Wie ihr ja schon wisst, war ich im Sommer zusammen mit meiner Freundin mit dem Rad in Schweden und Dänemark unterwegs. Es war ein Abenteuer, wie es im Buche steht: mit einer Landkarte und unseren Siebensachen sind wir losgezogen, und haben den Großteil der Planung erst an der entsprechenden Straßenkreuzung unternommen. Vielleicht bewegen diese sieben Gründe den ein oder anderen dazu, für die nächste Reise das Fahrrad als Transportmittel in Betracht zu ziehen…

Dänemark ist Radfahr-Nation. Man hat dort überall einen Radweg.
1: Wir waren so frei wie Grundschüler am Samstag
Wer mit dem Rad unterwegs ist, hat keine Verpflichtungen. Vor allem in Schweden, wo man nahezu überall für eine Nacht campen darf, sind wir einfach in den Tag hineingefahren. Wir wussten ja, dass wir unser Zelt einfach auf irgendeine Wiese stellen konnten, wenn wir uns danach fühlten. Wir konnten den Tag nach Lust und Laune gestalten, ohne Rücksicht auf Termine oder Verabredungen nehmen zu müssen.
Einige Zeit lang fuhren wir am Göta-Kanal entlang, doch wir legten viele hundert Kilometer zurück, ohne uns nach einem ausgeschilderten Weg zu richten. In der unteren Ecke unserer großen Landkarte lag Göteborg, und oft fuhren wir einfach von Ortschaft zu Ortschaft, solange wir unserem Ziel näher kamen.

Und los geht’s! Wir schlängeln uns am ersten Tag auf Landstraßen durch die Wälder.

Dank der vielen Wegweiser ist es kein Problem, sich zurecht zu finden
Und auch im Fall einer Panne ist man nicht aufgeschmissen – die allermeisten Fahrrad-Krankheiten lassen sich mit einem Schraubenschlüssel, ein paar Tropfen Öl und etwas Geschick im Nu wieder kurieren. Fahrräder sind relativ unkompliziert, und das macht sie zum Idealen Reisegefährt.

Unsere einzige Panne. Zum Glück lässt sich so etwas schnell reparieren.
2: Radfahren ist umweltfreundlich
Es gibt kaum eine CO2-neutraleres Transportmittel, als das Fahrrad. Wir durchquerten zwei Länder von einem Ende zum anderen und verbrauchten dabei keinen Tropfen Treibstoff. Auch unser Stromverbrauch war nicht der Rede wert: Wir hatten eine Taschenlampe dabei, um Abends Tagebuch zu schreiben, das wars. Und wo andere im Urlaub leben wie Gott in Frankreich und dabei Berge an Müll produzieren, da fielen bei uns nur ein paar Milchkartons, Müsli-Schachteln und Bananenschalen an.
3: Wir wurden fit wie zwei Turnschuhe
Anstatt mit Benzin liefen unsere Motoren mit Obst, Käsebroten und schwedischen Zimtrollen. Den ganzen Tag lang futterten wir Unmengen an allem, was sich in schwedischen Supermärkten finden ließ. Zwei Stunden nach dem Frühstück hatten wir ein Zweites, dann gingen wir essen, und dann gab es ein weiteres Mittagessen vor dem Abendessen. Ich war rund um die Uhr hungrig, und ich aß auch entsprechend viel.
Unter anderen Umständen wäre ich schnell rund wie eine Melone geworden. Doch wir verbrannten die Kalorien fast schneller, als wir sie hinterherschieben konnten. Nach der Reise brachte ich tatsächlich vier Kilo weniger auf die Waage als zuvor.
Und auch die Muskelbildung konnten wir fast täglich beobachten. Meine Freundin fuhr völlig untrainiert los. In den ersten drei Tagen hatten sie einen gehörigen Muskelkater, doch schon nach kurzer Zeit konnten wir fahren bis es dunkel wurde, ohne es in den Beinen zu spüren. Unsere Körper gewöhnten sich unglaublich schnell an die Beanspruchungen.

Selfie auf einer kleinen Fähre in Dänemark. Wir werden schnell braun, da wir viel draußen sind.
4: Egal was wir aßen – es schmeckte wie im Gourmet-Restaurant
Je hungriger man ist, desto besser schmeckt es. Einmal saßen wir irgendwo in der Nähe des Vätternsees im Gras und wollten Müsli essen, ohne Geschirr schmutzig zu machen. Also futterten wir das Müsli mit den Fingern und spülten jeden Bissen mit Milch direkt aus dem Karton runter. Käsebrote bereiteten wir auch nicht erst aufwändig vor: Wir bissen einfach abwechselnd in das Brot und den Keil Käse.
Doch auch wenn wir oft aßen wie die Barbaren, es schmeckte immer köstlich. Bei unserem Appetit wurde jede Pommes-Bude zum exquisiten Fünf-Sterne-Restaurant.

Unser Essen ist oft einfach, aber dafür essen wir viel davon.
5: Eine Reise per Rad ist billig
Wir hatten keine Benzinkosten, keine Auto-Miete, keine Hotelübernachtungen – Im Grunde gaben wir den Großteil des Geld für Essen aus. In Dänemark zahlten wir etwas mehr, denn da mussten wir auf Campingplätzen übernachten. Wildcampen ist dort verboten.
Wir verbrachten noch ein oder zwei Wochen bei Freunden, und so beliefen sich unsere Kosten für eine fünfwöchige Reise auf unter 500 € pro Person, inklusive Zug- und Fährfahrt.
Dabei waren wir nicht geizig. Wir schmissen zwar nicht mit Geld um uns, aber wenn uns beispielsweise der Duft aus einer offenen Restaurant-Tür lockte, zögerten wir nicht lange.
Wir brauchten auch keine teure Ausrüstung: ich fuhr auf dem 25 Jahre alten Drahtesel meines Vaters, und für meine Freundin kauften wir zwei Wochen vor Reisebeginn ein Rad auf dem Flohmarkt, für 250 €. Dazu ein paar wasserdichte Taschen, und die Reise konnte beginnen. Nur bei der Radfahrhose sollte man nicht geizig sein, die soll einem bei den vielen Stunden im Sattel wertvolle Dienste leisten.
6: Wir lernten Land und Leute besser kennen
Diesen Anspruch stellen viele Reisearten, und es ist auch kein Geheimnis: je langsamer und simpler das Fortbewegungsmittel, desto mehr bekommt man von seiner Umgebung mit. Im Zug saust alles am Fenster vorbei, auf dem Fahrrad hingegen nimmt man die Eindrücke des Landes mit allen fünf Sinnen wahr. Wir sahen viele Details in der Landschaft, das Wasser der Seen, hörten die Bäume im Wind rauschen und trafen Leute in den Ortschaften. Wir rochen die frische Luft, den Geruch von Harz und Nadeln im Wald oder den Duft von nassem Gras. Wir fühlten den Fahrtwind im Gesicht, den Sonnenschein, aber auch den Regen. Das Gehirn kann durch die Stimulation aller Sinne viel mehr Eindrücke abspeichern, und die Erinnerungen sind daher viel intensiver.

Auf dem Göta-Kanal fahren viele dieser Kanal-Schiffe
Auch mit den Leuten standen wir mehr im Kontakt, denn es ist einfach, von Fahrrad aus ein Gespräch anzufangen. Wenn wir nach dem Weg fragten, führte das meistens zu weiteren, interessierten Fragen, und wir plauderten oft ein paar Minuten am Straßenrand.

Das ist Anders. Mit ihm unterhielten wir uns stundenlang am Straßenrand.
Und alle waren gastfreundlich: am ersten Abend suchten wir in Norrköping nach einem Platz zum Übernachten und fanden uns irgendwann auf dem Gelände eines Hunde-Clubs wieder. Die letzten Mitglieder machten sich gerade auf den Nachhauseweg, und als wir nach dem nächstgelegenen Campingplatz fragten, sagten sie: „Ach, es ist doch schon spät. Warum stellt ihr euer Zelt nicht einfach hier auf, ich sperr euch noch schnell das Badezimmer auf.“
Und das passierte uns nicht nur einmal.
