Lohnt sich ein Kompaktstativ?
Vielleicht denkst du, was ist denn jetzt in die Reicherts gefahren? Warum geben die sich mit so einem Kleinkram ab? Diese Kleinstative sind doch nur Spielzeug für fotografisch unerfahrene Leute.
- Wir brauchen zur Sicherheit einen Notersatz für alle Fälle. Und wir sind neugierig, ob die Vorurteile gegen leichte Reisestative fundiert sind. Gabis treues Manfrotto 190 hat schon viele Jahre auf dem Buckel und auch einige schwere Misshandlungen hinter sich gebracht. So mussten wir schon ein durch versehentliches Drauftreten verbogenes unteres Beinsegment wieder geraderichten, was bisher der Funktionalität dest Stativs zum Glück keinen Abbruch tut.
- Der zweite Grund ist besonders gewichtig. Wir sind jetzt in einem Alter, wo wir gerne einmal mit leichterem Fotogepäck unterwegs sein würden und trotzdem nicht auf ein Stativ verzichten wollen. Und ein Kompaktstativ ist besser als gar keins, oder etwa nicht? Zumindest wäre das kein Problem, so lange das Stativ hinreichend stabil ist.
- Unser Nachwuchs sorgt für Grund Nummer drei. Esra und Noah sind so langsam auf den Fotografiergeschmack gekommen und oft auf Foto- oder Fahrradtour mit der GoPro oder der Canon EOS M unterwegs. Da passt so ein Kompaktstativ wunderbar dazu.
Dann wollen wir jetzt einmal sehen, was man so einem doch recht filigranen Teil an Kameralast zumuten kann.
Zum einen ist es eine Preisfrage. Über 100 Euro wollten wir nicht investieren. Da fallen schon mal alle Carbon-Stative und höherpreisige Stative, wie das Manfrotto MT190 weg.
Die absoluten Billigheimer sind wie immer keine Option. Standfestigkeit und Robustheit sind für diese Konstrukte Fremdwörter. Leichte Stative von Mantona und Benro hatten wir schon in den Händen, die hatten uns nicht ganz überzeugen können.
Darum schauen wir einfach mal bei Amazon.de vorbei, was sich so auf der Beliebtheitsskala bei den Reisestativen tummelt. Und schau an, die Auswahl an Kandidaten ist gar nicht so klein. Von Amazon gibt es die Basics-Modelle in Alu und Carbon, Manfrotto, Cullmann, Mantona und Rollei sind gut vertreten, und auch einige Exoten. Das Rollei Compact Traveler No.1 fällt uns ins Auge, weil es im Zusammenhang mit unserer Manfrotto-Suche aufgetaucht ist.. Zudem liegt es ziemlich weit vorne in der Kundengunst.

Rollei Compakt Stativ im Einsatz auf der Ile d’Ouessant

Rollei Compakt Stativ auf Ouessant – besteht die Gefahr, dass das Stativ mit Wasser und Sand in Verbindung kommen könnte, sollte man die untersten Segmente ein Stück weit ausfahren!
Das ist jetzt noch kein wirklicher Kaufgrund, denn viele Käufer, sprich Rezensenten, gehen einfach nur über den Preis und achten weniger auf die Qualität. Auch der Traditionsname Rollei spielt nur eine untergeordnete Rolle. Die Marke gehört schon lange diversen Investorengruppen, unter deren Ägide wurde schon allerlei minderwertiges Zeug verhökert wurde.
Die Bauart des Rollei-Stativs macht von der Beschreibung und von den Bildern her keinen schlechten Eindruck. Es wirkt durchdacht und einigermaßen solide konstruiert. Und die Kundenkritiken sind in der Summe sehr positiv. Das Gewicht von knapp 1,2 kg und das Mini-Packmaß von nur 32 cm unterstreichen die Reisetauglichkeit und sind wohl die überzeugendsten Argumente für dieses Stativ.
Wir wollen uns selbst ein Bild vom Compact Traveler machen und bestellen das Stativ kurzentschlossen in der günstigen Ausführung „titansilber“. Die anderen Farbvarianten orange, blau, grün oder schwarz sind teurer oder haben längere Lieferzeiten. Noch keine 24 Stunden später halten wir ein kompaktes Paket in der Hand. Schnell ist das Kleinstativ aus seinem Karton befreit und direkt einsatzfähig.

Rollei Stativ im Test auf Ouessant – ganz ausgefahren und auf weichem Gras stehend sind die Chancen auf scharfe Bilder nicht gerade überwältigend

Rollei Stativ im Test auf Ouessant – so sieht das Ganze schon besser aus!
Der erste Eindruck
Die Konstruktion des Stativs
Unser erster Eindruck ist eindeutig positiv. Es wirkt solide, der einfache Kugelkopf läuft flüssig und hält eine ausgewachsenen DSLR ohne nachzugeben fest. Nun zur Stabilität, dem absoluten Hauptkriterium jedes Statives.
Die doppelt ausziehbare Mittelsäule werden wir in der Regel nicht nutzen, den Auszug der Mittelsäule nutzen wir bei unseren großen Stativen auch nur in der Not. Die kurzen Stummelbeine des Rollei haben vier Auszüge, die mit Drehverschlüssen fixiert werden. Eine Handgelenkdrehung reicht fürs Lockern und Feststellen. Zusammengeschoben lassen sich alle vier Drehverschlüsse auf einmal bedienen. Als langjährige Schnappverschlussnutzer sind wir positiv überrascht.
Sind die dickeren drei Beinsegmente ausgezogen, erreicht die Schnellspannplatte eine Höhe von 88 cm. In dieser Stellung ist das Traveler erstaunlich solide. Auf das letzte dünne Beinsegment werden wir im Normalfall nicht oder nur wenig ausfahren, denn der Vollauszug kann die Verwacklungsgefahr beim Einsatz mit schwereren Kameras erhöhen. Nur ein paar Zentimeter erlaube ich mir, wenn ich das Stativ auf sandigem Untergrund einsetze, damit keine Sandkörnchen in den Feststellmechanismus geraten. Rollei empfiehlt ebenfalls, auf den untersten Beinauszug zu verzichten, wenn die Höhe nicht benötigt wird.
Auch wenn es nicht ohne Stabililtätsverlust höher hinaus geht, wir kommen mit etwas über einem Meter Höhe ganz gut klar. Niedrigere Einstellungen gehen immer, dafür lassen sich die Stativbeine in drei rastbaren Stufen abspreizen. Da die dritte Raststufe im fast rechten Winkel zur Vertikalachse steht, muss die Mittelsäule ausgefahren werden, was die Nutzbarkeit dieser Stufe wieder einschränkt. Insbesondere Makrofans dürfte das stören.
