So ruhig hier im Blog
In unserem Blog wurde es im letzten Jahr schlagartig sehr ruhig. Ruhiger, als wir es selbst als gut finden. Wir möchten auf der einen Seite unsere Leser nicht hängen lassen, auf der anderen Seite geht es manchmal nicht anders. Unsere Newsletter-Abonnenten informierten wir bereits über die Gründe, warum es so wenig neue Blogbeiträge gab, im Blog selbst haben wir bisher nicht darüber berichtet.
Jetzt wird es ausnahmsweise persönlicher, als es uns eigentlich lieb ist. Mit einem Blog in der Öffentlichkeit zu stehen, hat nicht nur Vorteile. Was an unserem Leben ist privat, was berichtenswert? Wo ziehen wir die Grenzen? Worüber berichten wir, wenn wir nicht reisen wollen oder können?
Wir schrieben so wenig Blogbeiträge, weil wir ganze elf Monate nicht verreisen konnten und in dieser Zeit auch kaum fotografierten. So lange am Stück waren wir in den letzten 19 Jahren nicht sesshaft gewesen!
Der Reigen der Krankheiten beginnt schon im Herbst.
Gunter verletzte sich im letzten Herbst am Knie. Der Arzt war der Meinung, mit guter Schonung heile das auch ohne Operation. Der abrupte Bewegungsmangel nach einem Sommer des ständigen Unterwegs- und Aktivseins wirkte sich drastisch auf den Stoffwechsel aus. Mein Mann entwickelte einen akuten Diabetes. Das warf uns kräftemäßig weit zurück. Mit der Situation mussten wir erstmal zurechtkommen und vor allem mal langsamer machen.

Gunter am Computer daheim
Können Reiseblogger Urlaub machen?
Da kommt doch gleich ein weiteres Problem von Reisebloggern und Fotografen auf: Können wir überhaupt Urlaub machen?
Die kurze Antwort darauf: Nein!
Wir können keinen »Urlaub« machen. Kaum sehen wir eine neue Landschaft, fotografieren wir, recherchieren, überlegen, was wir über eine Region herausfinden können, damit wir darüber Interessantes aufzuschreiben in der Lage sind. Sind wir zuhause, sitzen wir am Rechner, bringen das Haus auf Vordermann, oder arbeiten auf, was während der langen Reisen liegen geblieben ist. Ob zuhause oder unterwegs, wir finden kaum die Möglichkeit oder gönnen es uns nicht, Erholungspausen zu machen.
Nun, Selbständige sind müssen immer aktiv sein. Das ist, wie damals in der Schule oder an der Uni, wo ich immer das Gefühl hatte, nicht genug gelernt zu haben. Also ein ständiges schlechtes Gewissen, welches über einem schwebt und keine tieferen Entspannungsphasen zulässt.
Ich möchte nicht meckern. Ich liebe meinen Job. Aber genau da liegt die größte Gefahr. Die unbedingt nötigen Ruhephasen für den Körper und den Geist gönnen wir uns zu selten, auch oder gerade weil das, was wir tun, soviel Spaß macht.
Ich arbeite mit Hochdruck an meinem Heimat-Fotobuch
In der Zeit, als Gunter sein Knie schonen musste, klapperte ich fotografierend alle Feld- und Wanderwege der Heimat ab. Einige hundert Kilometer legte ich zu Fuß und per Fahrrad zurück. Zum Glück war mir das Wetter wohlgesonnen. Die Fertigstellung des Bildbandes »Spaziergang durch Selztal« war hektisch, der sollte noch für das Weihnachtsgeschäft auf den Weihnachtsmärkten fertig werden. Der Kampf mit dem neuen Design-Programm, die Suche nach der günstigsten und schnellsten Druckerei, das Nachbessern und das Marketing war mega anstrengend. Wir druckten hunderte Flyer und verteilten sie in den Briefkästen, liefen wieder zig Kilometer und standen viele Stunden lang in der beißenden Kälte auf den Weihnachtsmärkten.

Baum und Weinberge – Eines der Fotos aus dem Selztalbuch
Blogbeitrag über das Selztalbuch
Buch: Spaziergang im Selztal
Diese fiese Grippe zur ungünstigsten Zeit
Nach dieser turbulenten Zeit haute es mich und den Rest der Familie um. Wir fingen uns eine echte Grippe ein. Alle Ärzte waren über die Weihnachtsfeiertage ausgeflogen, zwischen den Jahren waren auch die Notaufnahmen hoffnungslos überfüllt und wenig hilfreich. Die flaschenweise vertilgten Hustensäfte verschafften keine Linderung, Lutschbonbons widerten mich schließlich an, die Halsschmerzen blieben trotz der eklig süßen, klebrigen Dinger. Erst in der zweiten Januarwoche kam ich bei einem Arzt durch. Diese blöde Grippe hatte nicht nur bei uns daheim zugeschlagen. Die meisten Arztpraxen waren entweder geschlossen oder hatten nur ein Not-Team. Für mich war dieser Termin jedoch reichlich spät. Meine Grippe hatte eine schwere Lungenentzündung ausgelöst. Ohne Antibiotika und Kortison würde ich nicht auf die Beine kommen. Na ich will jetzt nicht alles im Detail beschreiben.
Das Jahr fing scheiße an und ging auch so weiter. Ich vertrage keine Medikamente. Das Antibiotikum setzte eine gesundheitliche Abwärtspirale in Gang. Dazu noch der nicht enden wollende Fluglärm, der mich fast in den Wahnsinn trieb.
Ein komplizierter Beinbruch und die langwierige Heilung
Ja, und dann kam dieser saublöde Beinbruch im Kniegelenk. Eine unbedachte Bewegung im Bad mit fatalen Folgen. Eine Operation mit sieben Schrauben und einer langen Platte im Bein macht wenig Spaß, noch viel weniger, wenn man keine Schmerzmittel verträgt und die Schwestern im Krankenhaus das partout nicht verstehen wollen. Der Arzt meinte nur, von Schmerzen stirbt man nicht. Nicht direkt jedenfalls.

Schauben und Platte im Bein
Noah macht Abi
Noah hatte von Januar bis März sein Abi als Externer Prüfling absolviert. Wir hätten in dieser Zeit trotz der Wehwehchen reisen wollen/müssen, aber darauf verzichtet, weil Noah unsere Unterstützung brauchte. Die Prüfungen fanden alle in Ludwigshafen statt. Das ist schwierig zu erreichen von unserem kleinen Kaff Bubenheim aus. Aber er brauchte nicht nur fortbewegungstechnisch Unterstützung. Das Abi als Externer ist schon ganz schön stressig. Ganz besonders, weil Noah auch kurz vor der Prüfung vier Wochen mit dieser blöden Grippe fest im Bett gelegen hatte.
Nun, unser Sohn hielt zu guter Letzt sein Zeugnis in den Händen.
Reisereif hänge ich im Krankenhaus fest
Wir waren inzwischen mehr als Urlaubs – Reisereif – und dann machte dieser saudoofe Unfall alles kaputt.
Die Fluglärmbelästigung ging auch munter weiter. Die Wetterlage mit ständigem Ostwind war noch nie so lang so stabil gewesen. Die dicken Brummer drehen am Berg hinterm Ort ein und fliegen wie Perlen an der Kette in tausend Meter Höhe direkt über unser Haus. Und zuhause kann ich diesem Lärm nicht entkommen.
Fluglärm macht krank
Das Ingelheimer Krankenhaus, in dem ich operiert wurde, ist nur acht Kilometer von unserem Heimatort entfernt. Seltsamerweise genoss ich selbst in dieser Stresssituation die Abwesenheit von Fluglärm, als ich auf der Station lag. Ich nahm diese Ruhe vom Himmel bewusst wahr und genoss sie. Am »Boden« war es alles andere als ruhig: Die Türen knallten, die Schwestern trampelten über den Flur, Autoverkehr und Baulärm von draußen und generell der Geräuschpegel einer wuseligen Kleinstadt. Das machte mir aber kaum was aus. Da wurde mir richtig bewusst, wie belastend der Fluglärm über unseren Köpfen ist.
Ich suchte jedenfalls eine Lösung für das bevorstehende Problem. Dem Fluglärm wollte ich nicht hilflos ausgesetzt sein. Außerdem weiß ich, dass Bewegung beim Stressabbau hilft. Wahrscheinlich stimmt das für jeden Menschen, für mich als absoluten »Draußenmenschen« stimmt das nochmal mehr.
Hilfe – ich brauche Natur und Bewegung!
Schon im Krankenhaus schaute ich auf meinem Smartphone nach, ob es nicht eine Fahrradalternative für mich gibt. Ich wollte/musste raus in die Natur, egal wie. Wochenlang in einem Zimmer festzusitzen ist für mich der absolute Horror. Auf Ebay fand ich ein Handbike in erreichbarer Nähe. Ich brauchte einige Überzeugungskraft bis mein Gatte mich schließlich nach Rüsselsheim fuhr. Unsere lieben Kids legten übrigens zusammen und zahlten für das fast 500 Euro teure Rad.
Ein Handbike als Rettung
Ich konnte nicht mal richtig an Krücken laufen und hatte noch die Fäden im Bein, das saß ich bereits im Handbike.
Die erste Fahrt endete mit einer Ernüchterung: Ich kurbelte mich einmal um die Kirche. Schon an der ersten sanften Steigung, die mir mit dem normalen Rad nie aufgefallen war, blieb ich kläglich hängen. Gunter musste mich die letzten hundert von den fünfhundert Metern schieben. Danach war ich fix und fertig. Ob ich es jemals schaffen würde mit dem Ding irgendwo hinzufahren?
In den nächsten Tagen und Wochen kämpfte mich durch. Mein Wille, den weiten Himmel, die Getreidefelder und die Bäume zu sehen war übermächtig. Ich verausgabte mich fast jeden Tag. Kam schließlich bis ins zwei Kilometer entfernte Schwabenheim. Auf dem Rückweg brauchte ich noch Anschiebehilfe den Hang hoch. Die Armmuskeln sind eben mehr dazu gemacht, eine Kamera zu halten oder Einkäufe zu schleppen als den gesamten Körper plus Gefährt irgendeinen Hang hinauf zu radeln. Die Muskeln brannten, aber mein ganzer Körper fühlte sich danach lebendiger und stärker an. Also fuhr ich weiter in sonnigem Wetter mit dem Handbike durch die Gegend.
Schon nach knapp zwei Wochen traute ich mich erstmals, die 8 km nach Ingelheim zu radeln. Es gibt nur zwei kurze Steigungen auf der Strecke, ansonsten geht es meist bergab oder geradeaus. Das Handbike und ich fuhren an diesem Tag mit dem VW Bus zurück. Danach schaffte ich es immer aus eigener Kraft. Die kurzen Pausen, die ich anfangs noch nötig hatte, möchte ich nicht verheimlichen. Irgendwann musste ich auch auf dem Rückweg nicht mehr zum Krafttanken anhalten, sondern nur noch, um die schönen Ausblicke zu genießen. Mein Ziel, auch mit gebrochenem Bein möglichst viel Bewegung und Naturgenuss zu bekommen hatte ich mit meinem Handbike erreicht und ich bin unendlich dankbar dafür. Die Muskeln, die ich im Rücken, der Brust und in den Armen ausbildete, fühlten sich auch jetzt noch wunderbar an.

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Nach ein paar Wochen spüre ich die Muskeln

Die Getriedefelder werden schon gelb

Steigungen sind mit dem Handbike extrem anstrengend

Ich habe es nach Ingelheim geschafft

Auf dem Weg zur Physio

Handyfotos von einem der Radausflüge

Zum Glück gibt es bei uns soviele Wirtschaftswege

Zum Glück gibt es bei uns soviele Wirtschaftswege – so tolle Wolken
Wir bieten ein individuelles Online-Fotocoaching an
Da wir sowieso zuhause festsitzen und trotzdem fotografisch irgendwie aktiv sein wollen, haben wir ein Online-Fotocoaching-Angebot entworfen. Für Interessierte bieten wir hier ein auf die persönlichen Erfordernisse zugeschnittenes Beratungspaket an.
Unserer Erfahrung nach bleiben viele Hobbyfotografen, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittene, unter ihren fotografischen Möglichkeiten. Sei es die effektive Nutzung der Ausrüstung, die Fotografiertechnik und Bildgestaltung oder die Nachbearbeitung.
Hier packen wir gezielt an und helfen euch weiter.
Das Angebot steht noch: Individuelles Fotocoaching

Gabi bei der Arbeit, Ostseeküste
Vom Handbike übers EBike wieder zum eigenen Fahrrad
Der Sommer wurde heißer. Die Fahrten mit dem Handbike sind anstrengender als mit dem normalen Rad, deshalb waren sie sehr schweißtreibend. Da kam mir der Zufall zu Hilfe. Auf einer meiner Ausflüge traf ich eine Freundin, die fuhr ein paar Tage später zur Kur nach Sylt. Sie lieh mir für diese drei Wochen ihr EBike. Zu der Zeit hatte ich mein Bein soweit gedehnt, dass ich anfangen konnte, richtiges Rad zu fahren. Die Kraft reichte aber noch nicht ganz für mein »normales« Rad. Da kam das EBike gerade recht. In der ersten Woche traute ich mich noch nicht drauf, aber in der zweiten Woche packte ich es. Ich musste einfach die Chance nutzen, so wieder ins Radfahren reinzukommen. Nach drei Monaten konnte ich übrigens immer noch nicht ohne Krücken gehen. Das Radfahren mit Motorsupport machte riesigen Spaß. Leider kam viel zu schnell die Zeit, das Rad wieder zurückzugeben. Ich war trotzdem unendlich dankbar für diese Möglichkeit. Herzliches Dankeschön dafür an Emmi.