7: Wir bekamen einen Sinn dafür, wie groß ein Land wirklich ist
Während wir Schweden einmal von der Ostküste bis an die Westküste duchquerten, bekam ich erst ein Gefühl dafür, wie groß das Land überhaupt ist. Nicht, dass ich es vorher viel kleiner eingeschätzt hätte, aber eine Landkarte ist doch sehr abstrakt, und bei unseren Durchquerungen mit dem Wohnmobil ist halt alles einfach vorbeigerauscht. Wenn man aber die gesamte Strecke mit eigener Muskelkraft zurückgelegt hat, dann weiß man danach, wie viele Hügel, Wälder und Seen zwischen Ost und West liegen. Ernest Hemmingway hat das einmal schön in Worte gefasst:
„Die Konturen eines Landes lernt man am besten auf dem Fahrrad kennen, denn man muss die Hügel mit Mühe hochfahren und saust sie dann wieder runter. So behält man sie in Erinnerung, wie sie wirklich sind, während in einem Auto nur die höchsten Berge einen Eindruck hinterlassen. Man hat keine so akkurate Erinnerung an ein Land, das man durchfahren hat, wie an eines, durch das man geradelt ist.“
Wenn ich jetzt auch die Karte schaue und unsere Route mit dem Finger nachfahre, kommen bei jedem Ortsnamen Erinnerungen hoch, und ich sehe die Landschaft wieder vor mir. Ich bin schon oft mit dem Auto durch Schweden mitgefahren, doch erst auf dem Fahrrad habe ich das Land richtig kennengelernt.

Um ein Selbstportait zu machen, müssen wir kreativ werden. Hier im Straßenspiegel.

Waldliebhaber finden in Schweden ihr Paradies. So sehen viele der Landstraßen aus.

In einem Hafen am Värnernsee studiert Anja-Melanie die Karte.

In Dänemark führt die Straße für 14km auf dem Strand entlang.

In Dänemark folgen wir oft den ausgeschilderten Radwegen. Das ist nicht ganz so abenteuerlich.
Alles in Allem war die Reise ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Wir fuhren immer der Nase nach in das Ungewisse und erlebten dabei ein Abenteuer, wie man es anders kaum erleben kann. Wer Freiheit und Spontanität schätzt, dem kann ich eine Reise per Fahrrad nur wärmstens ans Herz legen. Wir hatten uns anfangs viele Sorgen gemacht, ob wir uns vielleicht etwas zu viel vorgenommen hatten (bzw etwas zu wenig geplant), doch schon nach wenigen Tagen erkannten wir, dass die Sorgen weitgehend überflüssig waren. Ich kann es kaum erwarten, mich auf die nächste Reise zu begeben!
Mit dem Bericht geht’s die Tage weiter!
Sieben Gründe, warum eine Reise per Fahrrad richtig Spaß macht.
Wie ihr ja schon wisst, war ich im Sommer zusammen mit meiner Freundin mit dem Rad in Schweden und Dänemark unterwegs. Es war ein Abenteuer, wie es im Buche steht: mit einer Landkarte und unseren Siebensachen sind wir losgezogen, und haben den Großteil der Planung erst an der entsprechenden Straßenkreuzung unternommen. Vielleicht bewegen diese sieben Gründe den ein oder anderen dazu, für die nächste Reise das Fahrrad als Transportmittel in Betracht zu ziehen…
Dänemark ist Radfahr-Nation. Man hat dort überall einen Radweg.
1: Wir waren so frei wie Grundschüler am Samstag
Wer mit dem Rad unterwegs ist, hat keine Verpflichtungen. Vor allem in Schweden, wo man nahezu überall für eine Nacht campen darf, sind wir einfach in den Tag hineingefahren. Wir wussten ja, dass wir unser Zelt einfach auf irgendeine Wiese stellen konnten, wenn wir uns danach fühlten. Wir konnten den Tag nach Lust und Laune gestalten, ohne Rücksicht auf Termine oder Verabredungen nehmen zu müssen.
Einige Zeit lang fuhren wir am Göta-Kanal entlang, doch wir legten viele hundert Kilometer zurück, ohne uns nach einem ausgeschilderten Weg zu richten. In der unteren Ecke unserer großen Landkarte lag Göteborg, und oft fuhren wir einfach von Ortschaft zu Ortschaft, solange wir unserem Ziel näher kamen.
Und los geht’s! Wir schlängeln uns am ersten Tag auf Landstraßen durch die Wälder.
Dank der vielen Wegweiser ist es kein Problem, sich zurecht zu finden
Und auch im Fall einer Panne ist man nicht aufgeschmissen – die allermeisten Fahrrad-Krankheiten lassen sich mit einem Schraubenschlüssel, ein paar Tropfen Öl und etwas Geschick im Nu wieder kurieren. Fahrräder sind relativ unkompliziert, und das macht sie zum Idealen Reisegefährt.
Unsere einzige Panne. Zum Glück lässt sich so etwas schnell reparieren.
2: Radfahren ist umweltfreundlich
Es gibt kaum eine CO2-neutraleres Transportmittel, als das Fahrrad. Wir durchquerten zwei Länder von einem Ende zum anderen und verbrauchten dabei keinen Tropfen Treibstoff. Auch unser Stromverbrauch war nicht der Rede wert: Wir hatten eine Taschenlampe dabei, um Abends Tagebuch zu schreiben, das wars. Und wo andere im Urlaub leben wie Gott in Frankreich und dabei Berge an Müll produzieren, da fielen bei uns nur ein paar Milchkartons, Müsli-Schachteln und Bananenschalen an.
3: Wir wurden fit wie zwei Turnschuhe
Anstatt mit Benzin liefen unsere Motoren mit Obst, Käsebroten und schwedischen Zimtrollen. Den ganzen Tag lang futterten wir Unmengen an allem, was sich in schwedischen Supermärkten finden ließ. Zwei Stunden nach dem Frühstück hatten wir ein Zweites, dann gingen wir essen, und dann gab es ein weiteres Mittagessen vor dem Abendessen. Ich war rund um die Uhr hungrig, und ich aß auch entsprechend viel.
Unter anderen Umständen wäre ich schnell rund wie eine Melone geworden. Doch wir verbrannten die Kalorien fast schneller, als wir sie hinterherschieben konnten. Nach der Reise brachte ich tatsächlich vier Kilo weniger auf die Waage als zuvor.
Und auch die Muskelbildung konnten wir fast täglich beobachten. Meine Freundin fuhr völlig untrainiert los. In den ersten drei Tagen hatten sie einen gehörigen Muskelkater, doch schon nach kurzer Zeit konnten wir fahren bis es dunkel wurde, ohne es in den Beinen zu spüren. Unsere Körper gewöhnten sich unglaublich schnell an die Beanspruchungen.
Selfie auf einer kleinen Fähre in Dänemark. Wir werden schnell braun, da wir viel draußen sind.
4: Egal was wir aßen – es schmeckte wie im Gourmet-Restaurant
Je hungriger man ist, desto besser schmeckt es. Einmal saßen wir irgendwo in der Nähe des Vätternsees im Gras und wollten Müsli essen, ohne Geschirr schmutzig zu machen. Also futterten wir das Müsli mit den Fingern und spülten jeden Bissen mit Milch direkt aus dem Karton runter. Käsebrote bereiteten wir auch nicht erst aufwändig vor: Wir bissen einfach abwechselnd in das Brot und den Keil Käse.
Doch auch wenn wir oft aßen wie die Barbaren, es schmeckte immer köstlich. Bei unserem Appetit wurde jede Pommes-Bude zum exquisiten Fünf-Sterne-Restaurant.
Unser Essen ist oft einfach, aber dafür essen wir viel davon.
5: Eine Reise per Rad ist billig
Wir hatten keine Benzinkosten, keine Auto-Miete, keine Hotelübernachtungen – Im Grunde gaben wir den Großteil des Geld für Essen aus. In Dänemark zahlten wir etwas mehr, denn da mussten wir auf Campingplätzen übernachten. Wildcampen ist dort verboten.
Wir verbrachten noch ein oder zwei Wochen bei Freunden, und so beliefen sich unsere Kosten für eine fünfwöchige Reise auf unter 500 € pro Person, inklusive Zug- und Fährfahrt.
