Erfahrungsbericht Stativ – Rollei Rock Solid Beta
Ursprünglich hatten wir das Manfrotto 190 Carbon als Nachfolger für unsere betagten Manfrottos ausgesucht. Leider ist das Manfrotto 190 Carbon mit ziemlich „bissigen“ Schnellverschlüssen an den Beinsegmenten ausgestattet, deren Rückprall Gabi überhaupt nicht mochte. Der Rückprall fühlte sich an, wie ein elektrischer Schlag auf die Hand. Darum ging das Manfrotto wieder zurück. In dem ganzen Wust von Billigangeboten ist es nicht einfach, hochwertige Stativlinien zu finden. Und immer wieder kommen neue Marken dazu. Zufällig ist mir irgendwann das Rollei Rock Solid Carbon Alpha XL ins Auge gefallen. Das Alpha XL ist ein wahres Monster, das 60 kg tragen kann, fast 2 Meter hoch ist, schlappe 3,5 kg wiegt, und „nur“ 700 Euro kostet. Es ist relativ gesehen nicht wirklich teuer im Vergleich zu Gitzo, Sachtler und Co., für unsere Zwecke ist es trotzdem völlig überdimensioniert.
Zum Glück hat das Alpha XL noch eine Reihe kleinerer Geschwister, das Alpha, das Beta und das Gamma. Parallel dazu gibt es die Rock Solid 180 Linie mit Schnapp- anstelle von Drehverschlüssen und schwenkbarer Mittelsäule. Die 180er Linie trägt aber konstruktionsbedingt weniger Nutzlast, dafür ist sie alternativ in Alu-Ausführung erhältlich. Da hatten wir plötzlich die Qual der Wahl.
Die Varianten ohne umlegbare Mittelsäule können das doppelte an Last tragen als die 180er Gegenstücke. Das hat mich überzeugt – eine verstellbare Mittelsäule und Schnappverschlüsse brauchen wir nicht unbedingt, Stabilität und Robustheit haben Priorität. Mein Aufmerksamkeit richtete sich auf das zweitkleinste Stativ der Linie, das Rock-Solid Beta.
AKTUELL: Inzwischen gibt es die Rock Solid Stativlinie schon als Mark II. Und noch eine volle Stufe hochwertiger angesiedelt hat Rollei seine Lion Rock Serie

Rock Solid Carbon Beta und Gamma von Rollei in Santa Cruz, Portugal
Die Spezifikationen des ROLLEI Rock Solid Carbon Beta:
- Professionelles Stativ – für einen sicheren Stand der Kamera – Stativrohre aus 100% Carbon – Gewicht 1720g – Maximale Höhe 165cm – Maximale Traglast 22kg
- Packmaß 51,5 cm (Beine 180° umgeklappt), wobei die Stativtasche 67 cm lang ist
- Beindurchmesser 32 / 28 / 24 / 21 mm
- 8 Carbonlagen in Kreuzstruktur gefertigt für eine extreme Stabilität – optimale Schwingungsdämpfung bei Einsatz von Optiken mit großen Brennweiten
- Stabil und vor Korrosion geschützt – Robust und stark – an jedem Einsatzort, auch im Sand und Salzwasser! – Geeignet für alle Temperaturen
- Ideal für bodennahe Aufnahmen – Speziell für Reise- und Naturfotografen konzipiert – Spikes für einen sicheren Halt
- Ein Stativbein abschraubbar, mit Mittelsäule als Einbeinstativ verwendbar
- Unverbindliche Preisempfehlung: 399,99 Euro. Der Straßenpreis liegt nur unwesentlich tiefer.

Das Zubehör. Im Seitenfach der Stativtasche befinden sich die kurze Mittelsäule, drei Spikes und drei Inbusschlüssel
Der erste Eindruck
Das Rollei-Stativ kommt produkttypisch in einem länglichen Karton, dieser enthält:
- eine robust wirkende gepolsterte Nylontasche, und darin:
- das Rock Solid Carbon Stativ Beta
- eine kurze Mittelsäule
- drei einschraubbare Spikes
- drei Inbus-Schlüssel
- eine Bedienungsanleitung
Als ich das Beta-Stativ aus der Tasche hole, war mein einziger Gedanke: „Wow, ist das Fett!“ Der Durchmesser der oberen Carbonbeine ist mit 32 mm imposant, zwei der Beine haben eine Moosgummi-Ummantelung, das dritte eine extravagante Lederscheide. Das lässt das Rock Solid Beta noch massiger erscheinen. In Relation dazu fühlen sich die 1720 Gramm geradezu leicht an.
Schnell sind die Beine auf Vollauszug herausgezogen, die Drehverschlüsse sind mit einer Vierteldrehung aus dem Handgelenk schnell gelöst und auch wieder fixiert.

Alle drei Verschlüsse lassen sich gemeinsam mit einem kurzen Dreh öffnen oder arretieren
Da steht es nun mit voll ausgefahrener Mittelsäule vor mir im Zimmer. Ich stütze mich auf das Zentralgelenk, versuche es zu verwinden, stoße es an, um ein Schwingen zu provozieren. Nichts passiert. Wie ein gutmütiger Riese sitzt es da und ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen.
Die maximale Traglast scheint nicht übertrieben zu sein, wie bei so vielen anderen Dreibeinen. Ich hätte Lust, mich einmal dranhängen und zu schaukeln. Das Rock Solid Beta könnte das aushalten, aber ich kann mich beherrschen. Schließlich bringe ich gut das Vierfache der empfohlenen Nutzlast mit.
Bedienung und Funktionen
Das Lösen und Fixieren der Drehverschlüsse geht wesentlich zügiger, als ich mir das vorgestellt habe. Ich kann alle drei Verschlüsse eines Beines gemeinsam mit einem kurzen Dreh aus dem Handgelenk lösen. Das gleiche beim Zusammenschieben. Erst löse ich die Drehverschlüsse einzeln, schiebe dann die Beinsegmente zusammen und fixiere die Drehverschlüsse wieder gleichzeitig mit einem Dreh..
Zum Verändern der Beinspreizwinkel müssen die drei Anschlagplatten am Kopfende herausgezogen werden. Sie haben keine Rückholfeder, sondern bleiben draußen, was mich anfangs irritiert hat. Jedes Bein lässt sich um volle 180° stufenlos nach oben klappen. Durch das Einschieben der Anschlagplatte sind drei feste Abspreizwinkel vorgegeben. Ich nenne sie „Normal,“ „Breitbeinig“ und „Bodennah.“ Für die bodennahe Position muss entweder die Mittelsäule hochgefahren werden, was unsinnig ist, oder die kurze Mittelsäule verwendet werden, was einen kurzen Umbau erfordert. Vorausgesetzt man hat die kurze Mittelsäule dabei.
[caption id="attachment_20503" align="aligncenter" width="860"]
Entriegelte Beinanschlagsplatte – das Stativbein lässt sich 180° nach oben klappen[/caption]
[caption id="attachment_20502" align="aligncenter" width="860"]
Verriegelt arretiert die Anschlagplatte das Stativbein in drei Positionen[/caption]
Vorher: Entriegelte Beinanschlagsplatte – das Stativbein lässt sich 180° nach oben klappen
Nachher: Verriegelt arretiert die Anschlagplatte das Stativbein in drei Positionen
Beim Einsatz des Rollei-Stativs für Tabletop-Aufnahmen habe ich die Anschlagplatten ausgefahren gelassen. So kann ich für Änderungen der Kameraposition die Beinwinkel bequem stufenlos verstellen. Trotz des fehlenden Beinanschlages hat sich nichts verstellt, kein Bein ist weggeklappt. Die werksseitig eingestellte Spannung der Stativbeinbefestigung ist ausreichend straff gewählt, damit eine Kamera mit Standardzoom noch sicher steht. Dabei lässt sich der Widerstand der Stativbeinbefestigung auch einfach über je zwei Inbusschrauben einstellen.
In einem Punkt kann ich zarte Kritik üben. Die Moosgummibeine sind für Gabis Hände zu voluminös. Wahrscheinlich tun sich da Frauen mit kleineren Händen schwer. Und die Lederscheide hat einen innenliegende Naht, die ihr Griffgefühl gestört hat. Das ist aber inzwischen kein Thema mehr, Gabi hat sich dran gewöhnt. Ansonsten hätte ich Abhilfe geschafft, indem ich eine Moosgummihülle entfernt und durch Fahrradlenker- oder Tennisschlägerband ersetzt hätte. Wie ich es bei meinem alten 055er Manfrotto gemacht habe – hier zu sehen.
Modifikationen und Umbau
Spikes und Gummifüße
Zum Wechseln der Gummifüße muss man sie nur abschrauben und die beiliegenden Spikes eindrehen, fertig. Gummifuß- und Spikesgewinde haben eine rote Gummi- oder Silikondichtung, damit kein Wasser in die Stativbeine eindringen kann. Zum festen Anziehen oder zum Lösen zu stramm angezogener Spikes steckt man einfach einen der beiliegenden Inbusschlüssel in das Querloch der Spikes und nutzt die Hebelwirkung.

Die Gummifüße sind einfach abzuschrauben, das Rote ist die Silikon(?)-Dichtung, die zuverlässig das Eindringen von Feuchtigkeit verhindert.