Gabi auf dem E-Bike
Wir entwarfen einen Plan, um wieder normal Rad zu fahren. Gunter wollte auch mal das Handbike fahren und Armmuskeln aufbauen. Also fuhr Gunter damit nach Ingelheim – die einfachere Strecke, und ich fuhr mit meinem Rad. Auf dem Rückweg tauschten wir die Räder. Das machten wir solange, bis mein Bein kräftig genug war, die ganzen 16 km durchzuhalten. Cool, was?
Meine Lektionen 2018
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Versuch das Beste draus zu machen
Nach so einem Unfall wieder auf die Beine zu kommen, ist langwierig, anstrengend und frustrierend. Ich habe versucht, das Beste draus zu machen. Es wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis ich wieder »richtig« laufen kann, aber ich bin auf dem Weg. Für mich ist Bewegung und Naturerlebnis wichtig, so habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, beides zu bekommen.
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Ohne Geduld geht gar nichts
Geduld war die zweite Lektion. Jeden Tag ein klein wenig weiter reicht schon aus. Ich ging jeden Tag an meine Grenzen. Ohne die Bewegung hätte ich den Stress bestimmt nicht so gut verarbeiten können.
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In der Langsamkeit liegt der Genuß
Langsamkeit kann man auch genießen. Ich nahm die Landschaft aus der tieferen Perspektive des Handbikesitzes wahr, eine ganz neue Sichtweise. Und an Hängen war ich auch wesentlich langsamer unterwegs. Ich hatte trotz körperlicher Anstrengung Zeit, die Kornblumen am Rand der Felder zu bewundern, den Blick über die grünen Weizenfelder gleiten zu lassen und in Ruhepausen die Wolken zu betrachten.
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Natur kann ich auch vor der Haustür genießen
Auf den Radtouren genoß ich die Natur, die kleinen Dinge wirklich sehr bewußt. Das tat mir unendlich gut. Ich lernte, dass es nicht immer das Meer und grandiose Landschaften sein müssen. Dass man die Naturverbundenheit auch in den eigenen Händen halten kann, erlebten wir übrigens sehr intensiv, als eine Freundin mit einem Problem auf uns zu kam, welches uns wochenlang beschäftigen sollte. Davon aber morgen mehr! Ein bischen Spannung muss sein.
So, jetzt bist du lieber Leser auf dem Laufenden.
In die Niederlande zum Radfahren und Seeluft schnuppern
Im Oktober waren wir endlich wieder unterwegs. Zum Testen meiner Mobilität ging es in die Niederlande. Die Holländer haben ein perfektes Radwegenetz und man kommt mit dem Drahtesel fast überall hin. Es gibt auch keine hohen Berge, da kann man richtig gut und ohne Überanstrengung wieder ins Radfahren hineinkommen.
Die beste Therapie für mich ist die Fotografie. Ich wollte versuchen, mich »gesund zu fotografieren«. Das klappte besser, als ich dachte. In den nächsten Tagen folgen die Blogbeiträge über die Leuchttürme am IJsselmeer und die beiden Inseln Schiermonnikoog und Ameland.
Parallel zu den Gesundheitsproblemen leiden unsere Fahrzeuge
Unser VW T 4 läuft wieder
Einige haben bestimmt mitbekommen, dass unser VW-Bus im letzten Sommer die Grätsche gemacht hat. Der Zahnriemen ist gerissen und zuerst hieß es, die Kiste ist schrottreif.

Motor kaputt – was nun?
Erst wollten wir den Bus zum Ausschlachten veräußern. Dann holten wir von überall Informationen und Ratschläge ein, fanden aus Zufall einen fähigen KFZ-Meister mit Rennsporterfahrung im Nachbarort, und siehe da, unser geliebter T4 ist doch reparabel, wenn auch nicht billig. So war unser Bus im Februar wieder einsatzbereit. Der ursprüngliche Plan, Esra mit dem Bus nach Schweden zu fahren scheiterte ja bereits an der Lungenentzündung.
Endlich repariert ein fähiger Mensch unser Womo
Mit dem Wohnmobil gab es auch Ärger. Schon auf der Spanien-Portugal-Tour quietschten die Bremsen. Das Problem verschlimmerte sich. Wir tauschten die Bremsen, das Quietschen blieb, jetzt wurde auch das Hinterrad heiß. An eine größere Tour war so nicht zu denken, wir dachten schon daran, unser Wohnmobil mit dem Schaden an einen Bastler zu verkaufen.
Dann kam Gabis Beinbruch, eine Reise kam kurzfristig nicht in Betracht, obwohl wir immer darauf hofften, wenigstens einen kurzen Trip zu machen. Dass es sich so lange hinzieht, war uns anfangs nicht bewusst.
Als letzten Versuch stöberten wir im Internet auf der Suche nach unserem alten Fiat-Transporter-KFZ-Meister. Der kennt die Kisten aus dem Effeff, war leider nicht mehr in der ursprünglichen Werkstatt angestellt.
Langer Rede kurzer Sinn, wir fanden unseren Spezialisten wieder, wenn auch nicht ganz in der Nähe. Mit zwei Anläufen war der Fehler gefunden und das Mobil erfolgreich repariert. Nicht gerade billig, aber auf jedem Fall preiswert. Die wenig hilfreichen und noch wesentlich teureren Service- und Reparaturversuche bei der lokalen Werkstatt ein Jahr zuvor hätten wir uns da sparen können.

