Radtour nach Cambridge
Für Samstag haben wir uns vorgenommen, nach Cambridge zu fahren. Die Wettervorhersage meint es gut mit uns, da nutzen wir doch die Gelegenheit und nehmen die Fahrräder. Einfach sind es etwa 35 Kilometer, gesetzt der Fall, die Radwege sind ordentlich ausgeschildert. Noah und Amy wollen lieber bleiben, auch aufgrund fehlender Fahrräder, und mit Grindel, unserem neuen Dackel, spazierengehen.
Morgens frühstücken wir ausgiebig, dann packen wir Obst, Getränke und die Kameras in die Fahrradtaschen und befreien unsere Drahtesel aus der Heckgarage. Es ist sonnig und warm, nur ein paar weiße Wölkchen driften lässig durch das Blau.
noch die Reifen geprüft, die Sonnenbrillen auf die Nase und los gehts. Nach wenigen hundert Metern treffen wir auf das erste Radwegeschild. Die Radrouten sind in Großbritannien numeriert, und wir wohnen momentan sogar direkt an der Route 11, Teil des nationalen Nord-Süd-Radweges. Na, da können uns wohl nicht verfahren.

Esel am Radweg

Brücke am Radweg

Wir radeln entlang des Flusses

Kleine Kirche unterwegs
Gut ausgeschildert
Auf wenig befahrenen Landstraßen und schmalen Asphaltwegen geht es mitten durch Weizenfelder und entlang der obligatorischen Baumreihen. Auf einer Wiese stehen 4 Esel und winken uns freudig mit den Ohren zu. Wir halten für eine kurze Kraul- und Fotografierrunde, dann gehts weiter. Die Hinweisschilder finden sich an allen Abzweigungen, ab und zu sogar mit Meilenangaben.
Weiter geht es an Kanälen entlang, hin und wieder wechselt der Straßenbelag auf Schotter oder Feldweg, ein paar Mal müssen wir einen Kanal überqueren. Dabei haben wir einmal das zweifelhalfte Vergnügen, unsere Räder eine steile Treppe hochzuschleppen, über eine Fußgängerbrücke zu schieben und wieder eine ebenso steile Treppe hinunter zu bugsieren.
Dann wird es ganz feldwegig. Wir durchqueren ein Naturschutzgebiet des National Trusts, um uns herum nur Schilffelder, Teiche und schmale Wasserwege. Das sind die Fens, ein riesiges früheres Schwemmgebiet, nördlich von Cambridge. Der National Trust kauft Gelände auf, wo er nur kann und renaturiert es bei Bedarf. So entsteht ein gewaltiges Areal, in dem sich Vögel, Amphibien, Libellen und anderes Wildgetier ungestört tummeln können.
Durch Felder und entlang Kanälen nach Cambridge
Jetzt sind wir schon eineinhalb Stunden durch Felder und Natur unterwegs und haben außer ein paar Farmgebäuden kaum menschlichen Behausungen gesehen. Eigentlich erstaunlich für so eine relativ dicht besiedelte Gegend. Das einzige was uns bremst ist der stetige frische Gegenwind, für den wir aber dankbar sind, weil er uns erfrischt. Dann treffen wir doch auf die ersten Dörfer, wir nähern uns auch langsam Cambridge. Ein Stück weit geht es entlang einer lauten Schnellstraße, die am Flughafen vorbeiführt, danach biegen wir wieder in ruhigere Gefilde ab.

Die typischen Narrowboats in Cambridge

Die typischen Narrowboats in Cambridge
Der Radweg zieht sich ganzes Stück am Fluß entlang. Die Ufer sind gesäumt von den typischen Narrow-Boats, das sind schmale lange Hausboote. Dazwischen treiben lässig Schwäne, hin und wieder schießen Ruderboote vorbei, angetrieben von schwitzenden Jugendlichen. Wir machen nochmal kurz Rast und essen eine Banane, bevor wir uns durch Spaziergänger schlängelnd, Richtung Innenstadt weiterradeln.
Touristentrubel und Harry Potter Flair in der Stadt
Abrupt ist es vorbei mit dem gemächlichen Radeln. Wir stecken von jetzt auf gleich mitten im Stadtverkehr, es ist laut, hektisch und stinkt nach Abgasen. Wir müssen über Ampeln drüber, auf der Straße drängeln die Autos, auf den Bürgersteigen laufen die Fußgänger kreuz und quer. Die Straßen werden enger und wir müssen vom Rad runter. Touristenhorden verstopfen die Gassen, eine erkennbare Verkehrsführung ist nicht mehr vorhanden, jeder schaut irgendwie, wie er vorwärts kommt, es herrscht totale Verkehrsanarchie.
Gabi ist ruckzuck in einem traditionellen Buchladen verschwunden, und ich stehe derweil bei den Fahrrädern, mitten im Strom der Touristen. Immer wieder kommen asiatische Reisegruppen mit einheitlichen T-Shirts fröhlich plappernd und zwitschernd vorbeigelaufen, eine junge Frau macht Werbung für einen Imbiss und drückt mir einen Becher mit Schokonüssen in die Hand.
Nach einer halben Stunde kommt Gabi endlich wieder zum Vorschein, und wir kämpfen uns mit den Rädern mühsam weiter Richtung Kathedrale vor. Jetzt offenbart sich uns auch der wahrscheinliche Grund für diesen enormen Andrang: es ist Graduation Day! Auf den Grasflächen vor den altehrwürdigen Colleges steht allerlei fein herausgeputztes Volk herum, umgeben von seltsam gewandeten Jungvolk. Die Zugänge werden von Security-Leuten kontrolliert. Eine Prozession von Umhang- und Doktorhutträgern schiebt sich mühselig durch die Touristenscharen. Irgendwie kommen wir uns vor, wie in einem Harry-Potter-Film am Tag der offenen Tür.
Wir lassen uns mit den Menschenmassen durch die historischen Gassen treiben, in der Hoffnung, ein etwas ruhigeres Plätzchen zu finden, mit wenig Erfolg. Alle Cafés und Restaurants sind übervoll. Schließlich geben wir auf, es ist sowieso Zeit für einen geordneten Rückzug. Und meine Hautpartien mit Sonnenkontakt fangen auch schon an zu protestieren.

Trubel in der Stadt

Trubel in Cambridge

Ein Musiker im Mülleimer

Graduation Day
Rückenwind auf dem Rückweg
So ganz exakt treffen wir den Rückweg dann doch nicht. Wir folgen dem Fluß zurück, am Flughafen vorbei, an einem Friedhof, wo wir kurz Rast gemacht hatten bis zu einem Pub, wo wir eine kurze Kaffeepause einlegen. Danach treffen wir ein paar Doppeldeutigkeiten mit der Radroutenbeschilderung, weil sich hier zwei Tourenwege kreuzen, und finden uns auf unbekanntem Terrain in einer kleinen Ortschaft wieder. Hier gibt es tatsächlich einen Hügel und der Radweg führt genau drüber. Unsicher, ob wir nicht auf dem Holzweg sind, biegen wir am Ortsende auf einen Feldweg ab und erreichen zum Glück wieder bekannte Wege.
