So, jetzt sind Anja-Melanie und ich nach fast vier Wochen Rad-Tour wieder zuhause. Die Reise führte uns einmal quer durch Schweden und längs durch Dänemark. Bilanz: 1780km gefahren, im Schnitt 80km am Tag, wir hatten fünf Landkarten, nur eine einzige Panne und eine Menge Spaß.
Da die Reise nun für uns endet, kann sie ja hier auf dem Blog für euch wieder beginnen. Ich werde alle paar Tage einen Beitrag schreiben, also die Reise mithilfe unseres vollgekritzelten Logbuches rekonstruieren.
Los geht’s mit Tag eins!

Eine nette Landstraße

Anja-Melanie
Zu aller erst: Weder Anja-Melanie noch ich hatten wirklich eine Ahnung, wie das mit dem Radreisen genau funktionieren würde. Wir hatten sowas noch nie gemacht, also galt es, das durch Versuch und Irrtum herauszufinden! Wir hatten ein gutes Stück Recherche betrieben und einfach mal alles eingepackt, was uns eventuell nützlich werden könnte: Kleidung für mindestens fünf Jahreszeiten, genug Werkzeug um eine ganze Fahrradwerkstadt zu eröffnen (okay, das ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber wir waren für alle Eventualitäten gewappnet), ein erste Hilfe Kit und noch einen Haufen anderer Dinge. Auf jeden Fall waren unsere vier Fahrradtaschen fast bis zum überquillen vollgestopft.
Nur eines hatten wir noch zwei Tage vor der Abfahrt nicht: genug Kartenmaterial. Im Buchladen holten wir uns also schnell noch eine für Mittel-West-Schweden, und für den Göta-Kanal hatten wir auch was, nur für die ersten 150km zum Anfang des Kanals ließ sich nichts finden. Kein Problem! Dann drucken wir uns eben mithilfe von Google Maps selbst eine. Ein paar Screenshots machen, gut zusammenstoppeln und ausdrucken, fertig! Ließ zwar qualitativ ein wenig zu wünschen übrig aber immerhin hatten wir etwas.

Das Klischee ist Fakt: die Schweden wohnen fast allesamt in roten Häuschen!
Am großen Tag standen wir dann sehr früh auf, um früh loszukommen. Wir waren bei unseren Freunden in Schweden. Außer uns und Aron (meinem Kumpel) war niemand da, der Rest meiner Familie war auf den Aland-Inseln und der Rest von Arons Familie war entweder in Göteborg oder in Nordschweden. Wir machten Pfannkuchen und versuchten, uns zu beeilen. Leider ging sehr viel Zeit mit dem Beladen der Räder ins Land, denn wir hatten das vorher nur halb geprobt und das Gepäck sollte nach Möglichkeit nicht abfallen. Gar nicht so einfach.
Um halb 11 kamen wir schließlich los. Das Wetter war ganz nett, und die Landstraßen waren leer wie eine Skipiste im Hochsommer. Die Autos, die uns in einer Stunde begegneten, ließen sich an den Fingern abzählen. Um uns herum: Wälder, Seen, rote Häuschen. Das würde sich auf den kommenden 800 Kilometern nur wenig ändern.
Unser erstes Ziel war Katrineholm, die nächstgelegene Stadt. Von dort aus würden wir uns nach Süden, Richtung Norrköping (sprich: Norrschöping) navigieren. Nach Katrineholm fanden wir mithilfe unserer provisorischen Karte und den Ortsschildern auch ohne Weiteres. Dann wurde es allerdings kompliziert, denn auf der Autobahn konnten wir nicht nach Norrköping fahren. Wir mussten uns selbst einen Alternativweg suchen. Außerdem hatte es angefangen zu regnen.
Wir hielten uns also Richtung Süden und genossen das frische, kühle Wasser. Naja, nicht wirklich. Aber immerhin wurde die Wasserdichtigkeit unseres Gepäcks gleich am Anfang auf die Probe gestellt. Am Abend sahen wir, dass die Müllsäcke, die das Zelt und meinen Schlafsack plus Isomatte beinhalteten, dicht hielten. Und nach einer Stunde oder zwei war es auch schon wieder vorbei mit dem Wolkenbruch.

Anja-Melanie schützte das gepäck auf ihrem Rad mit einem Rucksacküberwurf in Übergröße

Mein Packesel. Die Müllsäcke hielten zum Glück dicht.

Pferde am Straßenrand

Wir fuhren im Zickzack nach Norrköping, denn die tollen, einsamen und angenehm befahrbaren Landstraßen hatten einen klitzekleinen Nachteil: viele von ihnen endeten abrupt an der Autobahn und wir durften sie wieder retour befahren. Mit einer etwas detailgenaueren Karte hätten wir uns wohl besser geschlagen, aber was soll’s. Fährt man eben etwas mehr.
Irgendwann gerieten wir auf einen Radweg nach Norrköping, dem wir dann folgten. Seine Beschaffenheit war so vielfältig wie das Wetter im April. Mal rollten wir gemütlich auf asphaltierten Radwegen, mal ging es auf der Straße weiter, oder wir holperten auf Schotter durch den dichten Wald. Ein oder zwei mal folgten wir sogar Trampelpfaden. Meine dünnen Straßenreifen gaben mir zu verstehen, dass sie damit nicht allzu zufrieden waren.