Unser Übernachtungsplatz am När Leuchtturm
Jetzt steht unser Wohnmobil fahrbereit im Hof und wartet nur darauf, bis Gabi so weit gesundet ist und es wieder auf große Tour gehen kann. Der Plan für den Sommer 2018 war übrigens Schottland und dort vor allem die Inseln gewesen.
Abseits des Asphalts, jenseits der Baumgrenze – ungeplantes Radreisen in Norwegen.
„Worauf haben wir uns nur eingelassen?“ fragen sich meine Freundin und ich beim Anblick des Weges vor uns. Der Asphalt ist zu Ende. Auf grobem Schotter geht es bei 18% Steigung und etlichen Serpentinen den Hang rauf. Die Reaktionen der entgegenkommenden Radfahrer weiter unten im Tal hätten eine Vorwarnung sein können: Einer rief uns laut „Respect!“ zu, als er an uns vorbeifuhr, andere gaben uns Daumen hoch oder schauten beeindruckt. Sie dachten bestimmt, wir wissen, was auf uns zukommt. Da haben sie falsch gedacht. Alles, was wir über den Rallarvegen wissen, ist, dass er uns Richtung Osten bringt (da wollen wir hin) und dass er vor einer Ewigkeit neben einer Eisenbahnstrecke angelegt wurde, damit die Eisenbahnarbeiter zu den Gleisen gelangen konnten. Die Sache mit dem groben Schotter und dem sehr einseitigen Höhenprofil der Strecke lernen wir gerade dazu.
„Ist es okay, wenn ich hier schiebe?“ fragt Josi. Sie ist manchmal besorgt, dass Schieben ein Zeichen von Schwäche ist, und fährt in der Regel jede noch so steile Straße mit mir hoch. „Ich glaube, das können wir gar nicht fahren“ antworte ich, und steige auch vom meinem voll beladenen Reise-Rad ab. Wir mühen uns ab, die 30 kg schweren Räder über den losen Schotter diese Straße hoch zu hieven. Unsere Räder sind einfach nicht für solche Strecken gemacht, wir haben schmale Straßenreifen auf den Felgen.
Uff! 17 solcher Kurven führen hier den Hang rauf.
Erschöpft, aber glücklich.
Von oben betrachtet lässt uns die Straße staunen: da haben wir es hoch geschafft.
Das Dilemma mit dem Proviant
Nach zwei Stunden Knochenarbeit haben wir das Schlimmste hinter uns, der Weg wird ebener und wir steigen wieder auf unsere Räder. Noch 60 Kilometer liegen vor uns, es wird bald dunkel, und wir haben nicht mehr viel zu Essen dabei – die Plackerei hat unseren Appetit in die Höhe getrieben und den Proviant dezimiert. Zumindest um einen Schlafplatz machen wir uns keine Sorgen, denn in Norwegen darf man wildcampen. Nur: Wenn der Rallarvegen weiterhin so schwer befahrbar ist, brauchen wir den gesamten nächsten Tag dafür. Wir haben nur noch ein paar Bananen, eine Packung Kekse, etwas Müsli und Schokolade dabei – ohne zusätzlichen Proviant wird es eng. Was machen wir jetzt? Zurückzufahren kommt nicht in Frage. Nachdem wir so viel Mühe investiert haben, um die bisherigen 1.000 Höhenmeter zu sammeln, fahren wir sie sicher nicht einfach wieder runter. Eine zweite Option wäre die Bahn. Zwar führt nach Myrdal, eine Siedlung mit zehn Häusern, keine Straße, aber es gibt einen Bahnhof. Wir könnten also den Rallarvegen einfach überspringen.
Wir fragen einen entgegenkommenden Radfahrer, wie denn der Weg beschaffen war, den er die letzten 60 Kilometer gefahren ist. „Ganz schlimm“, meint er, „Mit euren Reifen wird das nichts. Nehmt lieber den Zug.“ Ich will diesen Gedanken zögerlich zur Debatte stellen und ernte prompt einen empörten Blick von Josi. Wir warten also kurz ab, um die nächsten Entgegenkommenden zu fragen. Zwei Meinungen sind besser als eine. Es kommt ein Paar mittleren Alters um die Kurve. „Ach was, das geht schon. Ihr seid noch jung,“ lautet deren Meinung. „Der Weg ist sehr anstrengend, aber er lohnt sich!“ Wir entscheiden uns, der optimistischen Einschätzung mehr Vertrauen zu schenken. Es wird schon schief gehen!
Mein Rad muss viel mitmachen.
Endlich oben angekommen.
Der Weg ist beschwerlich.
Neben dem Rallarvegen rauscht ein Gebirgsfluss.
Die Aussichten hier oben sind nicht schlecht.
Über das ungeplante Reisen
Wenn wir gewusst hätten, was uns hier erwartet, hätten wir uns diesen Weg nicht zugetraut. Jetzt merken wir, dass es doch geht – und sind sehr froh darüber, dass wir zufällig hier her geraten sind. So müssen wir unsere Komfortzone verlassen und werden dafür reich belohnt. Die ganze Reise gleicht einer Kette von spontanen Entscheidungen. Wir haben ein paar Orte im Kopf, die wir gerne besuchen wollen, doch der Weg dazwischen wird kurzfristig erkundet. Schließlich bietet uns das Reisen per Fahrrad die perfekten Voraussetzungen für diesen Reisestil, und das wollen wir ausnutzen. Mit dem Zelt auf dem Gepäckträger ist die Freiheit einer Radreise perfekt.
Als wir auf den Rallarvegen treffen, sind wir schon seit einer Woche in Norwegen unterwegs, und während dieser Woche kamen wir schon einige Male aus dem Staunen nicht mehr heraus. Doch die Landschaft hier oben stellt alles Vorherige in den Schatten. Wir befinden uns über der Baumgrenze, kantige Berghänge sind mit Restschnee aus dem Winter gespickt und kristallklare Bergseen säumen den Schotterweg. Bei der Kulisse macht es uns nichts aus, dass der Weg fordernd und hin und wieder auch frustrierend ist.
Da es bald dunkel wird, halten wir Ausschau nach einem netten Plätzchen für unser Zelt. Es nieselt und ist nicht gerade warm hier auf dem Hardangervidda Plateaufjell. Viele der Flächen neben der Straße sind sumpfig und feucht, es dauert eine Weile, bis wir das Zelt auf einem relativ guten Stück Boden ausrollen können. Da wir seit knapp einer Woche nicht mehr geduscht haben, steigen wir auch noch kurz in den See direkt vor unserem Zelt, aber lange halten wir das eiskalte Wasser nicht aus. Zum Glück sind die Daunenschlafsäcke schön warm.
Nach einigem Suchen finden wir einen Zeltplatz direkt an einem See.
Ein prachtvoller Tag auf dem Fjell
Am nächsten Morgen scheint zum ersten Mal die Sonne an einem gänzlich blauen Himmel. Die nächtliche Kälte liegt zwar noch im Tal, aber ein prächtiger Tag kündigt sich an. Zum Glück! Die Schotterpiste wäre ein Alptraum in Regenwetter, daher ist der erste trockene Tag ein Segen. Wir fahren bald nach Sonnenaufgang los, damit wir den Rest des Weges noch am selben Tag hinter uns bringen können. Für einen weiteren Tag reicht der Proviant nicht mehr. Etliche Radfahrer kommen uns an diesem Tag entgegen, beinahe alle auf den Leihrädern, die sie sich am anderen Ende des Weges gemietet haben, nachdem sie mit dem Zug auf das Plateau gefahren waren.
Wir schaffen die Strecke gut, müssen nur in Ausnahmefällen schieben. Irgendwann erreichen wir den Höchsten Punk des Weges, bei 1.343 Metern über Normalnull. Um dort hinzukommen, sind wir allerdings knapp 2.000 Höhenmeter hochgefahren, es geht ja nicht stetig rauf, sondern auch manchmal wieder runter. Wir sind mächtig stolz auf uns, posieren vor dem Schild, genießen die Aussicht. Hinter der nächsten Kurve lauert sogar noch eine Überraschung: hier oben steht mitten im Niemandsland, zwischen Bergseen und kargen, felsübersähten Berghängen, ein kleines Café. So doof ist das gar nicht, denn der stete Strom von Radfahrern sorgt für Kunden, die beinahe garantiert Hunger haben. Nur: Die Frau hinter der Theke kann keine Kartenzahlungen annehmen. Das ist in Norwegen ein Problem, denn Bargeld ist hier beinahe ausgestorben. Wenn es eine rote Liste für gesellschaftliche Praktiken gäbe, dann würde bei den besonders bedrohten Arten das norwegische Bargeld stehen. Wir haben bisher immer die Kreditkarte genutzt (und sollten auch bis zum Ende damit an jeder Pommesbude Erfolg haben). Bis auf einen 20€ Schein haben wir nichts, doch nachdem wir ein bisschen um den Wert desselben gefeilscht haben akzeptiert sie ihn für eine üppige Bestellung mit Heißgetränken, Waffeln, und Kuchen. Ein Traum an diesem Tag.
Am nächsten Tag herrscht gutes Wetter.
Langsam aber stetig kommen wir vorwärts.
Tatsächlich leben in dieser Steinwüste auch Menschen.
Hier in Norwegen gibt es schon ab 1.000 Metern keine Bäume mehr.
Das Wasser in den Bergseen ist sehr klar.
Hier musste ich einfach ein Panorama machen.
Kamera auf Stein gelegt; Zehn Sekunden Selbstauslöser; rennen und auf’s Rad springen.
Kaum zu glauben, aber das beste Wetter der Reise hatten wir am höchsten Punkt – wo von September bis Mai Schnee liegt.
Hier war der Weg weniger perfekt.
Pfützen sind gute Fotorequisiten.
Über das Radeln auf der E7 und Rabauken am Steuer
Irgendwann gegen Abend entlässt uns der Rallarvegen bei 1.000 Meter über dem Meeresspiegel wieder auf eine wundervoll asphaltierte Fernstraße, die E7. Das gefällt uns viel besser, als diese Höhenmeter auf grobem Schotter runter zu fahren. Wir rollen also mit hohem Tempo in die nächste Siedlung und decken uns dort als erstes wieder mit Proviant ein. Nach einer Nacht auf einer kleinen abgelegenen Wiese geht es dann auf der E7 weiter in Richtung Oslo. Die Straße ist tatsächlich als Fahrradroute ausgewiesen, und die Auto- und Lastwagenfahrer sind sehr rücksichtsvoll und angenehm. Erst nach etwa 50 Kilometern ergibt sich ein Problem: Parallel zur E7 führt für wenige Kilometer eine Seitenstraße, auf die uns ein kleines Schild für Radfahrer verweist. Gleichzeitig deklariert ein gut sichtbares Verbotsschild, dass ab hier keine Radfahrer mehr auf der E7 sein dürfen. Als die kleine Seitenstraße kurz darauf wieder in die E7 mündet, sagt uns ein kleines Schild wieder, dass die E7 eine Fahrradroute ist. Leider haben das die anderen Verkehrsteilnehmer nicht mitbekommen. Sie haben noch das Verbotsschild vor wenigen Kilometern im Kopf und fahren jetzt, als hätten wir hier nichts zu suchen.
Das Problem mit der Routenführung wiederholt sich noch einmal, und je näher wir an Oslo kommen, desto unangenehmer wird die Straße. Der Preis für das größte Arschloch auf der Straße geht an den Fahrer eines Reisebusses. Die Straße verfügt nur über jeweils eine Spur pro Richtung, und gerade ist die Spur des Gegenverkehrs voll. Es wird noch etwa 20 bis 30 Sekunden dauern, bis wir wieder überholt werden können. Von hinten hören wir den Reisebus anrauschen, und wie immer können wir an den Geräuschen der Fahrzeuge abschätzen, ob die schnell oder langsam fahren und ob sie abbremsen. Der Bus ist eindeutig mit vollem Tempo unterwegs, und die Bremsen bleiben unberührt. Auf die andere Spur kann der Bus nicht ausweichen, der will uns also einfach so überholen. Oh fuck! Josi lenkt ihr Rad in den Straßengraben und ich halte meines so gut ich kann auf der weißen Begrenzungslinie, während der Bus mit einer Handbreit Abstand an mir vorbeischießt. Was für ein Drecksack! Ich rufe ihm wüste Beschimpfungen hinterher und wünsche ihm den Teufel an den Hals, aber natürlich hört er das nicht.
Die (eigentlich recht ruhige) E7.
Eine neue Herausforderung
Um dem Verkehr aus dem Weg zu gehen, verlassen wir wenig später die E7 und fahren auf einer kleinen Seitenstraße nach Oslo weiter. Wir sind an diesem Tag schon über 80 Kilometer gefahren und sind nur minder begeistert von dem Schild, das uns gleich zu Beginn der neuen Straße informiert: 8% Steigung für die nächsten zwei Kilometer. Über 15 Kilometer geht es bergauf, wir sammeln etwa 800 Höhenmeter. Als wir oben ankommen, ist die Sonne schon untergangen. Wir finden bald einen Schlafplatz und gehen nicht zu spät schlafen, denn am nächsten Tag wollen wir die 130 Kilometer nach Oslo in einem Rutsch schaffen. Wir haben Servas-Gastgeber kontaktiert, dort wollen wir zwei Nächte bleiben.
Im nächste Reisebericht schreibe ich über Oslo und den Weg nach Stockholm!
Genug von der E7! Weiter geht’s auf der 287.
Das Wetter ist wieder wie gewohnt.
Nervige Blök-Viecher (dazu mehr im nächsten Beitrag).
Wieder sind wir knapp bei der Baumgrenze (aber noch drunter).
Neugierige Schafe an unserem Zelt.
Dieser Baumstumpf dient uns als Frühstückstisch.
Kampf der Kaninchen gegen die Statistik, 7 : 4 für die Reicherts