Es ist inzwischen 5 Uhr nachmittags, und der immer noch frische Wind schiebt uns jetzt ordentlich an. Zurück geht es durch die Fens, entlang der Kanäle, über die berüchtigte Fußgängerbrücke, vorbei an den Eseln, und dann sind wir wieder beim Wohnmobil und den Kids.
Nach 75 Kilometern mehr auf dem Radtacho und einem kräftigen Sonnenbrand (nur Gunter, Gabi war mit reichlich Sonnenschutz versorgt), dem wir wegen des kühlenden Windes kaum Beachtung geschenkt haben, werden wir von unseren Kids normal, und dem Dackel hocherfreut begrüßt. Wir strecken uns erstmal kräftig aus und freuen uns auf das Abendessen.
Von Barway nach Ely und Soham
In der anderen Richtung führt der Radweg nach Ely. Bis dahin sind es nur 6 komfortable Kilometer, zuerst an einem Damm entlang, dann über schmale asphaltierte Wege entlang des Kanals, der mit den allgegenwärtigen Narrowboats gesäumt ist, bis hin zum Bootshafen.
Noah und Amy sind den Weg zu Fuß mit unserer Dackeldame Grindel hin und zurück gelaufen, und haben sich zwischendrin die Stadt mit der imposanten Kathedrale angesehen. Das war das einzige Mal, dass Grindel sich nach einem Spaziergang erschöpft zurückgezogen hat. Drei Stunden Lauferei auf ihren kurzen Beinen reichen anscheinend gerade so aus, sie zu ermüden.

Radweg nach Ely

Gunter vor der Kathedrale

Kathedrale von Ely
Radfahren ist in England eigentlich ganz o.k., wenn man nicht gezwungen ist, auf belebten Autostraßen zu fahren. Bei unserem ersten Ausflug ins 10 Kilometer entfernte Soham sind wir auf der Suche nach der Tierhandlung auf der A 142 im Autoverkehr gelandet. Das ist Stress und Gestank pur, gerade in der Rush-hour.
Für die nächsten Trips nach Soham haben wir uns besser vorbereitet, und unser Ziel ausschließlich über wenig befahrene Nebenstrecken erreichen können.
Naturschutzgebiet Spurn Head an der Flußmündung des Humber, Yorkshire
Gleich zwei Leuchttürme stehen auf der Sandbankhalbinsel SpurnHead, Grund genug für uns, unser Wohnmobil dahin zu steuern.
Es hat gutgetan, die Region um Ely herum nur mit dem Rad und zu Fuß zu erkunden. Früh morgens verabschieden uns von Corinne und Chris, bei denen wir einige schöne Tage verbracht haben und schon sitzen wir wieder im Mobil und werden vom hektischen Linksverkehr mitgesogen.
Wir fahren auf kleinen Straßen Richtung Norden. Die kleinen Straßen sind mir lieber als die großen, denn da fahren sich Kreisel wesentlich entspannter. Das Fahren auf der falschen Straßenseite funktioniert relativ gut, besser wäre es natürlich das Lenkrad auch auf der rechten Seite zu haben. So ist es oftmals nötig, das Gunter von der Beifahrerseite aus checken muss, ob Autos kommen.
Es ist Samstag und alle Autos der Region haben sich auf dem Supermarktparkplatz versammelt. Für unsere große Kiste ist kein Platz mehr, ich parke mit Warnblinker in einer breiten Kurve und Gunter sprintet zusammen mit Noah los um ein paar Vorräte aufzustocken.
Noah hat übrigens an diesem Tag Geburtstag doch durch die Hektik vergessen die beiden, einen Kuchen mitzubringen. Wir erreichen Spurn Head erst am Nachmittag. Nach dem Regen der letzten Tage sieht der Himmel nun fast zu blau aus. Kein Wölkchen ist am Horizont zu sehen, nur Windräder rotieren träge über dem Meer. Am Visitorcenter des Naturschutzgebietes informieren wir uns: es sind 7 Kilometer bis zu den Leuchttürmen. Wir können mit den Rädern hinfahren müssen dazu nur ungefähr 500 Meter durch Sand schieben. Dieser Abschnitt wird bei Flut überspült, die nächste Flut wird aber erst gegen Mitternacht erwartet. Wir haben also Zeit. Bei der Anfahrt sehen wir einige Campingplätze, doch welcher eignet sich wohl am besten für uns? Ich frage im Center nach, wir brauchen keinen Schnickschnack für viel Geld, sondern nur einen Platz für’s Mobil und eine Toilette. Das Naturschutzzentrum hat einen eigenen kleinen Stellplatz für fünf Mobile, für 13 Pfund die Nacht. Das passt ideal. Wir parken ein, ruhen uns ein wenig aus, feiern einen kuchenfreien Geburtstag und ziehen danach mit den Rädern und schweren Rucksäcken auf dem Rücken Richtung der Leuchttürme. Noah und Amy laufen derweil mit dem Dackel zum Strand.
Gunter auf dem Sandstreifen, kurz vor dem Regen
schaumige Wellen und Regenwolken
Buhnen
Eine Fähre nach Holland kommt aus dem Regenschleier
Low Light, Spurn
Regenwolken über dem Hafen von Kingston upon Hull
Wie aus dem Nichts hängt plötzlich der ganze Himmel voller Wolken. Die Sonne kommt nur noch hie und da durch. Wir radeln die ersten beiden Kilometer auf der Straße entlang, dann kommt der weiche Sand. Es ist äußerst mühsam, wir kommen ganz schön ins Schwitzen. Die Wellen rauschen lautstark auf alte, zerfallene Bunkeranlagen zu. Entlang des Strandes stehen mächtige, drei, vier Meter hohe Buhnen, in der Ferne steht eine ganze Herde riesiger Windräder, auf der anderen Seite warten gewaltige Schiffe vor der Hafeneinfahrt von Kingston upon Hull und mittendrin das Vogelnaturschutzgebiet. Von weitem sehen wir schon, dass es diesmal nichts wird mit der Leuchtturmfotografie. Der schwarzweiße imposante Leuchtturm versteckt sich unter einem noch imposanteren mit grünem Tuch verhüllten Baugerüst. Schade. Ein kleinerer schäbiger Turm steht im Wasser, oder im Sand, wenn Ebbe ist. Es ist Ebbe und wir sehen den Leuchtturm, der uns an Ar Gueveur auf der Île de Sein erinnert, erst, als wir direkt davor stehen. Das Licht auf den Hafen und die Schiffe ist fantastisch, der Leuchtturm gefällt mir nach einer Weile sogar richtig gut.
Low Light, Spurn
Die Wolken werden immer dramatischer, das ist gut für die Fotografie, aber schlecht für den Rückweg. Das kann ganz leicht zu ungewünschter Feuchtigkeit führen. Wir fotografieren uns auch noch an den Buhnen fest. Das Licht wird magisch, zur einen Seite knallig orangerot, zur anderen regengrau mit gewaltigen, schaumschlagenden Wellen. Jetzt fallen die ersten Tropfen und wir schwingen uns auf die Räder. Regen und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit, da treibt uns die Tour über den weichen Sand direkt den Schweiß in die Regenkleidung. Wir sind klatschnass aber das war es wert. Die Fototour war richtig geil!
