Neuvorstellung: Metz Mecablitz M400
Der traditionsreiche Elektronenblitz-Hersteller METZ mecatech hat ein interessantes neues Blitzgerät vorgestellt, den Metz mecablitz M400. Wir fotografieren seit 40 Jahren fast ausschließlich mit Metz-Blitzen, von denen uns noch keiner im Stich gelassen hat. Da sind wir natürlich neugierig darauf zu erfahren, was man denn an Blitzgeräten noch alles verbessern kann.
Gerade habe ich den brandneuen Metz Mecablitz M400 in der CANON-Ausführung aus seiner Box geholt. Ich halte das kompakte Kraftpaket in mattschwarzem Finish mit voll dreh- und schwenkbarem Reflektor in der Hand. Auf den ersten Blick kann sich der M400 der Kritik an der komplexen Bedienung nicht entziehen, die ich im vorhergehenden Blitz-Artikel geäußert habe. Eine Raute und ein Pfeil auf der Rückwand, damit soll das Ding bedient werden?

Metz Mecablitz M400 von vorne

Metz Mecablitz m400 von hinten
Ein Blick in die Anleitung klärt mich schnell auf: Der Pfeil ist zum Ein- und Ausschalten, die Raute das Einstellzentrum des M400. Also schnell 4 AA-Akkus ins Batteriefach und auf die Einschalt-Raute gedrückt. Und schau an, links von der Raute leuchtet ein kleines OLED-Display auf. Mit der linken Rautenecke kann ich die Betriebsarten aufrufen und mit den oberen und unteren Ecken durchblättern. Duchr Druck auf die rechte Ecke rufe ich die zur Betriebsart passenden Optionen auf. Das Display ist schwarzweiß, sehr kontrastreich und extrem klar ablesbar. Kein Vergleich zu den älteren LCD-Displays anderer Blitze und eine Wohltat für meine gestressten Augen. Die Blitzbetriebsarten lassen sich schnell wechseln und konfigurieren. Das ist endlich mal eine einfache und intuitive Bedienerführung, die ihren Namen verdient.

Auch im Nahbereich ist BLitzaufhellung bei Gegenlicht hilfreich.
Die Standard-Betriebsarten
Der Automatik-Modus ist werksseitig voreingestellt, hierin lassen sich bewusst keine Veränderungen in den Einstellungen vornehmen. Er ist für sorgenfreies Blitzen mit Programm-Automatiken und für das Blitzen mit einfacheren Kompaktkameras gedacht.
Vieles macht der M400 auch im Fortgeschrittenen-Modus ETTL automatisch. Falls es die Kamera erlaubt, wechselt er bei Verschlusszeiten, die kürzer als die Blitzsynchronzeit sind, automatisch in den HSS-Modus. Oder er erkennt anhand der Belichtungsmessdaten, ob Aufhellblitzen angesagt ist.
Die Blitzleistung lässt sich auch manuell einstellen, von 1/1 Vollleistung bis hinunter zu 1/256 in Drittelstufen. Das sind volle 8 Blendenstufen. Manuelle Blitzleistung kann bei festen Aufbauten, wie z.B. in der Makrofotografie oder im Studio, nützlich sein. Mit mehreren Servoblitzen und Reflektoren lassen sich raffinierte Beleuchtungsszenarien aufbauen.
Highspeed-Synchronisation funktioniert übrigens im Manuell-Modus genauso wie im ETTL-Modus. Wenn die Kamera dafür eingerichtet ist.

Schneesturm auf den Lofoten, mit langer Belichtungszeit geblitzt. Synchronisierung auf den 2. Verschlussvorhang.
Fortgeschrittene Betriebsarten
Interessanter wird es, wenn mit mehreren Blitzgeräten im drahtlosen Remote-Blitzbetrieb fotografiert wird. Als Servoblitz wird der M400 irgendwo im Raum aufgestellt und vom Kamerablitz ausgelöst. Dabei gibt er eine feste, vorher eingestellte Blitzmenge ab.
Es geht aber auch voll TTL-gesteuert: Als Master oder Slave eingesetzt, arbeitet der M400 mit der ETTL-Blitzmessung der Kamera zusammen. Dabei kann das Lichtleistungsverhältnis zwischen den einzelnen Geräten eingestellt werden. Zusätzlich können mehrere Blitze auf verschiedenen Funkkanälen in Gruppen zusammengefasst und individuell angesprochen werden, aber das führt hier zu weit.
Ich habe zum Testen den M400 als Slaveblitz zusätzlich zum Kamerablitz meiner Canon EOS 7D eingesetzt. Der eingebaute Kamerablitz fungiert dabei als Master. Damit das ganze auch funktioniert, muss ich die Kameraeinstellungen im Menü „Blitzsteuerung“ entsprechend konfigurieren:
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- ich stelle den internen Blitz im Kameramenü auf „ETTL II“
- ich aktiviere die drahtlose Funktionssteuerung im Kameramenü
- den Funkkanal habe ich auf Kanal 1 gelassen
- Das Verhältnis Kamerablitz zu M400 habe ich im Kameramenü auf 1 : 4 gestellt
Das ist eine Sache von zwei Minuten, und es hat tatsächlich auf Anhieb geklappt. Zudem macht es richtig Spaß, wenn die drahtlose Blitzsteuerung so problemfrei arbeitet. Ich habe den von der Kamera entfesselten M400 aus allen möglichen Winkeln auf mein Motiv, das Schachbrett gerichtet. Der Lichtführung sind dabei kaum Grenzen gesetzt.
Eine komplette Testerei für diesen Artikel ist mir allerdings zu umfangreich. Das Einstellen aller verschiedenen Blitzleistungs-Verhältnisse zwischen Master und Slave, direktes und indirektes Blitzen, der Einsatz von Reflektoren und Diffusoren, separate Blitzbelichtungskorrekturen am Kamerablitz und am Slaveblitz, und dazu die Lernfunktionen des M400, das sind unendlich viele Möglichkeiten zum Experimentieren und Entdecken.