Rock Solid Carbon Beta von Rollei in Porto Covo, Portugal. Auch Salzwasser macht den Carbonbeinen nichts aus.
Demontage der Stativbeine
Sollte doch einmal Wasser, Salz oder Dreck in ein Stativbein eingedrungen sein, lässt sich die Fixierschraube komplett lösen und das Beinsegment herausziehen. Aber bitte vorsichtig! Am Ende des Segments befinden zwei Kunststoffplättchen, die ein versehentliches Herausgleiten des Beines, und auch das Verdrehen im montierten Zustand verhindern.

Demontiertes Stativbein mit den beiden Führungsblättchen
Beim Einsetzen musst du die Plättchen in Position bringen und das Bein in korrekter Stellung sachte wieder zurück schieben. Dabei achte gut auf die exakte Ausrichtung, als Verdrehschutz sind an den Innenwänden der Beine zwei Stege angebracht, die genau im Spalt zwischen den beiden Blättchen laufen.
Ach ja, das Stativbein mit der Lederumhüllung lässt sich abschrauben und mit der herausgezogenen Mittelsäule verschrauben. Damit hast du ein Einbeinstativ, mit dem auch 2-Meter-Naturen aufrechtstehend arbeiten können.
Wechsel der Mittelsäule
Die lange Mittelsäule lässt sich durch eine kurze ersetzen. Das ist perfekt für bodennahes Arbeiten, und spart auch Gewicht, wenn du den Mittelsäulenauszug nicht brauchst.
Zum Austauschen wird die untere Hakenplatte abgeschraubt und die Mittelsäule nach oben herausgeschoben. Dann löst du die Sicherungsschraube des Auflagetellers mit dem 3mm-Inbusschlüssel, drehe den Teller aus der Säule und schraube ihn auf die kurze Säule. Die steckst du in die Mittelsäulenaufnahme und ziehst die Fixierschraube an, fertig. Leider kann die Hakenplatte nicht an der kurzen Mittelsäule verwendet werden.
Beim Wiedereinsetzen der langen Säule achte bitte auf den Verdrehschutz und vergiss nicht, die Hakenplatte wieder einzuschrauben.

Die eingebaute kurze Mittelsäule
Praxistest der Rollei Rock Solid Beta und Gamma Stative in Spanien und Portugal
Das Rollei Rock Solid Beta wurde uns von der Firma Rollei zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Wir waren von der Qualität und dem Handling so überzeugt, dass wir uns daraufhin das Rock Solid Carbon Gamma, das kompakteste und leichteste der Serie, kurz vor der Reise gekauft haben.
Vergleich des Rock Solid Carbon Gamma mit dem Beta:
- Das Gamma ist mit 1350 Gramm 370 Gramm leichter
- Die maximale Höhe von 151 cm ist 14 cm niedriger
- Die minimale Höhe ist mit 7 cm nochmal 8 cm niedriger
- Das Packmaß ist mit 47,5 cm 4 cm kürzer, die Stativtasche mit 51 cm ganze 16 cm kürzer
- Die maximale Traglast ist mit 16 kg gegen 22 kg immer noch ausreichend hoch
Mit den beiden Carbon Stativen und dem Rollei Compact Traveler No1 als Backup ging es dann auf große Tour in den Süden.
Während unserer neunwöchigen Reise entlang der iberischen und französischen Atlantikküste von Gibraltar bis Bordeaux, hatten wir täglich Gelegenheiten, die beiden Rollei-Stative ausgiebig einzusetzen und zu testen.

Gabi mit dem Rock Solid Carbon Gamma am Strand.
Ausrüstung und Zubehör
Das Rollei Rock Solid Beta hält in der Praxis, was es schon beim Auspacken angedeutet hat. Bestückt mit einem Linhof Kugelkopf II und einem kompakten Novoflex Miniconnect Schnellspannsystem bot es sicheren Halt in fast allen Situationen. Die kurze Mittelsäule hatten wir nicht eingesetzt, die mitgelieferten Spikes aber des öfteren gegen die Gummifüße getauscht.
Der Umbau zum Einbeinstativ dauert keine Minute: Hakenplatte an der unteren Mittelsäule abschrauben – Mittelsäule herausziehen – lederbezogenes Stativbein abschrauben – Abgeschraubtes Stativbein an Mittelsäule schrauben – fertig.
Der Rückbau ging genauso schnell.
Das Rock Solid Gamma war der Favorit, wenn nur ein Stativ auf eine Tour mitgenommen wurde. Wir haben das Gamma mit einem FLM Centerball 38 E und dem breiteren Novoflex Miniconnect Schnellspannsystem eingesetzt.
Unser erstes Rolleistativ hatten wir bereits ausführlich letztes Jahr in der Bretagne getestet. Wir waren von dem kleinen Rollei Compact Traveller No1 so begeistert, da waren wir auf die beiden „großen“ Rock Solid Stative gespannt.

Familienähnlichkeit: Das Rock Solid Beta mit FLM-Kugelkopf im Größenvergleich zum Rollei Compact Traveler No.1
Die mitgelieferten Tragetaschen sind gut gepolstert und schützen die Stative beim Transport. Der Tragegurt ist allerdings eine Zumutung bei beiden Modellen. Ausreichend breit ist er, aber scharfkantig und ohne Polsterung. Der Handgriff hat immerhin eine Neopren-Umhüllung, die dem Tragegurt sicher auch gut gestanden hätte.
Das können wir vielleicht hinnehmen, wenn wir mit Outdoorjacken in kalten Regionen unterwegs sind. Mit leichter Bekleidung im heißen Süden Europas unterwegs scheuerten die Gurtkanten unangenehm am bloßen Hals. Wir gingen dazu über, die Stative in der Hand zu tragen, um uns keine wunden Hälse zu holen.

Das Rock Solid Carbon Gamma stand oft im Wasser
Widerstandsfähigkeit in Meerwasser und Sand
Das Carbon der Stativbeine erwies sich als ausreichend widerstandsfähig gegen Kratzer, Meerwasser und Salzkrusten. Oft standen unsere Dreibeine im Meerwasser und waren von der Gischt klatschnass. Die weiße Salzschicht war mit feuchten Tüchern leicht zu entfernen.
Mehr Schwierigkeiten machte der Sand, der an dem klebrigen Gischtbelag wunderbar fest haftete. Die meiste Zeit hatten wir kräftigen bis sehr kräftigen Wind bis hin zur Sturmstärke. Mit Abbürsten und Nachwischen bekamen wir auch das in den Griff. Nur einmal mussten wir zur Reinigung ein Beinsegment zerlegen, weil Sand ins Gewinde vorgedrungen war. Das ging fix, aber man muss auf die beiden Rückhalteplättchen der oberen Beinenden aufpassen. Die sind so unscheinbar, dass sie leicht verloren gehen können.
Einige der Positionsmarken an den untersten Beinsegmenten des Gamma haben unter dem permanenten Schmirgeleffekt des Sandes gelitten. Das Gamma-Stativ hat zudem von einem festgeklemmten Sandkorn einen knapp 1 cm langen Kratzer am unteren Beinsegment erhalten. Der ist zwar als weißer Strich sichtbar aber nicht fühlbar.

Gabi bei der Arbeit mit dem Rock Solid Carbon Gamma in Portugal
Die Rollei Rock Solid Stative bei der Arbeit
Auf unseren Fototouren an Sandstränden und auf Felsklippen haben wir die Stative ohne Stativtasche in der Hand getragen. Da hat uns der scharfkantige Tragegurt nicht gestört und die Stative waren schneller einsatzbereit. Die Stativtaschen kamen nur beim Fahrradtransport auf dem Gepäckträger zum Einsatz. Da ist der Tragegurt zur Befestigung allerdings ganz praktisch und wir waren jedesmal dankbar, nicht extra mit Zurrgurten und Polstern rumhantieren zu müssen.

Aur Radtouren schützt die Tragetasche das Stativ beim Transport auf dem Gepäckträger

Mit dem Tragegurt ist das Stativ schnell und sicher auf dem Gepäckträger befestigt.
Für festen und felsigen, aber auch erdigen Untergrund mit Bewuchs waren die Spikes ideal. An den Sandstränden waren die Gummifüße die bessere Wahl, die wir zusätzlich noch kräftig in den Boden hineingedrückt haben. Das Tauschen ging einfach von der Hand, wenn man einen der mitgelieferten Inbus-Schlüssel zum Herausdrehen der Spikes mitgenommen hatte. Die Gummifüße drehten wir einfach mit der Hand los.
Die stark verbesserte Standhaftigkeit der Stative mit den Spikes erstaunte uns jedes Mal aufs Neue. Darauf möchten wir nun überhaupt nicht mehr verzichten.

Gunter arbeitet mit dem Rock Solid Carbon Beta von Rollei in Frankreich
Die Verstellkraft der Beinscharniere hat sich über die Reisedauer und unter verschiedenen Temperaturen nicht verändert. Bei Bedarf hätten wir mit Hilfe der beigelegten Inbus-Schlüssel die Verstellkraft der Beinscharniere anpassen können, das war aber nicht nötig.
Die ausziehbare Mittelsäule haben wir nur genutzt, um bequem aus Augenhöhe fotografieren zu können. Voll ausgefahren ist sie am Beta standfest und brauchbar, am Gamma ist es sinnvoll, den Mittelsäulenauszug auf die Hälfte zu beschränken. Voll ausgezogen leidet hier doch die Stabilität, wohlgemerkt unter ziemlich windböigen Konditionen.
Das eingebautes Einbeinstativ ist ein echter Mehrwert
Wir die Rollei Stative auch als Einbeinstative benutzt und waren sehr dankbar für diese Möglichkeit. Bei der Wellenfotografie mit schwerem Teleobjektiv brachte das Einbeinstativ eine fast totale Entlastung der Arm- und Schultermuskeln. So fotografiert man problemlos über längere Zeit ermüdungsfrei und kann doch blitzschnelle Richtungswechsel machen. Die Fotos sind einen ganzen Ticken schärfer als ohne Einbeinstativ. Also unser Tipp: nutze diese Funktion des Stativ unbedingt. Der Umbau geht ja super leicht und schnell von der Hand.