Ein typischer Waldweg

Wir machten viele Pausen zum Trinken oder zum Snacken

Da haben wir uns wohl ein bisschen verfahren…
Abgesehen von den Pfannkuchen zum Frühstück hatten wir bis zu den Abendstunden nur Kekse und Obst zu uns genommen, und unsere Mägen fingen an zu knurren. Wir suchten uns eine Parkbank und machten den leckeren Fruchtjoghurt auf, den es in Schweden in Tetrapacks zu kaufen gibt. Dazu gab es noch mehr Kekse und Obst.
Es begann allmählich zu dämmern, als wir uns Norrköping näherten, also war es höchste Priorität, einen Schlafplatz zu finden. Leichter gesagt als getan. Wir hatten keine Karte von Norrköping und man hatte an der Ausschilderung gespart, jedenfalls ließ sich dort kein Campingplatz finden. Egal, dann campen wir eben irgendwo in der Landschaft. Ein Schild zeigte aus der Stadt heraus in Richtung eines Naturreservates, also folgten wir ihm. Keinen Kilometer weiter fanden wir uns wieder im Grünen, und ein weiteres Schild informierte uns, dass wir auf dem Gelände eines Hundeklubs waren. Ein paar Mitglieder, die sich gerade auf den Nachhauseweg begaben, sahen uns und boten uns ihre Hilfe an. Einer holte sein Handy raus und suchte den Weg zum nächsten Campingplatz, doch seine Vereinskollegin unterbrach ihn. „Ach, es wird ja gleich dunkel. Bestimmt können sie auch hier auf dem Gelände übernachten“. Sie verschwand im Vereinsgebäude und kam nach kurzer Zeit wieder heraus. Sie lächelte: „Der Chef hat nichts dagegen. Ich mach euch das Bad und die Dusche auf.“
So hatte uns unser planloses Herumirren eigentlich an den besten Ort geführt, den wir hätten finden können – die Landschaft war schön, wir hatten eine Wiese zum Zelten und ein nettes Badezimmer ganz umsonst. Es bestätigte sich mal wieder, dass Leute mit Hunde oft sehr nett sind. Wir aßen noch schnell ein paar Happen und schliefen dann ziemlich bald ein. Immerhin hatten wir über 100 Kilometer hinter uns, und das mit jeweils rund 20 Kilo Gepäck am Rad. Der erste Tag war anstrengend gewesen.
Tag 2 der Radtour: Endlich den Kanal gefunden!
Tag zwei unserer Radtour begann sehr früh und mit einer erstklassigen Aussicht vor der Haustür (bzw. Zelteingang). Es war halb 6 Uhr morgens, kaum eine Wolke am Himmel und ein dünnes Tuch aus Nebel hatte sich über die ganze Landschaft gelegt, was ihr einen magischen Charakter verlieh. Es gelang mir nicht wirklich, diese Stimmung artgerecht zu fotografieren.
Da es draußen noch ein bisschen frisch war, kuschelten wir uns nochmal ganz kurz in den warmen Schlafsäcken ein. Plötzlich war es halb 9. Der Blick nach draußen war auch nicht mehr so nett wie zuvor. Der Neben war fort und der Himmel war nun wolkenverhangen. Wir frühstückten Müsli mit Joghurt, knabberten Kekse und füllten unsere Wasservorräte wieder auf. Um 10 Uhr kamen wir los. Heute würden wir an den Göta-Kanal fahren, dem wir dann quer durch Schweden folgen würden.
Der Blick aus dem Zelt um halb 6
Das Eingangsschild des Hundeclubs, auf dessen Gelände wir übernachteten
Unser Camp
Uns war nach einem warmen Zweitfrühstück, also fuhren wir nicht weit, sondern bogen in den nächsten McDrive ein. Wir bestellten an der rauschenden und knackenden Sprechanlage vier Portionen Pommes, und bekamen dann zwei ausgehändigt. Hm. Naja, dann ist es eben billiger. Nach den Pommes (die waren schnell weg!) holten wir im Baumarkt noch schnell einen weiteren Rucksacküberwurf, um das Gepäck auf meinem Rad besser zu schützen, und neue Heringe. Dann machten wir uns daran, aus Norrköping heraus und nach Süden weiter zu fahren, so schwer würde das auch ohne eine Karte doch nicht sein.
Wie man sich irren kann. Auf unseren früheren Reisen sind wir ja gelegentlich auf Irrgärten und Labyrinthe gestoßen – zum Beispiel auf den einen im gallischen Dorf in der Bretagne, oder einen tollen Irrgarten in einem englischen Garten… so was isst Norrköping zum Frühstück! Wir kamen einfach nicht aus dieser Stadt heraus. Ob es an der fehlenden Fahrradinfrastruktur lag, unserem Mangel an Kartenmaterial oder einem bösen Fluch, den eine Hexe auf uns gelegt hat, weiß ich nicht. In Göteborg, einer ungleich größeren Stadt, würden wir uns zwei Wochen später ohne weiteres zurechtfinden.