Da wir wie schon im vorherigen Blogbeitrag erwähnt nicht reisen konnten, wuchsen wir an anderen Aufgaben. Wir möchten unsere Erlebnisse trotzdem mit dir, lieber Leser, teilen. Es geht letztendlich nämlich nicht nur um die Kaninchen, die wir geretten haben, sondern um unsere Erkenntnisse. Die wichtigste: Zeit ist LUXUS und wir sind uns dessen genießerisch bewusst!
Elf einwöchige Kaninchen ohne Mutter
Diesen Sommer hatten wir den fraglichen Luxus, viel Zeit zu haben – Gabis Knieverletzung hatte uns zuhause festgenagelt, ans Wegfahren war nicht zu denken. Da erreichte uns ein Hilferuf von einer Freundin, zwei Tage vor ihrer Abreise in den Sommerurlaub war ihnen eine Kaninchenmutter gestorben und hatte elf einwöchige Kaninchenbabys hinterlassen. Der Plan, die Jungen mit der Mutter bei den Eltern zu lassen war damit obsolet. Die Eltern (im fortgeschrittenen Rentenalter) wären mit der Handaufzucht so vieler Baby-Kaninchen überfordert gewesen.
Gabi hörte sich die traurige Geschichte an und dachte: „Was solls, wir haben ja Zeit.“ Und versprach, die elf Minikarnickel für eine Woche aufzunehmen. Letztendlich wurden doch viel Wochen draus.
Wir hatten vor etlichen Jahren auch sechs Beaglewelpen großgezogen, allerdings mit Hundemutter, und das war schon anstrengend genug.
Minikaninchen
Der Pappkarton unterm Tisch
Da stand nun der Pappkarton, bei uns im Wohnzimmer unterm Tisch. Später zogen die Kleinen in einen scheinbar riesigen Käfig um, in der sich elf winzige Wesen wärmesuchend aneinanderkuschelten. Wären nicht die großen Ohren gewesen, es hätten auch Ratten- oder Katzenbabys sein können. Zwei Tierbaby-Nuckelfläschchen und Bio-Ziegenvollmilch waren alles, was wir anfangs zum Füttern benötigen würden.
Alle zwei Stunden füttern, fast rund um die Uhr
Und sehr, sehr viel Zeit mussten wir aufwenden. Alle zwei Stunden brauchten die Jungen ihre Milchration. Die Kleinen hatten aber keine Ahnung, wie sie an die Milch aus den Nuckelflaschen drankommen. Sie mussten das erst noch mühsam lernen. Das erforderte viel Geduld und einen sehr sanften Umgang mit den Kleinen von unserer Seite.
Amy, Noah und Gabi taten ihr Bestes, den Kaninchen nacheinander die Milch einzuflößen. Kaum war das elfte Baby versorgt, konnten sie beim ersten wieder anfangen. Neben der Fütterung mussten auch die Kaninchenbäuche massiert werden. Nur so können Tierbabies pinkeln und kacken und würden keine lebensbedrohliche Verstopfung bekommen. Wir wurden oft nassgepinkelt und freuten uns sehr darüber. Dann waren wir nämlich mit dem Streicheln erfolgreich gewesen.
Damit die Jungen rund um die Uhr betreut waren, verzichteten wir auf unsere Nachtruhe. Glücklicherweise sind wir zu fünft, wir konnten also in Schichten füttern. Meistens waren es aber Amy und ich, die zur Stelle waren. Die Jungs mussten wir bei massiver Müdigkeit überreden, doch auch früh aus den Federn zu fallen.
So klein waren die in der ersten Woche
Sind diese Füßchen nicht perfekt?
Das Leben in meiner Hand
Das ist übrigens Rocky
Die Statistik war gegen uns
Trotz unseres unermüdlichen Einsatzes standen die Chancen für die Kaninchenbabys nicht gut. In so frühem Alter die Mutter zu verlieren, bedeutete fast das Todesurteil für den ganzen Wurf. Statistisch gesehen könnten wir froh sein, zwei oder drei von den elf Jungen durchzubekommen. Das war für uns der größte Stress, nicht das füttern und Saubermachen des Kästchens, sondern die Sorge um die kleinen Kaninchen. Es nahm uns extremst mit, wenn eines der Kleinen schlapp machte und wir hilflos da standen und alles gekümmere nicht half. Die Kanninchen, die im Sterben lagen quälten sich. Sie schienen Krämpfe zu haben und krümmten sind. Eine von uns hielt das geschwächte Kleine dann ständig am Körper. So verloren wir in der ersten Woche drei schwache Kaninchen, die nicht richtig trinken konnten. Jedes Einzelne war für uns ein großer Verlust.
Rockys Kampf ums Überleben
Nach und nach lernten die Kleinen, besser zu trinken, sie waren schneller mit der Nahrungsaufnahme fertig und legten an Gewicht zu. Nur einer machte uns ständig Sorgen, er nahm kein einziges Gramm zu. Amy hat den Winzling Rocky getauft, weil er sich so tapfer gegen sein drohendes Schicksal stemmte, ein richtiger kleiner Kämpfer. Wir schauten in der Zeit die Rocky Filme an. Beim Füttern spielten wir die Filmmusik ab. Das wurde so ein Ritual.
Tagelang versuchte Amy alles, um Rocky am Leben zu erhalten, leider vergeblich. Irgendwann war Rocky so schwach, dass er (vielleicht war es auch eine Sie) klammheimlich aus dem Leben schied. Das war noch das Schlimmste, er starb nicht wie die anderen in unseren Händen, sondern allein in der Kiste. Amy hatte ihn nur kurz zwischen die Geschwister geparkt und er hat einfach aufgehört weiterzuleben. Das war der traurigste Moment unseres Kaninchenabenteuers.
Das kleines Wunder in unseren Händen
Zum Ausgleich war der Rest der flauschigen Bande extrem anhänglich. Kaum tauchte eine menschliche Hand im Käfig auf, schwupps saß schon ein Karnickel drin. Wir waren jetzt als Ersatzmutter anerkannt.
Einen seltsamen Zwischenfall hatten wir noch. Manchmal fiel ein Kanninchen beim Trinken in Ohnmacht. Es trank schnell und gierig, anscheinend zu schnell, dann krampfte es und schwupps war es komplett schlaff. Rappelte sich dann aber wieder auf. Eines morgens, Amy fütterte allein, weil wir alle noch so müde waren – Amy gehört übrigens für ihre Aufopferung der Kaninchenorden verliehen – kam Amy mit einem weiteren toten Kanninchen weinend an mein Bett gerannt. Was für ein Stress…
Wieder eins, welches zu hastig getrunken hatte und dann schlagartig weg war. Aber diesmal rappelte er sich nicht auf. Das Herzchen schlug nicht mehr, er war tot. Da es aber gerade erst passiert war, dachte ich, dass Herzmassage den Kleinen vielleicht wieder lebendig machen könnte. Er war ja putzmunter gewesen, kurz zuvor und nicht so kränklich wie die anderen, die bereits im Garten ruhten. Die Wiederbelebung half, ich hauchte ihm Luft in das geöffnete Mündchen und massierte den winzig kleinen Oberkörper mit zwei Fingern und tatsächlich schafften wir es. Ein WUNDER!
Rocky, viel zu klein. Die Geschwister wogen bereits das doppelte
Kaninchen
Kuscheln in der kleinen Kiste
Amy und eins der kleinen Kaninchen
So schöne Öhrchen
So schöne Öhrchen
Der macht die Grätsche, Kaninchen
Diese perfekten kleinen Wesen in unserer Hand – das Wunder Natur
Das ist es übrigens, was uns am meisten veränderte in dieser Zeit. Diese Lebenslust der kleinen Kaninchen zu spüren. Sie wollten leben und taten alles dafür. Richtige Kämpfer waren das. Sie waren so winzig und so perfekt. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus. Diese süßen, kleinen Pfötchen, die Mäulchen, als sie die Augen öffneten und uns anschauten. Die Öhrchen, die sich schließlich immer größer aufstellten. Und dann hoppelten die Kleinen immer munterer in ihrer Kiste herum. Wir versuchten sie so schnell als möglich von der Ziegenmilch wegzubekommen. Die tut Kaninchen nicht wirklich gut, aber Kaninchenmilch gibt es ja nirgends zu kaufen.
Sieht schon wie ein Kaninchen aus
Jetzt reichts – der Rest überlebt!
Jetzt waren nur noch sieben, sechs-ein-halb – wenn wir den wiederbelebten in Betracht ziehen – von den ursprünglich elf Kaninchen, und wir hofften inständig, dass das Zehn-kleine-Negerlein-Spiel vorbei war. Die Hoffnung trog nicht, die kleinen Hoppler tranken fleißig ihre Milch und fingen schon an, geschabte Karotten und Löwenzahnblätter zu knabbern.
Schon bald konnten wir gar nicht genug Löwenzahn aus unserem Garten heranschaffen, so gefräßig war die Karnickelschar. Wir mussten den Sammelradius gewaltig erweitern. Löwenzahn aus den Weinbergen war verboten, wegen der Pestizid-Kontamination. Mit der Karotten-Löwenzahn-Salat-Diät legten die Kaninchen fleißig an Gewicht zu und wollten auch aus ihrem Käfig ausreißen, noch passten sie zwischen den Gitterstäben durch. Keine gute Idee, denn ständig lauerte die tödliche Gefahr in Form von unserem Tigerdackel Grindel im Wohnzimmer. Grindel hatte die Kleinen buchstäblich zum Fressen gern, und wir mussten schon in der Flaschenfütterungsphase schwer aufpassen, dass sie keines der Babys wegschnappte. Auf diese Art wollten wir auf gar keinem Fall eines verlieren.
Zum Glück sind Kaninchen Vegetarier
Die Kaninchen wurden immer »verfressener«. Das war schon ein Schauspiel, wenn man das Grünzeugs und die Karotten in den Käfig legte. Ich war zu der Zeit extrem froh, dass Kaninchen Vegetarier sind, sonst hätte ich meine Hand nicht mehr in den Käfig gehalten.
Nach drei Wochen Intensivpflege waren die sieben Überlebenden über den Berg. Jetzt fraßen die Mini-Karnickel ohne Unterlass, das Knabbern und Mampfen war eine ständige Hintergrundgeräuschkulisse. Sie hoppelten und sprangen munter in ihrem Käfig herum und waren absolut handzahm. Man brauchte nur die Hand in den Käfig zu halten, da sprang schon einer der Hoppler hinein und kuschelte.
Das war auch gleichzeitig der Lohn unserer Mühen. Mit den völlig anhänglichen Kaninchenjungen konnten wir wunderbar spielen. Nur unser Dackel zeigte weiterhin leichte bis mittelschwere Symptome von Eifersucht.
Leider ging auch diese Phase zu Ende und die sieben flauschigen Fellknäuel mussten wieder zurück zu ihren Besitzern. Der Abschied fiel uns schwer, die Kaninchen hinterließen eine sichtbare Lücke, so waren sie in der kurzen Zeit Teil unseres Alltags geworden.
Zeit ist Luxus und wertvoller als Geld
Uns wurde bewusst, dass ZEIT ein großer Luxus ist. Ja, vielleicht ist in der heutigen Zeit, ZEIT der größte Luxus. Wir möchten die Erfahrung mit den Kaninchen nicht missen. Wir sind daran gewachsen und die kleinen Kaninchen auch. Es hat uns als Familie mal wieder enger zusammengebracht. Auch das ist ein nicht zu unterschätzender Luxus. Zeit mit der Familie zu haben.
Zumindest konnten wir stolz darauf sein zusätzlich zu all der Erfahrung, der Statistik ein Schnippchen geschlagen zu haben. Sieben von elf einwöchigen Waisen hatten überlebt und wuchsen zu stolzen blauen Wienern heran. Davon haben wir uns einige Wochen später überzeugt, als wir unsere Freundin besuchten. Aus unseren winzigen Pflegekindern waren richtige große Brummer geworden, und sie kannten uns noch! Sie drängelten sich richtig vor, um uns zu begrüßen. Auch Kaninchen sind richtige Charaktere. Wir konnten sie, obwohl sie optisch nicht zu unterscheiden sind, noch unterscheiden. Mission accomplished.
Unsere Herausforderungen im Jahr 2018 – Krise als Chance
So ruhig hier im Blog
In unserem Blog wurde es im letzten Jahr schlagartig sehr ruhig. Ruhiger, als wir es selbst als gut finden. Wir möchten auf der einen Seite unsere Leser nicht hängen lassen, auf der anderen Seite geht es manchmal nicht anders. Unsere Newsletter-Abonnenten informierten wir bereits über die Gründe, warum es so wenig neue Blogbeiträge gab, im Blog selbst haben wir bisher nicht darüber berichtet.
Jetzt wird es ausnahmsweise persönlicher, als es uns eigentlich lieb ist. Mit einem Blog in der Öffentlichkeit zu stehen, hat nicht nur Vorteile. Was an unserem Leben ist privat, was berichtenswert? Wo ziehen wir die Grenzen? Worüber berichten wir, wenn wir nicht reisen wollen oder können?
Wir schrieben so wenig Blogbeiträge, weil wir ganze elf Monate nicht verreisen konnten und in dieser Zeit auch kaum fotografierten. So lange am Stück waren wir in den letzten 19 Jahren nicht sesshaft gewesen!
Der Reigen der Krankheiten beginnt schon im Herbst.
Gunter verletzte sich im letzten Herbst am Knie. Der Arzt war der Meinung, mit guter Schonung heile das auch ohne Operation. Der abrupte Bewegungsmangel nach einem Sommer des ständigen Unterwegs- und Aktivseins wirkte sich drastisch auf den Stoffwechsel aus. Mein Mann entwickelte einen akuten Diabetes. Das warf uns kräftemäßig weit zurück. Mit der Situation mussten wir erstmal zurechtkommen und vor allem mal langsamer machen.
Gunter am Computer daheim
Können Reiseblogger Urlaub machen?
