Das ist der zweite Teil meines Schottland-Reiseberichtes
Entspannte Tage in den Borders, Schottlands Grenzregion im Süden
Ich war immer noch unterwegs mit Joey und Chris, meinen neugefundenen Reisekameraden. Wir hatten es alles andere als eilig, fuhren ohne eine einzige Sorge im Süden Schottlands herum und genossen das gute Wetter. Es machte richtig Spass, mit zwei anderen Radlern zusammen unterwegs zu sein, vor allem, da wir in etwa das gleiche Level an Fitness hatten – oft, wenn meine Beine nach einem Hügel müde waren und ich eine Pause vorschlagen wollte, kam mir einer der anderen knapp zuvor.

Chris und sein treues Fahrrad, irgendwo in Sdschottland.
Gedanken um Schlafplätze mussten wir uns wenige machen, da in Schottland das Campen nahezu überall erlaubt ist. Wir nahmen nicht den Kuestenweg, sondern fuhren erst nach Westen ins Land hinein, bevor wir nach Norden nach Edinburgh fuhren. Auf dem Weg kamen wir an einer grossen Anzahl sehr kleiner, sehr hübscher Ortschaften vorbei, die alle eine grosse Auswahl an gemütlichen Cafes und Biergärten zu bieten hatten. Das verlangsamte unser Vorankomen erheblich. In jeder zweiten Ortschaft machten wir Halt, Joey und Chris wühlten ihr Go-Brett aus einer der Taschen und wir vernichteten unerhörte Mengen an Essen uns Bier (irgendwo muss der Treibstoff ja herkommen). Radwege gab es so gut wie keine, doch die kleinen Landstrassen, auf denen wir radelten, waren nahezu verkehrsfrei.

Bierpause!

…Und Essenspause!

Was Landschaft anging, konnten wir uns echt nicht beschweren!
Die kleine Strasse zwischen Innerleithen und Edinburgh führte uns zwischen grasbewachsenen Hügeln immer weiter hinauf, stundenlang ging es mal auf ebener Strecke entlang, mal ganz leicht bergauf. Irgendwann hatten wir aber die höchste Stelle erreicht, einen Pass fuer Anfänger, wenn man es so nennen will. Die Aussicht war grandios! Wir konnten nicht nur die gesamte Stadt Edinburgh im Tal vor uns sehen, sondern auch die Bucht dahinter und die Highlands am Horizont. Wir genossen die Aussicht kurz, konnten es aber kaum erwarten, den ganzen Weg auf der anderen Seite wieder herunterzurasen. Zum ersten Mal auf der Reise konnte ich im höchsten Gang fahren!
Edinburgh, die Altehrwürdige, war mit dem Rad leichter zu bewältigen als gedacht
Motiviert von den hohen Geschwindigkeiten fuhren wir immer weiter Richtung Edinburgh mit dem Plan, ganz kurz vor der Stadt eine Wiese zum übernachten zu suchen. Das funktionierte natuerlich nicht. Auf einmal waren wir in den Vororten von Edinburgh, die Gebäude rückten immer dichter aneinander, und wir wussten nicht so ganz, wo wir jetzt campen sollten. Zum Glueck fanden wir einen grossen Park im Herzen von Dalkeith, in dem wir unsere Zelte aufbauen konnten. Wir hielten einen respektvollen Abstand vom Herrenhaus, welches in der Mitte des Parks stand. Auf dem Weg zum Park hatten wir einen Supermarkt gesehen, also knobelten wir einen Boten aus (mich), der Bier und Käse holen fuhr. Damit machten wir uns einen schönen Abend, der recht lange dauerte, da die Sonne um diese Jahreszeit erst gegen 11 Uhr abends hinter dem Horizont verschwand. Natürlich wurden wieder die Go-Steine rausgeholt, die gehörten mittlerweile zur Routine.

Joey futtert im Park in Edinburgh eine Ladung Nudeln
Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns, denn ich wollte nicht unbedingt durch das Stadtzentrum fahren – ich hatte Bedenken, dass es stressig und ätzend sein würde. Ich folgte also den Radwegschildern aus der Stadt heraus, die anderen Beiden verschwanden in die entgegengesetzte Richtung.
Leider waren die Radwege in und um Edinburgh herum so schleht ausgeschildert, dass gar keine Schilder besser gewesen wären, als das, was da an den Laternenpfähen hing. Nach einer Stunde Irrfahrt stand ich keine huntert Meter von dem Ort entfernt, wo wir uns verabschiedet hatten. Und siehe da, Joey und Chris waren auch nicht viel weiter gekommen. Sie freuten sich, mich wieder zu sehen, und wir entschieden uns, lieber zusammen auf den Strassen zu fahren. Das war überraschend einfach und stressfrei, und ehe wir uns versahen, waren wir mitten im Herzen der Stadt. Umgeben von massiven, sehr wichtig ausschauenden Steingebäuden, kleinen Läden und Parks genossen wir den frühen Nachmittag. Ednburgh ist eine unerhört schöne Stadt, es gibt kaum ein hässliches Viertel. Und im Zentrum sind nur Busse, Taxis, und Fährräder erlaubt, was unser Leben erheblich einfacher machte!

Eine Pommesbude in Edinbugh

Mein Fahrrad und ich, im Hintergrund wird Dudelsack gespielt (wie an jeder Ecke in Edinburgh)
Eine Woche im lebendigen Glasgow
Leider konnte ich nicht ewig in Edinburgh bleiben, da ich am nächsten Tag mit einer Freundin in Glasgow verabredet war. Zwischen den beiden Städten verläuft ein alter Binnekanal, also war es ein Kinderspiel, den Weg nach Glasgow zu finden. Es dauerte zwar eine Weile, bis ich den Kanal in Edinburgh ausfindig gemacht hatte, doch dann musste ich wirklich einfach nur dem Wasser folgen.

Ich hab den Kanal gefunden!

Etwas Gruen gefällig? So sah es leider nicht die ganze Strecke lang aus
Da ich erst am Späten Nachmittag losfuhr, musste ich eine übernachtung einplanan, dafür war ich aber am nächsten Tag recht früh in Glasgow. Gerade eben noch am Wasser entlanggefahren, auf einmal tauchen ein paar Häuser auf… und plötzlich stand ich im Stadtzentrum, mitten im geschäftigen Treiben etlicher Touristen und Glasgower.
Ich wusste, dass die Freundin, die ich besuchen wollte, im Westen der Stadt wohnte. Ich hatte ihre Adresse und eine ungefähre Anhung, wie ihr Haus aussah, eine Karte der Stadt hatte ich allerdings keine – aber so schwer konnte das doch nicht sein! Ich tüftelte aus, wo Westen war, und fuhr erstmal eine Weile lang in die Richtung. Irgendwann änderte sich die Landschaft, statt Burögebäuden und Einkaufszentren war ich nun von Wohnhäusern umgeben, und als die Wohhäuser anfingen, so auszusehen wie das gesuchte, wusste ich, dass es nicht mehr weit war. Ich fragte einen vorbeilaufenden Postboten nach dem Strassennamen.