Jetzt waren wir aber in Norrköping und nicht in Göteborg, und nach zwei geschlagenen Stunden des Herumirrens hatte sich an unserer Situation kaum etwas geändert. Der einzige Weg aus Norrköping heraus schien eine der vielen Autobahnen zu sein. Wir hatten fast jeden Stadtteil schon gefühlte drei mal besucht als uns endlich jemand erlöste. Ein Mädchen schickte uns eine Straße entlang, die irgendwann an einem See endete, an dem wir auf Trampelpfaden entlangfahren konnten. Wir kamen in ein Dorf namens Lindö, aus dem eine Landstraße herausführte. Geschafft! Nach über drei vollen Stunden und einem ganz schönen Umweg waren wir wieder auf dem richtigen Weg. Leider war ich in Norrköping zu genervt, um Fotos zu machen.
Die Landschaft machte unsere Frustration bald wieder vergessen. Sie war nicht spektakulär, sondern einfach nur schön. Es machte richtig Spaß, einfach nur der Straße zu folgen und die Wiesen und Wälder zu betrachten.
Unser Ziel war Mem, der Anfangspunkt des Göta-Kanals. Von dort aus würden wir am Wasser entlang nach Westen fahren, vorbei an den größten Seen Schwedens, bis nach Göteborg.
Wir fuhren gemächlicher als am Vortag, denn bis zum Kanal war es nicht mehr weit und wir hatten ja genug Zeit. Die letzten beiden Kilometer bis nach Mem machten besonders Spaß, weil es leicht aber stetig bergab ging. Mem liegt an der Ostsee und daher auf Meereshöhe.
Wir bekamen auch gleich Kanal-Action mit, denn ein Boot wurde geschleust. Wir machten also eine Pause und schauten uns den gemächlichen Vorgang an. Es dauerte eine Weile, bis das Wasser aus der Schleuse abgelassen war. Auch die Schleusentore bewegten sich in Zeitlupe. Aber es eilte ja auch nicht.
Die Landstraße nach Mem
Endlich! Die ertse Schleuse des Göta-Kanals.
Die Schleusentore öffnen sich.
Neues Wasser wird nachgefüllt
Als das Boot wieder auf seinem Weg und unsere Neugierde befriedigt war, entschieden wir uns zum Weiterfahren. Wir wollten den nächsten Campingplatz aufsuchen und dort übernachten, auch wenn wir noch lange nicht so weit gefahren waren wie am Tag zuvor. Der Radweg am Göta-Kanal war toll. Man fuhr direkt am Wasser entlang, keine zwei Meter vom Ufer entfernt. Und an den Böschungen gedieh die Vegetation prächtig. Es war so grün!
In Söderköping, der nächstgelegen größeren Siedlung, kauften wir im Supermark was zu Essen und machten uns dann auf zum Campingplatz. Um fünf vor 7 kamen wir an, die Rezeption hatte laut einem Schild bis 7 Uhr auf, doch es war niemand dort. Von einem anderen Camper erfuhren wir, dass man heute vorzeitig Feierabend gemacht hatte. Wir stellten uns also unangemeldet einfach irgendwo hin. Einer der Plätze direkt am Kanal war noch frei, wie schön. Es nieselte, also warteten wir mit dem Zeltaufbauen noch und aßen erst mal zu Abend. Es gab ein schweres Körnerbrot mit viel Käse. Kulinarisch waren wir nicht sehr wählerisch – wir kauften nicht nach den Kriterien lecker und abwechslungsreich ein, sondern billig und kalorienreich. Immerhin verbrannten wir auch viele Kalorien, und irgendwo müssen die wieder herkommen. Wir schliefen wieder sehr früh ein.
Die Landschaft entlang des Kanals war sehr grün
Ein einsames Häuschen
Tag 1 der Radtour: Esra und Anja-Melanie auf Reise in Schweden.
So, jetzt sind Anja-Melanie und ich nach fast vier Wochen Rad-Tour wieder zuhause. Die Reise führte uns einmal quer durch Schweden und längs durch Dänemark. Bilanz: 1780km gefahren, im Schnitt 80km am Tag, wir hatten fünf Landkarten, nur eine einzige Panne und eine Menge Spaß.
Da die Reise nun für uns endet, kann sie ja hier auf dem Blog für euch wieder beginnen. Ich werde alle paar Tage einen Beitrag schreiben, also die Reise mithilfe unseres vollgekritzelten Logbuches rekonstruieren.
Los geht’s mit Tag eins!
Eine nette Landstraße
Anja-Melanie
Zu aller erst: Weder Anja-Melanie noch ich hatten wirklich eine Ahnung, wie das mit dem Radreisen genau funktionieren würde. Wir hatten sowas noch nie gemacht, also galt es, das durch Versuch und Irrtum herauszufinden! Wir hatten ein gutes Stück Recherche betrieben und einfach mal alles eingepackt, was uns eventuell nützlich werden könnte: Kleidung für mindestens fünf Jahreszeiten, genug Werkzeug um eine ganze Fahrradwerkstadt zu eröffnen (okay, das ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber wir waren für alle Eventualitäten gewappnet), ein erste Hilfe Kit und noch einen Haufen anderer Dinge. Auf jeden Fall waren unsere vier Fahrradtaschen fast bis zum überquillen vollgestopft.
