Mit dem Dackel nach Texel
Achtung – Dackelcontent!
Gibt es Traumreiseziele für Hunde? Ja und um es vorweg zu nehmen: die niederländische Insel Texel ist eins davon. Hunde und deren menschlichen Reisebegleiter haben besondere Bedürfnisse. Orte, an denen die Vierbeiner frei laufen und mit Gleichgesinnten stressfrei spielen können, sind eine Grundvoraussetzung. Dazu brauchen Hundebesitzer noch eine hundefreundliche Unterkunft, sei es in einer Ferienwohnung, einem Hotel, oder wie wir mit unserem Wohnmobil, auf dem Campingplatz. Wasserschüsseln in Restaurants und Entsorgungsmöglichkeiten für die Gassibeutel mit den Hinterlassenschaften sind auch Aspekte, an die man erst denkt, wenn man eine Weile mit Hund unterwegs ist. Wir haben zusammen mit Grindel die Insel Texel dahingehend genauer unter die Lupe genommen.

Grindel im Rudel
Reisen mit Hund machen Spaß sind aber auch herausfordernd
Reisen ohne Dackel sind möglich, Reisen mit Dackel sind anders. Es macht einfach Spaß an Stränden spazieren zu gehen und zuzusehen, wie unsere gutgelaunte Dackeldame Grindel ausgelassen mit anderen Hunden spielt. Andauernd kommen wir mit anderen Hundehaltern oder Wanderern wegen des Dackels ins Gespräch. Auf unseren erster Reise mit Hund hatten wir in den Städten Stress. An der Leine war die gute Hundelaune dahin, und das wichtigste Anliegen von Grindel war, jeden Hund giftig anzukläffen. Daran verzweifelten wir fast, bis ich mich an einen Tipp eines Hundebesitzers erinnerte: eine mit kleinen Kieselsteinen gefüllte Flasche schütteln, wenn die Krawallschnecke am Ende der Leine mal wieder so lärmt, dass wir am liebsten in den Erdboden versinken würden. Mit diesem Trick schafften wir es ziemlich schnell, Grindel auch in belebten Städten zum Schweigen zu bewegen.
Bei uns muss ein Hund reisetauglich sein
Grindel war diesen Sommer auf den unterschiedlichsten Touren dabei: sie begleitete uns auf unserer wochenlangen Wohnmobiltour durch England und Schottland, und war beim Schulfrei-Festival mit dabei, was sie erstaunlich gut meisterte. Immerhin hatten sich mehr als 500 Leute dort versammelt und Leine war Pflicht. Die anschließende Hausboottour auf der Havel war wieder unkompliziert. Wir waren wieder unter uns und gingen bei den Landgängen viel wandern. Aber an so ein Boot muss sich ein Hund auch erst mal gewöhnen.
Dann bot sich die Gelegenheit, auf einer Pressereise die als hundefreundlich bekannte holländische Insel Texel kennenzulernen. Auf dem Programm stand ein Vortrag über Hundesprache und Rudelspaziergänge. Genau das brauchten wir. Vielleicht könnten Grindel und wir dort noch was lernen. Zum ersten Mal waren wir nur zu viert unterwegs – Gabi, Gunter, Amy und Dackel. Esra studiert Geographie und Noah bereitet sich auf das Abi vor.
Des Dackels unglaubliche Freude über einen Sandstrand
Wir kamen frühzeitig auf Texel an und nutzten die Zeit zum Einkaufen und für einen ausgedehnten Spaziergang am Meer. Grindel sah den Strand, das Schwänzchen ging schlagartig nach oben, die Ohren wurden vorgeklappt und schon flitzte sie wie von der Sehne geschnellt los. Die ausgelassene Freude unserer Dackeldame, wenn beim Rennen die Ohren fliegen und sie vor Übermut Saltos schlägt, ist extrem ansteckend. Ein paar Fotos hatten wir im ersten Texelblogbeitrag bereits gezeigt.
Hunde sind in den Restaurants willkommen
Grindel tobte sich richtig aus und war hundemüde, als wir kurz drauf die anderen Journalisten und Blogger mit ihren Hunden trafen. Ein Restaurantbesuch mit gemeinsamen Abendessen stand auf dem Programm. Im Restaurant waren wir sogar mit der großen Hundemeute herzlich willkommen. Die Grindel Dackeldame war bei weitem die Kleinste. Am Eingang standen Wassernäpfe für durstige Hundekehlen, die anwesenden Herrchen und Frauchen wurden mit Säften, Wein und leckerem Essen verwöhnt.
Die Fotos sind vom nächsten Tag.

Der Knochen ist zu groß für Grindel

Gunter mit Grindel im Restaurant

So bequem liegen Hunde in einigen Restaurants auf Texel
Wir saßen neben Martina vom Blog Hunde-reisen-mehr. Ihre beiden großen Rhodesian Ridgebacks waren die Zielscheibe für Grindels Gebell. Peinlich, aber sehr lange hielt Grindel das nicht durch, gut dass sie „strandmüde“ war. Fotos habe ich vom Essen allerdings nicht gemacht, irgendwie waren wir zu beschäftigt.
Wir waren mit dem Wohnmobil angereist und übernachteten auf dem ganzjährig geöffneten komfortablen Campingplatz De Krim. Auch da wohnte in fast jedem Wohnmobil mindestens ein Hund. An jeder Ecke gab es kostenlos Gassitüten und Mülleiner, sogar eine richtige Hundewaschanlage stand auf dem Campingelände.
Natürlich gibt es auch auf Texel Gebiete, in denen das Anleinen vorgeschrieben ist:
- in gekennzeichneten Bereichen von Naturschutzgebieten
- in den Städten
- auf Campingplätzen
- auf Flächen mit Nutzviehbestand

Ein Bus voller Hunde

Ein Teil der Reisegruppe
Vortrag über Hundesprache mit Jos Oosting
Das offizielle Programm startete mit einem Vortrag über Hundesprache vom berühmtesten niederländischen Hundeflüsterer Jos Oosting. Wir liefen vorher ausgiebig am Strand entlang, um Grindel müde zu machen, damit sie Ruhe hält, schafften es aber nicht.
Jos erzählte, dass es „dominierende“ Hunde strenggenommen nicht gibt. Dass aber kleine und vor allem schlaue Hunde mit ihrem Charme schnell in die Position eines Rudelführers geraten und damit sich selbst und Herrchen/Frauchen überfordern. Grindel fing an zu kläffen, als das Foto eines niedlichen Chihuahuas auf der Leinwand erschien. Die großen Hunde lagen alle zufrieden am Boden und schliefen. Nur Grindel wollte nicht auf dem Boden liegen, und auf dem Schoß bellte sie am Stück. Wir schämten uns und versuchten trotzdem dem Vortrag zu folgen, denn wir hatten ihn augenscheinlich am Nötigsten.