Eigentlich ist das Rollei in Kombination mit einer leichten spiegellosen Systemkamera mit Makroobjektiv ideal für bodennahe Makroaufnahmen. Radikalere Naturen können natürlich auf den Gedanken kommen, die Mittelsäule abzusägen. Damit ginge der Zubehörhaken an der Mittelsäule verloren, was noch zu verschmerzen wäre. Mehr stört uns, dass das Stativ ohne die auszgezogene Mittelsäule nicht mehr so einfach kompakt zusammenklappbar ist.
Der Kugelkopf mit der Schnellspannplatte
Der Rollei Kugelkopf hält eine ausgewachsene Spiegelreflexkamera mit einem 24-105mm Zoom sicher, auch in einer schrägen Position. Für den Preis gibt es verständlicherweise keine extra Stellknöpfe für Panoramaschwenks und Friktion. Die Schwalbenschwanz-Schnellspannplatte benötigt einige Umdrehungen der Fixierschraube, um sie aus der Führung nehmen zu können. In der Schnellspannaufnahme sind drei Libellen für eine exakte Ausrichtung eingearbeitet. Die Libelle in der Arretierschraube finde ich persönlich sehr gut, sie erleichtert die plane Ausrichtung bei spontanen Reproaufnahmen. Die Aufnahmekupplung ist mit einer Inbusschraube auf dem Kugelkopf befestigt, sie kann also gegen ein anderes Schnellspannsystem ausgewechselt werden. Der Kugelkopf ist mit einer 3/8“ Schraube auf der Mittelsäule fixiert und ist ebenfalls auswechselbar.
Das Compact Traveler Zubehör
Mitgeliefert wird ein leichter Nylonbeutel mit Schnüren zum über die Schultern hängen. Zwei Inbusschlüssel liegen bei, damit kannst du die Leichtgängigkeit der Beinspreizung anpassen.
Das Rollei Compact Traveler No.1 geht mit auf unsere aktuelle Bretagnereise und hat Gelegenheit, auf der Ile d’Ouessant zu zeigen was in ihm steckt.
Erster Einsatz in der Bretagne am Leuchtturm Saint Mathieu
Nach langer ermüdender Fahrt erreichen wir spät nachmittags Le Conquet und parken am Leuchtturm von Saint Mathieu. Ich beschließe spontan, mein Manfrotto 055 gegen das Rollei Compact Traveller zu tauschen und die Probe aufs Exempel zu machen.
Die Testbedingungen sind ideal. Die Dämmerung bricht an und verspricht Belichtungszeiten bis zu mehreren Sekunden. Eine frische Brise vom Meer her mit kräftigen Böen steuert die nötigen Umweltfaktoren für die Standfestigkeitsprüfung zu.
Um uns herum huschen etliche Gestalten mit Dreibeinen unterm Arm durch die Dunkelheit. Da tummelt sich gerade eine Fotoworkshopgruppe, da fühle ich mich mit dem spinnenbeinigen Rollei doch ziemlich deplatziert. Ganz abgesehen von den eher mitleidigen Blicken, die ich damit ernte. Rot werden tue ich deswegen nicht, da heiße es eben, Kopf hoch und durch.
Mit den drei oberen der vier Segmente ausgezogen und der Canon 7D mit dem Tamron 2.8/17-50mm oben auf dem Kugelkopf habe ich keine Verwacklungsprobleme. Das Stativ steht robust da. Der Wind oder kurzes Anschubsen bringt es auch nicht in Schwingung. Die Aufnahmen, egal ob ¼ Sekunde oder 20 Sekunden sind in der vergrößerten Rückschau scharf, was sich auch am PC bestätigt.

St Mathieu in der Nacht – 30 Sekunden belichtet mit der Canon 7D auf dem Compact Traveler

Morgenlicht – 0,6 Sekunden lang belichtet
Die Bückerei geht mit allerdings auf die Dauer ins Kreuz und ich mache das, was ich eigentlich vermeiden wollte. Ich fahre die vierten Beinsegmente voll aus und nutze sogar den Auszug der Mittelsäule. Zu meinem Erstaunen steht das Rollei mit voll ausgefahrenen Beinen immer noch sicher. Die ausgefahrene Mittelsäule ist ebenfalls nutzbar, nur muss ich hier viel mehr auf Schwingungen achten. Den zweiten Auszug der Mittelsäule habe ich dieser Situation nicht ausprobiert. Er ist trotzdem nicht nutzlos, als Unterstützung beim Arbeiten mit schweren Teleobjektiven entlastet das vollständig ausgefahrene Rollei-Stativ Arme und Schultern ähnlich wie ein Einbeinstativ.
Auch Hochformataufnahmen meistert das Rollei Compact Traveler ohne Mühe. Die Schnellspannplatte sitzt verdrehfest am Kameraboden und der Kugelkopf hält die Kamera unnachgiebig fest.
Die Nacht bricht an, wir ziehen uns ins Wohnmobil zurück und sind bei Tagesanbruch wieder auf den Beinen. Die Sonne quält sich gerade am Horizont durch ein paar Wolken und der Wind hat merklich an Geschwindigkeit zugelegt. Sicherheitshalber lasse ich die Mittelsäule und den letzten Beinauszug des Rollei bis auf einen kleinen Rest drin. Wenn der Wind allzu böig auffrischt, packe ich zur weiteren Stabilisierung das Stativ am Zentralgelenk und drücke es mit gleichmäßiger Belastung sanft Richtung Boden. Auf diese Weise gelingen mir auch unter diesen widrigen Bedingungen scharfe Aufnahmen. Wenn ein Foto wirklich einmal verwackelt ist, hat es meist am zu weichen Untergrund gelegen.
Fazit des ersten Testeinsatzes
Das Reisestativ Rollei Compact Traveller No.1 erweist sich seines Namens würdig. Es ist ein leichter, zuverlässiger, wenn auch nicht allzu hoher Begleiter auf Fototouren mit wenig Ballast. Die relativ geringe Höhe ist auch unser einziger Kritikpunkt. Bei längeren Fotosessions geht die dadurch bedingte gebückte Haltung doch ins Kreuz und in die Beine. Mit einer Kamera mit ausklappbarem Display sieht die Sache schon besser aus. Da stört die niedrige Maximalhöhe nicht. Das Sucherbild lässt sich entspannt im ausgeklappten Display beurteilen.
Das Rollei kann ohne weiteres mit System- und Spiegelreflexkameras mit Standardzooms eingesetzt werden. Eine Canon 7D mit 24-105mm Objektive trägt es sicher, auch bei Langzeitbelichtungen. Sollten wir auf unseren Wanderungen einmal keine Lust auf die Stativschlepperei haben, steht uns jetzt immerhin eine leichtgewichtige brauchbare Alternative zur Verfügung.
