Im Winter zur Waltour nach Norwegen
Im Sommer sind wir schon seit Jahren immer in Norwegen um die Mitternachtssonne und die Tiere zu genießen und fotografieren. Schon oft traf ich Fotografen, die mir den Tipp gaben, doch mal im Winter zu kommen um die Orcas im Tysfjord zu fotografieren. Die Orcas sind nur im Winter, von ca. November bis Januar im Tysfjord, in der letzten Zeit eher im Vestfjord. Der norwegische Winter machte mich neugierig. Ich versuchte mir die Landschaft im Schnee vorzustellen und war schon vor Reisebeginn begeistert und aufgeregt. Im Winter nach Nord Norwegen zu reisen ist nicht unbedingt einfach, denn man braucht die unterschiedlichsten Fortbegewungsmittel. Nach zwei Flügen nahm ich den Bus zur Fähre und wurde nach einstündiger Überfahrt von Lodingen nach Bognes von einem Freund abgeholt. Ein ganzer Reisetag lag zwischen dem grauen, nassen Deutschland und dem verschneit, norwegischem Winterwunderland.

eine Gruppe Orcas in wunderbarer winterlicher Fjordstimmung
eine Gruppe Orcas in wunderbarer winterlicher Fjordstimmung
Zu den Orcas im Tysfjord
Am nächsten morgen ging ich sogleich auf die erste Waltour. Da wir Stunden auf dem Boot verbringen würden, waren alle sehr warm eingepackt. Weil man sich auf einem Boot nicht so bewegen kann, wie in der freien Natur, sollte man Schuhe wählen, die bis auf – 40°C warm halten, auch, wenn es so kalt nicht ist. Meine Füße waren also bestens versorgt, nur meine Handschuhe eigneten sich wenig, weil ich darin schwitzte und sehr bald kalte Finger hatte. Für Fotografen sind natürlich warme Hände essentiell. Nach dieser Erfahrung werde ich nur noch Handschuhe benutzen, mit denen ich auch ohne das Hochklappen der Fingerspitzen die Kamera bedienen kann. Bei Temperaturen von – 10°C und Wind auf dem Boot stecken die Fingerspitzen diese völlige Blöße nicht weg. Aber: man kann in Norwegen bestens Handschuhe kaufen und sollte sich zuhause nicht zu viele Gedanken darum machen.

Orca an einem regnerischen, trüben Tag, Tysfjord, Norwegen
Orca an einem regnerischen, trüben Tag, Tysfjord, Norwegen
Bei Regenwetter im Norden von Norwegen fotografieren
Regenwetter – es ist zwar schwierig, weil die Kamera dauern naß wurde aber die Fotos wirken autentisch und vermitteln die typische Stimmung im Fjord.

blasender Orca, Tysfjord, Norwegen
blasender Orca, Tysfjord, Norwegen
Nun, ich stand also auf dem Boot, der Leonora, und betrachtete begeistert die winterliche Landschaft. Dazu hatte ich nicht viel Zeit, schon sichteten wir die ersten Orcas. Seit 1992 werden im Tysfjord in Norwegen Orca Touren angeboten. (Seit einigen Jahren sammeln sich nicht nur Orcas, sondern auch Buckelwale und Finnwale im November recht zuverlässig in der Nähe von Tromsö)
Besonders gut eignet sich dieses Gebiet, weil die Orcas ab Oktober den Heringen in den Fjord folgen und man diesen relativ (im Vergleich zum offenen Meer) kleinen Fjord gut überschauen kann. So findet man mit sehr großer Sicherheit Wale auf den Touren, die je nach Licht und Witterung 5-8 Stunden dauern. Orcas sind so interessant für Walbeobachter, weil sie sehr soziale, in Gruppen lebende Säugetiere sind und man sehr viele verschiedene Aktivitäten vom Boot aus beobachten kann. Wenn die Tiere ruhige an der Wasseroberfläche liegen „schlafen“ sie, indem eine Gehirhälfte abschaltet, während die andere das lebensnotwendige Atmen steuert. Der Kapitän, Per Ole Lund, dreht das Boot dann ab, um den Tieren die nötige Ruhe zu ermöglichen.
Walbeobachtung vom Boot aus
Oft kann man den Gruppen in angemessenen Abstand folgen, wenn sie von einer Stelle im Fjord zum nächsten unterwegs sind. Diese Reisebewegungen der Wale zu beobachten ist fotografisch sehr interessant, denn man sieht, wie schnell und optimal angepaßt sie in ihrem Lebensraum sind. Oft hat man hier die Chance sehr dynamische Fotos zu machen.
Am belebtesten und fotografisch am herausfordernsten wird es, wenn man die Orcas beim gemeinsamen Jagen der Heringe erleben kann. Hier im Tysfjord haben die Wale ein ganz besondere Jagdmethode entwickelt, die man „Carousell Feeding“ nennt. Dabei treiben die Wale in Teamwork die Heringe mit Hilfe ihrer hellen Bauchunterseite immer enger zusammen. Mit Schlägen der Fluken über und unter Wasser werden die zur Kugel zusammengetriebenen Heringe danach betäubt und nach und nach einzeln verspeist. Manchmal, wenn man Glück hat, kann man sehen, wie die Heringe in einem letzten Versuch zu entkommen, aus dem Wasser springen.
Möwen und Adler bei der Waltour
Doch auch in der Luft warten schon tausende Möwen und sehr viele Seeadler, die auch einen Teil des Festmahls haben möchten. Welch ein Spektakel! Schwierig ist die Fotografie in solchen Momenten, weil es sehr viele Wale zu beobachten gibt, man aber nie weiss, wann ein Wal wo auftaucht. Man kann sich ein wenig an den Blasgeräuschen orientieren. In solchen Augenblicken werden auch die Orcas neugierig und strecken den Oberkörper aus dem Wasser um über der Wasseroberfläche zu sehen was passiert. Diese sogenannten „Spyhops“ sind besonders schön auf Fotos, aber auch Glükssache, denn der Blickkontakt zwischen Wal und Waltourist dauert nur wenige Sekunden. Nach einer solchen Waltour, auch, wenn sie anstrengend, kalt und evtl naß war, sieht man tatsächlich nur glückliche Menschen an Bord.

Fischerboote im Tysfjord, diese Lichtstimmung hielt sich übrigens stundenlang
Fischerboote im Tysfjord, diese Lichtstimmung hielt sich übrigens stundenlang

gemeinsames Jagdglück, Orca, Seeadler und Möwe

ein junger Orca schieb Wasser vor sich her:-)

Orcas im Tysfjord

Orcamutter oder Tante mit Baby

Eine Orca Familie im Tysfjord

Lobtailing Orca

Orca schiesst aus dem Wasser

Orcas im Tysfjord
Doch warum ist die Orca Fotografie eine solche Herausforderung?