Da kommt doch gleich ein weiteres Problem von Reisebloggern und Fotografen auf: Können wir überhaupt Urlaub machen?
Die kurze Antwort darauf: Nein!
Wir können keinen »Urlaub« machen. Kaum sehen wir eine neue Landschaft, fotografieren wir, recherchieren, überlegen, was wir über eine Region herausfinden können, damit wir darüber Interessantes aufzuschreiben in der Lage sind. Sind wir zuhause, sitzen wir am Rechner, bringen das Haus auf Vordermann, oder arbeiten auf, was während der langen Reisen liegen geblieben ist. Ob zuhause oder unterwegs, wir finden kaum die Möglichkeit oder gönnen es uns nicht, Erholungspausen zu machen.
Nun, Selbständige
sindmüssen immer aktiv sein. Das ist, wie damals in der Schule oder an der Uni, wo ich immer das Gefühl hatte, nicht genug gelernt zu haben. Also ein ständiges schlechtes Gewissen, welches über einem schwebt und keine tieferen Entspannungsphasen zulässt.Ich möchte nicht meckern. Ich liebe meinen Job. Aber genau da liegt die größte Gefahr. Die unbedingt nötigen Ruhephasen für den Körper und den Geist gönnen wir uns zu selten, auch oder gerade weil das, was wir tun, soviel Spaß macht.
Ich arbeite mit Hochdruck an meinem Heimat-Fotobuch
In der Zeit, als Gunter sein Knie schonen musste, klapperte ich fotografierend alle Feld- und Wanderwege der Heimat ab. Einige hundert Kilometer legte ich zu Fuß und per Fahrrad zurück. Zum Glück war mir das Wetter wohlgesonnen. Die Fertigstellung des Bildbandes »Spaziergang durch Selztal« war hektisch, der sollte noch für das Weihnachtsgeschäft auf den Weihnachtsmärkten fertig werden. Der Kampf mit dem neuen Design-Programm, die Suche nach der günstigsten und schnellsten Druckerei, das Nachbessern und das Marketing war mega anstrengend. Wir druckten hunderte Flyer und verteilten sie in den Briefkästen, liefen wieder zig Kilometer und standen viele Stunden lang in der beißenden Kälte auf den Weihnachtsmärkten.
Baum und Weinberge – Eines der Fotos aus dem Selztalbuch
Blogbeitrag über das Selztalbuch
Buch: Spaziergang im Selztal
Diese fiese Grippe zur ungünstigsten Zeit
Nach dieser turbulenten Zeit haute es mich und den Rest der Familie um. Wir fingen uns eine echte Grippe ein. Alle Ärzte waren über die Weihnachtsfeiertage ausgeflogen, zwischen den Jahren waren auch die Notaufnahmen hoffnungslos überfüllt und wenig hilfreich. Die flaschenweise vertilgten Hustensäfte verschafften keine Linderung, Lutschbonbons widerten mich schließlich an, die Halsschmerzen blieben trotz der eklig süßen, klebrigen Dinger. Erst in der zweiten Januarwoche kam ich bei einem Arzt durch. Diese blöde Grippe hatte nicht nur bei uns daheim zugeschlagen. Die meisten Arztpraxen waren entweder geschlossen oder hatten nur ein Not-Team. Für mich war dieser Termin jedoch reichlich spät. Meine Grippe hatte eine schwere Lungenentzündung ausgelöst. Ohne Antibiotika und Kortison würde ich nicht auf die Beine kommen. Na ich will jetzt nicht alles im Detail beschreiben.
Das Jahr fing scheiße an und ging auch so weiter. Ich vertrage keine Medikamente. Das Antibiotikum setzte eine gesundheitliche Abwärtspirale in Gang. Dazu noch der nicht enden wollende Fluglärm, der mich fast in den Wahnsinn trieb.
Ein komplizierter Beinbruch und die langwierige Heilung
Ja, und dann kam dieser saublöde Beinbruch im Kniegelenk. Eine unbedachte Bewegung im Bad mit fatalen Folgen. Eine Operation mit sieben Schrauben und einer langen Platte im Bein macht wenig Spaß, noch viel weniger, wenn man keine Schmerzmittel verträgt und die Schwestern im Krankenhaus das partout nicht verstehen wollen. Der Arzt meinte nur, von Schmerzen stirbt man nicht. Nicht direkt jedenfalls.
Schauben und Platte im Bein
Noah macht Abi
Noah hatte von Januar bis März sein Abi als Externer Prüfling absolviert. Wir hätten in dieser Zeit trotz der Wehwehchen reisen wollen/müssen, aber darauf verzichtet, weil Noah unsere Unterstützung brauchte. Die Prüfungen fanden alle in Ludwigshafen statt. Das ist schwierig zu erreichen von unserem kleinen Kaff Bubenheim aus. Aber er brauchte nicht nur fortbewegungstechnisch Unterstützung. Das Abi als Externer ist schon ganz schön stressig. Ganz besonders, weil Noah auch kurz vor der Prüfung vier Wochen mit dieser blöden Grippe fest im Bett gelegen hatte.
Nun, unser Sohn hielt zu guter Letzt sein Zeugnis in den Händen.
Reisereif hänge ich im Krankenhaus fest
Wir waren inzwischen mehr als
Urlaubs– Reisereif – und dann machte dieser saudoofe Unfall alles kaputt.Die Fluglärmbelästigung ging auch munter weiter. Die Wetterlage mit ständigem Ostwind war noch nie so lang so stabil gewesen. Die dicken Brummer drehen am Berg hinterm Ort ein und fliegen wie Perlen an der Kette in tausend Meter Höhe direkt über unser Haus. Und zuhause kann ich diesem Lärm nicht entkommen.
Fluglärm macht krank
Das Ingelheimer Krankenhaus, in dem ich operiert wurde, ist nur acht Kilometer von unserem Heimatort entfernt. Seltsamerweise genoss ich selbst in dieser Stresssituation die Abwesenheit von Fluglärm, als ich auf der Station lag. Ich nahm diese Ruhe vom Himmel bewusst wahr und genoss sie. Am »Boden« war es alles andere als ruhig: Die Türen knallten, die Schwestern trampelten über den Flur, Autoverkehr und Baulärm von draußen und generell der Geräuschpegel einer wuseligen Kleinstadt. Das machte mir aber kaum was aus. Da wurde mir richtig bewusst, wie belastend der Fluglärm über unseren Köpfen ist.
Ich suchte jedenfalls eine Lösung für das bevorstehende Problem. Dem Fluglärm wollte ich nicht hilflos ausgesetzt sein. Außerdem weiß ich, dass Bewegung beim Stressabbau hilft. Wahrscheinlich stimmt das für jeden Menschen, für mich als absoluten »Draußenmenschen« stimmt das nochmal mehr.
Hilfe – ich brauche Natur und Bewegung!
Schon im Krankenhaus schaute ich auf meinem Smartphone nach, ob es nicht eine Fahrradalternative für mich gibt. Ich wollte/musste raus in die Natur, egal wie. Wochenlang in einem Zimmer festzusitzen ist für mich der absolute Horror. Auf Ebay fand ich ein Handbike in erreichbarer Nähe. Ich brauchte einige Überzeugungskraft bis mein Gatte mich schließlich nach Rüsselsheim fuhr. Unsere lieben Kids legten übrigens zusammen und zahlten für das fast 500 Euro teure Rad.
Ein Handbike als Rettung
Ich konnte nicht mal richtig an Krücken laufen und hatte noch die Fäden im Bein, das saß ich bereits im Handbike.
Die erste Fahrt endete mit einer Ernüchterung: Ich kurbelte mich einmal um die Kirche. Schon an der ersten sanften Steigung, die mir mit dem normalen Rad nie aufgefallen war, blieb ich kläglich hängen. Gunter musste mich die letzten hundert von den fünfhundert Metern schieben. Danach war ich fix und fertig. Ob ich es jemals schaffen würde mit dem Ding irgendwo hinzufahren?
In den nächsten Tagen und Wochen kämpfte mich durch. Mein Wille, den weiten Himmel, die Getreidefelder und die Bäume zu sehen war übermächtig. Ich verausgabte mich fast jeden Tag. Kam schließlich bis ins zwei Kilometer entfernte Schwabenheim. Auf dem Rückweg brauchte ich noch Anschiebehilfe den Hang hoch. Die Armmuskeln sind eben mehr dazu gemacht, eine Kamera zu halten oder Einkäufe zu schleppen als den gesamten Körper plus Gefährt irgendeinen Hang hinauf zu radeln. Die Muskeln brannten, aber mein ganzer Körper fühlte sich danach lebendiger und stärker an. Also fuhr ich weiter in sonnigem Wetter mit dem Handbike durch die Gegend.
Schon nach knapp zwei Wochen traute ich mich erstmals, die 8 km nach Ingelheim zu radeln. Es gibt nur zwei kurze Steigungen auf der Strecke, ansonsten geht es meist bergab oder geradeaus. Das Handbike und ich fuhren an diesem Tag mit dem VW Bus zurück. Danach schaffte ich es immer aus eigener Kraft. Die kurzen Pausen, die ich anfangs noch nötig hatte, möchte ich nicht verheimlichen. Irgendwann musste ich auch auf dem Rückweg nicht mehr zum Krafttanken anhalten, sondern nur noch, um die schönen Ausblicke zu genießen. Mein Ziel, auch mit gebrochenem Bein möglichst viel Bewegung und Naturgenuss zu bekommen hatte ich mit meinem Handbike erreicht und ich bin unendlich dankbar dafür. Die Muskeln, die ich im Rücken, der Brust und in den Armen ausbildete, fühlten sich auch jetzt noch wunderbar an.
Auf dem Weg zur Physio
Handyfotos von einem der Radausflüge
Zum Glück gibt es bei uns soviele Wirtschaftswege
Zum Glück gibt es bei uns soviele Wirtschaftswege – so tolle Wolken
Wir bieten ein individuelles Online-Fotocoaching an
Da wir sowieso zuhause festsitzen und trotzdem fotografisch irgendwie aktiv sein wollen, haben wir ein Online-Fotocoaching-Angebot entworfen. Für Interessierte bieten wir hier ein auf die persönlichen Erfordernisse zugeschnittenes Beratungspaket an.
Unserer Erfahrung nach bleiben viele Hobbyfotografen, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittene, unter ihren fotografischen Möglichkeiten. Sei es die effektive Nutzung der Ausrüstung, die Fotografiertechnik und Bildgestaltung oder die Nachbearbeitung.
Hier packen wir gezielt an und helfen euch weiter.
Das Angebot steht noch: Individuelles Fotocoaching
Gabi bei der Arbeit, Ostseeküste
Vom Handbike übers EBike wieder zum eigenen Fahrrad
Der Sommer wurde heißer. Die Fahrten mit dem Handbike sind anstrengender als mit dem normalen Rad, deshalb waren sie sehr schweißtreibend. Da kam mir der Zufall zu Hilfe. Auf einer meiner Ausflüge traf ich eine Freundin, die fuhr ein paar Tage später zur Kur nach Sylt. Sie lieh mir für diese drei Wochen ihr EBike. Zu der Zeit hatte ich mein Bein soweit gedehnt, dass ich anfangen konnte, richtiges Rad zu fahren. Die Kraft reichte aber noch nicht ganz für mein »normales« Rad. Da kam das EBike gerade recht. In der ersten Woche traute ich mich noch nicht drauf, aber in der zweiten Woche packte ich es. Ich musste einfach die Chance nutzen, so wieder ins Radfahren reinzukommen. Nach drei Monaten konnte ich übrigens immer noch nicht ohne Krücken gehen. Das Radfahren mit Motorsupport machte riesigen Spaß. Leider kam viel zu schnell die Zeit, das Rad wieder zurückzugeben. Ich war trotzdem unendlich dankbar für diese Möglichkeit. Herzliches Dankeschön dafür an Emmi.
Gabi auf dem E-Bike
Wir entwarfen einen Plan, um wieder normal Rad zu fahren. Gunter wollte auch mal das Handbike fahren und Armmuskeln aufbauen. Also fuhr Gunter damit nach Ingelheim – die einfachere Strecke, und ich fuhr mit meinem Rad. Auf dem Rückweg tauschten wir die Räder. Das machten wir solange, bis mein Bein kräftig genug war, die ganzen 16 km durchzuhalten. Cool, was?
Meine Lektionen 2018
Versuch das Beste draus zu machen
Nach so einem Unfall wieder auf die Beine zu kommen, ist langwierig, anstrengend und frustrierend. Ich habe versucht, das Beste draus zu machen. Es wird wohl noch eine ganze Weile dauern, bis ich wieder »richtig« laufen kann, aber ich bin auf dem Weg. Für mich ist Bewegung und Naturerlebnis wichtig, so habe ich nach einer Möglichkeit gesucht, beides zu bekommen.
Ohne Geduld geht gar nichts
Geduld war die zweite Lektion. Jeden Tag ein klein wenig weiter reicht schon aus. Ich ging jeden Tag an meine Grenzen. Ohne die Bewegung hätte ich den Stress bestimmt nicht so gut verarbeiten können.
In der Langsamkeit liegt der Genuß
Langsamkeit kann man auch genießen. Ich nahm die Landschaft aus der tieferen Perspektive des Handbikesitzes wahr, eine ganz neue Sichtweise. Und an Hängen war ich auch wesentlich langsamer unterwegs. Ich hatte trotz körperlicher Anstrengung Zeit, die Kornblumen am Rand der Felder zu bewundern, den Blick über die grünen Weizenfelder gleiten zu lassen und in Ruhepausen die Wolken zu betrachten.
Natur kann ich auch vor der Haustür genießen
Auf den Radtouren genoß ich die Natur, die kleinen Dinge wirklich sehr bewußt. Das tat mir unendlich gut. Ich lernte, dass es nicht immer das Meer und grandiose Landschaften sein müssen. Dass man die Naturverbundenheit auch in den eigenen Händen halten kann, erlebten wir übrigens sehr intensiv, als eine Freundin mit einem Problem auf uns zu kam, welches uns wochenlang beschäftigen sollte. Davon aber morgen mehr! Ein bischen Spannung muss sein.