Was ich allerdings mehr befürchte, unser fahrradreisender Sohn hat schon mehr als ein Auge auf das Rollei Compact Traveler geworfen und es inzwischen schon einige Male in seine Radtouren integriert. Dann heißt es für uns nur noch: bye bye Rollei.
Reisefotografie Tutorial
Lang und flach trifft schmal und hoch: Ein Dackel reist zu den Leuchttürmen
Vor knapp zwei Jahren empfand Dackel Grindel, dass es eine gute Idee wäre, bei uns einzuziehen. Mit ihrem umwerfenden Charme und dem unwiderstehlichen Dackelblick hatte sie auch uns davon in Rekordzeit überzeugt Sie begleitet uns seither auf all unseren Leuchtturmtouren. Unseren treuen Blogbesuchern brauche ich das nicht mehr erzählen. Darum mache ich es kurz: Wenn ein kleiner Hund so lang und süß aussieht, wie unsere Grindel, muss er einfach als Fotomodell herhalten.
Dackel Fotos mal anders
Wie bei all unseren Fotomotiven suchen wir unsere ganz eigene Perspektive. Ich muss also zum Fotografieren auf die Knie und manchmal auch auf den Bauch. Auf Augenhöhe mit unserem Dackel sozusagen. Diesen wuseligen, gut gelaunten kleinenHund lichte ich am liebsten zusammen mit meinen Lieblingsmotiven, den Leuchttürmen ab. Die beiden geben einen ziemlich heftigen Kontrast ab. Der Dackel lang und flach, dunkel und wuselig, der Leuchtturm hoch aufragend, hell und unverrückbar feststehend. Geduld ist gefragt bei diesem Projekt, und wir brauchen zahlreiche Leckereien, um die Kooperationsbereitschaft von Grindel zu gewinnen. Grindel hat den Dreh schon raus: sobald sie einen Leuchtturm und mich mit der Kamera in Bodennähe sieht, fordert sie mit Nachdruck Leckerlis. Da krieche ich also auf Knien und Ellenbogen durch den feuchten Sand, um auf Augenhöhe mit meinem Dackel zu sein. Gunter und Amy versuchen gleichzeitig, Grindel gut in Pose zu bugsieren. Passanten bleiben stehen und amüsieren sich über dieses Schauspiel. Was tut man nicht alles für ein ansprechendes Foto? Jetzt nach etlichen Leuchttürmen in Schweden, Holland, Deutschland und Frankreich sind wir ein eingespieltes Team.
Dackel Fotos – Aufnahmetechnik
Zum Schluss noch eine Anmerkung zur Aufnahmetechnik: Ein Blitz ist essentiell, ohne gesonderte Aufhellung hat Grindels dunkles Fell fast keine Zeichnung. Mit dem Fell tut sich auch der Autofokus schwer, oft stelle ich deshalb manuell scharf und blende stark ab. Das Weitwinkelzoom ist mein Objektiv der Wahl damit unser Dackel groß raus kommt und nicht von der Präsenz der Leuchttürme erdrückt wird..
Klick aufs Foto für die Bildbeschreibung!
Hier mal zum Vergleich – einmal ein Leuchtturm ohne Dackel und einmal mit.
Ich finde, jeder Leuchtturm sollte seinen Dackel haben!
Fotokurs auf der Insel Ouessant
Entschuldige bitte die relativ lange Blogpause. Auf der Ile d’Ouessant gefiel es mir so gut, dass ich soviel Zeit wie möglich draußen in der Natur verbrachte. Ich radelte auf der kleinen Insel von einem Ende zu anderen und wieder zurück.
Meist zwischen 20 und 30 Kilometer pro Tag. Was sich zwar wenig anhört, aber mit Fotorucksack auf dem Rücken, Stativ auf dem Gepäckträger und Wanderungen zwischen den Etappen doch sehr anstrengend, aber unglaublich schön. Wir waren tagsüber und nachts unterwegs, wieviele Stunden kann ich nicht sagen. Sechs Kilogramm habe ich abgenommen, trotz Schoko-Croissant-Frühstück, so viel waren wir unterwegs. Ich schaffte es jedenfalls nicht, mich an der Insel satt zu sehen.
Ruine am Pointe de Pern und La Jument
Wellen am Pern, Ouessant
La Jument, Ouessant
Gabi bei der Arbeit
Creach und Felsen, Ouessant
Ideale Bedinungen für den Fotokurs auf Ouessant
In der zweiten Woche hielten wir unter besten Bedingungen unseren ersten Fotoworkshop. Wir hatten zwar nur eine Teilnehmerin mit ihrem Partner und einen Freund von uns dabei, aber es war ein interessantes Erlebnis. Wir fotografierten die Strahlen des Leuchtturms Creac’h in der Nacht, wir hatten mehrere Male beste Licht- und Wellenbedingungen am Pointe de Pern, dem wilden, westlichen Ende der Insel. Wir unternahmen Fotowanderungen in weichem Morgenlicht und futterten dabei die saftigen wilden Brombeeren, die überall auf Ouessant wuchern. Wir rückten die fünf Leuchttürme der Insel fotografisch ins richtige Licht. Den Leuchtturm Stiff fotografierten wir mit Sternenbahnen. Bei Regenwetter rauschten hohe Wellen mit weißen Kämmen auf uns zu. Der inselbekannte Delfin absolvierte eine ganz besondere Show für uns im Fährhafen Stiff. Insgesamt also ein gelungenes Workshop-Programm.
Ruhiges Meer auf der Insel Ouessant
Die dritte und letzte Woche waren wir wieder allein unterwegs. Es war ruhig, der Wind kam die ganz Zeit aus Osten, fiel also als Wellenerzeuger aus. Das Meer lag ruhig, manchmal fast spiegelglatt da. Das gab uns mangels dramatischer Meeresansichten die Gelegenheit, die skurrilen Granitfelsen intensiver zu fotografieren. Für eine gute Aussicht kletterten wir täglich auf die Felsen hinauf. Wir radelten, wanderten und kletterten und das tat uns gut.
Der lachende Fels, Ouessant
Welle und Leuchtturm Nividic, Ouessant
Unser Sohn Noah lernt das Fotografieren
Amy, Noah und Dackeldame Grindel waren auch mit auf die Insel gekommmen. Noah hatte den Wunsch geäußert, einen Fotokurs bei uns zu absolvieren. Logisch, das machen wir doch gern. Und was für eine Freude war es, als ich merkte: JETZT hat der Fotograf in ihm eingeschaltet. Es passierte nach dem Aufenthalt auf Ouessant, als wir Wellen am Leuchtturm Petit Minou fotografierten. Er kam zu mir, konnte gar nicht schnell genug reden, soviel Begeisterung sprudelte aus ihm heraus. Ich war selbst mitten in die Arbeit vertieft, aber musste die Wellen auf seinem Kameradisplay anschauen. Und ich muss sagen: er hat Talent!