”Hmm…” meinte er und dachte nach ”Ich glaube, das liegtzwei Meilen in diese Richtung”. Ich dankte ihm und fuhr in die Richtung, fragte mich dann noch ein oder zwei mal durch, und dann hatte ich das Haus auch schon gefunden.

In den Strassen Glasgows

Ich und Rhona, eine gute Freundin von mir, die mir Glasgow zeigte
Ich blieb eine Woche in Glasgow. Wie in Newcastle war es toll, mit jemandem befreundet zu sein, der sich dort auskennt. Rhona, das war ihr Name, tat ihr bestes, mich an alle sehenswerten Orte zu bringen, die sie sich ausdenken konnte. Das Transportmuseeum, die Kelvingrove Art Gallery, der Botanische Garten, die Universität – alles musste angeschaut werden! Ausserdem trafen wir uns mit vielen von Rhonas Freunden, meist anderen Studenten der Glasgower Uni. Im Gegensatzt zu Edinburgh, dass einen gemütlichen und wichtigen Eindruch macht, ist in Glasgow immer was los. Es wirkt viel lebendiger dort, das Nachtleben ist ziemlich cool, und die Leute sind, ganz entgegen den in England üblichen Vorurteilen, sehr freundlich (ein Freund aus England tat später ganz überrascht, dass ich in Glasgow nicht erstochen wurde). Die Woche über gab es viel Glasgow-typisches Essen, was im Prinzip dem schottischen Essen sehr ähnelt, aber frittiert ist. Fish’n’Chips, frittiertes Haggis mit Chips, sogar frittierte Marsriegel konnte man an jeder zweiten Ecke kaufen. Dazu gab’s IRN BRU, ein leicht toxisch anmutender, orangefarbener Softdrink, der nach Kaugummi schmeckt und in Schottland öfter über die Theke geht als Coca Cola.

In der Kelvingrove Art Gallery and Museum hing eine Spitfire

Das Fuehrerhaus einer Dampflok im Transportmseum

Fahrräder im Transportmuseum!
Nach der Woche in Glasgow fuhr ich in Richtung Norden weiter, durchquerte die Highlands und besuchete die Isle of Skye. Darüber schreibe ich allerdings lieber im nächsten Bericht, sonst wird dieser hier zu lang!
Edinburgh mit dem Rad erkunden
Mit dem Radl in die Innenstadt von Edinburgh
Mit unserer Womo-Kiste nach Edinburgh hineinzufahren, steht leider außer Frage. Deshalb suchen wir uns einen Campingplatz in der Peripherie und finden auch gegen Mittag tatsächlich noch einen nicht reservierten Platz auf dem Muttonhall Campground. Zwar ohne Strom und auf der aufgeweichten Wiese, dafür mit netten Nachbarn, und für die Lage noch nicht mal so teuer. Wir zahlen knapp unter 30 Pfund.
Das Wetter ist heute sonnig mit leichter Bewölkung, zum Stadtzentrum sind es nur zirka 8 Kilometer, mit dem Rad keine große Aktion, denken wir. Also Kamerarucksäcke aufgesetzt und los gehts. Komischerweise treten sich die ersten Kilometer extrem schwer, als würden wir mit angezogenen Bremsen fahren. Die Bäume am Straßenrand stehen auch alle leicht angewinkelt, aha, es geht offensichtlich stramm bergauf, dazu kommt noch Gegenwind.
scottisch Parliament
Royal Palast
Stadtansicht, Edinburgh
Stadtansicht, Edinburgh
Straßenkünstler
Edinburgh
Hügeliges Edinburgh
Laut Plan müssen wir einer Haupteinfallsstraße Richtung Innenstadt folgen, und allmählich wird auch der Verkehr dichter. Es geht mal ein sehr langes Stück bergab, wir machen Strecke, dann folgt wieder ein Anstieg. Das ruft uns in Erinnerung, dass Edinburgh auf und umgeben von Hügeln liegt. Inzwischen schwimmen wir voll im Autoverkehr mit. Radwege gibt es nur sporadisch, und dann sind sie oft zugeparkt. Meist wird die Bus-Spur zum Radweg deklariert, aber auch da parken Lieferwagen. Mal hört die Spur auf, dann fängt sie wieder an. Mitten im jetzt dichten Verkehr macht das kaum Spaß, auch wenn es jetzt dauernd bergab geht.
Endlich treffen wir in der City ein, später und mehr geschwitzt, als ursprünglich vorgehabt. Esra war einige Wochen vorher mit dem Rad in Edinburgh unterwegs und hat uns erzählt, dass kaum Autos in der Innenstadt herumfahren, und das es total einfach mit dem Verkehr wäre. Wir fragen uns ernsthaft, in welcher Stadt er wohl gewesen ist, die er mit Edinburgh verwechselt hat. Stop-and-Go Verkehr und hektisch herumrasende Lieferwagen überall machen das Vorankommen zur Qual. Wir binden unsere Räder kurzerhand an ein Geländer unterhalb des Schlosses und erkunden zu Fuß weiter.
Edinburgh Festival und Trubel in den Gassen
Die Royal Mile von der Burg zum königlichen Holyrood-Palast ist für den Autoverkehr gesperrt, aber völlig überfüllt. Das Edinburgh Festival steht bevor, es ist der Tag der Generalproben und Unmengen von Touristen drängen sich schon jetzt durch die Straßen. Hunderte von Vorstellungen, Darbietungen, Installationen und Ausstellungen wird es in den nächsten Tagen zu sehen geben. Die Generalproben laufen aber schon heute. Auf dem Schloss üben Militärkapellen für das Edinburgh-Tatoo, in den Gassen zeigen Straßenkünstler ihre Performance, überall weisen Schilder auf unzählige weitere Attraktionen hin.
Aussicht vom Carlton Hill
Nach einer gehörigen Dosis Royal Mile schwingen wir uns wieder auf die Räder und fahren den steilen Carlton Hill hinauf. Die Aussicht von dort oben ist fantastisch, besonders bei dem guten Wetter. Der Hügel ist zudem vollgepflastert mit Monumenten: Nelson Monument, Dugald Stewart Monument, Robert Burns Monument, das National Monument und viele andere Gebäude, die für sich allein schon den Aufstieg lohnen. Dazu ein blauer Himmel und wattebauschige Wolken, es ist ein Traum.
Gunter auf dem Carlton Hill
Carlton Hill
Dugald Stewart Monument
Dugald Stewart Monument
Kanone auf dem Carlton Hill, Edinburgh
Die Edinburgher Burg im Abendlicht
Viel später als geplant stürzen wir und wieder in die Wirren der Innenstadt, um noch ein paar Bilder mit der Burg im Abendlicht einzufangen. Dann suchen wir unseren Rückweg. Der Abendverkehr ist nicht viel besser als der am Mittag, und jetzt geht es auch nicht enden wollend bergauf. Scheiß Hügel! Der Fotorucksack zieht uns städnig den Berg hinunter. Müde und durchgeschwitzt trotz der kühlen, feuchten Luft kämpfen wir uns voran. Das letzte Teilstück gerät zur rasanten Schussfahrt, da merken wir, wie steil der erste Teilabschnitt wirklich ist.
