grandios! Doch der Zeitmangel verdarb den Spaß. Der Leuchtturm schien so nah, noch ein wenig weiter und wir würden ihn ganz sehen; doch, kennt ihr das auch? Es täuscht! Viel weiter ist der Weg, das Ziel schien vor uns davonzulaufen. Gunter verdrehte sich in der Eile das Knie. Das war gar nicht gut! Wir übernahmen sein Fotogepäck, er humpelte nun etwas vorsichtiger aber jetzt in Richtung des Autos. Für heute hatten wir aufgegeben. Schade!
Ein Foto habe ich vom halben Turm, aber nur zur Dokumentation! Die Gefahr uns in der Dunkelheit der Nacht zu verirren war uns zu groß. Immerhin ist es Winter und friert nachts. Durch das hügelige Gelände würden wir im Dunkeln keine Orientierung mehr haben. Wir nahmen uns vor, diese Wanderung mit mindestens zwei Stunden mehr Puffer nochmal zu machen.
Blick über die Insel Scalapy
In Tarbert fuhren wir einen kleinen Umweg, ob da jetzt vielleicht jemand Fritten brutzeln würde? Die Tür, an der Esra vorher ach so vergebens gerüttelt hatte, strand nun offen. Der typische Geruch von heißem Fett strömte uns bereits entgegen, bevor die Tür des Autos offen war. Wir bestellten soviel, dass uns der nette Herr fragend und etwas mitleidig anschaute: „Nein, nicht nur für uns, da sind noch zwei im Auto“ meinte Gunter verlegen. Er und hungrig oder gar verfressen – wie kommt der Mann bloß darauf!
Wir mapften wie auch wahrscheinlich Robinson sein erstes warmes Mahl auf der Insel eingenommen hat. Schmatzend und mit den Fingern. Und es war ach so lecker! Jetzt konnten wir mit brummendem Auto, ohne knurrende Mägen die Rückfahrt antreten. Es war auch gar nicht mehr so übel, dass sie so lange war. Wir hören zur Zeit fast nur klassische Musik. Beethoven hat es uns angetan. Vor allem die Beethoven: Symphonies Nos.5 & 7
Auf der Isle of Skye kam in Fernsehen eine tolle deutsche Sendung über diese Symphonie – war klasse! Nur so „by the way“!
Es war tiefe Nacht – nun im Winter beginnt sie bekanntlich wesentlich früher als später im Jahr – als wir endlich „daheim“ eintrudelten. Wir waren verdient müde!
Wanderungen auf Great Bernera – Gespräch mit einem Hobby-Schafhirten
Gestern haben wir unsere kleine Insel nicht verlassen, um auf Entdeckungstour zu gehen… stattdessen haben wir die lokale Landschaft erforscht.
Gabi, und ich machten uns mittags zum zweiten mal auf den Weg (sie war morgens schon einmal in aller Frühe draußen gewesen). Wir hatten verschiedene Leute nach dem Weg zum Bostra Strand gefragt und ganz unterschiedliche Auskünfte bekommen. Die Zeitangaben differierten zwischen 30 Minuten und 3 Stunden. Die Sonne strahlte, so testeten wir das mal aus und bewegten uns gemächlich darauf zu. Auf dem Weg durch die ruhige, sumpfige Landschaft kamen wir an einer sehr anhänglichen, kleinen Schafsherde vorbei, die uns auf Schritt und Tritt zu folgen schien. Sie bewahrten zwar eine gewisse Distanz zu uns, liefen uns aber doch neugierig, fast erwartungsvoll hinterher, während wir einen steinigen Küstenabschnitt erforschten. Dieser war, sehr zu unserem Verdruß, wie so viele andere Küstenabschnitte hier, fast schon mit einer regelrechten Müllhalde vergleichbar. Man hatte uns bereits erklärt, dass es die Leute auf den vielen Handelschiffen in den hiesigen Gewässern mit der Mülltrennung nicht so ernst nehmen; alles kommt in die selbe Tonne: das Meer. Und dieses schwemmt den vielen Abfall dann an Schottlands Küsten. Flaschen, Verpackungen, alte Stiefel, Fässer und enorm viel Seil und Fischernetze… das alles liegt in großen Mengen überall herum. Die größten Brocken kommen allerdings aus Fischzuchten. Die enorm umfangreichen Schwimmer sind so schwer, dass man sich gar nicht vorstellen kann, wie sie ihren Dienst, nämlich das Schwimmen verrichten. Wir versuchen eines dieser Teile zu bewegen und schafften es nicht.