Gabi mit dem Rock Solid Carbon, Gamma in Carvoeiro, Portugal

Gabi mit dem Rock Solid Carbon, Gamma in Carvoeiro, Portugal

Der Farol do Cabo Carvoeiro thront auf den Klippen. 25 Sekunden Belichtungszeit bei Wind und Sturmböen.
Ein nicht Rollei-spezifisches Problem: Carbon vibriert bei Sturm
Etwas hat uns als langjährige Alu-Stativ Anhänger überrascht. Bei den permanent wehenden kräftigen, böigen Winden an der Atlantikküste fingen die Carbonbeine bei manchmal an, ganz fein zu vibrieren. Dieser Effekt war etwas stärker beim Gamma wegen der grazileren Bauweise zu spüren.
Das komplette Einfahren der untersten Beinsegmente zum Stabilitätsgewinn, wie es auch Rollei empfiehlt, war an den Sandstränden nicht praktikabel.
Mit zur Hälfte eingefahrenen Beinen und zusätzlicher Gewichtsbelastung haben wir das Vibrieren gut in den Griff bekommen. Bei Sturm arbeiteten wir schließlich einfach mehr in Bodennähe. Andere Fotografen hatten da schon längst das Fotografieren aufgegeben.
Bei unseren Alu-Stativen hat es früher ausgereicht, das Stativ zu belasten, indem wir kräftig und gleichmäßig auf den Stativkörper nach unten drückten. Die Stativbeine konnten voll ausgefahren bleiben.
Mit angepasster Arbeitsweise war die Ausbeute an scharfen Langzeitaufnahmen (länger als 10 Sekunden) in Ordnung. Das geringere Gewicht des Gamma-Statives und das komfortable und angenehme Handling wiegen den Mehraufwand beim Fotografieren locker wieder auf.
Gabi erinnerte sich in diesem Zusammenhang an ein Gespräch mit einem Fotografenkollegen auf der Ile d’Ouessant, die für ihre mächtigen Wellen und starken Stürme bekannt und berüchtigt ist. Seine erste Frage unsere Stative betreffend war: Alu oder Carbon? Aluminium wäre in stürmischem Wetter die bessere Wahl, da Carbon im Wind leichter zu schwingen anfinge. Dieses Verhalten sei unabhängig von der Marke des Stativs. Es würde mich sehr interessieren, wer von euch auch diesbezüglich Erfahrungen gemacht hat.

Gabi bei der Arbeit mit dem Rock Solid Carbon Gamma in Portugal
Beim bewussten Anstoßen des Stativs halten beide Stative fast unmittelbar danach wieder still. Ein kurzes Zittern, dann ist wieder Ruhe. Das ist wohl die vielzitierte bessere Dämpfung von Carbon gegenüber Aluminium, das langsamer und länger schwingt. Das Carbonmaterial kehrt zwar bei einmalig kurzer Krafteinwirkung sehr schnell wieder in den Ruhezustand zurück. Bei andauernder, gleichmäßig massiver Krafteinwirkung aus der gleichen Richtung, scheinen sich die Schwingungen zu einer Art stehender Welle zu überlagern und zu verstärken, was in dem besagten Summen/Vibrieren resultiert. Nur so meine persönliche Theorie. Aber wie schon gesagt, das passiert unter ziemlich extremen Windbedingungen, da fotografieren andere schon nicht mehr.

Gunter mit dem Rock Solid Carbon Beta von Rollei in Santa Cruz, Portugal

Der markate Felsbogen von Santa Cruz. 60 Sekunden Belichtung unter stürmischen Verhältnissen
Unser Fazit
Die Rollei Rock Solid Carbon Stative wirken edel in der Materialwahl, sind hochwertig verarbeitet, lassen sich sehr gut handhaben und sind mit sinnvollem Zubehör versehen. Durch die um 180° verstellbaren Beinwinkel, kombiniert mit dem Einsatz der kurzen Mittelsäule sind sie äußerst flexibel einsetzbar, auch für bodennahe Makrofotografie. Aufgrund ihres niedrigen Gewichts sind sie als Reisestative ideal.
Die Standfestigkeit und Stabilität ist in den meisten Situationen tadellos. Dass insbesondere das leichtere Rock Solid Gamma bei starkem Wind manchmal anfängt, summend zu vibrieren und zusätzliche Stabilisierungsmaßnahmen erfordert, möchte ich nicht wirklich kritisieren. Das ist ein Phänomen, das anscheinend alle Carbon-Stative betrifft.
Das Rock Solid Carbon Beta, das einen optimalen Kompromiss aus Gewicht und Stabilität darstellt, können wir uneingeschränkt empfehlen.
Das Rock Solid Carbon Gamma trägt nicht ganz so viel und ist mit eingefahrener Mittelsäule signifikant niedriger. Das Gamma dürfte für diejenigen die interessantere Variante sein, die auf geringes Gewicht und kleines Packmaß achten müssen und trotzdem ein vollwertiges Stativ ihr eigen nennen wollen.
Es macht jedenfalls großen Spaß, mit den Rollei Stativen zu arbeiten. Wir haben das coole Handling bei jedem Fotoshooting in vollen Zügen genossen.