Dabei waren wir nicht geizig. Wir schmissen zwar nicht mit Geld um uns, aber wenn uns beispielsweise der Duft aus einer offenen Restaurant-Tür lockte, zögerten wir nicht lange.
Wir brauchten auch keine teure Ausrüstung: ich fuhr auf dem 25 Jahre alten Drahtesel meines Vaters, und für meine Freundin kauften wir zwei Wochen vor Reisebeginn ein Rad auf dem Flohmarkt, für 250 €. Dazu ein paar wasserdichte Taschen, und die Reise konnte beginnen. Nur bei der Radfahrhose sollte man nicht geizig sein, die soll einem bei den vielen Stunden im Sattel wertvolle Dienste leisten.
6: Wir lernten Land und Leute besser kennen
Diesen Anspruch stellen viele Reisearten, und es ist auch kein Geheimnis: je langsamer und simpler das Fortbewegungsmittel, desto mehr bekommt man von seiner Umgebung mit. Im Zug saust alles am Fenster vorbei, auf dem Fahrrad hingegen nimmt man die Eindrücke des Landes mit allen fünf Sinnen wahr. Wir sahen viele Details in der Landschaft, das Wasser der Seen, hörten die Bäume im Wind rauschen und trafen Leute in den Ortschaften. Wir rochen die frische Luft, den Geruch von Harz und Nadeln im Wald oder den Duft von nassem Gras. Wir fühlten den Fahrtwind im Gesicht, den Sonnenschein, aber auch den Regen. Das Gehirn kann durch die Stimulation aller Sinne viel mehr Eindrücke abspeichern, und die Erinnerungen sind daher viel intensiver.
Auf dem Göta-Kanal fahren viele dieser Kanal-Schiffe
Auch mit den Leuten standen wir mehr im Kontakt, denn es ist einfach, von Fahrrad aus ein Gespräch anzufangen. Wenn wir nach dem Weg fragten, führte das meistens zu weiteren, interessierten Fragen, und wir plauderten oft ein paar Minuten am Straßenrand.
Das ist Anders. Mit ihm unterhielten wir uns stundenlang am Straßenrand.
Und alle waren gastfreundlich: am ersten Abend suchten wir in Norrköping nach einem Platz zum Übernachten und fanden uns irgendwann auf dem Gelände eines Hunde-Clubs wieder. Die letzten Mitglieder machten sich gerade auf den Nachhauseweg, und als wir nach dem nächstgelegenen Campingplatz fragten, sagten sie: „Ach, es ist doch schon spät. Warum stellt ihr euer Zelt nicht einfach hier auf, ich sperr euch noch schnell das Badezimmer auf.“
Und das passierte uns nicht nur einmal.
7: Wir bekamen einen Sinn dafür, wie groß ein Land wirklich ist
Während wir Schweden einmal von der Ostküste bis an die Westküste duchquerten, bekam ich erst ein Gefühl dafür, wie groß das Land überhaupt ist. Nicht, dass ich es vorher viel kleiner eingeschätzt hätte, aber eine Landkarte ist doch sehr abstrakt, und bei unseren Durchquerungen mit dem Wohnmobil ist halt alles einfach vorbeigerauscht. Wenn man aber die gesamte Strecke mit eigener Muskelkraft zurückgelegt hat, dann weiß man danach, wie viele Hügel, Wälder und Seen zwischen Ost und West liegen. Ernest Hemmingway hat das einmal schön in Worte gefasst:
Wenn ich jetzt auch die Karte schaue und unsere Route mit dem Finger nachfahre, kommen bei jedem Ortsnamen Erinnerungen hoch, und ich sehe die Landschaft wieder vor mir. Ich bin schon oft mit dem Auto durch Schweden mitgefahren, doch erst auf dem Fahrrad habe ich das Land richtig kennengelernt.
Um ein Selbstportait zu machen, müssen wir kreativ werden. Hier im Straßenspiegel.
Waldliebhaber finden in Schweden ihr Paradies. So sehen viele der Landstraßen aus.
In einem Hafen am Värnernsee studiert Anja-Melanie die Karte.
In Dänemark führt die Straße für 14km auf dem Strand entlang.
In Dänemark folgen wir oft den ausgeschilderten Radwegen. Das ist nicht ganz so abenteuerlich.
Alles in Allem war die Reise ein Erlebnis, das ich nie vergessen werde. Wir fuhren immer der Nase nach in das Ungewisse und erlebten dabei ein Abenteuer, wie man es anders kaum erleben kann. Wer Freiheit und Spontanität schätzt, dem kann ich eine Reise per Fahrrad nur wärmstens ans Herz legen. Wir hatten uns anfangs viele Sorgen gemacht, ob wir uns vielleicht etwas zu viel vorgenommen hatten (bzw etwas zu wenig geplant), doch schon nach wenigen Tagen erkannten wir, dass die Sorgen weitgehend überflüssig waren. Ich kann es kaum erwarten, mich auf die nächste Reise zu begeben!
Mit dem Bericht geht’s die Tage weiter!
Fête des Lumieres – Das Lichterfest in Lyon
Von der einsamen Insel zu einem der größten Volksfeste der Welt
Auf der kleinen Insel Litløy in der norwegischen Arktis sitzen wir am warmen Feuer und haben den Finger auf der Landkarte. Nicholas, einer der Volontäre, kommt aus Lyon. „ Nächstes Jahr müsst ihr mich besuchen kommen. Ich wohne in Lyon und das ist eine wunderbare Stadt. Übrigens ist die ganze Region sehenswert.“
Nicholas kehrte letzten Sommer von seiner Weltreise zurück. Er hatte unser Gespräch noch in Erinnerung und lud uns ein. Anfang Dezember wäre am besten für unseren Besuch. Er schwärmte vom Lichterfest und wie viele Fotomotive das bietet. Ja, super, sofort sagten wir zu. Um uns herum herrschte das übliche Weihnachtsgedöhns mit „Stille Nacht Gedudel“ im regnerisch, trüben Deutschland. Ich hing beim Bearbeiten der Fotos emtotional noch im skandinavischen Sommer fest.
Die Kathedrale Saint-Jean-Baptiste im Lichterfest von Lyon
Wie parkt man einen T4 – die Langversion – in Lyon
Eher unmotiviert fuhren wir los, die Autobahn war glücklicherweise frei, wenn auch etwas älter und enger. Die Maut kostete bis Lyon 35 Euro und das war es wert, wir konnten stressfrei fahren.
Nicholas wohnt mitten in Lyon, im alten denkmalgeschützten Stadtkern. Wir fanden seine Straße ohne Probleme, aber keinen Parkplatz. Die Autos, meist Kleinwagen, parkten buchstäblich Stoßstange an Stoßstange. Wir hielten kurz in einer Ausfahrt, um das Gepäck auszuladen. Wir hatten eine ganze Ladung spezielle Biersorten für Nicholas dabei. Deutsches Bier ist in Frankreich teuer, und unser Bus hat mehr als genug Ladekapazität.
Die Parkplatzsuche hinterher dauerte länger als eine Stunde. Ein legales Fleckchen, wo unser Bus hineingepasst hätte, war nicht zu finden. Nach unzähligen Schleifen durch enge Einbahnstraßen parkte Gunter das Auto zehn Blocks entfernt am Straßenrand in einer Kurve.
Couchsurfing – so kurzfristig sowieso die einzige Möglichkeit, eine Unterkunft zu finden
Nicholas Wohnung ist gemütlich, und wir machten es uns erst mal bequem. Nicholas ist Couchsurfer und läd gern Leute ein. Dieses Wochenende ist das begehrteste des Jahres. Zwei italienische Couchsurfer hatten kurzfristig abgesagt, da hatten wir für uns mehr als genügend Platz. Die umklappbaren Sofas reichten vollkommen aus.
Morgens gingen wir auf den Markt, der fast täglich am Boulevard-de-la-Croix-Rousse hügelaufwärts stattfindet. Die Auswahl an Käse, Gemüse und frischem Fleisch war unglaublich. Wenn schon Frankreich, dann natürlich auch kulinarisch! Käse, frisches Baguette und zum Frühstück Schokocroissants – herrlich!