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Radfahren nach Cambridge, Südengland
Radtour nach Cambridge
Für Samstag haben wir uns vorgenommen, nach Cambridge zu fahren. Die Wettervorhersage meint es gut mit uns, da nutzen wir doch die Gelegenheit und nehmen die Fahrräder. Einfach sind es etwa 35 Kilometer, gesetzt der Fall, die Radwege sind ordentlich ausgeschildert. Noah und Amy wollen lieber bleiben, auch aufgrund fehlender Fahrräder, und mit Grindel, unserem neuen Dackel, spazierengehen.
Morgens frühstücken wir ausgiebig, dann packen wir Obst, Getränke und die Kameras in die Fahrradtaschen und befreien unsere Drahtesel aus der Heckgarage. Es ist sonnig und warm, nur ein paar weiße Wölkchen driften lässig durch das Blau.
noch die Reifen geprüft, die Sonnenbrillen auf die Nase und los gehts. Nach wenigen hundert Metern treffen wir auf das erste Radwegeschild. Die Radrouten sind in Großbritannien numeriert, und wir wohnen momentan sogar direkt an der Route 11, Teil des nationalen Nord-Süd-Radweges. Na, da können uns wohl nicht verfahren.
Esel am Radweg
Brücke am Radweg
Wir radeln entlang des Flusses
Kleine Kirche unterwegs
Gut ausgeschildert
Auf wenig befahrenen Landstraßen und schmalen Asphaltwegen geht es mitten durch Weizenfelder und entlang der obligatorischen Baumreihen. Auf einer Wiese stehen 4 Esel und winken uns freudig mit den Ohren zu. Wir halten für eine kurze Kraul- und Fotografierrunde, dann gehts weiter. Die Hinweisschilder finden sich an allen Abzweigungen, ab und zu sogar mit Meilenangaben.
Weiter geht es an Kanälen entlang, hin und wieder wechselt der Straßenbelag auf Schotter oder Feldweg, ein paar Mal müssen wir einen Kanal überqueren. Dabei haben wir einmal das zweifelhalfte Vergnügen, unsere Räder eine steile Treppe hochzuschleppen, über eine Fußgängerbrücke zu schieben und wieder eine ebenso steile Treppe hinunter zu bugsieren.
Dann wird es ganz feldwegig. Wir durchqueren ein Naturschutzgebiet des National Trusts, um uns herum nur Schilffelder, Teiche und schmale Wasserwege. Das sind die Fens, ein riesiges früheres Schwemmgebiet, nördlich von Cambridge. Der National Trust kauft Gelände auf, wo er nur kann und renaturiert es bei Bedarf. So entsteht ein gewaltiges Areal, in dem sich Vögel, Amphibien, Libellen und anderes Wildgetier ungestört tummeln können.
Durch Felder und entlang Kanälen nach Cambridge
Jetzt sind wir schon eineinhalb Stunden durch Felder und Natur unterwegs und haben außer ein paar Farmgebäuden kaum menschlichen Behausungen gesehen. Eigentlich erstaunlich für so eine relativ dicht besiedelte Gegend. Das einzige was uns bremst ist der stetige frische Gegenwind, für den wir aber dankbar sind, weil er uns erfrischt. Dann treffen wir doch auf die ersten Dörfer, wir nähern uns auch langsam Cambridge. Ein Stück weit geht es entlang einer lauten Schnellstraße, die am Flughafen vorbeiführt, danach biegen wir wieder in ruhigere Gefilde ab.
Die typischen Narrowboats in Cambridge
Die typischen Narrowboats in Cambridge
Der Radweg zieht sich ganzes Stück am Fluß entlang. Die Ufer sind gesäumt von den typischen Narrow-Boats, das sind schmale lange Hausboote. Dazwischen treiben lässig Schwäne, hin und wieder schießen Ruderboote vorbei, angetrieben von schwitzenden Jugendlichen. Wir machen nochmal kurz Rast und essen eine Banane, bevor wir uns durch Spaziergänger schlängelnd, Richtung Innenstadt weiterradeln.
Touristentrubel und Harry Potter Flair in der Stadt
Abrupt ist es vorbei mit dem gemächlichen Radeln. Wir stecken von jetzt auf gleich mitten im Stadtverkehr, es ist laut, hektisch und stinkt nach Abgasen. Wir müssen über Ampeln drüber, auf der Straße drängeln die Autos, auf den Bürgersteigen laufen die Fußgänger kreuz und quer. Die Straßen werden enger und wir müssen vom Rad runter. Touristenhorden verstopfen die Gassen, eine erkennbare Verkehrsführung ist nicht mehr vorhanden, jeder schaut irgendwie, wie er vorwärts kommt, es herrscht totale Verkehrsanarchie.
Gabi ist ruckzuck in einem traditionellen Buchladen verschwunden, und ich stehe derweil bei den Fahrrädern, mitten im Strom der Touristen. Immer wieder kommen asiatische Reisegruppen mit einheitlichen T-Shirts fröhlich plappernd und zwitschernd vorbeigelaufen, eine junge Frau macht Werbung für einen Imbiss und drückt mir einen Becher mit Schokonüssen in die Hand.
Nach einer halben Stunde kommt Gabi endlich wieder zum Vorschein, und wir kämpfen uns mit den Rädern mühsam weiter Richtung Kathedrale vor. Jetzt offenbart sich uns auch der wahrscheinliche Grund für diesen enormen Andrang: es ist Graduation Day! Auf den Grasflächen vor den altehrwürdigen Colleges steht allerlei fein herausgeputztes Volk herum, umgeben von seltsam gewandeten Jungvolk. Die Zugänge werden von Security-Leuten kontrolliert. Eine Prozession von Umhang- und Doktorhutträgern schiebt sich mühselig durch die Touristenscharen. Irgendwie kommen wir uns vor, wie in einem Harry-Potter-Film am Tag der offenen Tür.
Wir lassen uns mit den Menschenmassen durch die historischen Gassen treiben, in der Hoffnung, ein etwas ruhigeres Plätzchen zu finden, mit wenig Erfolg. Alle Cafés und Restaurants sind übervoll. Schließlich geben wir auf, es ist sowieso Zeit für einen geordneten Rückzug. Und meine Hautpartien mit Sonnenkontakt fangen auch schon an zu protestieren.
Trubel in der Stadt
Trubel in Cambridge
Ein Musiker im Mülleimer
Graduation Day
Rückenwind auf dem Rückweg
So ganz exakt treffen wir den Rückweg dann doch nicht. Wir folgen dem Fluß zurück, am Flughafen vorbei, an einem Friedhof, wo wir kurz Rast gemacht hatten bis zu einem Pub, wo wir eine kurze Kaffeepause einlegen. Danach treffen wir ein paar Doppeldeutigkeiten mit der Radroutenbeschilderung, weil sich hier zwei Tourenwege kreuzen, und finden uns auf unbekanntem Terrain in einer kleinen Ortschaft wieder. Hier gibt es tatsächlich einen Hügel und der Radweg führt genau drüber. Unsicher, ob wir nicht auf dem Holzweg sind, biegen wir am Ortsende auf einen Feldweg ab und erreichen zum Glück wieder bekannte Wege.
