Als wir am Vortag losgefahren waren, wussten wir noch nicht, wie wir um den Vätternsee herum kommen würden. Auf der Karte sah es aus, als gäbe es keinen sonderlich direkten Weg. Wir würden uns wohl auf irgendwelchen Landstraßen um den See Schlängeln müssen.
Glücklicherweise fanden wir dann, als wir den See erreicht hatten, heraus, dass eine ausgeschilderte Radroute um ihn herum führte. Prima! Überall standen Schilder mit einem Fahrrad und der Aufschrift „Runt Vättern“ darauf.
Nur kurz zur Info. Auf dieser Rourte sind wir in Schweden von A nach B gekommen. insgesamt etwa 800km.
Natürlich bedeutet in Schweden ein Radwegschild keineswegs, dass es auch einen Radweg gibt. Die Route verlief fast ausschließlich auf Landstraßen. Das machte natürlich nichts, denn die waren so leer, dass man problemlos darauf fahren konnte.

Dort hatten wir übernachtet

Die Landstraßen nördlich von Motala
Wir fuhren aus Motala heraus, die Sonne schien, ein paar einsame Schäfchenwolken machten am ansonsten strahlend blauen Himmel einen verlorenen Eindruck, und der Wald um uns herum war grün und dicht und still. Idyllisch! Wir genossen die Landschaft. An unseren Packtaschen hing an jeder Schlaufe und an jedem Verschluss irgendein Kleidungsstück, denn Anja-Melanie hatte gestern Wäsche gemacht. Sie hatte darauf vertraut, dass es sonnig sein würde und alles schön brav trocknen würde. Mutig gepokert, aber es funktionierte. Wir sahen allerdings recht kurios aus, mit all er Wäsche an den Rädern.
Wir fuhren und fuhren, und mir schien es, als müsste ich selbst bergab in die Pedale treten – wohl zu wenig Luft auf den Reifen. Mit prallgefüllten Reifen fährt es sich am leichtesten, also hielten wir, um sie wieder auf zu pumpen.
Nun sollte man eigentlich wissen, dass ein vollbeladenes Reiserad nicht sonderlich stabil steht. Wenn dann auch noch einer mit einer Pumpe am Vorderrad herum tüftelt ohne dass jemand das Rad festhält, dann fällt es um. Genau das tat mein Rad auch sehr schnell, und nahm die Pumpe, die noch fest am Ventil steckte, gleich mit. Sie verkantete sich in Gabel und Rahmen.
Egal, heben wir es wieder auf und weiter geht’s. Gerade als ich den kleinen Vorfall vergessen hatte, fing mein Vorderrad an, komische Geräusche zu machen. Es war platt. Oh je. Immerhin hatte ich endlich mal die Gelegenheit, mein Können als Fahrradmechaniker unter Beweis zu stellen. Ich nahm das Vorderrad heraus und inspizierte den Schlauch. Das Loch war am Ventil. Anscheinend hatte der kleine Vorfall kurz zuvor das Ventil abgerissen. Flicken kann man so etwas nicht, da muss ein neuer Schlauch her. Zum Glück hatten wir einen dabei.

Fahrrad-OP. Der Patient ist außer Gefecht gesetzt.

Da haben wir das Problem!
Es dauerte eine Weile, bis das Vorderrad wieder wie neu war, und als ich endlich fertig und stolz drauf war, präsentierte sich uns ein neues Problem: Das Rad passte nicht mehr ganz mittig in die Gabel hinein. Als sich die Pumpe verkantet hatte, war wohl etwas verbogen worden. Na toll! Ich fluchte und schimpfte auf mein armes Fahrrad und meine eigene Dummheit, die Bäume um uns herum lernten an diesem Tag einige interessante neue Wörter. Schließlich reparierte ich die leicht verbogene Gabel, indem ich ein winziges, winziges Steinchen zwischen Achse und Gabel steckte und alles wieder befestigte. So hatte ich wieder alles schön mittig.
Alles in allem Dauerte die Fahrrad-OP knapp zwei stunden.