Nur eines hatten wir noch zwei Tage vor der Abfahrt nicht: genug Kartenmaterial. Im Buchladen holten wir uns also schnell noch eine für Mittel-West-Schweden, und für den Göta-Kanal hatten wir auch was, nur für die ersten 150km zum Anfang des Kanals ließ sich nichts finden. Kein Problem! Dann drucken wir uns eben mithilfe von Google Maps selbst eine. Ein paar Screenshots machen, gut zusammenstoppeln und ausdrucken, fertig! Ließ zwar qualitativ ein wenig zu wünschen übrig aber immerhin hatten wir etwas.
Das Klischee ist Fakt: die Schweden wohnen fast allesamt in roten Häuschen!
Am großen Tag standen wir dann sehr früh auf, um früh loszukommen. Wir waren bei unseren Freunden in Schweden. Außer uns und Aron (meinem Kumpel) war niemand da, der Rest meiner Familie war auf den Aland-Inseln und der Rest von Arons Familie war entweder in Göteborg oder in Nordschweden. Wir machten Pfannkuchen und versuchten, uns zu beeilen. Leider ging sehr viel Zeit mit dem Beladen der Räder ins Land, denn wir hatten das vorher nur halb geprobt und das Gepäck sollte nach Möglichkeit nicht abfallen. Gar nicht so einfach.
Um halb 11 kamen wir schließlich los. Das Wetter war ganz nett, und die Landstraßen waren leer wie eine Skipiste im Hochsommer. Die Autos, die uns in einer Stunde begegneten, ließen sich an den Fingern abzählen. Um uns herum: Wälder, Seen, rote Häuschen. Das würde sich auf den kommenden 800 Kilometern nur wenig ändern.
Unser erstes Ziel war Katrineholm, die nächstgelegene Stadt. Von dort aus würden wir uns nach Süden, Richtung Norrköping (sprich: Norrschöping) navigieren. Nach Katrineholm fanden wir mithilfe unserer provisorischen Karte und den Ortsschildern auch ohne Weiteres. Dann wurde es allerdings kompliziert, denn auf der Autobahn konnten wir nicht nach Norrköping fahren. Wir mussten uns selbst einen Alternativweg suchen. Außerdem hatte es angefangen zu regnen.
Wir hielten uns also Richtung Süden und genossen das frische, kühle Wasser. Naja, nicht wirklich. Aber immerhin wurde die Wasserdichtigkeit unseres Gepäcks gleich am Anfang auf die Probe gestellt. Am Abend sahen wir, dass die Müllsäcke, die das Zelt und meinen Schlafsack plus Isomatte beinhalteten, dicht hielten. Und nach einer Stunde oder zwei war es auch schon wieder vorbei mit dem Wolkenbruch.
Anja-Melanie schützte das gepäck auf ihrem Rad mit einem Rucksacküberwurf in Übergröße
Mein Packesel. Die Müllsäcke hielten zum Glück dicht.
Pferde am Straßenrand
Wir fuhren im Zickzack nach Norrköping, denn die tollen, einsamen und angenehm befahrbaren Landstraßen hatten einen klitzekleinen Nachteil: viele von ihnen endeten abrupt an der Autobahn und wir durften sie wieder retour befahren. Mit einer etwas detailgenaueren Karte hätten wir uns wohl besser geschlagen, aber was soll’s. Fährt man eben etwas mehr.
Irgendwann gerieten wir auf einen Radweg nach Norrköping, dem wir dann folgten. Seine Beschaffenheit war so vielfältig wie das Wetter im April. Mal rollten wir gemütlich auf asphaltierten Radwegen, mal ging es auf der Straße weiter, oder wir holperten auf Schotter durch den dichten Wald. Ein oder zwei mal folgten wir sogar Trampelpfaden. Meine dünnen Straßenreifen gaben mir zu verstehen, dass sie damit nicht allzu zufrieden waren.
Ein typischer Waldweg
Wir machten viele Pausen zum Trinken oder zum Snacken
Da haben wir uns wohl ein bisschen verfahren…
Abgesehen von den Pfannkuchen zum Frühstück hatten wir bis zu den Abendstunden nur Kekse und Obst zu uns genommen, und unsere Mägen fingen an zu knurren. Wir suchten uns eine Parkbank und machten den leckeren Fruchtjoghurt auf, den es in Schweden in Tetrapacks zu kaufen gibt. Dazu gab es noch mehr Kekse und Obst.