Es ist inzwischen 5 Uhr nachmittags, und der immer noch frische Wind schiebt uns jetzt ordentlich an. Zurück geht es durch die Fens, entlang der Kanäle, über die berüchtigte Fußgängerbrücke, vorbei an den Eseln, und dann sind wir wieder beim Wohnmobil und den Kids.
Nach 75 Kilometern mehr auf dem Radtacho und einem kräftigen Sonnenbrand (nur Gunter, Gabi war mit reichlich Sonnenschutz versorgt), dem wir wegen des kühlenden Windes kaum Beachtung geschenkt haben, werden wir von unseren Kids normal, und dem Dackel hocherfreut begrüßt. Wir strecken uns erstmal kräftig aus und freuen uns auf das Abendessen.
Von Barway nach Ely und Soham
In der anderen Richtung führt der Radweg nach Ely. Bis dahin sind es nur 6 komfortable Kilometer, zuerst an einem Damm entlang, dann über schmale asphaltierte Wege entlang des Kanals, der mit den allgegenwärtigen Narrowboats gesäumt ist, bis hin zum Bootshafen.
Noah und Amy sind den Weg zu Fuß mit unserer Dackeldame Grindel hin und zurück gelaufen, und haben sich zwischendrin die Stadt mit der imposanten Kathedrale angesehen. Das war das einzige Mal, dass Grindel sich nach einem Spaziergang erschöpft zurückgezogen hat. Drei Stunden Lauferei auf ihren kurzen Beinen reichen anscheinend gerade so aus, sie zu ermüden.
Radweg nach Ely
Gunter vor der Kathedrale
Kathedrale von Ely
Radfahren ist in England eigentlich ganz o.k., wenn man nicht gezwungen ist, auf belebten Autostraßen zu fahren. Bei unserem ersten Ausflug ins 10 Kilometer entfernte Soham sind wir auf der Suche nach der Tierhandlung auf der A 142 im Autoverkehr gelandet. Das ist Stress und Gestank pur, gerade in der Rush-hour.
Für die nächsten Trips nach Soham haben wir uns besser vorbereitet, und unser Ziel ausschließlich über wenig befahrene Nebenstrecken erreichen können.
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Wandern – in Großbritannien, aber auch in Norwegen, Buchvorstellungen
Über das Wandern
Noah und Amy wandern gerne und möchten auch mal richtig lange Wanderungen machen. Die 25 Kilometer-Tour durch den Wald auf den Åland Inseln hatte den beiden Spaß gemacht. Nur aus eigener Muskelkraft voran zu kommen befriedigt mehr, als eine Strecke mit dem Auto zurückzulegen. Uns allen tat diese Wanderung gut – unsere Beine fühlten sich danach zwar müde an, doch diese Müdigkeit hatten wir uns redlich verdient. Wir wandern zwar immer, wenn wir reisen, meist sind das aber keine „richtigen“ Touren, weil die Fotografie im Vordergrund steht. Da kommt es oft vor, dass wir uns an einer Stelle fotografisch festbeißen und schwupps, geht die Sonne unter, und wir kehren im Dunkeln zum Mobil zurück. Den Kindern gefällt es wesentlich besser, wenn wir uns ein Ziel setzen und zügig, am besten ohne Unterbrechungen wandern. Im Frühjahr haben wir das auf der Belle Île durchgezogen, die wir dabei fast komplett umrundeten – immerhin gut 100 Kilometer auf einem meist steilen Küstenpfad. Diese Wanderung kombinierten wir mit Radtouren um zügig die Streckenabschnitte zu absolvieren, ohne zurück zum Ausgangspunkt laufen zu müssen.
Unser Wunsch – mehrtägige Wandertouren
Uns fehlt die Ausrüstung für eine mehrtägige Tour. In England würde es sich unter Umständen anbieten, zu wandern und abends in einem Bed & Breakfast unterzukommen. Wenn wir so etwas organisieren können, werden wir hier davon berichten.
Hast Du Empfehlungen für uns? Schreib es entweder in die Kommentare oder schick uns eine EMail (gabi@5reicherts.com)
Wandern auf der Isle of Skye im Jahr 2013
Wanderunfall im Jahr 2005
Im Jahr 2002 machten wir unseren ersten Roadtrip nach Norwegen. Die Kinder waren noch zu klein für Bergwanderungen. Wir liefen in der Regel kurze Strecken von 3 bis 5 Kilometer entlang der Küsten. Im Jahr 2005, die Kids waren nun schon so groß, dass wir auch längere Wanderungen unternehmen konnten, passierte es dann. Unterwegs fing es an zu nieseln. Wir waren gerade in Eggum an einem Küstenabschnitt mit großen kugelförmigen Felsen unterwegs und hatten herumliegende Walknochen entdeckt. Ich rutschte von einem der glitschigen Felsen ab und merkte direkt, dass mein Gelenk zersplittert war. Scheiße! Der Fuß stand völlig unnatürlich nach außen ab. Wir hatten damals noch kein Handy, Empfang hätte es an dieser Stelle sowieso nicht gegeben, wie Wanderer, die vorbeikamen feststellen konnten. Ich lag auf den Felsen, der Schmerz wurde unerträglich, die Stunden vergingen. Gunter war mit Amy zum Mobil zurückgelaufen, um Hilfe zu holen. Die Rettung war nur per Helilopter möglich, weil ich auch ohne Schmerzen die 1,5 Stunden über Stock und Stein auf einem Fuß hüpfend zum Mobil nicht geschafft hätte. Der Militärhubschrauber lieferte mich im Krankenhaus von Leknes ab, wo ich direkt in den OP gekarrt wurde, und mit 9 Schrauben und einer Platte mehr als Souvenir, mehrere Stunden später wieder herauskam.
Meine Familie fuhr notgedrungen ohne mich mit dem Mobil nach Hause. Ich blieb noch eine Woche im Krankenhaus, und flog mit einem Sanitäter als Begleitperson, den der ADAC zu den Lofoten hochgeschickt hatte, zurück nach Deutschland.
Und warum erzähle ich das gerade jetzt?
Die Heilung des Fußes dauerte viele Jahre, während der ich keine langen Wanderungen unternehmen konnte. Das hielt uns nicht davon ab, schon ein Jahr später wieder in Norwegen unterwegs zu sein. Die Beweglichkeit meines Knöchels ist weiterhin eingeschränkt. Ich hatte trotzdem großes Glück, das hätte schlimmer enden können, weil der zerschmetterte Fuß über Stunden ausgerenkt und unterversorgt war. Die Haut starb bereits ab und ich kam geradeso um eine Hauttransplantation.
