Radtour nach Cambridge
Für Samstag haben wir uns vorgenommen, nach Cambridge zu fahren. Die Wettervorhersage meint es gut mit uns, da nutzen wir doch die Gelegenheit und nehmen die Fahrräder. Einfach sind es etwa 35 Kilometer, gesetzt der Fall, die Radwege sind ordentlich ausgeschildert. Noah und Amy wollen lieber bleiben, auch aufgrund fehlender Fahrräder, und mit Grindel, unserem neuen Dackel, spazierengehen.
Morgens frühstücken wir ausgiebig, dann packen wir Obst, Getränke und die Kameras in die Fahrradtaschen und befreien unsere Drahtesel aus der Heckgarage. Es ist sonnig und warm, nur ein paar weiße Wölkchen driften lässig durch das Blau.
noch die Reifen geprüft, die Sonnenbrillen auf die Nase und los gehts. Nach wenigen hundert Metern treffen wir auf das erste Radwegeschild. Die Radrouten sind in Großbritannien numeriert, und wir wohnen momentan sogar direkt an der Route 11, Teil des nationalen Nord-Süd-Radweges. Na, da können uns wohl nicht verfahren.

Esel am Radweg

Brücke am Radweg

Wir radeln entlang des Flusses

Kleine Kirche unterwegs
Gut ausgeschildert
Auf wenig befahrenen Landstraßen und schmalen Asphaltwegen geht es mitten durch Weizenfelder und entlang der obligatorischen Baumreihen. Auf einer Wiese stehen 4 Esel und winken uns freudig mit den Ohren zu. Wir halten für eine kurze Kraul- und Fotografierrunde, dann gehts weiter. Die Hinweisschilder finden sich an allen Abzweigungen, ab und zu sogar mit Meilenangaben.
Weiter geht es an Kanälen entlang, hin und wieder wechselt der Straßenbelag auf Schotter oder Feldweg, ein paar Mal müssen wir einen Kanal überqueren. Dabei haben wir einmal das zweifelhalfte Vergnügen, unsere Räder eine steile Treppe hochzuschleppen, über eine Fußgängerbrücke zu schieben und wieder eine ebenso steile Treppe hinunter zu bugsieren.
Dann wird es ganz feldwegig. Wir durchqueren ein Naturschutzgebiet des National Trusts, um uns herum nur Schilffelder, Teiche und schmale Wasserwege. Das sind die Fens, ein riesiges früheres Schwemmgebiet, nördlich von Cambridge. Der National Trust kauft Gelände auf, wo er nur kann und renaturiert es bei Bedarf. So entsteht ein gewaltiges Areal, in dem sich Vögel, Amphibien, Libellen und anderes Wildgetier ungestört tummeln können.
Durch Felder und entlang Kanälen nach Cambridge
Jetzt sind wir schon eineinhalb Stunden durch Felder und Natur unterwegs und haben außer ein paar Farmgebäuden kaum menschlichen Behausungen gesehen. Eigentlich erstaunlich für so eine relativ dicht besiedelte Gegend. Das einzige was uns bremst ist der stetige frische Gegenwind, für den wir aber dankbar sind, weil er uns erfrischt. Dann treffen wir doch auf die ersten Dörfer, wir nähern uns auch langsam Cambridge. Ein Stück weit geht es entlang einer lauten Schnellstraße, die am Flughafen vorbeiführt, danach biegen wir wieder in ruhigere Gefilde ab.

Die typischen Narrowboats in Cambridge

Die typischen Narrowboats in Cambridge
Der Radweg zieht sich ganzes Stück am Fluß entlang. Die Ufer sind gesäumt von den typischen Narrow-Boats, das sind schmale lange Hausboote. Dazwischen treiben lässig Schwäne, hin und wieder schießen Ruderboote vorbei, angetrieben von schwitzenden Jugendlichen. Wir machen nochmal kurz Rast und essen eine Banane, bevor wir uns durch Spaziergänger schlängelnd, Richtung Innenstadt weiterradeln.
Touristentrubel und Harry Potter Flair in der Stadt
Abrupt ist es vorbei mit dem gemächlichen Radeln. Wir stecken von jetzt auf gleich mitten im Stadtverkehr, es ist laut, hektisch und stinkt nach Abgasen. Wir müssen über Ampeln drüber, auf der Straße drängeln die Autos, auf den Bürgersteigen laufen die Fußgänger kreuz und quer. Die Straßen werden enger und wir müssen vom Rad runter. Touristenhorden verstopfen die Gassen, eine erkennbare Verkehrsführung ist nicht mehr vorhanden, jeder schaut irgendwie, wie er vorwärts kommt, es herrscht totale Verkehrsanarchie.
Gabi ist ruckzuck in einem traditionellen Buchladen verschwunden, und ich stehe derweil bei den Fahrrädern, mitten im Strom der Touristen. Immer wieder kommen asiatische Reisegruppen mit einheitlichen T-Shirts fröhlich plappernd und zwitschernd vorbeigelaufen, eine junge Frau macht Werbung für einen Imbiss und drückt mir einen Becher mit Schokonüssen in die Hand.
Nach einer halben Stunde kommt Gabi endlich wieder zum Vorschein, und wir kämpfen uns mit den Rädern mühsam weiter Richtung Kathedrale vor. Jetzt offenbart sich uns auch der wahrscheinliche Grund für diesen enormen Andrang: es ist Graduation Day! Auf den Grasflächen vor den altehrwürdigen Colleges steht allerlei fein herausgeputztes Volk herum, umgeben von seltsam gewandeten Jungvolk. Die Zugänge werden von Security-Leuten kontrolliert. Eine Prozession von Umhang- und Doktorhutträgern schiebt sich mühselig durch die Touristenscharen. Irgendwie kommen wir uns vor, wie in einem Harry-Potter-Film am Tag der offenen Tür.
Wir lassen uns mit den Menschenmassen durch die historischen Gassen treiben, in der Hoffnung, ein etwas ruhigeres Plätzchen zu finden, mit wenig Erfolg. Alle Cafés und Restaurants sind übervoll. Schließlich geben wir auf, es ist sowieso Zeit für einen geordneten Rückzug. Und meine Hautpartien mit Sonnenkontakt fangen auch schon an zu protestieren.

Trubel in der Stadt

Trubel in Cambridge

Ein Musiker im Mülleimer

Graduation Day
Rückenwind auf dem Rückweg
So ganz exakt treffen wir den Rückweg dann doch nicht. Wir folgen dem Fluß zurück, am Flughafen vorbei, an einem Friedhof, wo wir kurz Rast gemacht hatten bis zu einem Pub, wo wir eine kurze Kaffeepause einlegen. Danach treffen wir ein paar Doppeldeutigkeiten mit der Radroutenbeschilderung, weil sich hier zwei Tourenwege kreuzen, und finden uns auf unbekanntem Terrain in einer kleinen Ortschaft wieder. Hier gibt es tatsächlich einen Hügel und der Radweg führt genau drüber. Unsicher, ob wir nicht auf dem Holzweg sind, biegen wir am Ortsende auf einen Feldweg ab und erreichen zum Glück wieder bekannte Wege.