Wellen, Noah
Ohne Französisch Kenntnisse miteinander Reden
Ich freundete mich mit unserer Vermieterin Veronique an. Da mein Französisch immer noch sehr rudimentär daherkommt und Veronique genauso wenig Englisch kann, wie ich Französisch, hätte man meinen können, wir haben uns nichts zu sagen. Dem war aber nicht so. Wir redeten trotzdem die ganze Zeit und gingen auch gemeinsam auf Fototour. Das hat mir riesigen Spaß gemacht. Hier ein herzliches Dankeschön an unsere Vermieterin! Unsere Wohnung war übrigens genial: vom Fenster aus schauten wir auf die Bucht, den Strand und auf drei von vier Leuchttürmen.
Creac’h am Abend, links unten im Bild Gunter mit unserer Kursteilnehmerin
PS: Der in Deutschland für die Filmmusik von „Die fabelhalfte Welt der Amelie“ bekannte Pianist Yann Tiersen wohnt auf Ouessant. Sein im September erschienenes Album Eusa ist der Insel gewidmet. Auf Ouessant habe ich vergeblich versucht, die CD zu kaufen. Später auf der Rückfahrt durch die Normandie habe ich sie endlich gefunden und höre seither nichts anderes mehr.
Übersichtsseite Bretagne 2016
Ausführliche Infos und Bildgalerie zur Insel Ouessant
Leichter Reisen, das Rollei Stativ Compact Traveler No.1 im Erfahrungsbericht
Lohnt sich ein Kompaktstativ?
Vielleicht denkst du, was ist denn jetzt in die Reicherts gefahren? Warum geben die sich mit so einem Kleinkram ab? Diese Kleinstative sind doch nur Spielzeug für fotografisch unerfahrene Leute.
Dann wollen wir jetzt einmal sehen, was man so einem doch recht filigranen Teil an Kameralast zumuten kann.
Darum entscheiden wir uns für das Rollei Compact Traveler Stativ
Zum einen ist es eine Preisfrage. Über 100 Euro wollten wir nicht investieren. Da fallen schon mal alle Carbon-Stative und höherpreisige Stative, wie das Manfrotto MT190 weg.
Die absoluten Billigheimer sind wie immer keine Option. Standfestigkeit und Robustheit sind für diese Konstrukte Fremdwörter. Leichte Stative von Mantona und Benro hatten wir schon in den Händen, die hatten uns nicht ganz überzeugen können.
Darum schauen wir einfach mal bei Amazon.de vorbei, was sich so auf der Beliebtheitsskala bei den Reisestativen tummelt. Und schau an, die Auswahl an Kandidaten ist gar nicht so klein. Von Amazon gibt es die Basics-Modelle in Alu und Carbon, Manfrotto, Cullmann, Mantona und Rollei sind gut vertreten, und auch einige Exoten. Das Rollei Compact Traveler No.1 fällt uns ins Auge, weil es im Zusammenhang mit unserer Manfrotto-Suche aufgetaucht ist.. Zudem liegt es ziemlich weit vorne in der Kundengunst.
Rollei Compakt Stativ im Einsatz auf der Ile d’Ouessant
Rollei Compakt Stativ auf Ouessant – besteht die Gefahr, dass das Stativ mit Wasser und Sand in Verbindung kommen könnte, sollte man die untersten Segmente ein Stück weit ausfahren!
Das ist jetzt noch kein wirklicher Kaufgrund, denn viele Käufer, sprich Rezensenten, gehen einfach nur über den Preis und achten weniger auf die Qualität. Auch der Traditionsname Rollei spielt nur eine untergeordnete Rolle. Die Marke gehört schon lange diversen Investorengruppen, unter deren Ägide wurde schon allerlei minderwertiges Zeug verhökert wurde.
Die Bauart des Rollei-Stativs macht von der Beschreibung und von den Bildern her keinen schlechten Eindruck. Es wirkt durchdacht und einigermaßen solide konstruiert. Und die Kundenkritiken sind in der Summe sehr positiv. Das Gewicht von knapp 1,2 kg und das Mini-Packmaß von nur 32 cm unterstreichen die Reisetauglichkeit und sind wohl die überzeugendsten Argumente für dieses Stativ.
Wir wollen uns selbst ein Bild vom Compact Traveler machen und bestellen das Stativ kurzentschlossen in der günstigen Ausführung „titansilber“. Die anderen Farbvarianten orange, blau, grün oder schwarz sind teurer oder haben längere Lieferzeiten. Noch keine 24 Stunden später halten wir ein kompaktes Paket in der Hand. Schnell ist das Kleinstativ aus seinem Karton befreit und direkt einsatzfähig.
Rollei Stativ im Test auf Ouessant – ganz ausgefahren und auf weichem Gras stehend sind die Chancen auf scharfe Bilder nicht gerade überwältigend
Rollei Stativ im Test auf Ouessant – so sieht das Ganze schon besser aus!
Der erste Eindruck
Die Konstruktion des Stativs
Unser erster Eindruck ist eindeutig positiv. Es wirkt solide, der einfache Kugelkopf läuft flüssig und hält eine ausgewachsenen DSLR ohne nachzugeben fest. Nun zur Stabilität, dem absoluten Hauptkriterium jedes Statives.
Die doppelt ausziehbare Mittelsäule werden wir in der Regel nicht nutzen, den Auszug der Mittelsäule nutzen wir bei unseren großen Stativen auch nur in der Not. Die kurzen Stummelbeine des Rollei haben vier Auszüge, die mit Drehverschlüssen fixiert werden. Eine Handgelenkdrehung reicht fürs Lockern und Feststellen. Zusammengeschoben lassen sich alle vier Drehverschlüsse auf einmal bedienen. Als langjährige Schnappverschlussnutzer sind wir positiv überrascht.
Sind die dickeren drei Beinsegmente ausgezogen, erreicht die Schnellspannplatte eine Höhe von 88 cm. In dieser Stellung ist das Traveler erstaunlich solide. Auf das letzte dünne Beinsegment werden wir im Normalfall nicht oder nur wenig ausfahren, denn der Vollauszug kann die Verwacklungsgefahr beim Einsatz mit schwereren Kameras erhöhen. Nur ein paar Zentimeter erlaube ich mir, wenn ich das Stativ auf sandigem Untergrund einsetze, damit keine Sandkörnchen in den Feststellmechanismus geraten. Rollei empfiehlt ebenfalls, auf den untersten Beinauszug zu verzichten, wenn die Höhe nicht benötigt wird.