Die Winterfütterung der Schafe
Das Lieblingsschaf, Isle of Lewis
Nach einer halben Stunde entschieden wir uns, zurück zu gehen und die anderen zu holen, um mit ihnen zusammen den Rest der Wanderunganzupacken. Auf halbem Wege trafen wir allerdings auf einen netten Schotten in Arbeitskleidung und mit einem schwer aussehendem Sack unterm Arm, mit dem wir prompt ein Gespräch begannen. Wie es sich herausstellte war er der Besitzer der anhänglichen Schafe, und er war auch gerade auf den Weg zu ihnen, um sie zu füttern. Wir änderten also kurzerhand unseren Plan und liefen mit ihm zurück zur Schafswiese, wo die hungrigen Pulloverschweine uns sofort entdeckten und blökend auf uns zugetrabt kamen, als sie den vielversprechenden Sack in den Händen ihres Besitzers sahen.
Allerdings kamen ein paar zu viele Schafe angerannt; „Mist, die mit der blauen Farbe gehören mir gar nicht!“, rief der Schafsbesitzer auf einmal und rannte los, um die unpassenden Tiere zu vertreiben. Wie durch ein Wunder gelang es ihm auch (mithilfe von vielen lustigen Geräuschen) die blauen von den roten Schafen zu trennen. Als er schließlich das Futter in die Behälter schüttete, nutzten wir unsere Chance und fragten wir ihn über seine wolligen Schützlinge aus.
Wie es sich herausstellte, war er lediglich Hobby-Schäfer, von Beruf Lehrer, weswegen wir schließlich unsere seit Jahren angestaute Neugierde gestillt bekamen. Geduldig beantwortete er all unsere Fragen. Seine Familie hatte zwar seit Generationen schon Schafe gehabt, doch mit der Zeit sind es immer weniger geworden, und man konnte auch immer weniger Geld mit ihnen verdienen. Wo einst über 250 Tiere auf den Weiden grasten, fütterte er an diesem Sonntag lediglich ein gutes Dutzend. Im Jahr verdiene er etwa 100 Pfund mit ihnen, also könne man es wirklich nur als Freizeitbeschäftigung ansehen. Er liebt es aber, jedes Wochenende nach draußen zu gehen und sich um sie zu sorgen, und um nichts in der Welt wolle er seine Sams- und Sonntage anders verbringen. Dass es sowenig Schafe gibt hat auch Vorteile: das Land kann sich erholen und die Vögel haben es einfacher zu brüten, denn ihre Nester werden nicht niedergertampelt.
Während die Schafe fröhlich blökend um uns herum staksten und ihre Köpfe in den Futtertrogen versenkten, erzählte er uns einiges über sie… Im Winter, wenn das Gras in Schottland nicht so schnell nachwächst wie die Schafe es wegfressen, muss er jede Woche mit einem Gemisch aus Zurckerrübe, Gerste und Mais zufüttern, damit sie wohlgenährt bleiben. Ihre bauschigen Wollfelle sind übrigens ziemlich trügerisch: wenn sie einmal abrasiert sind, sehen die armen Biester ziemlich dürr aus… sie bringen gerade einmal 25 Kilogramm auf die Waage, und das einem besonders guten Tag.
Und ziemlich „blöde“ sind sie im Grunde auch. Man darf sie nicht auf eine Weide lassen, auf der es tiefe Löcher gibt, denn auf der Suche nach Fressbarem würden die Schafe sich auch dort hinein wagen, nur um stecken zu bleiben und zu verhungern. Auf eine scharfen Verstand darf man also nicht bei ihnen zählen…
Die Wolle von Schafen, die ihre Lebenszeit im Freien verbracht haben, kann man leider nicht wirklich für Textilien benutzen. Sie sei nicht hochwertig genug für viele Hersteller, die würden ihre Ware lieber von Tieren beziehen, die im Inneren eines wohligen Gebäudes aufgewachsen sind. Die Wolle von seinen Schafen würde man mit höchster Wahrscheinlichkeit als Dämm-Material benutzen. Ich finde das ziemlich schade, die gute Wolle für so etwas zu verschwenden… aber so scheint es wohl heutzutage zu laufen. Für die Wolle eines Schafes bekommt man etwa 2 Pfund. Wir hätten gedacht, das wäre wesentlich mehr.