Plötzlich stehen wir mittendrin und sind überwältigt
Am folgenden Abend zogen wir erstmals hinunter in die Stadt. Lichterfest? Was würde das wohl bedeuten? Wir sind keine Stadtmenschen, und haben so etwas auch noch nicht erlebt. Ich stellte mir vor, dass da ein paar Häuser bunt angestrahlt werden würden.
Plötzlich waren wir mitten drin im Menschentrubel auf dem Place de Terreaux. Das Rathaus und das Kunstmuseum waren angestahlt, aber wie! Ein roter Vorhang wurde auf das Rathaus projiziert und bewegte sich wie im Wind wehend. Die Musik setzte ein, der Vorhang wurde aufgezogen – virtuell natürlich – und die Vorstellung startete. Wow! Mir lief eine Gänsehaut über den Rücken! Ein multimedialer Streifzug durch die Kunstgeschichte folgte: Tanz, Musik und Malerei wurden auf den kompletten Fronten des Rathauses und des nebenan stehenden Kunstmuseums umwerfend plastisch präsentiert. DAS ist also eine Lichtershow?! JETZT erst konnte ich mir etwas drunter vorstellen! Ich war völlig überwältigt.
Mit den 5reicherts waren noch einige Millionen andere Besucher in die Stadt gekommen, um das Fête des Lumieres zu erleben. An jeder Ecke gab es eine andere Aufführung. Überall wurde heißer Glühwein angeboten, teilweise sogar kostenlos. Der Duft von Wein und Crepes hing in den engen Gassen. Nicholas hatte alles im Blick und schleuste uns zielgerichtet durch die Menschenmenge. Nur ihm in dem Gedränge zu folgen, war nicht einfach, weil er dunkel gekleidet war. Ich hätte ihm fast einen kitschigen LED-Kopfschmuck gekauft, die von Straßenhändlern angeboten wurden. Wenigstens fuhren keine Autos, aber für die unglaublichen Fußgängermassen waren extra Einbahnstraßen eingerichtet worden.
Am ersten Abend schauten wir die Installationen auf der Halbinsel zwischen der Rhone und der Saone an. Am nächsten Abend erkundeten wir die engen Gassen jenseits der Saone. Inzwischen waren wir voll auf Stadt, Trubel und Lichtershow eingestellt.
Das Beamer-Licht im Nieselregen
Das impressionistisch angestrahlte Rathaus von Lyon im Lichterfest
Kleine Männchen auf der Fassade der Oper von Lyon
Sonntag Nachts um 1:00 Uhr ist der Place de Terreaux übersichtlicher
Schau dir unbedingt das Video an
Lyon-Lichterfest,-Dezember-2014
Blick auf die Stadt
Am dritten Abend fuhren wir mit der Bergbahn den Hang hinauf zur Basilika Notre Dame de Fourvière. Wir standen ewig in einer langen Schlange, weil die Fahrt an diesem Tag zur Feier des Lichterfestes kostenfrei war. Oben auf der Höhe war es kaum möglich, einen Platz an der Balustrade zu bekommen, soviele Menschen drängten sich für eine gute Aussicht an die Mauer.
Nach dem Gottesdienst warfen wir auch einen Blick ins Innere der Basilika. Freundliche Mönche sprachen uns sofort an. Das lag wohl an den Stativen, wir sahen wohl wie ernsthafte Fotografen aus. Sie erzählten uns, dass es im Sommer möglich ist, eine Tour durch die verschlungenen Gänge der Basilika zu buchen, jetzt im Winter leider nicht – das nehmen wir uns unbedingt für den nächsten Besuch vor.
Draußen wurde in der fortschreitenden Dämmerung per Kran eine giganitsche Discokugel in Zeitlupe über die Spitzen der Kirche gehievt. Deren Licht strahlte über die ganze Stadt, gleich daneben leuchtete der Schriftzug „Merci Marie“. Zum Dank an die Jungfrau Maria, welche die Stadt mehrmals vor Unheil gerettet hatte. (Mehr dazu im Infokasten).
Warten auf die Bergbahn, Lyon
Blick über Lyon, Lichterfest im Dezember
Blick über Lyon, Lichterfest im Dezember
Die Discokugel wird über die Basilika gehievt
Die Basilika strahlt im Lichterfest von Lyon
Basilika im Lichterfest von Lyon
Ohne Restaurantbesuch fehlt etwas
Nicholas merkte an, dass man nach all den sinnlichen Outdoor-Eindrücken – Nieselregen und Kälte, bunte Lichter, Filme, laute Musik. Glühweinduft und Menschenmengen – den kulinarischen Genuß nicht außer Acht lassen dürfe. Wir müßten etwa 16 Euro für ein dreigängiges Menü pro Person kalkulieren. Das von unserem Gastgeber empfohlene petite Restaurante war gemütlich eingerichtet, nicht super nobel, aber gepflegt. Der Blick auf das Menü war allerdings frustrierend: die Preise ware just für die Tage des Lichtfestes deftig angepasst worden. Angebot und Nachfrage! Ein Menü kostete nun 20 Euro – bei sechs Leuten macht das ganz schön was aus. Speziell wenn man, wie wir, mit einem begrenzten Budget viel reist. Nicholas war sauer und beschwerte sich auch laut. Doch die Bedienung versuchte sich rauszureden, es wäre ja nur einen Euro teuer als sonst, haha.
Trotzdem schmeckte es gut! Und es war auch ein Erlebnis, welches zur Abrundung der Reise einfach dazugehört. Der Salat war hervorragend. Der Hauptgang in Ordnung, nur die Portionen waren für unsere Männer etwas zu klein geraten. Immerhin waren wir schon drei Tage lang durch die Stadt gezogen und hatten viele Kalorien verbrannt.
Lyon nach dem Lichterfest
Lyon lernten wir erst richtig nach dem Fest kennen. Ich weiß nicht, ob es besser gewesen wäre, ein paar Tage vorher zu kommen, um sich einzugewöhnen, bevor man sich wagemutig in die Besuchermassen stürzt, immerhin liefen wir zusammen mit den anderen 4 Millionen Besuchern durch die Stadt!
Eine Städtetour ist für Teenager hoch interessant
Wir haben keine Städtetour mehr unternommen, seit wir im Jahr 2000 mit drei Kleinkindern durch San Francisco gezogen waren. Damals war es uns mit den kleinen Kinder viel zu stressig gewesen. Aber, um ganz ehrlich zu sein: die Städtetour hat uns wahnsinnig gut gefallen! Lyon ist echt genial!
Tagsüber trennten wir uns, die Kids zogen allein los und bummelten durch Galerien und Comicbuchläden. Wir fotografierten die öffentlichen Plätze und am frühen Abend den Trubel von Autos und Menschen. In diesem Gewusel fühlte ich mich richtig gut und kreativ gefordert!
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Lichterfest Lyon
Mit einer halben Million Einwohnern in der Kernstadt ist Lyon nach Paris und Marseille die drittgrößte Kernstadt des Landes. Die gesamte Metropolregion Lyon, mit 2.2 Millionen Einwohnern, ist aber nach Paris und vor Marseille die zweitgrößte Frankreichs.Die Altstadt und ein Teil der Halbinsel Lyons wurden 1998 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.Historisch ist die Stadt eng mit den Canuts, den Seidenwebern, verknüpft, deren Handwerk während der Industriellen Revolution die treibende Wirtschaftskraft war. Darüber hinaus ist Lyon als Stadt des Lichtes bekannt, dem zu Ehren jährlich am 8. Dezember die „Fête des Lumières“ gefeiert wird.
Vive Marie
Das Fest der Lichter drückt die Dankbarkeit gegenüber Maria, der Mutter Jesu aus. Jeder Haushalt bestückte dafür seine Fenstersimse mit brennenden Kerzen. Der Ursprung des Festes geht auf das Pestjahr 1643 zurück, als die Stadtoberen versprachen, der Heiligen Maria Tribute zu zollen, wenn sie die Pest aus der Stadt heraushalten würde.