Es begann allmählich zu dämmern, als wir uns Norrköping näherten, also war es höchste Priorität, einen Schlafplatz zu finden. Leichter gesagt als getan. Wir hatten keine Karte von Norrköping und man hatte an der Ausschilderung gespart, jedenfalls ließ sich dort kein Campingplatz finden. Egal, dann campen wir eben irgendwo in der Landschaft. Ein Schild zeigte aus der Stadt heraus in Richtung eines Naturreservates, also folgten wir ihm. Keinen Kilometer weiter fanden wir uns wieder im Grünen, und ein weiteres Schild informierte uns, dass wir auf dem Gelände eines Hundeklubs waren. Ein paar Mitglieder, die sich gerade auf den Nachhauseweg begaben, sahen uns und boten uns ihre Hilfe an. Einer holte sein Handy raus und suchte den Weg zum nächsten Campingplatz, doch seine Vereinskollegin unterbrach ihn. „Ach, es wird ja gleich dunkel. Bestimmt können sie auch hier auf dem Gelände übernachten“. Sie verschwand im Vereinsgebäude und kam nach kurzer Zeit wieder heraus. Sie lächelte: „Der Chef hat nichts dagegen. Ich mach euch das Bad und die Dusche auf.“
So hatte uns unser planloses Herumirren eigentlich an den besten Ort geführt, den wir hätten finden können – die Landschaft war schön, wir hatten eine Wiese zum Zelten und ein nettes Badezimmer ganz umsonst. Es bestätigte sich mal wieder, dass Leute mit Hunde oft sehr nett sind. Wir aßen noch schnell ein paar Happen und schliefen dann ziemlich bald ein. Immerhin hatten wir über 100 Kilometer hinter uns, und das mit jeweils rund 20 Kilo Gepäck am Rad. Der erste Tag war anstrengend gewesen.
Aland Impressionen
Natürlich erleben wir immer soviel mehr, als wir berichten können. Ein paar Erlebnisse, Impressionen und Wissenswertes möchten wir hier mal bunt zusammengewürfelt präsentieren.
Leuchttürme
Ihr wundert Euch sicher, warum wir auf Inseln unterwegs sind, wir schön Strände und Campingplätze zeigen, aber keinen Leuchtturm? Ja, auf den Aland Inseln sind Leuchttürme nicht so einfach zugänglich und wir waren etwas spät in der Saison. ABER, die Postbriefkästen sehen wie kleine Leuchttürme aus, und die gibt es zahlreich auf den Inseln.
Postkasten auf Aland
ein kleiner Leuchtturm von der Fähre aus aufgenommen
Schäreninseln
Wir haben insgesamt sieben der 6700 Aland-Inseln besucht. Auf der Radtour waren wir auf „Mainland Aland“, Föglö, Kumlinge und Vardö. Mit dem Wohnmobil waren wir auf Mainland Aland, Kökar, Föglö, Kumlinge, Brandö und Jurmo. Ich finde, wir haben in den vier Wochen einen recht umfassenden Eindruck erhalten können. Jetzt träume ich davon, die Inseln auch im Winter zu besuchen.
Abendstimmung in Lumparland
Unser Wohnmobil im nördlichsten Zipfel von Vardö
typische Bootshäuser auf Aland
Rad- und Kajakfahren
Die Aland Inseln eignen sich ausgezeichnet für beide Sportarten. Wir erprobten beides, wobei wir mit dem Kajak nur eine Tagestour machten. Die Entfernungen auf den Schäreninseln bewegen sich zwischen 10 und 30 km, man sollte allerdings genügend Essen mitnehmen, weil die kleinen Lädchen – die zwar alles Wichtige anbieten – nur kurze Ladenöffnungszeiten haben.
Peter und Sandra machen sich fertig für eine mehrtägige Kajak Tour auf Aland
Wanderungen
Wir haben außer einer langen Wanderung noch mehrere kurze unternommen. Falls ihr also eine Aufenthalt auf den Aland Inseln plant und gerne lauft – das gibt es viel Auswahl! Die Schilder an den Startpunkten sind meist auf Schwedisch, Angaben zur Länge der Wanderung sind oft nicht angegeben. Doch Visit Aland in Marienhamn hat gute Informationen mit kleinen Karten zu allen Wanderwegen auch auf Deutsch. Diesen Teil machen wir bald ausführlicher – wir schaffen nicht alles von unterwegs.
Wir machten noch folgende kurze Wanderungen:
Aussichtsturm auf Geta
Im Innern des Turms
Ein Vogel versuchte vergebens den Tumr zu verlassen – wir halfen ihm schließlich wieder in die Freiheit
Fähren
Die Fähren sind mit das wichtigste Beförderungsmittel in Aland. Es gibt die großen Autofähren mit Verbindung zum Festland nach Schweden und Finnland, und die kleineren Fährschiffe, die zwischen den einzelnen Inseln operieren. Dann gibt es im Sommer noch spezielle Fahrradfähren, und dann die kostenlosen Kabelfähren für die kurzen Verkehrsverbindungen über die Meerengen.
Die Fähren sind innen sehr gemütlich, in fast allen gibt es etwas zu Essen und auch freies Internet.
Kostenloses Wifi gibt es auch in der Visit Aland Touristeninformation in Mariehamn, da habe ich mehrere der Blogbeiträge hochgeladen.