Wandern ist Meditation – das war meine Lektion
Der heftige Unfall hat mich grundlegend geprägt. Ich habe viel daraus gelernt. Als Meeresfotografin bin ich weiterhin sehr oft an Stränden unterwegs. Selbst Strände mit rutschigen Felsen ziehen mich weiterhin magisch an. Doch ich bewege mich seither wesentlich bewußter. Wenn ich laufe, dann laufe ich. Ich konzentriere mich auf jeden Schritt und bin mit meinen Gedanken voll im Jetzt. Damals war ich wahrscheinlich abgelenkt, hing meinen Gedanken nach und war nicht voll bei der Sache.
Wandern kann Mediation sein! Und so ein Unfall, hält mich nicht davon ab, weiterhin am Meer entlang zu wandern. Nein, ich würde sogar sagen, der Unfall war wichtig.
Ich bin dankbar dafür, dass ich durch den Beinbruch lernen durfte, so bewußt zu wandern.
23 Wanderungen in Norwegen – ein Buch von Timo Peters
Wanderführer-Norwegen-eBook1-700×454
Wir machen zur Zeit auf dem Weg nach Schottland Zwischenstation in England. Trotzdem hält mich Norwegen weiterhin in seinem Bann. Kurz vor der Abreise las ich den etwas andere Reiseführer über 23 Wanderungen in Norwegen von Timo Peters, Bruder Leichtfuß.
Er und seine 10 Co-Autoren beschreiben ihre 23 Lieblingswanderungen in Norwegen und geben zu jeder Tour praktische Tipps. Außerdem gibt Timo allgemeine Ratschläge zum Wandern in Norwegen. Solche Ratschläge hätte ich bei meinem Unfall brauchen können, zum Beispiel den mit der Rettungsfolie. Ich lag stundenlang auf den nasskalten Felsen und kühlte aus. Glücklicherweise kam eine Norwegerin vorbei und gab mir ihre Isomatte als Unterlage!
Also ihr Norwegen-Urlauber auf der Suche nach Inspiration: Timo’s Buch liefert Euch wichtige Infos für tolle Touren!
Genauso ein Buch würde ich mir jetzt auch für Schottland wünschen!
Norwegen der Länge nach – ein Buch von Simon Michalowicz
Wandern geht natürlich auch extremer. Simon träumte davon, einmal etwas Großes zu tun. Wie er in seinem Vorwort scheibt, wollte er nicht mehr in Konjunktiven leben. Wann ist der richtige Zeitpunkt Träume zu leben? Die Antwort ist einfach: jetzt!
Im gewissen Sinne tun wir das auch mit jeder unserer Reisen, allerdings weniger spektakulär. Eigentlich wäre es „vernünftiger“ zu warten, bis wir ein besseres Mobil haben, mehr Geld als Sicherheit und so weiter und so fort. Anfangs rieten uns unsere Freunde und Bekannten noch, dass wir warten sollten, bis die Kinder aus dem „Gröbsten raus wären“. Nach unseren Interviews und den Fernsehauftritten zum Thema Selbstlernen sind diese Zweifler verstummt.
Simon verwirklichte nicht nur seinen Traum, er schrieb sogar ein Buch darüber. Norwegen der Länge nach: 3000 Kilometer zu Fuß bis zum Nordkap
Beides, die 3000 Kilometer lange Wanderung und der Prozess des Schreibens haben Simon für den Rest seines Lebens geprägt. Das sind die Dinge im Leben, an denen man wächst und durch die man sich entwickelt. Das sind die wirklich wichtigen Dinge des Lebens!
Ich habe erst ein Drittel des Buchs gelesen und bin schon davon begeistert. Ich empfehle euch unbedingt, es auch zu lesen, selbst, wenn es euch gar nicht direkt ums Wandern geht.
Auf Simon bin ich erstmals in Facebook über VisitNorway aufmerksam geworden. Er absolvierte gerade die letzten spannenden Kilometer seiner Wanderung zum Nordkapp, und fuhr mit Stil auf einem der kleineren Hurtigruten Schiffen zurück nach Bergen. Ich war live via Internet dabei. Deswegen finde ich es jetzt umso spannender, das Buch von Simon lesen zu können.
Norwegen Postkarten aus Großbritannien
In diesem Blogbeitrag habe ich Norwegen und Großbritannien schön aufgemischt. Dann mache ich doch mal damit direkt weiter:
Für 2016 haben wir DEN Postkarten-, Sehnsucht-Kalender „Norwegen“ beim Harenberg Verlag. Wir haben ein paar Exemplare des Kalenders mit und möchten echte Postkarten daraus verschicken. Diesmal halt keine vor Ort gekauften, sondern die aus unserem Norwegenkalender. Wir verschicken jede Woche zwei, drei Karten an die Kommentarschreiber unter euch, an die, die uns weiterempfehlen (und es uns wissen lassen), oder die, uns eine Email schicken.
Norwegen 2016: Sehnsuchtskalender, 53 Postkarten bei Amazon
Postkarten aus dem Sehnsuchtkalender Norwegen
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Dartford Crossing – Achtung neues Mautsystem!
Dartford Crossing, Maut bezahlen und Strafe verhindern
(Aktualisierung am 19.07.2019, siehe am Ende des Artikels)
Wer von Dover kommend an London vorbei Richtung Norden fährt und die östliche Route wählt, muss irgendwann über die Themse. Der einzige vernünftige Übergang ist Dartford Crossing. Nach Norden fährt man durch einen Tunnel, nach Süden über die Queen Elizabeth II Bridge.
Wir können uns noch dunkel erinnern, dass wir vor Jahren vor der Tunneleinfahrt ein paar Pfund an einem Kassenhäuschen bezahlt hatten. Dieses Mal sind aber keine Kassenhäuschen zu sehen, nur irgendwelche obskuren Hinweise, dass man die Gebühr auch im voraus online bezahlen könnte. Wie das im Einzelfall vonstatten gehen sollte, war nicht erklärt.
Noch nie war Bezahlen so schwierig, Dartford Maut, Dart Charge
Wir fahren also fröhlich, nein, eher voll gestresst von dem hektischen Verkehr, inmitten von 3 Spuren voller wie verrückt rasender Lastwagen, durch den Tunnel, und hoffen nur, bald die M25 Richtung Cambridge verlassen zu können. Von weiteren Hinweisen auf die Tunnelmaut ist weit und breit keine Spur. Auffällig sind nur Duzende von Kameras, welche die Autokennzeichen scannen.
Damit hätte sich die Sache für einen unbedarften Urlauber eigentlich erledigt gehabt. Keine richtige Information, keine offensichtliche Zahlungsmöglichkeit, keine sonstigen Warnungen, also auch keine Zahlungsverpflichtung?
Dartford Maut bezahlen – Bloggen kann vor Strafe schützen
Achtung! Hier liegt der Hase im Pfeffer. Wir werden durch einen Kommentar von Andreas in unserem Blog auf den Tatbestand aufmerksam, dass bei Nichtbegleichung der Mautgebühr, Dart Charge genannt, von 2 bis 3 Pfund innerhalb eines Tages, sofort Strafgebühren in der Höhe von 70 Pfund anfallen. Die müssen ebenfalls zeitnah bezahlt werden, sonst steigt die Strafe auf über 100 Pfund an.