Nach unserem sehr informativen und interessanten Gespräch liefen wir endlich nach Hause und holten Amy, um mit ihr zusammen dann ein weiteres mal in Richtung des Strandes zu wandern. Wir waren eine ganze Weile unterwegs, erreichten ihn aber trozdem nicht, sondern nur das nächste Dorf. Statdessen verirrten wir uns in den sumpfigen Hügeln und mussten einen ziemlichen Umweg laufen, um wieder nach Hause zu finden. Hmpf. Nasse Füße hatten wir natürlich auch mal wieder.
Die Wanderung hat trozdem Spaß gemacht, die frische Luft hat uns gut getan (obwohl wir davon in letzter Zeit eigentlich mehr als genug bekommen) und es war schön warm… also, relativ. Es ist immerhin Februar. Aber wir hatten Pullover an und haben nicht gefroren, haha.
Auf dem Rückweg trafen wir wieder Gesprächspartner. Ein Ehepaar, er Fischer, jetzt aber Schnitzer. Lange stranden wir an der Brücke und tauschten uns aus. Wir machten ein Treffen für nächste Woche aus.
Abends suchten Gabi und Gunter nach einer guten Fotolocation, fanden sie aber nicht. Der Strand bei Bosta lag im Schatten, einen anderen gab es nicht in der Nähe.
Bis spät in die Nacht fotografierten wir noch Sterne. Die können wir leider hier nicht zeigen, weil Lightroom zu langsam auf dem Notebook läuft.
Eoropie Beach, Isle of Lewis & Harris, Schottland
Heute steht ein Ausflug zum nördlichen Ende der Isle of Lewis zum Butt of Lewis und zum Strand Eoropie an.
Strand in Bernera, Isle of Lewis & Harris
Früh in noch recht trübem Wetter fuhren Gunter und ich los, um den inseleigenen Strand anzusehen. Wir parkten am großen Friedhof und liefen das kurze Stück zum Strand. In der Bucht wurde erst 1993 von einer hohen Flut ein Haus aus der Eisenzeit freigelegt und dadurch entdeckt. Jetzt im Februar kann man es nicht besichtigen, aber gut vom Hügel mit plätscherndem Bach aus fotografieren.
Nach der morgendlichen Fototour frühstückten wir, die Kids waren schon munter und satt. Kaum war unser Hunger gestillt, verzogen sich die Wolken und ich hielt es nicht mehr aus im Haus. Doch, das Haus ist geräumig, extrem gemütlich und warm. Aber, ich bin auf die Insel gekommen, um sie zu erwandern und erleben, da hält mich nichts, vor allem, wenn die Sonne so freundlich lacht! Unser Ausflug an diesem Tag sollte uns ganz ans Ende der Isle of Lewis führen!
Wellen im Abendlicht, Strand Eoropie, Isle of Lewis
Der Butt of Lewis ist am A.. der Welt, Isle of Lewis & Harris
Der Butt of Lewis – wirklich am A… der Welt – ist etwa 70 km von unserer Unterkunft entfernt. Bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir gegen Mittag Richtung Norden. Wir hatten einige Strände und Sehenswürdigkeiten, die wir ansehen möchten herausgesucht, ließen sie jedoch auf dem Weg nach „oben“ alle links liegen. Wir hatten Lust auf einen Leuchtturm und hohe Klippen. Bei schönem Wetter sehen die Häuser weniger trostlos aus. Es wehte ein leichter Wind, die Sonne wärmte unsere Häupter jedoch. Wahrscheinlich werden wir zur Zeit richtig braun – die Stellen jedenfalls, die aus der Kleidung heraus schauen. Zusammen mit zahlreichen Schafen liefen wir entlang der Klippen, fotografierten hier und da. Das Licht war recht hart, obwohl wir lange Schatten warfen. Nun, kein Wölkchen machte die grelle Sonne etwas weicher. Gegen Abend, nach stundenlangem Laufen über die grasbedeckten, teilweise sehr feuchten Höhen, wurden doch die Finger kalt. Traumhaft war es da oben! Und was für ein Tag. Sogar die Zeitungen berichten vom absolut außergewöhnlichen Februar Wetter. Das gibt es nur ganz selten!