Da sich der Tysfjord oberhalb des Polarkreises befindet, werden die Tage im Winter immer kürzer, bis dann die Sonne Ende November gar nicht mehr über den Horizont und schon gar nicht über die Berge kommt. Diese Zeit vor der Polarnacht kann sehr schön sein, weil man sich sozusagen im ständigen Sonnenauf- oder auch untergang befindet. Das Licht und die Farben sind phänomenal, doch auch sehr schwach. Mit den neuen Digitalkameras ist man also sehr im Vorteil, weil man die Isozahl ständig den unterschiedlichen Lichtbedingungen anpassen kann. Man sollte für eine gute Fotoausbeute mehrere Tage einplanen, denn je nach Bewölkung bekommt man ganz unterschiedliche Stimmungen. Ich hatte an den 5 Tagen auf dem Meer sehr großes Glück und von klarem Himmel bis starken Regenfällen war alles dabei. An meinem letzten Tag, dem 24.11. kam ich sogar um 12:00 Uhr mittags nicht über 800 ISO.
Es lohnt sich also eher Anfang November einzuplanen, weil man dann evtl Sonnenlicht auf den Walen hat, was Ende November gar nicht mehr der Fall ist. Die Touren werden von Mitte Oktober bis ca. 20 Januar angeboten. Mittlerweile scheint es besser zu sein, etwas später zu fahren, weil die Wale eher später kommen.
Um eine weitere Perspektive zu sehen, buchte ich auch eine Tour mit dem Zodiac, einem sehr schnellen Schlauchboot. Von dieser Basis aus gibt es die Möglichkeit in besonderen Trockentauchanzügen auch mit den Orcas schwimmen zu gehen, was ich mir ersparte:-) Nun, später bereute ich es, denn in diesen Anzügen war man bestens für das Wetter, welches auf Regen umgestellt hatte, gerüstet. Am Ende waren alle naß auch die ohne diese Anzüge! Für die Kameraausrüstung war es ein Härtetest, denn zum Regen kam die Gischt hinzu, wenn das Zodiac mit hoher Geschwindigkeit über den Fjord schoss. Die Kameras, ich war mit zwei Canon 20d’s unterwegs, hielten das Ganze bestens aus, die Wassertropfen, die sich unweigerlich auf der Linse sammelten, unterstrichen die regnerische Stimmung. Ein Akku packte selbst bei -8°C und Wind ca. 800 Bilder. Bei einigen Leuten auf dem Boot setzte gerade bei diesen sehr niedrigen Temperaturen die Canon 350d zeitweise aus. Nach kurzem Aufwärmen des Akkus in der Hosentasche oder unter der Jacke waren diese Kameras nach wenigen Minuten wieder einsatzbereit.
Polarlicht Fotografie
Ja und wenn man dann Abends nicht zu müde ist, lohnt es sich immer, den Himmel im Blick zu halten, denn das Polarlicht ist für uns Deutsche doch eine sehr seltene Erscheinung, für die sich das Mitschleppen des Stativs auf alle Fälle lohnt.
Als Ausgleich zur reportageartigen Art der Fotografie an Bord eines Schiffes ist das Arbeiten mit Stativ und Drahtauslöser eine schöne Art der Meditation und ein toller Abschluß einer fotografisch anspruchsvollen Reise!

Und Elvis schaut herab – seht Ihr ihn?
Und Elvis schaut herab – seht Ihr ihn?
Anmerkung im Oktober 2022:
Die Touren wurden bisher, wie hier beschrieben im Tysfjord veranstaltet. Jedoch änderten die Orcas ihre Route. Sie sind jetzt weiter im Norden in der Nähe von Tromsö zu finden.
Fotogalerie Orcas
Polarlicht fotografieren
Anleitung: Die kostenlosen Nik Filter Stand-Alone installieren
AKTUELL September 2020: Die Firma DxO hat die NIK-Filter Suite von Google schon vor einiger Zeit übernommen und weiterentwickelt. Die FIlter sind jetzt schon in der Version 3 in die DxO Software integriert. Trotzdem bietet DxO noch eine Möglichkeit, die kostenlose alte Version 1 gegen Angabe der Email-Adresse herunterzuladen. Der Downloadlink steht weiter unten.
Die wahrscheinlich letzte Gelegenheit, an diese mächtige Filtersammlung heranzukommen. Damit kannst du Bilder verbessern, verfremden, in Schwarzweiß konvertieren, Entrauschen, Schärfen, HDR-Aufnahmen erstellen …
UPDATE 06/2021: Wie es aussieht, ist die Schonfrist abgelaufen. Der Link führt auf die kostenlose 30-Tage-Demoversion von DXO. Eine Zeit lang konnte man nach Registrierung mit der Email auf eine kostenlose ältere Version zugreifen. Vielleicht geht das ja noch. Probiere es mal aus und melde dich. Ich bin bei DXO registriert, da geht gleich mein Konto auf. Auch die Links zur alten Google-Version existieren nicht mehr. Du kannst aber einmal hier nachschauen: https://archive.org/details/nikcollection-full-1.2.11. Viel Glück
In einem eigenen Artikel stellen wir die einzelnen Module der NIK-Collection genauer vor. Dort findest du auch noch viele weitere Beispiele für die Bildbearbeitung:
Die NIK-Filter: Freie und Bezahl-Version. Ein Vergleich
Die einige hundert Megabyte große Nik-Collection verlangt einiges an Rechenpower von deinem Computer und deiner Grafikkarte. Wenn die Programme also eine Weile zum Öffnen brauchen, und wenn sich die Filtereinstellungen nur ruckelig vornehmen lassen oder nur verzögert reagieren, ist dein Notebook/PC wahrscheinlich etwas schwachbrüstig.
Mit Analog Efex auf Alt getrimmt
Anleitung zur Installation der kostenlosen Nik Filter unter Windows:
Die NIK-Collection gibt es jetzt aktuell noch unter:
https://nikcollection.dxo.com/nik-collection-2012/
DxO verweist zwar auf der Seite auf seine aktuelle Version und den 30-Tage-Trial, darunter kommst du aber zum Download für die ältere Windows-, bzw. Mac-Version. Du musst halt deine Email-Adresse hinterlassen, um da ranzukommen. Auch so eine Art Kundenbindung.
Starte nach dem vollendeten Download die Installation mit Doppelklick auf die Datei.
Beim Weiterklicken erscheint ein Fenster mit den auf deinem Rechner installierten kompatiblen Anwendungen, für welche die Nik-Filter gedacht sind.