Es ist inzwischen 5 Uhr nachmittags, und der immer noch frische Wind schiebt uns jetzt ordentlich an. Zurück geht es durch die Fens, entlang der Kanäle, über die berüchtigte Fußgängerbrücke, vorbei an den Eseln, und dann sind wir wieder beim Wohnmobil und den Kids.
Nach 75 Kilometern mehr auf dem Radtacho und einem kräftigen Sonnenbrand (nur Gunter, Gabi war mit reichlich Sonnenschutz versorgt), dem wir wegen des kühlenden Windes kaum Beachtung geschenkt haben, werden wir von unseren Kids normal, und dem Dackel hocherfreut begrüßt. Wir strecken uns erstmal kräftig aus und freuen uns auf das Abendessen.
Von Barway nach Ely und Soham
In der anderen Richtung führt der Radweg nach Ely. Bis dahin sind es nur 6 komfortable Kilometer, zuerst an einem Damm entlang, dann über schmale asphaltierte Wege entlang des Kanals, der mit den allgegenwärtigen Narrowboats gesäumt ist, bis hin zum Bootshafen.
Noah und Amy sind den Weg zu Fuß mit unserer Dackeldame Grindel hin und zurück gelaufen, und haben sich zwischendrin die Stadt mit der imposanten Kathedrale angesehen. Das war das einzige Mal, dass Grindel sich nach einem Spaziergang erschöpft zurückgezogen hat. Drei Stunden Lauferei auf ihren kurzen Beinen reichen anscheinend gerade so aus, sie zu ermüden.

Radweg nach Ely

Gunter vor der Kathedrale

Kathedrale von Ely
Radfahren ist in England eigentlich ganz o.k., wenn man nicht gezwungen ist, auf belebten Autostraßen zu fahren. Bei unserem ersten Ausflug ins 10 Kilometer entfernte Soham sind wir auf der Suche nach der Tierhandlung auf der A 142 im Autoverkehr gelandet. Das ist Stress und Gestank pur, gerade in der Rush-hour.
Für die nächsten Trips nach Soham haben wir uns besser vorbereitet, und unser Ziel ausschließlich über wenig befahrene Nebenstrecken erreichen können.
Withernsea Lighthouse und Flamborough Lighthouse, Vogelkolonie Bempton Cliffs
Die Yorkshire Küste ist steil, felsig und abwechslungsreich, außerdem gut mit Leuchttürmen bestückt. Darum zieht es uns nicht all zu schnell nach Schottland. In Withernsea steht mitten zwischen den Häuserreihen ein weißer, hoher Turm, vom Meer ist nichts zu sehen. Wir parken unsere große Kiste an einem unbefestigten Weg und besichtigen den Leuchtturm. Der Eintritt kostet 2,50 Pfund pro Person. Die freischwebende Treppe schlängelt sich an der Wand entlang hoch zur Spitze. Der Turm ist in ein Museum konvertiert worden, die Geländer hängen voller Flaggen und Memorabilia. Eine Horde Kinder stapft unbeschwert quasselnd ihren Eltern hinterher die Treppen hinauf, trotz all der Dekoration hallt es im Leuchtturm. Es ist laut, es ist Sonntag und ganz England scheint auf den Beinen zu sein. Hoch oben versuche ich einen freien Blick aus den Panoramafenstern zu erhaschen. Plötzlich bin ich ganz allein. Von unten hören ich noch den Trubel, doch jetzt gehört der Turm für ein paar Minuten nur mir und ich kann in aller Ruhe fotografieren. Das Meer liegt einige Häuserreihen vor mir. Der Leuchtturm ist leider nicht mehr aktiv – deswegen dürfen sich Besucher so frei darin bewegen.
Treppenhaus des Withernsea Leuchtturms
Wirklich hoch ist der Leuchtturm nicht – trotzdem dieses nette Schild, die Hälfte ist geschafft
Aussicht aus dem Withernsea Leuchtturm
Das letzte Stück ist besonders eng
Trübes Wetter, Withernsea Lighthouse in der Stadt
Die Anlage und das Cafe hinter dem Leuchtturm
Der Flamborough Leuchtturm im Regen
In Flamborough steht ein weiterer weißer Leuchtturm, diesmal hoch auf den Klippen. Direkt am Leuchtturm gibt es einen großen, gebührenpflichtigen Parkplatz, ein Restaurant und einen Souvenirladen. Der Trubel hält sich hier in Grenzen, das liegt am Regen und der heute extrem schlechten Sicht. Wir trinken einen heißen, duftenden Kaffee und warten, dass der Regen nachlässt. Nun, es regnet gar nicht wirklich stark, es nieselt, aber von dieser extrem nassen Art, den die Schotten „Smirr“ nennen. Man geht raus, denkt, es nieselt ja nur, doch trotzdem ist die Kleidung nach wenigen Minuten völlig durchnässt. Wir bleiben darum drinnen, naja, fast. Die drei anderen Reicherts, samt Grindel bleiben drinnen – ich erkunde kurz die Region. Ob ich den Leuchtturm noch besichtigen soll?
Wir entscheiden uns in der Region zu bleiben und suchen einen Campingplatz. Per Internet checken wir die Lage und die Preise. Auf der Wold Farm finden wir optimale Bedingungen für uns: Nähe zur Küste und zu einem Vogelfelsen, und der Platz ist recht günstig mit 16 Pfund inklusive Strom.
Das schickt man doch keinen Hund vor die Tür
Es regnte sich weiter ein. Ich laufe abends mit Grindel los um noch etwas die Gegend zu erkunden. Der Vogelfelsen zieht mich unwiderstehlich an. Doch Grindel mag nicht, bei dem Wetter schickt man ja auch keinen Hund vor die Tür, und vor allem keinen Dackel. Klatschnass kommen wir zurück und legen uns direkt ins Bett. Vielleicht haben wir ja am nächsten Morgen mehr Glück?
Zur Vogelkolonie in Brempton
Früh morgens ist es ruhig, kein Regentrommeln auf dem Womodach nervt uns. Ich ziehe direkt die Regenhose an, eine lange Unterhose drunter, wie Timo das in seinem Blog so schön beschrieben hat. Regenjacke drüber, Rucksack auf den Rücken und los geht’s. Der Rest der Familie schläft noch, der Dackel auch. Es ist noch vor 7:00 Uhr. Nebel hängt an der weißen Kreideküste und zieht sich langsam hoch, das Gras ist klatschnass, der Weg ist weit. Ich laufe und genieße den Ausblick, trotz des schlechten Wetters. Dann erspähe ich die ersten Basstölpel. Wie schön und elegant diese Vögel doch sind. Ich laufe weiter darauf zu. Eine Stunde strammer Marsch und dann bin ich endlich dicht an den Basstölpeln dran. Ich habe das 100-400mm Tele auf der Kamera und fotografiere, was das Zeug hält. So schlecht ist das Licht im nebligen Morgen gar nicht. Keine harten Schatten und ausreichend hell. Ich bin allein mitten in der Tierwelt und genieße die Ruhe.