Das Haus aus der Eisenzeit am Bosta Strand, Isle of Lewis & Harris
Der Leuchtturm von David Stevenson am Butt of Lewis, Isle of Lewis & Harris
die Kids und der Leuchturm am Butt of Lewis
abendliche Wellen am Surferstrand von Eoropie
Der Surferstrand von Eoropie
In der Ferne hatten wir Wellen mit Gischtfahnen erkennen können. Dieser Strand zog mich magisch an. Wären wir etwas früher dran gewesen, hätten wir auch hinwandern können. So fuhren wir das kurze Stück mit dem Auto. In Eoropie parkten wir und liefen über eine Dünenlandschaft Richtung Strand. Ach, ich kann gar nicht ausdrücken, welche Glücksgefühle ich empfand, als ich diese Wellen sah! Schräges, warmes Sonnenlicht, eine Wellen nach der anderen rollte grünstrahlend auf den Sand. Fantastisch! Der Sand war weich, und wir sackten tief ein. Kennt Ihr das? Auf nassem, weichem Sand zu laufen und die Gischt tief einatmen während die Augen die Farben der Wellen geradezu einsaugen und selbst die Ohren das Rauschen des wilden Wassers vollauf genießen.
Feder am Strand, am Strand von Eoropie
Wellen im Abendlicht, Strand von Eoropie, Isle of Lewis & Harris
Wellenfotografie am Strand von Eoropie, Isle of Lewis & Harris, Schottland
Leider hatte ich mein großes Teleobjektiv nicht mit! Wie blöd von mir, das wichtige Teil im Haus zu lassen. Mein Fotorucksack ist etwas klein, der Große viel zu schwer. Da wiegt allein der Rucksack schon gut 3 kg. Mit den Objektiven komme ich dann auf über 10 kg und das schaffe ich nicht den ganzen Tag! ABER, es ist auch dumm, wenn dann die optimale Linse fehlt! Gerade an diesem wunderschönen Strand Eoropie, im allerbesten Licht. Es müßte eine Frauenkameraausrüstung (was für ein Wort) geben! So wie ich damals meine Olympus OM4 Ti hatte, da paßte alles in eine kleine Bauchtasche und ich hatte Amy noch in der Rückentrage! Nun, an diesem Tag vermisste ich das Objektiv so sehr, dass mir dieser Fehler auf der ganzen Tour nicht noch einmal passierte!
Mit dem 100-400mm Tele Objektiv hätte ich die Wellen jedenfalls wesentlich besser einfangen können. Sie leuchteten so wunderbar im Licht der untergehenden Sonne.
Lang Rückfahrt in der Dunkelheit
Die Fahrt zurück zog sich. Es ist schwierig, die dunkle Straße zu sehen, wenn der Himmel noch lange sehr hell strahlt. Zu stark sind die Kontraste! Solche Bedingungen hatte ich bisher noch nie! Ein seltsames Phänomen. Wir ware ziemlich müde, verdauten wohl die frische Luft. Trotzdem schafften wir noch bis 1:00 Uhr an den Notebooks, schauten Bilder und schrieben. Viel zu spät, denn morgens ist an diesen klaren Tagen das Licht am besten, aber das Bett am wärmsten.
Übersichtsseite Isle of Lewis & Harris
Fahrt von der Isle of Skye nach Isle of Lewis & Harris, Schottland
Packen war angesagt, schon waren die acht Tage auf der Isle of Skye um. Schade. Schnell hatten wir unseren Krimskrams zusammengeschnürt, wir waren so schlau uns gar nicht weit „auszudehnen“. Dann putzten wir noch ein wenig, saugten durch, leerten die Asche im Kamin und zogen die Betten ab. Gegen 10:00 Uhr waren wir dann bei strahlendem Sonnenschein unterwegs zu neuen Ufern. Ein weiteres Mal fuhren wir zur Fairy Glen. Leider passte das herrliche Wetter nicht wirklich zum Anlass. Dramatische Wolken und nasses Moos wären besser angebracht gewesen. Wir liefen ein zweites Mal über die magischen, stufigen Hügel, schauten nochmal genau, wo der Zigeunerwagen im Stardus-Film gestanden hatte.