Wir fuhren weiter durch die leere Landschaft. Wir trafen zwei andere Radreisende, die die Strecke Göteborg-Stockholm fuhren, also im Grunde unsere Route, nur in entgegengesetzter Richtung, Wir plauderten ein paar Minuten lang.

Weg durch den Wald

Mal zur Abwechslung ein Bild mit mir drauf
Irgendwann verlief die ausgeschilderte Route auch mal auf der Schnellstraße. Erst waren wir uns der Sache nicht ganz sicher, immerhin wurde hier etwas schneller gefahren als auf den anderen Landstraßen, doch auch hier ließen einem die Autofahrer beim Überholen die ganze Spur. Es kamen sowieso kaum welche vorbei. Eigentlich war es sogar sehr angenehm auf der Schnellstraße, denn der Asphalt war schön glatt. Au ja.
In der nächsten Siedlung packte uns der Hunger. Es war sinnlos, nach einer Einkaufsmöglichkeit Ausschau zu halten – das Dorf in dem wir uns befanden hatte kaum mehr Einwohner, als ein Supermarkt Angestellte hat. Wir hockten uns auf den Bürgersteig und aßen Müsli ohne Geschirr. das heißt, wir futterten das trockene Müsli mit den Fingern und tranken zu jeder Handvoll einen Schluck Milch aus dem Tetrapack. Dazu gab es Obst und Zimtrollen, wie gewohnt. Das Essen schmeckte wie immer aufgrund unseres großen Hungers königlich.

Ein Zug

Blick in den Wald

Das erste und einzige Mal, dass wir so ein Schild gesehen haben
Nicht mehr weit von Askersund, der Stadt am Nordzipfel des Vätternsees und unserem Ziel für diesen Tag entfernt, führte uns ein Radwegschild einmal querfeldein in die Pampa. Wir folgten ihm, und fanden uns kurz darauf auf einer kaum befahrbaren Schotterpiste mitten im Nirgendwo wieder. Sie verlief an einer Stromleitung, führte also nicht dort hin, wo wir hin wollten. Wir suchten einen Weg zurück zur Straße, wussten dann aber nicht, wo wir uns befanden. Zu unserem Glück hielt ein Autofahrer und zeigte uns auf der Karte, wo wir waren. Nur noch etwa 10km von unserem Ziel entfernt! Wir bedankten uns, und fuhren diese 10km unter einem immer noch schön blauen Himmel. Die Wäsche war mittlerweile so gut wie trocken.
Den Campingplatz in Askersund fanden wir in Null Komma nichts, und wurden dort auch noch angenehm überrascht, denn im Campingplatzladen gab es alles zum halben Preis. Es war Saisonende, und das Zeug musste raus. Ich holte viel, unter anderem Eier, die ich uns in der Campingplatzküche briet. Dazu musste ich nur erst ein Stück Butter borgen, denn wir hatten keine. Mit vollen Mägen und an einem Platz direkt am Vätternsee schliefen wir wieder früh ein.


Ein paar Felsen neben der Schnellstraße. Seht ihr das Gesicht?
In der aktuellen Ausgabe des Allradlers gibt es einen Breicht von uns über die Reisefotografie. Das ist der erste Teil einer Serie und es geht um „Die richtige Kamera“ .
In der aktuelle Ausgabe (4/12) des Terra Magazins findet ihr eine 16 seitige Reportage über Shetland.
Wir wurden mal wieder interviewt:
Digitale Nomaden mit Kindern: 5 Familien voller Tatendrang
Zwei Fotografen, drei Teenager und ein Wohnmobil
Travelling Family – 5reicherts im Interview
Der Lange Jan im Süden Ölands
Auf dem Womo-Stellplatz wollten wir nicht frühstücken, wir kauften also erst Proviant ein und fuhren nach Süden. Immer entgegengesetzt dem mächtigen Trubel auf den Straßen.
Gettlinger Grabstätte
In Färjestaden aßen wir ganz gemütlich,mit Blick zur gerammelt vollen Brücke. Während der Weiterfahrt hielten wir per Zufall genau an der Gettlinger Grabstätte mit den prähistorischen Steinkreisen. Ein kräftiger Seitenwind machte die Fahrerei ziemlich ungemütlich.