Jos Oosting beim Vortrag
Hunde kommunizieren ständig mit uns, wir verstehen sie nur nicht
Jos erklärte uns anhand von Fotos und Videos, dass Hunde ständig mit uns kommunizieren. Er machte uns deutlich, dass wir sie leider auch fast ständig ignorieren oder gar völlig falsch verstehen. Das Bellen ist dabei nur ein winzig kleiner Teil der Hundesprache. Ein Hund spricht mit dem ganzen Körper und bei der Interpretation ist das Zusammenspiel der „Gesten“ bedeutsam. Gähnen kann Unsicherheit bedeuten, oder aber der Hund ist einfach nur müde. Wie beim Menschen eigentlich, oder?
Hundesprache – Hunde reden mit ihrem ganzen Körper
- Gewichtsverlagerung, nach vorne aggressiv, nach hinten beschwichtigend
- Körperbiegung, der Hund lehnt sich weg – Annäherung
- Ohrstellungen
- Anspannung, ein „eingefrorener“ Hund deutet auf drohende Gefahr hin
- Zähnefletschen, Lefzen nach hinten gezogen, oder entspannt nach vorne
- Bellen, Knurren
- Schwanzstellungen, Schwanzbewegung
- Augenausdruck, starr, blinzelnd entspannt
Der Hund beobachtet uns ständig, und interpretiert unsere unbewusste Körpersprache. Meist geben wir ihm die falschen Signale. Wir beugen uns zum Beispiel von oben herab und streicheln ihn auf dem Rücken. In der Hundesprache bedeutet das eine Bedrohung. Besser ist es, in die Hocke zu gehen, und dem Hund beim Streicheln die Körperseite zuzuwenden.
Der Mensch sollte seine Körpersprache dem Hund anpassen und so Rudelführer werden
Jos will bei seinem Training erreichen, dass der Mensch durch eine angepasste Körpersprache seinen Platz als Rudelführer einnimmt, und damit seinen Hund von der Last des Führen und Beschützen müssens befreit. Es gibt dabei keine Bestrafung oder gar Gewaltanwendung oder lautes Gebrüll. Die passenden Signale und die positive Art des Umgangs soll den Hund motivieren.
Ein Hundebesitzer ist in dem Moment Anführer seines Rudels, wenn sein Hund dessen Verhalten spiegelt. Das funktioniert nur, wenn er eindeutig das Sagen hat, und das auch in einer hundeverständlichen Körpersprache ausdrückt. Um Anführer zu werden, brauch er das volle Vertrauen seines Hundes, das er durch klare Körpersprache gewinnt.
Ein kleiner Hund hat als Rudelführer nur Stress
Vor allem kleine, süße und schlaue Hunde sind schwierig zu erziehen. Sie suchen immer wieder Möglichkeiten, den Rudelführer mit ihrem Charme auszutricksen.
Der kleine Hund wird dadurch ungewollt zum Anführer: er fühlt sich verantwortlich für seine eigene Sicherheit, für die des Herrchens, und er muss Entscheidungen treffen. Damit ist er voll überfordert. Stattdessen braucht ein Herrchen, das ihn beschützt und dem er blind vertrauen kann, dann entspannt er sich.
Wie zur Bestätigung kläffte Grindel extra laut. Grindel war die ganze Zeit über angespannt, und wir waren zu dritt beschäftigt, sie halbwegs ruhig zu halten.

Grindel am Strand

Jos interessiert sich für diesen tollen Dackel
Ein bellender Dackel und was wir dagegen tun können
In der Pause fragte ich bei Jos nach, was ich mache, wenn mein Hund in Gesellschaft einfach keine Ruhe gibt.
„Ja, Dackel bellen richtig laut, das müssen sie auch, sie sind darauf gezüchtet,“ war seine Antwort. Macht auch Sinn, denn Dackel müssen klein sein, um in Dachs- oder Fuchsbauten zu passen, aber laut, um den Tieren einen größeren Hund vorzugaukeln.
Mit Luftspray zur Ruhe
„Hmm, hast Du nicht einen Tipp für uns?“ Hatte er! Jos gab uns sein Luftspray, welches einfach nur ein unangenehm zischendes Geräusch macht. Beim weiteren Vortrag setzten wir es zweimal ein, und es war Ruhe. Es beruhigte mich auch, dass Dackel von Berufs wegen bellen dürfen, doch gibt es da Grenzen. Grindel soll nicht stundenlang bellen, oder sich selbst gefährden, indem sie auf große Hunde losgeht. Sie muss sich in Ruhe ablegen können in der Gewissheit, dass wir als Rudelführer sie beschützen.
Das Bellen wird wohl erst nachlassen, wenn sie aus der Anführerrolle herauskommt. Wir werden das mithilfe der Hundesprache versuchen. Desinteressiert wegschauen, wenn sie zu stürmisch und wild auf uns herumklettert. Ignorieren ist das Privileg des Rudelführers. Wenn das noch nicht helfen sollte, zusätzlich leicht nach vorne beugen. Versucht es mal! Es klappt wirklich. Wir sahen jedenfalls sofortige Erfolge.
Wann sieht dich Dein Hund als Boss?
- Er vertraut Dir immer, du verhältst Dich verlässlich konsistent
- Du ruhst in Dir selbst und strahlst Sicherheit aus
- Du bist locker und gelassen
- Du hast keinen Stress
- Du redest nicht mit Deinem Hund. Ein Anführer muss nicht reden, er handelt. Anschreien ist ein Zeichen von Unsicherheit
- Du darfst Deinen Hund nicht andauernd knuddeln – ein Anführer bestimmt Regeln, die befolgt werden (das mit dem Knuddeln schaffen wir mit Grindel nicht! Sie ist einfach unwiderstehlich :-)
- Du bestrafst Deinen Hund nicht – Bestrafung ist eine Folge von Frustration, das macht ein Anführer nicht
- Du beginnst die Aktivitäten, und nicht wenn der Hund dich auffordert
Eine Rudelwanderung mit Jos Oosting
Die anschließende Rudelwanderung war die große Belohnung für die Hunde. Mit Blick auf die Fähre und das niederländische Festland wanderte unsere Gruppe den weiten Strand entlang. Die Hunde rannten, spielten und buddelten ausgelassen, während wir Menschen miteinander redeten, und zufrieden auf die glücklichen Vierbeiner schauten. Grindel war mittendrin, leider eignete sich keiner der große Hunde wirklich als Spielkamerad und der Rauhhaardackel Dods war schon etwas älter und hatte keine Lust zum Spielen. Grindel rannte kreuz und quer über den Strand, bellte des öfteren, buddelte zwischendurch im Sand und schien zufrieden zu sein.
Der nächste Rudelspaziergang am folgenden Tag verlief noch ruhiger. Wir versetzten unsere innere Haltung auf Entspannung und versuchten, die gelernte Körpersignale anzuwenden. Grindel verhielt sich wesentlich leiser und folgsamer, sie kannte jetzt auch die anderen Hunde, was bestimmt zusätzlich geholfen hat.
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Rudelfotografie in Texel

Hundekommunikation

spielende Ridgbacks

Rudelwanderung in Texel

Hundespaß im Wasser

Jos Oosing am Strand

Ridgeback Dayo

Mika von Isarhunde

Marina mit ihren Ridgbacks

Dods

Mailo auf den Muscheln am Strand

Ludwig mit Socken, weil seine Füße wund werden am Strand
Zweimal pro Woche Rudelwandern auf Texel
Jos Oosting führt auf Texel kostenlos zweimal wöchentlich, am Dienstag und am Samstag Nachmittag, Rudelwanderungen am Strand von Paal 17 durch. Die aktuellen Termine findet man in der kostenlosen Texelzeitung oder auf seiner Facebookseite. Wir können diese Rudelwanderungen sehr empfehlen, denn den Hunden tut dieser freie und ausgelassene Kontakt zu ihresgleichen unglaublich gut.
Freier Auslauf hat nicht immer Vorteile. Auf einer der Rudelwanderung badeten Golden Retriver Gina und Rhodesian Ridgeback Dayo im brackigen Uferwasser. Wie von Zauberhand war die vorher blonde GIna nun dunkelbraun und wirkte auch schlanker. Ein ausgiebiges Vollbad war nötig, bevor Gina sich später auf dem weichen Hundekissen im Hotel ablegen durfte.