Das können sein: Photoshop, Lightroom, Photoshop Elements oder Adobe Bridge.
Klicke auf Weiter bis zum Abschließen der Installation.
In Adobe Lightroom findest du die Nik-Filter im Kontext-Menü der rechten Maustaste.
In Photoshop tauchen die Nik-Filter in einem eigenen Fenster auf.
In Photoshop Elements tauchen die Nik-Filter in einem eigenen Fenster auf.
Bei Adobe Bridge zeigt sich bei mir nur HDR-Efex Pro in einem Untermenü.
Stand-Alone-Betrieb der Nik-Collection
Normalerweise sind die Module der Nik-Collection in Verbindung mit einem Bildbearbeitungsprogramm vorgesehen, außer HDR-Efex Pro. Es gibt aber einen Trick, die Module im Standalone-Modus zu betreiben:
Zuerst musst du die Nik-Collection installieren. Das kann in seltenen Fällen daran scheitern, dass kein kompatibles Bildbearbeitungsprogramm installiert ist.
In diesem Fall lade dir eine Demo-Version von Adobe Lightroom oder Photoshop Elements herunter und installiere die vorher. Dafür musst du dich mit einer Email-Adresse bei Adobe registrieren.
Gehe nach der Installation der Nik-Filter in das Programmverzeichnis der Installation. Meist ist das C:\Program Files\Google\Nik Collection\
Darunter findest du die einzelnen Modul-Ordner. In jedem dieser Modul-Ordner findest du die entsprechende .exe-Datei. Im Sharpener Pro-Ordner sind es zwei, eine für das Pre-Sharpening, eine für das Output-Sharpening.
Du kannst zwar jede .exe-Datei doppelklicken und starten, kannst damit aber nicht deine Bilder öffnen. Dazu gibt es einen Trick:
Mit Rechtsklick auf die .exe-Datei wählst du „Senden an“ „Desktop (Verknüpfung)“.
Damit legst du das Icon des Nik-Filtermoduls auf deinem Desktop ab.
Im nächsten Schritt ziehst du das .tif oder .jpg Bild, welches du bearbeiten willst, mit der Maus auf das Icon. Das Programm öffnet sich und du kannst das Bild bearbeiten.
Nik-Collection unter Faststone Image Viewer
Im Faststone Viewer (www.faststone.org) habe ich mir unter Einstellungen-Einstellungen-Programme einige Links auf die .exe-Dateien der Nik-Filter hinzugefügt. Jetzt kann ich mit der rechten Maustaste auf ein beliebiges Bild klicken und kann es im Kontextmenü unter dem Punkt „Mit ext. Programm bearbeiten“ in einem der Nik-Programme öffnen und bearbeiten.
Über das Kontext-Menü vom Faststone Image Viewer kann ich ebenfalls die Nik-Filter aufrufen und meine Bilder bearbeiten.
Ich gehe davon aus, dass diese Methode auch anderen Bildbetrachtern, wie Irfanview und Xnview funktioniert. Voraussetzung ist nur, dass auf externe Programme verlinkt werden kann.
ACHTUNG: Bevor du die Aktion mit „Speichern“ beendest, solltest du dir bewusst sein, dass dein Ausgangsbild mit der bearbeiteten Version überschrieben wird. Willst du dein Original auch für andere Bearbeitungen benutzen, mache dir besser vor der Bearbeitung ein paar Arbeitskopien, mit denen du experimentieren kannst.
Weitere Hinweise zur Bearbeitung, Anleitungen, Tutorials und Tipps findest du in haufenweise im Internet.
Nik Filter Vergleich, links ohne, rechts mit Nik
Die aktuelle Version 3 der Nik-Collection bietet wieder neue Plugins. Jetzt ist z.B. auch die Perspektive-Korrektur integriert. Und für Lightroom Classic User: Nik-Filter lassen sich jetzt direkt aus Lightroom starten und nicht-destruktiv anwenden. Informationen von DxO unter:
https://nikcollection.dxo.com/de/
Die Nik-Filter in neuester Version sind gerade bei DxO im Angebot (20.09.2020) für 100 € anstatt 149 €. Vergleichst du die Menge der Möglichkeiten der Bildbearbeitung, ist das ein absolutes Schnäppchen, auch im Vergleich mit der noch freien älteren Version.
Was du alles mit den Nik Filter machen kannst und wie wir sie nutzen kannst du in diesem Blogbeitrag nachlesen:
Als Familie auf Tour – Sieben Gründe warum Kinder auf Reisen besser lernen als in der Schule
Wir waren schon immer viel mit unseren Kindern unterwegs. Vor der Schule bereisten wir die USA, Kanada und Neuseeland. Das tat dem Familienzusammenhalt gut, wochenlang auf engem Raum im Reisemobil zu wohnen und die Welt zu erleben. Unsere Kinder waren unterwegs immer neugierig, wissbegierig, ausgeglichen und fröhlich. Als die Kids zur Schule gingen, nutzten wir zwangsläufig die Ferienzeiten zum Reisen. Uns fehlten jedoch die Langzeitreisen. In zwei Wochen mal schnell in die Bretagne ist stressig. An Termine gebunden sein hemmt die Spontanität. Wenn es uns wo super gut gefällt, können wir nicht bleiben. Die Zeit drängte, pünktlich zum Schulbeginn mussten wir ja wieder zurück sein.
Im Jahr 2009 wagten wir endlich den Absprung: Wir nahmen ein halbes Jahr Auszeit, zogen mit unserem Wohnmobil los und erkundeten das nördliche Europa. Das hat uns so gutgetan, dass Gunter im Jahr darauf seinen Job endgültig kündigte, und seither reisen wir gemeinsam etwa sechs Monate im Jahr.
Heute Abend werden wir – Esra und Noah, und Gabi und Gunter – im Rahmen der Bildungskonferenz im Interview zu hören sein. Hier stellen wir ein paar unserer Erkenntnisse in kompakter Form vor.
Wandern auf der Isle of Skye
1. Selbstbestimmtes Lernen ist wahres Lernen
Lernen kann man nicht erzwingen. Lernen findet sowieso nur im eigenen Kopf statt. Das englische Sprichwort bringt es für mich auf den Punkt: »When the Student is ready, the teacher will appear« Auf Deutsch in etwa: »Wenn du bereit bist, wird Dein Lehrer auftauchen« Oder, wenn du dich für ein Thema interessierst, wirst du einen Weg finden, dir Wissen dazu anzueignen. Du wirst dir in der Regel selbst einen Mentor suchen, oder ein Video im Internet oder ein Buch. Jedenfalls wirst du automatisch lernen, wenn du für das Thema brennst. Dieses aus eigenem Interesse angeeignete Wissen wird sich in deinem Kopf und Verständnis festsetzen. Das ist das wahre Lernen. Das ist ein Wissen, welche dauerhaft bestehen bleibt.