Weil wir gerade einen Zwischenstopp bei Freunden in der Nähe von Cambridge einlegen, haben wir Zeit, uns über das Internet schlau zu machen, und können auch unsere Freunde zu dem Thema befragen.
In Shops mit diesem Zeichen kann die Dart Charge bar bezahlt werden
Für Ausländer ist es nämlich gar nicht so einfach, die Gebühr zu zahlen. Es geht zwar per Smartphone, funktioniert aber nur mit SIM-Karten von britischen Providern. Für Zahlung mit Kreditkarte muss man sich online durch Formulare quälen. Und für Barzahlung bei Payzone-Zahlstellen muss man erst mal online einen Shop finden, der dieses Zahlsystem auch anbietet. Dafür muss man dann runter von der Autobahn in das entsprechende Ort fahren. Das ist mühsam, stressig und zeitaufwendig, und der geringe Betrag ist eigentlich den ganzen Aufwand nicht wert. Wenn da die Strafgebühr nicht wäre.
Telefonisch kann auch bezahlt werden, allerdings über eine gebührenpflichtige Nummer, die die Kosten nochmals hochtreibt. Diese Möglichkeit haben wir aus diesem Grund nicht weiter verfolgt.
Ganz schwierig für Reisende – hier fehlt die Information!
Kurz gesagt, das neue System ist eine Frechheit gegenüber ausländischen Touristen, die meist ahnungslos in diese Mautfalle tappen. Weil auch die Touristeninformationen nicht darauf hinweisen, und auch an den Fährterminals Richtung England keine Hinweise stehen, fordert das komplizierte Bezahlsystem ein Falschverhalten geradezu heraus.
Dummerweise hat die englische Regierung in den anderen EU-Ländern mit Zustimmmung von deren Regierungen, Inkasso-Unternehmen damit beauftragt, die saftigen Strafen für das Nichtbezahlen einzutreiben. Viele davon Betroffene knicken vor deren Drohungen sofort ein und zahlen brav.
Ich denke, hier wäre eine Verbraucherschutzklage nicht unangebracht. Jeder Online-Shop würde für solche undurchsichtigen Bedingungen und halsabschneiderische Strafgebühren zur Verantwortung gezogen. Regierungen aber können anscheinend machen, was sie wollen, um den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Die Engländer sind auch genervt
Übrigens sind auch die Engländer nicht gerade begeistert von dem neuen, seit November 2014 bestehenden System. Hauptsächlich aus den obengenannten Gründen, viele ältere Briten habens nicht so mit der modernen Kommunikationstechnik und tappen auch in die Falle.
Ärgerlich sind die Engländer auch, weil sich die Gebühren trotz des Wegfalls der Kassenhäuschen verteuert haben, und die Regierung das Versprechen, die Mautgebühren für die Brücke nach deren Bezahlung abzuschaffen, nicht eingehalten hat. Saftige 20 Prozent Aufschlag, wie auch beim Tunnel, hat die Regierung aufgeschlagen. Raubritter und Ripp-Off sind in den englischen Foren noch die harmloseren Ausdrücke für die Regierung.
Was können wir dagegen tun? Wir könnten uns beim Verbraucherschutz beschweren, es gegenüber der Inkasso-Gesellschaft auf eine Klage ankommen lassen, zähneknirschend eine der unkomfortablen Zahlungsmethoden akzeptieren, irgendwie im voraus bezahlen, oder einfach zwischen 22:00 Uhr und 6:00 Uhr die Themse überqueren. In dieser Zeit ist die Benutzung kostenlos.
Wir haben unsere Gebühr unter Angabe des KFZ-Kennzeichens in einem kleinen Tante-Emma-Laden in Ely bar über Payzone bezahlt. Die Besitzerin wies mich noch höflich darauf hin, die Quittung unbedingt mehrere Monate aufzubewahren, denn des öfteren käme es zu ungerechtfertigten Strafgeldforderungen, und ohne Quittung könne man sich nicht dagegen wehren.
Also, liebe England Reisende, passt auf!
AKTUALISIERUNG vom 19. Juli 2019
Sabine hat gerade einen Kommentar gepostet, und wie es aussieht, ist das Bezahlsystem inzwischen gewaltig verbessert worden.
Jetzt können auch ausländische Kreditkarten zur Bezahlung angegeben werden, um die Gebühren online zu begleichen. Dartfortcrossingcharges.co.uk hat sogar eine Website auf Deutsch, über die Zahlungen abgewickelt werden können. Die sieht zwar ziemlich amateurhaft gestrickt aus, scheint aber zu funktionieren.
Schau auch unbedingt in den Reisebericht Großbritannien rein.
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Mit Hund nach England – das mußt du unbedingt beachten!
Mit Hund nach England – was du bei der Einreise nach Großbritannien unbedingt beachten musst. Wir geben Tipps zur Fahrt mit der Fähre, den Impfungen und der Einreise ins Land.
Abschied von Esra
Vier Reicherts vorm Mobil – Wir verabschieden uns von Esra
Früh am Morgen verabschieden wir uns wieder von Esra. Wir müssen nach Dunkerque zur Fähre, und Esra radelt in die entgegengesetzte Richtung weiter. Unsere Fahrt auf der Autobahn zieht sich dahin und ist mächtig anstrengend. Horden von Lastwagen rasen immer wieder parallel rechts und links an uns vorbei, andere fahren so dicht auf, dass ich Angst habe, sie könnten sich in unsere Anhängerkupplung verheddern.
In Holland sollten deutsche Reisende übrigens die Verkehrsregeln immer im Blick halten, denn sonst kann es teuer werden. Warum man in Holland brav seine Strafzettel zahlen sollte steht im „Nach Holland Blog“ Ich denke unser Mobil ist mittlerweile so lahm, dass wir da keine Probleme haben werden.
Graveline – Frankreich
Endlich in Graveline angekommen, fahren wir auf den angenehmen Stellplatz am Yachthafen an, den wir bereits vor drei Jahren besucht hatten. Genau wie damals hatten wir die Servicestation nicht gefunden. Es nervt total, dass sie nicht ausgeschildert ist, ein einziges Hinweisschild fehlt. Wir kurven rum und quälen uns dreimal durch die enge Ortschaft. Derweil werden die Stellplätze rar. Nach dem dritten Anlauf klickt es, die Erinnerung ist wieder zurück und wir werden endlich unsere Kacke los.
Verkehr in Holland
Wir besuchten Gaveline vor drei Jahren zum ersten Mal.