zweifarbiger Retriever
Die Hundewaschstraße
Vor allem langhaarige Hunde die gern baden, kommen mit kiloweise Sand und Dreck im Fell vom Strandspaziergang zurück. So können Hundehalter ihre Schützlinge natürlich nicht in die Wohnung lassen. Auf dem Campingplatz De Krim gibt es speziell für solche Fälle eine „Hundewaschstraße“. Knapp 1000 Hunde durften diese Prozedur seit Bestehen der Anlage schon über sich ergehen lassen.
Die Vorrichtung bietet jeden Komfort: die Hunde laufen über eine Rampe hoch in das Waschbecken, das dann mit einer Tür verschlossen wird. Mit der Handbrause wird der Hund entweder mit Wasser oder diversen Wasser/Shampoogemischen geduscht. Nach der Wäsche können sich furchtlose Hunde noch trocken föhnen lassen. Das funktioniert mit Druckluft, ähnlich wie in der Autowaschstraße. Wir probierten die Hundewäsche lieber nicht an unserer wasserscheuen Grindel aus. Sie ist mit ihrem kurzen Fell relativ schmutzunempfindlich, und verliert grundsätzlich den feinen Sand, der an ihr hängen bleibt, in der Wohnmobilsitzgruppe.
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Da hat jemand dringend ein Bad nötig!

Hundewaschstraße, Texel

Hundewaschstraße, Texel

Die Hunde lassen das Baden über sich ergehen

Gaston wird geföhnt

Gaston findet das langweilig
Radfahren mit und ohne Hund
Jedes Jahr fahren zwischen 10000 und 15000 Fahrräder auf dem 140 Kilometer langen Radwegenetz von Texel. Wir hatten zwar ein Fahrrad für Erkundungstouren mitgenommen, haben es aber nicht benutzt. Mit Grindel waren wir nur zu Fuß unterwegs, weil sie Fahrrad-Körbchen „noch“ nicht mag.
Beim Radverleih fiets inn-texel in De Koog können wir verschiedene Hundetransportarten ausprobieren. Grindel mochte die Körbchenvariante auf dem Gepäckträger immer noch nicht, in einen Anhänger stieg sie neugierig ganz alleine rein. Der schien richtig schön nach Hund zu riechen. Fahren wollte sie trotzdem nicht.
Natürlich gab es nicht nur Hundeanhänger zu mieten, auch spezielle Fahrräder mit integrierten Kindersitzen, Tandems, Elektroräder und ganz normale Räder stehen bereit.
Für den lebhaften Radverkehr sind auf Texel entlang der Straßen meist beidseitig breite Radwege angelegt. Die 60 Kilometer Rundfahrt um die Insel würde ich ja gern mal machen. Dafür müssen wir erst Grindel das Radfahren schmackhaft machen, trainieren und dann im Frühjahr nochmal kommen.
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Welche Möglichkeiten gibt es für Radtouren mit Hund?

Diese Metallanhänger haben ausgedieht, sie waren zu laut für die Hunde

Langsam anfangen und den Hund erstmal an den Anhänger gewöhnen!!