Auch wenn es nicht ohne Stabililtätsverlust höher hinaus geht, wir kommen mit etwas über einem Meter Höhe ganz gut klar. Niedrigere Einstellungen gehen immer, dafür lassen sich die Stativbeine in drei rastbaren Stufen abspreizen. Da die dritte Raststufe im fast rechten Winkel zur Vertikalachse steht, muss die Mittelsäule ausgefahren werden, was die Nutzbarkeit dieser Stufe wieder einschränkt. Insbesondere Makrofans dürfte das stören.
Eigentlich ist das Rollei in Kombination mit einer leichten spiegellosen Systemkamera mit Makroobjektiv ideal für bodennahe Makroaufnahmen. Radikalere Naturen können natürlich auf den Gedanken kommen, die Mittelsäule abzusägen. Damit ginge der Zubehörhaken an der Mittelsäule verloren, was noch zu verschmerzen wäre. Mehr stört uns, dass das Stativ ohne die auszgezogene Mittelsäule nicht mehr so einfach kompakt zusammenklappbar ist.
Der Kugelkopf mit der Schnellspannplatte
Der Rollei Kugelkopf hält eine ausgewachsene Spiegelreflexkamera mit einem 24-105mm Zoom sicher, auch in einer schrägen Position. Für den Preis gibt es verständlicherweise keine extra Stellknöpfe für Panoramaschwenks und Friktion. Die Schwalbenschwanz-Schnellspannplatte benötigt einige Umdrehungen der Fixierschraube, um sie aus der Führung nehmen zu können. In der Schnellspannaufnahme sind drei Libellen für eine exakte Ausrichtung eingearbeitet. Die Libelle in der Arretierschraube finde ich persönlich sehr gut, sie erleichtert die plane Ausrichtung bei spontanen Reproaufnahmen. Die Aufnahmekupplung ist mit einer Inbusschraube auf dem Kugelkopf befestigt, sie kann also gegen ein anderes Schnellspannsystem ausgewechselt werden. Der Kugelkopf ist mit einer 3/8“ Schraube auf der Mittelsäule fixiert und ist ebenfalls auswechselbar.
Das Compact Traveler Zubehör
Mitgeliefert wird ein leichter Nylonbeutel mit Schnüren zum über die Schultern hängen. Zwei Inbusschlüssel liegen bei, damit kannst du die Leichtgängigkeit der Beinspreizung anpassen.
Das Rollei Compact Traveler No.1 geht mit auf unsere aktuelle Bretagnereise und hat Gelegenheit, auf der Ile d’Ouessant zu zeigen was in ihm steckt.
Erster Einsatz in der Bretagne am Leuchtturm Saint Mathieu
Nach langer ermüdender Fahrt erreichen wir spät nachmittags Le Conquet und parken am Leuchtturm von Saint Mathieu. Ich beschließe spontan, mein Manfrotto 055 gegen das Rollei Compact Traveller zu tauschen und die Probe aufs Exempel zu machen.
Die Testbedingungen sind ideal. Die Dämmerung bricht an und verspricht Belichtungszeiten bis zu mehreren Sekunden. Eine frische Brise vom Meer her mit kräftigen Böen steuert die nötigen Umweltfaktoren für die Standfestigkeitsprüfung zu.
Um uns herum huschen etliche Gestalten mit Dreibeinen unterm Arm durch die Dunkelheit. Da tummelt sich gerade eine Fotoworkshopgruppe, da fühle ich mich mit dem spinnenbeinigen Rollei doch ziemlich deplatziert. Ganz abgesehen von den eher mitleidigen Blicken, die ich damit ernte. Rot werden tue ich deswegen nicht, da heiße es eben, Kopf hoch und durch.
Mit den drei oberen der vier Segmente ausgezogen und der Canon 7D mit dem Tamron 2.8/17-50mm oben auf dem Kugelkopf habe ich keine Verwacklungsprobleme. Das Stativ steht robust da. Der Wind oder kurzes Anschubsen bringt es auch nicht in Schwingung. Die Aufnahmen, egal ob ¼ Sekunde oder 20 Sekunden sind in der vergrößerten Rückschau scharf, was sich auch am PC bestätigt.
St Mathieu in der Nacht – 30 Sekunden belichtet mit der Canon 7D auf dem Compact Traveler
Morgenlicht – 0,6 Sekunden lang belichtet
Die Bückerei geht mit allerdings auf die Dauer ins Kreuz und ich mache das, was ich eigentlich vermeiden wollte. Ich fahre die vierten Beinsegmente voll aus und nutze sogar den Auszug der Mittelsäule. Zu meinem Erstaunen steht das Rollei mit voll ausgefahrenen Beinen immer noch sicher. Die ausgefahrene Mittelsäule ist ebenfalls nutzbar, nur muss ich hier viel mehr auf Schwingungen achten. Den zweiten Auszug der Mittelsäule habe ich dieser Situation nicht ausprobiert. Er ist trotzdem nicht nutzlos, als Unterstützung beim Arbeiten mit schweren Teleobjektiven entlastet das vollständig ausgefahrene Rollei-Stativ Arme und Schultern ähnlich wie ein Einbeinstativ.
Auch Hochformataufnahmen meistert das Rollei Compact Traveler ohne Mühe. Die Schnellspannplatte sitzt verdrehfest am Kameraboden und der Kugelkopf hält die Kamera unnachgiebig fest.
Die Nacht bricht an, wir ziehen uns ins Wohnmobil zurück und sind bei Tagesanbruch wieder auf den Beinen. Die Sonne quält sich gerade am Horizont durch ein paar Wolken und der Wind hat merklich an Geschwindigkeit zugelegt. Sicherheitshalber lasse ich die Mittelsäule und den letzten Beinauszug des Rollei bis auf einen kleinen Rest drin. Wenn der Wind allzu böig auffrischt, packe ich zur weiteren Stabilisierung das Stativ am Zentralgelenk und drücke es mit gleichmäßiger Belastung sanft Richtung Boden. Auf diese Weise gelingen mir auch unter diesen widrigen Bedingungen scharfe Aufnahmen. Wenn ein Foto wirklich einmal verwackelt ist, hat es meist am zu weichen Untergrund gelegen.
