Bevor noch die Sonne in mein Fenster schien, scheuchte ich die Familie bereits aus den Betten. Das Licht versprach gut zu werden, ich wollte vor Ort sein und dazu mussten wir ein paar Kilometer fahren. Arme Amy, ausgerechnet am Geburtstag wurde sie unsanft geweckt.
Auf dem Weg zum langen Jan war schon reger Betrieb. Normalerweise sind nur die Fotografen so verrückt kurz nach 6:00 Uhr freiwillig los zu ziehen. Hier waren wir sogar spät dran. Die Vogelenthusiasten waren vor uns da. Um bloß nichts zu verpassen fuhren alle im Schneckentempo – wir auch, und konnten in Ruhe die Landschaft genießen.
Tiere und Tierfreunde am Leuchtturm
Schlanke, zarte Rehe standen im grünen, feuchten Gras und schauten zu uns herüber. Vögel zwitscherten und quakten. Vor uns zog ein Schwarm aus hunderten Gänsen theatralisch über das flache, karge Land und den langen Jan in der Ferne. Und ich wurde hektisch. Genau DAS Bild wollte ich haben, deswegen hatte ich mein warmes, gemütliches Bett verlassen. Ich schaffte es gerade noch. Danach landeten die Gänse auf der Wiese und quakten miteinander.

Vogelbegeisterte Touristen

Gänse beim Langen Jan

Unser Wohnmobil und Gänse

Es war immer noch sehr stürmisch beim Langen Jan – das Foto habe ich 30 Sekunden lang belichtet
Unsere müden Teenager schlüpften wieder in die Betten, als wir auf dem Parkplatz standen. Wir schlüpften in Schuhe und Jacken und gesellten uns zu all den Leuten mit großen Teleobjektiven, Spektive und dicken Stativen. Unsere Ausrüstung sah dagegen ziemlich mickrig aus. Wir wollten damit ja den Leuchtturm ablichten, der stand still, nur das Licht, das mussten wir einfangen.
Als ich so von unten den 40 m hohen langen Jan hochschaute, sah ich die Wolken gerade über ihn hinwegjagen. Ich tat mein Bestes, mein Stativ im Wind zu stabilisieren. 30 Sekunden waren fast zu viel, so schnell zogen die Wolken über uns hinweg. Die Fotos sind aber super geworden.
Mir kam es schließlich so vor, als hätten sich ebensoviele Vogelbeobachter wie Vögel hier eingefunden. Ein richtiges Schwarmverhalten haben die. Und alle waren unglaublich ruhig und sie bewegten sich bedächtig. Fast, wie in einer Kirche oder einer Ausstellung, wenn die Leute etwas ganz Großartiges besichtigen. Taten sie ja auch! Die Stimmung war toll. Nur kamen wir uns seltsam vor. Nicht, dass mich Vögel nicht interessieren würden, ich mag sie auch. Aber soviel Technik und dann soweit weg von den Tieren und fast keiner redete… Wir waren die einzigen, die sich für den Leuchtturm interessierten.
Nach der Tour scheuchten wir die Kids aus den Federn und frühstückten gemeinsam. Mitten im Trubel der Vögel und Stativträger.
Warum heißt der Leuchtturm eigentlich „der lange Jan“?
Im Mittelalter stand an der südlichen Spitze Ölands ein Kloster des heiligen Johannes. Nach der Reformation wurde es verlassen und zerfiel. Um das Jahr 1780 herum verwendete man die Steine, um den Leuchtturm zu bauen. Die lokale Bevölkerung nannte ihn darum den langen Jan.
Das Erntefest auf Öland
Weiter ging es inmitten von Menschenmassen, das Erntefest war noch im vollen Gange. Wir besuchten einige Farmermärkte, fotografierten Zwiebeln in Grönhögen und fast wären wir in einem Maislabyrinth gelandet.

Überall farbenfrohe Kürbisse

Überall farbenfrohe Kürbisse

Ein Zwiebelbild
Auf der kargen Steppe im Inselinneren lag die prähistorische Burg Eketorp verlassen vor uns. Komisch, wollte keiner der zigtausend Wohnmobilisten hier vorbeikommen? Die Burg war für die Saison geschlossen, was bedeutete, die Türen waren offen und Anschauen kostete nichts. Nun, die Gebäude auf dem Gelände war geschlossen aber ansonsten durfte man überall herumlaufen und auf die Mauern steigen, was wir auch taten.
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Eketorp – von Noah
Eketorp ist eine der neunzehn frühzeitlichen Befestigungen im Süden Ölands. Die Anlage liegt inmitten einer der weiten Steppen, was damals zwar die Sicherung des umliegenden Farmlandes erlaubte, das Fort selbst aber von allen Seiten angreifbar machte. Um dem entgegen zu wirken, wurden die defensiven Steinwälle ringförmig um die zentrale Siedlung angelegt. Im Inneren baute man flache Steinhäuser, oft die Befestigungsmauer selbst als Rückwand benutzend.
Nach der Errichtung der Festung in der Eisenzeit wurde die Anlage im Falle eines Angriffes, als sicherer Rückzugspunkt für die Farmer des Umlandes genutzt. Auch diente es als Sammelpunkt für Handwerker und Schauplatz für religiöse Zeremonien. Mit den Jahren wuchs die Population und die Anlage wurde ausgebaut. Unter harter Arbeit verlegte man das existierende Mauwerk nach außen, das ursprüngliche Durchmesser von 57 Metern auf 80 Meter erweiternd. Die inneren Steingebäude wurden gegen Häuser aus Holz ersetzt.
Heute ist die Ruine ein beliebtes Auflugszielziel für Touristen. Im Inneren wurde im traditionellen Baustiel ein Museum errichtet, in welchem viele der 24.000 vor Ort ausgegrabenen Artefakte ausgestellt werden. Auch wird daran gearbeitet die alte Siedlung detailgetreu zu rekonstruieren und für Besuchter zugänglich zu machen. Schon jetzt dient die Festung gelegentlich als Schauplatz für mittelalterliche Märkte und nachgespielte Schlachten.