Steinkreis und Windmühle – die Steine wurden gerade vermessen, leider fielen die Wasserwaagen im Sturm dauernd um
kleiner Leuchtturm
In Degerhamn war es nicht möglich zu parken, ohne gleich zahlen zu müssen. Wir wollten nur kurz den kleinen Leuchtturm fotografieren und hatten nur 150 Kronen in der Tasche. Die meisten Übernachtungsplätze kosteten für Wohnmobile 100 Kronen, aber übernachten wollten wir ja nicht!
Der lange Jan, der sündlichste Leuchtturm Ölands
Erst an der Südspitze Ölands, beim Langen Jan, dem Leuchtturm im dortigen Naturschutzgebiet, rasteten wir auf dem Parkplatz und kochten erst einmal. Ich lief natürlich gleich los, in der Hoffnung auf eine Leuchtturmbesichtigung. Der Rest meiner Familie hatte keine Lust, die 190 Stufen hoch zu klettern. Die Sonne schien, doch der Wind blies weiter heftig. Ich war schließlich ganz allein auf dem 40m hohen Turm und flog oben im Sturm fast weg.
Schnell war der Abend gekommen – es ist Herbst und wir merken das an den kurzen Tagen. Schon vor 19:00 Uhr geht nun die Sonne unter. Im Wind waren Langzeitbelichtungen schwierig, es ging daher auch mal ohne.
Vogelbeobachtung auf den Tischen
der lange Jan im Abendlicht
letzte Sonnenstrahlen und der Lange Jan
Besucher beim langen Jan
spät abends, ganz allein
Unser Womo wartet auf die Nacht
Mir gefällt der Lange Jan sehr gut. Er sieht sehr massig aus. Vor vier Jahren wurde der Leuchtturm neu angestrichen, er sieht immer noch aus wie neu. Ich will nicht wissen, was das für eine Arbeit ist. Für die Seefahrt ist das Licht des Turms nicht mehr von Bedeutung, er wird für Leuchtturm-Liebhaber weiter betrieben.
Tausende Gänse hatten sich in den Moorgebieten zusammengefunden, Adler kreisten über ihnen und scheuchten sie immer wieder auf. Ich wollte am nächsten Morgen die Vögel und den Turm im frühen Licht fotografieren.
Der Wind zerrte permanent an der Schutzplane unserer Fahrräder. Das heftige Schlagen der Folie hatte mir schon in den Nächten zuvor den Schlaf geraubt – mein Bett ist direkt hinten bei den Rädern. So parkten wir auf einem Parkplatz mit Campingverbotsschild bei Ottenby geschützt zwischen den Bäumen etwa 3-4 km vom Leuchtturm entfernt. Die Nacht war sehr ruhig und das war gut so, ich brauchte meinen kurzen Schlaf! Obwohl wir bis 12:00 Uhr wach geblieben waren – Amy hatte Geburtstag und wir wollten noch gratulieren!
Windmühle, Wellen und Kamele – und der Besucherandrang auf dem Herbstfest
Die Nacht war sternenklar gewesen, der Morgen begrüßte uns mit Sonnenschein. Logischerweise war ich schon vor dem ersten Sonnenstrahl mit der Kamera draußen. Die fotogene Schleifmühle aus dem Jahr 1928 hatten erstaunliche Ausmaße. Doch wie üblich zog mich das Meer in seinen Bann. Gerade fuhren, von Möwen umkreist, zwei Fischer mit einem kleinen Boot hinaus. Die Wellen waren nicht wirklich groß, doch glasklar. Jedesmal, wenn sich das Wasser kurz vor dem Brechen der Welle hob, konnte ich auf den Boden der Ostsee schauen. Bunte Felsen und Steine lagen da. Eine Wonne für meine Fotografenseele.