1852 sollte eine Statue der Jungfrau Maria auf dem Fourvière Hügel, wo die Basilika steht, errichtet werden. Am Tag der Feierlichkeiten, am 8. Dezember zog aber ein Sturm auf, und die Verantwortlichen wollten das Fest hastig abblasen. Die Einwohner Lyons hatten dem Fest schon entgegengefiebert und entzündeten spontan Kerzen überall in der Stadt. Zum Glück ließ der Sturm während des Tages nach, die Leute zogen mit Fackeln durch die Straßen und sangen „Vive Marie!“
Seitdem wird alljährlich im Dezember das „Fête des Lumières“ gefeiert. Es ist eines der drei größten Volksfeste der Welt, nach dem Karneval von Rio und dem Münchner Oktoberfest. Vier Millionen Besucher komen dafür jedes Jahr nach Lyon, die Straßen der Stadt sind bis zum Bersten mit feierndem, gut gelaunten Volk gefüllt.
Lyon und das Licht
Lyon hat noch viel mehr mit Licht zu tun. Die Brüder Auguste und Louis Lumière drehten hier 1895 den ersten Film der Welt.
Der Lyoner Lichtplaner Roland Jéol setzte 1989 den weltweit ersten Lichtmasterplan in Kraft. Jéol lässt seitdem Hunderte Bauwerke und andere Objekte in Lyon ausleuchten. Seine Dienste sind auch in vielen französischen und auch europäischen Städten gefragt.
praktische TIPPS
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Galerie: Die verschiedenen Facetten der Kathedrale Saint-Jean-Baptiste
Fotografische Anregungen für das Lichterfest
MERCI, Nicholas!
Achtung: Das Lichterfest 2015 wurde aufgrund der Anschläge in Paris auf 2016 verschoben.
Weitere Blogbeiträge zum Lichterfest Lyon
Firmenservice: CULLMANN GERMANY GmbH
Die Firma CULLMAN aus Langenzenn in Mittelfranken ist für ihren zuvorkommenden Service bekannt. In unserer langen Fotokarriere hatten, bzw. haben wir immer wieder CULLMANN-Produkte in Gebrauch. Taschen, Stative, Stativköpfe und sonstiges Zubehör.
Das erste Mal hatte ich Ende der Achtziger mit dem CULLMANN-Service zu tun. Ein Autounfall hatte eines der drei Beine meines Stativs hoffnungslos verbogen. Eine kurze Beschreibung, kombiniert mit einer höflichen Bitte nach Hilfe, und der Ersatz war unterwegs zu mir, kostenlos!
Unser CULLMANN Magnesit 25mN Kugelkopf mit den üblichen Gebrauchsspuren. Die Drehknöpfe sind für Friktion, Panorama und zum Arretieren (links nach rechts).
Aktuell liess sich ein Kugelkopf aus der ersten Magnesit-Serie nicht mehr vollständig arretieren. Normalerweise geht das kinderleicht, doch mit der Zeit musste ich immer mehr Kraft aufwenden, bis der Kopf irgendwann gar nicht mehr hielt. Ich hatte ihn mehrfach komplett zerlegt, gereinigt und wieder zusammengebaut, aber nichts half. Frustriert wollte ich ihn schon in die Tonne treten, da kam mir die Idee, ihn zum CULLMANN-Service zu senden, auch wenn der Kopf schon sieben Jahre alt war. Auf das Email an den Service mit der Bitte um Rat, kam umgehend die knappe Antwort: Bitte Einschicken!
Gesagt, getan. Eine Woche später war das Päckchen zurück: „Anbei erhalten Sie den Kugelkopf kulanterweise kostenlos repariert zurück“. Jetzt läuft er wieder seidig und geschmeidig, und klemmt ohne Kraftaufwand fest, wie in seinen besten Zeiten. Und die Gummiauflagen der Drehknöpfe wurden auch erneuert.
Inzwischen geht der Kugelkopf wieder mit auf unsere Reisen. Als Backup, und er ersetzt den Unilock-Kugelkopf, wenn der mir für längere Wanderungen zu schwer ist.
Fazit: CULLMANN steht nach wie vor für kundenorientierten und kompetenten Service.
Ein herzliches Danke dafür an Frau Hußnätter und das Team vom CULLMANN-Service!
Kontakt: info@cullmann.de
Service: service@cullmann.de
Aus der aktuellen Magnesit-Serie können wir den Cullmann Magnesit MB4.4 Stativ Kopf
empfehlen. Oder die kleinere Ausführung für leichte Kameras, den Cullmann MAGNESIT MB2.1
.
Wir mögen die geschmeidige Art, wie diese Köpfe laufen. Zudem haben die Teile volle 10 Jahre Garantie.
Der Cullmann Magnesit 4.4 wiegt 480 g und trägt 14 kg. Der Friktionsknopf ist nun im Feststellknopf integriert.
Meereswelten Kalender im WeitSicht Verlag
Noch ist Kalenderzeit. Im Weitsicht Verlag habe ich einen Kalender im Format 45 x 33 cm zum Thema Meer 2015: Meereswelten Gabi Reichert .
Ruhiger Fjord, Lofoten
Januar- Schneelandschaft, Lofoten, Norwegen
Wir verbrachten einen Winter in Norwegen. Da sollte man meinen, dass es möglich ist, andauernd solche Motive zu finden. Tatsache ist jedoch, dass wir nur einen einzigen windstillen Tag hatten. Und den nutzten wir aus. Wir waren den ganzen Tag auf den Lofoten unterwegs um diese Spiegelungen und das Eis zu fotografieren. Da kommt mir mein Lebensmotto: Carpe diem – nutze den Tag – sehr entgegen.
Myrland, Lofoten
Februar- Myrland, Lofoten, Norwegen
Die Bewegungsmuster in Wellen zu beobachten ist meine Meeresmediation. Ich kann das stundenlang machen und merke dabei gar nicht mehr, wie ich die Kamera bediene. Von Freunden höre ich immer wieder: „Genieß das doch mal, renn doch nicht ständig mit der Kamera run!“ Ja, mach ich doch. So wie mache Leute Motorrad oder Auto auf schönen Straßen als Entspannung ansehen, so geht es mir mit der Fotografie. Gerade an solchen Tagen mit dynamischen Wellen! Da bin ich im Flow! Auf dieser Reise haben wir keinen live Reisebericht geschrieben – hier findest Du aber eine Fotogalerie: Lofoten im September.
Königsstuhl, Insel Rügen, Deutschland
März – Königsstuhl, Insel Rügen
Das Foto entstand kurz nach Sonnenaufgang, der Himmel war nicht ganz klar, das Licht daher sehr diffus. Wir waren mit dem Fotokollegen Klaus unterwegs – ohne ihn wären wir zu so früher Stunde nicht vor Ort gewesen! Die Stimmung war melancholisch, was mir gefiel. Die Langzeitaufnahme mit dem 1000 fach Graufilter bringt am besten rüber, wie ruhig dieser Morgen unterhalb der gewaltigen Steilküste war.
Myrland, Lofoten
April – Myrland, Lofoten
Myrland ist auf den Lofoten unser Lieblingstrand. Die Felsen liegen so gut sortiert, dass ein Fotograf sich da stundenlang kreativ beschäftigen kann. Der Nebel zog schnell vom Meer ins Land hinein. Die Stimmung veränderte sich jede Minute. Auch hier wählte ich eine Langzeitbelichtung (praktische Anleitung) um den Frieden, den ich in der Natur finde, darzustellen.
Kynance Cove, Cornwall, Südengland
Mai – Kynance Cove, Cornwall, England
Wir waren erstmals im Sommer mit dem Wohnmobil in Südengland unterwegs. Vor dem Beginn englischen Ferien war der Strand leer, doch kaum wurden die Schüler in die Freiheit des Sommers entlassen, da tummelten sie sich alle in den Wellen vor diesem außergewöhnlich schönen Strand. Wir hatten unser Mobil, welches für die engen Gassen im Süden viel zu groß war, auf einem Farmcampingplatz abgegestellt und wollten da auch nicht mehr weg. Der Sommer auf der Farm war für unsere Kids einer der schönesten, den wir hatten!
Weitere Lieblingsstrände in Südengland haben wir in diesem Beitrag besprochen.