So, jetzt bist du lieber Leser auf dem Laufenden.
In die Niederlande zum Radfahren und Seeluft schnuppern
Im Oktober waren wir endlich wieder unterwegs. Zum Testen meiner Mobilität ging es in die Niederlande. Die Holländer haben ein perfektes Radwegenetz und man kommt mit dem Drahtesel fast überall hin. Es gibt auch keine hohen Berge, da kann man richtig gut und ohne Überanstrengung wieder ins Radfahren hineinkommen.
Die beste Therapie für mich ist die Fotografie. Ich wollte versuchen, mich »gesund zu fotografieren«. Das klappte besser, als ich dachte. In den nächsten Tagen folgen die Blogbeiträge über die Leuchttürme am IJsselmeer und die beiden Inseln Schiermonnikoog und Ameland.
Parallel zu den Gesundheitsproblemen leiden unsere Fahrzeuge
Unser VW T 4 läuft wieder
Einige haben bestimmt mitbekommen, dass unser VW-Bus im letzten Sommer die Grätsche gemacht hat. Der Zahnriemen ist gerissen und zuerst hieß es, die Kiste ist schrottreif.
Motor kaputt – was nun?
Erst wollten wir den Bus zum Ausschlachten veräußern. Dann holten wir von überall Informationen und Ratschläge ein, fanden aus Zufall einen fähigen KFZ-Meister mit Rennsporterfahrung im Nachbarort, und siehe da, unser geliebter T4 ist doch reparabel, wenn auch nicht billig. So war unser Bus im Februar wieder einsatzbereit. Der ursprüngliche Plan, Esra mit dem Bus nach Schweden zu fahren scheiterte ja bereits an der Lungenentzündung.
Endlich repariert ein fähiger Mensch unser Womo
Mit dem Wohnmobil gab es auch Ärger. Schon auf der Spanien-Portugal-Tour quietschten die Bremsen. Das Problem verschlimmerte sich. Wir tauschten die Bremsen, das Quietschen blieb, jetzt wurde auch das Hinterrad heiß. An eine größere Tour war so nicht zu denken, wir dachten schon daran, unser Wohnmobil mit dem Schaden an einen Bastler zu verkaufen.
Dann kam Gabis Beinbruch, eine Reise kam kurzfristig nicht in Betracht, obwohl wir immer darauf hofften, wenigstens einen kurzen Trip zu machen. Dass es sich so lange hinzieht, war uns anfangs nicht bewusst.
Als letzten Versuch stöberten wir im Internet auf der Suche nach unserem alten Fiat-Transporter-KFZ-Meister. Der kennt die Kisten aus dem Effeff, war leider nicht mehr in der ursprünglichen Werkstatt angestellt.
Langer Rede kurzer Sinn, wir fanden unseren Spezialisten wieder, wenn auch nicht ganz in der Nähe. Mit zwei Anläufen war der Fehler gefunden und das Mobil erfolgreich repariert. Nicht gerade billig, aber auf jedem Fall preiswert. Die wenig hilfreichen und noch wesentlich teureren Service- und Reparaturversuche bei der lokalen Werkstatt ein Jahr zuvor hätten wir uns da sparen können.
Unser Übernachtungsplatz am När Leuchtturm
Jetzt steht unser Wohnmobil fahrbereit im Hof und wartet nur darauf, bis Gabi so weit gesundet ist und es wieder auf große Tour gehen kann. Der Plan für den Sommer 2018 war übrigens Schottland und dort vor allem die Inseln gewesen.
Wie wir in Norwegen dem Regen davongeradelt sind – Esra & Josi berichten
Das Geschenk, welches Josi und ich im August am ersten Tag der Reise von unserer Busfahrerin bekommen, wird man im Nachhinein leicht als Omen oder Vorzeichen deuten können. Josi sollte es die gesamten 2.000 Kilometer auf ihrem Gepäckträger herumfahren, stets bereit, es bei einer Pause am Straßenrand zu entfalten. Es sollte oft von uns benutzt werden, wenn auch nicht während der Fahrt. Es ist schwarz und hat bestimmt nicht viel gekostet, doch an diesem ersten Tag ist es für uns sehr wertvoll. Es ist ein Regenschirm.
Radreise…ohne Fahrräder?
Josi und ich sind gerade am Flughafen in Bergen gelandet. Hier soll sie losgehen, unsere nächste Radtour. Erst wollen wir nach Norden fahren, zum Geiranger-Fjord, dann via Oslo in Richtung Schweden weiter. Fehlt nur noch eins: unsere Fahrräder. Es ist das erste Mal, dass wir mit den Rädern fliegen. Mit viel Aufwand haben wir sie zuhause in riesigen Pappkartons verstaut, haben sie gut gepolstert und die Kartons mit dem Hinweis versehen, man möge sie bitte vorsichtig handhaben. Jetzt machen wir uns natürlich riesige Sorgen, weil sie nicht angekommen sind. Erst am nächsten Tag sollen sie da sein, wird uns gesagt. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als uns auf zu unserer Servas-Gastgeberin aufzumachen, und zwar ohne Räder. Wer Servas nicht kennt: es funktioniert genau wie Couchsurfing. Man hat eine Gastgeberliste mit etlichen lieben Menschen, die gerne Reisende aufnehmen. Eine davon ist Jorunn, eine pensionierte Krankenschwester aus Bergen, bei der wir zwei Nächte verbringen.
Josi in schicken Regenklamotten.
Unser „Maskottchen“ auf Josis Gepäckträger.
Bergen, Norwegen.
Jorunn, unsere Gastgeberin, ist eine pensionierte Krankenschwester.
Nasse Holzplanken in Bergen.
Auch am nächsten Morgen bekommen wir wieder eine einführende Lektion in die klimatologische Situation an Norwegens Westküste. Wir haben gerade die Räder am Flughafen abgeholt und wieder zusammengebaut, jetzt fahren wir in strömendem Regen in die Innenstadt. Der Regen kommt so intensiv vom Himmel, dass das Wasser nicht schnell genug abfließen kann und bald mancherorts eine Handbreit hoch den Asphalt bedeckt. Für die Westküste Norwegens ist das nicht unüblich, immerhin hat Bergen mehr als 200 Regentage im Jahr und in der Summe etwa dreieinhalb Mal so viel Niederschlag wie Mainz – das meiste davon im August und September. Viel Sightseeing machen wir nicht an diesen Tagen.
Je weniger geplant ist, desto leichter fallen Planänderungen
Nach zwei Nächten in Bergen geht die Tour dann richtig los. Wir fahren nach Norden, wollen an der Westküste entlang zum Geirangerfjord und dann wieder nach Süden Richtung Oslo. Das Wetter ist „besser“ geworden. Es regnet nur noch den halben Tag über, wenn auch sehr intensiv, und ein paar kurze Male sehen wir sogar Sonnenlicht. Trotzdem ist es anstrengend. Das Zelt müssen wir nach der ersten Nacht im Freien nass zusammenrollen, ohne Aussicht auf eine Gelegenheit zum Trocknen. Die Regenklamotten gehören fest zum Outfit. Ein paar Tage lang können wir das sicherlich ohne Murren ertragen, das Radfahren in dieser Landschaft wirkt stark entschädigend. Der Wetterbericht prophezeit allerdings eine geschlagene Woche starken Regen für die Westküste. Wollen wir uns das antun?
Im Landesinneren regnet es generell weniger als an der Küste. Und wir sind autark unterwegs, können also machen, was auch immer wir wollen. Wir entscheiden uns schließlich, diesen enormen Vorteil des Radreisens auszunutzen: wir haben ja nichts gebucht und ändern den Plan einfach. Auf geht’s, direkt nach Westen!
Die Warnweste ist in trübem Wetter wichtig.
Bei dem vielen Regen müssen wir die Ketten alle paar Tage nachölen.
Eine verregnete Aussicht.
Zu dumm zum Fähre fahren?
Wir entscheiden uns, ein wenig am Sognefjorden, Norwegens längstem Fjord, entlang zu fahren. Dazu müssen wir wieder die Seite wechseln, und mit den Fähren klappt es bei uns nicht so. Unsere erste Überfahrt soll uns an einem regnerischen Samstagabend vom Süd-Ufer ans Nord-Ufer bringen. Am Fähranleger warten wir also, es gibt sogar einen (beheizen!) Aufenthaltsraum und eine Toilette! Darauf sitze ich gerade in aller Seelenruhe, als ich Josi rufen höre: „Esra, wo bist du? Schnell! Die Fähre ist da!“ In aller Eile schaffen wir unsere Räder auf das kleine Schiff, das nur einen kurzen Moment am Anleger verweilt. Während der Überfahrt aber merken wir: das fährt ja gar nicht auf die andere Seite, sondern zu einer kleinen Insel. Mist! Haben wir den Fahrplan nicht richtig gelesen? Auf der kleinen Insel angekommen, studieren wir den verwitterten Aushang am Fähranleger, während die Fähre schon wieder ablegt. Schnell merken wir, dass die Fähre wohl im Dreieck zwischen Süd-Ufer, der Insel, und den Nord-Ufer verkehrt. Wir hätten also nur drauf bleiben müssen! Dazu kommt, dass es schon spät ist, und wir auf der letzten Fähre gekommen sind. Vor dem Morgen kommen wir nicht mehr hier runter.
Wir fluchen und überlegen, wie wir das beste draus machen. Hier ist absolut nichts los am Arsch der Welt, und neben dem Fähranleger steht wieder so ein tolles Häuschen mit Aufenthaltsraum und Toilette. „Sollen wir…?“ fragt Josi. Warum eigentlich nicht. Diese Nacht verbringen wir im Warmen, und das Zelt hängen wir auch zum Trocken auf. Draußen prasselt der Regen gegen die Fenster, ein kalter Wind pfeift um das Häuschen. Zum Glück waren wir heute zu blöd, richtig Fähre zu fahren.
Die letzte Fähre des Tages…
Ein trockener Schlafplatz!
Das Essen wird knapp, und das an einem Sonntag!
Am nächsten Morgen lauert allerdings die nächste Realisation: unser Essen wird knapp, wir sind am Ende der Welt, und es ist Sonntag. Eine suboptimale Kombination von Umständen. Nachdem wir mit der Fähre dorthin übergesetzt haben, wo wir gestern Abend schon hinwollten, suche ich auf Google Maps nach der nächsten Einkaufsmöglichkeit. Eine Tankstelle hat offen, sechs Kilometer abseits von der Straße, die wir eigentlich nehmen wollen. Der Umweg ist es uns wert, wir fahren die sechs Kilometer und müssen dabei einige Höhenmeter bezwingen. Die Landschaft ist allerdings wunderschön, und auf einer Radreise ohne festes Ziel sind ein paar Kilometer mehr ja kein Problem.
Das Problem liegt am Ende der sechs Kilometer: die Tankstelle ist nur insofern „geöffnet“, dass man dort per Karte tanken kann. Essen gibt’s keines. Wir haben absolut nichts mehr zu essen und mächtig Hunger. Wir wägen gerade unsere Optionen ab (es ist eigentlich nur eine: 40 anstrengende Kilometer bis zur nächsten Siedlung fahren) da sehe ich eine Holzhütte mit Menschen davor. Vielleicht wissen die mehr? Es stellt sich heraus, dass hier ein Freilichtmuseum bei einem alten Wikingersteinbruch liegt. Hier wurde vor über tausend Jahren Granatglimmerschiefer abgebaut und gehandelt. Das Gestein ist sehr speziell und besonders gut für Mühlräder geeignet, erklärt uns die Frau an der Rezeption. Ich höre gespannt zu, ich verstehe das geologische Fachchinesisch ja aufgrund meines Studiums. Als wir nach der nächsten Essensgelegenheit fragen, lacht sie. „Also wenn ihr Svela essen wollt, die bekommt ihr bei uns.“
Aber hallo! Svela sind wie Pfannkuchen, nur mit Hirschhornsalz, damit sie fluffiger werden. Und Svela sind lecker! Vor allem, wenn man so einen riesigen Appetit hat. Wir essen sie mit viel Marmelade und Frischkäse und können unsere Reise schließlich gestärkt fortsetzen. Zum Glück hat uns Google in die Irre geleitet, sonst wären wir nicht auf diesen Ort gestoßen.
Der Umweg fürht uns auch bergauf.
Svela machen glücklich!
Sieh mal einer an! Ich werfe einen Schatten! Sonne!
60 Kilometer Idyll, vier Kilometer Tunnel
Später am selben Tag sind wir wieder am Süd-Ufer des Fjords. Auf dem Weg nach Westen müssen wir immer wieder die Seiten wechseln, um langen Tunneln oder stark befahrenen Straßen aus dem Weg zu gehen. Die Straße, auf der wir gerade sind, ist winzig. Eine Spur, manchmal eineinhalb, und es fahren so wenige Autos, dass wir die Spur fast als persönlichen Radweg empfinden. Der Grund für die Leere: die Straße führt zum 60 Kilometer entfernten Ortnevik, wo sie dann endet. Von dort aus kann man eine winzige Fähre nehmen, die aber nur einmal am Tag verkehrt, jeden Morgen um zehn vor neun.