Nachfolgend ein paar Beispiele aus meiner Testserie, welche die Möglichkeiten der Lichtführung demonstrieren. Die Aufnahmen wurden mit der Canon EOS 7D mit Tamron 2.8/17-50mm bei 35 mm gemacht. Belichtungsdaten: ISO 400, 1/125 sec., Blende 11. Den Mecablitz M400 habe ich in der Hand gehalten und Pi mal Daumen aufs Brett gerichtet.

Die Ausgangssituation: Kamerablitz der EOS 7D ohne Slaveblitz.

M400 Slave mit Kamerablitz als Master im Verhältnis 4:1. Lichtrichtung des Slaves von links oben für eine plastische Ausleuchtung.

M400 Slave zu Kamerablitz im Verhältnis 4:1. Slave 1 Meter direkt über die Kamera gehalten, für eine schattenfreie Beleuchtung.

M400 Slave zu Kamerablitz im Verhältnis 4:1. Slave hinten links oben positioniert für eine leicht gegenlichtige Wirkung.

M400 als Slave, Kamerablitz nur als Master-Steuerung ohne Blitzbeteiligung. Von seitlich links oben ergibt das dramatische Schatten.

M400 steil von oben, als Slave ohne Kamerablitz eingesetzt. Keine Schattenwürfe, klare harte Konturen.
Bei den Bildern der Testserie gab es keine Ausreißer. Die Technik scheint ausgereift und zuverlässig zu sein.
Für die Schachfans unter euch: Mit welchem Zug greift Weiß die schwarze Königsstellung vernichtend an?
Was kann der Metz Mecablitz M400 sonst noch?
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- Der Zoom-Reflektor leuchtet Bildwinkel von 24mm bis 105mm (auf Vollformat bezogen) aus.
- Für Superweitwinkel-Objektive ist eine Streuscheibe integriert, die den Aufnahmewinkel eines 12mm Objektivs ausleuchtet.
- Bei indirektem Blitzen lässt sich eine Reflektorkarte ausklappen, damit Spitzlichter in die Augen kommen. Das funktioniert aber nur im Querformat.
- Für Videofilmer hat der M400 eine eingebaute, dimmbare LED-Leuchte. Die hält bei Akkubetrieb und voller Lichtleistung ungefähr 4 Stunden durch.
- Mit NiMH-Akkus schafft der M400 über 300 Blitze bei Vollleistung.
- Die Blitzfolgezeiten liegen dabei zwischen 0,1 und 1,5 Sekunden.
- Über die Micro-USB-Buchse kann man selbst auf die neueste Firmware upgraden.

Blitz in der Landschaftsfotografie. Die im Schatten liegenden Strandgrasnelken leuchten in freundlichem Rosa auf.
Gibt es auch Kritisches zu berichten?
Nicht wirklich. Ich könnte kritisieren, dass andere Systemblitze zum Teil mehr Lichtleistung bieten, dafür sind diese Blitzgeräte auch voluminöser. Und bei der heutigen Kameratechnik mit den hochempfindlichen Sensoren, die hohe ISO-Werte erlauben, sind mir leichte, kompakte Blitze mit etwas geringerer Blitzstärke lieber.
Ein Problem hat mich allerdings genervt, das auch mit anderen Blitzgeräten aufgetreten ist: Der aufgesteckte Blitz verliert seine Verbindung mit der Kameraelektronik und blitzt auf Vollleistung. Nach Rücksprache mit dem Metz-Service könnte das an einer instabilen Verbindung der Steuerungskontakte im Blitzschuh zu liegen. Abhilfe schafft, beim Aufsetzen des Blitzes genau auf korrekten Sitz zu achten und die Fixierschraube gut anzuziehen. Das scheint zu helfen, danach konnte ich die Fehlfunktion nicht mehr provozieren.
Dass die Reflektorkarte, die bei indirektem Blitzen für Lichtreflexe in den Augen sorgt, nur bei der Querformat-Haltung der Kamera funktioniert, ist nur ein Schönheitsfehler. Für ernsthafte Porträtfotografie im Hochformat würde ich eh mit Zusatzblitz und Reflektoren arbeiten.

Möwe mit Blitzlicht aufgehellt, deutsche Ostseeküste
Fazit:
Blitzgerät ist gleich Blitzgerät, das scheint auf den ersten Blick so zu sein. Das Marktangebot umfasst alles, vom billigen Chinablitzer bis zu den teuren Systemblitzen der Kamerahersteller. Was hebt dann den Metz Mecablitz M400 aus der Fülle des Angebotenen heraus?
Es ist ein Metz-Blitz! Metz baut seit 1952 Elektronenblitzgeräte, hat technologisch eine Spitzenposition inne und ist für Innovation, Topqualität und guten Service bekannt.
AKTUELLE INFORMATION: Das Unternehmen Metz Mecatech hat Ende August 2020 einen Insolvenz-Antrag gestellt, der ab November abgewickelt wird. Noch vorhandene Neuware wird abverkauft, Service und Beratung sind eingestellt. Ob und wie es weitergeht, steht noch in den Sternen.
Die Menü des M400 ist logisch aufgebaut und die Bedienung leicht zu verstehen. Das OLED-Display ist brillant und informativ.
Durch seine kompakte Größe trägt der M400 kaum auf und bietet trotzdem alle wichtigen Funktionen und sogar LED-Videolicht.
Für knapp 230 Euro ist der M400 zwar teurer als die Billig-Konkurrenz, dafür wesentlich wertiger und voraussichtlich viel langlebiger.
Was Funktionsvielfalt, Leistung, Wertigkeit und Haptik betrifft, kann es der M400 locker mit den Systemblitzen der Kamerahersteller aufnehmen.
Mehr über Blitzfotografie findest du in unserem Blogbeitrag über externe Blitzgeräte. Unbedingt anschauen!
Unser am häufigsten outdoor geblitztes Motiv im letzten Jahr war unser Dackel mit den Leuchttürmen.