In der Burg Eketorp

In der Burg Eketorp

Datumstafeln machen einem bewußt, wie alt die Burg ist

In Eketorp

Noah und Amy in der Burg Eketorp
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Der Leuchtturm von Segerstad
Entlang der Ostküste bewegten wir uns wieder Richtung Norden. In Segerstad steht noch ein Leuchtturm, ein Foto davon ist in der Touristenlandkarte. Wir dachten, es wäre ein Ausflugsziel, ist es aber nicht. Motorisierte Fahrzeuge waren auf der Straße zum Leuchtturm nicht erlaubt. Das war auch besser so. Wir holten die Fährräder vom Träger und radelten munter los. Nach wenigen hundert Metern war das radeln nicht mehr so munter. Es rüttelte uns mächtig durch. Der Weg war mit dicken, faustgroßen, scharfkantigen Steinen geschottert. Das ging gut 2,5 km so. Wir mussten langsam darüber holpern, damit wir uns keine platten Reifen einhandelten. Die Durchblutung der Arme wurde dabei erfolgreich angeregt.
Dann folgte ein kleines Wäldchen und der Weg wurde schmaler. Gunter ignorierte das „Privat“ Schild, ich fuhr ihm hinterher, das behagte mir nicht. Ich haderte mit mir: soll ich an der Tür klopfen, oder nicht? Nerve ich die Leute dann Sonntags? Hätte ich mal besser die Nummer auf der Anzeige angerufen! Wir schossen schnell ein paar Fotos, schauten, ob man von außen etwas sehen würde – was natürlich wegen der hohen Bäume nicht funktionierte und bis zum Winter wollten wir nicht warten. Also rüttelten wir die 2,5 km wieder zurück zum Wohnmobil. Wahrscheinlich hätten wir zu Fuß auch nicht wesentlich länger gebraucht. So ein schöner Leuchttum, schade, dass wir dafür so wenig Zeit hatten.

Der Leuchtturm Segerstad
Amys Geburtstag
Amy hatte immer noch Geburtstag. Den mussten wir doch feiern! Wir kauften Kuchen und Kaffeestückchen und tranken ganz gemütlich Kaffee und plauderten.
Den Wald „Halltorps Hage“ bei Ekerum erwanderten wir wegen des fortgeschrittenen Tages nur kurz. Die Eichen dort waren aber sehenswert, uralt, knorrig und einige schon abgestorben. Richtung Süden staute sich der Verkehr kilometerlang zur Brücke hin. Wir hatten freie Fahrt nach Norden.

Eine tote Eiche

Der Herbst kommt
Ich fand das cool, einen Eindruck zu bekommen, wie es wohl im Sommer hier aussieht. Und das Gute ist: es waren nur drei Tage und dann war der Wohnmobil-, Auto- und Touristenspuk wieder vorbei, und wir hatten die Insel wieder fast für uns allein. Tatsächlich habe ich noch NIE soviele Wohnmobile auf einem Haufen gesehen! Überall brechend volle, riesige Wiesenparkplätze und warnwestenbekleidete Platzeinweiser.
Das Pferd bei Kapelludden
Amy war dem aufdringlichen Pferd bei Kapelludden noch nicht begegnet. Deswegen fuhren wir nochmal dorthin. Mit unseren Bildern vom Leuchtturm waren wir zwar zufrieden, aber noch ein paar frühmorgendliche Fotos sind nie verkehrt. Wie erwartet, kam die Stute gleich zu Amy gerannt, und Amy hatte große Mühe, bei den ungestümen Annäherungsversuchen auf den Beinen zu bleiben. Spaß hat es ihr trotzdem gemacht.