Unser Wohnmobil auf einer Kabelfähre
eine der größeren Fähren
Fähre in Föglö
Fähre
Museen
Es gibt zahlreiche Museen auf den Aland-Inseln. Leider haben wir nur wenige davon besuchen können, weil wir außerhalb der Saison reisten, so waren viele bereits geschlossen. Meistens war es möglich, trotzdem die Außenanlangen zu besichtigen.
Bootsbaumuseum Sjökvarteret, Mariehamn
Bootsbaumuseum Sjökvarteret, Mariehamn
Im Hafen des Bootsbaumuseum Sjökvarteret, Mariehamn
Kirchen
Wir besichtigten einige, zeigen sie jedoch nicht immer im Blog. Wir fanden die Kirchen recht interessant und immer in sehr gutem Zustand.
Im Inneren der Kirche
Kirche in Vardö
Küstenregionen und Fotografie
Aland ist sehr waldreich, wir fanden kaum Stellen, von wo wir ungehinderten Blick auf den Sonnenuntergang über dem Meer hatten. Das Wasser der Meeresarme war jedoch oftmals spiegelglatt und gut für stimmungsvolle Bilder. Es gibt außerdem zahlreiche Badeplätze mit Stegen, wo man schwimmen kann. Was wir auch taten.
Mit Klippen meinen die Leute auf Aland diese schönen Felsregionen, die wir in den vorherigen Blogbeiträgen gezeigt haben. Wir hatten anfangs an Steilklippen gedacht, es sind aber mehr die flachen, glattgeschliffenen Granitflächen. Diese Felsen sind meist nur über enge Feldwege zu erreichen – es ist also gut, ein Fahrrad dabei zu haben. Der Strand bei Degersand ist der bekannteste Sandstrand auf den Aland-Inseln.
Degersand
Gunter fotografiert mit der kleinen Canon EOS
Ein klarer Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung
Es gibt nur in wenigen Regionen Straßenbeleuchtung, und auch die Häuser haben in der Regel keine Außenbeleuchtung. So kommt man in den Genuß eines dunklen Nachthimmels an dem, sollte er wolkenfrei sein, tausende Sterne funkeln.
Selbst im Wald wunderschön, der Sternenhimmel
Lebensmittel von den Aland-Inseln
Über das Brot haben wir bereits ausführlich geschrieben, und dass Aland ein gutes Klima für Apfelbäume hat, haben wir auch erwähnt. Im Supermarkt findet man noch die schmackhafte Alandbutter und den Alandkäse. Unsere Kinder mochten die lokalen Taffel-Kartoffelchips besonders gern. Es gibt bei der Fabrik auf Prästö einen Werksverkauf, wo wir uns mit Chips und Schokolade eindeckten.
Vorm Laden der Chipsfabrik
Ich lade im Visit Aland Touristcenter Blogbeiträge hoch
Die live Reiseberichte über die Aland Inseln mit zahlreichen Interviews
Aland: Die Felsstrände von Geta – und warum sie sich vor uns versteckten
Der Gedanke, dass Aland Mainland eine lange Küstenlinie haben muss, ließ uns nicht los. Warum nur gab es keine Wege dahin? Wir fragten uns durch, doch außer HavsVidden wußte niemand eine Stelle, die man auch anfahren konnte. Bis wir einen Studenten der Naturfotografie trafen. „Ja klar, es gibt natürlich schöne Strände.“ Also fuhren wir abends zusammen über kleine Schotterwege kilometerweit durch den Wald. An einem Bauernhof parkten wir, und liefen nochmal eine Viertelstunde bis zum Ufer, und da tat sich eine traumhafte Küste auf.
Salzkruste auf den Felsen
Mein Herz schlug höher, der Fotograf in mir jubelierte. Wow! Wir waren spät dran, das Licht gerade perfekt, viel Zeit blieb uns nicht, da war die Sonne auch schon weg. Das Meer lag ruhig, es gab keine Wellen – im Herbst würde es aber richtige, gewaltige Brandung geben. Dann sähe es hier ganz anders aus. Der Sturm, den wir auf Kökar gespürt hatten, hatte hier die Wellen weit auf die Felsen hinauf geworfen. Die waren in den darauffolgenden sonnigen Tagen getrocknet, eine feine Salzkruste verzierte nun die ansonsten roten Felsen. So fein gepudert sahen die Felsen nochmal besser aus. Auch das wäre ungewöhnlich.
Salzkruste auf den Felsen, Geta, Aland
Salzkruste auf den Felsen, Geta, Aland
Küste bei Geta, Åland, Finnland
Küste in Geta, Aland
Wunderbare Nachtstimmung aber kein Nordlicht
Wir fragten den Bauern, der im Sommer Segeljachten in seinem kleinen Hafen empfängt, ob wir in siner Einfahrt übernachten dürften. Denn es war Nordlicht angesagt und der Strand bot eine freie Sicht nach Norden – auf den Aland Inseln eine Seltenheit. Wir durften bleiben.