2. Selbstbestimmtes Lernen funktioniert am besten, wenn die ganze Familie ein selbstbestimmtes Leben lebt.
Wir erkannten, dass unsere Kinder sich wesentlich wohler fühlen, wenn sie frei ihren Interessen nachgehen konnten. Doch wie ist das in unserer Gesellschaft umsetzbar? Wenn die Eltern jeden Tag arbeiten gehen, ist ein Miteinader in der Familie schwer möglich. Die Woche wird in Arbeits-/Schultage, Wochenende, und Feierabend aufgeteilt. Für uns war es, auch aufgrund der rechtlichen Lage in Deutschland, der einzige Weg, den »sicheren« Job zu kündigen und gemeinsam hinaus in die Welt zu ziehen. So nahmen die Kinder an unserem Leben teil, sie lebten in der Welt der Erwachsenen. So macht selbstbestimmtes Lernen, welches ja dabei permanent stattfindet, für die Familie Sinn und Spaß obendrein. Sie lernen nicht an künstlichen für den Schulunterricht geschaffenen Szenarien, sondern an der Realität. Das Leben erleben ist unser Motto.
3. Kinder brauchen die Natur
Je mehr wir in der Natur unterwegs waren, desto weniger künstliche Unterhaltung brauchten unsere Kids. Mit Treibholz Häuser bauen, Steine ins Wasser werfen, schauen, wie lange ein Tannenzapfen im Fluss schwimmt, Tiere beobachten. Das tat den Kindern in jungen Jahren äußerst gut. Gekauftes Spielzeug wurde unwichtiger, je länger wir auf Reisen waren. Aber auch mit den Kindern im Teenageralter macht es riesigen Spaß Wanderungen zu unternehmen, Nordlichter zu erleben und sich bewusst zu machen, dass wir alle Teil der Natur sind.
4. Beim mühelosen Lernen verschmelzen die Themen immer miteinander
Es ist nahezu unmöglich, ein Schulthema isoliert zu erlernen. Sprachen sind dazu da, sich mitzuteilen oder etwas zu erfahren. Am besten lernst du eine Sprache, wenn du dich für ein bestimmtes Thema interessierst, welches nur in dieser Sprache kommuniziert wird.
Und meist fällt ein Thema auch in zwei oder mehr Fachbereiche. Wenn wir zum Beispiel mit einem Norweger über Fischerei und Überfischung sprechen, das ist dann fachübergreifend Geschichte, Ökonomie, Gesellschaftskunde und Biologie. Und natürlich findet das Gespräch in Englisch statt.
5. Das Familienleben ist harmonisch, wir leben nicht nur nebeneinander her.
Durch die viele Zeit, die wir gemeinsam unterwegs verbracht haben, kennen wir uns untereinander sehr gut. Unser Zusammenhalt ist viel stärker als er es noch zu Schulzeiten war. Damals brachte jeder seinen Stress von der Schule oder der Arbeit mit, zuhause entludt sich die Anspannung und wir pflaumten uns oft an. Mittlerweile verstehen wir uns oft schon ohne Worte, wir arbeiten als eingespieltes Team zusammen.
6. Lernen sieht man von außen nicht
Oft merkten wir es nicht sofort, wenn die Kinder etwas Neues gelernt hatten. Zum Beispiel verbrachten Esra und Noah enorm viel Zeit damit, Warhammer-Figuren zusammenzubauen und zu bemalen. Natürlich wollten sie sich auch mit anderen Fans austauschen. Sie wurden im Internet aktiv, schrieben auf englischsprachigen Foren und suchten dort nach Rat und neuen Ideen.
Als Mutter der Beiden erschien mir das anfangs als reine Zeitverschwendung. Doch als Esras Englisch-Prüferin ihn für sein makelloses geschriebenes Englisch lobte, erkannte ich, dass auch scheinbar nutzlose Beschäftigungen wichtig sind. Nebenbei lernten die beiden Wichtiges über selbstständige Organisation und Planung, und fanden Wege, wie man sich effizient Wissen und Techniken aneignet. Außerdem bot diese eher meditative Tätigkeit viel Raum zum Hören von Hörbüchern. Da kann man sich ne Menge Literatur so nebenher reinziehen.
7. Glückliche Menschen sind wichtig für eine funktionierende Gesellschaft
Natürlich profitiert die gesamte Gesellschaft davon,, wenn jemand seinem Tun mit viel Leidenschaft nachgeht, statt seinen Job nur lustlos auszuführen, in sehnsüchtiger Erwartung des Wochenendes. Unserer Erfahrung nach fällt es selbstbestimmt Lernenden leichter, ihre Interessengebiete zu finden und darin zu glänzen. Tendenziell finden sich Freilerner regelmäßig in der Spitzengruppe bei Berufsausbildung und Studium wieder. Tatsächlich üben alle erwachsenen Freilerner in unserem Bekanntenkreis inzwischen einen Beruf aus, auf den sie schon seit Jahren hingearbeitet haben und der sie glücklich macht. Solche Menschen braucht die Gesellschaft!
Mittlerweile legten alle drei Kids nach Jahren des freien Lernens externe Schulabschlüsse ab. Esra machte das Abi, Noah und Amy den Realschulabschluss. Für uns war es eine erstaunliche Erkenntniss, dass für einen Realschulabschluss zwei Monate effektive Lernzeit von etwa 6 Stunden am Tag für einen guten Abschluss ausreichen. Den Schulstoff so geballt zu lernen ist der Hauptvorteil der externen Abschlüsse. Mathe zum Beispiel wird auf so kleine Happen aufgeteilt, dass der Sinn hinter den Übungen verloren geht. Ich vergleiche das mit einem Lied, welches zu langsam – viel, viel zu langsam – gespielt wird. In einem weg gelernt versteht man die Zusammenhänge, ja das macht das sogar großen Spaß.
Zur Zeit lernt Noah für das Abi und Amy übt sich im Geschichtenschreiben.
So in etwa erzählen wir in unserem Interview beim Bildungskongress, den du noch bis morgen kostenlos anhören kannst.
PS Ich selbst habe das Abi auf dem 2. Bildungsweg gemacht. Das beruhigte mich auch im Bezug auf unsere Kinder, denn ich wusste, wenn man das Abi will, dann kann man es jederzeit machen. Notfalls eben im 2. Bildungsweg.