Das Pferd und Amy
Zum Ausklingen des Geburtstags schauten wir den Pferdefilm „Touching Wild Horses [DVD]
“! Ein interessanter Film, sehr passend für den Tag! Die Nacht war extrem ruhig. Mit all den Herbstfestbesuchern war auch der Sturm weggezogen. Und wir hatten endlich die lärmend im Wind flatternde Plane von den Rädern genommen.
Der Leuchtturm von Sandhammaren in der Nacht, Südschweden
Wir verabschiedeten uns schweren Herzens von Öland. Das Wetter tat uns den Gefallen, denn es war so grau und nieselig, dass uns der Abschied leichter fiel.
Leuchttürme in Schweden
Wir wollten ursprünglich noch ein paar Leuchttürme in Südschweden abklappern, doch hatten wir nur einen einzigen Tag, denn die Fähre nach Bornholm würde schon Samstags fahren. Da wir in Kalmar doch länger einkauften als geplant – meine Schuhe lösten sich auf und ich brauchte neue – blieb uns noch weniger Zeit.
Der Leuchtturm von Sandhammeren leuchtet so wunderschön in der Nacht. Er hat ein zwölfstrahliges Licht, welches sich dreht und weit über das Meer hinaus scheint. Beim letzten Besuch hatten wir Neumond, jetzt war er wenigstens halbvoll und ich wollte dort gern nochmal Nachtaufnahmen machen. Außerdem ist Sandhammaren nicht weit vom Fährhafen in Ystad entfernt.
Nebel und Licht
Wir waren recht spät, das Licht war eher langweilig, es war neblig und die Bedingungen schwierig. Durch den Nebel und die damit verbundene hohe Luftfeuchtigkei,t kam ich beim Fotografieren mächtig ins Schwitzen. Das war unangenehm. Ich verrenkte mich ständig, hantierte mit dem Blitz und die Zeit drängte – schnell würde es mal wieder zu dunkel werden.
Fix und fertig kam ich im Mobil an. Wir kräftigten uns mit einer heißen Mahlzeit. Ich lud die Fotos runter, fand sie ganz gut, war aber nicht zufrieden. Der Nebel im Zusammenhang mit dem Blitz wirkte nicht. Ein kurzer Blick aus dem Fenster genügte und ich zog nochmal los. Ich schaffte es, Gunter zu überreden, mitzukommen.
Sandhammaren Leuchtturm im Mondlicht
Der Leuchtturm von Sandhammaren in der Nacht, Schweden
Das Licht in der Nacht
Die zweite Fotosession war wesentlich erfolgreicher. Das Licht des Leuchtturms ist das Beste, welches wir je gesehen hatten! Das lohnt unbedingt, sich das mal anzusehen! Schaut Euch die Fotos an, dann wisst Ihr, was ich meine! Das ist alles ECHT, nicht getrickst!
Morgens war ich trotzdem früh unterwegs, der Nebel zog durch den Wald, ich auch :-)
Morgenlicht am Leuchtturm von Sandhammaren
Nebel und Sonne im Wald
Kommt Euch der Leuchtturm irgendwie bekannt vor? Ja, so einen hatten wir doch gerade erst in Kapelluden auf Öland! Nils Gustav Heidenstam konstruierte dieses Modell, weil der Untergrund in Sandhammaren aus Sand und somit nicht wirklich stabil ist. Dort konnte man keinen schweren Leuchtturm errichten. Diese Konstruktion wurde dann mehrfach in Schweden benutzt.
Der Hafen von Byxelkrok und der Leuchtturm in Ispeudden
n unserem Lieblingshafen wuschen wir die Wäsche und sammelten wieder Kieselsteine. Ich schrieb noch eine Weile, doch irgendwann war unser Internet Volumen aufgebraucht. In Schweden sind die übrigens sehr unkomlpiziert und günstig zu bekommen. Wir zahlten 99 Kronen für 1 GB und das reichte uns 10 Tage lang. Kenneth schenkte uns noch Internet für vier Stunden, da konnte ich noch ein paar Blogbeiträge hochladen.
Der Hafen von Byxelkrok
Windstille – der Hafen von Byxelkrok
Fischerboote im Hafen von Byxelkrok
klares Wasser, Sonnenschein, der Kalmarsund
Der Hafenmeister Kenneth repariert die Fahrräder
Ein paar seiner 200 Fahrräder
Nochmal Neptuni Platten
Wir fuhren nochmal zu den Neptuni Felsplatten, diesmal etwa weiter oben. Da sind die Platten steiler und es sieht wieder ganz anders aus. Hochinteressant, diese Küste!
Jetzt ging es endgültig wieder Richtung Süden. In Borgholm kauften wir neues Internetvolumen, auch wenn es nur für ein paar Tage ist, und konnten das Guthaben ohne größere Probleme aktivieren.
Die Windmühlen
Wir sind schon viel auf Öland gefahren, aber irgendwie verpassten wir immer die Windmühlen, die in einer Reihe stehen. Das Wetter war bedeckt, trotzdem wollten wir sie sehen. Gabi M. hatte geschrieben, dass man die Mühlen betreten kann, und das wollten wir auch.
Die typischen Öland Windmühlen
Die typischen Öland Windmühlen
Die Holzmechanik von Innen