Küste in Brempton
Wo ist das Meer?
Basstölpel, Brempton
Leider ist die Stelle mit der schönsten Sicht auf den Vogelfelsbogen abgesperrt und nur für Mitarbeiter des RSPB Naturschutzgruppe zugänglich. Das ist extrem schade, denn den Felsbogen würde ich unheimlich gern ordentlich fotografieren. So halte ich nur die Kamera über meinen Kopf und mache ein paar Schnappschüsse.
Basstölpel sammelt Gras fürs Nest
So sieht die Kolonie aus, leider ist dieses Foto nur mit hochgehaltener Kamera möglich
Streit um einen Grashalm
Basstölpel, Brempton
Basstölpel, Brempton
Basstölpel, Brempton
Als ich ein paar Stunden später wieder zum Mobil zurückkomme sind alle wach, sogar Grindel, die sonst gerne länger schläft.
Der Wind hat gedreht und wir merken deutlich, dass wir mit 500 Schweinen die Farm teilen. Wir campen wirklich auf einer Schweinefarm. Die Leute sind aber nett hier, wir schwätzen eine Weile mit unseren Nachbarn.
Steilküste Flamborough
Gegen Mittag fahren wir wieder zum Leuchtturm raus und wandern an der Küste lang. Es ist Flut, die Wellen rauschen über den Strand, der, wie die Steilküste, aus weißem Kaltstein besteht. Wir sind so froh draußen in der regenfreien Natur zu sein, dass wir vergessen, den Leuchtturm zu besichtigen. Ich würde auch gerne nochmal mit der Familie zu den Vögeln laufen, deswegen verbringen wir eine weitere Nacht auf dem Campingplatz. Wir haben aber Pech: es regnet sich wieder ein, eine Wanderung unter diesen Konditionen macht keinen Sinn.
langweiliges Wetter, spannende Küste
Küste Flamborough
Steilküste Flamborough
Taube
Morgens sieht es leider genauso aus, Regen, Regen, Regen…
Besichtigung des Flamborough Leuchtturms
Zum Abschluss besichtige ich den Flamborough Leuchtturm, diesmal mit einer geführten Tour, weil der Leuchtturm noch in Benutzung ist, dann fahren wir weiter Richtung Norden.
Das Treppenhaus
Blick aus dem Leuchtturm auf die Küste
Treppenhaus Flamborough Leuchtturm
Flamborough Lighthouse
Flamborough Lighthouse
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Sommer-Radtour, Teil 2: Mit dem Fahrrad nach Schottland – Wie die Reise begann
Diesen ersten Teil des Reiseberichts schreibe ich bei meinen Freunden in Schweden, wo ich direkt nach meiner Schottland-Reise hingeradelt bin.
Von Amsterdam nach Newcastle
Die Reise begann am ersten Juni in Amsterdam, wo ich aus Zeitgründen mit dem Zug hingefahren war. Die Fähre von Amsterdam nach Newcastle, die von DFDS betrieben wird, ist perfekt für eine Schottlandreise – ich muss nicht erst durch ganz England fahren, um nach Schottland zu kommen. Von Newcastle aus ist man in ein oder zwei Tagen mit dem Rad in Schottland.
Da meine Fähre aber erst am nächsten Tag ging, fuhr ich in der Gegend herum und suchte einen Campingplatz. Radfahren ist in Amsterdam und Umgebung so einfach wie kaum an einem anderen Ort, überall gibt es Radwege und alles ist perfekt ausgeschildert.
Einen billigen Campingplatz zu finden ist allerdings bei weitem nicht so leicht. Ich fand zwei, die beide über 20 € für eine Nacht wollten, also suchte ich weiter. Es wurde langsam dunkel und ich hatte immer noch nichts gefunden, da kam eine nette alte Dame vorbeigeradelt. ”Na, suchst du einen Platz zum Übernachten?” Ich erklärte ihr meine Situation und wir unterhielten uns eine Weile lang. ”Ach weißt du was”, meinte sie schliesslich, ”warum schläfst du nicht einfach in meinem Gästezimmer?”
Joke mit ihrem Fahrrad. Es ist toll, wie man so spontan Leute kennen lernen kann!
Dieses Angebot nahm ich natürlich gerne an! Joke (das war ihr Name) erzählte selbst andauernd von Radtouren und Wanderungen, die sie in der letzten Zeit unternommen hatte – sie konnte sich also leicht in meine Situation hineinversetzen. Ich finde es cool, wie leicht man vom Rad aus andere Leute trifft. Man muss nicht erst anhalten und das Fenster herunterkurbeln, und als Alleinreisender wird man sowieso viel öfter angesprochen.
Am nächsten Tag schickte mich Joke auf einem schönen Radweg die Küste entlang, ich hatte nämlich noch ein wenig Zeit bevor die Fähre abfuhr.
Ich fand den Fährhafen schließlich ohne Weiteres und stellte mich vorne in die Schlange, wo man sich als Radfahrer einordnen soll. Mit einem anderen Fahrrad-Tourer fachsimpelte ich über Fahrradtechnik und wir tauschten Storys von unseren Reisen aus, während wir warteten. Wir waren die ersten auf dem Schiff, der King Seaways. In der leeren Fähre mussten wir uns nicht mit dem restlichen Verkehr abgeben, allerdings ist der Erste auf dem Schiff auch der Letzte, der wieder herunter fährt.
Warten vor der Fähre
Die Taü sorgten für einige interessante geometrische Formen
Details auf dem Schiff
Das Wetter war anfangs etwas wild!
Die King Seaways war ein recht gemütliches Schiff, und das Essen war gut (wenn auch etwas teür). Ich schlief wie ein Stein und genoss am Morgen die Hafeneinfahrt in Newcastle vom Deck aus. Ich würde ein paar Tage bei einer Freundin in der Stadt verbringen, und sie wartete bereits auf mich, als ich endlich aus dem Bauch des Schiffes gerollt kam.
Hafeneinfahrt in newcastle am nächsten Morgen.
Die Fähre ist auch mit dem Rad kein Problem
Die King Seaways wartet auf die nächste Fuhre
Ein paar Tage in Newcastle, dann geht es los!
Newcastle ist eine schöne Stadt mit vielen alten, eindrucksvollen Gebäuden. Es fühlt sich aber ganz und gar nicht wie ein Museum an, ganz im Gegenteil – die Stadt wimmelt nur so vor Leben, Tag und Nacht. Wir zogen viel in der Innenstadt herum, gingen ins Kino, und ich bekam alle wichtigen Sehenswürdigkeiten gezeigt. Es ist gut, wenn man Freunde in einer großen Stadt hat, denn die wissen meist genau, was man dort so unternehmen kann.