Daten des Mecablitz M400 / Canon
Ausstattungsmerkmale
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- Produktname Mecablitz M400 / Canon
- System-Blitzgerät – Adaptertyp Canon
- Farbtemperatur ca. 5600 K
Leitzahlen
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- Leitzahl 28 bei ISO 100 und 35 mm
- Leitzahl 40 bei ISO 100 und 105 mm
Standard-Blitzbetriebsarten
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- 25 Lichtleistungsstufen
- EASY-Mode-Blitzbetrieb
- Manueller Blitzbetrieb
Remote-Blitzbetrieb
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- Canon E-TTL-Remote-Blitzsystem
- Als Master/Controller/Slave verwendbar
Slave-Betriebsarten
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- Servo-Funktion ohne Vorblitzunterdrückung
- Servo-Funktion mit Vorblitzunterdrückung
- Servo-Betrieb mit Lernfunktion
Reflektordaten
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- Ausleuchtung ab 12 mm (KB-Format)
- Hauptreflektor schwenkbar / drehbar
- Vertikaler Schwenkbereich +90°
- Horizontaler Schwenkbereich 360° (2 x 180°)
- Motor-Zoom-Hauptreflektor
- Hauptreflektor mit automatischer und manueller Brennweitenanpassung
- Zoom-Stellungen 24/28/35/50/70/85/105 mm (KB-Format)
- Integrierte Weitwinkelstreuscheibe für 12 mm (KB-Format)
- Integrierte Reflektorkarte für Hauptreflektor
Anzeigen
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- OLED-Display, beleuchtet
- Reichweiteanzeige
- Blitzbereitschaftsanzeige
- Belichtungskontrollanzeige am Blitzgerät
Einstellmöglichkeiten
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- Manuelle Blitzbelichtungskorrekturen
System-Blitzbetriebsarten
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- Canon E-TTL-/E-TTL-II-Blitzbetrieb
- FE-Blitzbelichtungsspeicher (ETTL, ETTL II)
System-Blitzfunktionen, kameraabhängig
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- Automatisches Aufhellblitzen
- Blitzbereitschaftsanzeige im Kamerasucher
- Automatische Reichweitenanzeige
- Automatische Blitzsynchronzeit-Steuerung
- Synchronisation auf den 1. oder 2. Verschlussvorhang
- Kurzzeitsynchronisation (HSS bzw. FP)
- Langzeitsynchronisation (SLOW)
- Manuelle Blitzbelichtungskorrektur
- Automatischer AF-Messblitz / Mehrzonen-AF-Messblitz
Energiemanagement
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- Automatische Geräteabschaltung (Auto-Off)
- Wake-Up-Funktion durch die Kamera
Energieversorgung
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- Betrieb mit Alkali-Mangan-Batterien (1,5 V)
- Betrieb mit NiCd-Akkus bzw. NiMH-Akkus (1,2 V)
- Betrieb mit Lithium-Batterien (1,5 V)
Blitzanzahl bei voller Lichtleistung
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- Betrieb mit Alkali-Mangan-Batterien (1,5 V) 340
- Betrieb mit NiMH Akkus (1,2 V/2100 mAh) 320
- Betrieb mit Lithium-Batterien (1,5 V) 600
Blitzfolgezeit in Sek. (min./max.)
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- Betrieb mit Alkali-Mangan-Batterien (1,5 V) 0,1 / 2,4 s
- Betrieb mit NiCd-Akkus bzw. NiMH-Akkus (1,2 V) 0,1 / 1,5 s
- Betrieb mit Lithium-Batterien (1,5 V) 0,1 / 3,2 s
Gewicht und Abmessungen
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- Gewicht ohne Stromquellen ca. 220 g
- Abmessungen in mm ca. (B x H x T) 65 x 92 x 87 mm
Wir danken der Firma Metz mecatech GmbH für die freundliche Bereitstellung eines Testgerätes. Unsere Meinung wird davon nicht beeinflusst. Wo Kritik angebracht ist, wird sie auch geäußert.
Die Städte des amerikanischen Nordwestens – Portland, Seatle und Vancouver
Selbst der beste Plan überlebt nicht den ersten Feindkontakt. Unser Reiseplan ist keine Ausnahme dieser Regel. Der Feind, in unserem Fall, ist das Wetter. Als wir im Süden Oregons in der Nähe des Crater Lake National Parks sind, erfahren wir, dass dieser wegen unbändigbarer Schneemassen unzugänglich ist. Und während in der Höhe Schnee fällt, prasselt unten an der Küste der Regen.
Den Olympic National Park können wir auch nicht besuchen, wenn es wie aus Eimern regnet, daher wird der Plan kurzerhand über Bord geworfen und wir schauen uns so lange die Städte an, bis das Wetter sich bessert. Von Süden kommend liegt Portland als erstes auf unserem Wege.
Portland – mexican Foodwaggon
Portland – Glasbläserwerkstatt
Portland – Refugium von allem Alternativen.
Wie in San Francisco besuchen wir in Portland Leute, die wir auf der Servas-Gastgeberliste gefunden haben. Mark und Robin, ein ehemaliger Geologiedozent und eine Berufsvermittlerin, sind die stolzen Besitzer eines Passivhauses. Es ist extrem gut isoliert, mit Solarpanelen bestückt und durch seine Leitungen fließt ausschließlich Regenwasser. Wir merken schnell, dass wir mit Mark und Robin auf einer Wellenlänge sind.
Portlands Hauptverkehrsmittel?
Am Tag nach unserer Ankunft erkunden wir Portland. Robin hatte uns vorher schon gewarnt, dass Downtown langweilig ist, und dass die eigentliche Musik im Norden Portlands spielt. Diese Wahrheit bestätigt sich uns, Downtown ist eine Einöde mit hohen Häusern und unpersönlichen Kaufhauskettenfilialen. Als ab in das Hippie/Hipster-Viertel!