Gabi arbeitet mit dem Rock Solid Carbon, Gamma in Galicien, Spanien

Am Strand von Porto Covo. 20 Sekunden Belichtung bei starkem Wind.
Wir danken der Firma Rollei GmbH & Co. KG für die freundliche Bereitstellung des Rollei Rock Solid Carbon Beta Statives. Unsere Meinung wird dadurch nicht beeinflusst. Wo Kritik angebracht ist, wird sie auch geäußert.
Erfahrungsbericht Rollei Rock Solid Carbon Stative
Erfahrungsbericht Stativ – Rollei Rock Solid Beta
Ursprünglich hatten wir das Manfrotto 190 Carbon als Nachfolger für unsere betagten Manfrottos ausgesucht. Leider ist das Manfrotto 190 Carbon mit ziemlich „bissigen“ Schnellverschlüssen an den Beinsegmenten ausgestattet, deren Rückprall Gabi überhaupt nicht mochte. Der Rückprall fühlte sich an, wie ein elektrischer Schlag auf die Hand. Darum ging das Manfrotto wieder zurück. In dem ganzen Wust von Billigangeboten ist es nicht einfach, hochwertige Stativlinien zu finden. Und immer wieder kommen neue Marken dazu. Zufällig ist mir irgendwann das Rollei Rock Solid Carbon Alpha XL ins Auge gefallen. Das Alpha XL ist ein wahres Monster, das 60 kg tragen kann, fast 2 Meter hoch ist, schlappe 3,5 kg wiegt, und „nur“ 700 Euro kostet. Es ist relativ gesehen nicht wirklich teuer im Vergleich zu Gitzo, Sachtler und Co., für unsere Zwecke ist es trotzdem völlig überdimensioniert.
Zum Glück hat das Alpha XL noch eine Reihe kleinerer Geschwister, das Alpha, das Beta und das Gamma. Parallel dazu gibt es die Rock Solid 180 Linie mit Schnapp- anstelle von Drehverschlüssen und schwenkbarer Mittelsäule. Die 180er Linie trägt aber konstruktionsbedingt weniger Nutzlast, dafür ist sie alternativ in Alu-Ausführung erhältlich. Da hatten wir plötzlich die Qual der Wahl.
Die Varianten ohne umlegbare Mittelsäule können das doppelte an Last tragen als die 180er Gegenstücke. Das hat mich überzeugt – eine verstellbare Mittelsäule und Schnappverschlüsse brauchen wir nicht unbedingt, Stabilität und Robustheit haben Priorität. Mein Aufmerksamkeit richtete sich auf das zweitkleinste Stativ der Linie, das Rock-Solid Beta.
AKTUELL: Inzwischen gibt es die Rock Solid Stativlinie schon als Mark II. Und noch eine volle Stufe hochwertiger angesiedelt hat Rollei seine Lion Rock Serie
Rock Solid Carbon Beta und Gamma von Rollei in Santa Cruz, Portugal
Die Spezifikationen des ROLLEI Rock Solid Carbon Beta:
Das Zubehör. Im Seitenfach der Stativtasche befinden sich die kurze Mittelsäule, drei Spikes und drei Inbusschlüssel
Der erste Eindruck
Das Rollei-Stativ kommt produkttypisch in einem länglichen Karton, dieser enthält:
Als ich das Beta-Stativ aus der Tasche hole, war mein einziger Gedanke: „Wow, ist das Fett!“ Der Durchmesser der oberen Carbonbeine ist mit 32 mm imposant, zwei der Beine haben eine Moosgummi-Ummantelung, das dritte eine extravagante Lederscheide. Das lässt das Rock Solid Beta noch massiger erscheinen. In Relation dazu fühlen sich die 1720 Gramm geradezu leicht an.
Schnell sind die Beine auf Vollauszug herausgezogen, die Drehverschlüsse sind mit einer Vierteldrehung aus dem Handgelenk schnell gelöst und auch wieder fixiert.
Alle drei Verschlüsse lassen sich gemeinsam mit einem kurzen Dreh öffnen oder arretieren
Da steht es nun mit voll ausgefahrener Mittelsäule vor mir im Zimmer. Ich stütze mich auf das Zentralgelenk, versuche es zu verwinden, stoße es an, um ein Schwingen zu provozieren. Nichts passiert. Wie ein gutmütiger Riese sitzt es da und ist durch nichts aus der Ruhe zu bringen.
Die maximale Traglast scheint nicht übertrieben zu sein, wie bei so vielen anderen Dreibeinen. Ich hätte Lust, mich einmal dranhängen und zu schaukeln. Das Rock Solid Beta könnte das aushalten, aber ich kann mich beherrschen. Schließlich bringe ich gut das Vierfache der empfohlenen Nutzlast mit.
Bedienung und Funktionen
Das Lösen und Fixieren der Drehverschlüsse geht wesentlich zügiger, als ich mir das vorgestellt habe. Ich kann alle drei Verschlüsse eines Beines gemeinsam mit einem kurzen Dreh aus dem Handgelenk lösen. Das gleiche beim Zusammenschieben. Erst löse ich die Drehverschlüsse einzeln, schiebe dann die Beinsegmente zusammen und fixiere die Drehverschlüsse wieder gleichzeitig mit einem Dreh..
Zum Verändern der Beinspreizwinkel müssen die drei Anschlagplatten am Kopfende herausgezogen werden. Sie haben keine Rückholfeder, sondern bleiben draußen, was mich anfangs irritiert hat. Jedes Bein lässt sich um volle 180° stufenlos nach oben klappen. Durch das Einschieben der Anschlagplatte sind drei feste Abspreizwinkel vorgegeben. Ich nenne sie „Normal,“ „Breitbeinig“ und „Bodennah.“ Für die bodennahe Position muss entweder die Mittelsäule hochgefahren werden, was unsinnig ist, oder die kurze Mittelsäule verwendet werden, was einen kurzen Umbau erfordert. Vorausgesetzt man hat die kurze Mittelsäule dabei.
[caption id="attachment_20503" align="aligncenter" width="860"]
Entriegelte Beinanschlagsplatte – das Stativbein lässt sich 180° nach oben klappen[/caption]
[caption id="attachment_20502" align="aligncenter" width="860"]
Verriegelt arretiert die Anschlagplatte das Stativbein in drei Positionen[/caption]
Vorher: Entriegelte Beinanschlagsplatte – das Stativbein lässt sich 180° nach oben klappen
Nachher: Verriegelt arretiert die Anschlagplatte das Stativbein in drei Positionen
Beim Einsatz des Rollei-Stativs für Tabletop-Aufnahmen habe ich die Anschlagplatten ausgefahren gelassen. So kann ich für Änderungen der Kameraposition die Beinwinkel bequem stufenlos verstellen. Trotz des fehlenden Beinanschlages hat sich nichts verstellt, kein Bein ist weggeklappt. Die werksseitig eingestellte Spannung der Stativbeinbefestigung ist ausreichend straff gewählt, damit eine Kamera mit Standardzoom noch sicher steht. Dabei lässt sich der Widerstand der Stativbeinbefestigung auch einfach über je zwei Inbusschrauben einstellen.
In einem Punkt kann ich zarte Kritik üben. Die Moosgummibeine sind für Gabis Hände zu voluminös. Wahrscheinlich tun sich da Frauen mit kleineren Händen schwer. Und die Lederscheide hat einen innenliegende Naht, die ihr Griffgefühl gestört hat. Das ist aber inzwischen kein Thema mehr, Gabi hat sich dran gewöhnt. Ansonsten hätte ich Abhilfe geschafft, indem ich eine Moosgummihülle entfernt und durch Fahrradlenker- oder Tennisschlägerband ersetzt hätte. Wie ich es bei meinem alten 055er Manfrotto gemacht habe – hier zu sehen.
Modifikationen und Umbau
Spikes und Gummifüße
Zum Wechseln der Gummifüße muss man sie nur abschrauben und die beiliegenden Spikes eindrehen, fertig. Gummifuß- und Spikesgewinde haben eine rote Gummi- oder Silikondichtung, damit kein Wasser in die Stativbeine eindringen kann. Zum festen Anziehen oder zum Lösen zu stramm angezogener Spikes steckt man einfach einen der beiliegenden Inbusschlüssel in das Querloch der Spikes und nutzt die Hebelwirkung.
Die Gummifüße sind einfach abzuschrauben, das Rote ist die Silikon(?)-Dichtung, die zuverlässig das Eindringen von Feuchtigkeit verhindert.
Rock Solid Carbon Beta von Rollei in Porto Covo, Portugal. Auch Salzwasser macht den Carbonbeinen nichts aus.
Demontage der Stativbeine
Sollte doch einmal Wasser, Salz oder Dreck in ein Stativbein eingedrungen sein, lässt sich die Fixierschraube komplett lösen und das Beinsegment herausziehen. Aber bitte vorsichtig! Am Ende des Segments befinden zwei Kunststoffplättchen, die ein versehentliches Herausgleiten des Beines, und auch das Verdrehen im montierten Zustand verhindern.
Demontiertes Stativbein mit den beiden Führungsblättchen
Beim Einsetzen musst du die Plättchen in Position bringen und das Bein in korrekter Stellung sachte wieder zurück schieben. Dabei achte gut auf die exakte Ausrichtung, als Verdrehschutz sind an den Innenwänden der Beine zwei Stege angebracht, die genau im Spalt zwischen den beiden Blättchen laufen.
Ach ja, das Stativbein mit der Lederumhüllung lässt sich abschrauben und mit der herausgezogenen Mittelsäule verschrauben. Damit hast du ein Einbeinstativ, mit dem auch 2-Meter-Naturen aufrechtstehend arbeiten können.
Wechsel der Mittelsäule
Die lange Mittelsäule lässt sich durch eine kurze ersetzen. Das ist perfekt für bodennahes Arbeiten, und spart auch Gewicht, wenn du den Mittelsäulenauszug nicht brauchst.
Zum Austauschen wird die untere Hakenplatte abgeschraubt und die Mittelsäule nach oben herausgeschoben. Dann löst du die Sicherungsschraube des Auflagetellers mit dem 3mm-Inbusschlüssel, drehe den Teller aus der Säule und schraube ihn auf die kurze Säule. Die steckst du in die Mittelsäulenaufnahme und ziehst die Fixierschraube an, fertig. Leider kann die Hakenplatte nicht an der kurzen Mittelsäule verwendet werden.