Ich radele abends mit noch völlig leerem Magen zum Strand und dem Leuchtturm. Für’s Essen habe ich grad keine Zeit und Lust. Die Sonne hängt bereits tief am Horizont und ich muss mich dringend bewegen. Womofahrstress abbauen. Ich liebe Frankreich und muss der Grande Nation einfach ordentlich „Hallo“ sagen. Es ist klasse, dass wir wenigstens zwei Fahrräder dabei haben – damit bin ich schnell vor Ort, wenn es drauf ankommt. Die Entscheidung auf das Essen zu verzichten war gut gewesen. Der 14. Juli ist Nationalfeiertag und ich höre von überall her fröhliche, lachende Menschen und die Nationalhymne schwingt durch die Luft. Ein Mann singt Opernarien im Hafen – er steht einfach in der Nähe eines scheinbar verlassenen Bootes und singt auch ohne „echtes“ Publikum. Ein Ave Maria schwebt über den Fluß, der bei der momentanen Ebbe nur ein matschiges leeres Flußbett ist, zu mir herüber. Vom Meer her zieht eine Nebelbank ins Land, die Fähren scheinen aus dem Nichts aufzutauchen und verschwinden auch wieder darin. Schon eine Stunde vor dem regulären Sonnenuntergang versinkt die Sonne im Dunst und das abendliche Schauspiel ist leider vorüber.
Am Strand von Graveline
Am Strand von Graveline
Schild zur Partnerstadt von Graveline
Der Fluß bei Ebbe, Graveline
Der Leuchtturm in Graveline
Der Leuchtturm in Graveline
Die Fähre von Dunkerque nach Dover und weiter nach Ely
Nun ist der Tag der Fährabfahrt gekommen. Ich hatte in zweierlei Hinsicht meine Ängste. Erstens wird in Dover seit einigen Tagen gestreikt und dort spielt das Flüchtlingsproblem eine große Rolle. Seltsamerweise berichten die Medien kaum darüber. Das Problem ist nicht neu. Schon seit einigen Jahren lagern Hunderte von unglücklichen Flüchtingen in Calais, in der Hoffnung sich auf einen LKW nach Dover schmuggeln zu können. Sie erhoffen sich bessere Chancen auf Arbeit in England. Dass dem nicht so ist, ist ihnen nicht bewußt. Die Menschen versuchen alles, um über den Kanal zu kommen. Sie öffnen die Ladeluken der LKWs und klettern hinein, sie setzen sich auf die Achsen der Fahrzeuge. Durch den Streik der Hafenmitarbeiter ist die Lage nun besonders brisant. Übrigens bekommen die LKW Fahrer hohe Strafen aufgebrummt, wenn auf oder an ihrem Fahrzeug ein Flüchtling gefunden wird.
Auf nach England
Wir buchten aus diesem Grund von Dunkerque. Dort scheint die Lage noch etwas übersichtlicher zu sein.
Der zweite Punkt, der mich beunruhigt, ist unsere Dackeldame Grindel. Sie mag überhaupt nicht allein im Mobil zurückbleiben, strenggenommen mag sie überhaut nicht gern allein sein. Auf der Fähre muss sie aber für zwei Stunden allein im Wohnmobil ausharren. Wir haben es ein paar mal geübt, doch jedesmal, wenn wir sie für 10 Minuten allein lassen, heulte sie wie ein Wolf, und ist hinteher total aufgekratzt.
Unsere Wecker piepsen schon vier Stunden vor der Fährfahrt. Die Kids drehen schnell noch mit Grindel eine Runde, doch den Hauptspaziergang wollten wir während der Wartezeit am Fährterminal machen. Leider geht unser Plan nicht auf. Wir haben große Mühe, uns an der 4 Kilometer langen Lasterkolonne vorbei zum Fährterminal zu kommen. Leider sind wir mit unserem Wohnmobil nicht gerade wendig und Gegenverkehr taucht auch hie und da auf. Wir schaffen es trotzdem rechtzeitig zur Einfahrt in den Fährhafen.
Mit dem Hund nach England
Das ist die Seite auf der die Wurmkur eingetragen sein muss
Grindel mit dem Europäischen Heimtierausweis
Wir geben unsere Fährbuchung ab, unsere Ausweise und Grindels europäischen Impfausweis. Nach und nach geht die Angestellte der Fährgesellschaft alles durch. Wir müssen Grindels Chip auslesen. Als sie im Impfausweis immer wieder hin und her blättert schwant es mir bereits – da stimmt was nicht.
„Sie müssen nochmal zum Tierarzt, der Eintrag bezüglich der Wurmkur ist auf der falschen Seite eingetragen. Folgen sie der blauen Linie und melden Sie sich im DFDS Terminal!“ Mist aber auch, so ein Scheiß. Selbst das Rausfahren aus dem Terminal ist nicht einfach, LKWs stehen quer über die Straße, nichts geht voran. Im Terminal bekommen wir die Anweisung zum nächsten Tierarzt zu fahren. Also fahren wir wieder an all den LKWs vorbei, die wir gerade mühsam überholt haben. Beim Tierarzt warten wir erstmal. Erst kommt ein Hund vor uns dran, dann eine malade Katze, dann noch ein Hund. Wir sitzen wie auf heißen Kohlen, und der Zeitpunkt der Fährabfahrt rückt unaufhaltsam näher. Werden wir die Fähre noch erwischen? Falls nicht, müssen wir nochmal zahlen? Die Situation ist undurchsichtig, weil heute auch alle Fähren von Calais nach Dover ausfallen. Der gesamte Kanalverkehr läuft zur Zeit über Dunkerque, und wir haben keine Idee, ob noch Platz frei ist, falls wir unsere Reservierung in den Wind schreiben müssen.
Der Eintrag auf der richtigen Seite kostet uns 21 Euro und ein wenig Aufregung
Endlich kommt die Ärztin zu uns, glücklicherweise war wenigstens Grindels Wurmkur die richtige gewesen. Wir dürfen also heute offiziell nach England ausreisen. Die Ärztin transferiert einfach den Eintrag auf die korrekte Seite des Impfpasses, kassiert 21 Euro und schon eilen wir wieder zurück zum Fährterminal. Der LKW-Stau hat sich weitgehend aufgelöst, und wir schaffen es in letzter Minute auf die Fähre. Schlechten Gewissens lassen wir Grindel im Wohnmobil zurück. Zum Glück ist die Fähre nach vorne offen, und unser Fahrzeug steht im Freien. So ist auch die Luft und die Geräuschkulisse für unseren Hund nicht so belastend.
Mit dem Hund nach England
Es ist mittlerweile wesentlich einfacher mit dem Hund nach England zu reisen als vor ein paar Jahren. Man braucht nur noch einen Europäischen Impfausweis. Der Hund muss vor der Impfung gechippt sein. Die Tollwuimpfung muss mehr als drei Wochen zurückliegen. Die Bandwurmkur muss mindestens 24 Stunden aber höchstens 5 Tage alt sein – und auf der richtigen Seite im Impfpass eingetragen sein!
Auf allen Fähren zur Insel müssen die Hund entweder im Auto oder bei den langen Fähren von Amsterdam nach Newcastle in einem speziellen Hundehotel bleiben.
Zwei Stunden später dürfen wir zu unserem Mobil, Grindel begrüßt uns völlig außer sich vor Freude. Sie springt herum wie ein Gummiball und fiepst ohne Unterlass. Wir stürzen uns direkt in den Linksverkehr Richtung Cambridge, wo wir eine Freundin besuchen wollen. Die Motorways in England haben keine schönen Rastplätze, wir bekommen also bis zum Mittag nicht wirklich was zu Essen. Am Seitenstreifen wollen wir Grindel nicht ausführen, das ist viel zu gefährlich.