Portland-Sidewalk
Wir wandern bestimmt eine halbe Stunde durch ein Wohngebiet, bis sich vor uns das erste bunte Ladenschild präsentiert, doch dann sind wir plötzlich mitten im Geschehen. Fahrradläden, Hippieklamotten, Craftbeer-Bars und Restaurants mit veganer Speisekarte an jedem Eck. Jedes amerikanische Klischee wird hier aktiv widerlegt – in vielen Schaufenstern wird mit einem kleinen Schild ausdrücklich klar gestellt, dass Trump HIER nicht Präsident ist. Wir essen in mexikanischen Food Trucks zu Mittag und stöbern in den Läden, bis es dunkel wird. Und jeder hier ist so offen! Statt „Hi“ grüßt man mit „How’s it goin‘?“ und wir werden ständig gefragt, wo wir denn her kommen. Es scheint, als verirrt sich in dieser Jahreszeit kaum ein Tourist hier her, die sitzen alle in Downtown rum und langweilen sich zu Tode. Da zahlt es sich aus, bei Leuten aus der Stadt unterzukommen!
Portland – Vorgarten
Retro-Bike in Portland
Seattle – Stadt des Regens und des Kaffees
Nach zwei Nächten ziehen wir weiter nach Seattle, wo wir bei Julie und Massimo übernachten. Sie ist frisch gebackene High School Lehrerin, er arbeitet als Softwareentwickler bei Microsoft. Die beiden leben in einem sehr gemütlichen, aber auch sehr kleinen Haus im Süden von Seattle. Wir gehen am ersten Abend Burger essen um die Ecke. Das Ale ist dunkel wie die Nacht (und Montags billiger!) und die Burger mit Pilzen und Schweizer Käse sind ein Traum.
Seattle Downtown
Seattle Downtown
Seattle hat ein sehr interessantes Stadtzentrum, ganz im Gegensatz zu Portland. Das hier hat CHARME. Es stürmt zwar und regnet, als gäbe es kein Morgen mehr, aber genau deswegen sind wir ja auch in einer Stadt und nicht im Wald. Nachdem wir uns ein bisschen in diversen Mitbringsel-Geschäften verlaufen haben (Kaffeetassen mit Regenschirm-Motiv lassen uns wissen, dass das Wetter hier typisch ist) finden wir den Pike Place Market an der Waterfront. Das ist ein (Gott sei dank überdachter!) Markt mit exklusiven Waren. Zwar teilen uns die Preisschilder mit, dass wir ganz bestimmt nicht zu dem Klientel gehören, welches hier seine täglichen Einkäufe erledigt, doch faszinierend ist es trotzdem. Obst, Gemüse und Meeresfrüchte locken von allen Seiten, aber auch Töpferei, Kunst und Klamotten werden hier verkauft.
Seattle – Vintage Car
Seattle – Gemüsetheke
Gegenüber des Pike Place Market stehen die Leute bei einem klitzekleinen Starbucks Schlange. Was da wohl besonderes zusammengebraut wird? Wir schauen nach: nichts Besonderes. Allerdings handelt es sich bei diesem kleinen Laden um den ersten Starbucks weltweit, wir haben den Geburtsort ausfindig gemacht. Das erklärt auch die außergewöhnliche Starbucks-Dichte in dieser Stadt. Generell gibt es hier mehr Cafés als überall sonst. Kein Wunder, dass man Seattle gerne auf den Regen und den Kaffee reduziert. Und wenn wir ehrlich sind – diese beiden Eindrücke machen wir in unserer kurzen Zeit dort auch.
Blauer Himmel über Seattle
Seattle Skyline
Vancouver – nördlichster Punkt der Reise
Wir sind in Seattle sowieso direkt an der Grenze zu Kanada. Da wäre es ja doof, sie nicht zu überqueren, und sich wenigstens Vancouver noch anzuschauen. Es regnet immer noch, lange Wanderungen in der Natur kommen also noch nicht in Frage.
Den Weg zu unseren Servas-Gastgebern in Vancouver finden wir nicht so leicht, denn unser Navi lässt uns im Stich. Ich hatte mir zwar vorher eingeprägt wo es lang ging, aber eine falsche Abzweigung reicht, um unserem Orientierungssinn einen Schraubschlüssel in die Zahnräder zu werfen. So schnell kann man eine Stunde später ankommen als geplant…
Vancouver Skyline
Unsere Gastgeber sind ein gebürtiger Brite und eine gebürtige Tschechin, die schon seit Jahrzehnten in Kanada leben. Zuerst machen sie den Eindruck, als wären sie als Mitglieder der oberen Mittelklasse einen anderen Lebensstil gewohnt als wir zwei Studenten (Das Abendessen besteht aus mehreren Gängen!). Aber es stellt sich schnell heraus, dass sie auf Reisen am liebsten mit dem Fahrrad von A nach B kommen, und wir doch einen recht ähnlichen Reisestil pflegen.
Mit Kartenmaterial ausgestattet fahren wir am Tag drauf in die Stadt rein. Portland war alternativ gewesen; Seattle war verregnet und charmant; Vancouver ist vor allem eines: groß!
Vancouver Hafen
Es ist nicht so, dass hier besonders viel mehr Menschen leben als in Seattle, aber es wirkt auf jeden Fall so. Die Hochhäuser sind dichter gedrängt, es werden überall neue gebaut, und die Straßenschluchten wirken tiefer und enger. Sandra sagt, dass sie hier zum ersten Mal in einer wirklichen Großstadt ist. Wie Vancouver so ist lässt sich schwer sagen, wir sehen nur Downtown, Granville Island, und den Stanley Park. Zu Essen gibt es Poutine. Das ist ein Haufen Pommes mit Pilzsoße und Käse obendrauf. Granville Island ist eine kleine Insel unter der Granville Bridge, auf der hunderte kleine Läden und eine große Markthalle uns Touristen anlocken wie ein Mülleimer die Fliegen. Wer kann bei einer Halle voll mit leckeren Speisen schon widerstehen?
Vancouver – Sandra Shopping
Auf dem Rückweg kommen wir dann nochmal in Seattle bei Julie und Massimo vorbei. Es ist Saint Patricks Day, und Julie warnt uns vor: „Ach ja, es kommt noch meine Familie vorbei, es wird etwas eng werden“. Gut, dann sitzen an dem Tisch für vier Leute eben acht, passt schon. Nein! Das winzige Haus platzt aus allen Nähten. Es sind über 20 Leute in der kleinen Wohn-Esszimmer-Küche, und vom lauten Onkel über das süße Kleinkind bis zur lieben Oma ist alles abgedeckt. Und wir sitzen mittendrin im Chaos, essen mit an dem köstlichen Kartoffeleintopf und dem Irish-Cream-Kuchen, und haben einen Riesenspaß. So eine Erfahrung kann man auch nur mit Servas machen.