Beim Wiedereinsetzen der langen Säule achte bitte auf den Verdrehschutz und vergiss nicht, die Hakenplatte wieder einzuschrauben.
Die eingebaute kurze Mittelsäule
Praxistest der Rollei Rock Solid Beta und Gamma Stative in Spanien und Portugal
Das Rollei Rock Solid Beta wurde uns von der Firma Rollei zu Testzwecken zur Verfügung gestellt. Wir waren von der Qualität und dem Handling so überzeugt, dass wir uns daraufhin das Rock Solid Carbon Gamma, das kompakteste und leichteste der Serie, kurz vor der Reise gekauft haben.
Vergleich des Rock Solid Carbon Gamma mit dem Beta:
Mit den beiden Carbon Stativen und dem Rollei Compact Traveler No1 als Backup ging es dann auf große Tour in den Süden.
Während unserer neunwöchigen Reise entlang der iberischen und französischen Atlantikküste von Gibraltar bis Bordeaux, hatten wir täglich Gelegenheiten, die beiden Rollei-Stative ausgiebig einzusetzen und zu testen.
Gabi mit dem Rock Solid Carbon Gamma am Strand.
Ausrüstung und Zubehör
Das Rollei Rock Solid Beta hält in der Praxis, was es schon beim Auspacken angedeutet hat. Bestückt mit einem Linhof Kugelkopf II und einem kompakten Novoflex Miniconnect Schnellspannsystem bot es sicheren Halt in fast allen Situationen. Die kurze Mittelsäule hatten wir nicht eingesetzt, die mitgelieferten Spikes aber des öfteren gegen die Gummifüße getauscht.
Der Umbau zum Einbeinstativ dauert keine Minute: Hakenplatte an der unteren Mittelsäule abschrauben – Mittelsäule herausziehen – lederbezogenes Stativbein abschrauben – Abgeschraubtes Stativbein an Mittelsäule schrauben – fertig.
Der Rückbau ging genauso schnell.
Das Rock Solid Gamma war der Favorit, wenn nur ein Stativ auf eine Tour mitgenommen wurde. Wir haben das Gamma mit einem FLM Centerball 38 E und dem breiteren Novoflex Miniconnect Schnellspannsystem eingesetzt.
Unser erstes Rolleistativ hatten wir bereits ausführlich letztes Jahr in der Bretagne getestet. Wir waren von dem kleinen Rollei Compact Traveller No1 so begeistert, da waren wir auf die beiden „großen“ Rock Solid Stative gespannt.
Familienähnlichkeit: Das Rock Solid Beta mit FLM-Kugelkopf im Größenvergleich zum Rollei Compact Traveler No.1
Die mitgelieferten Tragetaschen sind gut gepolstert und schützen die Stative beim Transport. Der Tragegurt ist allerdings eine Zumutung bei beiden Modellen. Ausreichend breit ist er, aber scharfkantig und ohne Polsterung. Der Handgriff hat immerhin eine Neopren-Umhüllung, die dem Tragegurt sicher auch gut gestanden hätte.
Das können wir vielleicht hinnehmen, wenn wir mit Outdoorjacken in kalten Regionen unterwegs sind. Mit leichter Bekleidung im heißen Süden Europas unterwegs scheuerten die Gurtkanten unangenehm am bloßen Hals. Wir gingen dazu über, die Stative in der Hand zu tragen, um uns keine wunden Hälse zu holen.
Das Rock Solid Carbon Gamma stand oft im Wasser
Widerstandsfähigkeit in Meerwasser und Sand
Das Carbon der Stativbeine erwies sich als ausreichend widerstandsfähig gegen Kratzer, Meerwasser und Salzkrusten. Oft standen unsere Dreibeine im Meerwasser und waren von der Gischt klatschnass. Die weiße Salzschicht war mit feuchten Tüchern leicht zu entfernen.
Mehr Schwierigkeiten machte der Sand, der an dem klebrigen Gischtbelag wunderbar fest haftete. Die meiste Zeit hatten wir kräftigen bis sehr kräftigen Wind bis hin zur Sturmstärke. Mit Abbürsten und Nachwischen bekamen wir auch das in den Griff. Nur einmal mussten wir zur Reinigung ein Beinsegment zerlegen, weil Sand ins Gewinde vorgedrungen war. Das ging fix, aber man muss auf die beiden Rückhalteplättchen der oberen Beinenden aufpassen. Die sind so unscheinbar, dass sie leicht verloren gehen können.
Einige der Positionsmarken an den untersten Beinsegmenten des Gamma haben unter dem permanenten Schmirgeleffekt des Sandes gelitten. Das Gamma-Stativ hat zudem von einem festgeklemmten Sandkorn einen knapp 1 cm langen Kratzer am unteren Beinsegment erhalten. Der ist zwar als weißer Strich sichtbar aber nicht fühlbar.
Gabi bei der Arbeit mit dem Rock Solid Carbon Gamma in Portugal
Die Rollei Rock Solid Stative bei der Arbeit
Auf unseren Fototouren an Sandstränden und auf Felsklippen haben wir die Stative ohne Stativtasche in der Hand getragen. Da hat uns der scharfkantige Tragegurt nicht gestört und die Stative waren schneller einsatzbereit. Die Stativtaschen kamen nur beim Fahrradtransport auf dem Gepäckträger zum Einsatz. Da ist der Tragegurt zur Befestigung allerdings ganz praktisch und wir waren jedesmal dankbar, nicht extra mit Zurrgurten und Polstern rumhantieren zu müssen.
Aur Radtouren schützt die Tragetasche das Stativ beim Transport auf dem Gepäckträger
Mit dem Tragegurt ist das Stativ schnell und sicher auf dem Gepäckträger befestigt.
Für festen und felsigen, aber auch erdigen Untergrund mit Bewuchs waren die Spikes ideal. An den Sandstränden waren die Gummifüße die bessere Wahl, die wir zusätzlich noch kräftig in den Boden hineingedrückt haben. Das Tauschen ging einfach von der Hand, wenn man einen der mitgelieferten Inbus-Schlüssel zum Herausdrehen der Spikes mitgenommen hatte. Die Gummifüße drehten wir einfach mit der Hand los.
Die stark verbesserte Standhaftigkeit der Stative mit den Spikes erstaunte uns jedes Mal aufs Neue. Darauf möchten wir nun überhaupt nicht mehr verzichten.
Gunter arbeitet mit dem Rock Solid Carbon Beta von Rollei in Frankreich
Die Verstellkraft der Beinscharniere hat sich über die Reisedauer und unter verschiedenen Temperaturen nicht verändert. Bei Bedarf hätten wir mit Hilfe der beigelegten Inbus-Schlüssel die Verstellkraft der Beinscharniere anpassen können, das war aber nicht nötig.
Die ausziehbare Mittelsäule haben wir nur genutzt, um bequem aus Augenhöhe fotografieren zu können. Voll ausgefahren ist sie am Beta standfest und brauchbar, am Gamma ist es sinnvoll, den Mittelsäulenauszug auf die Hälfte zu beschränken. Voll ausgezogen leidet hier doch die Stabilität, wohlgemerkt unter ziemlich windböigen Konditionen.
Das eingebautes Einbeinstativ ist ein echter Mehrwert
Wir die Rollei Stative auch als Einbeinstative benutzt und waren sehr dankbar für diese Möglichkeit. Bei der Wellenfotografie mit schwerem Teleobjektiv brachte das Einbeinstativ eine fast totale Entlastung der Arm- und Schultermuskeln. So fotografiert man problemlos über längere Zeit ermüdungsfrei und kann doch blitzschnelle Richtungswechsel machen. Die Fotos sind einen ganzen Ticken schärfer als ohne Einbeinstativ. Also unser Tipp: nutze diese Funktion des Stativ unbedingt. Der Umbau geht ja super leicht und schnell von der Hand.
Gabi mit dem Rock Solid Carbon, Gamma in Carvoeiro, Portugal
Gabi mit dem Rock Solid Carbon, Gamma in Carvoeiro, Portugal
Der Farol do Cabo Carvoeiro thront auf den Klippen. 25 Sekunden Belichtungszeit bei Wind und Sturmböen.
Ein nicht Rollei-spezifisches Problem: Carbon vibriert bei Sturm
Etwas hat uns als langjährige Alu-Stativ Anhänger überrascht. Bei den permanent wehenden kräftigen, böigen Winden an der Atlantikküste fingen die Carbonbeine bei manchmal an, ganz fein zu vibrieren. Dieser Effekt war etwas stärker beim Gamma wegen der grazileren Bauweise zu spüren.
Das komplette Einfahren der untersten Beinsegmente zum Stabilitätsgewinn, wie es auch Rollei empfiehlt, war an den Sandstränden nicht praktikabel.
Mit zur Hälfte eingefahrenen Beinen und zusätzlicher Gewichtsbelastung haben wir das Vibrieren gut in den Griff bekommen. Bei Sturm arbeiteten wir schließlich einfach mehr in Bodennähe. Andere Fotografen hatten da schon längst das Fotografieren aufgegeben.
Bei unseren Alu-Stativen hat es früher ausgereicht, das Stativ zu belasten, indem wir kräftig und gleichmäßig auf den Stativkörper nach unten drückten. Die Stativbeine konnten voll ausgefahren bleiben.
Mit angepasster Arbeitsweise war die Ausbeute an scharfen Langzeitaufnahmen (länger als 10 Sekunden) in Ordnung. Das geringere Gewicht des Gamma-Statives und das komfortable und angenehme Handling wiegen den Mehraufwand beim Fotografieren locker wieder auf.
Gabi erinnerte sich in diesem Zusammenhang an ein Gespräch mit einem Fotografenkollegen auf der Ile d’Ouessant, die für ihre mächtigen Wellen und starken Stürme bekannt und berüchtigt ist. Seine erste Frage unsere Stative betreffend war: Alu oder Carbon? Aluminium wäre in stürmischem Wetter die bessere Wahl, da Carbon im Wind leichter zu schwingen anfinge. Dieses Verhalten sei unabhängig von der Marke des Stativs. Es würde mich sehr interessieren, wer von euch auch diesbezüglich Erfahrungen gemacht hat.