Orcas in Nord-Norwegen, eine fotografische Herausforderung
Im Winter zur Waltour nach Norwegen
Im Sommer sind wir schon seit Jahren immer in Norwegen um die Mitternachtssonne und die Tiere zu genießen und fotografieren. Schon oft traf ich Fotografen, die mir den Tipp gaben, doch mal im Winter zu kommen um die Orcas im Tysfjord zu fotografieren. Die Orcas sind nur im Winter, von ca. November bis Januar im Tysfjord, in der letzten Zeit eher im Vestfjord. Der norwegische Winter machte mich neugierig. Ich versuchte mir die Landschaft im Schnee vorzustellen und war schon vor Reisebeginn begeistert und aufgeregt. Im Winter nach Nord Norwegen zu reisen ist nicht unbedingt einfach, denn man braucht die unterschiedlichsten Fortbegewungsmittel. Nach zwei Flügen nahm ich den Bus zur Fähre und wurde nach einstündiger Überfahrt von Lodingen nach Bognes von einem Freund abgeholt. Ein ganzer Reisetag lag zwischen dem grauen, nassen Deutschland und dem verschneit, norwegischem Winterwunderland.
eine Gruppe Orcas in wunderbarer winterlicher Fjordstimmung
eine Gruppe Orcas in wunderbarer winterlicher Fjordstimmung
Zu den Orcas im Tysfjord
Am nächsten morgen ging ich sogleich auf die erste Waltour. Da wir Stunden auf dem Boot verbringen würden, waren alle sehr warm eingepackt. Weil man sich auf einem Boot nicht so bewegen kann, wie in der freien Natur, sollte man Schuhe wählen, die bis auf – 40°C warm halten, auch, wenn es so kalt nicht ist. Meine Füße waren also bestens versorgt, nur meine Handschuhe eigneten sich wenig, weil ich darin schwitzte und sehr bald kalte Finger hatte. Für Fotografen sind natürlich warme Hände essentiell. Nach dieser Erfahrung werde ich nur noch Handschuhe benutzen, mit denen ich auch ohne das Hochklappen der Fingerspitzen die Kamera bedienen kann. Bei Temperaturen von – 10°C und Wind auf dem Boot stecken die Fingerspitzen diese völlige Blöße nicht weg. Aber: man kann in Norwegen bestens Handschuhe kaufen und sollte sich zuhause nicht zu viele Gedanken darum machen.
Orca an einem regnerischen, trüben Tag, Tysfjord, Norwegen
Orca an einem regnerischen, trüben Tag, Tysfjord, Norwegen
Bei Regenwetter im Norden von Norwegen fotografieren
Regenwetter – es ist zwar schwierig, weil die Kamera dauern naß wurde aber die Fotos wirken autentisch und vermitteln die typische Stimmung im Fjord.
blasender Orca, Tysfjord, Norwegen
blasender Orca, Tysfjord, Norwegen
Nun, ich stand also auf dem Boot, der Leonora, und betrachtete begeistert die winterliche Landschaft. Dazu hatte ich nicht viel Zeit, schon sichteten wir die ersten Orcas. Seit 1992 werden im Tysfjord in Norwegen Orca Touren angeboten. (Seit einigen Jahren sammeln sich nicht nur Orcas, sondern auch Buckelwale und Finnwale im November recht zuverlässig in der Nähe von Tromsö)
Besonders gut eignet sich dieses Gebiet, weil die Orcas ab Oktober den Heringen in den Fjord folgen und man diesen relativ (im Vergleich zum offenen Meer) kleinen Fjord gut überschauen kann. So findet man mit sehr großer Sicherheit Wale auf den Touren, die je nach Licht und Witterung 5-8 Stunden dauern. Orcas sind so interessant für Walbeobachter, weil sie sehr soziale, in Gruppen lebende Säugetiere sind und man sehr viele verschiedene Aktivitäten vom Boot aus beobachten kann. Wenn die Tiere ruhige an der Wasseroberfläche liegen „schlafen“ sie, indem eine Gehirhälfte abschaltet, während die andere das lebensnotwendige Atmen steuert. Der Kapitän, Per Ole Lund, dreht das Boot dann ab, um den Tieren die nötige Ruhe zu ermöglichen.
Walbeobachtung vom Boot aus
Oft kann man den Gruppen in angemessenen Abstand folgen, wenn sie von einer Stelle im Fjord zum nächsten unterwegs sind. Diese Reisebewegungen der Wale zu beobachten ist fotografisch sehr interessant, denn man sieht, wie schnell und optimal angepaßt sie in ihrem Lebensraum sind. Oft hat man hier die Chance sehr dynamische Fotos zu machen.
Am belebtesten und fotografisch am herausfordernsten wird es, wenn man die Orcas beim gemeinsamen Jagen der Heringe erleben kann. Hier im Tysfjord haben die Wale ein ganz besondere Jagdmethode entwickelt, die man „Carousell Feeding“ nennt. Dabei treiben die Wale in Teamwork die Heringe mit Hilfe ihrer hellen Bauchunterseite immer enger zusammen. Mit Schlägen der Fluken über und unter Wasser werden die zur Kugel zusammengetriebenen Heringe danach betäubt und nach und nach einzeln verspeist. Manchmal, wenn man Glück hat, kann man sehen, wie die Heringe in einem letzten Versuch zu entkommen, aus dem Wasser springen.
Möwen und Adler bei der Waltour
Doch auch in der Luft warten schon tausende Möwen und sehr viele Seeadler, die auch einen Teil des Festmahls haben möchten. Welch ein Spektakel! Schwierig ist die Fotografie in solchen Momenten, weil es sehr viele Wale zu beobachten gibt, man aber nie weiss, wann ein Wal wo auftaucht. Man kann sich ein wenig an den Blasgeräuschen orientieren. In solchen Augenblicken werden auch die Orcas neugierig und strecken den Oberkörper aus dem Wasser um über der Wasseroberfläche zu sehen was passiert. Diese sogenannten „Spyhops“ sind besonders schön auf Fotos, aber auch Glükssache, denn der Blickkontakt zwischen Wal und Waltourist dauert nur wenige Sekunden. Nach einer solchen Waltour, auch, wenn sie anstrengend, kalt und evtl naß war, sieht man tatsächlich nur glückliche Menschen an Bord.
Fischerboote im Tysfjord, diese Lichtstimmung hielt sich übrigens stundenlang
Fischerboote im Tysfjord, diese Lichtstimmung hielt sich übrigens stundenlang
Doch warum ist die Orca Fotografie eine solche Herausforderung?