Vancouver Leckereien
Das Wetter ist mittlerweile auch besser geworden. Also kann es in den Tagen darauf endlich ins Freie gehen!
Schwäne im Regen, Schottland
Maidens, Ayrshire, Schottland
Diese ganz außergewöhnlichen Lichtstimmungen hat man nur selten, auch, wenn man wie wir, viel unterwegs ist.
Dieses Foto entstand im Süden von Schottland. Wir waren an der Küste unterwegs, versuchten vergeblich, einen Leuchtturm zu erreichen. Da ein gigantischer Golfplatz zwischen uns und dem Leuchtturm lag, schafften wir es an diesem Abend nicht mehr. Dunkle, schwere Wolken hingen am Himmel. In der Ferne regnete es bereits und ein Regenbogen hing tief am Horizont. Gunter wollte alsbald ins warme Mobil, ich nicht. Ich blieb am Strand zurück. Ich ahnte bereits, was da noch kommen könnte!
Schwäne tranken Wasser aus einem Bach, der hier über den Strand ins Meer floss. Die Sonne kam plötzlich raus! Wow, was für eine Lichtsstimmung. Der Regen kam genauso plötzlich. Ich konnte mich trotzdem nicht von dieser Magie lösen. So wurden ich und meine Kamera klatschnass. Trotzdem finde ich, es hat sich gelohnt. Sowas sieht man nicht oft. Sonnenuntergang im strömenden Regen und dazu noch Schwäne am Strand!
Nationalparks Californiens in der Vorsaison
Californiens Nationalparks
Zwei Nächte in San Francisco waren uns genug Zivilisation – eigentlich bereisen Sandra und ich die USA wegen der grandiosen Naturlandschaften. Wir holten also unser Auto ab und starteten unseren großen Roadtrip entlang der Westküste.
Der fahrbare Untersatz, den wir uns gemietet haben, entspricht in etwa einem VW Bus, nur dass er eben ein Ford ist. Er ist ausgesprochen bunt bemalt und wir nennen ihn Henry. Henry hat ein großes Bett, einen Kühlschrank, einen Gaskocher und sogar eine kleine Spüle, bietet also ausreichend Komfort für zwei Studenten, die eigentlich von vornherein keine sonderlich hohen Ansprüche haben.
Zuerst fahren wir Henry nach Süden, an der Küste entlang nach Monterey, um dort zu Tauchen. Da wir aber zu kurzfristig anfragen, müssen wir das Tauchen auf das Ende der Reise verschieben. Big Sur, direkt südlich von Monterey gelegen, ist nicht befahrbar. Die Regenfälle der letzten Wochen haben zwei Brücken so sehr in Mitleidenschaft gezogen, dass die Küstenstraße komplett dich gemacht werden musste. Wir merken also, dass wir an der Küste nicht viel machen können, und fahren nach Osten, ins Landesinnere.
Kings Canyon und Sequoia
Unser erstes Ziel ist der Sequoia National Park, berühmt für seine gigantischen Bäume. Sequoia National Park bildet zusammen mit dem Kings Canyon National Park einen sehr großen Nationalpark, der normalerweise als Einheit betrachtet werden kann, doch auch hier im Hochland hat es starke Niederschläge gegeben. Der Schnee liegt meterhoch und Sequoia ist für uns gar nicht befahrbar, nur einige Wanderungen in Kings Canyon lassen sich machen. Aber das ist nicht weiter tragisch. Kings Canyon National Park ist nämlich ein unglaublich beeindruckender Ort. Wir stapfen durch die Schneemassen und sind umgeben von Bäumen, die höher und mächtiger sind als jeder Kirchturm. Dem Schnee sei Dank haben sich außer uns nur wenige andere Touristen hier her verirrt, den Wald haben wir also weitgehend für uns, und die Wanderung um den Lake Hume führt uns über unberührten Frischschnee. Ein Traum! Nach sieben Kilometern haben wir allerdings auch schon alles abgelaufen, was zu dieser Jahreszeit im Park begehbar ist.
Schlafen tun wir diese Nacht im National Forest direkt neben dem Park, denn dort campt man kostenlos. Nachts kühlt es zwar stark aus, aber dafür haben wir ja Decken und Schlafsäcke.
Yosemite
Zwar konnten wir im Kings Canyon noch halbwegs normal wandern, doch daran gewöhnen wir uns besser nicht. Yosemite National Park ist nämlich so heftig zugeschneit, dass man ohne Schneeschuhe eigentlich gar nicht wandern gehen kann. Wir versuchen es trotzdem, kommen aber nur mühsam im Tal voran. Die hunderte Meter hohen Felswände zu beiden Seiten des Tals, deren Höhen man eigentlich über Wege von hinten erreichen kann, sind nicht im Gespräch.
Wer aber nachfragt, hat immer die Nase vorn. Wir erfahren von einer geführten Schneeschuhwanderung, der wir uns natürlich anschließen. Auf zwei Meter hohem Schnee stapfen wir durch den Wald, und eine Rangerin erzählt uns von den Pflanzen und Tieren, die man im Park antreffen kann, und von den indianischen Mythen, die um die Entstehung der rieseigen Felswände gesponnen wurden. Sandra hat an diesem Tag Geburtstag und freut sich riesig über die Wanderung. Und auch nur in Kalifornien kann man morgens eine Schneeschuhwanderung machen und mittags wieder durch Palmen-Alleen fahren.