Gabi bei der Arbeit mit dem Rock Solid Carbon Gamma in Portugal
Beim bewussten Anstoßen des Stativs halten beide Stative fast unmittelbar danach wieder still. Ein kurzes Zittern, dann ist wieder Ruhe. Das ist wohl die vielzitierte bessere Dämpfung von Carbon gegenüber Aluminium, das langsamer und länger schwingt. Das Carbonmaterial kehrt zwar bei einmalig kurzer Krafteinwirkung sehr schnell wieder in den Ruhezustand zurück. Bei andauernder, gleichmäßig massiver Krafteinwirkung aus der gleichen Richtung, scheinen sich die Schwingungen zu einer Art stehender Welle zu überlagern und zu verstärken, was in dem besagten Summen/Vibrieren resultiert. Nur so meine persönliche Theorie. Aber wie schon gesagt, das passiert unter ziemlich extremen Windbedingungen, da fotografieren andere schon nicht mehr.
Gunter mit dem Rock Solid Carbon Beta von Rollei in Santa Cruz, Portugal
Der markate Felsbogen von Santa Cruz. 60 Sekunden Belichtung unter stürmischen Verhältnissen
Unser Fazit
Die Rollei Rock Solid Carbon Stative wirken edel in der Materialwahl, sind hochwertig verarbeitet, lassen sich sehr gut handhaben und sind mit sinnvollem Zubehör versehen. Durch die um 180° verstellbaren Beinwinkel, kombiniert mit dem Einsatz der kurzen Mittelsäule sind sie äußerst flexibel einsetzbar, auch für bodennahe Makrofotografie. Aufgrund ihres niedrigen Gewichts sind sie als Reisestative ideal.
Die Standfestigkeit und Stabilität ist in den meisten Situationen tadellos. Dass insbesondere das leichtere Rock Solid Gamma bei starkem Wind manchmal anfängt, summend zu vibrieren und zusätzliche Stabilisierungsmaßnahmen erfordert, möchte ich nicht wirklich kritisieren. Das ist ein Phänomen, das anscheinend alle Carbon-Stative betrifft.
Das Rock Solid Carbon Beta, das einen optimalen Kompromiss aus Gewicht und Stabilität darstellt, können wir uneingeschränkt empfehlen.
Das Rock Solid Carbon Gamma trägt nicht ganz so viel und ist mit eingefahrener Mittelsäule signifikant niedriger. Das Gamma dürfte für diejenigen die interessantere Variante sein, die auf geringes Gewicht und kleines Packmaß achten müssen und trotzdem ein vollwertiges Stativ ihr eigen nennen wollen.
Es macht jedenfalls großen Spaß, mit den Rollei Stativen zu arbeiten. Wir haben das coole Handling bei jedem Fotoshooting in vollen Zügen genossen.
Gabi arbeitet mit dem Rock Solid Carbon, Gamma in Galicien, Spanien
Am Strand von Porto Covo. 20 Sekunden Belichtung bei starkem Wind.
Wir danken der Firma Rollei GmbH & Co. KG für die freundliche Bereitstellung des Rollei Rock Solid Carbon Beta Statives. Unsere Meinung wird dadurch nicht beeinflusst. Wo Kritik angebracht ist, wird sie auch geäußert.
Sintra – Touristentrubel in der Märchenstadt und der Brunnen der Initation
Wir freuen uns in Sintra, Portugal schon sehr auf den den Garten Quinta da Regaleira, denn die Fotos, die uns unsere Freundin vom Brunnen der Initiation gezeigt hatten, begeisterten uns sehr. Den Brunnen wollten wir unbedingt auch fotografieren! Hier kannst du dir aufgrund der zahlreichen Fotos ein gutes Bild vom Garten Quinta da Regaleira in Sintra machen. Fotos sagen mehr als tausend Worte.
Initiation Well, Quinta Regalia, Sintra Portugal
Enger Stellplatz in Sintra und eine sehr ruhige Nacht
Die Nacht auf diesem super kleinen, sehr eigensinnigen Stellplatz war trotz des Trubels am Tag sehr ruhig gewesen. Am nächsten Morgen brechen wir schon um 8 Uhr in der Frühe in Richtung Innenstadt auf. Wir wollen die relative Ruhe des Vormittags ausnutzen, bevor die Sehenswürdigkeiten von Touristen überschwemmt werden. Voller Vorfreude auf den Garten Quinta da Regaleira laufen wir schon sehr früh los. Überall in der Stadt wird renoviert, gebaut und gearbeitet. Die Bushaltestellen mussten anscheinend der Bauwut weichen, sie sind wenigstens gut versteckt. Also laufen wir einfach durch die noch halb verschlafenen Gassen.
Von den Hauptattraktionen, dem Palácio Nacional de Sintra, dem Castelo dos Mouros, dem quietschbunten Palácio Nacional da Pena und dem Quinta da Regalia, picken wir das letzere heraus.
Wir nehmen lieber eine der Sehenswürdigkeiten Sintras ausführlich unter die Lupe, als dass wir durch vier oder fünf hetzen. Das Schloss und der Park Quinta da Regalia bietet den größten Motivreichtum für uns Fotografen. Deswegen steuern wir direkt daraufhin zu.
Ganz besonders fasziniert uns der in die Erde hinunterführende Turm, oder ist es ein Brunnen mit Wendeltreppe?
Fotogalerie durch die Gassen von Sintra
Die Bürgersteige sind entweder eng oder nicht existent, der Verkehr ist rasant und wird dichter, je näher wir dem Stadtzentrum kommen. Fette Tourbusse brettern haarscharf an uns vorbei. Im Stadtzentrum wimmelt es schon nur so vor Touristen – ja, ich weiß, wir sind doch auch welche.
Der Andrang im Touristenbüro ist enorm, wir halten Ausschau nach kostenlosen Stadtkarten, wie es sie in vielen Städten gibt. Fehlanzeige, 7 Euro sind uns für unseren kurzen Besuch zu viel. Wir orientieren uns an den Hinweistafeln und finden die Quinta da Regaleira problemlos.
In der Quinta Regalia, Sintra Portugal
Der Garten Quinta da Regaleira in Sintra, Portugal
Am Eingang schrecken mich die Fotografierverbotsschilder für Profis etwas ab. Ich erhalte aber keine genaue Auskunft, was denn da wirklich verboten wird. Die Frau am Eingang meint nur zu mir, dass ich einfach nicht zu professionell fotografieren soll. Das heißt ohne Stativ. Ich soll also keine guten Fotos mache. Aha?! Der Eintritt beträgt 6 Euro pro Person.
Der Garten ist wunderschön im viktorianisch, italienisch romantischen Stil angelegt. Es gibt zahlreiche dunkle Höhlen, versteckte Grotten, verwunschene Haine, Wasserfälle, Wasserspeier, Statuen und Aussichtstürmchen, die über verschlungene Pfade zu erreichen sind. Im Park sind noch wenige Toursten unterwegs, trotz der frühen Stunde ist es heiß, die Sonne brennt schon mit aller Kraft auf uns herunter. Wir bewegen uns durch die schattigeren Teile des Parks und stoßen immer wieder auf Grotten und Höhleneingänge.
Der Brunnen der Initiation in der Quinta da Regaleira – der invertierte Turm
Initiation Well, Quinta Regalia, Sintra Portugal – schon cool so ein „negativ Tunnel“, oder? Das ist ein Panorama und aus zig Fotos zusammengestetzt, damit du die ganze Pracht des Brunnens der Initiation sehen kannst!
Der Brunnen der Initiation, Quinta Regalia, Sintra Portugal
Fotografieren im Brunnen der Initiation in Sintra
Ich halte mich an die „Regel“ und nutze mein Stativ nicht, obwohl ich das natürlich sehr gerne täte. Allerdings sind so viele Leute im Brunnen der Initiation, dass ich mit ausgefahrenem Stativ nur andauernd im Weg stünde. Wir drehen also die ISO unserer Kameras so hoch, wie es in Anbetracht des Bildrauschens vertretbar ist Am Anfang der Höhle ist es wirklich stockdunkel.
Durch eine dieser Höhlen, einem dunklen, feuchten, rohbehauenen Felsgang, arbeiten wir uns vorsichtig zur Basis des berühmten Brunnens vor.
Vom Brunnenboden aus wirkt die knapp 30 Meter über uns liegende Öffnung winzig. In der Brunnenmauer windet sich eine schmale Treppe mit unregelmäßigen Stufen sprialförmig hinauf. Fensterpartien und Säulengänge wechseln sich regelmäßig ab.
Schon auf dem Weg nach oben steigt die Touristendichte. Wir müssen uns dauernd mit unseren Kamerarucksäcken in kleine Nischen drücken, um die anderen Leute vorbeizulassen. Geduldig warten wir, bis Touristen unter waghalsigen Verrenkungen ihre Selfies geschossen haben und weiterziehen, aber schon bald macht es kaum noch Sinn, weiter zu fotografieren. Zum Glück waren wir früh gekommen.
Mit einem Stativ hätten wir einfach so lange belichten können, dass die Touristen nicht mehr sichbar gewesen wären. Das habe ich im Kreuzgang des Mont Saint Michels in Frankreich schon mit drei Minuten langen Belichtungszeiten gemacht. Diese Langzeitbelichtungen wären allein aufgrund der Enge in den Gängen nicht möglich. Es käme einfach niemand mehr an dir vorbei.
In der Quinta Regalia, Sintra Portugal
In der Quinta Regalia, Sintra Portugal
Quinta Regalia, Sintra Portugal
Der Ausgang des Brunnens der Inatiation
Spaß im Park in Sintra