In Uig erledigten wir wichtige Postgeschäfte und kauften schnell noch Karten und Briefmarken. Und, wer von Euch will eine Karte? Meldet Euch, die ersten drei bekommen eine! (Schreibt uns eine email mit Eure Adresse: reise-reicherts@gmx.de)
Fährfahrt zur Isle of Lewis & Harris
Erster Blick zur Isle of Lewis & Harris auf der Fährfahrt zur Insel
Alle Fährinformationen zu Großbritannien findest Du unter Reisetipps Fähren.
Fährfahrt zu den äußeren Hebriden, Isle of Lewis & Harris
Eine Stunde vor Abfahrt der Fähre standen wir in der ziemlich dürftig bestückten Schlange zur Fähre. Es fuhren nur 14 Autos und ein LKW mit. Auf der Fähre lernte ich ein frisch vermähltes, amerikanisches Paar kennen. Ich unterhielt mich fleißig auf dem Deck und hilet natürlich nach Delfinen und Walen Ausschau, man könnte ja mal Glück haben. Die vier Restreicherts saßen bequem in den warmen Sesseln im Inneren des Schiffs. Felsig und karg begrüßte uns Harris bei der Einfahrt nach Tarbert. Im warmen, weichen Fotolicht fuhren wir von der Fähre herunter auf diese äußere Hebrideninsel.
Was wird uns hier wohl erwarten? Ist das Haus in Ordnung, welches wir uns im Internet herausgesucht hatten? Spannung schwang durch unseren VW-Bus. Windstille hatten wir aber auf dieser bekanntermaßen windigen Insel nicht erwartet, einen völlig klaren, von Abendrot gefärbten Himmel auch nicht. Nach einer doch langen Fahrt über kleine Straßen kamen wir endlich nach Great Bernera. Im Dunkeln fanden wir die gemietete Wohnung problemlos, dank der ausführlichen Bescheibung unserer Vermieterin Anne. Anne war an unserem Ankunftstag in der großen Stadt shoppen, aber wir fanden die Tür unverschlossen vor, das Hausinnere schön warm kuschelig und vor allem geräumig. Wunderbar. Wir ließen unsere müden Knochen aufs Sofa sinken, tranken einen Tee und räumten danach unseren Krimskrams wieder aus dem Bus.
Abendstimmung auf der Isle of Lewis & Harris
Erster Tag auf der Isle of Lewis – Einkaufen in Stornoway
Der erste Tag auf der Isle of Lewis begann trüb – wo war nur der Sonnenschein hin…
Wenige Minuten Licht, dann war’s vorbei für diesen Tag.
so sieht es vor der Tür unserer Ferienwohnung aus, Isle of Lewis & Harris
Größere Kartenansicht
Wir hatten einige Versorgungslücken in unseren Vorräten. Die frische Luft, das Klettern über Steine, und Schleppen der Fotorucksäcke kostet Kraft und erzeugt mächtig Hunger. Anne hatte uns in Stornoway einige Geschäfte empfohlen. Aber zuerst mußten wir dorthin fahren. Wir waren froh, die Insel erstmals bei Tageslicht zu sehen. Von anderen Reisenden und John, dem Vermieter auf der Isle of Skye, wußten wir, dass die Häuser auf den äußeren Hebriden eher trist, betonfarben aussehen. Gerade in diesem trüben Wetter wirkten sie tatsächlich sehr trostlos. Das Land hier ist weit, der Blick wird nicht durch Bäume behindert, nur hie und da stehen Schafe und versuchen klug drein zu schauen. Schaffen sie natürlich nicht!
Erste Eindrücke von der Isle of Lewis, äußere Hebriden
Trotz allem hat die Landschaft einen ganz besonderen Reiz. Die Hügel, die karge Vegetation, verschärft durch die winterliche Februarstimmung – sie haben etwas Übersinnliches, Großes. Wir bewegen uns wie Miniaturen durch eine unreale Welt.
Supermärkte auf der Isle of Lewis & Harris
Im Tesco von Stornoway, der Hauptstadt der Insel, wurden wir wieder sehr real. Da hier die Läden am Sonntag geschlossen sind – die Inselbewohner sind sehr religiös – drängeln sich am Freitag und Samstag hin viele Menschen zwischen den engen Regalen. Das fühlte sich so an wie daheim, als die Läden noch um 18:00 Uhr schlossen, oder wie vor Feiertagen. Wir gerieten durch die Platznot schneller in Konversation. Hier auf der Insel sind Touristen wohl noch seltener als auf der Isle of Skye. Leicht wurden wir als solche erkannt und freudig begüßt. Das ist wohl so wie bei uns, wenn die Schwalben kommen, ist der Frühling nah. So ist es hier mit den ersten Touris. Wir bezeichnen uns selbst aber eher als Reisende und nicht als Touristen!