Einen weiteren fotografisch eventuell interessanten Leuchtturm hatten wir ausfindig gemacht. Der steht bei Ispeudden. Die Straße sah mir zu eng aus, deswegen liefen Gunter und die Kids los, um zu sehen, ob es lohnt. Es lohnte, der Turm war zwar etwas versteckt ganz am Ende der engen Straße und zwischen Bäumen, aber Leuchtturm ist Leuchtturm :-)
Wir fuhren dann doch noch auf den Parkplatz beim Strand, Gunter kochte das Abendessen und ich fotografierte. Im Hafen von Stora Rör fanden wir einen komfortablen Stellplatz, ein schwedisches Mobil leistete uns Gesellschaft. Es gibt hier saubere Toiletten und warmes Wasser.
Der kleine Leuchtturm von Ispeudden
Felsen im Abendlicht
Der Lange Erik im Sonnenaufgang
Wir hatten das Wohnmobil so geparkt, dass ich freie Sicht zum Langen Erik hatte. Ich hob müde den Kopf und sah den Leuchtturm vor feuerrotem Himmel. Schnell raus und los…. Ich werde übrigens ohne Wecker wach, egal, wann ich ins Bett komme!
Der Lange Erik im Morgenlicht
Wieder waren Leute vor Ort, zwei Fotografen und zwei Vogelbeobachter. Der Himmel hing voller Flugzeugkondensstreifen. Das fanden wir nicht so gut. Beeinflussen die Flugzeuge vielleicht sogar das Wetter? Wir überlegten, wie es wohl ohne Flugzeuge ausgesehen hätte: der Himmel wäre blau und sauber gewesen!
Kondensstreifen am Langen Erik
Sonnenaufgang am Langen Erik
Der Lange Erik und hohe Steintürmchen
Dummwerweise war unser Klo randvoll, deshalb fuhren wir recht früh nach Byxelkrok zurück, unserem Lieblingshafen. Wir haben uns schon mit Kenneth, dem Hafenmeister angefreundet.
Ich nutze jetzt die Zeit mich etwas auszuruhen, ich war erschöpft von der vielen Rumrennerei mit Kamera und Stativ. Es gab trotzdem noch Arbeit. Wenn ich die Berichte nicht zeitnah schreibe sind sie nicht authentisch. So nahm ich mir jetzt die Zeit zum Tippen. Amy und Noah liefen wieder am Kieselstrand entlang.
Wellen und Steine
Natürlich halte ich es im Mobil nicht lange aus, vor allem, wenn die Sonne scheint. Ich wollte zum ersten Mal einen Spaziergang ohne Kamera machen. Na, die kleine EOS M hatte ich trotzdem mit. Damit fotografierte ich die Muster im Sand und Kieselsteine. Klare Wellen plätscherten so vor sich hin. Die müsste ich doch auch aufnehmen. Noah war so lieb und holte meine Canon 6D mit dem Tele und ich legte los. Auf den Knien, fast liegend, schaute ich in die Wellen hinein. Es war nicht so gut wie letztens bei der Mühle von Jordhamn, aber trotzdem lohnte es sich.
trockene Steine
nasse Steine
Wellenspritzer im Sand
Welle
Ekopark Böda
Gegen Nachmittag brachen wir auf. Im Naturschutzgebiet von Böda wollten wir die Küste fotografieren. Dort gibt es Felsplatten wie die Neptuni und diese Kalktsteinschichten, die ausgewaschen werden. Das Licht war wieder perfekt, wie auch am Abend zuvor! Wir „arbeiteten“ bis es fast ganz dunkel war. Doch im Naturschutzgebiet wollten wir nicht übernachten und überlegten, an der Ostküste einen Platz zu suchen. Dann könnten wir den Sonnenaufgang am Sandstrand aufnehmen.
Felsplatten auf Felsenplatten im Wasser
Markante Küste
fast kitschiger Sonnenuntergang
Felsplatten nach Sonnenuntergang
Felsplatten nach Sonnenuntergang als Langzeitbelichtung
In der späten Dämmerung fuhren wir durch den Wald. Da war was los: Rehe, Hasen und Füchse, aber kein Elch und keine Autos. Der Wald war mir zu dunkel zum Übernachten. Wir fuhren also zurück nach Byxelkrok in den Hafen und schliefen uns mal richtig aus.
Tag 6 der Radtour. Immer noch Vätternsee-Rundfahrt.
Dort sind wir aufgewacht, direkt am Vätternsee
Tag Nummer sechs war in zweierlei Hinsicht das Gegenstück zum Tag davor: Zum einen sind wir vorher am Vätternsee entlang nach Norden gefahren, jetzt würden wir dasselbe auf der anderen Seite in südlicher Richtung tun. Zweitens bildete das Wetter einen perfekten Gegensatz zu dem des Vortags (welcher unser erster Tag komplett ohne Regen gewesen war). Heute würde es mit dem Wetter nicht so rosig aussehen.
Morgens war es jedoch noch recht annehmbar, das Wetter. Wir standen früh auf und gingen als allererstes duschen. Ich duschte ziemlich lange, denn im Duschraum war es bitterkalt und ich wollte den warmen Wasserstrahl nicht verlassen. Dann frühstückten wir unsere Haferflocken weg, packten alles zusammen und verabschiedeten uns von unserem schönen Plätzchen direkt am Vätternsee.
Unser erster Halt dieses Tages war Askersund, die Stadt am Nordzipfel des Sees. Dort kauften wir wieder soviel Essbares ein wie wir in die Radtaschen stopfen konnten, und einen neuen Fahrradschlauch, da ja der alte Ersatzschlauch bei der Panne am Tag davor „aufgebraucht“ worden war. Um 10 oder 11 Uhr ging es dann richtig los.