Das nächste Ziel der Reise ist der Redwood National Park im Norden Kaliforniens an der Küste. Wir fahren den Highway 101 nach Norden entlang, welcher an der Küste verläuft. Allein die Fahrten machen auf dieser Reise schon einiges her. Der Redwood Forest ist dann wieder ein komplett neuer Eindruck: wir sind von einem saftigen Grün umgeben die Bäume ragen in den Himmel wie Hochhäuser. Es fühlt sich gleichzeitig an wie in einer Kathedrale und wie in einem Regenwald. Es ist zwar alles nass, moosbedeckt und intensiv grün, aber gleichzeitig ist kein einziges Geräusch zu vernehmen. Die Vögel sitzen noch im warmen Süden und wenn man nicht gerade neben einem Bach steht, dann wirkt die Stille fast unheimlich. Wir wandern 12 Kilometer in dieser eigenartigen Welt, treffen dabei auf knapp ein halbes Dutzend anderer Wanderer (wir sind unglaublich froh, in der Vorsaison zu reisen!) und treten schließlich tiefenentspannt wieder aus dem Wald heraus. Zwischen den Baumriesen in der Stille zu wandern nimmt einem jeden Stress, es ist bemerkenswert.
Als ich diese Zeilen tippe, sind wir in Portland bei zwei sehr lustigen Menschen untergekommen. Doch dazu gibt’s dann im nächsten Beitrag mehr – es ist schon sehr spät und ich bin jetzt reif fürs Bett!
USA – nach 17 Jahren wieder zurück. Eine Geographie-Exkursion von Esra.
Gerade abgehoben! Da unten fließt der Rhein.
Als Geographiestudent muss man auch auf Exkursion gehen – ich flieg in die USA. Aber wäre ja doof, nur zwei Wochen dort zu verbringen, wenn man auch sechs Wochen da sein kann, oder? Das dachten sich zumindest eine Kommilitonin und ich uns, und buchten den Flug vier Wochen eher. Seit Donnerstag sind wir jetzt in San Francisco, Samstagmorgen holen wir unseren gemieteten Camper ab. Dann geht’s richtig los. Aber erst einmal ein paar Fotos von der Stadt.
Downtown San Francisco.
Downtown San Francisco.
Sandra und ich sind Mitglieder bei Servas. das funktioniert ca. so wie Couchsurfing: man hat eine Liste mit Gastbegern, und die kann man dann als Reisender kontaktieren und besuchen. Wir sind bei Nancy untergekommen, einer alten Dame, die nahe der Bay wohnt. Den Tag haben wir aber nicht bei ihr zuhause, sondern in dieser wundervollen Stadt verbracht. Es ist so bunt! und so divers! Und so amerikanisch!!
Chinatown
Läuft man von der Stadtmitte nach Norden, geht es durch Chinatown, wo es an jeder Ecke bunte Läden gibt die so überladen sind, dass man besser gut versichert ist, wenn man mit einem Rucksack reingeht – eine falsche Drehung und der Dominoeffekt verwüstet sämtliche kitschigen Vasen, goldene Löwen und patriotische Adler. Aber auch Obst und Gemüse kann man überall bekommen, genauso wie billige Souveniers.
Straßenmusiker in Chinatown
Obst gibt’s an jeder Ecke.
Der Weg zur Golden Gate Bridge war lang, aber wunderschön. insgesamt waren wir fast acht Stunden unterwegs, und haben bestimmt 25 Kilometer nur zu Fuß hinter uns gebracht. Am Abend haben wir uns dann zum Essen mit Carl getroffen, einem anderen Servas-Gastgeber.
Ohne Leuchtturmfoto geht hier ja schon lange kein Beitrag mehr online…
Die Eindrücke in dieser Stadt sind umwerfend. Es wäre idiotisch, ihnen mit einem Blogbeitrag gerecht werden zu wollen, den man am Abend schnell noch schreibt. Selbst wenn ich einen ganzen Tag daran sitzen würde – man muss es einfach selbst gesehen haben.
Ich habe heute mehr Fotos gemacht, als ich sonst in einer Woche schieße, wenn ich auf Reisen bin. Über 500! Ich wollte die Eindrücke einfangen, so gut es geht. Gelungen ist es natürlich nicht!
Mindestens eine fahrende Graffiti-Ausstellung pro Block.
Ab morgen geht es dann los mit dem Auto. Es sieht hoffentlich nicht ganz so schlimm aus wie das da oben, aber man weiß ja nie…
Bis dann!
Norwegen der Länge nach
Norwegen der Länge nach
Norwegen der Länge nach von Simon Michalowicz
Es ist 2013 als Simon Michalowicz seinen Job in Deutschland kündigt und sich auf einen beinahe 6-monatigen Fußmarsch von Kap Lindesnes ganz im Süden Norwegens bis ans Nordkap begibt. Ein langwieriges, anstrengendes Abenteuer, doch als Belohnung locken die atemberaubende Weite des Fjells, die warme Gastfreundschaft der Norweger, und eine Chance mit sich selbst ins Reine zu kommen.
Simons Erzählung ist direkt und auf den Punkt, man könnte es beinahe schon trocken nennen, doch genau das gibt dem Buch seine fesselnde Authentizität. Nicht immer verläuft die Wanderung nach Plan; neben schwer zu findenden Routen und verlorener Ausrüstung stellt vor allem der nagende Selbstzweifel immer wieder ein Hindernis dar. Aber dank der aufrichtigen, ehrlichen Ausdrucksweise verhindert der Bericht zur langwierigen Leidensgeschichte oder abgedroschenen, selbstironischen Farce zu werden. Es macht Mut, Simons allmähliche Wandlung zu verfolgen, wie er selbst über die Zweifel hinweg mehr und mehr Selbstvertrauen gewinnt. Der Ton des Buches wandelt sich je weiter er sich nach Norden bewegt. Wie es die Norweger, im Buch viel zitiert, so schön sagen: „Ut på tur, aldri sur!“ – „Bist du auf Tour, ist alles gut“
Besonders die Höhepunkte des Buches ziehen, durch die aufrichtige Begeisterung die man in ihm findet, in ihren Bann. Sei es die immerwährende Freundlichkeit der Norweger, grandiose Naturlanschaften, oder einfach der Genuss zufriedener Einsamkeit. Es ist kein weitreichendes Schwelgen, oft fehlen selbst Simon die Worte sein Wunder ausreichend zu beschreiben. Doch wer immer schon selbst mal von einer ähnlichen Reise geträumt hat, wird in den überwältigten Berichten des Natur-verliebten Wanderers Resonanz und reichlich Anstoß zum träumen finden.