Wir fielen hinterher noch in den größeren COOP-Markt ein, da fanden wir alles noch Fehlende. In der Stadt bummelten wir durch die kleinen Geschäfte, im Buchlädchen kaufte sich Amy noch ein Buch.
Tiumpan Leuchtturm, Isle of Lewis & Harris
Tiumpan -Leuchtturm auf der Isle of Lewis & Harris
Bei Dauernieselregen fuhren wir in etwa 20 Minuten zum Tiumpan Leuchtturm am östlichen Ende der vor Stornoway liegenden Halbinsel. Von der Ferne sah er wie ein typischer Stevenson Leuchtturm aus. Wir liefen nur kurz die Steilklippen entlang, ich machte auch ein paar Fotos. Das Licht war nicht optimal und Regentropfen sammelten sich auf der Linse. Die Vögel kreischten, die Wellen rauschten. Aus den umliegenden Gebäuden hörte ich dumpf schallend Hunde bellen. Der Leuchtturm ist für Besucher geschlossen, und anscheinend ist hier eine Tierpension eingezogen. Ach was wäre das für eine geniale Wohnung für Meeresliebhaber. In Gesprächen mit den Leuten hier erfuhr ich, dass die Leuchttürme abgebaut werden sollten. Leider ist das beim kleinen Leuchtturm bei Fiskavaig auf der Isle of Skye tatsächlich schon passiert. Hoffentlich bleiben uns die restlichen erhalten. Dahingehende Bemühungen der Bevölkerung gibt es schon.
Abends wanderten wir zur Küste in der Nähe unserer Unterkunft, sprachen unterwegs ein wenig mit den Nachbarn, und spielten mit dem Border Collie Mix, den unsere Vermieter im Garten freigelassen hatten.
Abends am Strand in der Nähe unserer Unterkunft
Übersichtsseite Isle of Lewis & Harris
Strände der Isle of Skye, eine gefundene Kamera
Unser letzter Tag auf der Isle of Syke war von Strandbesuchen geprägt. Nachdem wir Davids Scallops gesehen hatten, es war noch früh am Tag, liefen wir in Glenbrittle entlang des weiten, abwechslungsreichen Strandes. Super war das Licht nicht – strahlender Sonnenschein, wie die letzten Tage, nur ein paar kleine, feine Wölkchen über den Cullins. Trotzdem fanden wir manigfaltige Motive, das gelbe Gras auf dem schwarzen Sand des Strandes, dazu die Bergkulisse passte gut zusammen. Die Muster im gemischten Sand, dort, wo Rinnsale ins Meer strömten, erinnerten an Kunstwerke.
Farm und Cuillins im Abendlicht
Im kühlen Wetter scheinen wir alle sehr schnell hungrig zu werden. Bis zum Sonnenuntergang hielten wir es nicht aus, so fuhren wir „heim“ und kochten. Mir fällt es sehr schwer, im Sonnenschein im Haus zu sein. Diesmal schaffte ich es rechtzeitig, die anderen davon zu überzeugen, zeitig loszuziehen. Die Talisker Bay hatte mich fasziniert, der Tag war wieder komplett wolkenlos, ob es nochmal so schön werden würde? Allein die kurze Wanderung zum Strand ist schon vielseitig. Das Talisker Anwesen liegt idyllisch in der geschützten Bucht. Die Schneeglöckchen blühen zwischen moosbedeckten Bäumen, der Halbmond steht über den sonnenbeschienenen Bergen, Schafe grasen entlang des matschigen Weges. Lange bevor wir den Strand sehen, finden wir große Mengen Müll, der wohl vom Wind weit ins Land getragen wurde. Da lag doch noch was, was nicht nach Müll aussah. Eine kleine Kameratasche, darinnen eine ältere Kompaktkamera mit voller Speicherkarte. Wir nahmen sie mit, wollten die Leute am Strand fragen. Doch niemand war da. Nach Flaschenpost schauen wir übrigens auch jeden Tag, jetzt im Winter liegt leider sehr viel Müll an den Stränden, die Stürme der letzten Wochen hatten ganze Arbeit geleistet.