Morgens in Askersund
Direkt außerhalb von Askersund bot sich uns dann ein gleichzeitig höchst interessanter und unangenehmer Anblick: Eine wortwörtliche Wand aus Regen stand dort vor uns, direkt am Waldeingang. Man konnte wirklich sehen wo der Regen anfing und wo es trocken war. Leider konnte ich das nicht ordentlich fotografieren.
Noch standen wir im Trockenen, doch wir mussten ja immerhin weiterkommen, also rein in das Getümmel! Wir fuhren in die dichte Regenwand hinein und hofften, dass uns unsere Regenjacken halbwegs trocken halten würden. Das taten sie auch, so gut es ging zumindest. Unsere Hosen und Schuhe hatten leider keine erwähnenswerten regenabweisenden Eigenschaften.
Anfangs verlief die Strecke noch auf asphaltierten Straßen
Fahrt duch einen Nationalpark
Der Weg verlief wie immer fast ausschließlich durch dichten Wald, und man hätte die Landschaft wirklich genießen können, wenn es nicht so geregnet hätte. Die ersten 40km hatten wir fast durchgehend Niederschlag, dann erst ließ es etwas nach. Doch der viele Regen hatte auch sein Gutes: Um uns herum grünte alles wie in einem Urwald, und die Pilze schossen aus dem Boden wie… naja, wie Pilze eben. Es sah sehr schön aus. Irgendwann Nachmittags kam die Sonne dann auch wieder raus und trocknete unsere klatschnassen Sachen. Eines konnte sie aber nicht wieder gutmachen: der Regen hatte aus den Schotterpisten sandige Schlammpisten mit Pfützen gemacht, und das stundenlange Fahren hatte einiges von dem nassen Dreck in unsere Getriebe gebracht. Es knirschte und ratterte schrecklich, ich hatte wirklich Mitleid mit unsren armen Drahteseln. Was die alles mitmachen müssen!
Pilze gab es Tausende im Nassen Wald
Ein Biberbauwerk
Wasserspiegelung
Eine winzige Insel in einem der Millionen Seen in Schweden
Regen, Regen, Regen…
Irgendwann erreichten wir Karsborg, dort fing der Göta-Kanal wieder an und führte bis an den Värnernsee (das würde unser Ziel für den nächsten Tag sein). In Karlsborg lungerten wir ein bisschen herum und suchten die Hebe-Brücke, die wir auf dem Hinweg mit dem Womo passiert hatten. Wir fanden sie recht schnell, waren zufrieden und gingen dann einkaufen. Vor dem Supermarkt saß ein Obdachloser, dem gaben wir einen Apfel und ein paar Kronen. Dann führen wir noch ein paar Kilometer auf der Schnellstraße Richtung Värnern, dort lag ein Campingplatz. Der Rezeptionist war überaus freundlich und schwätzte ein bisschen, und als das Zelt stand und ich in der Küche Haferbrei kochte, unterhielt ich mich mit ein paar anderen Campern aus Deutschland. Das Wetter war richtig gut geworden, es tat wohl so als wäre nichts gewesen. Pah. Wir schliefen wieder wie Steine. Es war ein anstrengender Tag gewesen.
Am Andend war das Wetter wieder nett
Knirsch! Sand im Getriebe
Die Felsplatten vom Neptuni åkrar und der Leuchtturm Kapelludden, Öland
Wieder früh raus. Der Himmel glühte schon lange vor Sonnenaufgang in allen Rot- und Gelbtönen. Schwupps da standen wir auch schon in den Stiefeln und vor der Tür. Ich fand zu Beginn kein „Bild“. Das war frustrierend. Ich wollte nicht schon wieder diese Ruine mit dem Leuchtturm fotografieren. Beim letzten Besuch konnte ich nicht an die Küste. Ein dicker Teppich aus modrigem Tang lag im Weg. Jetzt untersuchte ich die Küste nochmal genauer. Beim letzten Mal waren wir ja vom dicken, runden Regenbogen ablenkt worden.
Der Leuchtturm Kapelludden am frühen Morgen
Nun, da der Sturm nachgelassen hatte, und der Tang getrocknet war, das Meer sich etwas beruhigt und zurückgezogen hatte, fand ich einen Weg ans Wasser. Ich habe bei der Meeresfotografie in der letzten Zeit gern Stiefel an den Füßen – das erweitert meine Radius ungemein! So auch an diesem Tag. Ich lief durchs Wasser auf eine Sandbank und konnte den roten, metallenen Turm von der Küste aus und mit Wasser im Vordergrund aufnehmen. Da schmuste auch kein aufdringliches Pferd.
Der rote Leuchtturm Kapelludden früh am Morgen
Ich fand sogar ein kleines Eckchen Sand am Leuchtturm
Leuchtturm und Klosterruine
Das Steinkreuz aus dem 12. Jh und Fischerhütten
Fischerhütten
Pferd und Kapelludden Leuchtturm
Ach, das Arbeiten im frühen, weichen Licht des Morgens war klasse! Es war ruhig, hier tummelten sich nur zwei Vogelbeobachter und zwei deutsche Fotografen. Das war doch gemütlicher, als am Langen Jan. Ich fand es einfach ausgeglichener.