Wir haben ein bisschen Zeitdruck. Weil wir erst gegen vier auf der Südseite angekommen sind, müssen wir die 60 Kilometer noch in den Rest des Tages packen, damit wir in der Nähe des Fähranlegers zelten können. Es sind diese kleinen Herausforderungen, die jeden Tag des Radreisens spannend machen. Aber wir kommen gut voran. Auf der Strecke liegen zwei Tunnel, zusammen etwas über vier Kilometer lang, die kann man gerne auch zu den Herausforderungen zählen. Da hier so gut wie niemand fährt, haben die Tunnel auch keine Beleuchtung abbekommen. Es sind einfach zwei finstere, kalte Höhlen im nackten Stein. Ein eisiger Wind weht aus ihnen heraus, und sie haben eine unheimliche Akustik, wenn man etwas hineinruft. Es führt kein Weg drum herum, sprichwörtlich und im wahrsten Sinne des Wortes, also machen wir unsere Lichter an, ziehen uns was Warmes drüber und kramen die Warnwesten aus den Taschen. Josi bittet mich, ihr was zu singen, damit die Dunkelheit nicht so bedrückend ist. Ich tue ihr gerne den Gefallen. Der zweite der Tunnel legt sogar noch einen drauf und verfügt über eine stetige Steigung. Aber schließlich sehen wir – wieder sprichwörtlich und wortwörtlich – ein Licht am Ende des Tunnels. Nichts wie raus!
Straßenrand-Aussichten am Sognefjord.
Tunnel kommen in zwei Ausführungen: beleuchtet…
…und unbeleuchtet.
Die Straße ist schmal und kaum befahren.
Bald sind wir in Ortnevik, und wir machen wieder Gebrauch vom Jedermannsrecht, welches uns das Campen auf einer Wiese mit Aussicht gestattet. Heute regnet es fast nur in der Nacht, eine angenehme Abwechslung. Am nächsten Morgen sind wir wieder auf einer Fähre.
In Vik steigen wir auf eine weitere Fähre um, doch an der hier ist etwas anders. Sonst kosteten uns die Überfahrten immer 80 norwegische Kronen, das sind etwa elf Euro. Jetzt zeigt das Kartenlesegerät über 600 Kronen an. Josi schaut zweimal hin, bevor sie ihre Karte an das gierige Gerät verfüttert. Der preisliche Unterschied hängt mit dem Ziel der Reise zusammen: Flåm. In dem winzigen Fischerdorf wohnen nur eine Handvoll Seelen, aber in den Sommermonaten mutiert das Idyll zur Touristenhochburg. Das merken wir schon auf der Fähre nach Flåm, die fast überquillt vor gut betuchten Besuchern aus den Staaten und aus Asien.
Das Jedermannsrecht lässt uns unbesorgt auf dieser Wiese zelten.
Ein Fähranleger am Ende der Straße. Hier geht eine Fähre am Tag.
Die „Touristenfähre“ macht extra langsam bei Wasserfällen und anderen Sehenswürdigkeiten.
Gilt das eigentlich als Schummeln?
Nachdem wir aus Flåm raus sind, geht es weiter auf dem „Rallarvegen“. Der Weg führt grob an einer alten Eisenbahnlinie entlang, und sein Zweck war damals, die Eisenbahnarbeiter an ihren Arbeitsplatz zu bringen. Wir haben uns nicht über den Weg informiert, aber ganz am Anfang der 80 Kilometer ruft uns ein entgegenkommender Radfahrer „Respect!“ zu. Andere geben Daumen hoch. Und niemand fährt in die Richtung, in der wir unterwegs sind. Ob das ein Zeichen, eine Vorwarnung ist? Die unablässige Steigung wird nach zehn Kilometern noch steiler und der Asphalt ist hier zu Ende. Worauf haben wir uns hier eingelassen?
Ich mach’s mal spannend: Das erzähl ich euch im nächsten Eintrag 😉
Müde, aber glücklich.
Ein Wasserfall am Straßenrand.
Ein bisschen Zeit zum Klettern muss immer sein.
Uff! Was haben wir uns hier eingebrockt?
Sehnsucht nach dem Meer 2019, Weingarten
Mein Kalender Sehnsucht nach dem Meer bei Weingarten ist bereits im 13. Jahr. Die 2019 Ausgabe wirkt schon auf den ersten Blick locker und leicht. Die pastelligen Farben des Titelfotos sind diesmal besonders freundlich. Das Foto habe ich in Alvor, Portugal, Algarve aufgenommen – so wundert es nicht, dass man beim Anblick des Fotos am liebsten direkt die Schuhe ausziehen möchte, um die nackten Füße in den warmen, weichen Sand zu stecken.
Sehnsucht nach dem Meer 2019
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Pern, Ouessant, Bretagne
Pern, Ouessant, Bretagne, Frankreich
Wer unseren Blog kennt, weiss, dass wir die Bretagne über alles lieben. Dass es noch bretonischer geht, lernten wir nach ein paar Jahren. Da entdeckten wir diese spezielle Atmosphäre, die auf den Inseln herrscht. Dort ist das Meer noch etwas wilder, die Felsen größer und die Leuchttürme stärker. Vom Inselfeeling können wir gar nicht genug bekommen. Am liebsten würden wir einmal ein ganzes Jahr nach Ouessant oder die Belle Ile gehen.
Dieses Foto habe ich an einem dieser wilden Abende auf der Insel aufgenommen. Die Tage zuvor waren ruhig, das Meer eher langweilig, aber diese Felsen sind immer faszinierend. An jenem Abend jedoch passte alles. Die Flut war zum Sonnenuntergang hoch, die Wellen lebhaft, die Luft gischtgeschwängert und die Sonne lugte gerade soweit hervor, dass der Himmel sich rot färbte. Ich schwebte im Fotografenhimmel. Am Gesicht hat man mir das sicher am breiten Grinsen angesehen.
Diese Dynamik der Wellen wollte ich im Foto festhalten. deswegen entschied ich mich gegen eine lange Langzeitbelichtung und auch gegen eine „normale“ Belichtungszeit von 1/120 oder so ähnlich. Eine halbe Sekunde erschien mir gerade richtig. Was denkst du?
Die Ile d’Ouessant im Blog
Cabo Sardao, Portugal
Cabo Sardao, Portugal
Das ist keiner dieser super knalligen Sonnenuntergängen gewesen. Nein, so ein pastelliger, ganz dezenter. Durch die einfache Bildgestaltung, einfach nur Meer und Himmel kommt diese leichte Stimmung noch besser rüber.
Man könnte meinen, dass es völlig egal ist, wo das Foto aufgenommen ist. Ich verrate es dir trotzdem. Das war in Portugal und die Küste dort ist alles andere als dezent. Sie ist das genaue Gegenteil davon. Die Felsen sind gewaltig. So gewaltig, dass man es sich schon fast nicht mehr vorstellen kann, wie hoch die Felsen sind. Doch hoch oben auf den Klippen steht ein Leuchtturm. Der Architekt hat den Bauplan beim Bau falsch herum gehalten. Dazu aber mehr im live Blogbericht von Portugal. Da gibts auch Fotos vom Leuchtturm und den Klippen. Dort brüten übrigens keine Möwen in den Felsen, sondern passend zur Küste, wesentlich größere Vögel.
Live Bericht Cabo Sardao, Portugal
Lagune Santo André e da Sancha, Portugal
Lagune Santo André e da Sancha, Portugal
Nachdem wir ganz im Süden von Portugal die Lagune bei Manta Rota besucht hatten, stand noch eine Lagune auf unserem Reiseprogramm. Schon auf dem Parkplatz lernten wir eine nette alleinreisende Camperin kennen und quatschten uns fest.
Die Lagune war lang und wirkte karg und rauh auf uns. Die Wellen wollten in großen Kreisen intensiv türkisfarben auf den Strand zu. Da knallten sie geräuschvoll auf den Sand. Wenige Mutige versuchten im Meer zu baden. Sie wurden von diesen knallenden Wassermassen fast erschlagen und traten immer direkt die Flucht an den Strand an.
Das ganze war schon ein mächtiges Spektakel.
Zum Live Reisebericht Portugal
Cabo Trafalgar, Spanien
Cabo Trafalgar, Spanien
Dieser Strand war mein absoluter Lieblingsstrand in Andalusien. Ich hätte wohl wochenlang bleiben können und auch dann noch jeden Tag neue Motive gefunden. Wir übernachteten auf dem Campingplatz ganz in der Nähe, doch der Weg durch die Dünen zum Cap und dem Leuchtturm war mühsam, der Sand war überall und weich. Das war ein Muskeltraining für die Beine, denn ich lief früh morgens, morgens, mittags, nachmittags und abends hin und her. Das Mittagslicht eignete sich am besten für die Wellenfotografie. Da schien die Sonne nämlich von der richtingen Seite aufs Wasser. Ich hatte einen Wahnsinns Spaß und brutzelte stundenlang in Shorts und Bikinioberteil barfuß in der Sonne.
Schau dir auch mal die Wellenfotos im Live Reisebericht an.
Alvor, Algarve, Portugal
Alvor, Algarve, Portugal
Der Wohnmobilstellplatz in Alvor hatte erst Flair, als wir unser Wohnmobil drauf parkten. Der war so trist. Aber günstig und in Laufweite des wunderschönen Strandes und dem kleinen Hafenstädtchen. Der Strand von Alvor ist bei Einheimischen und Touristen beliebt. Es gibt einen langen, sandigen Abschnitt mit Sonnenschirmen und Liegen und eine felsige Ecke, mit idyllischen Buchten. Wir laufen den ganzen, langen Strand in alle Richtungen ab. Morgens bin ich nochmal allein unterwegs und freue mich über die leuchte Bewölkung, die das Licht weich macht. Dabei enstand auch das Titelfoto für den Kalender.
Live Bericht zu Alvor, von wo aus wir eine Bootstour entlang der Algarve Küste unternahmen.
Praia da Galé, Fontainhas, Portugal
Praia da Galé, Fontainhas, Portugal
Der Abend an diesem Tag war traurig für mich. Ich hatte kurz vor dieser Fototour erfahren, dass mein norwegischer Walkapitän und Freund Per Ole gestorben war.
Der Sonnenuntergang war schön, aber nicht super außergewöhnlich. Die Wellen des aufgewühlten Meeres passten jedoch zur Stimmung. Sie liefen langsam und gemächlich weit über den nassen Sand und gleich darauf wieder zurück ins Meer. Ich liebe diesen Anblick, er hat etwas meditatives.
Außergewöhnlich war jedoch die Küste, die man hier auf dem Foto nicht sieht. Sie war sogar surreal. Wie der amerikanische National Park Bryce Canyon nur im Meer.
Bei der nächsten Reise werden wir hier sicher mehrere Tage verbringen so gewaltig war diese Küste.
Live Reisebericht Strand Gale, Portugal
Tarifa, Andalusien, Spanien
Tarifa, Andalusien, Spanien
In Tarifa, ganz im Süden von Spanien, fühlten wir uns pudelwohl. Das hat was von Californien. Die Leute laufen alle mit dem Surfbrett unterm Arm durch die Gegen. Sie tragen bunte, lockere Kleidung und hängen am warmen Strand ab. Wir fühlten uns wohl. Es war nicht zu warm, nicht zu kalt, genau richtig. Sonne und ein frischer Wind vom Meer. Zum ersten Mal in meinem Leben schaute ich nach Afrika rüber und es schien so nah zu sein und so bergig.
Wir blieben dann auch gleich etwas länger. Die Stellplätze, die von Surfern genutzt wurden, sehr dicht am Strand aber über unmöglich holprige Pfade, die waren nichts für unsere Nerven. Das alte Mobil sollte noch was länger heile bleiben. So ließen wir uns auf einem kleinen Campingplatz nieder und liefen vorn dort aus zum Strand. den fotografierten wir natürlich morgens, und mittags und ganz besonders am Abend. Und in Tarifa selbst machte ich eine Waltour auf der wir „nur“ Delfine sahen. Warum nur ich klatschnass wurde steht im Live-Bericht.
Biarritz, Frankreich
Biarritz, Frankreich
Die ersten Tage einer Reise nach einer langen Zeit zuhause sind immer was ganz Besonderes. Vor allem, wenn ich zum ersten Mal wieder das Meer zu sehen bekomme. Ich freu mich dann jedesmal so sehr, dass ich nur noch fotografiere und zu jeder Minute ans Wasser renne. ich kann dann fast nichts essen, weil ich mich dazu ja im Wohnmobil hinsetzen müsste. Nein, ich übertreibe nicht. Ich bin echt so!
Jedenfalls war ich in Biarritz sowas von begeistert. Und dann passte auch noch das Wetter perfekt. Jeden Abend diese Sonnenuntergänge, die hohen Wellen, der Stellplatz direkt am Meer und einen Leuchtturm gabs auch noch.
Live Reisebericht Biarritz
Trafalgar, Andalusien, Spanien
Trafalgar, Andalusien, Spanien
Das ist der Strand von weiter oben, nur von oben herab fotografiert. Diese Holzstege erleichtern das Laufen am Cap Trafalgar, das ist auch nötig, denn die Wege sind weit und überall weht der Wind den weichen Sand hin.
Die Fotos mit Stegen vermitteln am eindrücklichsten diese Vorfreude, die man vert, kurz bevor man den Strand erreicht und das kühle Wasser an den Füßen spüren kann.
Praia da Bordeira, Algarve, Portugal
Praia da Bordeira, Algarve, Portugal
Der Praia da Bordeira liegt hinter einem Bachlauf. Das Wasser darin war warm und nur kniehoch. Wir wateten also durch um den weitläufigen Strand zu erreichen. Schien es anfangs, als seien recht viele Menschen auf dem Weg zum Strand, verliefen die sich da sehr schnell. Kilometerweit kann man laufen und sehr schnell ist man ganz allein. Wir kamen an diesem schönen Tag gar nicht mehr aus dem Wasser heraus.
Im Live-Bericht zeigen wir ein Panorama von diesem Strand, da sieht man, wie groß diese Sandfläche da ist.
Pern, Ouessant, Bretagne
Pern, Ouessant, Bretagne
Die Insel Ouessant ganz im Westen der Bretagne kann wild sein. Sie ist aber oft auch sehr ruhig. Je nachdem, was man erwartet, wird man enttäuscht oder eben nicht. Wir mögen beide Seiten der Insel. Diese ruhigen Tage tun der Seele gut. Wenn dann ein kleiner Sturm heranbraust wird es auf dem Fahrrad ungemütlich, an der Küste super spannend. Dann türmen sich die Wellen auf.