Da sich der Tysfjord oberhalb des Polarkreises befindet, werden die Tage im Winter immer kürzer, bis dann die Sonne Ende November gar nicht mehr über den Horizont und schon gar nicht über die Berge kommt. Diese Zeit vor der Polarnacht kann sehr schön sein, weil man sich sozusagen im ständigen Sonnenauf- oder auch untergang befindet. Das Licht und die Farben sind phänomenal, doch auch sehr schwach. Mit den neuen Digitalkameras ist man also sehr im Vorteil, weil man die Isozahl ständig den unterschiedlichen Lichtbedingungen anpassen kann. Man sollte für eine gute Fotoausbeute mehrere Tage einplanen, denn je nach Bewölkung bekommt man ganz unterschiedliche Stimmungen. Ich hatte an den 5 Tagen auf dem Meer sehr großes Glück und von klarem Himmel bis starken Regenfällen war alles dabei. An meinem letzten Tag, dem 24.11. kam ich sogar um 12:00 Uhr mittags nicht über 800 ISO.
Es lohnt sich also eher Anfang November einzuplanen, weil man dann evtl Sonnenlicht auf den Walen hat, was Ende November gar nicht mehr der Fall ist. Die Touren werden von Mitte Oktober bis ca. 20 Januar angeboten. Mittlerweile scheint es besser zu sein, etwas später zu fahren, weil die Wale eher später kommen.
Um eine weitere Perspektive zu sehen, buchte ich auch eine Tour mit dem Zodiac, einem sehr schnellen Schlauchboot. Von dieser Basis aus gibt es die Möglichkeit in besonderen Trockentauchanzügen auch mit den Orcas schwimmen zu gehen, was ich mir ersparte:-) Nun, später bereute ich es, denn in diesen Anzügen war man bestens für das Wetter, welches auf Regen umgestellt hatte, gerüstet. Am Ende waren alle naß auch die ohne diese Anzüge! Für die Kameraausrüstung war es ein Härtetest, denn zum Regen kam die Gischt hinzu, wenn das Zodiac mit hoher Geschwindigkeit über den Fjord schoss. Die Kameras, ich war mit zwei Canon 20d’s unterwegs, hielten das Ganze bestens aus, die Wassertropfen, die sich unweigerlich auf der Linse sammelten, unterstrichen die regnerische Stimmung. Ein Akku packte selbst bei -8°C und Wind ca. 800 Bilder. Bei einigen Leuten auf dem Boot setzte gerade bei diesen sehr niedrigen Temperaturen die Canon 350d zeitweise aus. Nach kurzem Aufwärmen des Akkus in der Hosentasche oder unter der Jacke waren diese Kameras nach wenigen Minuten wieder einsatzbereit.
Polarlicht Fotografie
Ja und wenn man dann Abends nicht zu müde ist, lohnt es sich immer, den Himmel im Blick zu halten, denn das Polarlicht ist für uns Deutsche doch eine sehr seltene Erscheinung, für die sich das Mitschleppen des Stativs auf alle Fälle lohnt.
Als Ausgleich zur reportageartigen Art der Fotografie an Bord eines Schiffes ist das Arbeiten mit Stativ und Drahtauslöser eine schöne Art der Meditation und ein toller Abschluß einer fotografisch anspruchsvollen Reise!
Und Elvis schaut herab – seht Ihr ihn?
Und Elvis schaut herab – seht Ihr ihn?
Anmerkung im Oktober 2022:
Die Touren wurden bisher, wie hier beschrieben im Tysfjord veranstaltet. Jedoch änderten die Orcas ihre Route. Sie sind jetzt weiter im Norden in der Nähe von Tromsö zu finden.
Fotogalerie OrcasPolarlicht fotografieren
Mit Hund nach Sylt
Trubelige Ferieninseln sind für Hundebesitzer eher stressige Reiseziele. In der Saison. Außerhalb des größten Andrangs von Touristen ist die beliebteste deutsche Insel Sylt jedoch ein Paradies für Vierbeiner. Wir testeten die Insel während der Sylter Hundstage im März. Dackel Grindel war begeistert – wir auch!
Weststrand von Sylt
Drei Reicherts mit Dackel im Hotel
Nachdem wir eine Woche lang in List in einer sehr gemütlichen Ferienwohnung gewohnt hatten, ist es für uns an der Zeit, mal was Neues zu erleben. Als wir zu fünft unterwegs waren, kamen Hotels aus Kostengründen nicht in Frage. Das lag dann nicht an dem Übernachtungskosten sondern an der Tatsache, dass es schwierig ist, drei Teenager mit Restaurantkost satt zu bekommen ohne ein großes Loch in die Reisekasse zu reißen.
Auf Sylt sind wir zu dritt plus Dackel unterwegs und dürfen zwei Tage im Lindner Strand Hotel Windrose in Wenningstedt übernachten. Die Nähe zum Strand ist fantastisch. Einmal die Straße überqueren, 50 Meter über die Aussichtsplattform und dann die neue große Treppe zum Weststrand hinunter. Wir laufen diese Strecke während der nächsten zwei Tage andauernd, brauchen das Auto fast gar nicht.
Dackel Grindel am Ellenbogen, Insel Sylt
Hundefreundliches Hotel Lindner auf Sylt
Das Hotel Windrose ist als hundefreundlich bekannt, und tatsächlich finden wir bei unserer Ankunft neben dem obligatorischen Hundekorb mit Kuscheldecke ein großes Hundepaket mit Futterproben, Leckerlis, ein Hundemagazin und ein Hundehandtuch vor. Grindel probiert genüsslich die Leckerbissen, im Magazin mag sie aber nicht schmökern.
Nach einem ausgiebigen Frühstück unsererseits kann es unsere Dackeldame Grindel am nächsten Morgen kaum erwarten, über die neu errichtete Holztreppe hinunter ans Meer zu laufen. Anfang März ist der Sylter Weststrand noch fast menschenleer und die Hunde dürfen noch frei herumtoben. Sobald wir am Fuß der Treppe ankommen, fliegt Grindel förmlich über den Strand, die Pfoten berühren kaum den Sand und die Schlappohren flappen wie Flügel, als stünde unser Dackel kurz vor dem Abheben. Manchmal gibt es fast nichts schöneres auf der Welt, als unserem Hund zuzusehen, wie er überglücklich über den Strand fegt. Und das mit einer Ausdauer und Kondition, die uns immer wieder staunen lässt.
Grindel ist wasserscheu – schafft sie es über den Priel?
Ja, sie schafft es!
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Sylter Hundstage im März und November
Wenningstedt steht zudem vom 6. bis 11. März ganz im Zeichen der Sylter Hundstage. Ein ausführliches Programm mit allerhand Aktivitäten erwartet die Vierbeiner. Hundespaziergänge in der Natur, Hundetrainingskurse, Vorträge über Erste Hilfe und Hundeverhalten, ein Kochkurs für Hunde und mehr wird angeboten.