Newcastle ist gleichzeitig eine alte und eine lebendige Stadt
Mit dem Doppeldeckerbus hat man einen besseren Überblick über die Strassen
Ich war aber nicht nach Großbritannien gefahren, um mir nur die Städte anzuschauen. Nach ein paar Tagen zog es mich nach Norden, ich verabschiedete mich also und machte mich auf den Weg. Ich fuhr an der Küste entlang, vorbei an uralten Burgen, farbenfrohen Feldern, und kleinen Küstenorten. Englische Radwege sind so eine Sache – ihre Qualität schwankt ständig zwischen traumhaft und unzumutbar. Es kann sein, dass man eine Stunde lang auf glattem, autofreiem Asphalt rollt – ich musste mich aber auch teilweise durch Schlammlöcher und kleine Bäche quälen.
Ich kam Schottland immer näher, doch am zweiten Tag nach meiner Abfahrt entschied sich der Wind, es mir ein wenig schwerer zu machen. Es war nicht nur ein räudiges Lüftchen, das mir da um die Ohren blies, sondern nahezu ein ausgewachsener Sturm – auf der Beaufort-Skala brachte der Wind eine 7 auf die Waage. Die Stromleitungen bogen sich nicht nach unten, sondern seitwärts, und ich hatte zuweilen Probleme, auf dem Rad zu bleiben.
Die Nordenglische Landschaft besteht zu einem grossen Teil aus Feldern
…und enorm vielen Schlössern!
Eine neugierige Kuh
Auf einmal war es keine Solo-Tour mehr!
Vor Holy Island machte ich Rast. Ein ebener Damm führte bei Ebbe auf die Insel, doch bei diesem Wind hatte ich absolut kein Bedürftnis, auf offenliegenden Strecken zu radeln. Zwei andere Radreise hatten genau das getan und kamen gerade von der Insel, sie sahen ziemlich kaputt aus und schienen es zu bereuen. Ich redete sie an, als sie neben mir Rast machten. Wir plauderten ein wenig, sie boten mir einen Keks an, ich warf ihnen zwei Twix zu, und auf einmal hatten wir uns stillschweigend geeinigt, zusammen weiter zu fahren. Sie hießen Joey und Chris, waren nicht viel älter als ich und kamen aus Notthingham. Ihr Ziel war Edinburgh, was immerhin die selbe Richtung war, in die ich fuhr.
Wir kamen also zu dritt in Berwick upon Tweed an, einer kleinen Stadt an der Grenze zu Schottland. Dort wurde im Supermarkt das Abendessen gekauft, bevor wir noch schnell die Grenze überquerten, um in Schottland zu campen. Dort ist nämlich das Zelten auf fast allen öffentlichen Flächen erlaubt, und noch dazu auf allen privaten, solange sie groß genug sind und nicht eingezäunt. Ein paar Minuten hinter der Grenze fanden wir dann auch einen Park, der recht gemütlich aussah. In seiner Mitte fanden wir ein bildhübsches Steinhaus, dessen Bewohnerin wir fragen, wo man hier am besten zelten könne. Sie überlegte kurz und entschied sich dann, uns in ihrem Hintergarten schlafen zu lassen, schön windgeschützt und sogar mit Wasserhahn!
Das sind Joey und Chris, meine spontan gefundenen Reisekameraden
Auf der Suche nach einem schönen Fleck zum campen
Wir machten uns einen schönen Abend, schlugen uns die Mägen voll, und Joey und Chris erklärten mir, wie man Go spielt. Das ist ein asiatisches Brettspiel, welches mir leider als Anfänger ein wenig zu kompliziert schien, um mit einzusteigen.
Abends wird Go gespielt!
Ich war erst seit ein paar Tagen unterwegs, hatte aber schon so viel erlebt, dass es mir wie Wochen vorkam. Und das würde in den nächsten Monaten nicht besser werden!
Teil zwei folgt bald!
Naturschutzgebiet Spurn Head an der Flußmündung des Humber, Yorkshire
Gleich zwei Leuchttürme stehen auf der Sandbankhalbinsel SpurnHead, Grund genug für uns, unser Wohnmobil dahin zu steuern.
Es hat gutgetan, die Region um Ely herum nur mit dem Rad und zu Fuß zu erkunden. Früh morgens verabschieden uns von Corinne und Chris, bei denen wir einige schöne Tage verbracht haben und schon sitzen wir wieder im Mobil und werden vom hektischen Linksverkehr mitgesogen.
Wir fahren auf kleinen Straßen Richtung Norden. Die kleinen Straßen sind mir lieber als die großen, denn da fahren sich Kreisel wesentlich entspannter. Das Fahren auf der falschen Straßenseite funktioniert relativ gut, besser wäre es natürlich das Lenkrad auch auf der rechten Seite zu haben. So ist es oftmals nötig, das Gunter von der Beifahrerseite aus checken muss, ob Autos kommen.
Es ist Samstag und alle Autos der Region haben sich auf dem Supermarktparkplatz versammelt. Für unsere große Kiste ist kein Platz mehr, ich parke mit Warnblinker in einer breiten Kurve und Gunter sprintet zusammen mit Noah los um ein paar Vorräte aufzustocken.
Noah hat übrigens an diesem Tag Geburtstag doch durch die Hektik vergessen die beiden, einen Kuchen mitzubringen. Wir erreichen Spurn Head erst am Nachmittag. Nach dem Regen der letzten Tage sieht der Himmel nun fast zu blau aus. Kein Wölkchen ist am Horizont zu sehen, nur Windräder rotieren träge über dem Meer. Am Visitorcenter des Naturschutzgebietes informieren wir uns: es sind 7 Kilometer bis zu den Leuchttürmen. Wir können mit den Rädern hinfahren müssen dazu nur ungefähr 500 Meter durch Sand schieben. Dieser Abschnitt wird bei Flut überspült, die nächste Flut wird aber erst gegen Mitternacht erwartet. Wir haben also Zeit. Bei der Anfahrt sehen wir einige Campingplätze, doch welcher eignet sich wohl am besten für uns? Ich frage im Center nach, wir brauchen keinen Schnickschnack für viel Geld, sondern nur einen Platz für’s Mobil und eine Toilette. Das Naturschutzzentrum hat einen eigenen kleinen Stellplatz für fünf Mobile, für 13 Pfund die Nacht. Das passt ideal. Wir parken ein, ruhen uns ein wenig aus, feiern einen kuchenfreien Geburtstag und ziehen danach mit den Rädern und schweren Rucksäcken auf dem Rücken Richtung der Leuchttürme. Noah und Amy laufen derweil mit dem Dackel zum Strand.