Die Fischer kamen zurück, sie zogen das kleine Boot auf den Steinstrand und begannen ihren Fang zu putzen, zwei Aale und ein kleiner Fisch. Sie sprachen nur wenig Englisch, das reichte um zu fragen, ob ich zuschauen dürfe. Die beiden Filets vom Fisch bekam ich wohl aufgrund meiner großen Neugier geschenkt.
Wohnmobil und Schleifmühle
Detail der Schleifmühle
Überall Steintürmchen
Ein Fenster ins Meer
Einer der beiden Fischer – den Fisch bekam ich geschenkt! Danke
Kamele auf Öland
An der Straße nach Borgholm steht ein außergewöhnliches Schild: es warnt vor Kamelen. Wir hatten bereits von diesem Kamelzüchters gehört. Er ist aus dem Fernsehen bekannt, weil er in einer dieser Kupplungsshows eine Frau gesucht hat. Dazu würde ich ihn gern mal befragen und vor allem, warum züchtet er Kamele in Öland? Einige der Trampeltiere standen nah am Zaun, wir gingen hin und schauten sie uns genau an. Die breiten Hufe waren beeindruckend.
Kamele auf Öland
Kamel auf Öland
Herbstfest auf Öland
Das Herbstfest hatte begonnen. Es ist das größte in ganz Schweden und unendlich lange Kolonnen aus Autos und Wohnmobilen verstopften die Straßen der Insel. Fast alle fuhren sie nach Norden. Wir waren zum Glück unterwegs in den Südteil.
In den Ruinen des Borgholmer Schlosses aus dem 12. Jahrhundert herrschte geschäftiger Trubel. Die normalen Parkplätze waren bereits belegt. Männer in Warnwesten regelten den Verkehr auf der grünen Wiese. Was war jetzt noch von der idyllischen Insel Ölands übrig? Nun, ich hatte unsere Ankunft auf Öland zu diesem Fest geplant, aber nicht damit gerechnet, dass es so überlaufen ist!
Herbstfest, Kürbisse überall
Borgholmer Schlossruine
im Borgholme Schloss
im Borgholme Schloss
Schafschur
Da war was los im Schloss von Borgholm
Gunter hatte sich morgens das Knie verdreht, er schonte es, und ich lief mit Noah und Amy zum Schloss. Der Trubel war historisch authentisch, der äußere Hof war von Zelten belegt, Gaukler und Handwerker boten ihre Dienste an. Ein Löffelmacher zeigte uns ausführlich, wie das mit dem Schnitzen funktioniert. Ich hatte ihn auf seine Schnitzpferd angesprochen. Innerhalb einer halben Stunde hatte er aus einem Holzklotz einen Löffel freigelegt.
Schafe und Wolle auf dem Herbstfest
Im Schlossinnern waren Landwirte beim Schafe scheren. Drum herum boten Händler manngifaltige Waren aus Wolle an. Ich hätte mir ja gern eine warme, weiche Wolldecke geleistet, habe dann doch drauf verzichtet. Das gibt die Reisekasse leider nicht her.
Der rote Leuchtturm bei Kappeludden
ein perfekter Regenbogen, was für ein Glück
Um dem Trubel zu entkommen,, fuhren wir nach Kapelludden. Dort erstahlt nachts ein Leuchtturm vor der Kapellenruine der heiligen Brita und einem Steinkreuz aus dem 13. Jahrhundert.
Der Himmel war grau, kein Sonnenstrahl schaffte es hindurch. Hmm. Wir machten trotzdem ein paar Fotos vom der Ruine und dem typisch schwedischen stählernen Leuchtturm. Wir haben bereits einige ähnliche Leuchttürme in Jaevre und Sandhammaren gesehen. Ein Künstler, der wohl auch Architekt ist, hat ihn entworfen. Der Rote Turm und das gelbe Gras hoben sich gut vom Himmelsgrau ab. Dann passierte es: Ein paar warme Lichtsstrahlen schafften es durch die Wolkendecke, und das Licht fiel genau auf den Leuchtturm. Asl ob das noch nicht genügte, setzte Nieselregen ein, ganz wenig nur, wir wurden nicht mal richtig nass. Ein vollkommener Regenbogen spannte sich genau über dem Leuchtturm! Wieviele Zufälle müssen da zusammenkommen? Kurz zuvor hatten noch zwei weitere Fotografen hier Halt gemacht, die waren aber schon wieder weg.