Bus in Edinburgh
Edinburgh Castle
Edinburgh Castle
Fazit: Die Idee, mit dem Rad nach Edinburgh reinzufahren war gut. Der Bus hätte länger gedauert. In der Stadt selbst allerdings wäre es vielleicht besser gewesen so einen Tourbus zu nehmen, der nach und nach alle Attraktionen anfährt. Oftmals war uns das Rad in den bevölkerten Gassen im Weg. Insgesamt haben wir an einem Tag jedoch Vieles abklappern können und bekamen einen sehr guten ersten Eindruck der Stadt. Wir haben nur wenige Besichtungen in Museen und so gemacht und überhaupt nicht in Läden gebummelt.
Abend am Lagerfeuer
Kaum sind wir an unserem Mobil angelangt, begrüßt uns die Dackeldame Grindel stürmisch. Amy und Noah machten tagsüber die Region um den Campingplatz unsicher. Die drei besuchten ein Arboretrum, damit Grindel nicht zu viel Stadttrubel aushalten muss. Jedenfalls stürzt Grindel aus dem Mobil und rennt wie wild schwänzelnd um uns herum. Irgendwas riecht allerdings bei den Nachbarn super gut. Schupps da ist sie im Vorzelt der Nachbarn. Wir kommen ins Gespräch. „Habt ihr Lust auf ein Bier?“ fragt die freundliche Dame. „ja, klar!“ nach dem letzten Hügel der Radtour sagen wir nicht nein. Gerade noch hatte Gabi sich einen netten Abend am Lagerfeuer gewünscht, schon sitzen wir in bequemen Campingstühlen am knisternden Feuer. Unser Abendessen schiebt sich bedenklich Richtung Mitternacht. Am nächsten Morgen schlafen wir uns dafür erstmal aus und überlegen, noch einen Tag zu bleiben.
Forth Bridge
Die Entscheidung wird uns aber abgenommen, der Campingplatz ist leider ausgebucht. Wir machen uns darum auf in Richtung Forth Bridge. An deren Südende in South Queensferry herrscht absolutes Gedränge, und wir parken notgedrungen illegal auf einer Bushaltestelle, um ein paar Fotos zu schießen. Auf der anderen Seite der Brücke in North Queensferry geht es etwas entspannter zu, und wir parken fast direkt unter den Verstrebungen der älteren Eisenbahnbrücke. Die Fahrerei in den zahlreichen Kreiseln ist nervig. Doch diesmal haben wir uns ernsthaft vorgenommen, die Brücken zu fotografieren. Da lassen wir uns nich vom Verkehr abhalten.
Während ich was zu Essen zubereite, geht Gabi auf fotografische Entdeckungstour und findet tatsächlich was Außergewöhnliches: den kleinsten noch in Dienst stehenden Leuchtturm der Welt, der auch zu besichtigen ist.
Firth Bridge
Firth Bridge
Firth Bridge
New Firth Bridge mit heftigem Autoverkehr
Der kleinste noch in Betrieb befindliche Leuchtturm der Welt, North Queensferry
Die Firth Bridge aus dem kleinsten in Betrieb befindlichen Leuchtturm
Die Firth Bridge und unser Wohnmobil
Gabi: Ich packe das Rad aus dem Kofferraum und radle los. Es muss doch noch einen besseren Blick auf die Brücke geben? Gerne hätte ich auch hier übernachtet. Doch jede Sehenswürdigkeit im besten Licht aufzunehmen, schaffen wir sowieso nicht. Die Wolken sind fotogen, der Himmel ist blau und immer wieder kommt die Sonne raus. Schade, dass gerade Ebbe ist, mit Wasser wäre es schöner. Ich fahre also durch den Ort und schleppe das Rad unzählige Treppen hoch um zur Autobrücke New Forth Bridge zu kommen. Ein Schild informiert mich, dass ich mich als Radfahrer an die Geschwindigkeitbegrenzung von 20 MPH halten muss. Ich hab keinen Tacho am Rad, so schnell fahre ich eh nicht. Immer wieder halte ich, um die vor mir liegende rote Forth Bridge aufzunehmen. Jedesmal wird mir Angst und Bang: die Brücke wackelt und zwar richtig heftig. Metall schlägt klirrend auf Metall, es scheppert und die Lastwagen donnern lautstark an mir vorbei. In einer BBC Dokumentation wurde berichtet, dass die Kabel dieser Brücke marode sind. Sie reißen eins nach dem anderen. Es sind zwar sehr viele einzelne Kabel vorhanden, doch die kritische Masse ist nah. Eine neue Brücke wird bereits neben der alten gebaut. Sie soll nächstes Jahr fertig werden. Ein Radreisender fotografiert auch gerade, wir schwätzen eine Weile. Er ist dieses Jahr 50 geworden und fährt von John o‘ Groats nach Cornwall. Ich bin froh, die Brücke alsbald wieder zu verlassen. Im Wohnmobil wartet das Essen auf mich und ich bin ziemlich hungrig.
Nach dem Essen fahren wir weiter an der Küste entlang Richtung St. Andrews. Es ist schon Abend und wir beschließen, in Elie einen Stopp einzulegen. Auch hier steht ein interessanter Leuchtturm, der im Abendlicht leuchtend eine magische Anziehungskraft auf uns ausübt. Ein gelungener Abschluss eines motivreichen Tages. Doch darüber berichten wir besser im nächsten Blogbeitrag…
Zürück zur Übersichtsseite Schottland Wohnmobiltour
Sommer-Radtour, Teil 4: Mit dem Rad durch die Highlands
Diesen Teil des Reiseberichtes schreibe ich von zuhause aus. Nach etwa 80 Tagen hat die Reise ein Ende – zwar habe ich es in dieser Zeit nicht ganz um die Welt geschafft, doch wenn man bedenkt, dass ich über die Hälfte der Zeit bei Freunden und netten Leuten verbrachte, dann sind 3.700km gar nicht so übel, finde ich. Jetzt wird als erstes der Reisebericht vollendet!
Raus auf Glasgow, rein in die Highlands!
Regenwetter
Nach einer Woche in Glasgow hatte ich genug vom Stadtleben und entschied, meine Reise in Richtung Norden fortzusetzen. Der durchgehend blaue Himmel entschied mehr oder weniger zur gleichen Zeit, dass er nun lange genug blau gewesen war, und es fing an zu regnen, kaum war ich aus den bebauten Gebieten heraus. Frechheit!