Würde ich „Norwegen der Länge nach“ jedermann empfehlen? Schwer zu sagen. Doch wer den Norden bewundert, und davon träumt ihn einmal selbst zu erleben, der wird hier sicherlich auf seine Kosten kommen. Ein inspirierender, manchmal sinnlicher Abenteuerbericht der, mit all den Ecken und Kanten, die unbändige Wanderlust in einem weckt.
Metz Mecablitz M400, der kompakte Alleskönner
Neuvorstellung: Metz Mecablitz M400
Der traditionsreiche Elektronenblitz-Hersteller METZ mecatech hat ein interessantes neues Blitzgerät vorgestellt, den Metz mecablitz M400. Wir fotografieren seit 40 Jahren fast ausschließlich mit Metz-Blitzen, von denen uns noch keiner im Stich gelassen hat. Da sind wir natürlich neugierig darauf zu erfahren, was man denn an Blitzgeräten noch alles verbessern kann.
Gerade habe ich den brandneuen Metz Mecablitz M400 in der CANON-Ausführung aus seiner Box geholt. Ich halte das kompakte Kraftpaket in mattschwarzem Finish mit voll dreh- und schwenkbarem Reflektor in der Hand. Auf den ersten Blick kann sich der M400 der Kritik an der komplexen Bedienung nicht entziehen, die ich im vorhergehenden Blitz-Artikel geäußert habe. Eine Raute und ein Pfeil auf der Rückwand, damit soll das Ding bedient werden?
Metz Mecablitz M400 von vorne
Metz Mecablitz m400 von hinten
Ein Blick in die Anleitung klärt mich schnell auf: Der Pfeil ist zum Ein- und Ausschalten, die Raute das Einstellzentrum des M400. Also schnell 4 AA-Akkus ins Batteriefach und auf die Einschalt-Raute gedrückt. Und schau an, links von der Raute leuchtet ein kleines OLED-Display auf. Mit der linken Rautenecke kann ich die Betriebsarten aufrufen und mit den oberen und unteren Ecken durchblättern. Duchr Druck auf die rechte Ecke rufe ich die zur Betriebsart passenden Optionen auf. Das Display ist schwarzweiß, sehr kontrastreich und extrem klar ablesbar. Kein Vergleich zu den älteren LCD-Displays anderer Blitze und eine Wohltat für meine gestressten Augen. Die Blitzbetriebsarten lassen sich schnell wechseln und konfigurieren. Das ist endlich mal eine einfache und intuitive Bedienerführung, die ihren Namen verdient.
Auch im Nahbereich ist BLitzaufhellung bei Gegenlicht hilfreich.
Die Standard-Betriebsarten
Der Automatik-Modus ist werksseitig voreingestellt, hierin lassen sich bewusst keine Veränderungen in den Einstellungen vornehmen. Er ist für sorgenfreies Blitzen mit Programm-Automatiken und für das Blitzen mit einfacheren Kompaktkameras gedacht.
Vieles macht der M400 auch im Fortgeschrittenen-Modus ETTL automatisch. Falls es die Kamera erlaubt, wechselt er bei Verschlusszeiten, die kürzer als die Blitzsynchronzeit sind, automatisch in den HSS-Modus. Oder er erkennt anhand der Belichtungsmessdaten, ob Aufhellblitzen angesagt ist.
Die Blitzleistung lässt sich auch manuell einstellen, von 1/1 Vollleistung bis hinunter zu 1/256 in Drittelstufen. Das sind volle 8 Blendenstufen. Manuelle Blitzleistung kann bei festen Aufbauten, wie z.B. in der Makrofotografie oder im Studio, nützlich sein. Mit mehreren Servoblitzen und Reflektoren lassen sich raffinierte Beleuchtungsszenarien aufbauen.
Highspeed-Synchronisation funktioniert übrigens im Manuell-Modus genauso wie im ETTL-Modus. Wenn die Kamera dafür eingerichtet ist.
Schneesturm auf den Lofoten, mit langer Belichtungszeit geblitzt. Synchronisierung auf den 2. Verschlussvorhang.
Fortgeschrittene Betriebsarten
Interessanter wird es, wenn mit mehreren Blitzgeräten im drahtlosen Remote-Blitzbetrieb fotografiert wird. Als Servoblitz wird der M400 irgendwo im Raum aufgestellt und vom Kamerablitz ausgelöst. Dabei gibt er eine feste, vorher eingestellte Blitzmenge ab.
Es geht aber auch voll TTL-gesteuert: Als Master oder Slave eingesetzt, arbeitet der M400 mit der ETTL-Blitzmessung der Kamera zusammen. Dabei kann das Lichtleistungsverhältnis zwischen den einzelnen Geräten eingestellt werden. Zusätzlich können mehrere Blitze auf verschiedenen Funkkanälen in Gruppen zusammengefasst und individuell angesprochen werden, aber das führt hier zu weit.
Ich habe zum Testen den M400 als Slaveblitz zusätzlich zum Kamerablitz meiner Canon EOS 7D eingesetzt. Der eingebaute Kamerablitz fungiert dabei als Master. Damit das ganze auch funktioniert, muss ich die Kameraeinstellungen im Menü „Blitzsteuerung“ entsprechend konfigurieren:
Das ist eine Sache von zwei Minuten, und es hat tatsächlich auf Anhieb geklappt. Zudem macht es richtig Spaß, wenn die drahtlose Blitzsteuerung so problemfrei arbeitet. Ich habe den von der Kamera entfesselten M400 aus allen möglichen Winkeln auf mein Motiv, das Schachbrett gerichtet. Der Lichtführung sind dabei kaum Grenzen gesetzt.