Drei Pferde grasten auf der Weide hinter der Kapellenruine. Gunter fotografierte von dieser Wiese aus, als die Pferde auf ihn zutrabten und einkreisten. Ihm war erst etwas mulmig zumute, aber, eines davon erwies sich als extrem verschmust, und verlangte Streicheleinheiten. Es machte großen Spaß mit ihm zu knuddeln.
Übernachtung in Borgholm
Trotz all dem Glück wollten wir hier nicht übernachten, mit freilaufenden Serienmördern und so was. Rainer informierte mich erst am nächsten Tag, dass der Serienmörder gefasst wurde und nun für den Rest seines Lebens im Gefängniss sitzt. Wir wollten ein klein wenig Gesellschaft. Das dürfte im Moment ja kein großes Problem sein.
In Bornholm waren wir nicht schlüssig wohin wir sollten. Überall standen Wohnmbile. Die Wiesen quollen über, im Hafen, in den Straßen, im Gewerbegebiet. Wir standen schließlich mit Hunderten anderer Wohnmobile auf einem Wiesenparkplatz. Musik hämmerte von irgendwo her, mir war das etwas zu laut.
Kunstnacht
Gegen 20:00 Uhr liefen wir los, Richtung Fußgängerzone. Zum Herbstfest sind nachts fast alle Ateliers geöffnet. Wir besuchten ein paar davon, und zum Abschluss gingen wir zur Öland Buchmesse. Auch wenn die Bücher alle auf Schwedisch waren, wir sehnten uns nach Büchern. Wir hatten gerade den Saal betreten, da wurde angekündigt, dass der 1000. Besucher gekommen war. Amy hat es getroffen, unsere bücherliebende Tochter. Zur Feier überreichte ihr die Moderatorin einen Kürbis, das Wahrzeichen des Herbstfestes. Gegen Mitternacht hörte auch die ungewünschte Musikberieselung auf und wir konnten halbwegs ruhig schlafen.
Beim 3. Anlauf zum Trollskogen, Raukarenfelsen in Byrum
Jetzt war der Tag gekommen! Wir fuhren zum dritten Mal in diesen Wald, die Straße war freigeräumt, und es regnete nicht! Das Naturum, ein informatives Naturzentrum mit zahlreichen Ausstellungspavillons, war geöffnet. Maria, die freundliche Mitarbeiterin erzählte uns vom Zweck des Zentrums. Letzten Sommer hätte das Zentrum einen Besucherrekord verzeichnet. Mehr als 70.000 Menschen kamen in den Wald und zum Zentrum. Dieses Jahr war es nicht ganz so voll, denn es war zu heiß gewesen, die Leute blieben lieber faul am Strand liegen. Das Zentrum ist von Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Auf Anfrage hätten wir an einer geführten Tour teilnehmen können, leider erfuhren wir das zu spät.
Amy und Noah am Waldrand
Von Wind und kargem Boden geformt
Von Wind und kargem Boden geformt – Kiefern im Trollskogen
900 jährige Trolleiche
einer der vielen Pilze im Trollskogen
Gabi fotografiert das Wrack
Das Wrack des Schoner Swiks
Entlang der westlichen Küste
Diesmal liefen wir an der westlichen Küste entlang durch den Kiefernwald, fotografierten die knorrigen Bäume am Waldrand und trafen auf das Bootswrack des Schoners Swiks, welches hier im Jahr 1928 gestrandet war. Dunkel und abweisend lag es unter grauem Himmel auf dem Strand. Von Norden kamen fette Wolken herangerollt, und schon fing es wieder an, zu regnen. Das Wrack bot sich zum Glück als Unterstand an, wir rückten im Schiffsbauch auf dem geteerten, tiefschwarzen Holz zusammen und warteten den Schauer von sicherer Warte aus ab.
unsere Kids vor dem Schiffswrack
Auch gut zum unterstellen
Uralte Eiche im Kiefernwald
Mitten im Kiefernwald stehen etwa 30 mächtige Eichen. Sie dienten früher den Seefahrern als Orientierung. Die knorrige Trolleiche ist mit 900 Jahren eine der ältesten noch lebenden Eichen Ölands. Ehrführchtig standen wir unter dem greisen Patriarchen. Was der wohl alles schon gesehen hätte, hätte er Augen? Wir nutzten die Eiche für eines unserer seltenen Familienfotos.