Aber was will man machen. Auf einer Radtour muss man wasserfest sein. Unterstellen kann man sich nicht wenn man im Niemandsland unterwegs ist, ich wühlte also meine Regenklamotten aus meinen Taschen und stellte sie auf die Probe. Der Outdoorausrüster Vaude hatte mir ein paar Produkte zum Testen gegeben, unter anderem eine Regenjacke, eine Regenhose und meine wasserdichten Schuhe. Bisher hielt alles so dicht, dass ich abends im Zelt immer mit trockenen Klamotten mein Abendessen verzehren konnte, auch wenn es den Tag über sehr viel geregnet hatte.
Die Landschaft wurde immer beeindruckender, je weiter ich nach Norden fuhr
Viel Verkehr war ja nicht…
Leute treffen durch Servas
Ich hatte mir vorgenommen, mal Servas auszuprobieren. Das ist eine Organisition, die im Namen der Völkerverständigung Reisende und gastfreundliche Leute zusammenbringt. Ich hatte ein älteres Paar kontaktiert, das in einem kleinen Dörfchen mitten in den Highlands wohnte. Ich fand das Haus ohne große Schwierigkeiten und wurde von Bob und Maureen empfangen, einem ehemaligen Universitätsdozenten und einer ehemaligen forensischen Psychiaterin. Bob war nebenbei als Guide in einem nahegelegenen Kriegsgefangenenlager aus dem Zweiten Weltkrieg tätig, und nach dem Abendessen gab er mir eine private Tour über das Gelände.
Im Cultybraggan Camp waren damals bis zu 4.000 Deutsche Kriegsgefangene untergebracht, und als sogenanntes „Black Camp“ wurde es vornehmlich als Lager für die besonders hartgesottenen Nazis genutzt. Unter anderem gab es einen Vorfall, wo fünf Gefangene einen Mitgefangenen ermordeten, der ihnen als Verräter der nationalsozialistischen Idee vorkam. Das Camp bestand aus etlichen Nissen Hütten, einfachen Gebilden aus Wellblech. Bob erzählte, dass man die Bauteile für eine solche Hütte auf einen Lastwagen bekäme, den man man nach dem Zusammensetzten der Teile gleich in der Hütte parken konnte. Praktisch!
Einige der Nissenhütten im Cultybraggan Camp, in dem mich Bob am Abend herumführte
Maureen und Bob beim Kuchenvernichten
Ich blieb zwei Nächte bei Bob und Maureen und zog dann durch die Highlands weiter. Der Tag an dem ich weiter fuhr war einer der besten Radfahrtage auf der bisherigen Tour. Die Straße (dort oben gibt es oft nur eine Straße, auf der findet der gesamte Verkehr statt. So viel war es aber nicht) wand sich zwischen Bergen und Tälern nach Westen, in Richtung der Isle of Skye. Teilweise fuhr ich einige Kilometer lang bergauf, doch das zahlte sich immer aus, wenn ich auf der anderen Seite wieder herunter rasen konnte.
Das Wetter war ziemlich gut und es war Wochenende, also waren viele Freizeitfahrer unterwegs. Busse und Wohnwagen rollten gemächlich durch die Landschaft, und etliche Motorräder summten wie Bienen und Wespen darum herum. An einem Aussichtspunkt bot ein stolzer Jaguar-Besitzer an ein Foto von mir zu machen, und als er fertig war röhrte und brummte es wie auf einer Rennstrecke, als ein Supersportwagen nach dem anderen auftauchte. Ein Schottischer Sportwagenclub machte gerade eine kleine Tour.
Langsam begannen sich vor mir Berge aufzutürmen
Eine Gruppe betuchter junger Leute fuhr ihre Sportwagen spazieren
Ein Jaguarfahrer war so nett, ein paar Bilder von mir zu machen
Es dauerte eine Weile, bis ich durch dieses Tal gefahren war
Eine Bergabfahrt, die ich nach langem Klettern wohl verdient hatte
Ich kam an zahllosen Lochs vorbei
Ich hab die Westküste erreicht!
Nocheinmal Servas – Rumtuckern in einem 95 Jahre alten Wagen
Irgendwann kam ich nach Mallaig, von wo aus die Fähre zur Isle of Skye fährt. Da es allerdings schon spät war und das nächste Boot erst am folgenden Tag fahren würde, rief ich noch einen Servas-Gastgeber an. Ranald und Su wohnten in Arisaig, gerade um die Ecke, und nahmen mich gerne auf. Genau wie Bob und Maureen waren sie schon ein wenig in die Jahre gekommen, wie viele andere Servas-Gastgeber im Norden Schottlands. In kleinen Siedlungen mitten im Nirgendwo ziehen die jungen Leute eben alle weg. Macht ja auch nichts, immerhin haben ältere Leute meist die lustigsten Geschichten zu erzählen.
Ranald stellte sich als exzentrisches Unikum von einer Person heraus, genau wie seine Frau Su. Er hatte einen 95 Jahre alten Wagen in der Garage stehen, einen „Varley Woods“. Ranald erklärte mir stolz, dass es wahrscheinlich der letzte Wagen dieser Firma auf der ganzen Welt sei.
„Willst du mal darin fahren?“, fragt er mich dann. Was für eine Frage! Natürlich!
Ranald kurbelt sein Auto an
Wir zogen uns lustige Hüte über die Ohren, ich schnappte meine Kamera, und los ging’s im rollenden Museumsstück. Knatternd und etwas ruckelig rollte der Wagen aus der Garage. Eineinhalb Tonnen einfachste Technik, jedoch nicht ohne Stil. Wer Sicherheit groß schreibt, fühlt sich in so einem Fahrzeug nicht wohl – Anschnallgurte und Nackenstützen wurden erst viele Jahrzehnte nach dem Bau dieser Maschine erfunden, und Bremsen hatte sie auch nur hinten. Wenn man feste genug auf das Pedal trat, hielt der Wagen sogar nach einer Weile an…
Die Gangschaltung war nicht synchronisiert, man konnte einen bestimmten Gang also nur bei der genau richtigen Geschwindigkeit einlegen. Wenn Ranald zu schnell oder zu langsam zum Schalten fuhr, ließ ihn die Gangschaltung das mit einem lauten Knirschen wissen. Es kam aber auch nur einmal vor, da er nach vielen Monaten der Restauration erst wieder das Gefühl dafür bekommen musste.
Während der halbstündigen Tour bekam ich ein Gespür dafür, wie weit sich Fahrzeugtechnik im letzten Jahrhundert weiterentwickelt hatte. Dennoch hatte sich das Grundprinzip des Automobils kaum geändert: Ein Verbrennungsmotor unter der Haube, der Benzin in Kraft und Abgase umwandelt, vier Reifen, ein Lenkrad und drei Pedale. Wir haben vielleicht die Kurbel an der Stoßstange abgeschafft und die Autos sicherer und schneller gemacht, doch neu erfunden wurden sie nie.
Nach zwei Nächten bei Su und Ranald nahm ich die Fähre auf die Isle of Skye und fuhr dann nach Osten, an die andere Küste. Darüber schreibe ich dann im nächsten Bericht.
Ranald in seinem 1920er Varley Woods
Bass Rock – 200000 Basstölpel und ich mittendrin
Tipps und Fotos von einem Besuch auf der Vogelkolonie Bass Rock in Schottland.