Wir nehmen wegen der knappen Zeit an keinem Kurs teil, und unserem Dackel genügt es vollkommen, wenn er den Strand umgraben darf. Obendrauf sind wir auch durch unsere Fotografie voll ausgelastet. Nur die Hundemesse im benachbarten Kursaal³ schauen wir uns gemeinsam mit Grindel an. Hier gibt es alles, was das Hundeherz begehrt. Von Leinen über Hundekörbchen, Hundebekleidung und natürlich eine Riesenauswahl an Futter und Leckereien. Die freundlichen Aussteller verwöhnen unseren Dackel mit Leckerlis, was Grindel gnädig über sich ergehen lässt.
Ohne Verschnaufpause geht es hinterher wieder zum Weststrand zum Toben. Sehr vielen anderen Hunden begegnen wir nicht am Strand. Die kleineren fordert Grindel sofort zum Spielen auf, die größeren hält sie mit lautem Gekläffe auf Distanz, da hat sie Respekt vor den tapsigen Vorderpfoten ihrer Artgenossen.
Bald wird diese Freiheit vorbei sein. ab 15. März gilt an vielen Strandabschnitten wieder die saisonale Leinenpflicht. Dann gibt es jedoch überall bestimmte Gebiete auf denen Hunde spielen können.
_______________________________________________________________Das Dackel-Buch „Wir dackeln durch Europa“
Weniger hundeaffine Menschen finden auf Sylt kaum Gelegenheit, sich über canine Stoffwechselendprodukte zu echauffieren. Verständlich gesagt: Wir finden nur selten Hundehäufchen auf den Wegen oder an den Stränden. Überall gibt es vorsorglich Spender für Hundekotbeutel und Mülleimer, was von den Hundebesitzern dankbar angenommen und genutzt wird.
Wer neugierig geworden ist und seinem Vierbeiner einen Besuch der Sylter Hundstage gönnen möchte, muss nicht bis zum nächsten Jahr warten. Die nächsten Hundstage finden vom 6. bis 11. November statt. Dann ist der heftige Trubel der Saison vorüber und die Hunde können wieder frei auf dem 40 Kilometer langen Weststrand herumrennen.
Mehr über Sylt hier bei uns im Blog
Das Dackel-Buch: „Wir dackeln durch Europa“
Das Lindner Hotel Sylt spendierte uns die zwei Übernachtungen. Herzlichen Dank dafür!
Nordlicht auf Sylt – am nördlichsten Ende von Deutschland
Seit Tagen war das Wetter grau in grau mit sporadischen Regenschauern. Dann klarte es heute endlich etwas auf. Wir waren den ganzen Tag auf den Beinen und freuten uns über das Sonnenlicht. Es machte riesigen Spaß zu fotografieren, da die Sonne selbst kleinste Details zum Leuchten brachte.
Bis nach Sonnenuntergang standen wir am Strand, da war die Stimmung wieder verflogen und esregnete uns schon wieder auf die Linsen. Nun denn, Kameras eingepackt und ab in die warme Stube!
Die Nordlichtvorhersagen und die einschlägigen Internetforen habe ich täglich im Blick. Das war unser großes Glück. Die Chance, dass ein starker Sonnensturm auf das Erdmagnetfeld trifft, standen theoretisch gut. Doch da waren noch die Wolken, die eine Beobachtung verhindern würden.
List West bei Tag, Sylt
Langzeitbelichtung mit ND Filter um den Strum darzustellen
List West Leuchtturm, Sylt, Deutschland
List West bei Tag, Sylt
Langzeitbelichtung mit ND Filter
Nordlichtwarnung und raus
Wir lagen bequem auf dem Sofa und schauten uns gerade eine Tatortfolge an. Immer wieder ging ich kurz raus auf die Veranda und checkte die Wetterlage: unf siehe da, zwischen der aufreissenden Wolkendecke funkelten Sterne am Himmel. Schnell hatten wir Jacken und Mützen übergezogen, die Kamerarucksäcke geschnappt und auf dem Weg zum Sylter Ellenbogen. Der Leuchtturm List West, das nördlichste Bauwerk Deutschlands war unser nächtliches Ziel.
Und da war es tatsächlich am Himmel zu sehen, das Nordlicht, tief unten am Horizont. Wir fotografierten drauf los, bis der heraufziehende Wolkenvorhang das Schauspiel beendete. Da waren wir mal wieder zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen. Nur ein paar vereinzelte Sterne schafften es noch, ihr Licht durch vereinzelte Wolkenlücken zu mogeln. Hoch zufrieden mit der Ausbeute kehrten wir zurück ins Warme. Der Tatort war schon vorbei, lief aber zeitversetzt im dritten Programm, und so klemmten wir uns wieder aufs Sofa und schauten Thiel und Professor Börne bei ihren Ermittlungen zu.
Nach Mitternacht checkten wir nochmal den Himmel, die Wolken hatten sich wieder verzogen. Also nochmal rein in die Klamotten und mit unserem VW-Bus hoch zum Ellenbogen gedüst. Wieder stapften wir durch den sandigen Weg zum Leuchtturm und schafften es gerade noch, das letzte zaghafte rote Nordlichtflackern auf die ersten Bilder zu kriegen. So ein Mist, da hatten wir doch tatsächlich den zweiten Nordlichtausbruch mit roten Strahlen verpasst.
Na ja, wir wollen nicht zu gierig sein, das grüne Nordlicht haben wir immerhin eingefangen. Und wir sind dankbar dafür, das der Wettergott ein Einsehen gehabt und uns die Wolkenlücken besorgt hat.
Grünes Nordlicht am Leuchtturm List West, Sylt, Deutschland. Die Wolken kamen schnell, und dann war die Show vorbei
Nordlicht beim List West, Sylt
Ein kurzer Anflug von rotem Nordlicht nach Mitternacht, bis die Wolken heraufziehen
Der Sonnenuntergang war heute übrigens auch wunderschön gewesen. Nicht so klassisch knallig rot-orange, mehr in dezenten Gelbtönen, die gut mit dem weißgrau der Wolken und dem Blau des Himmels harmonierten.
Alles in Allem ein fotografisch sehr ergiebiger Tag nach all dem vorherigen Einheitsgrau.
Was mich besonders freute: Das Nordlichtfoto wurde Titelblatt meines Leuchtturm Kalenders bei Delius Klasing.
List West Leuchtturm, Sylt, Deutschland
Wir haben übrigens ein Buch über die Nordlichtfotografie geschrieben!