Gunter auf dem Sandstreifen, kurz vor dem Regen
schaumige Wellen und Regenwolken
Buhnen
Eine Fähre nach Holland kommt aus dem Regenschleier
Low Light, Spurn
Regenwolken über dem Hafen von Kingston upon Hull
Wie aus dem Nichts hängt plötzlich der ganze Himmel voller Wolken. Die Sonne kommt nur noch hie und da durch. Wir radeln die ersten beiden Kilometer auf der Straße entlang, dann kommt der weiche Sand. Es ist äußerst mühsam, wir kommen ganz schön ins Schwitzen. Die Wellen rauschen lautstark auf alte, zerfallene Bunkeranlagen zu. Entlang des Strandes stehen mächtige, drei, vier Meter hohe Buhnen, in der Ferne steht eine ganze Herde riesiger Windräder, auf der anderen Seite warten gewaltige Schiffe vor der Hafeneinfahrt von Kingston upon Hull und mittendrin das Vogelnaturschutzgebiet. Von weitem sehen wir schon, dass es diesmal nichts wird mit der Leuchtturmfotografie. Der schwarzweiße imposante Leuchtturm versteckt sich unter einem noch imposanteren mit grünem Tuch verhüllten Baugerüst. Schade. Ein kleinerer schäbiger Turm steht im Wasser, oder im Sand, wenn Ebbe ist. Es ist Ebbe und wir sehen den Leuchtturm, der uns an Ar Gueveur auf der Île de Sein erinnert, erst, als wir direkt davor stehen. Das Licht auf den Hafen und die Schiffe ist fantastisch, der Leuchtturm gefällt mir nach einer Weile sogar richtig gut.
Low Light, Spurn
Die Wolken werden immer dramatischer, das ist gut für die Fotografie, aber schlecht für den Rückweg. Das kann ganz leicht zu ungewünschter Feuchtigkeit führen. Wir fotografieren uns auch noch an den Buhnen fest. Das Licht wird magisch, zur einen Seite knallig orangerot, zur anderen regengrau mit gewaltigen, schaumschlagenden Wellen. Jetzt fallen die ersten Tropfen und wir schwingen uns auf die Räder. Regen und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit, da treibt uns die Tour über den weichen Sand direkt den Schweiß in die Regenkleidung. Wir sind klatschnass aber das war es wert. Die Fototour war richtig geil!
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Radfahren nach Cambridge, Südengland
Radtour nach Cambridge
Für Samstag haben wir uns vorgenommen, nach Cambridge zu fahren. Die Wettervorhersage meint es gut mit uns, da nutzen wir doch die Gelegenheit und nehmen die Fahrräder. Einfach sind es etwa 35 Kilometer, gesetzt der Fall, die Radwege sind ordentlich ausgeschildert. Noah und Amy wollen lieber bleiben, auch aufgrund fehlender Fahrräder, und mit Grindel, unserem neuen Dackel, spazierengehen.
Morgens frühstücken wir ausgiebig, dann packen wir Obst, Getränke und die Kameras in die Fahrradtaschen und befreien unsere Drahtesel aus der Heckgarage. Es ist sonnig und warm, nur ein paar weiße Wölkchen driften lässig durch das Blau.
noch die Reifen geprüft, die Sonnenbrillen auf die Nase und los gehts. Nach wenigen hundert Metern treffen wir auf das erste Radwegeschild. Die Radrouten sind in Großbritannien numeriert, und wir wohnen momentan sogar direkt an der Route 11, Teil des nationalen Nord-Süd-Radweges. Na, da können uns wohl nicht verfahren.
Esel am Radweg
Brücke am Radweg
Wir radeln entlang des Flusses
Kleine Kirche unterwegs
Gut ausgeschildert
Auf wenig befahrenen Landstraßen und schmalen Asphaltwegen geht es mitten durch Weizenfelder und entlang der obligatorischen Baumreihen. Auf einer Wiese stehen 4 Esel und winken uns freudig mit den Ohren zu. Wir halten für eine kurze Kraul- und Fotografierrunde, dann gehts weiter. Die Hinweisschilder finden sich an allen Abzweigungen, ab und zu sogar mit Meilenangaben.
Weiter geht es an Kanälen entlang, hin und wieder wechselt der Straßenbelag auf Schotter oder Feldweg, ein paar Mal müssen wir einen Kanal überqueren. Dabei haben wir einmal das zweifelhalfte Vergnügen, unsere Räder eine steile Treppe hochzuschleppen, über eine Fußgängerbrücke zu schieben und wieder eine ebenso steile Treppe hinunter zu bugsieren.
Dann wird es ganz feldwegig. Wir durchqueren ein Naturschutzgebiet des National Trusts, um uns herum nur Schilffelder, Teiche und schmale Wasserwege. Das sind die Fens, ein riesiges früheres Schwemmgebiet, nördlich von Cambridge. Der National Trust kauft Gelände auf, wo er nur kann und renaturiert es bei Bedarf. So entsteht ein gewaltiges Areal, in dem sich Vögel, Amphibien, Libellen und anderes Wildgetier ungestört tummeln können.
Durch Felder und entlang Kanälen nach Cambridge
Jetzt sind wir schon eineinhalb Stunden durch Felder und Natur unterwegs und haben außer ein paar Farmgebäuden kaum menschlichen Behausungen gesehen. Eigentlich erstaunlich für so eine relativ dicht besiedelte Gegend. Das einzige was uns bremst ist der stetige frische Gegenwind, für den wir aber dankbar sind, weil er uns erfrischt. Dann treffen wir doch auf die ersten Dörfer, wir nähern uns auch langsam Cambridge. Ein Stück weit geht es entlang einer lauten Schnellstraße, die am Flughafen vorbeiführt, danach biegen wir wieder in ruhigere Gefilde ab.
Die typischen Narrowboats in Cambridge
Die typischen Narrowboats in Cambridge
Der Radweg zieht sich ganzes Stück am Fluß entlang. Die Ufer sind gesäumt von den typischen Narrow-Boats, das sind schmale lange Hausboote. Dazwischen treiben lässig Schwäne, hin und wieder schießen Ruderboote vorbei, angetrieben von schwitzenden Jugendlichen. Wir machen nochmal kurz Rast und essen eine Banane, bevor wir uns durch Spaziergänger schlängelnd, Richtung Innenstadt weiterradeln.
Touristentrubel und Harry Potter Flair in der Stadt
Abrupt ist es vorbei mit dem gemächlichen Radeln. Wir stecken von jetzt auf gleich mitten im Stadtverkehr, es ist laut, hektisch und stinkt nach Abgasen. Wir müssen über Ampeln drüber, auf der Straße drängeln die Autos, auf den Bürgersteigen laufen die Fußgänger kreuz und quer. Die Straßen werden enger und wir müssen vom Rad runter. Touristenhorden verstopfen die Gassen, eine erkennbare Verkehrsführung ist nicht mehr vorhanden, jeder schaut irgendwie, wie er vorwärts kommt, es herrscht totale Verkehrsanarchie.