St Mary’s Lighthouse, Northumberland
St Mary’s Lighthouse – ein typischer Postkarten-Leuchtturm auf einer Gezeiteninsel
Nach drei Tagen verabschieden wir uns von Whitby. Auf dem Weg nach Norden fotografieren wir eher so im vorbeifahren noch ein paar kleinere Leuchttürme in Hartlepool und Seaham. Wir umfahren Newcastle nach dem Berufsverkehr und können die Brückenmaud diesmal einfach an einem Häuschen bar bezahlen.
Offizielles Gebäude in Hartlepool
Einer der Leuchttürme in Hartlepool, das Leuchthaus wurde entfernt
kleiner Turm im Hafen von Hartlepool, scherzhaft auch Dhalek genannt, nach Dr. Who
Nördlich der Whitley Bay finden wir die unglaublich fotogene Leuchtturminsel St Mary’s
Der weiße Leuchtturm aus dem Jahre 1898 steht auf einer Insel, die bei Flut umspült, bei Ebbe aber über einen Causeway zu erreichen ist. An den Leuchtturm schmiegt sich ein kleines Wohnhaus, ein Auto steht davor. Da wohnt jemand. Wenn der gefragt wird, ob er auf einer Insel wohnt, dann gibt er andauernd eine andere Antwort.
Wir freuen uns den Leuchtturm endlich sehen und fotografieren zu können. Das Wetter spielt nicht ganz mit, aber die Flut meint es gut mit uns, denn gerade rinnen die letzten Wassermassen vom holprigen Pfad herunter und geben den Weg zur Insel frei. Wir fotografieren trotz eher ungünstiger Wetterbedingungen und laufen zur Insel. Zuerst müssen wir allerdings die recht hohen Parkgebühren zahlen.
Nach einem Blick entlang der Küste bin ich beruhigt, ein paar Hundert Meter Richtung Norden befindet sich ein Campingplatz. Da werden wir sicher noch ein Plätzchen finden, oder?
Wir klettern über die Felsen, zu den zahlreichen Gezeitenbecken. Der Eisverkäufer auf dem Parkplatz macht super Geschäfte: bei Flut geht das Eis, bei Ebbe die Kescher und Eimer, die zur Erkundung der Gezeitenzone und zum Ärgern der Krebse gebraucht werden.
Die kleine Insel hieß ursprünglich Bates Island, eine alte Kapelle beherbergte St. Katherines Light, wobei nicht klar ist, ob dieses Licht bereits die Schiffe sicher lenken sollte oder eher ein kleines Lichtlein in der Kapelle war. Irgendwann wurde die Insel fälschlicherweise St. Mary zugeordnet. Dieser Name hielt sich bis heute.
Die frühere Kneipe „Square and Compass“ wurde 1895 geschlossen und der Eigner von der Insel verbannt, es gab zu viele Raufereien. Drei Jahre später wurde St. Mary’s Lighthouse dort erbaut, wo die Kapelle gestanden. Er besteht aus 645 Steinblöcken und 750.000 Ziegelsteinen. Seit 1984 ist der Leuchtturm außer Betrieb. Jetzt befindet sich dort ein Museum, ein Café und ein VisitorCenter.
Wohnmobil mit Leuchtturm im Hintergrund
Eines unserer wenigen Familienfotos, hier mit Leuchtturm
Ein paar rundliche Robben, die sich auf der Insel ausruhen
Der einzige Campingplatz weit und breit liegt wunderbar auf den Klippen
Ein kurzer Sonnenstrahl erreicht den Leuchtturm am Abend
Ich schaue mir das Visitor Center des Naturschutzbundes an. Freiwillige Helfer sind bei Ebbe fast ständig anwesend, um die Besucher von den Robben, die sich hinter dem Leuchtturm ausruhen müssen, abzuhalten. Viele Leute denken, die sind ja so süß und versuchen die Tiere sogar zu streicheln.
Campingplatz nur für Mitglieder
Wir werden überrascht, als wir uns kurz darauf beim Campingplatz des Caravan Clubs anmelden möchten. Weit uns breit ist es der einzige Campingplatz. Doch dieser Platz ist ausnahmslsos für Mitglieder. Wir könnten online Mitglied werden für ca 60 Pfund. Dann würde der Platz für uns mit Kind und Hund nochmal ca 30 Pfund kosten. Wir schauen uns die Karte mit den Clubstandorten an: in Schottland gibt es kaum Plätz dieses Clubs, die Mitgliedschaft lohnt für uns also nicht.
Schließlich rückt die alte Dame von der Rezeption mit einer Empfehlung raus : Wir sollten doch auf dem Parkplatz neben dem Campingplatz fahren, da gäbe es kein Übernachtungsverbotsschild. Das ist unsere einzige Möglichkeit, wir fahren die drei Meter um die Ecke, und stellen uns auf dem Platz neben ein schottisches Mobil. Ich laufe direkt nochmal die 20 Minuten zum Leuchtturm und erwische einen Sonnenstrahl auf dem Leuchtturm. Der Himmel dahinter ist dramatisch dunkelblau bewölkt, der Spaziergang hatte sich gelohnt.
Wir schlafen sehr ruhig in dieser Nacht. Ich bin gleich wieder bei Sonnenaufgang mit der Kamera unterwegs und genieße die absolute Ruhe des frühen Morgens. Die Flut zieht sich gerade zurück als ich die Insel erreiche. Der Sand ist jungfräulich glatt, da macht die Fotografie echt Spaß.
Radtour mit Panne – Whitley Bay und Tynemouth
Nach dem Frühstück hängen regenschwere dunkle Wolken tief am Himmel. Wir entscheiden uns trotzdem, mit dem Rad nach Tynemouth zu fahren. Amy und Noah spazieren mit dem Hund zum Leuchtturm, der gerade wieder von Touristen belagert ist.
Wir schwingen uns mit unseremFotokram bepackt aufs Rad und kämpfen uns im Gegenwind Richtung Tynemouth. Diese Strecke legte Esra vor kurzem auch mit dem Rad zurück. Er hat uns auch den Tipp mit dem Leuchtturm gegeben. Die Wolken werden dramatischer, die Radstrecke führt uns entlang der viktorianischen Häuser und gepflegten Gartenanlagen von Whitley Bay, vorbei an weiten Sandstränden – die übrigens alle den Sommer über für Hunde gesperrt sind. Immer wieder legen wir Fotostopps ein um die Wolken und Häuser aufzunehmen.
„Da hinter uns regnet es aber heftig ab. Hoffentlich sind die Kids wieder im Wohnmobil,“ meine ich gerade zu Gunter als ich mal wieder den Auslöser drücke.