Auf der Fahrt Richtung Cambridge passieren wir übrigens den Dartfort Crossing – eine Tunnel Richtung Norden und eine Brücke Richtung Süden. Glücklicherweise schrieb uns Andreas vom „We love England“ Blog, dass und wie wir den bezahlen müssen.
Einkaufen im Tesco – so hungrig keine gute Idee
Wir mögen die englischen Tesco Supermärkte, sie haben Auwahl und sind günstig. In Ely stocken wir unsere Vorräte auf. Ein gebratenes heißes Hähnchen wird für den schnellen Hunger skelletiert, und Grindel darf endlich ausgiebig rennen. Dann fahren wir auch schon die letzten Kilometer zu unserer Freundin Corrinne , die wir seit drei Jahren nicht mehr gesehen haben.
Uff, jetzt sind wir erstmal angekommen und machen für ein paar Tage Station. Bei uns steht noch viel Schreibarbeit an und das können wir sehr gut hier erledigen.
Wir werden uns entlang der Ostküste nach Schottland bewegen.
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Ein Treffen mit unserem radreisenden Sohn Esra, Amsterdam und Marken
Wir treffen Esra in Amsterdam. Auf der Halbinsel Marken
Schon kurz nach 5:00 Uhr fangen ein paar Arbeiter mit der lärmenden Tätigkeit im Betonwerk an. So früh wollen wir allerdings nicht los, wir liegen in den Betten und kämpfen gegen dem Lärm der LKWs um ein paar Minuten zusätzlichen Schlaf. Nun denn, es bringt nichts. Wir fahren notgedrungen los zum Fährhafen und frühstücken dort, während wir auf Esras Fähre warten. Gerade als unser Wasserkessel pfeift, kommt auch schon die gewaltige DFDS Fähre von Newcastle an. Esra ruft uns an und wir geben ihm unsere Position durch. Ich laufe mit Grindel an der Leine zum Ausfahrttor und hole unseren Ältesten ab.
Der Hafen von Ijmuiden, von Hafenromantik wenig zu sehen
Esra im Mobil, die Beine voller Mückenstiche aus Schottland
Esra und Noah
Unsere Kids auf der Halbinsel Marken
Es ist schön, den ältesten Sohn nach 7 Wochen rotbraungebrannt in den Armen zu halten. Er hat sich super gut durch Schottland geschlagen wo er gut 2300 km mit dem Rad zurückgelegt hat – im Blog wird er später ausführlich darüber berichten, er hat all seine Erlebnisse in einem Tagebuch festgehalten.
Wurmkur für Dackel Grindel
Wir fahren als erstes zum Tierarzt, denn unsere Dackeldame muss vor der Einreise nach England eine Wurmkur über sich ergehen lassen. Zu unserer Überraschung geht das richtig schnell, eine Arzthelferin öffnet de Tür, wir fragen nach der Wurmkur und sie gibt uns eine Schachtel in die Hand. Wir fragen genauer nach, denn die Tablette muss unter ärztliche Aufsicht gegeben werden. Die junge freundliche Frau kennt sich nicht gut aus, was uns wundert, denn dieser Tierarzt ist der Fähre nach England so nah. Da müssten doch andauernd Leute mit Hunden kommen? Wir bitten auch darum, dass sie die Wurmkur in Grindels Impfpass einträgt. Das Ganze kostet uns 9 Euro und 10 Minuten, und wir sind wieder draußen.
Gespräche mit Esra
Esras Fahrrad stellen wir in den Gang unseres Wohnmobiles, das Rad haben wir angeschnallt die Taschen packen wir in den Kofferraum, dann fahren wir los. Zwanzig Minuten später stehen wir auf einem großen Parkplatz auf der Halbinsel Marken. Hier dürfen Wohnmobile gegen eine Gebühr von 12 Euro übernachten. Esra läd all seine Fotos auf das Notebook, und sichert sie zusätzlioch doppelt auf eine Festplatte. Er reist nur mit einem 7-Zoll Tablet bewaffnet, auf das er die Fotos nicht sichern kann. Es dauert eine ganze Weile, denn er hat zwei 32 GB Karten gefüllt. Dann macht er sich an die Auswahl der besten Fotos und konvertiert sie mit Lightroom. Wir sitzen zusammen, schauen uns die Fotos an und hören ihm zu, wenn er die passenden Geschichten dazu von sich gibt. Unser Sohn überschlägt sich immer wieder vor Begeisterung, er hört nicht auf zu erzählen. Das macht richtig viel Spaß ihn so begeistert zu erleben. Diese einfache Art zu reisen bekommt ihm gut, er wirkt unglaublich frei und unbeschwert. Das Fahrradfahren schein für ihn mühelos und unkompliziert zu sein. Er will nun weiter durch die Niederlande radeln, dann in einem kleinen Ort in Deutschland den Zug nach Kiel nehmen, dort nochmal ein Tagesgastgeber von Servas treffen und dann mit der Nachtfähre nach Göteborg übersetzen. Wie letztes Jahr fährt er wieder mit dem Rad quer durch Schweden – diesesmal nur in die andere Richtung nach Stockholm. In Askö wird er unsere Freunde besuchen, er bleibt dort für drei Wochen und radelt danach wieder zurück nach Deutschland. Was für eine Tour! Im moment ist er so fit, dass er locker 150 km am Tag mit vollem Gepäck zurücklegt. Meine Bewunderung hat er – ich würde unglaublich gern auch einmal eine solche Radtour machen. Etwas langsamer allerdings.
Die Halbinsel Marken
Wir parken in der Nähe eines enorm fotogenen Leuchtturms, dem Paard van Marken, der enfach mit dem Rad zu erreichen ist. Es fängt allerdings an zu nieseln und regnet sich ein. Das Wetter ist richtiggehend trübselig. Ich strampete trotzdem die circa 7 Kilometer zum Leuchtturm, nur um zu sehen, dass er von einem Baugerüst eingeüllt am Meer steht. Na gut, dann ist auch das Wetter egal.
Praad van Marken im Baugerüst, nichts für ordentliche Fotos
Esra mit Grindel im Ort Marken
friedliche Idylle später am Abend, die Tourbusse waren alle wieder zurück nach Amsterdam gefahren
Im Hafen, Marken
Die Ortschaft auf der Halbinsel Marken ist ein Touristenmagnet. Japaner mit Selfiesticks und Regencapes mit Amsterdam-Aufdruck flanieren geschäftig über den Platz. Wir schauen uns die netten Häuser am Wasser an. Ich träume heimlich davon, wie es wohl wäre, so idyllisch zu wohnen. Insgesamt wirken die Häuser sehr gemütlich und vor allem ruhig auf mich, trotz all der Touristen.
Die Halbinsel Marken in der Wikipedia
Die Regentropfen trommeln auf das Dach unseres Mobils und wir reden und reden. Esra ist schon immer der Kommunikative in unserer Familie und ich kann Euch sagen, der hat was zu erzählen.
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