Norre Vorrupur, Dänemark
Juni – Norre Vorrupur, Dänemark
Die Fischerboote von Norre Vorrupur waren im Sturm an der dänischen Küste ein willkommenes Fotomotiv. Auch dieses Foto ist eine Langzeitaufnahme, diesmal aber eher, um den Sturm darzustellen. Zuerst war es bedeckt und ich fotografierte natürlich trotzdem. Nach einer Stunde, Ohren und Nase waren bereits eiskalt, packte ich ein und lief zum Mobil zurück. Als ich die Tür öffnete und mich gerade nach einem heißen Tee sehnte, kam die Sonne raus. Na gut: kein Tee! Ich drehte um, und baute das Stativ nocheinmal auf. Jetzt sahen die Fotos trotz Sturm wesentlich freundlicher aus. Bis sich ein Surfer genau ins Bild stellte und eine halbe Stunde Dehnübungen machte. Egal: mein Foto hatte ich im Kasten!
Bleik, Vesteralen, Norwegen
Juli – Bleik, Vesterålen, Norwegen
Wir hatten tagelang wunderbares Fotowetter auf Andøya. Abends, wenn sich all die anderen Camper vom Strand zurückgezogen hatten, wurde es immer am besten. Die Lichtstimmung hielt sich von 0:00 bis 4:00 Uhr morgens. Ich schlief nach einigen Tagen beim Herunterladen der Fotos mit dem Notebook auf den Knien ein. Der Geist war willig, doch der Körper brauchte Schlaf. Das war ein schöner, von wohltunender Erschöpfung verdienter Schlaf.
Sandhammaren, Schweden
August – Sandhammaren, Süd Schweden
Ein gigantischer langer Sandstrand läd im Süden Schwedens zum Spazierengehen ein. Auf uns Fotografen wirkte natürlich dieser Farbklecks von Rettungsring anziehend. Ich setzte ihn mit einer „kurzen“ Langzeitaufnahme in Szene, das Gras wehte leicht im Wind. Da der Himmel bedeckt war, wirkt das Bild ziemlich blau.
Der Leuchtturm von Sandhammaren, der hinter diesem Strand etwas versteckt im Wald steht ist nachts übrigens ein ganz besonderes Erlebnis, weil seine Strahlen an ein Zirkuszelt erinnern.
Unstad, Lofoten, Norwegen
September – Unstad, Lofoten
Sturm auf den Lofoten – welcher Strand eignet sich da besser als der Surferstrand. Es war saukalt – im Januar – doch wir staunten stundenlang über die Wellen. Die eingefrorenen Finger bemerkten wir vor lauter Begeisterung gar nicht mehr. Nach der Tour verdrückten wir zur Abedckung des immensen Kalorienbedarfs im VW Bus erstmal Unmengen an Kaffeestückchen und Brote!
Sturm und Regen in Blokhus, Dänemark
Oktober – Blokhus, Dänemark
Wir hatten nur ein paar Tage in Dänemark und die waren stürmisch. Doch selten ist ein Sturm so fotogen, als zu dem Zeitpunkt, wenn eine mächtige dunkle Regenwolke über das Meer getrieben wird. Der Sturm blies mir ins Gesicht und Sand in die Augen. Die Kamera war innerhalb weniger Sekunden nass vor Gischt und ich putzte bis alles verschmiert war. Es regnete nicht, aber ich war klatschnass. Salzig nass! Es hatte sich gelohnt mit dem Sturm zu kämpfen und ich fühlte mich lebendig!
Bressay Lighthouse, Shetland
November – Bressay, Shetland
Shetland war mein Traumreiseziel gewesen. Warum? Keine Ahnung. Aber wenn ich das Gefühl habe ich muss wohin, dann muss ich das auch machen. Die Fährfahrt war anstrengend gewesen, ein Sturm hatte die Fähre 15 Stunden lang herumgewirbelt. Ich war froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Wir hatten diesen Leuchtturm in Bressay als erste Unterkunft gemietet! Das war gleich mein zweiter Traum gewesen – in einem Leuchtturm zu wohnen, wenn auch nur für eine Woche! Trotzdem hielt ich es im Haus nicht aus, wenn draußen die Wellen knallen. Spät am Abend suchte ich auf dem Steilhang hinter dem Leuchtturm einen Platz, wo das Stativ stehen konnte und fotografierte unser erstes Domizil. Das Licht der Sonne war zu schwach für „normale“ Fotos, so machte ich eine Langzeitaufnahme!
Utakleiv, Lofoten
Dezember – Utakleiv, Lofoten
Es ist zwar das Dezemberblatt, das Foto wurde aber zur Mitternachtssonne aufgenommen. Das hört sich immer so gut an: da geht im Sommer die Sonne nicht unter! Aber an die Wolken denkt niemand, wenn er eine Reise plant. Wir hatten damals schlechtes Wetter, von wegen Mitternachtssonne. Eher Mitternachtsregen. Doch dann kam der Tag, nach wochenlangem Regen. Und er hörte natürlich nicht auf. Stundenlang fotografierten wir diese Abendstimmung. Da lohnen sich auch Wochen des Wartens für so einen einzigen, gigantischen Tag!
Den ganzen Verlauf dieser besonderen Mittsommernacht auf den Lofoten habe ich in einem Blogbeitrag beschrieben.
Tage 11 und 12 der Radtour. Tschüss Schweden! Wir kommen, Dänemark!
Göteborg
In Göteborg machten wir einen Tag lang Pause und zogen zusammen mit Andrew und Aron in der Stadt herum. Es war ein netter Tag, die Sonne schien vom wolkenlosen Himmel herunter.
Göteborg ist eine schöne Stadt, wenn man nicht gerade Richtung Hafen schaut. Wo sich keine Industriekräne und Containerberge häufen, das stehen alte, malerische Gebäude und große Parkanlagen, die eine fast vergessen lassen, dass man sich in einer Großstadt befindet.
Unser erstes Ziel war ein Café namens „Husaren“. Andrew hatte uns mit Geschichten von den dortigen tellergroßen Zimtrollen das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen, und es dauterte nicht lange, bis wir das Café gefunden hatten. Wir verdrückten eine der berühmten Zimtrollen als Zweitfrühstück und zogen dann Richtung Fährhafen, um die Tickets nach Dänemark zu buchen. Auf dem Weg dorthin führte Andrew uns über den Fischmarkt und wir machten in einem Laden halt, der Modellschiffe verkaufte, um sie uns anzuschauen.
Da ich mittlerweile schon wieder Hunger hatte, gingen wir zur amerikanischen Botschaft (McDonalds), wo ich doppelt so viel verdrückte wie die anderen, und dann noch ihre Reste aß. Wir fuhren an diesem Tag zwar keinen Meter mit dem Rad, aber mein Körper hatte sich an den hohen Kalorienverbrauch gewöhnt.
Im „Café Husaren“. Leider habe ich die gigantischen Zimtrollen nicht fotografiert!
Mittags gabelten wir dann Aurora auf, die bis dahin in der Schule gewesen war, und trafen Ari. Ari ist ein Freund von Aron und mir, der auch zufällig nach Göteborg gezogen ist, um zu studieren. Zusammen führten wir unseren Stadtbummel fort. Wir ließen uns von der Filmauswahl im Kino enttäuschen und kauften stattdessen ein HDMI-Kabel, um später etwas zuhause schauen zu können.
Abends quetschten wir fünf uns dann zusammen in Andrew und Auroras winziges Apartment, aßen Pizza und Eis und schauten den Film „Into the White“ (den kann ich übrigens sehr empfehlen)
Von links: Aron, Ari, Anja-Melanie, Andrew, Esra, Aurora.
Der Abend wurde lang, und es half nicht, dass dafür der nächste morgen sehr früh werden würde. Die Fähre nach Dänemark lief nämlich vor 9 Uhr aus, und man musste sehr lange vorher dort sein.