Gabi ist ruckzuck in einem traditionellen Buchladen verschwunden, und ich stehe derweil bei den Fahrrädern, mitten im Strom der Touristen. Immer wieder kommen asiatische Reisegruppen mit einheitlichen T-Shirts fröhlich plappernd und zwitschernd vorbeigelaufen, eine junge Frau macht Werbung für einen Imbiss und drückt mir einen Becher mit Schokonüssen in die Hand.
Nach einer halben Stunde kommt Gabi endlich wieder zum Vorschein, und wir kämpfen uns mit den Rädern mühsam weiter Richtung Kathedrale vor. Jetzt offenbart sich uns auch der wahrscheinliche Grund für diesen enormen Andrang: es ist Graduation Day! Auf den Grasflächen vor den altehrwürdigen Colleges steht allerlei fein herausgeputztes Volk herum, umgeben von seltsam gewandeten Jungvolk. Die Zugänge werden von Security-Leuten kontrolliert. Eine Prozession von Umhang- und Doktorhutträgern schiebt sich mühselig durch die Touristenscharen. Irgendwie kommen wir uns vor, wie in einem Harry-Potter-Film am Tag der offenen Tür.
Wir lassen uns mit den Menschenmassen durch die historischen Gassen treiben, in der Hoffnung, ein etwas ruhigeres Plätzchen zu finden, mit wenig Erfolg. Alle Cafés und Restaurants sind übervoll. Schließlich geben wir auf, es ist sowieso Zeit für einen geordneten Rückzug. Und meine Hautpartien mit Sonnenkontakt fangen auch schon an zu protestieren.
Trubel in der Stadt
Trubel in Cambridge
Ein Musiker im Mülleimer
Graduation Day
Rückenwind auf dem Rückweg
So ganz exakt treffen wir den Rückweg dann doch nicht. Wir folgen dem Fluß zurück, am Flughafen vorbei, an einem Friedhof, wo wir kurz Rast gemacht hatten bis zu einem Pub, wo wir eine kurze Kaffeepause einlegen. Danach treffen wir ein paar Doppeldeutigkeiten mit der Radroutenbeschilderung, weil sich hier zwei Tourenwege kreuzen, und finden uns auf unbekanntem Terrain in einer kleinen Ortschaft wieder. Hier gibt es tatsächlich einen Hügel und der Radweg führt genau drüber. Unsicher, ob wir nicht auf dem Holzweg sind, biegen wir am Ortsende auf einen Feldweg ab und erreichen zum Glück wieder bekannte Wege.
Es ist inzwischen 5 Uhr nachmittags, und der immer noch frische Wind schiebt uns jetzt ordentlich an. Zurück geht es durch die Fens, entlang der Kanäle, über die berüchtigte Fußgängerbrücke, vorbei an den Eseln, und dann sind wir wieder beim Wohnmobil und den Kids.
Nach 75 Kilometern mehr auf dem Radtacho und einem kräftigen Sonnenbrand (nur Gunter, Gabi war mit reichlich Sonnenschutz versorgt), dem wir wegen des kühlenden Windes kaum Beachtung geschenkt haben, werden wir von unseren Kids normal, und dem Dackel hocherfreut begrüßt. Wir strecken uns erstmal kräftig aus und freuen uns auf das Abendessen.
Von Barway nach Ely und Soham
In der anderen Richtung führt der Radweg nach Ely. Bis dahin sind es nur 6 komfortable Kilometer, zuerst an einem Damm entlang, dann über schmale asphaltierte Wege entlang des Kanals, der mit den allgegenwärtigen Narrowboats gesäumt ist, bis hin zum Bootshafen.
Noah und Amy sind den Weg zu Fuß mit unserer Dackeldame Grindel hin und zurück gelaufen, und haben sich zwischendrin die Stadt mit der imposanten Kathedrale angesehen. Das war das einzige Mal, dass Grindel sich nach einem Spaziergang erschöpft zurückgezogen hat. Drei Stunden Lauferei auf ihren kurzen Beinen reichen anscheinend gerade so aus, sie zu ermüden.
Radweg nach Ely
Gunter vor der Kathedrale
Kathedrale von Ely
Radfahren ist in England eigentlich ganz o.k., wenn man nicht gezwungen ist, auf belebten Autostraßen zu fahren. Bei unserem ersten Ausflug ins 10 Kilometer entfernte Soham sind wir auf der Suche nach der Tierhandlung auf der A 142 im Autoverkehr gelandet. Das ist Stress und Gestank pur, gerade in der Rush-hour.
Für die nächsten Trips nach Soham haben wir uns besser vorbereitet, und unser Ziel ausschließlich über wenig befahrene Nebenstrecken erreichen können.
Zürück zur Übersichtsseite Schottland Wohnmobiltour
Wandern – in Großbritannien, aber auch in Norwegen, Buchvorstellungen
Über das Wandern
Noah und Amy wandern gerne und möchten auch mal richtig lange Wanderungen machen. Die 25 Kilometer-Tour durch den Wald auf den Åland Inseln hatte den beiden Spaß gemacht. Nur aus eigener Muskelkraft voran zu kommen befriedigt mehr, als eine Strecke mit dem Auto zurückzulegen. Uns allen tat diese Wanderung gut – unsere Beine fühlten sich danach zwar müde an, doch diese Müdigkeit hatten wir uns redlich verdient. Wir wandern zwar immer, wenn wir reisen, meist sind das aber keine „richtigen“ Touren, weil die Fotografie im Vordergrund steht. Da kommt es oft vor, dass wir uns an einer Stelle fotografisch festbeißen und schwupps, geht die Sonne unter, und wir kehren im Dunkeln zum Mobil zurück. Den Kindern gefällt es wesentlich besser, wenn wir uns ein Ziel setzen und zügig, am besten ohne Unterbrechungen wandern. Im Frühjahr haben wir das auf der Belle Île durchgezogen, die wir dabei fast komplett umrundeten – immerhin gut 100 Kilometer auf einem meist steilen Küstenpfad. Diese Wanderung kombinierten wir mit Radtouren um zügig die Streckenabschnitte zu absolvieren, ohne zurück zum Ausgangspunkt laufen zu müssen.
Unser Wunsch – mehrtägige Wandertouren
Uns fehlt die Ausrüstung für eine mehrtägige Tour. In England würde es sich unter Umständen anbieten, zu wandern und abends in einem Bed & Breakfast unterzukommen. Wenn wir so etwas organisieren können, werden wir hier davon berichten.