An der Küste, Whitley Bay
Blumen und Häuser in Whitley Bay
Schon ist das Rad wieder repariert, Tynemouth
Bei Ebbe bietet der Longsands Strand von Tynemouth viel Platz für Sportveranstaltungen
dicke Regenwolken und Engländerin mit Hund
Amy, Noah und Grindel werden von dieser fetten Wolke buchstäblich geduscht
Leuchtturm auf der Mole – wir müssen lange auf die Sonne warten
Sting mochte diese Vergnügungsparks
Wir passieren diesen großen spanischen Dom, den wir schon von weitem gesehen haben. Hier trieb sich der in Newcastle geborene Sänger Sting in jungen Jahren herum anstatt zur Schule zu gehen. Der Dom wurde 1910 als Teil eines dieser typischen Vergnügungszentren erbaut, in den 90zigern wegen Zerfall geschlossen und nun wieder restaturiert. Gerade als wir vorbeiradeln spielt eine Band den darüber geschriebenen Dire Straits Song „Tunnel of Love“, der jahrenlang inoffiziell als Eröffnungslied gespielt wurde.
Wir erreichen schließlich unser Ziel. Die Leuchttürme am Ende der ewig langen Mole des Tynemouth. Dort fahren die Fähren von und nach Amsterdam vorbei. Wir radeln munter vor uns hin, als Gunter meint: „Mein Hinterrad verliert Luft“ Wird schon nicht so schlimm sein, denke ich, als ich ihm die Luftpumpe reiche. Doch diesmal bringt sie nichts. Die Luft ist raus, und sie will auch nicht mehr drinnen blieben. Wir haben natürlich kein Flickzeugt dabei und sind gerade 10 Kilometer vom Mobil entfernt. Gunter schleppt das Rad die Mole zurück, er will es nicht rollen, um die Felge nicht zu zerstören. Etwa drei Kilometer entfernt hatten wir einen Radladen gesehen. Dort müsste es einen Ersatzschlauch geben. Gunter radelt mit meinem Rad zum Laden, kriegt den letzten passenden Schlauch und repariert sein Rad. Ich schlendere derweil durch den Ort Tynemouth und muss eine Kaffee trinken um Kleingeld für einen dringend nötigen Toilettenbesuch zu bekommen. Ich unterhalte mich noch mit Hundehaltern und schaue mir die Läden an.
Auch auf dem Rückweg kämpfen wir schwer gegen den Wind an. Fußgänger und Radfahrer teilen sich einen Gehweg, wir dürfen uns in der Kunst des Slalomfahrens üben. Wir kommen nur sehr langsam voran. Kurz vor St. Mary’s Island sind die Schotterwege von Pfützen übersät. Hier hat es anscheinend heftig geregnet. Zurück am Wohnmobil finden wir Amy und Noha, die zwischen zum Trocken aufgehängter Kleidung herausschauen und berichten, wie ein Wolkenbruch sie eiskalt erwischt hat. Innerhalb von Minuten waren sie vollständig durchnässt, aber unserem Dackel hat es gar nicht so schlecht gefallen. Unsere kurze Fahrradtour war 25 Kilometer lang und hat über 5 Stunden gedauert, Fotografieren und Reifen flicken sind halt schlechte Voraussetzungen für die Durchschnittsgeschwindigkeit.
Leuchtturm St Mary’s
Lecker Eis – das hier nennt sich kleine Auster
St Mary’s Leuchtturm im Licht eines klassischen Sonnenuntergangs
Treppe zum Strand
Gegen Abend steht kein Wölkchen mehr am Himmel. Strahlendes Blau konkurriert mit dem grellen Weiß des Leuchtturms. Jetzt ist St Mary wieder eine Insel. Wir plaudern mit Leuten während wir darauf warten, dass sich das Wasser wieder zurückzieht. Der Leuchtturm wirkt ganz anders, als im Sonnenwetter. Es ist eine Wonne, diese wunderschöne Inseln in den ganz unterschiedlichen Lichtstimmungen zu erleben.
Es gibt hier noch mehr zu entdecken, die Küstenlinie unterhalb des Campingplatzes ist über eine Treppe erreichbar. Pfannkuchenartige Felsformationen mit entsprechend großen Gezeitenbecken laden zum Erkunden ein. Wir bleiben noch eine weitere Nacht und ziehen dann erst morgens Richtung Norden weiter.
Zürück zur Übersichtsseite Schottland Wohnmobiltour
Whitby das schnuckelige Hafenstädchen in Yorkshire
Nachdem wir uns vom Flamborough Head Lighthouse verabschiedet haben, bewegen wir uns gemächlich entlang der Küste nach Scarborough. Dort steht ein weiterer Leuchtturm im Hafen. Das Wetter ist weiterhin grau mit gelegentlichem Nieselregen. In der Stadt angekommen, stecken wir plötzlich, aber nicht ganz unerwartet im Dauerstau. Die Hafenpromenade von Scarborough ist ein einziger, langezogener, lärmender Dauervergnügungspark.
Scarborough Hafen
Karrussels, Spielhallen, Imbissbuden, Süßwarenstände und Billigramsch wohin wir sehen.
Parkplätze sind hier absolute Mangelware, geschweige denn Stellplätze für unser Wohnmobil. Notgedrungen fahren wir einige Kilometer weiter auf dem Promenadenweg, bis sich die Parkplatzsituation etwas entspannt hat. Wir holen ein Fahrrad aus der Heckgarage und Gabi radelt zum Leuchtturm zurück, während die anderen mit Grindel an der Strandpromenade spazieren gehen.
Whitby Leuchttürme im Hafen
Häuser von Whitby im Abendlicht
Strandhäuser im Abendlicht
Whitby – das authenische Hafenstädchen
Wir schauen auf die Uhr, als wir wieder aufbrechen. Mist, der Tag ist schon fast rum. Der nächste interessante Ort ist Whitby, das wir auf den bisherigen Reisen vermieden hatten, wegen der steilen Straßen innerorts. Doch unsere Neugier und der drohende Abend besiegen Gabis Bedenken und wir steuern den Hafen von Whitby an. Die Straßen sind zwar steil, doch wir kommen gut runter und parken für eine kurze Erkundungstour auf dem Supermarktparkplatz. Kurioserweise ist das ein Bezahlparkplatz, alles über eine halbe Stunde kostet. In Richtung Hafen ist auch abends in Whitby noch viel Volk in den Gassen. Das Bild wird von Restaurants und Geschäften bestimmt, nur am hafenseitigen Ende verschandeln ein paar Spielhallen das insgesamt malerische Bild.
Whitby ist ein recht kleines Städtchen, das sich lange Zeit wegen der eingeklemmten Lage zwischen den Klippen an der Mündung des Flusses Esk nicht entwickeln konnte. Erst im 18. Jahrhundert brachten Walfang und Schiffsbau Leben in den Ort. Auch James Cook erlernte hier das Schiffshandwerk, bevor er mit der HMS Endeavour, einem in Whitby gebauten Kohletransporter, die Welt umrundete. Bekannt ist Whitby heute vor allem durch „Dracula,“ dessen Handlung Bram Stoker hier ansiedelte.