Oben im Garten wimmelt es jetzt vor Leuten. Überall werden Selfies geschossen, das ist ja fast wie eine Seuche. Wir drehen noch eine Runde durch den Park, dann reicht es uns. Wir wollen wieder hinunter in die Stadt eine Kleinigkeit essen. Die Restaurants im Stadtzentrum sind wesentlich teurer als alles, was uns bisher begegnet ist. Wir begnügen uns mit einem Sandwich und einem Kaffee und kehren Frühnachmittags zu unserem Mobil zurück.
Stadt ist nichts für uns, deswegen entschließen wir uns, noch an diesem Tag weiterzufahren. Der Stellplatz am Fußballstadion ist nicht nur eng und schräg, sondern auch ziemlich laut, andauernd fahren Autos an und liefern Kids zum Training ab, und der Baustellenverkehr führt direkt an unserem Platz vorbei. Wir sind einfach Naturmenschen, die Ruhe suchen. Für Stadtmenschen ist Sintra sicher ganz faszinierend.
Riesenseifenblasen, was für ein Spaß
Kunsthandwerk und Musik in Sintra
Einfahrt zum Womostellplatz, Sintra
Die Stellplatzsuche ist nicht ganz einfach an diesem Abend
An diesem Tag wird die Stellplatzsuche wieder langwierig und anstrengend. Wir fahren drei Plätze an, die uns nicht zusagen. Einer liegt auf einem Campingplatz, der den Charme einer Militär-Kaserne versprüht. Der andere hat eine sehr steile Zufahrt, die wir dem Mobil nicht zumuten wollen. Der dritte in Santa Cruz ist einfach nur ein Strandparkplatz, der anscheinend nicht wirklich als Stellplatz gedacht ist. Da parkt auch kein Wohnmobil, und er ist ziemlich weit vom Stadtzentrum entfernt. Außerdem drehen da am Nachmittag schon Übermütige junge Leute Kreise mit quietschenden Reifen.
Wir finden an diesem Abend noch einen eher häßlichen Platz mit sehr netten Nachbarn und einen außergewöhnlihen Strand mit einem gigantischen Felsen. Aber darüber schreib ich im nächsten Blogbeitrag, dieser hier ist schon sehr bildlastig.
Lena bericht auf Family 4 Travel über Sintra
Tolle Fotos vom Palácio de Pena in Sintra im Blog Avaganza
Weitere Reiseberichte über die Reise nach Portugal:
Roadtrip Atlantikküste Spanien, Portugal, Frankreich
Lonly Planet Portugal bei Amazon
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Das portugiesische Mautsystem – geht auch einfach
Eigentlich ist es ganz einfach, das portugisische Mautsystem
Vor unserer Portugal-Reise haben wir wie wahrscheinlich die meisten von euch versucht, über das Internet an Informationen über die Maut in Portugal zu kommen. In den Reiseforen fanden wir viel Widersprüchliches, und der Gesamttenor war: „Wenn möglich, nicht auf Mautstraßen fahren.“
Alles Quatsch, bin ich geneigt, einzuwerfen. Wir sind durch Frankreich, Spanien und Portugal gefahren, und Portugal hat definitiv das modernste System. Das es hier und da noch in seiner Testphase steckt und es deshalb zu Missverständnissen kommen kann, ist in meinen Augen verzeihlich.
Grundsätzlich muss man nicht auf die Maut-Autobahnen. In der Algarve haben wir darauf verzichtet, weil wir lieber näher an der Küste entlang fahren wollten. Spätestens im Großraum Lissabon kommt man, zumindest mit einem Wohnmobil, ohne Mautstraßen nicht mehr richtig vorwärts.
Wir wird die Maut eingezogen?
Das portugiesische Mautsystem funktioniert einerseits mit den klassischen beschrankten Terminals zum Durchfahren und Bezahlen, und andererseits mit einer elektronischen Fahrzeugerfassung. Parallel zu den Bezahlterminals sind weitere Fahrspuren mit „VV“ (Via Verde = Grüne Straße) gekennzeichnet und Fahrzeuge mit einer mietbaren ViaVerde Mautbox fahren da einfach da durch.
Oder es sind nur Kameras installiert, ähnlich unserer Toll-Collect-Anlagen für LKWs, das ist dann die ausschließlich elektronische Maut. Hier werden die Fahrzeugkennzeichen gescannt und registriert. Die elektronische Maut wird entweder über die Mautbox oder über EASYTOLL bezahlt.
Und daher stammt wahrscheinlich die Unsicherheit. Man fährt auf der Autobahn, plötzlich steht da ein Schild mit „nur elektronische Maut“, und weit und breit keine Möglichkeit zu bezahlen.
Oh weh, wenn jetzt ein Bußgeld kommt, blinkt es im Kopf auf. Aber keine Sorge, das System ist neu und noch in der Erprobungsphase. Wegen ein paar Euro Maut lohnt es auch kaum, einen Bußgeldbescheid durch halb Europa zu schicken. Noch nicht, wohlgemerkt.
Habt ihr allerdings ein portugiesisches Nummernschild, flattert der Bußgeldbescheid ins Haus. Aber auch hier keine Angst, die Mietwagen haben in der Regel eine Mautbox, die Gebühren werden über die Autovermietung abgerechnet.
Autobahn – allerdings ne spanische Autobahn, weil wir in Portugal kein Foto gemacht hatten
EASYTOLL für eine entspannte Fahrt durch Portugal
Die Behörde „Infrastruturas de Portugal, SA“ hat dafür ein System namens EASYTOLL eingeführt. An den Hauptzugangsstellen and der Grenze von Spanien nach Portugal weist die Polizei zur Zeit auf das System hin und hilft den einreisenden Touristen bei der Registrierung.
Folgende Übergänge bieten den EASYTOLL-Service:
A28 – Viana do Castelo
A24 – Chaves
A25 – Vilar Formoso
A22 – Vila Real de Santo António
Da kriegt ihr eine Identifizierungsnummer, das Autokennzeichen wird registriert und ihr dürft eure Kreditkarteninformationen angeben. Damit werdet ihr automatisch bei den rein elektronischen Erfassungsstellen registriert. Das ist sicherlich die bequemste Variante. Die Registrierung gilt für 30 Tage. Bei den Mautstellen könnt ihr ganz normal an den Kassenautomaten oder am Mauthäuschen bezahlen.
Kommt ihr über einen kleinen Grenzübergang nach Portugal und verpasst die Registrierung, habt ihr diese Möglichkeit leider nicht mehr. Da könnt ihr einerseits eine Prepaid-Tollcard kaufen. Infos darüber gibt es unter www.tollcard.pt. Das ist prinzipell komplizierter, weil aufgeladen und eventuell nachgeladen werden muss. Zumindest wird nicht genutztes Guthaben zurücküberwiesen, wenn per Kreditkarte gezahlt wurde.
An Tankstellen und ViaVerde-Verkaufsstellen könnt ihr alternativ eine Mautbox (Dispositivo temporário DT) mieten. DIe kostet 27,50 € Kaution, 6€ die erste Woche und 1,50€ jede weitere Woche. Die anfallenden Streckengebühren werden extra berechnet.
Zwischenzeitlich haben wir erfahren, dass die ViaVerde-Mautbox, von der im Text die Rede ist, auch bereits in Deutschland erhältlich ist.
Auf www.tolltickets.com ist die Box online zu bestellen. Da lohnt es sich auf jeden Fall, mal vor dem nächsten Portugal-Trip reinzuschauen.
Ihr könnt immer noch überlegen, ob ihr nicht besser eine der vier Grenzübergänge nutzt oder diese extra anfahrt, um an die EASYTOLL-Registrierung zu kommen. Das ist unserer Erfahrung nach die einfachste Lösung.
Wie wird die Maut abgerechnet?
Die automatisch auflaufenden Beträge werden direkt eingezogen und einzeln aufgeführt. Nicht so kompakt wie in Norwegen, wo ihr einige Wochen nach Ende der Reise eine zusammenfassende Rechnung über alle Einzelposten bekommt.
Einen Überblick und eure Rechnungsbelege bekommt ihr im Internet unter www.portugaltolls.com.
Die Seite gibts noch nicht in Deutsch, aber in Spanisch, Französisch und Englisch. Da loggt ihr euch einfach mit der Identifier-Nummer ein, seht wo ihr überall wann und was bezahlt habt und könnt auch eure Registrierdaten bearbeiten.
Auf der Seite www.centerofportugal.com ist alles noch einmal umfassend und klar in Deutsch erklärt.
Generell hält sich die Höhe der portugiesischen Mautgebühren in Grenzen. Die paar Euro sind gut für die Nervenschonung investiert. Kein Vergleich zu den horrenden Mautgebühren in Frankreich.
Straßenkarten mit den Preisen der einzelnen Autobahnabschnitte gibt es unter portugaltolls.com/en/web/portal-de-portagens. So kostet zum Beispiel 136 Kilometer Autobahn A22, die Algarve-Mautstrecke von der spanischen Grenze bis nach Lagos, für einen PKW nur 8,70€. Ein Wohnmobil zahlt dafür 15,25 €.
Im Schnitt haben wir in Portugal pro Kilometer 10 Cent Maut gezahlt, entlegenere Strecken sind günstiger, Ballungsgebiete teurer. Zum Vergleich in Frankreich waren es 17 Cent pro Kilometer, wohlgemerkt, das sind Gebühren für ein Wohnmobil.
Na dann Gute Fahrt und viel Spaß in Portugal
Roadtrip Atlantikküste Spanien, Portugal, Frankreich
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Ich rede im SWR über meine Liebe zur Fotografie und das Freilernen
Gabi Reicherts Interview über Fotografie und Freilernen im SWR Kaffee oder Tee.
Sturm am Cabo Espichel, ein riesiger Möwenschwarm in Fonte de Telha
Der Leuchtturm am Cabo Espichel