In der Nacht wanderten wir durch den mondbeschienenen Wald, es war absolut ruhig, die Sterne standen nicht ganz so zahlreich am Himmel. Wir saßen ein paar Stunden auf den Felsen, bis unsere Taschen und Jacken durch die sich niederschlagende Luftfeuchtigkeit klatschnass wurden. Hätten wir unsere Isomatten und Schlafsäcke mitgebracht, ich hätte wohl trotzdem unter dem Sternenhimmel übernachtet. Die glatten Felsen, die reflektierenden Wasserbecken und der nächtliche Himmel fühlten sich fremdartig faszinierend an. Mir ging es gut, auch wenn sich kein Nordlicht zeigen wollte.
Da wir am nächsten Morgen wieder früh am Meer beginnen wollten, schlichen wir bald ins Bett.
Sterne in der Nacht, Geta, Aland
Morgenstimmung auf flachen Felsen
Bei Sonnenaufgang waren wir wieder unterwegs. Das Licht war weich – doch leider war der Himmel absolut wolkenlos und die Sonne schien aus der falschen Richtung auf den Strand. Gunter konzentierte sich lieber auf die Details in und an den Wasserbecken, ich mühte mich etwas mit den Felsen am Wasser ab. Diese Küste strahle eine extrem friedliche Stimmung aus. Wir bewegten uns langsam und mit Bedacht. Die Arbeit war meditativ. So sollten alle Tage beginnen!
Geta, Åland, Finnland
Geta, Åland, Finnland
Küste bei Geta, Åland, Finnland
Küste bei Geta, Åland, Finnland
Küste bei Geta, Åland, Finnland
Amy und Noah am Strand, Aland
Wo Bäume noch wachsen können?!
Gras und Spinnenwebe zwischen den Felsen
Der Badestrand und eine schwimmende Schlange
Wir verbrachten den sonnigen Teil des Tages an einem Badestrand in Geta. Die Füße hingen im halbwegs warmen Wasser, schwimmen wollten wir nicht, waren selbst dazu zu faul, außerdem war das Meer ziemlich algenreich. Amy, Noah und ich erzählten über Gott und die Welt, als eine Schlange an uns vorbeischwamm. Jetzt hatte Amy schon gar keine Lust mehr aufs Schwimmen. Es war wohl nur eine Ringelnatter gewesen.
Badestrand in Geta
Amy läßt die Seele und die Füße baumeln
Gefährliche Tiere Alands
Wir hatten leider wieder Zecken eingefangen, fanden sie aber noch, als sie sich gerade blutsaugend andocken wollten. Es gibt zwei gefährliche Tiere auf den Aland Inseln (so wie in Schweden und Finnland auch) und das sind die Zecke und die Kreuzotter. Wobei die Kreuzotter normalerweise auf Abstand geht, nur diese Zecken halt nicht. Wir haben uns angewöhnt, uns abends gegenseitig abzusuchen und finden die meisten Zecken schon bevor sie saugen. Anfangs fanden wir das sehr unangenehm, mittlerweile ist es Routine.
Geta hat zahlreiche fantastische Strände
Am Abend trafen wir uns wieder mit dem Studenten, der Lieblingsstrand seines Lehrers, war heute dran. Doch wieder waren wir etwas zu spät für unseren Geschmack – ich brauche immer etwas Zeit, bis ich mich an einen neuen Ort gewöhne und Motive sehe, und schwupps, da war auch schon wieder die Sonne weg. Die versteckt sich hier leider oft etwas früher hinter dem Wald.
Geta, Aland
Geta, Aland
Geta, Aland
Geta, Åland, Finnland
Geta, Åland, Finnland
Küste bei Geta, Åland, Finnland
Felsen im Abendlicht, Geta, Aland
Steine und Felsplatten, Geta, Aland
Ein Wald steht Kopf
Ein Fels und eine Welle im Abendlicht
In der Nähe des Fähranlegers von Eckerö hatten wir einen Küstenabschnitt gefunden, wo wir die Sonne im Meer versinken sahen. Dort fotografierte ich dann nicht nur die Sonne, sondern das Glitzern der untergehenden Sonne auf einem Fels, den kleine Wellen umspülten. Solche Motive und Gelegenheiten liebe ich über alles!
Wellen im Abendlicht
Wellen im Abendlicht
Die live Reiseberichte über die Aland Inseln mit zahlreichen Interviews
Degersand – Sandstrand und Wellen auf Aland
Die Ruhe auf den Aland-Inseln erwähnten wir bereits mehrere Male. Da wir in Geta jedoch keinen weiteren Küstenzugang fanden, fuhren wir nach Degersand auf Eckerö. Wir hatten gehört, dass es dort Sandstrand mit Wellen geben sollte. Das machte uns natürlich neugierig.
Wir hatten noch Homeschooler besucht – dazu aber bald mehr – und waren spät dran. Als wir schließlich unsere Füße im weichen Sand des Strandes steckten, leuchtete nur noch das Mondlicht. Wir schnappten direkt die Kameras und legten los, während die Wellen vor sich hinplätscherten. Was für ein beruhigendes Geräusch. Ich hatte noch die kurzen Hosen an und fror im kühlen Wind. Das Licht war mir wichtiger als die kalten Beine. Gunter war bereits im Mobil verschwunden – wegen der Steckmücken.