Wir standen also um halb sieben auf, duschten, beluden die Räder und verabschiedeten uns. Die sechs Kilometer zum Fährhafen legten wir schnell zurück, und ab dann galt es, zu warten – erst am Terminal, dann auf der Fähre. Die Ausfahrt aus Göteborg bot eine schöne Aussicht vom Deck des Schiffes, vom Rest der Überfahrt gibt es allerdings wenig zu berichten. Wir gaben noch schnell unsere letzten schwedischen Kronen für Essbares aus.
Im Bauch der Fähre.
Der Schornsteinturm.
Auf der anderen Seite des Hafens sieht Göteborg anders aus…
Das Wahrzeichen der Stadt, die „Göteborg“. Sie ist ein originalgetreuer Nachbau eines historischen Schiffes mit dem selben Namen. Andrew leistet hier gelegntlich Freiwilligendienst.
Knapp!
Tschüss, Schweden. Dänemark, wir kommen!
Am frühen Nachmittag standen wir dann im Hafen von Fredrikshavn und suchten den Radweg nach Skagen. Der große Unterschied zu unserer Zeit in Schweden war, dass hier unsere komplette Route schon festgelegt war: der Radweg Nummer 1, bzw. der „Nordseeküstenradweg“. Der verläuft an der kompletten Nordseeküste Dänemarks entlang, bis an die deutsche Grenze.
Wir hatten auch keine große Wahl – in Dänemark kann man nicht einfach auf den Landstraßen seine eigene Route fahren, denn die Straßen sind voller und es wird von einem erwartet, dass man den Radweg nimmt.
Das war zwar weniger abenteuerlich, aber wenigstens war es einfach und entspannend, wenn man nur der Beschilderung folgen muss. Außerdem mussten wir uns keine Sorgen machen, verloren zu gehen.
Unser erstes Ziel in Dänemark war Skagen, die kleine Stadt an der nördlichsten Spitze des Landes. Es waren etwa 50 Kilometer bis dorthin – 50 sehr flache Kilometer. Das Land hat nicht viele Hügel zu bieten.
In Dänemark sind die Radwege sehr… dänisch. Also flach.
Auch typisch Dänemark.
Am ersten Tag müssen wir auf keine Straße.
Viel weiter als bis Skagen wollten wir nicht fahren, denn die Nacht war kurz gewesen, und ein bisschen Ruhe wäre nun genau das Richtige. Vor dem Relaxen brauchten wir allerdings noch ein paar Kalorien, und da kam uns eine kleine Pommesbude am Ortsrand sehr gelegen. Ich bestellte eine große Portion für 48 Kronen. Den genauen Wechselkurs wusste ich nicht, ich ging von 1€ = 9DKK aus, wir erfuhren aber später, dass ein Euro nur sieben Kronen wert war. Sieben Euro für eine Pommes sind ganz schön viel, werden jetzt einige denken, aber ihr habt die Portion nicht gesehen! Sie war nicht groß, sie war monströs. Zu zweit und mit unserem konstanten Hunger hielt sie allerdings trotzdem nicht sehr lange.
Nach der fettigen Stärkung schauten wir uns noch den nördlichen Zipfel Dänemarks an, da wir gerade so nah waren. Lange wollten wir unsere vollbeladenen Räder allerdings nicht allein auf dem Parkplatz stehen lassen, immerhin konnten wir das Gepäck nicht abschließen. Wir fuhren also bald zum Campingplatz in Skagen und bauten unser Lager auf. Es war schade, dass wir nicht wildcampen durften, doch so ist es nun mal in Dänemark festgelegt.
Monsterportion Pommes! Die Helme wirken fast klein im Vergleich!
Anja-Melanie und ich am nördlichsten Punkt des Landes.
In Skagen sehen sich alle Häuser sehr ähnlich.
Interview mit Christine Sinterhauf zum Buch „Mit Kindern die Welt entdecken“
Das Buch von Christine Sinterhauf: Mit Kindern die Welt entdecken
Vor einigen Jahren kontaktierte mich Christine Sinterhauf, weil sie an einem Buch zum Thema Reisen mit Kindern schrieb. Sie bat mich darum unsere Reisegeschichte, USA und Kanada mit Kleinkindern, aufzuschreiben, denn sie wollte andere reisende Eltern in ihrem Buch zu Wort kommen lassen.
Jetzt ist das Buch – sehr umfangreich und ausführlich – auf dem Markt. Es ist unter dem Titel Mit Kindern die Welt entdecken: Ein Reisehandbuch
im Berg & Tal Verlag erschienen. Ich möchte Euch die Autorin und das Buch in einem Interview vorstellen. Viel Spaß beim Lesen.
Die Autorin Christine Sinterhauf
Gabi: Seit vielen Jahren seid ihr als Familie unterwegs. Wann habt ihr begonnen mit euren Kindern zu reisen?
Christine: Gereist sind wir schon vor den Kindern. Als wir dann Nachwuchs bekamen, haben wir uns natürlich Gedanken gemacht, wie wir trotz – oder besser gesagt mit – dem Kind weiter unterwegs sein können. Da unsere Reiseformen schon immer eher einfacher Natur waren, manche würden sagen Outdoortouren, mussten wir uns einiges einfallen lassen Kind und Reisen unter einen Hut zu bringen. Anfangs war das nicht immer einfach, aber mit dem zweiten Kind wurde es besser, da wir da schon ein wenig Erfahrung gesammelt hatten.
Gabi: Wie alt waren deine Kinder auf ihrer ersten Reise und wohin führte sie?
Christine: Als unser großer drei Monate alt war sind wir mit ihm in die Berge zum Wandern. Im fortgeschrittenen Alter von sechs Monaten hat er dann seine erste Fahrradtour absolviert. Diese Tour führte über 600 Kilometer durch Franken. Eine große Herausforderung für uns damals. Aber er hat es schließlich ohne bleibende Schäden überstanden. Seine kleine Schwester war bei ihrer ersten Reise zwei Monate alt. Wir campten ausnahmsweise auf einem noblen Campingplatz bei Venedig. An diesen Urlaub haben wir ebenfalls schöne Erinnerungen.
Gabi: Ist es nicht schwierig mit Babys und Kleinkindern Outdoortouren zu unternehmen?
Christine: Es scheint auf den ersten Blick tatsächlich schwierig zu sein. Da wir aber schon vor den Kindern oft mit dem Fahrrad und Zelt unterwegs waren, hatten wir schon eine gewisse Erfahrung mit den Widrigkeiten des Outdoorlebens. Dennoch mussten wir mit den Kindern vieles neu lernen und haben so manche unangenehme Überraschung erlebt. Aber schließlich waren das alles wertvolle Erlebnisse, die uns mit den Jahren zu erfahrenen Reiseeltern gemacht haben. Und glücklicherweise waren alle diese Erlebnisse zwar unangenehm, aber keineswegs gefährlich für unsere Kinder. Wir sind trotz unserer Abenteuerlust sehr darauf bedacht unseren Kindern nicht zu schaden. Ich würde uns sogar als sehr vorsichtige Reiseeltern bezeichnen. Für mich steht immer das Wohl der Kinder vor der Lust zum Abenteuer, also bloß kein naiver Aktionismus.
Auch sind wir keine wahren Outdoorer. Da gibt es ganz andere Familien, auf die das Prädikat Outdoorfamilie eher zutrifft. Ich möchte hier zum Beispiel die Familie Fleck erwähnen, die mit ihren Kindern richtige Wildnistouren unternommen hat. Unsere Soft-Outdoor-Touren dagegen kann eigentlich jeder Normalreisende mit seinen Kindern unternehmen.
Christines Familie im Zelt
Christines Familie in der Natur
Auf Radtour
Gabi: Das klingt ja ganz einfach in der Theorie. Aber wie sehen eure Outdoor-Urlaube in der Praxis aus? Kannst du von einer Begebenheit erzählen, die euch herausgeforderte hat?
Christine: Hm, das ist wirklich schwer. Es gibt tatsächlich viele unangenehme Erlebnisse auf Reisen, aber die vergisst man leider – oder Gott sein Dank – sehr schnell wieder. Aber ich erinnere mich noch lebhaft an eine Begebenheit, die ich wahrscheinlich nie vergessen werde.