Dein Weg zum Nordlichtbuch, Gabi & Gunter Reichert
Anreise nach Sylt mit dem Autozug
Sylt steht für Meer, Sandstrand, Leuchtturm und Urlaub
Höre ich den Namen Sylt, sehe ich Sandstrände, Wellen, Holzstege und Leuchttürme vor meinem inneren Auge. Die deutsche Insel Sylt steht als Synonym für Urlaub. Wie bei anderen Inseln auch gibt es süchtige Syltfans. Sie besuchen die Insel, wann immer sich die Gelegenheit bietet.
Leuchttürme auf Sylt
Auf Sylt gibt es zig berühmte Leuchttürme. Hier steht das nördlichste Gebäude Deutschlands: der Leuchtturm List West. Warum wir es bisher noch nicht auf die bekannteste deutsche Insel geschafft haben, ist mir selbst ein Rätsel.
Aber jetzt ist es endlich soweit. Wir besuchen Sylt Ende Februar, weit außerhalb der Saison. Oder gibt es auf Sylt überhaupt noch ein außerhalb? In den Fenstern etlicher Ferienwohnungen brennt Licht. Doch am Strand ist es einsam. Der Sturm mag daran schuld sein. Er peitscht den Sand horizontal über den Strand. Die Schneeflocken haben mehr die Konsistenz von Eisbällen und stechen wie Akupunkturnadeln in unsere Gesichter. Trotzdem ist es eine Wonne, die frische, salzige Seeluft tief in die Lungen hineinzuziehen.
Ferienwohnung mieten ist ganz einfach
Wir haben eine Ferienwohnung in List unweit des berühmten Ellenbogens gemietet. Da wir intensiv an unserem Nordlichtbuch gearbeitet hatten und auch noch mitten in der Planung einer Fotoreise stecken, buchten wir extrem kurzfristig. Wenige Tage vor der geplanten Abreise suchte Gunter eine hundetaugliche Wohnung. Herr Claussen von List-Info reagierte sofort auf die Anfrage und rief umgehend zurück. Ruckzuck waren die Modalitäten geklärt, wir würden einfach bei Ankunft bar zahlen. Wir hatten unsere Wohnung auf Sylt.
Weststrand auf Sylt
Treppe zum Weststrand auf Sylt
Strandzugang Weststrand Sylt
Mit dem Autozug auf die Insel
In den letzten Jahren hatten wir schon viele Inseln besucht. Darunter einige harmlose – du fährst über eine Brücke und schon bist du dort. In Deutschland gehören Fehmarn, Rügen, Usedom, Poehl zu dieser Gruppe, in Schottland die Isle of Skye und in Schweden Öland.
Andere Inseln, sind relativ leicht mit einer Fähre zu erreichen. Die Isle of Lewis in Schottland ist nur eineinhalb Fährstunden von Skye entfernt. Die dänische Insel Bornholm liegt schon einsamer. Die Fähre ist relativ teuer, die Fahrt dauert auch länger. Die Shetland-Inseln, sind für uns am aufregendsten. Das Meer nördlich des schottischen Festlands hat das Prädikat wild mehr als verdient. Die 15-stündige Fährfahrt bei Windstärke 9 war extrem anstrengend aber auch aufregend.
Sylt gehört irgendwie zur ersten Gruppe. Sie ist seit 1924 mit dem Hindenburgdamm mit dem Festland verbunden, nur kann man da nicht so einfach mit dem Auto drüberfahren. Der Damm ist exklusiv für den Zugverkehr bestimmt. Damit gehört Sylt auch ein bißchen zur zweiten Inselgruppe, denn die Überfahrt muss gebucht und bezahlt werden. So wie bei einer Fähre. Wir waren etwas aufgeregt, wie das wohl klappen würde, mit dem VW Bus auf den Zug zu fahren? Wäre es so, wie bei einer Fähre?
Wir waren spät dran. In Niebüll stand auf einer Anzeigentafel, dass immer 5 Minuten nach der vollen Stunde ein Autozug fahren würde. Es war 15:04 Uhr, als wir ankamen. Zu spät also. Wir kauften per EC Karte ein Hin-und Rückfahrschein für 93 Euro und fuhren durch die Schranke. Wir folgten einfach den Ampeln und landeten völlig problemlos auf dem Zug. Ganz ohne Aufregung oder irgendwelche Schwierigkeiten. Um Platz zu sparen, fuhr ich relativ dicht auf den Wagen vor uns auf, zog die Handbremse und machte den ersten Gang rein. Wir sollten das Lenkradschloss nicht einrasten, kam eine Durchsage über den Lautsprecher und angeschnallt bleiben. Da saßen wir nun, hoch oben auf dem Zug. Ratternd begann er sich zu bewegen. Ich versuchen einen Tee zu trinken. Es wollte mir nicht gelingen. Der Zug rüttelte so stark, dass mein Tee aus der Tasse schwappte. Bei der ruppigen Fahrt gelangte mehr Tee auf meinem Pullover als im Mund.
Es war cool, so hoch auf dem Zug. Die Aussicht war klasse, ich musste mich nicht auf die Straße konzentrieren, sondern konnte mich ausgiebig umschauen. Es irritierte mich nur etwas, dass so dicht vor uns ein Auto stand. Ich halte gern Abstand beim Fahren. Der Blick über die Wattlandschaft gefiel mir am besten. Leider hatte ich die Kamera unerreichbar im hinteren Teil des Autos. Wir waren so schnell auf dem Zug gefahren, dass mir keine Zeit geblieben war sie zu holen.
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Nach circa 50 Minuten kamen wir auf Sylt an und das Herunterfahren war genauso einfach, wie das Drauffahren.
Sylt begeisterte mich auf den allerersten Blick. Die hohen Dünen, die wir von der Straße gen Norden aus sahen, wirken wild und natürlich. Endlich mal kein Kulturland!
Schöne, helle Ferienwohnung im Norden von Sylt
Wir fanden das Büro für die Ferienhausvermietung sehr schnell, bezahlten bar und fuhren zur Wohnung. Alles pickobello, sauber, hell und freundlich.
Wir stellten nur schnell die Taschen ab und fuhren direkt zum Weststrand um den Sonnenuntergang zu fotografieren. Hier merkten wir erst, wie kalt es doch ist. Die Handschuhe sind noch in der Reisetasche. Die Finger frieren mir beim Handtieren mit den Filtern fast ab.
Leider war das erstmal die einzige ernsthafte Fotosession. Das Wetter schwenkte in Schneesturm um, allerdings in der Nacht, die nächsten Tage brachten erstmal langweiligen Regen. Wir warten auf wechselhaftes Wetter und melden uns hoffentlich bald mit stimmungsvollen Fotos.
Diese Reise wird unterstützt von FeWo Direkt. Wir bedanken uns ganz herzlich. Unsere Meinung bleibt dadurch jedoch unbeeinflußt.