Hast Du Empfehlungen für uns? Schreib es entweder in die Kommentare oder schick uns eine EMail (gabi@5reicherts.com)
Wandern auf der Isle of Skye im Jahr 2013
Wanderunfall im Jahr 2005
Im Jahr 2002 machten wir unseren ersten Roadtrip nach Norwegen. Die Kinder waren noch zu klein für Bergwanderungen. Wir liefen in der Regel kurze Strecken von 3 bis 5 Kilometer entlang der Küsten. Im Jahr 2005, die Kids waren nun schon so groß, dass wir auch längere Wanderungen unternehmen konnten, passierte es dann. Unterwegs fing es an zu nieseln. Wir waren gerade in Eggum an einem Küstenabschnitt mit großen kugelförmigen Felsen unterwegs und hatten herumliegende Walknochen entdeckt. Ich rutschte von einem der glitschigen Felsen ab und merkte direkt, dass mein Gelenk zersplittert war. Scheiße! Der Fuß stand völlig unnatürlich nach außen ab. Wir hatten damals noch kein Handy, Empfang hätte es an dieser Stelle sowieso nicht gegeben, wie Wanderer, die vorbeikamen feststellen konnten. Ich lag auf den Felsen, der Schmerz wurde unerträglich, die Stunden vergingen. Gunter war mit Amy zum Mobil zurückgelaufen, um Hilfe zu holen. Die Rettung war nur per Helilopter möglich, weil ich auch ohne Schmerzen die 1,5 Stunden über Stock und Stein auf einem Fuß hüpfend zum Mobil nicht geschafft hätte. Der Militärhubschrauber lieferte mich im Krankenhaus von Leknes ab, wo ich direkt in den OP gekarrt wurde, und mit 9 Schrauben und einer Platte mehr als Souvenir, mehrere Stunden später wieder herauskam.
Meine Familie fuhr notgedrungen ohne mich mit dem Mobil nach Hause. Ich blieb noch eine Woche im Krankenhaus, und flog mit einem Sanitäter als Begleitperson, den der ADAC zu den Lofoten hochgeschickt hatte, zurück nach Deutschland.
Und warum erzähle ich das gerade jetzt?
Die Heilung des Fußes dauerte viele Jahre, während der ich keine langen Wanderungen unternehmen konnte. Das hielt uns nicht davon ab, schon ein Jahr später wieder in Norwegen unterwegs zu sein. Die Beweglichkeit meines Knöchels ist weiterhin eingeschränkt. Ich hatte trotzdem großes Glück, das hätte schlimmer enden können, weil der zerschmetterte Fuß über Stunden ausgerenkt und unterversorgt war. Die Haut starb bereits ab und ich kam geradeso um eine Hauttransplantation.
Wandern ist Meditation – das war meine Lektion
Der heftige Unfall hat mich grundlegend geprägt. Ich habe viel daraus gelernt. Als Meeresfotografin bin ich weiterhin sehr oft an Stränden unterwegs. Selbst Strände mit rutschigen Felsen ziehen mich weiterhin magisch an. Doch ich bewege mich seither wesentlich bewußter. Wenn ich laufe, dann laufe ich. Ich konzentriere mich auf jeden Schritt und bin mit meinen Gedanken voll im Jetzt. Damals war ich wahrscheinlich abgelenkt, hing meinen Gedanken nach und war nicht voll bei der Sache.
Wandern kann Mediation sein! Und so ein Unfall, hält mich nicht davon ab, weiterhin am Meer entlang zu wandern. Nein, ich würde sogar sagen, der Unfall war wichtig.
Ich bin dankbar dafür, dass ich durch den Beinbruch lernen durfte, so bewußt zu wandern.
23 Wanderungen in Norwegen – ein Buch von Timo Peters
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Wir machen zur Zeit auf dem Weg nach Schottland Zwischenstation in England. Trotzdem hält mich Norwegen weiterhin in seinem Bann. Kurz vor der Abreise las ich den etwas andere Reiseführer über 23 Wanderungen in Norwegen von Timo Peters, Bruder Leichtfuß.
Er und seine 10 Co-Autoren beschreiben ihre 23 Lieblingswanderungen in Norwegen und geben zu jeder Tour praktische Tipps. Außerdem gibt Timo allgemeine Ratschläge zum Wandern in Norwegen. Solche Ratschläge hätte ich bei meinem Unfall brauchen können, zum Beispiel den mit der Rettungsfolie. Ich lag stundenlang auf den nasskalten Felsen und kühlte aus. Glücklicherweise kam eine Norwegerin vorbei und gab mir ihre Isomatte als Unterlage!
Also ihr Norwegen-Urlauber auf der Suche nach Inspiration: Timo’s Buch liefert Euch wichtige Infos für tolle Touren!
Genauso ein Buch würde ich mir jetzt auch für Schottland wünschen!
Norwegen der Länge nach – ein Buch von Simon Michalowicz
Wandern geht natürlich auch extremer. Simon träumte davon, einmal etwas Großes zu tun. Wie er in seinem Vorwort scheibt, wollte er nicht mehr in Konjunktiven leben. Wann ist der richtige Zeitpunkt Träume zu leben? Die Antwort ist einfach: jetzt!
Im gewissen Sinne tun wir das auch mit jeder unserer Reisen, allerdings weniger spektakulär. Eigentlich wäre es „vernünftiger“ zu warten, bis wir ein besseres Mobil haben, mehr Geld als Sicherheit und so weiter und so fort. Anfangs rieten uns unsere Freunde und Bekannten noch, dass wir warten sollten, bis die Kinder aus dem „Gröbsten raus wären“. Nach unseren Interviews und den Fernsehauftritten zum Thema Selbstlernen sind diese Zweifler verstummt.
Simon verwirklichte nicht nur seinen Traum, er schrieb sogar ein Buch darüber. Norwegen der Länge nach: 3000 Kilometer zu Fuß bis zum Nordkap
Beides, die 3000 Kilometer lange Wanderung und der Prozess des Schreibens haben Simon für den Rest seines Lebens geprägt. Das sind die Dinge im Leben, an denen man wächst und durch die man sich entwickelt. Das sind die wirklich wichtigen Dinge des Lebens!
Ich habe erst ein Drittel des Buchs gelesen und bin schon davon begeistert. Ich empfehle euch unbedingt, es auch zu lesen, selbst, wenn es euch gar nicht direkt ums Wandern geht.
Auf Simon bin ich erstmals in Facebook über VisitNorway aufmerksam geworden. Er absolvierte gerade die letzten spannenden Kilometer seiner Wanderung zum Nordkapp, und fuhr mit Stil auf einem der kleineren Hurtigruten Schiffen zurück nach Bergen. Ich war live via Internet dabei. Deswegen finde ich es jetzt umso spannender, das Buch von Simon lesen zu können.
Norwegen Postkarten aus Großbritannien
In diesem Blogbeitrag habe ich Norwegen und Großbritannien schön aufgemischt. Dann mache ich doch mal damit direkt weiter:
Für 2016 haben wir DEN Postkarten-, Sehnsucht-Kalender „Norwegen“ beim Harenberg Verlag. Wir haben ein paar Exemplare des Kalenders mit und möchten echte Postkarten daraus verschicken. Diesmal halt keine vor Ort gekauften, sondern die aus unserem Norwegenkalender. Wir verschicken jede Woche zwei, drei Karten an die Kommentarschreiber unter euch, an die, die uns weiterempfehlen (und es uns wissen lassen), oder die, uns eine Email schicken.