Grindel im Radkörbchen
Und was gibt es sonst noch…
Texel ist nicht nur für Hundehalter interessant. Die Insel bietet noch viel mehr. Unter anderem einen Leuchtturm mit beeindruckender Geschichte, ein Strandgut-Museum, eine Seehund- und Seevogelauffangstation mit Aquarium und Nordsee-Informationszentrum, Käsereien, weitere inseleigene kulinarische Genüsse, und es ist sogar möglich, elegant aus 3000 m Höhe vom Himmel zu fallen. Doch davon mehr in den nächsten Blogbeiträgen!
Was schreiben die anderen Reiseblogger über diese Reise?
Sabines Lifestyle-Kolumne über die Hundewaschstraße
Texel: Anton und der World Cheese Award
Eine Hundepackliste im Hunde-reisen-mehr Blog von Martina
Der Wufflog von Claudia
Noch eine Hundepackliste im Blog Isarhunde
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Sehnsuchtsorte in Norwegen
Wir verlängern das im ersten Teil der Kalenderbesprechung angekündigte Gewinnspiel um eine Woche. Schreib fleißig Kommentare und du nimmst an der Verlosung teil!
Es gibt einen Postkartenkalender Norwegen zu gewinnen!Wir haben einen Gewinner ermittelt! Glückwunsch Agnes!Die Fotos des Sehnsuchtskalenders Norwegen 2016 sind hier einzeln vorgestellt mit Geschichten, Informationen und weiterführenden Links zu den live Reiseberichten.
Die Sehnsucht nach Norwegen
Du hast Sehnsucht nach Norwegen – dann wäre das der Kalender für deinen Schreibtisch, fürs Badezimmer oder wo auch immer. Bei der Post gibt es trotz Internet noch Briefmarken, so kannst du nächstes Jahr 52 Freunden mit einer Postkarte eine Freude machen. Obwohl wir ausführlich live von unseren Reisen bloggen, schreiben wir auf jeder Reise Postkarten. Machst du das auch?
Hier stelle ich dir ein paar unserer liebsten Sehenswürdigkeiten von Norwegen vor.
Papageitaucher auf Anda
Puffins, Anda, Vesterålen – Wieviele mögen das wohl sein?
Von Stø aus werden Touren zu den Pottwalen angeboten. Dabei passiert das Schiff die Vogelinsel Anda auf der ein Leuchtturm steht. Auch mit dem Zodiac kann man die Insel umfahren und den Vögeln, vor allem Papageitauchern, sehr nahe kommen. Bei hohem Wellengang ist das ein Höllenritt, oder eben karusellartige Belustigung – je nach Alter und Empfindsamkeit der Passagiere.
Uns gefielen die Waltouren von Stø gerade wegen dieser Vogelinsel. Nur einmal hatten wir die Chance, Anda zu betreten. Kyrre, ein Fischer aus Stø, fuhr uns mit seiner kleinen Nußschale rüber. Wir wurden klatschnass und konnten aufgrund der Windverhältnisse auch nur eine halbe Stunde bleiben.
Diese halbe Stunde war geil. Ja, das Wort muss jetzt mal sein. Die Papageitaucher waren überall. In jeder Himmelsrichtung sahen wir sie flattern, landen, einfach rumsitzen oder balzen. Unsere Kids stahlten über beide Backen und wir fotografierten wie die Paparazzis bei einem Rockstar. Das Grinsen im Gesicht blieb ein paar Tage hängen.
Für das Leuchtturm Kalender Foto des Anda Fyr (2013) hatte ich schon einmal eine Seite zu dieser Insel mit zahlreichen Papageitaucherfotos in den Blog gestellt.
Bleik Strand, Vesterålen
Die norwegische Küste ist lang
Die norwegische Küste ist unglaubliche 100000 km lang. Ja, Einhundertausend! Natürlich nur, wenn man auch die winzig kleinen Inseln mitrechnet. Sandstrände sind allerdings eher selten. Der weiße Sandstrand von Bleik ist mit drei Kilometern Länge der längste Norwegens. Erstaunlich, oder?
Wir übernachten gerne auf dem kleinen Campingplatz direkt am Strand. Die Mitternachtssonne geht an diesem Strand unter und kommt wenige Minuten später wieder zum Vorschein, noch eine Minute später ist sie wieder weg, dann kommt sie wieder. Das liegt an den Zacken der Berge und ich finde das einfach nur genial.
Krakenes Fyr, Insel Vagsøy
Krakenes Fyr, Insel Vagsøy
Auf der Brücke zur Insel Vagsøy wehte es unser Wohnmobil fast von der Straße. Später mischte sich zum Sturm noch Regen, an Fotografie war nicht zu denken. Wir übernachteten ganz in der Nähe des Leuchtturms und hofften darauf, dass wir morgens beseres Wetter hätten. Glücklicherweise rieben sich frühmorgens Schafe an der Anhängerkupplung unseres Wohmobils und weckten mich auf. Ich sah das klare frühe Sonnenlicht, in einer vom Sturm sauber geblasenen Atmosphäre. Ich sprang schnell aus dem Bett, eilte über das nasse Gras am Hang hinter dem Leuchtturm, und kletterte auf allen Vieren den Berg hinauf, um einen Blick auf den Leuchtturm und das Meer einzufangen.
Aurlandsfjord, Norwegen
Aurlandsfjord, Norwegen
In Aurland gibt es zwei Möglichkeiten nach Lærdal zu kommen. Entweder du fährst über den traumhaften Pass mit Aussichten über den Fjord, entlang der rauschenden Stromschnellen und vorbei an einsamen Berghütten, oder du nimmst den längsten Strassentunnel der Welt, den Lærdalstunnel. Wir fuhren beide Strecken und fanden beide toll. Der 24,51 km lange Tunnel wird von großen, blau ausgeleuchteten künstlichen Höhlen unterbrochen, damit die Fahrt nicht zu eintönig ist. Die steile Strecke über den Berg ist alles andere als langweilig und wir schafften sie sogar mit dem Wohnmobil.
Einen Bericht über diesen Roadtrip findest du bei Köln Format.
Stø, Vesteralen
Stø, Vesteralen
Zugegeben, es regnet auch mal tagelang in Nordnorwegen. Aber, wenn die Sonne scheint, dann scheint sie auch 24 Stunden am Tag, zumindest im Sommer. Dieses Foto habe ich in der Mitternachtssonne im malerischen Fischerort Stø aufgenommen. Die Dreizehenmöwen kreischen, paaren sich und sind geschäftig, Otter schwimmen auf der Suche nach Fischresten durch den Hafen oder sie trockenen sich im Gras. Es riecht überall nach Fisch und Meer.
Wasserfall am Aurlandsfjord
Wasserfall am Aurlandsfjord
Diesen Wasserfall fanden wir am sogenannten Snøveg, der von Aurland nach Lærdalsøyr führt. Diese Straße führt von Meeresniveau auf 1300 Meter hinauf und dann wieder hinab. Der Name deutet es an: auf dieser Strecke liegt im Winter bis ins späte Frühjahr hinein, sehr viel Schnee. Wie zwei Fotos vorher beschrieben, ist es im Winter möglich, den längsten Autotunnel der Welt zu nutzen. Kannst du natürlich auch im Sommer machen.
Papageitaucher
Puffins, Anda, Vesterålen
An einem sonnigen, wenn auch windigen Tag durften wir nach Anda. Die Puffins auf der Insel treffen nicht oft auf Menschen, und haben wenig Scheu. Nur manchmal sind Arbeiter da, die den Leuchtturm renovieren, und selten auch mal Meeresbiologen.
Fjord in der Nähe von Bronnøysund
Fjord in der Nähe von Bronnøysund
Die RV 17 ist unbedingt eine Reise wert – wenn du die Zeit hast. Wir fanden viele fotogene Ecken an der Strecke. Hier waren wir ein klein wenig zu spät, dann hätten wir noch die Hurtigrute aufs Foto bekommen. Über die RV 17 schreiben wir im live Reisebericht von 2013.
Lindesness Fyr
Lindesness
Der südlichste Festland Leuchtturm Norwegens hat noch einen Leuchtturmwärter des Lindesness Fyr, Rolf Dybvik. Wir machten ein Interview mit ihm, speisten gemeinsam im Gourmet-Restaurant vor Ort und fotografierten den Leuchtturm bei Tag und bei Nacht, in Sonnenschein und im Regen. Auf dem großen Parktplatz dürfen Wohnmobile kostenlos übernachten. Die Besichtigung des Leuchtturms und der angegliederten Museen kosten allerdings Eintritt, der sich aber unbedingt lohnt.