Amy und Noah schliefen noch, als wir wieder ankamen, es war immer noch sehr früh. Nach dem Frühstück lief Gunter mit den Kids zu den Pferden. Wenn die schon gestreichelt werden wollen, dann können sie das auch haben. Machen wir doch glatt. Amy war glücklich.
Ich schrieb einen Artikel für NATURFOTO fertig, der im November veröffentlicht wird. Es geht um meine große Liebe: die Wellenfotografie!
In Löttorp füllten wir unseren Kühlschrank auf, ich informierte mich derweilen im Visitor Center. Uns war das Schild „Ullzentrum“ aufgefallen. Was ist so besonders an der Öland Wolle? Ich sollte Anne im Wollzentrum fragen. Das machten wir auch ganz spontan, wir waren ja in der Nähe. Das Wollthema ist, wie auf den Shetland Inseln so interessant, dass wir darüber einen eigenen Blogbeitrag schreiben werden. Doch soviel vorab: es geht hautsächlich um die Umwelt und eher nicht um Mode.
Der lange Sandstrand im Norden Ölands
Der gesamte Norden von Öland ist touristisch erschlossen. Die größten Campingplätze befinden sich auf der Ostseite der Insel. Warum wohl? Na, bei Böda Sand finden sich die endlosen – nun, immerhin sieben Kilometer langen Sandstrände der Insel.
Wir fuhren auf einer schnurgeraden, engen Straße durch einen lichten Wald. Ich fahre auf der Insel nie schnell und betrachte gern die Umgebung. Gegen Abend hielten wir Ausschau nach Elchen, einen hatten wir ja schon gesehen. Jetzt war es gerade drei Uhr nachmittags, doch was erblickten meine Augen: da stand was Dickes, Fettes! Kein zartes Reh, nein, das war viel massiger. Ich trat auf die Bremse und fuhr ein paar Meter zurück. Ein Elch, und ganz nah. Er schaute uns misstrauisch an. Noah kramte schnell nach dem Tele. Ich fotografierte aus dem Fenster raus. Dann drehte er den Kopf und das Foto war perfekt. Etwas weiter zwischen den Bäumen stand noch einer. Als ich ausstieg um besser zu sehen, drehten sie sich um und waren weg. Amy sah gleichzeitig einen Fuchs davon huschen. Ja, es schien der Wald gehörte wieder den Tieren. Sie rechneten jetzt nicht mehr mit Wohnmobilen und Touristenhorden.
Der Elch im Wald
Ein gewaltiger Elch
Der Wald reicht fast bis zum Strand, Strandhafer säumt den Übergang auf den Dünen und dann kommt feiner, weißer Sand bis zum Wasser der Ostsee. Wir waren allein, eine tote Robbe lag am Strand, und die war auch schon ganz ruhig. Im Sommer tummeln sich allein auf dem Campingplatz Böda Sand 6000 Touristen, und es gibt einige Campingplätze an der Böda-Bucht. Im ganzen Norden der Insel wohnen dagegen nur etwa 1600 Leute! Unglaublich, was? Und, Kenneth vom Byxelkrok Hafen hatte uns erzählt, dass zum Herbstfest noch mehr Leute auf die Insel kommen, als zum Mittsommerfest!
Zurück zum Sandstrand: Dunkle, fast schwarze Wolken hingen am Himmel. Gerade als wir über den Sand liefen kam die Sonne durch. Wir fühlten uns fast wie in der Karibik, so klar war das Wasser, so weiß war der Sand. Nur die Nadelbäume im Hintergrung sahen nicht nach Palme aus. Das Meer sollte mit auf das Foto. Hmm, also Schuhe aus und rein ins Wasser. Da waren wir mal wieder zur rechten Zeit am rechten Ort.
Lyckesand
Lyckesand
Der einsame Sandstrand
Angenehmer Kontrast zur Westseite Ölands
dunkle Wolken, klares Wasser
Die Felsplatten vom Neptuni åkrar
Die Felsplatten vom Neptuni åkrar (Neptuns Acker) hatten wir noch nicht im Sonnenuntergang erlebt. Einmal war Nebel aufgezogen, und dann überspülte der Sturm tagelang die ganze Küste. Jetzt war unser Tag gekommen. Das Meer hatte gerade die richtige Menge an Wellenaktivität, die Wolken waren perfekt. Ich hatte zwar gerade versucht was für Euch zu schreiben, zog es aber vor, in die Schuhe zu springen und Fotos zu machen. Die Schuhe waren das Problem, die wurden nämlich viel zu schnell nass, das Wasser lief mir mal wieder oben hinein. Doch kaum schaute ich durch das Okular der Kamera, da vergaß ich die nassen Füße. Die Wolken waren wohl von einem Fotoliebhaber an den Himmel gewünscht worden. Geil! Ja, es war echt genial! Das Wasser spritzte, ich hatte das Weitwinkel drauf, die Wolken hatten Struktur und Farbe und dann kam die Sonne raus. Ich fühlte mich wie im Fotografenhimmel.
Wellenspritzer am Neptuni Strand, Öland
Gerade als die Sonne zu grell zu werden drohte rief mich Noah zum Essen. Schweren Herzen lief ich zum Womo, der Hunger trieb mich hin. Das Licht würde zum Abend sicher noch besser werden. Denkste, der beste Moment war vorbei.
Die Felsplatten des Neptuni Strandes im Abendlicht
Wolken, Wasser, Felsen
Gezeitenbeckenbecken mit hellen Kieselsteinen