Die Sonne kam jetzt hinter den Wolken hervor. Perfekt ausgeleuchtet sah die Swiks viel besser aus, da die grauen Regenwolken noch theatralisch und drohend am Himmel hingen.
Ohne weitere Regengüsse kamen wir wieder zum Womo zurück, froh über dieses Erlebnis.
Entlang der Westküste Ölands gen Süden
Im Sonnenschein fuhren wir die enge Straße entlang der Küste nach Süden. Wir waren bei unserer ersten Tour versehentlich an den berühmten Raukaren vorbeigefahren. Jetzt wollten wir sie sehen und natürlich auch fotografieren. Im Byrum liegt an der Strandseite ein weitläufiger Parkplatz. Jetzt in der Nebensaison kann man den auch übersehen, wenn kein Auto drauf steht. Wir parkten und Gunter kochte was Leckeres, während ich mit Noah schon mal die Küste erkundete. Ich war erstaunt, wie groß diese Kalksteingebilde sind. Wir kletterten zwischen den etwa120 Raukarenfelsen hindurch und verschwanden fast in diesem Labyrinth. Fette Wolken verzierten nun den Himmel, die Sonne schien ab und an drunter durch.
Der Radweg, der auch als Straße dient – es ist dort kaum Verkehr
Raukare und dunkle Wolken
Raukare und dunkle Wolken
Nach ein paar Stunden fuhren wir weiter entlang der Küste. Wir hatten geplant, im Hafen von Sandvik zu übernachten, doch die Fahrt dauerte wegen der Fotostopps länger. Es wurde schon fast dunkel, als wir die Windmühle bei Jordhamn erreichten, ein ebener Parkplatz lag direkt daneben. Ideal! Hier schlafen wir heute. Die Nacht war unglaublich ruhig und tiefschwarz.
Einer der Raukare
Die Schleifmühle im Abendlicht
Tag 5 der Rad-Tour. Fahrt um den Vätternsee, und die einzige Panne der Tour.
Als wir am Vortag losgefahren waren, wussten wir noch nicht, wie wir um den Vätternsee herum kommen würden. Auf der Karte sah es aus, als gäbe es keinen sonderlich direkten Weg. Wir würden uns wohl auf irgendwelchen Landstraßen um den See Schlängeln müssen.
Glücklicherweise fanden wir dann, als wir den See erreicht hatten, heraus, dass eine ausgeschilderte Radroute um ihn herum führte. Prima! Überall standen Schilder mit einem Fahrrad und der Aufschrift „Runt Vättern“ darauf.
Natürlich bedeutet in Schweden ein Radwegschild keineswegs, dass es auch einen Radweg gibt. Die Route verlief fast ausschließlich auf Landstraßen. Das machte natürlich nichts, denn die waren so leer, dass man problemlos darauf fahren konnte.
Dort hatten wir übernachtet
Die Landstraßen nördlich von Motala
Wir fuhren aus Motala heraus, die Sonne schien, ein paar einsame Schäfchenwolken machten am ansonsten strahlend blauen Himmel einen verlorenen Eindruck, und der Wald um uns herum war grün und dicht und still. Idyllisch! Wir genossen die Landschaft. An unseren Packtaschen hing an jeder Schlaufe und an jedem Verschluss irgendein Kleidungsstück, denn Anja-Melanie hatte gestern Wäsche gemacht. Sie hatte darauf vertraut, dass es sonnig sein würde und alles schön brav trocknen würde. Mutig gepokert, aber es funktionierte. Wir sahen allerdings recht kurios aus, mit all er Wäsche an den Rädern.