Im Krieg war dieser südliche Punkt Norwegens stategisch enorm wichtig. So finden sich heute noch Bunkeranlagen. Ich habe die im Film festgehalten. Hier findest du noch zahlreiche weitere Fotos und animierte Gifs.
Sjøbruelva, Sogn og Fjordane
Sjøbruelva, Sogn og Fjordane
Auf der Insel Vagsøy sind die Straßen steil. Das hat den Vorteil, dass sich dauernd grandiose Aussichten bieten. Am Sandstrand gibt es einen Wohnmobilstellplatz mit Entsorgungsstation. Wir liefen stundenlang über den Strand und fotografierten, während die Kids mit einem freilaufenden Hund spielten. An diesem Strand hatten wir eines unserer seltenen Familien-Selfies gemacht, welches auch in den Medien war.
Das Selfie auf Vagsøy bei Spiegel-Online.
Als Selfie-Filmchen kannst du das beim SWR sehen, in einem Bericht zum Freilerner-Abitur von Esra.
Alsvag, Vesterålen
See im sommerlichen Abendlicht, Alsvag, Vesterålen
Die Øksnes Kommune auf den Vesterålen, zu der auch der kleine Fischerort Stø gehört, ist landschaftlich abwechslungsreich, und liegt etwa 300 km nördlich des Polarkreises. Der See im Bild wärmt sich im Sommer schneller auf als das Meer und dient den Einheimischen als Schwimmbad. Im Winter sind sie dann auf dem See beim Eisangeln und fangen Forellen. Wir haben nur das Eisangeln, nicht aber das Baden ausprobiert.
Flakstad, Lofoten
Flakstad, Lofoten
In Flagstad gibt es direkt an diesem Strand einen Campingplatz, der allerdings im September bereits geschlossen hatte. Wir übernachteten trotzdem dort, weil wir auf eine fotogene Morgenstimmung hofften, nachdem abends die Sonne im tristen Grau verschwunden war. Morgens klappte es mit ganz besonders außergewöhnlichem Licht und Sturmwolken in Flakstad, Lofoten.
Reine, Lofoten
Reine, Lofoten
Reine ist wohl der meist fotografierte Ort in Norwegen, oder wenigstens auf den Lofoten. Logischerweise besuchten wir den Ort mehrmals. Leider nur im Sommer. Weitere Fotos von den südlichen Lofoten findest du im live Reisebericht.
Geiranger-Fjord
Kreuzfahrtschiff im Geiranger-Fjord
Die Straße zum Geiranger-Fjord machte unserem langsam altersschwachen Wohnmobil schon Sorgen. Zum Glück gibt es den ersten Gang. Wir quälten uns langsam aber sicher die Serpentinen hinunter und später wieder hoch. Die Tour können wir auf jeden Fall empfehlen. Etwa in halber Höhe gibt es einen Parkplatz und dieser wunderbaren Aussicht. Den berühmten überstehenden Felsen zu finden, kostete einige Mühe. So gefährlich sieht es dann doch nicht aus, wenn man auf der Felsspitze steht, weil man den Überhang ja selbst nicht sieht. Die Fotos von dort findest Du wie immer im live Reisebericht.
Hurtigrute im Trollfjord
Hurtigrute im Trollfjord
Die gewaltigen Dimensionen des Fjordes sind erst zu erkennen, wenn das Hurtigrutenschiff hineinfährt. Ich finde das jedesmal wieder erstaunlich. Erst scheinen die Felsenwände recht winzig und undramatisch zu sein, ich denke: „Da passt doch keine Hurtigrute durch!“ Dann kommt die Hurtigrute und die Felsen scheinen zu wachsen und das Schiff zu schrumpfen, bis es durchpasst.
Die Tagestour mit der Hurtigrute von Stockmarknes nach Svolvaer ist unbedingt empfehlenswert. Wir machten vor einigen Jahren diesen Trip mit der Hurtigrute in den Trollfjord. So bekamen wir wenigstens ein wenig Kreuzfahrflair mit.
Harstad, Vesterålen
Harstad, Vesterålen
Der September ist der beste Reisemonat für Nordnorwegen. Das Laub färbt sich bunt, und in den Nächten flackert bereits das Nordlicht über den Himmel. Es ist noch nicht zu kalt für eine Wohnmobitour. Wir besuchten einen Freund in Harstad und fuhren daher entlang des Fjordes.
Blaue Stunde im Winter auf den Lofoten
Blaue Stunde, Lofoten
„Im Winter ist es nur dunkel“ „Warum fahrt ihr denn im Januar auf die Lofoten?“ Da gab es einige Kritik, als wir uns entschieden, einen ganzen Winter in Skandinavien zu verbringen. Die blaue Stunde ist im Winter wahrlich blau und gar nicht dunkel. Ein solches BLAU hast du noch nie gesehen, das gibt es in unseren Breitengraden nicht. Wir erlebten aber auch einige Stürme während unserer Zeit im hohen Norden. Die ausführlichen live Berichte zu dieser Wintertour auf die Lofoten.
Nordlicht über der Fischfabrik in Stø, Vesterålen
Nordlicht über der Fischfabrik in Stø, Vesterålen
In Stø sah ich das Nordlicht zum ersten Malund war so begeistert, dass ich hinterher meine Familie überredete, einen ganzen Winter im Norden zu verbringen. Wie du selbst Nordlicht fotografieren kannst beschreiben wir ausführlich im Nordlicht Tutorial.
Norwegen 2016: Sehnsuchtskalender mit 53 Postkarten bei Amazon
Welches Foto gefällt dir am besten?
Tandemsprung auf Texel oder der Tag an dem ich aus allen Wolken gefallen bin
Meine Füße baumeln aus der Luke des Flugzeugs. Ich habe nur einen kurzen Moment um nach unten zu schauen, auf die Insel Texel, die drei Kilometer unter mir liegt. „War das jetzt echt ne gute Idee?“ frage ich mich. Doch es ist zu spät. Dirk rutscht hinter mir ein Stück nach vorne und wir fallen zusammen nach unten…
Nein, das ist kein Kamikazesprung, wie ihr vielleicht denkt. Denn dann würde ich ja nicht darüber schreiben können. Ich mache einen Tandemfallschirmsprung über Texel.
Juhu, meine erste Reise ohne Brüder
Ich habe meine Eltern auf ihrer Pressereise nach Texel begleitet. Meine erste Reise ohne irgendwelche nervigen Brüder. Ich ruhte mich gerade von der langen Fahrt aus, wir waren gerade auf Texel angekommen. Da reichte Gabi mir einen Flyer: „Wäre das nicht vielleicht was für dich?“ fragte sie. Ich schaute drauf: Tandemspringen auf Texel. Ja und solche Possen können wir uns normalerweise auch nicht leisten. Dann wollen nämlich alle springen und es summiert sich mal wieder.
Interessiert war ich schon, glaubte aber nicht, dass so kurzfristig noch Termine zu kriegen waren. Übermorgen hatte der Paragliderverein das letzte Mal geöffnet. Und wir waren ja nicht auf Ferien, sondern wegen des Hundetrainings hier.
Es verging der erste Tag, ohne das ich anrief, um nach einem Termin zu fragen. Am nächsten Tag saßen wir im Bus und fuhren gerade zur Hundewaschstraße, da sah ich zwei Tandemspringer am Himmel. Sanft glitten sie in einer Kurve nach unten, und landeten. „Wie toll muss es wohl sein, so elegant nach unten zu schweben“ dachte ich mir.
Am letzt möglichen Tag war ich dann extrem ungeduldig, als die Leute ihre Hunde in der Hundewaschstraße wuschen. Ich konnte nur noch ans Fallschirmspringen denken. Sobald die Hundewascherei vorbei war, fuhren wir direkt zum Parazentrum. Die Uhr zeigte schon auf fast 16:00 Uhr, die Sonne drohte alsbald hinter dem Horziont ins Meer zu plumpsen. Außerdem hing so ein leichter Nebel in der Luft. Ob das was werden würde?
Ich vor dem Tandemsprung über Texel
Wir fragen kurz vor Schluß noch schnell, ob ich heute springen darf?
Und tatsächlich! Es waren noch Sprünge frei! Ich musste nur eine halbe Stunde warten. Dabei konnte ich zusehen wie die kleinen Flugzeuge abhoben, und kurz danach Fallschirmspringer nach unten fielen. Ich sah ihnen fasziniert beim Gleiten zu, war voller Vorfreude und Aufregung, und hatte seltsamerweise überhaupt keine Angst. Merkwürdig, normalerweise bin ich nicht der mutige Typ. Während ich so wartete, fragte mich ein großgewachsener Mann: „Springst du zum ersten Mal?“