So nahmen wir uns vor, das Kamera Fundstück am nächsten Tag in Portree in der Touristinformation abzugeben.
schwarzer und weißer Sand in Glenbrittle, Isle of Skye
Glenbrittle Beach, Cuillins
Der Frühling kommt, Talisker Bay
Esra und Gunter schauen nach der gefundenen Kamera – so kalt, wie es aussieht war es nicht – ich lief ohne Handschuhe und Mütze!
Wellen und Felsen, Isle of Skye
Eine kleine Wolke am Horizont und nur kleine, weiche Wellen verhinderten einen ebenso spektakulären Fotoabend, wie letztens. Trotzdem fand ich eine schöne steile Stelle im schwarzen Sand, wo die weißen, schaumigen Wellen schnell abflossen. Dort beschäftige ich mich bis mal wieder Meerwasser in die Schuhe schwappte. Immer muß ich aber auch ganz vorne stehen :-) Ja, Lutz, ich werde mir mal solche halben Gummistiefle kaufen müssen.
Zurück am Auto fanden wir einen Zettel mit einer Telefonnummer. Da suchte jemand seine Kamera :-) Klasse. Wir fuhren, bis wir Empfang hatten, parkten vor der Distillerie und riefen Charly an. So schnell kann man jemanden glücklich machen. Und er wohnte oben am Hang, wo wir gerade heruntergefahren waren.
Wir packten unseren Kram zusammen schrieben im Blog und luden die Bilder runter, wie jeden Abend und müde ins Bett.
Im Sommer hatten wir die Isle of Skye ja bereits besucht. Schaut nochmal in die älteren Berichte, da hatten die Kinder auch Infos zur Insel gesammelt.
David Oakes – Skyes einziger Jakobsmuschel-Sammler
David Oakes ist einer von den Leuten, die sich eine sehr außergewöhnliche Profession ausgesucht haben, um sich ihre Brötchen zu verdienen: Er sammelt Jakobsmuscheln. Für die feinsten Restaurants weit und breit, aber auch für Privatleute, geht er seit nun fast 30 Jahren immer und immer wieder auf die Suche nach den begehrten Delikatessen. Das beste Restaurant auf der Isle of Skye, auch unter den besten 50 Restaurants der Welt geführt, sei das „The Three Chimneys„
frischer geht es nicht, Jakobsmuscheln und David Oakes, Isle of Skye
Jakobsmuscheln, Isle of Skye
David Oakes, Jakobsmuscheln
David Oakes, Jakobsmuscheln
David Oakes, Jakobsmuscheln
David Oakes, Jakobsmuscheln
David Oakes, Jakobsmuscheln
Der Jakobsmuschel-Farmer auf der Isle of Skye
Dazu muss er dauernd ins kalte Wasser, um die dicken Muscheln vom Meeresgrund aufzulesen. Sein Geschäft läuft hauptsächlich im Sommer, wenn die Touristen auf Skye sind; dann hat er fast jeden Tag zu tun, macht einen Tauchgang nach dem anderen und holt die Muscheln zentnerweise vom Grund der Bucht.
Doch auch wenn er sein Geld fast ausschließlich im Sommer macht, so kommt doch auch in den kalten Monaten hin und wieder ein Auftrag rein.
Wir hatten also recht viel Glück, denn als wir ihn vor ein paar Tagen kontaktierten, hatte er gerade eine Nachfrage bekommen und musste so in nächster Zeit wieder seinen treuen Tauchanzug anlegen. Wir konnten ihm also bei der Arbeit zuschauen.
Gestern morgen kreuzten wir also um 9 Uhr vor Davids Haustüre auf und folgten ihm, nachdem ihm seine Frau in den Trockenanzug geholfen hatte, zu seiner „Unterwasserfarm“.
Keine 200 Meter von seinem Haus entfernt liegt, so erklärte er uns, die perfekte Stelle für seine „Jakobsmuschelfarm“. Der Plankton-Gehalt, die Temperatur, die Wassertiefe, die Gezeitenströmungen und nicht zuletzt die einfache Erreichbarkeit… hier stimmt einfach alles.