Auf Stellplatzsuche – das Meer ist so laut, wir können kaum schlafen
Die Dämmerung setzt ein und wir haben noch keinen Stellplatz. Westlich von Whitby Richtung Sandsend soll es laut Stellplatz-App auf Gabis Tablet einen geben. Wir kommen auch die steilen Straßen ohne große Probleme wieder hinauf, fahren Richtung Sandsend und halten hinter einer Kurve vor einem Schild an: 25% Steigung! Eng und kurvig dazu. Die Parkplatzeinfahrt in der Kurve ist in der Höhe auf 2,10 Meter beschränkt. Von einer Parkmöglichkeit für unser Womo keine Spur. Nochmal Mist, wir fahren zurück und parken an der Küstenstraße Richtung Whitby, wo wir ein englisches Wohnmobil gesehen haben. Dessen Besitzer klärt uns auf, dass ausgerechnet in dieser Woche die „No Camping Overnight“ Schilder, die seit 2 Jahren in Yorkshire aufgestellt wurden, probeweise wieder außer Kraft gesetzt sind. Da freuen wir uns doch auf eine ruhige, sorgenfreie Nacht. Die ist leider nicht ruhig. Es ist gerade Flut und die Meeresbrandung rauscht dermaßen laut, dass wir kaum ein Auge zukriegen.
Weil es so schön ist, bleiben wir länger in Whitby
Gerädert (wenigstens wir Eltern) krabbeln wir morgens aus unseren Betten, machen uns fertig, frühstücken und fahren zurück nach Whitby. Auf dem Supermarktparkplatz weisen uns Ordner einen abseits liegenden Rasenplatz zu, dabei ist der Parkplatz noch fast leer, seltsam. Wir streifen durch die engen Altstadtgassen auf der anderen Seite des Flusses Esk. Ein Regenschauer zwingt uns unter einen Überhang, dann geht es weiter über Kopfsteinpflaster und vorbei an ehrwürdigen alten Gebäuden. Nach 2 Stunden ist unsere Parkzeit abgelaufen, wir kämpfen uns zurück ´durch die stetig zunehmenden Touristenmassen. Am Parkplatz wissen wir, warum wir auf dem Rasen stehen. Der Platz ist bis auf den letzten Platz besetzt. Die Ordner wollten nur nicht, dass wir mit unserem Gefährt 2 der wertvollen Plätze belegen.
Dracula Show in Whitby
James Cook mit Möwe schaut über Whitby
Der untere Teil der Cook Statue in Whitby
Wo Dracula zuhause ist
Bei der morgendlichen Fahrt nach Whitby ist uns ein Campingplatz vor der Stadt aufgefallen. Die Sandfield House Farm hat noch einen Platz frei, die Preise sind moderat, da sichern wir uns den sofort, gegen Cash. Hier ist es sauber, geräumig und komfortabel, das juckt uns aber aktuell wenig, erst holen wir etwas Schlaf nach. Erst am späten Nachmittag sind wir wieder so weit hergestellt. Wir holen die Fahrräder aus der Heckgarage, fahren einen steilen Weg die Klippen hinunter zur Küste, entlang der von bunten Badehäuschen gesäumten Strandpromenade bis fast zum Hafen. Ein paar hundert Meter geht es direkt über den Sandstrand, dann sind wir wieder im Hafen. Wir haben uns vorgenommen, zur Ruine der Abtei zu gehen, die hoch über dem Hafen auf der Klippe thront. 200 Stufen später stehen wir schnaufend oben zwischen uralten Grabsteinen, als Hintergrund ragen die Skelette der Whitby Abbey gegen den düsteren Himmel. Wir können uns ein leichtes Schauern nicht verkneifen. Das hier ist die ideale Kulisse für Vampirfilme. Jederzeit könnte sich der Steindeckel von einem der uralten Sarkophage heben, die schiefen Grabsteine haben schwarze Ränder, der Zahn der Zeit hat sie so weit angenagt, dass sie aussehen, wie madenzerfressene Leichenteile. Ein Schild weist dezent darauf hin, die Grabsteine doch bitte nicht zu fotografieren, doch dass jemand einen bekannten Namen auf den Bildern entdecken könnte ist höchst unwahrscheinlich, alle Inschriften sind unleserlich oder komplett wegerodiert.
Grabsteine für Daculafilme
Blick über die Stadt Whitby
Im letzten Licht des Tages stapfen wir zurück zu unseren Fahrrädern und radeln über den Sandstrand und die Uferpromenade zurück zum Aufstieg zu unserem Campingplatz.
Kurz vor Sonnenuntergang am Strand
Das Licht war abends magisch
Die beiden Hafenleuchttürme von Whitby
Wellen in Whitby
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Sommer-Radtour, Teil 3: Edinburgh und Glasgow – Mit dem Rad quer durch die Schottischen Metropolen
Das ist der zweite Teil meines Schottland-Reiseberichtes
Entspannte Tage in den Borders, Schottlands Grenzregion im Süden
Ich war immer noch unterwegs mit Joey und Chris, meinen neugefundenen Reisekameraden. Wir hatten es alles andere als eilig, fuhren ohne eine einzige Sorge im Süden Schottlands herum und genossen das gute Wetter. Es machte richtig Spass, mit zwei anderen Radlern zusammen unterwegs zu sein, vor allem, da wir in etwa das gleiche Level an Fitness hatten – oft, wenn meine Beine nach einem Hügel müde waren und ich eine Pause vorschlagen wollte, kam mir einer der anderen knapp zuvor.
Chris und sein treues Fahrrad, irgendwo in Sdschottland.
Gedanken um Schlafplätze mussten wir uns wenige machen, da in Schottland das Campen nahezu überall erlaubt ist. Wir nahmen nicht den Kuestenweg, sondern fuhren erst nach Westen ins Land hinein, bevor wir nach Norden nach Edinburgh fuhren. Auf dem Weg kamen wir an einer grossen Anzahl sehr kleiner, sehr hübscher Ortschaften vorbei, die alle eine grosse Auswahl an gemütlichen Cafes und Biergärten zu bieten hatten. Das verlangsamte unser Vorankomen erheblich. In jeder zweiten Ortschaft machten wir Halt, Joey und Chris wühlten ihr Go-Brett aus einer der Taschen und wir vernichteten unerhörte Mengen an Essen uns Bier (irgendwo muss der Treibstoff ja herkommen). Radwege gab es so gut wie keine, doch die kleinen Landstrassen, auf denen wir radelten, waren nahezu verkehrsfrei.
Bierpause!
…Und Essenspause!
Was Landschaft anging, konnten wir uns echt nicht beschweren!
Die kleine Strasse zwischen Innerleithen und Edinburgh führte uns zwischen grasbewachsenen Hügeln immer weiter hinauf, stundenlang ging es mal auf ebener Strecke entlang, mal ganz leicht bergauf. Irgendwann hatten wir aber die höchste Stelle erreicht, einen Pass fuer Anfänger, wenn man es so nennen will. Die Aussicht war grandios! Wir konnten nicht nur die gesamte Stadt Edinburgh im Tal vor uns sehen, sondern auch die Bucht dahinter und die Highlands am Horizont. Wir genossen die Aussicht kurz, konnten es aber kaum erwarten, den ganzen Weg auf der anderen Seite wieder herunterzurasen. Zum ersten Mal auf der Reise konnte ich im höchsten Gang fahren!