Wir wollten noch den Langen Erik in etwas besserem Licht aufzunehmen und fuhren hin. Die Sterne funkelten schon, als wir ankamen. Ich hätte ja gern Nachtaufnahmen gemacht, war aber zu fertig. Dafür hatte ich den Rest des Abends viel Freude beim Sichten der Fotos :-)
Sorry, dass ich Fotos teilweise noch etwas kippen – ich schaffe es zur Zeit nicht besser. Dafür habt ihr es live….Der Lange Jan und die Gänse
Bevor noch die Sonne in mein Fenster schien, scheuchte ich die Familie bereits aus den Betten. Das Licht versprach gut zu werden, ich wollte vor Ort sein und dazu mussten wir ein paar Kilometer fahren. Arme Amy, ausgerechnet am Geburtstag wurde sie unsanft geweckt.
Auf dem Weg zum langen Jan war schon reger Betrieb. Normalerweise sind nur die Fotografen so verrückt kurz nach 6:00 Uhr freiwillig los zu ziehen. Hier waren wir sogar spät dran. Die Vogelenthusiasten waren vor uns da. Um bloß nichts zu verpassen fuhren alle im Schneckentempo – wir auch, und konnten in Ruhe die Landschaft genießen.
Tiere und Tierfreunde am Leuchtturm
Schlanke, zarte Rehe standen im grünen, feuchten Gras und schauten zu uns herüber. Vögel zwitscherten und quakten. Vor uns zog ein Schwarm aus hunderten Gänsen theatralisch über das flache, karge Land und den langen Jan in der Ferne. Und ich wurde hektisch. Genau DAS Bild wollte ich haben, deswegen hatte ich mein warmes, gemütliches Bett verlassen. Ich schaffte es gerade noch. Danach landeten die Gänse auf der Wiese und quakten miteinander.
Vogelbegeisterte Touristen
Gänse beim Langen Jan
Unser Wohnmobil und Gänse
Es war immer noch sehr stürmisch beim Langen Jan – das Foto habe ich 30 Sekunden lang belichtet
Unsere müden Teenager schlüpften wieder in die Betten, als wir auf dem Parkplatz standen. Wir schlüpften in Schuhe und Jacken und gesellten uns zu all den Leuten mit großen Teleobjektiven, Spektive und dicken Stativen. Unsere Ausrüstung sah dagegen ziemlich mickrig aus. Wir wollten damit ja den Leuchtturm ablichten, der stand still, nur das Licht, das mussten wir einfangen.
Als ich so von unten den 40 m hohen langen Jan hochschaute, sah ich die Wolken gerade über ihn hinwegjagen. Ich tat mein Bestes, mein Stativ im Wind zu stabilisieren. 30 Sekunden waren fast zu viel, so schnell zogen die Wolken über uns hinweg. Die Fotos sind aber super geworden.
Mir kam es schließlich so vor, als hätten sich ebensoviele Vogelbeobachter wie Vögel hier eingefunden. Ein richtiges Schwarmverhalten haben die. Und alle waren unglaublich ruhig und sie bewegten sich bedächtig. Fast, wie in einer Kirche oder einer Ausstellung, wenn die Leute etwas ganz Großartiges besichtigen. Taten sie ja auch! Die Stimmung war toll. Nur kamen wir uns seltsam vor. Nicht, dass mich Vögel nicht interessieren würden, ich mag sie auch. Aber soviel Technik und dann soweit weg von den Tieren und fast keiner redete… Wir waren die einzigen, die sich für den Leuchtturm interessierten.
Nach der Tour scheuchten wir die Kids aus den Federn und frühstückten gemeinsam. Mitten im Trubel der Vögel und Stativträger.
Warum heißt der Leuchtturm eigentlich „der lange Jan“?
Im Mittelalter stand an der südlichen Spitze Ölands ein Kloster des heiligen Johannes. Nach der Reformation wurde es verlassen und zerfiel. Um das Jahr 1780 herum verwendete man die Steine, um den Leuchtturm zu bauen. Die lokale Bevölkerung nannte ihn darum den langen Jan.
Das Erntefest auf Öland
Weiter ging es inmitten von Menschenmassen, das Erntefest war noch im vollen Gange. Wir besuchten einige Farmermärkte, fotografierten Zwiebeln in Grönhögen und fast wären wir in einem Maislabyrinth gelandet.
Überall farbenfrohe Kürbisse
Überall farbenfrohe Kürbisse
Ein Zwiebelbild
Auf der kargen Steppe im Inselinneren lag die prähistorische Burg Eketorp verlassen vor uns. Komisch, wollte keiner der zigtausend Wohnmobilisten hier vorbeikommen? Die Burg war für die Saison geschlossen, was bedeutete, die Türen waren offen und Anschauen kostete nichts. Nun, die Gebäude auf dem Gelände war geschlossen aber ansonsten durfte man überall herumlaufen und auf die Mauern steigen, was wir auch taten.
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Eketorp – von Noah
Eketorp ist eine der neunzehn frühzeitlichen Befestigungen im Süden Ölands. Die Anlage liegt inmitten einer der weiten Steppen, was damals zwar die Sicherung des umliegenden Farmlandes erlaubte, das Fort selbst aber von allen Seiten angreifbar machte. Um dem entgegen zu wirken, wurden die defensiven Steinwälle ringförmig um die zentrale Siedlung angelegt. Im Inneren baute man flache Steinhäuser, oft die Befestigungsmauer selbst als Rückwand benutzend.