Am Cabo Espichel steht hoch auf den Klippen ein Leuchtturm, den wir unbedingt fotografieren wollen. Dort oben auf den Steilklippen ist es nicht windig, überhaupt nicht, nein, es stürmt wie die Sau. Wir können uns im Freien kaum auf den Beinen halten. Also beschließen wir, uns erst einmal auszuruhen, das Licht ist eh noch zu hart. Doch neben uns auf dem großen Parkplatz parkt ein fetter Tourbus, daneben ein Getränkestand, ein Generator knattert fröhlich aber lautstark vor sich hin. Hier scheint irgendeine Veranstaltung zu sein. Über Lautsprecher kommen ständig blecherne Ansagen. Der Sturm rüttelt kräftig an unserem Wohnmobil, das ist wirklich keine gute Mischung für eine gepflegte Mittagsruhe.
Wir laufen deshalb los, um die Gegend etwas genauer anzuschauen. Ein kurzer Blick in die Klosteranlage des Santuario de Nossa Senhora und uns ist klar, das ist keine »normale« Veranstaltung. Da ist eine Filmcrew am Werk. Darum können wir leider das Fort und die Kirche nicht besichtigen. Aber drum herum ist nichts abgesperrt, hier können wir unbehelligt laufen. Die Umgebung ist beeindruckend, die Gebäude auch. Eine fantastische menschenleere Naturkulisse. Nur mit dem Sturm müssen wir auf der Steilküste wirklich aufpassen. Die Böen reißen uns fast von den Beinen, und die Wanderpfade enden ohne Warnung direkt an der Kante. Urplötzlich geht es unvermittelt lotrecht abwärts. Von der Klippenkante bis zum Ufer sind es fast 130 Meter. Und das ohne Geländer, auf rutschigem Geröll am Küstenpfad und bei kräftigem Sturm. Da wird es uns an ein, zwei Stellen richtig mulmig.
Die kleine Kapelle der Ermida da Memória steht direkt am Rand der Klippen, früher war das ein berühmter Wallfahrtsort. Hier soll die Jungfrau Maria auf einem riesigen Maultier die Klippen hochgeklettert sein. Die Spuren des Maultiers hätten sich im Fels verewigt. Nur waren das keine heiligen Maultierhufe, wie man heute weiß, sondern Dinosaurierabdrücke.
Der Leuchtturm am Cabo Espichel, der mit seinen 32 Metern kein kleiner Turm ist, wirkt aufgrund der immensen Höhe der Küstenklippen unscheinbar und fast schon mickrig. Da wird uns wieder klar, dass alles relativ ist.
Die kleine Kapelle der Ermida da Memória
Der Leuchtturm am Cabo Espichel
Wir wandern durch unwegsames, karges Gelände und fühlen uns wie in einen Spagettiwestern hineinversetzt. Leere, Weite, Wüste, nackte Felsen, stachlige Gewächse, und über allem heult der Wind, fehlt nur noch das Tumbleweed.
Der Himmel ist blau – sonst nichts. Einfach nur knallblau. Kein einziges Wölkchen ist zu sehen. Ob sich das fotografisch lohnt, hier bis zum Sonnenuntergang zu warten? Die Filmcrew ist immer noch aktiv, samt Generator und Lautsprecher. Ruhe werden wir hier nicht finden. Wir sind nach einigen Stunden auf den Füßen wortwörtlich durch den Wind und erschöpft. Spät am Nachmittag fahren wir schließlich weiter und verpassen damit die Dinosaurierfußspuren in den Felsen ganz in der Nähe, was mich hinterher doch ziemlich frustriert. Jetzt müssen wir nur noch einen Stellplatz für die Nacht finden, wenn möglich mit etwas weniger Wind.
Sardinenfischer und ein riesiger Möwenschwarm am Praia de Fonte de Telha
In Fonte de Telha gibt es laut unserem französischen Stellplatzführer einen Platz direkt am Strand. Wir fahren durch den herrlich duftenden Pinienwald, als uns der Navi links in einen steilen, sandigen Weg schickt. Am Fuß der Klippe angekommen geht es über eine Sandpiste zwischen Klippe und Strand am Meer entlang, bis wir auf so etwas wie einen Parkplatz treffen. Etliche Mobile stehen dort, wir finden aber schnell einen freien Platz. Keine drei Meter vor dem Mobil beginnt der Sandstrand. Wirklich außergewöhnlich ist der Strand allerdings nicht. Die breiten Traktorspuren im Sand stören den Gesamteindruck. Auf der meerabgewandten Seite am Fuß der Klippen stehen überwuchtere Aussteigerhütten, die noch aus der Blütezeit der Hippiebewegung stammen können. Die Strandbars sind in deutlich besserem Zustand und nicht gerade preisgünstig.
Möwen Fonte de Telha, Portugal
Etwa einen bis zwei Kilometer weiter im Süden sehe ich ein Boot fast direkt am Strand liegen, zahlreiche Menschen und noch viel mehr Möwen. Mein Interesse ist sofort geweckt, und ich quäle mich schwer stapfend durch den weichen Sand dorthin. Fischer haben mit dem Traktor ein großes Netz mit Sardinen an den Strand gezogen. Auf einer Plane liegen Unmengen Sardinen, die vor Ort in Kisten sortiert werden. Die Möwen stehen neben den Fischern im Sand und warten auf Abfälle. Ein alter Labradormix rafft sich alle paar Minuten auf und humpelt auf gichtigen Beinen bellend auf die Möwen zu. Die fliegen ohne große Aufregung kurz auf und setzen sich dann wieder. Sobald einer der Fischer Beifang ins Meer wirft, stürzt sich die Vogelmasse laut kreischend mit einem Riesenspektakel drauf. Die Möwen in der abendlichen Stimmung über dem Meer und sind extrem fotogen.
Ich möchte aber, dass Gunter, der gerade das Abendessen zubereitet, das auch sieht. Also laufe ich eilig den ganzen Weg wieder zurück. Und dann wieder hin, bevor alle Fische sortiert und verpackt sind. Cooles Fitnesstraining ist das heute Abend. Die zweite Tour hat den Vorteil, dass ich im Mobil den eher wenig genutzten Metzblitz greifen kann.
Im Sonnenuntergang schießen wir dann unsere besten Bilder. Manchmal muss man eben Glück haben und zur rechten Zeit am rechten Ort sein. Aber man muss auch gewillt sein, dann die Mühe einer anstrengenden Wanderung auf sich zu nehmen, auch, wenn man gerade extrem müde und hungrig ist.
Sardinenfischer am Fonte de Telha, Portugal
Baden am Abend am Praia Fonte de Telha, Portugal
Möwen im Sonnenuntergang am Praia de Fonte de Telha, Portugal
Am nächsten Morgen wachen wir mit Wellenrauschen und Möwengeschrei auf. Sonnenaufgangsstimmung gibt es nicht. Die Sonne steigt über den Klippenrand und sofort ist es Tag. Im klaren hellen Licht des Tages sieht Fonte de Telha recht unaufgeräumt und etwas heruntergekommen aus. Noch scheint der Ort fest in der Hand von Langzeitaussteigern zu sein. Aber überall wird gebastelt, repariert und geputzt, da wird diese Hippie-Idylle sicherlich bald dem Massenansturm der Sommertouristen weichen.
Mir ist etwas bange vor der steilen Auffahrt auf die Hauptstraße. Gestern ging es ja recht gut hinunter, aber jetzt muss unter altes Wohnmobil auf zum Teil rutschigem Untergrund auch wieder da hoch. Im ersten Gang fahre ich hangaufwärts und merke, dass das Geholper und die Sandstellen unserem Flair gar nicht behagen. Aber wir kommen doch heil oben an und weiter geht es durch den dünner werdenden Pinienwald, der bald von Siedlungen abgelöst wird. Im dichter werdenden Verkehr erreichen wir die über drei Kilometer lange Ponte 25 de Abril, eine der größten Brückenkonstruktionen weltweit. Auf dem Oberdeck wälzt sich träge der sechsspurige Autoverkehr über den Tejo, unten drunter fährt zweispurig der Zugverkehr.
Wie es uns im Verkehr ergangen ist, folgt im nächsten Blogbeitrag.
Roadtrip Atlantikküste Spanien, Portugal, Frankreich
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Kalender und Magazin Veröffentlichungen
Bevor es mit den Portugal und Spanien Reiseberichten weitergeht stelle ich die aktuellen Veröffentlichungen vor. Wir sind seit einer Woche wieder daheim in Bubenheim.
Schottland Kalender
Dieses Jahr haben wir zum Thema Schottland bei Harenberg gleich zwei Kalender. Den Postkarten Sehnsuchtskalender Schottland und den DIN A 5 großen Wochenplaner Schottland mit Zitaten. Hier im Blog werden wir demnächst einzele Fotos und deren Geschichte vorstellen.
Schottland Kalender
Leuchtturm Kalender 2018 bei Delius Klasing
Wie jedes Jahr gibt es für den Leuchtturm Kalender 2018 auch sehr ausführliche Extraseiten zu jedem Kalenderfoto hier im Blog.
Der Leuchtturm Kalender 2018 bei Amazon
Dackel Grindel im Hundemagazin
Grindel wird berühmt. Sie ist gleich zweimal innerhalb der letzten Monate im Magazin Partner Hund abgebildet. Im Heft 06 ist unser Dackel vor einem schwedischen Leuchtturm abgebildet. In Heft 07 (welches man sicher noch im Kiosk finden kann) sieht man, wie pudelwohl sich Grindel in Schottland gefühlt hat. Wir berichten auf 5 Seiten über das Reisen mit Hund nach Schottland.
Dackel Grindel im Hundemagazin
Wer hat sie nicht? Die „Sehnsucht nach dem Meer“?
Bereits im 11 Jahr erscheint für 2018 bei Weingarten mein Kalender „Sehnsucht nach dem Meer“. Die „Sprache“ des Kalender hat sich in den letzten Jahre etwas verändert. Im Kalender gibt es nun hauptsächlich Wellen und Meeresfotos, die das Gefühl von Weite und luftiger Leichtigkeit aufkommen lassen. Also, der Kalender ist auch nach so vielen Jahren immer wieder spannend.
Sehnsucht nach dem Meer 2018 bei Amazon
Eines der Fotos aus dem „Sehnsucht nach dem Meer“ Kalender