Edinburgh, die Altehrwürdige, war mit dem Rad leichter zu bewältigen als gedacht
Motiviert von den hohen Geschwindigkeiten fuhren wir immer weiter Richtung Edinburgh mit dem Plan, ganz kurz vor der Stadt eine Wiese zum übernachten zu suchen. Das funktionierte natuerlich nicht. Auf einmal waren wir in den Vororten von Edinburgh, die Gebäude rückten immer dichter aneinander, und wir wussten nicht so ganz, wo wir jetzt campen sollten. Zum Glueck fanden wir einen grossen Park im Herzen von Dalkeith, in dem wir unsere Zelte aufbauen konnten. Wir hielten einen respektvollen Abstand vom Herrenhaus, welches in der Mitte des Parks stand. Auf dem Weg zum Park hatten wir einen Supermarkt gesehen, also knobelten wir einen Boten aus (mich), der Bier und Käse holen fuhr. Damit machten wir uns einen schönen Abend, der recht lange dauerte, da die Sonne um diese Jahreszeit erst gegen 11 Uhr abends hinter dem Horizont verschwand. Natürlich wurden wieder die Go-Steine rausgeholt, die gehörten mittlerweile zur Routine.
Joey futtert im Park in Edinburgh eine Ladung Nudeln
Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns, denn ich wollte nicht unbedingt durch das Stadtzentrum fahren – ich hatte Bedenken, dass es stressig und ätzend sein würde. Ich folgte also den Radwegschildern aus der Stadt heraus, die anderen Beiden verschwanden in die entgegengesetzte Richtung.
Leider waren die Radwege in und um Edinburgh herum so schleht ausgeschildert, dass gar keine Schilder besser gewesen wären, als das, was da an den Laternenpfähen hing. Nach einer Stunde Irrfahrt stand ich keine huntert Meter von dem Ort entfernt, wo wir uns verabschiedet hatten. Und siehe da, Joey und Chris waren auch nicht viel weiter gekommen. Sie freuten sich, mich wieder zu sehen, und wir entschieden uns, lieber zusammen auf den Strassen zu fahren. Das war überraschend einfach und stressfrei, und ehe wir uns versahen, waren wir mitten im Herzen der Stadt. Umgeben von massiven, sehr wichtig ausschauenden Steingebäuden, kleinen Läden und Parks genossen wir den frühen Nachmittag. Ednburgh ist eine unerhört schöne Stadt, es gibt kaum ein hässliches Viertel. Und im Zentrum sind nur Busse, Taxis, und Fährräder erlaubt, was unser Leben erheblich einfacher machte!
Eine Pommesbude in Edinbugh
Mein Fahrrad und ich, im Hintergrund wird Dudelsack gespielt (wie an jeder Ecke in Edinburgh)
Eine Woche im lebendigen Glasgow
Leider konnte ich nicht ewig in Edinburgh bleiben, da ich am nächsten Tag mit einer Freundin in Glasgow verabredet war. Zwischen den beiden Städten verläuft ein alter Binnekanal, also war es ein Kinderspiel, den Weg nach Glasgow zu finden. Es dauerte zwar eine Weile, bis ich den Kanal in Edinburgh ausfindig gemacht hatte, doch dann musste ich wirklich einfach nur dem Wasser folgen.
Ich hab den Kanal gefunden!
Etwas Gruen gefällig? So sah es leider nicht die ganze Strecke lang aus
Da ich erst am Späten Nachmittag losfuhr, musste ich eine übernachtung einplanan, dafür war ich aber am nächsten Tag recht früh in Glasgow. Gerade eben noch am Wasser entlanggefahren, auf einmal tauchen ein paar Häuser auf… und plötzlich stand ich im Stadtzentrum, mitten im geschäftigen Treiben etlicher Touristen und Glasgower.
Ich wusste, dass die Freundin, die ich besuchen wollte, im Westen der Stadt wohnte. Ich hatte ihre Adresse und eine ungefähre Anhung, wie ihr Haus aussah, eine Karte der Stadt hatte ich allerdings keine – aber so schwer konnte das doch nicht sein! Ich tüftelte aus, wo Westen war, und fuhr erstmal eine Weile lang in die Richtung. Irgendwann änderte sich die Landschaft, statt Burögebäuden und Einkaufszentren war ich nun von Wohnhäusern umgeben, und als die Wohhäuser anfingen, so auszusehen wie das gesuchte, wusste ich, dass es nicht mehr weit war. Ich fragte einen vorbeilaufenden Postboten nach dem Strassennamen.
”Hmm…” meinte er und dachte nach ”Ich glaube, das liegtzwei Meilen in diese Richtung”. Ich dankte ihm und fuhr in die Richtung, fragte mich dann noch ein oder zwei mal durch, und dann hatte ich das Haus auch schon gefunden.
In den Strassen Glasgows
Ich und Rhona, eine gute Freundin von mir, die mir Glasgow zeigte
Ich blieb eine Woche in Glasgow. Wie in Newcastle war es toll, mit jemandem befreundet zu sein, der sich dort auskennt. Rhona, das war ihr Name, tat ihr bestes, mich an alle sehenswerten Orte zu bringen, die sie sich ausdenken konnte. Das Transportmuseeum, die Kelvingrove Art Gallery, der Botanische Garten, die Universität – alles musste angeschaut werden! Ausserdem trafen wir uns mit vielen von Rhonas Freunden, meist anderen Studenten der Glasgower Uni. Im Gegensatzt zu Edinburgh, dass einen gemütlichen und wichtigen Eindruch macht, ist in Glasgow immer was los. Es wirkt viel lebendiger dort, das Nachtleben ist ziemlich cool, und die Leute sind, ganz entgegen den in England üblichen Vorurteilen, sehr freundlich (ein Freund aus England tat später ganz überrascht, dass ich in Glasgow nicht erstochen wurde). Die Woche über gab es viel Glasgow-typisches Essen, was im Prinzip dem schottischen Essen sehr ähnelt, aber frittiert ist. Fish’n’Chips, frittiertes Haggis mit Chips, sogar frittierte Marsriegel konnte man an jeder zweiten Ecke kaufen. Dazu gab’s IRN BRU, ein leicht toxisch anmutender, orangefarbener Softdrink, der nach Kaugummi schmeckt und in Schottland öfter über die Theke geht als Coca Cola.
In der Kelvingrove Art Gallery and Museum hing eine Spitfire
Das Fuehrerhaus einer Dampflok im Transportmseum
Fahrräder im Transportmuseum!
Nach der Woche in Glasgow fuhr ich in Richtung Norden weiter, durchquerte die Highlands und besuchete die Isle of Skye. Darüber schreibe ich allerdings lieber im nächsten Bericht, sonst wird dieser hier zu lang!