Fazit des ersten Testeinsatzes
Das Reisestativ Rollei Compact Traveller No.1 erweist sich seines Namens würdig. Es ist ein leichter, zuverlässiger, wenn auch nicht allzu hoher Begleiter auf Fototouren mit wenig Ballast. Die relativ geringe Höhe ist auch unser einziger Kritikpunkt. Bei längeren Fotosessions geht die dadurch bedingte gebückte Haltung doch ins Kreuz und in die Beine. Mit einer Kamera mit ausklappbarem Display sieht die Sache schon besser aus. Da stört die niedrige Maximalhöhe nicht. Das Sucherbild lässt sich entspannt im ausgeklappten Display beurteilen.
Das Rollei kann ohne weiteres mit System- und Spiegelreflexkameras mit Standardzooms eingesetzt werden. Eine Canon 7D mit 24-105mm Objektive trägt es sicher, auch bei Langzeitbelichtungen. Sollten wir auf unseren Wanderungen einmal keine Lust auf die Stativschlepperei haben, steht uns jetzt immerhin eine leichtgewichtige brauchbare Alternative zur Verfügung.
Was ich allerdings mehr befürchte, unser fahrradreisender Sohn hat schon mehr als ein Auge auf das Rollei Compact Traveler geworfen und es inzwischen schon einige Male in seine Radtouren integriert. Dann heißt es für uns nur noch: bye bye Rollei.
Reisefotografie Tutorial
Eine Reise entlang der bretonische Leuchttürme nach Ouessant
Die erste gedruckte Auflage unseres Buches: Dein Weg zum Nordlichtfoto
Die erste Auflage der gedruckten Version unseres Buches »Dein Weg zum Nordlichtfoto« kam gerade mit der Post, als wir vom Schulfrei-Festival nördlich von Berlin nach Hause gekommen waren. Das Buch fand großes Interesse bei unseren Bloglesern – an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön – so waren wir beschäftigt, Bücher zu packen und zur Post zu schleppen.
Nach den Touren nach Schweden und Klein Leppin hätten wir wenigstens ein, zwei Tage Ruhe gebrauchen können, das war aber nicht drin. Wir waren zwischen den Reisen jeweils nur 5-6 arbeitsreiche Tage daheim, dann ging es schon wieder los.
Schulfrei Festival, Nachtaufnahme
Mehrere Reisen kurz hintereinander
Wie packen wir das Wohnmobil für einen Besuch der Insel Ouessant?
In Eile putzten wir grob das Wohnmobil und packten es erneut. Diesmal gestaltet sich das schwieriger als sonst. Wir fahren die 1200 km lange Strecke nach Le Conquet ins westlichste Festlandende Frankreichs und setzen dann mit einer kleinen Personenfähre nach Ouessant über. Dort werden wir dieses Mal ganze drei Wochen verbringen. Nur, was würden wir an Kleidung und Technik brauchen? Wie können wir den Kram verpackt im Wohnmobil transportieren? Im Kofferraum stehen unsere beiden Fahrräder. Der ist damit bereits voll und ansonsten gibt es wenig große Staufläche im Fahrzeug. Meinen Kram stopfe ich in Radtaschen, die können wir bequem in der Dusche transportieren. Die anderen räumen die Klamotten erst mal in die Schränke. Das müssen wir dann unterwegs noch in Reisetaschen packen.
Wir möchten die kleine 15 km² Insel hauptsächlich per Rad erkunden, darum mieten wir eventuell noch ein Rad für Noah, wenn er mit uns auf Fototour gehen will.
Wir haben zuhause noch viel zu viel zu erledigen, deshalb fahren wir zwei Tage später als geplant los. Das ist schade, denn wir haben so kaum Zeit für Zwischenstopps und sitzen länger am Stück, als es uns gut tut im Wohnmobil. Unser Bedarf an langen Nonstop-Fahrten war eigentlich für dieses Jahr schon gedeckt.
Wir beginnen mit einem kleinen Umweg und besuchen schnell noch meine Eltern, die uns ein Stativ für Noah ausleihen. Wir haben auch in letzer Minute ein kleines Reisestativ, ein Rollei Kompakt Traveller No.1 gekauft, weil mein altes Manfrotto langsam in die Jahre kommt und schon viel mitgemacht hat. Ich musste es schon richten und auch geradebiegen. Wie dumm wäre es, wenn mein Stativ auf Ouessant den Geist aufgibt? Da ist es besser, wir haben ein Ersatz-Stativ dabei. Wir wählten das Rollei Stativ, weil es auf längeren Wanderungen oder in Städten kaum aufträgt und trotzdem ausreichend robust erscheint. Den ausführlichen Erfahrungsbericht Rollei Kompakt Traveller kannst du hier lesen.
Le Treport, Normandie
In Le Treport stoppen wir in der Nacht nach einer 760 km langen, ewig scheinenden Fahrt. Einige Baustellen und Umleitungen haben die Fahrzeit zusätzlich verlängert. Im Dunkeln laufen Gunter, ich und Grindel noch die eineinhalb Kilometer zum Leuchtturm. Es tut gut, das Meer zu riechen, den Flair dieses Hafenortes in uns aufzunehmen und die verkrampften Beine zu bewegen.
Der Leuchtturm am Cap Frehel
Dackel Grindel und der Leuchtturm am Cap Frehel, Bretagne
Am folgenden Morgen unternehmen wir den gleichen Spaziergang noch einmal, diesmal mit den Fotoapparaten. Danach müssen wir wieder auf die Straße. Weiter Richtung Westen, durch die traumhafte Bretagne, vorbei an den allerschönsten Fotolocations. Den nächsten Übernachtungstop legen wir am Cap Frehel ein. Direkt am Leuchtturm dürfen Wohnmobile nicht übernachten, drei Kilometer davor sehen wir einen kostenlosen Stellplatz am Ortsausgang. Nach einer ausgiebigen Fototour stellen wir uns zu den französischen Mobilen auf den Schotterplatz. Die Nacht ist ruhig, wir brauchen den Schlaf.
Morgens springen wir früh aus den Betten, das Licht ist gut, der Leuchtturm und die Steilküste in Griffweite. Unsere Kids – Teenager passt nicht mehr, weil Noah schon 20 ist – sind noch schlaftrunken, die beiden kuscheln sich wieder in die Decken. Wir gehen mit Grindel auf Fototour. Die Steilküste badet gerade in weichem Morgenlicht, noch sind außer Fotografen keine Spaziergänger unterwegs. Nur Kaninchen. Wir legen wohl einige Kilometer zurück, allerdings nicht in eine Richtung, sondern hin und her, hoch und runter und wieder zurück. Ich kann mich gar nicht sattsehen. Würde am liebsten noch ein, zwei Tage bleiben.
Erst nach einigen Stunden lasse ich locker, dann frühstücken wir ausgiebig und fahren wieder los. Schnell noch ein Stopp an einem Supermarkt, wo wir noch ein paar Kleinigkeiten für den Inselaufenthalt besorgen, da sind wir schon unserem Ziel nahe.