Nach der Errichtung der Festung in der Eisenzeit wurde die Anlage im Falle eines Angriffes, als sicherer Rückzugspunkt für die Farmer des Umlandes genutzt. Auch diente es als Sammelpunkt für Handwerker und Schauplatz für religiöse Zeremonien. Mit den Jahren wuchs die Population und die Anlage wurde ausgebaut. Unter harter Arbeit verlegte man das existierende Mauwerk nach außen, das ursprüngliche Durchmesser von 57 Metern auf 80 Meter erweiternd. Die inneren Steingebäude wurden gegen Häuser aus Holz ersetzt.
Heute ist die Ruine ein beliebtes Auflugszielziel für Touristen. Im Inneren wurde im traditionellen Baustiel ein Museum errichtet, in welchem viele der 24.000 vor Ort ausgegrabenen Artefakte ausgestellt werden. Auch wird daran gearbeitet die alte Siedlung detailgetreu zu rekonstruieren und für Besuchter zugänglich zu machen. Schon jetzt dient die Festung gelegentlich als Schauplatz für mittelalterliche Märkte und nachgespielte Schlachten.
In der Burg Eketorp
In der Burg Eketorp
Datumstafeln machen einem bewußt, wie alt die Burg ist
In Eketorp
Noah und Amy in der Burg Eketorp
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Der Leuchtturm von Segerstad
Entlang der Ostküste bewegten wir uns wieder Richtung Norden. In Segerstad steht noch ein Leuchtturm, ein Foto davon ist in der Touristenlandkarte. Wir dachten, es wäre ein Ausflugsziel, ist es aber nicht. Motorisierte Fahrzeuge waren auf der Straße zum Leuchtturm nicht erlaubt. Das war auch besser so. Wir holten die Fährräder vom Träger und radelten munter los. Nach wenigen hundert Metern war das radeln nicht mehr so munter. Es rüttelte uns mächtig durch. Der Weg war mit dicken, faustgroßen, scharfkantigen Steinen geschottert. Das ging gut 2,5 km so. Wir mussten langsam darüber holpern, damit wir uns keine platten Reifen einhandelten. Die Durchblutung der Arme wurde dabei erfolgreich angeregt.
Dann folgte ein kleines Wäldchen und der Weg wurde schmaler. Gunter ignorierte das „Privat“ Schild, ich fuhr ihm hinterher, das behagte mir nicht. Ich haderte mit mir: soll ich an der Tür klopfen, oder nicht? Nerve ich die Leute dann Sonntags? Hätte ich mal besser die Nummer auf der Anzeige angerufen! Wir schossen schnell ein paar Fotos, schauten, ob man von außen etwas sehen würde – was natürlich wegen der hohen Bäume nicht funktionierte und bis zum Winter wollten wir nicht warten. Also rüttelten wir die 2,5 km wieder zurück zum Wohnmobil. Wahrscheinlich hätten wir zu Fuß auch nicht wesentlich länger gebraucht. So ein schöner Leuchttum, schade, dass wir dafür so wenig Zeit hatten.
Der Leuchtturm Segerstad
Amys Geburtstag
Amy hatte immer noch Geburtstag. Den mussten wir doch feiern! Wir kauften Kuchen und Kaffeestückchen und tranken ganz gemütlich Kaffee und plauderten.
Den Wald „Halltorps Hage“ bei Ekerum erwanderten wir wegen des fortgeschrittenen Tages nur kurz. Die Eichen dort waren aber sehenswert, uralt, knorrig und einige schon abgestorben. Richtung Süden staute sich der Verkehr kilometerlang zur Brücke hin. Wir hatten freie Fahrt nach Norden.
Eine tote Eiche
Der Herbst kommt
Ich fand das cool, einen Eindruck zu bekommen, wie es wohl im Sommer hier aussieht. Und das Gute ist: es waren nur drei Tage und dann war der Wohnmobil-, Auto- und Touristenspuk wieder vorbei, und wir hatten die Insel wieder fast für uns allein. Tatsächlich habe ich noch NIE soviele Wohnmobile auf einem Haufen gesehen! Überall brechend volle, riesige Wiesenparkplätze und warnwestenbekleidete Platzeinweiser.
Das Pferd bei Kapelludden
Amy war dem aufdringlichen Pferd bei Kapelludden noch nicht begegnet. Deswegen fuhren wir nochmal dorthin. Mit unseren Bildern vom Leuchtturm waren wir zwar zufrieden, aber noch ein paar frühmorgendliche Fotos sind nie verkehrt. Wie erwartet, kam die Stute gleich zu Amy gerannt, und Amy hatte große Mühe, bei den ungestümen Annäherungsversuchen auf den Beinen zu bleiben. Spaß hat es ihr trotzdem gemacht.
Das Pferd und Amy
Zum Ausklingen des Geburtstags schauten wir den Pferdefilm „Touching Wild Horses [DVD]
“! Ein interessanter Film, sehr passend für den Tag! Die Nacht war extrem ruhig. Mit all den Herbstfestbesuchern war auch der Sturm weggezogen. Und wir hatten endlich die lärmend im Wind flatternde Plane von den Rädern genommen.