Ich bejahte. „Bist du schon einmal Bungeejumpen gewesen?“ fragte er dann. Ein Nein. „Dann wir es dich umhauen. Du hast Glück, es ist gleich Sonnenuntergang, es wird wunderschön werden!“
Ich hab fast nicht genug Zeit für die Vorfreude
Diese zwei Sätze steigerten meine Vorfreude so sehr, dass ich es kaum erwarten konnte endlich loszulegen. Ich erfuhr auch, dass ein Fallschirmspringer erst nach mindestens 1000 Absprüngen einen Mitflieger mitnehmen darf.
Ein Tandemsprung ist ganz einfach
Endlich kam ein Instruktor, und rief mich und zwei andere zu sich. Er erklärte uns was wir zu tun hatten, erst den anderen auf Holländisch, dann mir auf Deutsch. Wir bekamen Overalls, damit unsere Kleidung sich nicht beim Springen verheddern würde. Dirk, mein Sprungpartner, hatte schon allein in diesem Jahr 1600 Tandemsprünge gemacht. Anscheinend war die Anfrage ziemlich hoch.
Das Flugzeug war, wie erwähnt, nicht sonderlich groß. Wir waren zu zehnt, und es war eng wie in einer Sardinenbüchse. Dirk saß direkt hinter mir, seine Beine an meinen Seiten. Vor mir ein anderer Tandemspringer, so dicht dass ich mich kaum bewegen konnte. Ich saß an einem kleinen angelaufenem Fenster, und sah wie Texel immer kleiner wurde. Derweil erklärte Dirk mir ein paar Sachen, und beobachtete den Höhenmesser an seinem Handgelenk. Mein Fuß war ganz nah an der Öffnungsklappe, ich spürte den Windzug, der unter uns durchzog.
Die anderen Tandemspringer setzten sich sich auf die Oberschenkel ihrer Mitspringer. Dirk gab mir auch das Signal. Dann schnallte er mich so fest an sich, dass ich nicht mal mehr auf dem Boden sitzen konnte. Die Seitenluke ging auf, und der Wind zerrte an uns. Mir wurde etwas mulmig, und ich zog den Fuß weg. Ich setzte die Windschutzbrille auf, Dirk überprüfte den korrekten Sitz. Ein Kameramann kletterte aus dem Flugzeug, und klammerte sich an die Außenwand. Dann rutschte das erste Tandempaar nach vorne. Es hängte die Füße aus dem Flugzeug, verharrten kurz, und dann sprangen sie. In einem Sekundenbruchteil waren sie weg. Es war ein merkwürdiger Anblick, als ob sie einfach vom Nichts verschluckt worden wären. Wir waren als Dritte an der Reihe. Dirk rutschte mit mir nach vorne, bis unsere Beine über den Rand hingen. Ich zog sie an mich, wie es angewiesen wurde. Mir blieb nicht lange, um nach unten auf Texel zu blicken. Da rutschte Dirk schon vor, und wir fielen vom Flugzeug weg.
Wir rasen mit 180 Sachen im freien Fall auf die Insel Texel zu
Es ist ein einzigartiges Gefühl mit 180 Sachen zu fallen. Mein Bauch rutschte nach oben. Ich versuchte, das Flugzeug zu finden, aber ich sah nur Texel unter mir. Der Wind drückte mir ins Gesicht, irgendwann erinnerte ich mich daran, wieder zu atmen. Das Fallen war äußerst verwirrend, und ich vergaß alle Instruktionen. So musste Dirk mir zweimal das Signal geben, die Arme auszustrecken, bevor ich begriff was er wollte.
30 Sekunden können lang sein
Der freie Fall dauerte nur kurz: 30 Sekunden. Dann gab es einen leichten Ruck als der Fallschirm sich öffnete. Sofort beruhigte sich mein Bauch wieder. Das Atmen ging normal, und ich konnte besser mein Umfeld genießen. Texel war immer noch sehr klein unter uns. „Unglaublich“ war das einzige Wort was aus mir herauskam. Die Sonne schien rosa und orange auf den leichten Nebel der über die Insel zog.
Dirk nahm mir die Brille wieder ab, und löste ein paar Gurte, die nur für den Freifall bestimmt waren. Ich streckte meine Beine und es wurde gemütlicher. Die restlichen Gurte machten einen sicheren Eindruck. Ich behielt Texel im Auge, und beobachtete wie es langsam, sehr langsam, größer wurde. Es bestand fast nur aus viereckigen Feldern, und Häusern. Etwas einseitig, was mich aber nicht am Staunen hinderte. Ich genoss dass Gefühl, die Welt von hier oben aus zu betrachten. Meine Ohren fühlten sich komisch an, alles klang gedämpft.
Ich darf sogar mal den Fallschirm lenken
„Willst du mal lenken?“ fragte Dirk. Überrascht sah ich zu den Lenkgriffen. Unter Dirks Griffen war ein zweites Paar montiert. Ich steckte vorsichtig meine Hände hinein, und zog an dem rechten. Wir lehnten uns ganz leicht zur Seite.
Dirk lachte: „Ein bisschen stärker. So!“ Er zog den rechten Griff ganz weit nach unten, woraufhin wir uns in einem weiten Schwung hineindrehten. Das Gefühl des Fallens stellte sich wieder ein. Die ganze Welt schien sich zu drehen, nur wir uns nicht. Ich spürte die Gurte, wie mein Gewicht an ihnen zerrte. Das normale Gleiten gefiel mir mehr.
Schlagartig wurde es ein ganzes Stück kälter, merkwürdig.
Unten auf Texel konnte ich nun auch Autos sehen, winzige blaue, weiße oder gelbe Pünktchen. Auch die Schafe, sahen eher wie Tupfen weißer Farbe aus. Eine Cart-Rennbahn war einfach eine Acht. Und alles war flach wie ein Brett. Als wären die Autos und Schafe und Felder nur auf einem Spielbrett.
Der Landeplatz kam jetzt näher, da war mir etwas traurig zumute. Bald würde der Sprung zu Ende sein. Wir drehten noch eine letzte Schleife. Der Boden kam rasant näher. Ich konnte aber Gabi und Gunter unter den Wartenden nicht ausmachen.
Ich hob die Beine an, und wir schwebten in einem weiten Bogen nach unten. Ich hatte das Gefühl, wir würden immer schneller.
Die Landung war sanft und federleicht. Kaum spürte ich den Boden mit den Füßen, da saßen wir auch schon auf der Wiese. Ich konnte nicht aufstehen da ich noch an Dirk geschnallt war. Aber das war auch gut so. Ich war völlig überwältigt von dem Sprung. Als ich endlich aufstand dankte ich Dirk vielmals, und schüttelte ihm mehrmals die Hand. Dann lief ich zu Gabi, die am Feldrand auf mich wartete. Ich fühlte wie ein breites Lächeln mein Gesicht verzog. Wenn ich dürfte, würde ich sofort nochmal springen.
Ich nach dem Tandemsprung über Texel
Dirk und ich nach dem Sprung – sieht man das Adrenalin?
Der Sprung kostete 209 Euro. Ein Film und Fotos davon hätten nochmal 150 Euro gekostet, das habe ich mir dann gespart!
Hast Du auch schonmal sowas gemacht? Und wo? Welche verrückten Sachen kannst Du mir noch empfehlen? Ich bin gespannt!
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Sehnsucht Postkarten Kalender Norwegen bei Harenberg
Für das Jahr 2016 wurde zum ersten Mal der Norwegen 2016: Sehnsuchtskalender mit 53 Postkarten bei Harenberg mit unseren Bildern bestückt. Cool, oder?
In zwei Blogbeiträgen werde ich einige Fotos aus dem Kalender vorstellen und kurze Geschichten dazu erzählen. Unter allen Kommentatoren bis zum 1. Dezember verlosen wir einen Kalender. Also, kommentiert fleißig! Nicht nur unter diesem Beitrag!
Kabelvag, Lofoten
Die Kinder wünschten sich einen Winter mit viel Schnee, und den sollten sie haben. Der Winter 2010/11 war der schneereichste schwedische Winter seit Wetteraufzeichnung. Schon Anfang November hatten wir in Schweden meterhohen Schnee und Eiseskälte. Auf den Lofoten war dann ab Januar teilweise kein Vorrankommen möglich. Die Straßen wurden zwar geräumt, doch in den Ortschaften und in den Haltebuchten türmte er sich zu hohen Bergen auf. Das war definitiv der Winter unseres Lebens – und dabei habe ich das Nordlicht noch gar nicht erwähnt!