Eine komplette Testerei für diesen Artikel ist mir allerdings zu umfangreich. Das Einstellen aller verschiedenen Blitzleistungs-Verhältnisse zwischen Master und Slave, direktes und indirektes Blitzen, der Einsatz von Reflektoren und Diffusoren, separate Blitzbelichtungskorrekturen am Kamerablitz und am Slaveblitz, und dazu die Lernfunktionen des M400, das sind unendlich viele Möglichkeiten zum Experimentieren und Entdecken.
Nachfolgend ein paar Beispiele aus meiner Testserie, welche die Möglichkeiten der Lichtführung demonstrieren. Die Aufnahmen wurden mit der Canon EOS 7D mit Tamron 2.8/17-50mm bei 35 mm gemacht. Belichtungsdaten: ISO 400, 1/125 sec., Blende 11. Den Mecablitz M400 habe ich in der Hand gehalten und Pi mal Daumen aufs Brett gerichtet.
Die Ausgangssituation: Kamerablitz der EOS 7D ohne Slaveblitz.
M400 Slave mit Kamerablitz als Master im Verhältnis 4:1. Lichtrichtung des Slaves von links oben für eine plastische Ausleuchtung.
M400 Slave zu Kamerablitz im Verhältnis 4:1. Slave 1 Meter direkt über die Kamera gehalten, für eine schattenfreie Beleuchtung.
M400 Slave zu Kamerablitz im Verhältnis 4:1. Slave hinten links oben positioniert für eine leicht gegenlichtige Wirkung.
M400 als Slave, Kamerablitz nur als Master-Steuerung ohne Blitzbeteiligung. Von seitlich links oben ergibt das dramatische Schatten.
M400 steil von oben, als Slave ohne Kamerablitz eingesetzt. Keine Schattenwürfe, klare harte Konturen.
Bei den Bildern der Testserie gab es keine Ausreißer. Die Technik scheint ausgereift und zuverlässig zu sein.
Für die Schachfans unter euch: Mit welchem Zug greift Weiß die schwarze Königsstellung vernichtend an?
Was kann der Metz Mecablitz M400 sonst noch?
Blitz in der Landschaftsfotografie. Die im Schatten liegenden Strandgrasnelken leuchten in freundlichem Rosa auf.
Gibt es auch Kritisches zu berichten?
Nicht wirklich. Ich könnte kritisieren, dass andere Systemblitze zum Teil mehr Lichtleistung bieten, dafür sind diese Blitzgeräte auch voluminöser. Und bei der heutigen Kameratechnik mit den hochempfindlichen Sensoren, die hohe ISO-Werte erlauben, sind mir leichte, kompakte Blitze mit etwas geringerer Blitzstärke lieber.
Ein Problem hat mich allerdings genervt, das auch mit anderen Blitzgeräten aufgetreten ist: Der aufgesteckte Blitz verliert seine Verbindung mit der Kameraelektronik und blitzt auf Vollleistung. Nach Rücksprache mit dem Metz-Service könnte das an einer instabilen Verbindung der Steuerungskontakte im Blitzschuh zu liegen. Abhilfe schafft, beim Aufsetzen des Blitzes genau auf korrekten Sitz zu achten und die Fixierschraube gut anzuziehen. Das scheint zu helfen, danach konnte ich die Fehlfunktion nicht mehr provozieren.
Dass die Reflektorkarte, die bei indirektem Blitzen für Lichtreflexe in den Augen sorgt, nur bei der Querformat-Haltung der Kamera funktioniert, ist nur ein Schönheitsfehler. Für ernsthafte Porträtfotografie im Hochformat würde ich eh mit Zusatzblitz und Reflektoren arbeiten.
Möwe mit Blitzlicht aufgehellt, deutsche Ostseeküste
Fazit:
Blitzgerät ist gleich Blitzgerät, das scheint auf den ersten Blick so zu sein. Das Marktangebot umfasst alles, vom billigen Chinablitzer bis zu den teuren Systemblitzen der Kamerahersteller. Was hebt dann den Metz Mecablitz M400 aus der Fülle des Angebotenen heraus?
Es ist ein Metz-Blitz! Metz baut seit 1952 Elektronenblitzgeräte, hat technologisch eine Spitzenposition inne und ist für Innovation, Topqualität und guten Service bekannt.AKTUELLE INFORMATION: Das Unternehmen Metz Mecatech hat Ende August 2020 einen Insolvenz-Antrag gestellt, der ab November abgewickelt wird. Noch vorhandene Neuware wird abverkauft, Service und Beratung sind eingestellt. Ob und wie es weitergeht, steht noch in den Sternen.
Die Menü des M400 ist logisch aufgebaut und die Bedienung leicht zu verstehen. Das OLED-Display ist brillant und informativ.
Durch seine kompakte Größe trägt der M400 kaum auf und bietet trotzdem alle wichtigen Funktionen und sogar LED-Videolicht.
Für knapp 230 Euro ist der M400 zwar teurer als die Billig-Konkurrenz, dafür wesentlich wertiger und voraussichtlich viel langlebiger.
Was Funktionsvielfalt, Leistung, Wertigkeit und Haptik betrifft, kann es der M400 locker mit den Systemblitzen der Kamerahersteller aufnehmen.
Mehr über Blitzfotografie findest du in unserem Blogbeitrag über externe Blitzgeräte. Unbedingt anschauen!
Unser am häufigsten outdoor geblitztes Motiv im letzten Jahr war unser Dackel mit den Leuchttürmen.
Daten des Mecablitz M400 / Canon
Ausstattungsmerkmale
Leitzahlen
Standard-Blitzbetriebsarten
Remote-Blitzbetrieb
Slave-Betriebsarten
Reflektordaten
Anzeigen
Einstellmöglichkeiten
System-Blitzbetriebsarten
System-Blitzfunktionen, kameraabhängig
Energiemanagement
Energieversorgung
Blitzanzahl bei voller Lichtleistung
Blitzfolgezeit in Sek. (min./max.)
Gewicht und Abmessungen
Wir danken der Firma Metz mecatech GmbH für die freundliche Bereitstellung eines Testgerätes. Unsere Meinung wird davon nicht beeinflusst. Wo Kritik angebracht ist, wird sie auch geäußert.