Auf diesem Foto sieht das Meer relativ ruhig aus. Der Schein trügt aber. Die Felsenküste ist so gewaltig, dass selbst wildes Meer klein und zahm wirkt.
Ile d’Ouessant im Blog
Praia de Manta Rota – Portugal
Praia de Manta Rota – Portugal
Wir kamen aus Andalusien nach Portugal rein. Das war unser erster Tag in Portugal. Ich verliebte mich direkt in diesen Strand und die Lagune, die ein paar Kilometer weiter östlich liegt. Am liebsten wäre ich mal zwei, drei Wochen dort geblieben und wäre jeden Tag bis zur Lagune gelaufen. Dort findet man die schönsten Muscheln, die man sich denken kann. Und groß sind die noch dazu. Ich sammelte einige Tüten Müll auf, damit der Blick sich wieder auf die Schönheit der Natur konzentrieren kann.
Das wechselhafte Wetter beflügelte die Fotografie. Mir machte es auch nichts mehr aus, wenn ich komplett nass geregnet wurde. Es war ja warm. Da wir bisher nur im Norden unterwegs waren, kennen wir solche Bedingungen nicht. Ich kann nur sagen, es war klasse!
Im Live Reisebericht siehst du die gewaltigen Wolken und der dazu passende Regenbogen.
Der Kalender Sehnsucht nach dem Meer 2019 bei Amazon*
Fotografieren lernen: Machst du diese 3 häufigsten Anfängerfehler?
Du willst fotografieren lernen? Du bist mit deinen Fotos noch unzufrieden? Irgend etwas scheint ihnen zu fehlen, sie wirken nicht so, wie du den Ort empfunden hast. Du möchtest unbedingt schnell bessere Fotos machen?
Wenn du diese drei entscheidenden Punkte beim Fotografieren berücksichtigst, wirst du direkt Knallerfotos schießen können. Es ist wirklich so einfach.
Nach vielen Gesprächen mit Fotoamateuren am Strand und einigen Fotocoachings mit Fotoanfängern und Fortgeschrittenen haben wir schnell erkannt, wo die häufigsten Probleme liegen. Wir wären selbst nie drauf gekommen. Wir sind seit so vielen Jahren fotografisch unterwegs und wir uns diese Aspekte so verinnerlicht, dass wir gar nicht mehr bewusst darüber nachdenken. ABER – auch wir haben zu Beginn unserer Fotografen Entwicklung einige Fehler gemacht.
1. Falsche oder ungeeignete Fotoausrüstung
Du fotografierst mit schlechten Objektiven
Du hast hochwertige Objektive in der Tasche, lässt aber immer dein „Reisezoom“ auf der Kamera.
Je größer der Brennweitenbereich, desto schlechter die Bildqualität. Vor allem, wenn du dein Superzoom im Endbereich einsetzt. Du wirst es damit schwer haben, vernünftige Fotoqualität zu erreichen. Da setzt die Technik einfach Grenzen.
Herbstliche Teleaufnahme mit einem 18-270mm Reisezoom – bei 270mm
100% Originalgröße, der Ausschnitt aus dem vorherigen Foto zeigt deutliche Schärfedefizite
Du hast zu viel Equipment
Aber auch technischer Overkill beim Fotoequipment ist kein Garant für gute Bilder. Mit mehrere Kamerabodies und ein Rucksack voller Objektive bist du weniger beweglich. Du musst dich ständig entscheiden – welches Objektiv ist in dieser Situation wohl das beste? Wäre doch das Weitwinkel besser? Zu viel Ausrüstung lenkt deine Konzentration zu sehr auf die technischen Aspekte der Fotografie. Fotografie lebt aber von deinen Motiven. Sie lebt von der Kreativität.
Wichtiger als für jede Stituation ausgestattet zu sein ist – du musst die Kamera, mit der du arbeitest richtig gut kennen.
Du musst wissen, was deine Kamera kann. Mit welchen Einstellungen du die besten Ergebnisse erzielen kannst und auch, wo die Grenzen der Kamera sind. Was ist zum Beispiel die höchste ISO Einstellung, die noch brauchbar ist?
Bei der Anschaffung solltest du hauptsächlich Wert auf die Abbildungsqualität der Objektive legen.
Gebe lieber mehr Geld für ein höherwertiges Objektiv aus, als dich mit dem billigsten Kitobjektiv zufrieden zu geben. Die Unterschiede sind sichtbar. Du wirst für die Qualitätsreserven dankbar sein.
Ich kaufte schon immer gern hochwertige Objektive. So überlebte zum Beispiel mein Canon EF 100-400mm, f/4,5-5,6 IS USM ganze SECHS Kamerabodies!
2. Ungünstige Lichtbedingungen zur falschen Tageszeit
Egal, wie gut deine Ausrüstung ist, wenn du nie zu den besten Fotozeiten draußen bist, wirst du langweilige Fotos aufnehmen.
Wir trafen auf den Lofoten an einem kalten Januartag eine Fotogruppe. Ich gebe zu, dass ich etwas neidisch auf die Fotoausrüstung schielte, die mein Gesprächspartner da um den Hals hängen hatte. Die neueste Canon Vollformat Kamera hätte ich zu gerne auch gehabt. Der freundliche Tscheche war begeistert von der Landschaft. „Mein Traum ist es, einmal Nordlichter zu fotografieren“ meinte er. „Wo warst du denn gestern abend?“ fragte ich direkt. Wir selbst waren die ganze Nacht unterwegs gewesen und hatten zig super Nordlichtfotos aufnehmen können. „Na, wir waren in Svolvaer, in der Stadt und haben im Hotel lecker zu Abend gegessen“ kam die Antwort.
Mich stimmte dieses Gespräch traurig. Da war er hunderte Kilometer angereist, hatte zig tausend Euro für das Equipment ausgegeben und dann doch die Chance seines Lebens verpasst. Denn nach diesem Tag hing der Himmel tagelang voller dicker Regenwolken. Das Nordlicht des heftigen Sonnensturms tanzte für uns und die Fototruppe unsichtbar über den Lofoten.
Wir haben schon sehr viele Fotomöglichkeiten erleben und nutzen können, weil wir zu ungemütlichen Zeiten und bei extrem widrigen Bedingungen unterwegs waren.
Nordlicht Fotografie Tutorial
Bestes Licht – Beispiel Fotos von Sylt
Der Strand von Wenningsted bei Regenwetter. Dieses Foto wirkt nicht sehr spannend, trotzdem lohnt es sich auszuharren. Die Sonne kann durchbrechen, oder die Wolken verdichten sich bedrohlich.
Der Strand von Wenningsted auf Sylt am Vormittag. Ganz nett aber nicht dramatisch.
Was sind denn nun die besten Fotozeiten?
Früh morgens ist das Licht weich und die Landschaft einsam
Das sind die erstmal ungemütlichen und unpraktischen Tageszeiten. Wenn es im Bett noch schön warm ist und du dich gern nochmal auf die andere Seite legst, um munter weiter zu träumen. Ganz ehrlich – uns fällt es auch schwer aufzustehen, um das besondere Licht des frühen Morgens einzufangen. Aber auf Fotoreisen steht der Wecker immer eine halbe Stunde vor Sonnenaufgang.
Die Luft ist meist klarer als am Mittag, das Licht ist warm und weich, die Schatten weniger hart, und der flachere Einstrahlwinkel bringt mehr Tiefe und Struktur ins Bild. Außerdem bist du fast ganz allein unterwegs, es laufen dir keine Leute ins Bild und die Strände sind noch jungfräulich unberührt.
Wenningsted: Im Sonnenuntergang explodieren die Farben. Der Blau-Orange Farbkontrast und die auslaufende Wellen fesseln das Auge des Betrachters. Das Licht ist schwach, deswegen ist ein Stativ unumgänglich.
Bis zum Sonnenuntergang und länger draußen bleiben
Abends, wenn die meisten Leute im Restaurant den Gaumengenüssen frönen, gehst du wieder raus. Höre nicht auf zu fotografieren, wenn die Sonne untergegangen ist. In der Stunde nach Sonnenuntergang zeigen sich Farben, die du nicht für möglich hältst.
Morgens wie auch abends solltest du ein Stativ mitnehmen, das Licht ist schwächer. Deine doppelten Mühen werden tausendfach mit eindrucksvollen Fotos belohnt werden.
Schlechtes Wetter ist oft extrem fotogen, aber ungemütlich
Wir dürfen aber auch das richtig schlechte Wetter nicht vergessen. Dramatische Regenwolken bieten sich auch zu Mittagszeiten als Motiv an. Oft schon wurden wir wegen eines Fotomotivs klatschnass. Aber meistens ist es das wert.
Besonders am Meer sind Stürme ein idealer Motivkreator – da kommen hohe Wellen, die Wolken ziehen. Es ist schwierig, die Kamera ruhig zu halten, aber es lohnt, gerade dann rauszugehen, wenn es ungemütlich ist.
Sturm in Cleder, Bretagne
Ja, es regnete und der Sturm peitschte uns die Tropfen ins Gesicht. Außerdem legte sich die Gischt des Meeres über die Kamera und die Frontlinse des Objektivs. Es war richtig ungemütlich. Aber traumhaft schön!
3. Schlechte oder fehlende Nachbearbeitung
Es ist schnell und bequem, mit Kamera oder Smartphone im JPG-Format zu fotografieren. Die Fotos werden kameraintern automatisch blitzschnell bearbeitet und aufgehübscht. Das Ergebnis erstaunt oft. Aber bei genauer Betrachtung sind die Fotos nur annehmbar, mehr aber nicht.
Du willst nachdem du die besten Objektive genutzt hast und zu ungemütlichen Zeiten unterwegs warst, auch das Optimum aus deinen Fotos rausholen.
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Unser Dackel, wie er aus dem Smartphone kommt (Windowsphone)[/caption]
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Das Smartphone-Foto nach der Bearbeitung mit Adobe Lightroom. Die dunklen Partien wurden aufgehellt[/caption]
Vorher: Unser Dackel, wie er aus dem Smartphone kommt (Windowsphone)
Nachher: Das Smartphone-Foto nach der Bearbeitung mit Adobe Lightroom. Die dunklen Partien wurden aufgehellt
Bildbearbeitung mit einem RAW Konverter
Scheust du dich davor, einen RAW-Konverter zu nutzen? Scheint dir Lightroom zu kompliziert? Lass dich drauf ein, es lohnt sich auf jedem Fall.
Fotografiere unbedingt im RAW Format
Willst du die Leistungsfähigkeit deiner Kameraausrüstung voll ausnutzen, bringt das RAW-Format das Mehr an Qualität.
Sonst sieht das RAW Format nämlich wesentlich langweiliger aus als das kamerainterne jpg.
Wir meinen mit der Bildentwicklung nicht, dass du die Fotos manipulieren solltest. Neben dem obligatorischen Schärfen und Entrauschen passt du
Vorher: Küstenlandschaft der Algarve ohne Nachbearbeitung, ein RAW Foto, wie es aus der Kamera kommt.
Nachher: Mit Adobe Lightroom wurde der Kontrast optimiert, der Horizont geradegerückt, die Farbklarheit erhöht und die Schatten aufgehellt. Die Chromatische Aberration und Verzerrungen des Objektivs wurden rausgerechnet. Also eigentlich sind es nur wenige Regler, die verschoben werden!
Die gekonnte RAW-Konvertierung verhilft deinen Fotos zu mehr Ausdrucksstärke und Strahlkraft. Ein paar grundlegende Schritte reichen in der Regel schon aus!
Adobe Lightroom für den optimalen Workflow
Als Fotografin könnte ich mir meine Arbeit ohne Lightroom nicht vorstellen. Das Programm ermöglicht es mir, den Überblick über die Bilderflut zu behalten und ich kann meine Bildserien schnell in einem „entwickeln“ und dann auch exportieren. Das bedeutet dass ich zum Beispiel die Fotos für unseren Blog alle in einer Sammlung zusammenstellen kann, dann auf den Exportknopf klicke, um sie alle auf einmal auf die optimale Größe runterzurechnen, für den Bildschirm nachzuschärfen und unseren Copyright Hinweis einzufügen. Das klappt natürlich auch für jede mögliche Bildgröße und spart enorm viel Arbeit.
Reisefotos in Lightroom bearbeiten
Schau mal rein in den Artikel über die RAW-Bearbeitung in unserem Tutorial über die Reisefotografie. Da findest du eine ausführlichere Anleitung.
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Küste Andalusiens im Gegenlicht. Die RAW-Format Ausgabe ist extra auf gedämpfte Farben und Kontraste eingestellt, das schafft mehr Spielraum bei der Entwicklung in Lightroom.[/caption]
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In Adobe Lightroom wurde der Horizont geradegerückt, das Bild aufgehellt, der Kontrast optimiert und die Farben etwas verstärkt. Damit ist der original empfundene Eindruck wieder hergestellt.[/caption]
Vorher: Küste Andalusiens im Gegenlicht. Die RAW-Format Ausgabe ist extra auf gedämpfte Farben und Kontraste eingestellt, das schafft mehr Spielraum bei der Entwicklung in Lightroom.
Nachher: In Adobe Lightroom wurde der Horizont geradegerückt, das Bild aufgehellt, der Kontrast optimiert und die Farben etwas verstärkt. Damit ist der original empfundene Eindruck wieder hergestellt.
Wir hoffen, dir mit diesen Tipps schnell zu besseren Fotos zu verhelfen. Wenn du dir eine ganz individuelle Betreuung wünscht, schau mal hier:
Reisefotografie Tutorial