Le Conquet
Der nächste Stop ist Le Conquet, einer meiner bretonischen Lieblingsorte. Dort gibt es an jeder Ecke Fotomotive im Überfluss. Wir schauen erst einmal, wie wir das Wohnmobil kostengünstig für drei Woche parken können. Ein Langzeit-Parkplatz liegt hinter der Gendarmerie. Wir haben mit Hilfe eines Freundes einen fairen Preis von ca 50 Euro heraushandeln können, üblicherweise kostet der Spaß über 100 Euro für diese Zeitspanne.
Der Leuchtturm Kermovan
Auf der gegenüberliegenden Seite des Hafens von Le Conquet liegt ein ausgedehnter Sandstrand und dort steht auch der Leuchtturm Kermorvan. Amy und Noah laufen mit Grindel den Strand entlang und treffen tatsächlich auf einen anderen verspielten Tigerdackel. Die Hunde rennen, was das Zeug hält. Noah übt sich derweil in Französisch-Konversation, während Gunter und ich zum Leuchtturm wandern. Im Internet hatte ich zahlreiche stimmungsvolle Fotos dieses Leuchtturms gesehen, solche will ich auch. Doch dann stehen wi vor einer Absperrung und einem Verbotsschild. Mist. Genau das ist uns schon vor Jahren einmal passiert, fällt es uns wieder ein. Was haben denn all die Fotografen, die ihre Bilder im Internet zeigen, gemacht? Ich frage zwei Franzosen, die meinen »geh doch über den Zaun, macht eh jeder«. Dann gesellen sich noch zwei Engländer dazu, zielstrebig laufen sie auf das Gatter zu, klettern ohne zu Zögern drüber. Hallo?! »Ja, das habe ich im Internet mit Google Streetview schon recherchiert« meint einer der Engländer. »Das Verbotsschild habe ich da schon gesehen und mir war klar, dass ich drüber klettern muss« Ich klettere mit, die Familie, mittlerweile sind Amy, Noah und Grindel zu uns gestossen, warten derweil. Ich mache nur ein paar Schnappschüsse, obwohl das Licht nicht schlecht ist. Ich will lieber zusehen, wo ich eine Erlaubnis bekommen kann, dann kann ich die Fotos auch offiziell nutzen. Den Rest des Abends verbringen wir beim Leuchtturm St Matthieu, der nur wenige Kilometer entfernt ist.
Der Leuchtturm Kermovan am Tag
Saint Mathieu am frühen Morgen
Die Ohren wehen im Wind, Dackel Grindel am Leuchtturm St Mathieu, Bretagne
Der Stellplatz in Le Conquet ist besetzt
In Le Conquet sind alle Stellplätze besetzt, da müssen wir in der Nähe des Leuchtturms parken. Ich mache zusammen mit Noah zusammen Sternenaufnahmen und vor Sonnenaufgang sind wir schon wieder im Sturm unterwegs.
Das Hafenstädtchen Le Conquet als Fotoreiseziel.
Dann fängt das große Packen an. Spaß macht das nicht. Wir schaffen es aber, mit relativ wenigen Gepäckstücken auszukommen. Wir können mit dem Wohnmobil nicht zum Fähranleger hinunterfahren, die Straße ist zu eng und zu steil. Ich halte oben an der Straße mit Warnblinklicht und die anderen drei schleppen das Gepäck hinunter. Gunter und ich fahren das Mobil zum Parkplatz, wir holen die Fahrräder raus und radeln zurück zur Fähre. Das ist irgendwie alles aufregend und spannend. Ich freue mich wie ein kleines Kind zu Weihnachten. Die Insel Ouessant bedeutet Wellen, Leuchttürme, Ruhe und Natur.
Mit der Fähre nach Ouessant
Infos zur Anreise nach Ouessant und die Beschreibung, wie du den Langzeitparkplatz findest.
Die Fährfahrt verläuft recht ruhig, obwohl eine steife Brise bläst. Wir sitzen alle draußen und genießen die salzige Meerluft. Zwei Delfine schwimmen für kurze Zeit neben dem Boot her, was begeisterte Ausrufe bei den Passagieren hervorruft.
Im Hafen von Ouessant angekommen, holen wir schnell unsere Taschen aus dem Metall-Container, ich frage kurzerhand bei einem Bustaxi nach, ob noch Plätze frei sind, und dann gehts schon los Richtung Unterkunft. Gunter, Amy und Grindel mit dem Gepäck im Taxi, Noah und ich auf den Fahrrädern.
Übersichtsseite Bretagne 2016
Die abwechslungsreiche Küste Gotlands
Die Küste Gotlands ist abwechslungsreich. Immer wieder wechseln sich Steilküsten mit Sandstränden ab. In der Nebensaison, also bereits ab Mitte/Ende August sind die Strände wenig besucht und laden zu langen, ruhigen Spaziergängen ein.
Högklint
Die berühmte Klippe Högklint liegt nur ca. 10 km südlich von Visby. Dort fahren immer wieder Reisebusse an, die dann Scharen von Touristen auf die Klippen entleeren. Das Gelände ist so weit, dass das nicht weiter problematisch ist. Wir waren zweimal an der Klippe, einmal im Regen und einmal im Sonnenschein. Beide Wetter haben ihren Reiz. In beide Richtungen gibt es Wanderwege. Wir wanderten im sonnigen Wetter in die südliche Richtung, wo es Steinformationen im Wald zu sehen gibt. Die Wanderung nach Norden führt zu einem schönen Strand.
Jungfrun
Ungefähr 40 km weiter im Norden ist eine weitere bekannte Klippe, die Jungfrun, zu besichtigen. Sie liegt in der Nähe der Ortschaft Lickershamn und ist über eine kurze Wanderung durch den Wald erreichbar. Wir waren an dem Abend schon etwas spät, weil wir nach mehreren Regentagen einfach überall zugleich sein wollten, und verpassten das weiche Abendlicht. Doch die Sonnenuntergangsstimmung hielt sich und wir konnten noch schöne Fotos machen. Diese Kalksteinformationen sind schon enorm beeindruckend.