Sie ereignete sich auf unserer ersten gemeinsamen Fahrradtour mit beiden Kindern. Wir waren damals in Holland unterwegs und es regnete jeden Tag ununterbrochen. Die Erde, auf der unser Zelt stand, war schon so aufgeweicht und matschig, dass wir alle Mühe hatten, sauber in unser Innenzelt zu kommen. Unsere gerade einjährige Tochter dagegen hatte überhaupt keine Mühe in einem unbeobachteten Moment das Innenzelt zu öffnen und sich heimlich aus dem Staub zu machen. Wir fanden sie schließlich von oben bis unten mit Matsch bedeckt unter dem benachbarten Wohnwagen sitzen. Wir waren damals so überrascht und schockiert, dass wir im ersten Moment wirklich nicht wussten, ob wir nun lachen oder weinen sollen.
Gabi: Und dennoch habt ihr eine lange Auszeit geplant und seid ein Jahr später fast ein Jahr durch die Welt gereist. Hattet ihr keine Ängste vor dieser langen Reise?
Christine: Doch die gab es selbstverständlich. Diese waren aber eher banaler Natur, wie beispielsweise, dass die Kinder im Zelt nicht schlafen können oder unterwegs eine Erkältung bekommen. Größere Angstszenarien versuchten wir jedoch zu verdrängen, da sie für das Planen eines solchen Unternehmens nicht sehr hilfreich sind. Wir haben uns sehr lange und intensiv auf diese Langzeitreise vorbereitet, was unsere Ängste mit der Zeit minimierte.
Gabi: Wohin seid ihr gereist und wo hat es euch am besten gefallen?
Weil wir begeisterte Radfahrer sind, haben wir zunächst unsere Räder eingepackt und sind nach Skandinavien gereist. Dort haben wir zahlreiche Etappen mit den Fahrrädern zurückgelegt. Wir hatten damals das große Glück eines Jahrhundertsommers und für Skandinavien unglaublich gutes Wetter. Einzig auf den Lofoten gerieten wir in einen Sturm und flohen kurzerhand nach Schweden. Im Herbst flogen wir dann nach Australien und Neuseeland.
Ich kann nicht sagen wo es am schönsten war. Das ist nicht immer nur vom Land abhängig, sondern auch von den Menschen, denen man begegnet oder von den Erlebnissen, die man unterwegs erfährt. Wunderschöne Landschaften allein sind keine Garantie für eine erfüllte Reise. Da bedarf es schon ein wenig mehr. Rückblickend war das schönste eigentlich die Zeit, die einem unendlich erschien. Die Tage flossen dahin wie ein gleichförmiger Strom und das empfand ich als unheimlich entspannend und befreiend.
Gabi: Wie denkst du rückblickend über eure Weltreise? Hat sie eure Erwartungen erfüllt? Würdest du eine solche Reise jungen Familien empfehlen?
Christine: Ja, sicher! Eine solche Reise ist die einzigartige Möglichkeit eine sehr intensive Zeit als Familie zu erleben. So lange und so eng ist man sonst nie als Familie vereint. Das kann natürlich mitunter schwierig sein, aber eben auch eine ungeheure Chance als Familie zusammen zu wachsen. Die Erfahrung, die wir als Reisende immer wieder machen konnten ist, dass Familien, die ebenfalls lange Reisen mit ihren Kindern unternommen haben, meist ganz besonders homogene Gemeinschaften waren. Die Beziehung zu den Kindern und unter den Partnern ist meist besser als in Durchschnittsfamilien. Wie gesagt sind das Erfahrungen, die wir mit anderen langzeitreisenden Familien sammeln konnten.
Und auf die Frage, ob die Langzeitreise unsere Erwartungen erfüllt hat, kann ich nur sagen: Mehr als das!
Gabi: Du hast ein Reisehandbuch über das Reisen mit Kindern geschrieben. Es heißt „Mit Kindern die Welt entdecken“. Was war deine Triebfeder ein Sachbuch zu diesem Thema zu schreiben?
Christine: Vor dreizehn Jahren, als wir begannen mit unseren Kindern zu reisen, gab es nur vereinzelt gute Informationen über das Reisen mit Kleinkindern. Ich musste mir alle Informationen mühselig zusammen suchen, was eine sehr zeitaufwändige Angelegenheit war. Sachbücher zu diesem Thema gab es damals noch überhaupt nicht, zwar einige nette Reiseberichte, aber eben nur mit spärlichen Informationen versehen. Ich dachte mir damals, dass es ein Reisehandbuch für individuell reisende Familien geben müsste. Das hätte mir so vieles erleichtert. Ja, und nach unserer Weltreise habe ich selbst damit begonnen unsere Erfahrungen aufzuschreiben. Bis zum fertigen Buch war es allerdings noch ein langer und mühseliger Weg.
Gabi: Kannst du kurz beschreiben welche Informationen der Leser in deinem Reisehandbuch findet und für wen das Buch geeignet ist?
Christine: Mein Reisehandbuch ist kein klassischer Reiseführer. Das möchte ich als erstes vorweg schicken. Der Leser wird keine konkreten Informationen zu einem bestimmten Reiseland oder Gebiet finden. Dafür muss er sich einen gängigen Reiseführer kaufen.
Das Reisehandbuch jedoch umfasst alle Themen, die individuell reisende Familien vor einer Reise und unterwegs betreffen und ist somit eigentlich für alle Familien geeignet, die auf eigene Faust eine Reise planen und unternehmen wollen. Es beinhaltet vor allem Informationen für Familien mit Kindern (jeden Alters), die man in einem normalen Reiseführer in dieser gebündelten Form nicht findet. Natürlich gibt es auch Grundinformationen über alle Kontinente der Erde. Wie man in den verschiedenen Kontinenten am besten unterwegs ist und auf was man zum Beispiel beim Reisen in fremden Kulturkreisen achten sollte.
Die Themen sind so unheimlich vielschichtig, dass ich hier gar nicht alles erläutern kann. Auf meinem Blog www.reise-kids.de/inhalte/ kann sich der interessierte Leser über die Themeninhalte genauer informieren und unter www.reise-kids.de/leseprobe/ ein bisschen schmökern.
Gabi: Wo kann man dein Reisehandbuch überall kaufen?
Christine: Das Reisehandbuch „Mit Kindern die Welt entdecken“ gibt es praktisch überall im deutschen Buchhandel zu kaufen. Der Vertrieb über den Großhändler GEO umfasst zusätzlich den Vertrieb im deutschsprachigen Raum wie Österreich und der deutschsprachigen Schweiz. Im Prinzip kann man es weltweit kaufen, da es über internationale Internetplattformen ebenfalls angeboten wird. Wer vor dem Kauf erst einmal in das Buch reinschnuppern will, kann dies natürlich, wie oben schon erwähnt, auf meinem Internetblog www.reise-kids.de tun.
Gabi: Gibt es ein bestimmtes Reiseland das du unbedingt noch bereisen möchtest?
Christine: Nicht eines, sondern einen ganzen Sack voll. Ich bin aber nicht mehr so versessen darauf wie noch vor einigen Jahren, als ich am liebsten die ganze Welt auf einmal gesehen hätte. Es ist komisch, aber je mehr man reist und sieht, umso mehr stumpft man dabei ab. Oft geht es uns so, dass wir zum Beispiel außergewöhnliche Naturphänomene gar nicht mehr so außergewöhnlich finden, da wir sie schon so oft gesehen haben. Dennoch gibt es selbstverständlich noch viele interessante Länder, die wir sicherlich in den nächsten Jahren noch bereisen werden. Im nächsten Jahr fahren wir jedoch erst einmal an die deutsche Nordsee. Mein Mann hat sich dieses Reiseziel gewünscht und meine Kinder waren tatsächlich noch nie an der deutschen Nordseeküste.
Gabi: Die Nordsee hat ganz sicherlich auch ihre Reize. Da möchte ich mit meiner Familie auch bald hinfahren.
Christine ist so freundlich uns ein Buch zur Verlosung hier im Blog zur Verfügung zu stellen! Schreib einen Kommentar unter diesem Beitrag mit einem kurzen Hinweis, warum Du das Buch gut brauchen könntest und Du nimmst an der Verlosung teil.
Beachte unsere Gewinnspielbedingen!
Danke für das Interview Christine!