Nach Sonnenuntergang am Strand von Degersand, Aland
Sandstrand im Mondlicht
Degersand im Mondlicht, Aland
An diesem Strand tummeln sich im Sommer die Touristen. Jetzt waren gerade mal drei, vier Camper da. Doch die Urlaubsstimmung hing noch über der Region. Wir saugten irgendwie diese Schwingung auf und wurden davon träge.
In den nächsten 2-3 Tagen machten wir nicht viel. Schrieben für das Blog, luden nach und nach die Beiträge hoch – zum ersten Mal hatten wir bequemes Internet, nämlich das Wi-Fi des Platzes im Mobil.
Amy und Noah machten Spaziergänge und saßen stundenlang auf den Felsen und schauten auf die Wellen. Der Himmel war tagelang wolkenlos, wir fotografierten also nur abends eine Stunde. Morgens kam die Sonne zu spät hinter dem Wald hervor.
Neben uns stand ein schwedisches Mobil. „Tolles Wetter, schöner Strand!“ so schnell bin ich im Gespräch. Wir quatschten, hatten Spaß, erzählten immer wieder auf dem Weg zum Klo oder zur Küche.
Das Mondlicht zog eine silberne Straße über das Meer, die Sterne funkelten fröhlich, es zog uns raus aus dem Mobil, nachdem tagsüber immer wieder einer von uns am Rechner im sonnenfreien Mobil gesessen hatte. Ich klopfte bei den Nachbarn, dem schwedischen Rentnerehepaar. „Hey, Fernsehen geht nicht :-) wir machen ein Feuer, wollt ihr rauskommen?“ Stefan hatte uns beigebracht, mit welchem Holz man immer ein Feuer entfachen kann. Das probierten wir jetzt im Wind aus. Wir hatten trockene Flechten und Moos und die dürren unteren Äste der Nadelbäume gesammelt und zündelten mit Streichhölzern als der lustige Rentner mit Spiritus daher kam. Ein paar Spritzer und unser kleines erfolgreich angefachtes Feuerchen brannte lichterloh. Auch gut. Die beiden kramten im Mobil nach Essbarem – warm ein Feuer machen, und dann nichts grillen? Sie zauberten Würstchen und Brötchen hervor, wir verpackten Kartoffeln in Alufolie und los gings.
Am Lagerfeuer in der Nacht
Ins Feuer schauen stundenlang
Baum und Sterne, was ist Zeit und Raum?
Ab ins Bett…
Bis spät in die Nacht, uns war es längst viel zu kalt, standen wir da und sahen ins Feuer und lauschten dem Rauschen der Wellen. Ansonsten war es still!
Die live Reiseberichte über die Aland Inseln mit zahlreichen Interviews
Die einzige Eko Bäkerei Alands
Pettas – ökologische Bäckerei
Nach der Nacht in Havsvidden erkundeten wir die Gegend um Geta und fuhren zum Fahrradfähranleger, der leider nur ein paar Wochen im Sommer zum Transport von Fahradlern genutzt wird.
In der Touristeninformation hatten wir erfahren, dass auf der Strecke ein Café mit ökologischer Bäckerei liegt. Das war nicht schwer zu finden. Uns fiel bald ein bunter Garten auf, in dem ein gepflegtes Chaos aus Gemüse, Kräutern und Blumen herrschte, mittendrin ein größeres Steingebäude. Irgendwo darin versteckt ein Schild, auf dem „Pettas“ stand.
Das Café hatte in der Woche geschlossen, aus dem hinteren Teil des Grundstücks kam uns aber ein stämmiger Mann und seine rundliche Frau in Arbeitsmontur entgegen, luden uns herzlich auf eine Tasse Kaffee und Kuchen ein und wir unterhielten uns angeregt.
Karin und Ulf
Die oberen ehemaligen Schulräume dienen als Raum für Konferenzen oder Feiern
Karin und das Bäckerei Maskottchen
Das besagte Gebäude mit der Bäckerei diente bis 1965 als Schule und wird dieses Jahr 100 Jahre alt. Ulf und Karin hatten es vor einiger Zeit samt weitläufigem Grundstück erworben und ihre ökologische Bäckerei mit Café eingerichtet. Ihre Spezialität ist das Boot-Brot, sehr energiereich mit viel Samen und Rosinen für das Saftige. Das hält gut eine Woche frisch, wenn es so lange überlebt.
Neben Café und Bäckerei arbeitet Ulf noch sporadisch als Übersetzer, Karen hält im Winter Backkurse und im Frühling Wildkräuterseminare ab.
Ulf führte uns in dem alten Gebäude herum, und Amy war besonders fasziniert von den alten Schulpostern mit historischen und geografischen Szenen, die teils über hundert Jahre alt waren.
Noch eine Besonderheit befindet sich auf ihrer Terasse, ein hölzerner Recycling-Ziegenbock, dessen Hörner aus einem alten Fahrradlenker und das Fell aus ausrangierten Seilen besteht. Geschaffen wurde das Tier von Juha Pykäläinen, der auch für die großen Holzelche verantwortlich ist.
Künstlerziege
Die live Reiseberichte über die Aland Inseln mit zahlreichen Interviews