Norwegen 2016: Sehnsuchtskalender, 53 Postkarten bei Amazon
Postkarten aus dem Sehnsuchtkalender Norwegen
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Dartford Crossing – Achtung neues Mautsystem!
Dartford Crossing, Maut bezahlen und Strafe verhindern
(Aktualisierung am 19.07.2019, siehe am Ende des Artikels)
Wer von Dover kommend an London vorbei Richtung Norden fährt und die östliche Route wählt, muss irgendwann über die Themse. Der einzige vernünftige Übergang ist Dartford Crossing. Nach Norden fährt man durch einen Tunnel, nach Süden über die Queen Elizabeth II Bridge.
Wir können uns noch dunkel erinnern, dass wir vor Jahren vor der Tunneleinfahrt ein paar Pfund an einem Kassenhäuschen bezahlt hatten. Dieses Mal sind aber keine Kassenhäuschen zu sehen, nur irgendwelche obskuren Hinweise, dass man die Gebühr auch im voraus online bezahlen könnte. Wie das im Einzelfall vonstatten gehen sollte, war nicht erklärt.
Noch nie war Bezahlen so schwierig, Dartford Maut, Dart Charge
Wir fahren also fröhlich, nein, eher voll gestresst von dem hektischen Verkehr, inmitten von 3 Spuren voller wie verrückt rasender Lastwagen, durch den Tunnel, und hoffen nur, bald die M25 Richtung Cambridge verlassen zu können. Von weiteren Hinweisen auf die Tunnelmaut ist weit und breit keine Spur. Auffällig sind nur Duzende von Kameras, welche die Autokennzeichen scannen.
Damit hätte sich die Sache für einen unbedarften Urlauber eigentlich erledigt gehabt. Keine richtige Information, keine offensichtliche Zahlungsmöglichkeit, keine sonstigen Warnungen, also auch keine Zahlungsverpflichtung?
Dartford Maut bezahlen – Bloggen kann vor Strafe schützen
Achtung! Hier liegt der Hase im Pfeffer. Wir werden durch einen Kommentar von Andreas in unserem Blog auf den Tatbestand aufmerksam, dass bei Nichtbegleichung der Mautgebühr, Dart Charge genannt, von 2 bis 3 Pfund innerhalb eines Tages, sofort Strafgebühren in der Höhe von 70 Pfund anfallen. Die müssen ebenfalls zeitnah bezahlt werden, sonst steigt die Strafe auf über 100 Pfund an.
Weil wir gerade einen Zwischenstopp bei Freunden in der Nähe von Cambridge einlegen, haben wir Zeit, uns über das Internet schlau zu machen, und können auch unsere Freunde zu dem Thema befragen.
In Shops mit diesem Zeichen kann die Dart Charge bar bezahlt werden
Für Ausländer ist es nämlich gar nicht so einfach, die Gebühr zu zahlen. Es geht zwar per Smartphone, funktioniert aber nur mit SIM-Karten von britischen Providern. Für Zahlung mit Kreditkarte muss man sich online durch Formulare quälen. Und für Barzahlung bei Payzone-Zahlstellen muss man erst mal online einen Shop finden, der dieses Zahlsystem auch anbietet. Dafür muss man dann runter von der Autobahn in das entsprechende Ort fahren. Das ist mühsam, stressig und zeitaufwendig, und der geringe Betrag ist eigentlich den ganzen Aufwand nicht wert. Wenn da die Strafgebühr nicht wäre.
Telefonisch kann auch bezahlt werden, allerdings über eine gebührenpflichtige Nummer, die die Kosten nochmals hochtreibt. Diese Möglichkeit haben wir aus diesem Grund nicht weiter verfolgt.
Ganz schwierig für Reisende – hier fehlt die Information!
Kurz gesagt, das neue System ist eine Frechheit gegenüber ausländischen Touristen, die meist ahnungslos in diese Mautfalle tappen. Weil auch die Touristeninformationen nicht darauf hinweisen, und auch an den Fährterminals Richtung England keine Hinweise stehen, fordert das komplizierte Bezahlsystem ein Falschverhalten geradezu heraus.
Dummerweise hat die englische Regierung in den anderen EU-Ländern mit Zustimmmung von deren Regierungen, Inkasso-Unternehmen damit beauftragt, die saftigen Strafen für das Nichtbezahlen einzutreiben. Viele davon Betroffene knicken vor deren Drohungen sofort ein und zahlen brav.
Ich denke, hier wäre eine Verbraucherschutzklage nicht unangebracht. Jeder Online-Shop würde für solche undurchsichtigen Bedingungen und halsabschneiderische Strafgebühren zur Verantwortung gezogen. Regierungen aber können anscheinend machen, was sie wollen, um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Die Engländer sind auch genervt
Übrigens sind auch die Engländer nicht gerade begeistert von dem neuen, seit November 2014 bestehenden System. Hauptsächlich aus den obengenannten Gründen, viele ältere Briten habens nicht so mit der modernen Kommunikationstechnik und tappen auch in die Falle.
Ärgerlich sind die Engländer auch, weil sich die Gebühren trotz des Wegfalls der Kassenhäuschen verteuert haben, und die Regierung das Versprechen, die Mautgebühren für die Brücke nach deren Bezahlung abzuschaffen, nicht eingehalten hat. Saftige 20 Prozent Aufschlag, wie auch beim Tunnel, hat die Regierung aufgeschlagen. Raubritter und Ripp-Off sind in den englischen Foren noch die harmloseren Ausdrücke für die Regierung.
Was können wir dagegen tun? Wir könnten uns beim Verbraucherschutz beschweren, es gegenüber der Inkasso-Gesellschaft auf eine Klage ankommen lassen, zähneknirschend eine der unkomfortablen Zahlungsmethoden akzeptieren, irgendwie im voraus bezahlen, oder einfach zwischen 22:00 Uhr und 6:00 Uhr die Themse überqueren. In dieser Zeit ist die Benutzung kostenlos.
Wir haben unsere Gebühr unter Angabe des KFZ-Kennzeichens in einem kleinen Tante-Emma-Laden in Ely bar über Payzone bezahlt. Die Besitzerin wies mich noch höflich darauf hin, die Quittung unbedingt mehrere Monate aufzubewahren, denn des öfteren käme es zu ungerechtfertigten Strafgeldforderungen, und ohne Quittung könne man sich nicht dagegen wehren.
Also, liebe England Reisende, passt auf!
AKTUALISIERUNG vom 19. Juli 2019
Sabine hat gerade einen Kommentar gepostet, und wie es aussieht, ist das Bezahlsystem inzwischen gewaltig verbessert worden.
Jetzt können auch ausländische Kreditkarten zur Bezahlung angegeben werden, um die Gebühren online zu begleichen. Dartfortcrossingcharges.co.uk hat sogar eine Website auf Deutsch, über die Zahlungen abgewickelt werden können. Die sieht zwar ziemlich amateurhaft gestrickt aus, scheint aber zu funktionieren.
Schau auch unbedingt in den Reisebericht Großbritannien rein.
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