Unser Winter auf den Lofoten in Live Reiseberichten.
Klo, Vesterålen, Norwegen
In kleinen Fischerort Stø fühlen wir uns sehr wohl. Allein die Fahrt dorthin entlang der Küste ist unbescheiblich schön. So sah es im Winter aus. In den älteren Reiseberichten findest Du viel über den kleinen Fischerort.
Museum in der Nähe von Bodø
Auf dem Weg zu Flughafen von Bodø sah ich diese Hütte, die leider geschlossen war. Es war biestig kalt, denn der Wind blies bei minus 10° C, außer uns waren keine Touristen unterwegs.
Gisløy, Vesterålen
In diesem November lag nicht viel Schnee auf den Vesteralen. Wanderungen waren überhaupt kein Problem, nur die frühe Dunkelheit hielt uns vor langen Unternehmungen im Freien ab. Diese friedliche Stimmung nahm ich morgens gegen 9:00 Uhr auf.
Kannenstein auf der Insel Vagsøy
Der Kannenstein ist das Wahrzeichen der Insel Vagsøy. Im Gewusel der großen Felsen fällt er erst Mal kaum auf. Anscheinend sind einige Touristen enttäuscht, denn es steht ein Hinweis dazu auf der Informationstafel am Parkplatz. Ich mag den Stein sehr gern, denn in seiner Form sehe ich sehr, sehr viel Zeit. Wie lange hat das Meer, die Wellen, die Gezeiten und das Eis wohl an ihm gerieben und gearbeitet, bis er diese Form hatte? Stundenlang kann ich da sitzen und den Wellen zuschauen und fotografieren. Das Bild hier ist eine sehr lange Langzeitbelichtung im Sonnenuntergang.
Hurtigrute im Raftsund
Während unseres langen Winter-Aufenthalts auf den Lofoten war es uns nur einmal möglich, die Hurtigrute zu fotografieren. Im Januar ist es dunkel, wenn die Schiffe die Inselgruppe anfahren. Im Febuar war es dann endlich so weit. Die Hurtigrute fuhr im Raftsund in den Sonnenuntergang hinein. Und ich kann dir sagen: es war sowas von saukalt bei diesem Foto. Wir standen hoch oben auf der Raftsundbrücke und der Wind blies uns fast hinunter. Wir kühlten wahnsinnig schnell aus. Ich hatte nur eine Mütze auf und die reichte nicht aus, meinen Kopf warm zu halten. Mit eisigen Finger wühlte ich eine zweite, winddichte aus dem Fotorucksack heraus. Als die Hurtigrute endlich kam, ignorierte ich die fast schon abgefrorenen Finger und fotografierte, was das Zeug hielt. Danach hatte ich genug Zeit, mich im Auto warm zu zittern.
Seeadler
Im Fischerort Henningsvaer werden Adler angefüttert, um sie im Sommer den Touristen auf Bootstouren vorzuführen. Das ist etwas umstritten. Diesen Jungadler sahen wir nicht auf einer dieser Touren, sondern er saß einfach so auf dem leeren Fischgestellen. Kurz zuvor hatte der große Vogel versucht, einem Angler den Fisch von der Angel zu stehlen.
Little Island Lighthouse im Abendlicht
Wir verbrachten zwei Wochen auf der kleinen Leuchtturm Insel Litøy, wo wir als Woofer mitarbeiteten Ich fotografierte Tag und Nacht. Dieser Aufenthalt auf Litløy war einzigartig, wir berichteten ausführlich darüber im Blog.
Berge an der RV 17
Die RV 17 ist eine der schönsten Strecken in Norwegen. Sie zu fahren dauert lange, denn sie ist durch zahlreiche Fähstrecken unterbrochen. Mit eingeschränktrem Fahrplan Anfang September bedeutet das schon Mal längere Wartezeiten. Wir hatten sonniges Wetter und genossen die Fahrt. Hier kannst Du Dir einen Zeitraffer der Fährfahrt ansehen.
Tvindefossen, Norwegen
Die Bergwelt von Norwegen hat unendlich viele Wasserfälle. Immer wieder halten wir an oder machen Wanderungen, um sie zu fotografieren. Direkt neben dem Tvindefossen gibt es einen gemütlichen Campingplatz, so waren wir morgens vor Ort und konnten den berühmten Wasserfall fotografieren bevor die Touristenbusse ankommen. Wir mussten übrigens mehrere Anläufe für diesen Wasserfall nehmen. Zweimal hatte es zuviel und dauerhaft geregnet.
Tranøy Fyr, Norwegen
Der Leuchtturm von Tranøy ist einer der schönsten in Norwegen. Das liegt an der traumhaften Lage am Vestfjord. Über den Fjord hinaus schaut man auf die Lofoten. Wir besichtigten den Leuchtturm im September und interviewten die Betreiber. Es gibt ein Restaurant und die ehemaligen Leuchtturmwärterhäuser werden als Ferienunterkunft vermietet.
Für dieses Foto musste ich ziemlich weit auf die vorspringende Felszunge hinauswandern. Ich wollte unbedingt Wellen auf das Foto bringen, und ich fand nur diesen einen Standort für die Kamera. Das Problem dabei, das Wasser spritzte mich von hinten nass und ich musste die Kamera mit meinem Körper vor Spritzwasser schützen. Der Rückweg von circa einer Stunde war dann doppelt unangenehm: ich hatte zusätzlich klatschnasse Füße und das ist bei Wanderungen über Stock und Stein nach einer Weile schmerzhaft. Aber, was tut man nicht alles für ein gutes Foto?
Fischerboot auf dem Vestfjord
Wir waren auf dem Vestfjord auf der Suche nach Orcas, doch an diesem Novembertag fanden wir sie nicht. Das Wetter war gut, die Heringe waren vor Ort und Motive gab es trotzdem zur Genüge.
Hier findest Du eine Fotogalerie mit Orcas.
Stabkirche von Lom
Unsere Wohnmobiltour führte uns durchs Fjordland. Die Stabkirchen erinnern uns an alte Schiffe. Nachmittags besuchten wir die Kirche und hatten es mit der Fotografie nicht leicht. Mehrere Busladungen Japaner schwirrten über das Gelände. Erst als sie in die Kirche verschwanden, konnten wir loslegen. Auf dieser Tour kamen wir übrigens an einer außergewöhnlichen Filmkulisse vorbei. Dazu mehr im live Reisebericht.
Lyngor, Südnorwegen
Ganz im Süden von Norwegen waren wir auf der Suche nach Leuchttürmen und schmucken Hafenstädtchen. In Lyngor war das Licht gegen Abend sehr weich, das Wasser spiegelglatt. Mit der GoPro machten wir einen Unterwasserspaziergang.
kleines Leuchtfeuer bei Tranøy
In Tranøy gibt es nicht nur den großen Leuchtturm, sondern auch ein paar kleinere. Auf diesen hier kann man klettern und über den Fjord schauen. Die Region im Tranøy ist unbedingt sehens- und erwandernswert. Horst Tappert, Derrick, mochte diese Region so gern, dass er dort ein Haus hatte und viel Zeit dort verbrachte. Alle Anwohner wiesen uns darauf hin. Und wenn es Horst Tappert dort gefällt, dann muss es schön sein! Ja, es ist traumhaft dort, das können wir bestätigen, nachdem wir mit einem netten Ehepaar eine Wanderung unternahmen.
Tonnes, an der RV 17, Norwegen
Diese Aussicht hatten wir beim Aufstieg zu einer großen Höhle. In der Höhle finden sogar Konzerte statt. Wir fragten uns, wie die Musiker wohl die großen Instrumente den Berg hinaufschleppen? Die Höhle und die Aussicht waren jedenfalls die Wanderung wert.
Henningsvaer, Lofoten
Mit Henninsvaer fühlen wir uns besonders verbunden. Ich mag den Ort nicht nur wegen der Postkartenansichten, die man an jeder Ecke findet, sondern auch wegen der Füchse, die hier besonders zutraulich sind. Einmal gelang es uns sogar einen Fuchs und Nordlicht auf ein Foto zu bannen!
Elch, Vesterålen
Jahrelang waren wir in Norwegen unterwegs gewesen ohne je einen Elch zu sehen. So konnte das nicht weitergehen. Wir waren in Stø und ich fragte einen befreundeten Jäger um Rat. Er zeigt uns dann: auf die Ohren und Augen muss man achten! Spät Abends klingelte unser Telefon: „Elchalarm!“ Tatsächlich konnten wir feststellen, wie gut sich die Elche tarnen können. Nach dieser Nacht sahen wir sie viel öfter, jetzt, wo unsere Sinne geschärft waren.