Jungfrun Felsen nach Sonnenuntergang
Leuchttürme Gotlands
Da gibt es noch Leuchttürme, die wir nicht gezeigt haben. Ergiebiger Nieselregen flog uns den ganzen Tag um die Ohren. Er durchnässte unsere Kleidung innerhalb weniger Minuten. So hatte das im Freien keinen Sinn. Wir parkten am Einkaufszentrum, schrieben, spielten Karten und liefen immer mal wieder durch die Supermärkte um Bewegung zu bekommen. Das ein oder andere Eis wanderte so in unsere Mägen. Abends hatten wir das Wetter und die Supermärkte satt, wir fuhren trotzdem einfach zum nächsten Leuchtturm. Der Leuchtturm Västergarn steht auf einem Golfplatz. Ob das wohl gut gehen würde? Ich lief einfach ins Restaurant beim Golfplatz hinein und fragte frei heraus, ob wir auf dem Parkplatz übernachten dürften um auf besseres Licht zu warten. Wir bekamen die freundliche Erlaubnis und freuten uns darüber. Das Wohnmobil parkte unter Bäumen in Sichtweite des kleinen Leuchtturms. Die Feuchtigkeit hing noch in der Luft, wir packten die Stative und fingen an zu fotografieren. Und siehe da, das Wetter wurde besser. Es sah sogar richtig gut aus. Für wenige Minuten jedenfalls. Ich stapfte am Strand durch hüfthohe Hecken, wurde patschnass, bekam aber eine außergewöhnliche Sicht auf den Leuchtturm. Wir waren glücklich, schlichen mit der Fotoausbeute auf der Speicherkarte ins Mobil, kaum hatten wir die Tür geschlossen, prasselte wieder Regen aufs Womodach. Und dann kam ein Sturm auf, der nur so an den Bäumen und unserem Wohnmobil zerrte und drückte. Bei dem Lärm schlief ich eher schlecht bis gar nicht.
Västergarn Leuchtturm
Ab 6:00 Uhr mähten Mitarbeiter des Golfplatzes lautstark die Wiesen. Kurz drauf kamen die ersten Golfer. Sie hatten Regenschirme an den Golfwagen angebracht. Wir fotografierten nochmal schnell, um nicht zu stören, frühstückten was und fuhren zum nächsten Strand. Was für eine coole Fotosession mitten in so miesem Wetter. Das zeigt wieder einmal, dass man immer, aber auch immer bereit sein soll als Fotograf.
Ljugarn Leuchtturm
Der hässlichste, aber trotzdem fotogene Leuchtturm steht in Ljugarn. Das kleine Hafenleuchtfeuer steht oben auf dem Chemikalientank einer Kläranlage. Die eiserne Treppe macht ihn aber halbwegs fotogen.
Ljugarn Leuchtturm
Wir verlassen Gotland mit der frühesten Fähre. So kann ich den Hafenleuchtturm in Visby noch ordentlich ablichten. Auf dieser Fähre sind kaum Hunde im Salon, die Fahrt wird mit Grindel wesentlich ruhiger als die Hinfahrt.
Ach ja, was ich auf keinen Fall vergessen darf: Auf Gotland steht das Haus von Pippi Langstrumpf und das war super, es anschauen zu können. Danach lief ich tagelange die Filmmusik singend durch die Gegend.
Villa Villekulla
Pippis Pferd im Haus
In Pippis Haus
Amy und Grrindel in der Villa Kunterbunt
Im Haus von Pippi
Und im oberen Stockwerk sitzt Astrid Lindgren
Die schwedische Insel Gotland
Ein Krankenwagen und Elvis – Farö, Gotland
Farö Fyr
Nachdem wir morgens die Raukare nochmal ausgiebig fotografiert haben, fahren wir weiter Richtung Norden, denn an der Nordspitze steht natürlich auch ein Leuchtturm. Er ist hoch und weiß, ähnlich dem langen Erik im Norden von Öland. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, das Licht ist richtiggehend blendend. Die weißen Kieselsteine des Strandes reflektieren die Sonne, so ist es noch heller. Unglaublich hell. Unsere Schuhe knirschen beim Laufen auf den Steinen und das ist auch gut so, denn überall sonnen sich Schlangen auf den Felsen und die gehen auf die Flucht, sobald sie uns hören. Es sind anscheinend ungiftige Nattern, doch wir sind mit Grindel lieber vorsichtig.
Fast ist das Wetter zu gut für Leuchtturmfotos. Wir warten geduldig, bis die weißen Wölkchen sich harmonisch um die Spitze des Leuchtturms herum arrangiert haben. Dann drücken wir den Auslöser.
Der Farö Leuchtturm mit weißen Wölkchen
Wald mit Heide
Ich bin am Leuchtturm ungeduldig, denn hier im Wald blüht die Heide und den möchte ich so gern fotografieren. Was für ein Schauspiel. Wir suchen uns ein Plätzchen, was gar nicht so einfach ist. Mich lenken natürlich die fetten, saftigen und super leckeren Blaubeeren von der Arbeit ab. Auch Grindel futtert Blaubeeren, was das Zeug hält. Das Fotografieren gestaltet sich schwierig: ein Wald ist kein einfaches Motiv, ein Chaos aus Linien und Strukturen, die es zu entdecken und zu bändigen gilt. Was die Sache enorm erschwert sind diese bissigen Viecher überall. Fliegen die beißen, Mücken die stechen und Ameisen die brennen. Aua! Wir lassen trotzdem nicht locker. Was erträgt man nicht alles für ein gutes Foto?
Grindel liebt den Wald und vor allem die Blaubeeren
Kutens Bensin
Eine Attraktion, die nicht leicht zu übersehen ist, wo sich vielleicht nicht jeder hintraut, ist das schräge Kutens Bensin. Eine Kneipe, Creperie, Rocker- und Motorradfahrertreff. Dort stehen uralte Autos, Busse, rostige Ölfässer. Die Musik von Elvis tönt aus einer historischen Wurlitzer Musikbox. Dieser Ort hat Flair. Ich versuche, etwas über diesen wundersamen Ort in Erfahrung zu bringen, es klappt nicht so recht. Die alten Sachen stünden hier, weil der Boss der Kneipe die halt mag, meint eine Angestellte. Später erfahre ich, dass das Krankenwagenwrack aus den Fünfzigern extra aus den USA nach Schweden verschifft wurde, weil Elvis selbst, einmal damit nach einem Schwächeanfall ins Krankenhaus transportiert wurde. Wahnsinn! Ich frage mich, warum der Besitzer es dann so verrosten lässt. Aber genau das ist vielleicht der Reiz daran. Autokenner wissen gleich, um welches Modell es sich handelt, ich bin auf dem Gebiet blutiger Laie.
Der Krankenwagen indem Elvis transportiert wurde
Der Krankenwagen und dahinter diese super rostigen Kühlschränke
Der Krankenwagen nochmal von vorne – warum die heutigen Autos wohl nicht mehr so schön aussehen?
Elvis aus der Jukebox – irgendwie hatte das was. Smartphone Filmchen
Das Kaninchen horcht ob da ein Dackel kommt.
Wachsames Kaninchen
Die schwedische Insel Gotland