Wir fuhren und fuhren, und mir schien es, als müsste ich selbst bergab in die Pedale treten – wohl zu wenig Luft auf den Reifen. Mit prallgefüllten Reifen fährt es sich am leichtesten, also hielten wir, um sie wieder auf zu pumpen.
Nun sollte man eigentlich wissen, dass ein vollbeladenes Reiserad nicht sonderlich stabil steht. Wenn dann auch noch einer mit einer Pumpe am Vorderrad herum tüftelt ohne dass jemand das Rad festhält, dann fällt es um. Genau das tat mein Rad auch sehr schnell, und nahm die Pumpe, die noch fest am Ventil steckte, gleich mit. Sie verkantete sich in Gabel und Rahmen.
Egal, heben wir es wieder auf und weiter geht’s. Gerade als ich den kleinen Vorfall vergessen hatte, fing mein Vorderrad an, komische Geräusche zu machen. Es war platt. Oh je. Immerhin hatte ich endlich mal die Gelegenheit, mein Können als Fahrradmechaniker unter Beweis zu stellen. Ich nahm das Vorderrad heraus und inspizierte den Schlauch. Das Loch war am Ventil. Anscheinend hatte der kleine Vorfall kurz zuvor das Ventil abgerissen. Flicken kann man so etwas nicht, da muss ein neuer Schlauch her. Zum Glück hatten wir einen dabei.
Fahrrad-OP. Der Patient ist außer Gefecht gesetzt.
Da haben wir das Problem!
Es dauerte eine Weile, bis das Vorderrad wieder wie neu war, und als ich endlich fertig und stolz drauf war, präsentierte sich uns ein neues Problem: Das Rad passte nicht mehr ganz mittig in die Gabel hinein. Als sich die Pumpe verkantet hatte, war wohl etwas verbogen worden. Na toll! Ich fluchte und schimpfte auf mein armes Fahrrad und meine eigene Dummheit, die Bäume um uns herum lernten an diesem Tag einige interessante neue Wörter. Schließlich reparierte ich die leicht verbogene Gabel, indem ich ein winziges, winziges Steinchen zwischen Achse und Gabel steckte und alles wieder befestigte. So hatte ich wieder alles schön mittig.
Alles in allem Dauerte die Fahrrad-OP knapp zwei stunden.
Wir fuhren weiter durch die leere Landschaft. Wir trafen zwei andere Radreisende, die die Strecke Göteborg-Stockholm fuhren, also im Grunde unsere Route, nur in entgegengesetzter Richtung, Wir plauderten ein paar Minuten lang.
Weg durch den Wald
Mal zur Abwechslung ein Bild mit mir drauf
Irgendwann verlief die ausgeschilderte Route auch mal auf der Schnellstraße. Erst waren wir uns der Sache nicht ganz sicher, immerhin wurde hier etwas schneller gefahren als auf den anderen Landstraßen, doch auch hier ließen einem die Autofahrer beim Überholen die ganze Spur. Es kamen sowieso kaum welche vorbei. Eigentlich war es sogar sehr angenehm auf der Schnellstraße, denn der Asphalt war schön glatt. Au ja.
In der nächsten Siedlung packte uns der Hunger. Es war sinnlos, nach einer Einkaufsmöglichkeit Ausschau zu halten – das Dorf in dem wir uns befanden hatte kaum mehr Einwohner, als ein Supermarkt Angestellte hat. Wir hockten uns auf den Bürgersteig und aßen Müsli ohne Geschirr. das heißt, wir futterten das trockene Müsli mit den Fingern und tranken zu jeder Handvoll einen Schluck Milch aus dem Tetrapack. Dazu gab es Obst und Zimtrollen, wie gewohnt. Das Essen schmeckte wie immer aufgrund unseres großen Hungers königlich.