Die Jakobsmuschel-Farm
Damit ihm die Jakobsmuscheln nicht nach einiger Zeit ausgehen, muss er stetig für Nachschub sorgen. David sammelt jüngere Jakobsmuscheln, oder Scallops, wie sie auf Englisch heißen, in tieferen und kälteren Gewässern. Er erklärte uns, dass es einer der wenigen Lebensziele einer Jakobsmuschel wäre, sich in wärmere, Nahrungsmittel-reichere Gegenden zu begeben. Er würde ihnen im Grunde nur nachhelfen, wenn er sie auf einem unwirtlichen Stückchen Boden aufliest und sie in seiner (als solchen durchaus bezeichenbaren) Unterwassercroft wieder hinlegt und dort wachsen läßt. So, wie seine Nachbarn ihre Farmen bewirtschaften, so arbeitet der professionelle Taucher, einfach unter Wasser.
Im Loch Sligachan lässt er die dünneren, nicht unbedingt kleineren Jakobsmuscheln erst einmal einige Jahre lang gedeihen, bevor sie erst an die Wasseroberfläche und dann auf den Teller verfrachtet werden. Dass eine Muschel „reif“ ist erkennt man daran, dass sie regelrecht fettgefressen aussieht und sich schwerer anfühlt. Während eine Muschel in kaltem und tiefem Wasser dünn und schmächtig erscheint (und wohl auch so schmeckt), so wird sie zu einer richtig handfesten Gaumenfreude, wenn man ihr bessere Lebensumstände gönnt. David ist stolz daruf, dass seine Scallops zweimal gesammelt sind!
Ich half David dabei, die schwere Sauerstoffflasche zum Wasserrand zu tragen, Noah schleifte den Bleigürtel hinterher. Mit bestimmt gut über 50 Kilogramm Ausrüstung am Körper stapfte er dann für etwa 20 Minuten in die überschaubaren Tiefen seiner Bucht; 5 Meter unter der Oberfläche spazierte er ein paar mal hin und her und füllte seinen Sack. Wir verfolgten seinen Weg anhand der Wasserbläschen, die an der Oberfläche umherwanderten und anzeigten, wo er sich gerade befand. Selbst nach 30 Jahren Taucherfahrung strand dem Unterwasserfarmer die Begeisterung ins Gesicht geschrieben.
Als seine Arbeit getan war, kam er mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht wieder aus dem eiskalten Wasser marschiert, schwer bepackt mit Ausrüstung und Beute.
Die Unterwasserwelt der Isle of Skye
„Es war einfach wundervoll!“ grinste er. Das Wasser wäre klar gewesen, die Sicht gut, und der Unterwasserspaziergang genauso faszinierend wie sein Erster. Selbst nach all den Jahren hatte das Tauchen für David Oakes offensichtlich seinen Reiz nicht verloren. Umweltfreundlicher können Jakobsmuscheln nicht gesammelt werden, David taucht nur, wenn er Bestellungen hat, das Aufsammeln per Hand beschädigt den Meeresboden nicht.
Jakobsmuscheln sind nicht die einzigen Schätze, die David von seinen Tauchgängen ans Land bringt. Wie sich nämlich herausstellte, verlief vor hunderten von Jahren einmal einer der beliebtesten Handelswege Schottlands per Fähre über diese Bucht. Alles und jeder musste hier vorbei, wenn er auf die nächste Insel wollte, und nach all dem Krimskrams zu urteilen, den David auf dem Meeresgrund dort schon gefunden hat, müssen das jede Menge Leute gewesen sein. Mittelalterliche Töpfe, Flaschen, einen Haufen zufälligen Krimskrams…. sogar eine Kanonenkugel hat er einmal aus dem Sand gehoben.
Die ganzen Jahrhunderte-alten Sachen, so erklärte er uns, sind im lokalen Museum zu sehen. Leider haben wir es nicht mehr geschafft, dieses zu besuchen.
Zufälle gibt es
Einen Tag später trafen wir auf der Fähre zu den äußeren Hebriden ein frischvermähltes amerikanisches Paar.
Gestern erzählte Charly waren die beiden im „The three Chimneys“ gespeist, die Jakobsmuscheln seien sehr lecker gewesen. Ich lachte, „Wir sahen morgens, wie genau diese frisch aus dem Meer gepflückt wurden“. Zufälle gibt es!
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