Ein Zug
Blick in den Wald
Das erste und einzige Mal, dass wir so ein Schild gesehen haben
Nicht mehr weit von Askersund, der Stadt am Nordzipfel des Vätternsees und unserem Ziel für diesen Tag entfernt, führte uns ein Radwegschild einmal querfeldein in die Pampa. Wir folgten ihm, und fanden uns kurz darauf auf einer kaum befahrbaren Schotterpiste mitten im Nirgendwo wieder. Sie verlief an einer Stromleitung, führte also nicht dort hin, wo wir hin wollten. Wir suchten einen Weg zurück zur Straße, wussten dann aber nicht, wo wir uns befanden. Zu unserem Glück hielt ein Autofahrer und zeigte uns auf der Karte, wo wir waren. Nur noch etwa 10km von unserem Ziel entfernt! Wir bedankten uns, und fuhren diese 10km unter einem immer noch schön blauen Himmel. Die Wäsche war mittlerweile so gut wie trocken.
Den Campingplatz in Askersund fanden wir in Null Komma nichts, und wurden dort auch noch angenehm überrascht, denn im Campingplatzladen gab es alles zum halben Preis. Es war Saisonende, und das Zeug musste raus. Ich holte viel, unter anderem Eier, die ich uns in der Campingplatzküche briet. Dazu musste ich nur erst ein Stück Butter borgen, denn wir hatten keine. Mit vollen Mägen und an einem Platz direkt am Vätternsee schliefen wir wieder früh ein.
Ein paar Felsen neben der Schnellstraße. Seht ihr das Gesicht?
Tag 4 der Schweden-Radtour. Ein Ruhetag
Am vierten Tag unserer Tour wachten wir wieder irgendwann zwischen 6 und 7 Uhr auf. Wir frühstückten, ich inspizierte die Räder, wie packten das Zelt zusammen – die übliche Routine. So wirklich viel Lust auf eine weite Strecke hatten wir allerdings an diesem Tag nicht. Das lag zum einen daran, dass wir keine Idee hatten, auf welchen Wegen wir um den Vättern-See herum kommen würden, und zum anderen an dem fiesen Wind. Jeder, der sich gelegentlich auf zwei Rädern bewegt, weiß: Wind ist der schlimmste Feind des Radfahrers. Jeder Hügel und jeder Berg hat irgendwo einen Gipfel, und dann wird man für das ewige Bergaufradeln mit einer netten Abfahrt belohnt. Wind allerdings hat kein absehbares Ende, und außerdem ist es auch nirgends garantiert, dass man mach drei Stunden Gegenwind auch mal irgendwann Rückenwind bekommt (der kommt so selten vor, dass er unter Radfahrern fast den Status eines Fabelwesens hat).
So hielten wir uns an den Radweg, oder besser: an die Radrouten-Schilder an der Landstraße, und fuhren nur die 30km nach Motala. Dafür brauchten wir geschlagene drei Stunden, denn der Wind war an diesem Tag wirklich nicht zum Spaßen aufgelegt. An einer Haltebucht am Straßenrand legten wir eine Essenspause ein, es gab Zimtröllchen mit Bananen, und an einem Straßenspiegel machten wir ein Selbstportrait. Wirklich spektakulär war die Landschaft nicht, denn es hing ein unschöner, grauer Wolkenteppich drüber.
Selbstportrait im Straßenspiegel
Immerhin waren die Radrouten erstklassig ausgeschildert
In Motala, einer größeren Stadt an Schwedens zweitgrößtem See, dem Vätternsee, machten wir uns dann auf die Suche nach einem Campingplatz. Wir durchquerten die Stadt (ohne Probleme, im Gegensatz zu unserer Erfahrung mit Norrköping) und fanden auf dem Weg eine Pizzeria. Wir hatten Hunger, außerdem waren wir auf der Tour noch nicht Essen gegangen, also überlegten wir nicht lange. Die Pizzen waren sehr groß, aber recht dünn.
Nach der leckeren Mahlzeit fanden wir recht bald den Campingplatz. Es war zwar erst 3 Uhr, doch wir waren für den Tag genug gefahren. Ich fuhr nochmal in die Stadt, um etwas Essbares einzukaufen, dann machten wir uns noch einen schönen Rest vom Tag. Neben dem Zeltplatz lag ein Fußballplatz, dort wurde tüchtig trainiert.
Am Vätternsee. Wie man sieht war es recht windig
Am Yachthafen von Motala