Skrova, Lofoten
Die Fährfahrt von Skutvik nach Svolvaer auf die Lofoten ist unbedingt zu empfehlen. Sie dauert nicht so lange wie die von Bodø nach Moskenes ist vor allem durch den Zwischenstopp auf der Walfängerinsel Skrova sehenswert. Die Aussicht auf die Berglandschaften, die dich auf der Fährfahrt erwarten!
Utakleiv, Lofoten
Diese Gezeitenbecken am Strand von Utakleiv sind ein beliebtes Fotomotiv. Wir besuchen diesen Strand bei jedem Lofotenaufenthalt. Utakleiv bietet Wohnmobilisten einen günstigen Übernachtungsplatz. In dieser Nacht war es ganz besonders lohnend. Wir sahen Nordlichter und da es nieselte und Vollmond war, einen Mondbogen!
Der zweite Teil der Bildbesprechungen folgt in den nächsten Tagen. Welches Motiv gefällt Dir am besten? Möchtest Du mehr über die Aufnahmetechnik erfahren oder eher Wissenswertes zu den Fotos lesen?
Der Leuchtturm von Texel – Doppelte Wände und eine grausame Geschichte
Die Küstenlandschaft von Texel verschwindet im dichten Nebel. An diesem tristen Tag besichtigen wir den Leuchtturm trotzdem und tauchen ein in die traurige Geschichte der Insel.
Ein Leuchtturm mit außergewöhnlicher Geschichte
Leuchttürme sind außergewöhnliche Bauwerke, sie stehen an interessanten Orten und haben eine beachtenswerte Architektur. Geschichtliche Ereignisse umranken die meist runden Türme wie Efeu. Der Leuchtturm von Texel mit seiner bewegten Geschichte bildet da keine Ausnahme.
Arien, der Leuchtturmguide, sitzt an der Kasse. Draußen ist es so neblig, dass außer uns keine anderen Touristen den Weg zum Leuchtturm gefunden haben. Gerade wegen dieser extrem schlechten Sicht lohnt sich für uns der Besuch an diesem Tag. Arien hat Zeit. Wir unterhalten uns eine Stunde lang angeregt. Der Leuchtturm hat eine grausige Geschichte, dazu passt das triste Novemberwetter gut.
Aber fangen wir mal von vorne an.
Leuchtender Leuchtturm Texel
Zwei Inseln werden zu einer und tückische Sandbänke
Der nördliche Teil von Texel heißt Eierland. Früher sammelten die Anwohner dort Möweneier, daher der Name. Eierland war vor 200 Jahren noch eine eigenständige Insel, durch Landgewinnungsmaßnahmen verband sie sich mit Texel und gehört seit 1835 zu Texel.
Die Sandbänke in der Region sind tückisch, hunderte von Schiffen sind hier schon in stürmischem Wetter auf Grund gelaufen und verloren Mannschaft und Ladung.
Texel brauchte also dringend einen Leuchtturm, doch es dauerte Jahrzehnte, bis der texeler Notar Johannes Ludovicus Kikkert sich mit dieser Forderung in Rotterdam durchgesetzt hatte. Es erforderte zahlreiche Briefe und Eingaben, bis der Bau genehmigt wurde. Im Jahr1864 war es endlich soweit: der Turm war betriebsbereit.
Der Aufstand der Georgier
Arien erzählte uns über die Zeit des zweiten Weltkriegs, da erreichte der Turm traurige Berühmtheit. Die deutschen Besatzer bauten zahlreiche Bunker als Teil des Atlantikwalls um den Leuchtturm herum.
Die auf Texel stationierten, 800 zwangsverpflichteten Soldaten eines georgischen Batallions, meuterten am 6. April 1945, als sie an die Ostfront verlegt werden sollten. Sie hatten nichts zu verlieren. Entweder sie starben an der Front im Kampf, oder sie wurden bei der Heimkehr nach Russland als Deserteure hingerichtet. In einem Anflug von Verzweiflung brachten die Kriegsgefangenen den Großteil der deutschen Besatzung auf Texel um. So hätten sie wenigstens eine Chance, in ihrem Land als Helden zu gelten.
Doch der Plan ging nicht auf, einigen der 400 deutschen Soldaten gelang die Flucht, und die benachbarten Kampfeinheiten wurden alarmiert. Die Artillerie drängte die Rebellen nach heftiger Schlacht zurück. Der Leuchtturm war die letzte Zuflucht. Zahlreiche Georgier verschanzten sich im stabilen Turm, die deutschen Soldaten nahmen ihn unter schweres Feuer. 50 Georgier verloren im Leuchtturm ihr Leben, weitere 60 wurden gefangengenommen und umgehend exekutiert. Bis dahin war es relativ ruhig gewesen auf der niederländischen Insel, die als Europas letztes Schlachtfeld das Leben von 600 Georgiern, 800 Deutschen und 120 Texelern gekostet hat.
Arien erzählt, dass sein Großvater einer derjenigen war, welche helfen musste, die gefallenen Georgier aus dem Turm zu schleppen. Unser Gespräch nimmt eine traurig- philosophische Wendung.
„Niemand redet auf der Insel über die Greueltaten und Grausamkeiten des Krieges“ meint Arien. „Geht mal in die Seniorenheime und fragt nach! Da kommt nichts.“ Er selbst hat als Soldat in einigen Kriegen gekämpft. Ich denke deswegen war es ihm möglich, die Geschichte so bildhaft zu erzählen, aber auch die Sinnlosigkeit und die aussichtslose Situation der Georgier zu schildern.
Der Leuchtturm im Leuchtturm
Der Turm hatte durch den Beschuss großen Schaden erlitten. Die Turmspitze mit dem Licht war weggepustet worden, die Außenmauern schwer beschädigt. Nach dem Krieg musste ein neues Leuchtfeuer für die Schifffahrt her. Die Versorgungslage war schwierig, für ein neues Licht fehlten die Resourcen, aber ein gebrauchtes Licht konnte aufgetrieben werden. Dessen Basis war aber einiges breiter. Darum entschloss man sich, einen zweiten Mantel aus Backsteinen um den alten Turm zu bauen und die Spitze darauf zu setzen. Nach der Reparatur war der Leuchtturm um einiges dicker, dafür aber kürzer als zuvor.
Nachdenklich stiegen wir die Treppen nach oben. Im 4. Stockwerk ist ein Zugang zwischen die beiden Wände, da kann man noch die Einschusslöcher am Innenturm sehen.
Oben auf der Balustrade ist die Aussicht an diesem Tag eher eine Innensicht. Von oben herab können wir nicht mal den Boden erkennen.
Der Leuchtturm von Texel im Sonnenschein
Arien im Leuchtturm Texel
Am nächsten Tag sieht es schon besser aus!
Ein paar Fakten auf einen Blick:
Am nächsten Tag hat der Wind den Nebel von der Insel weggeblasen. Der Himmel ist wieder blau und wir steigen frohen Mutes nochmal die Treppen des Turms hinauf. Diesmal sind wir nicht die einzigen Besucher. Anfang November ist am Strand und Leuchtturm noch eine ganze Menge los.
Für Hunde sind die engen Treppen des Leuchtturms ungeeignet.
Aussicht vom Leuchtturm – vor allem bei gutem Wetter:
Der Leuchtturm von Texel aus der Ferne
Zum Schutz der Vögel wird der Leuchtturm angestrahlt
Texel ist für seinen Vogelreichtum berühmt. So herrscht auch um den Turm herum reger Vogelflugverkehr. Früher prallten Unmengen von Zugvögeln, angelockt durch das Leuchtfeuer, an den Turm geknallt und verendeten. Um das zu verhindern bekam der Leuchtturm eine eigene Beleuchtung, seither kommen nur noch gelegentlich Vögel dort um.
Ausführliche Informationen zum Aufstand der Georgier findet man im Luftfahrt- und Kriegsmuseum nahe des Inselflughafens.
Im Strandräubermuseum Flora können sich Besucher ein Bild von der Gefährlichkeit der Sandbänke vor Texel machen. Wir haben auch dieses Museum besucht und werden demnächst drüber berichten.
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Ecomare auf Texel – ein Museum, das Seehunde und Seevögel aufpäppelt
Das Ecomare bei Den Koog auf Texel ist Robben- und Vogelauffangstation, Naturkundemuseum und Aquarium in einem. 1930 als Texels Museum gegründet, kam 1952 die Pflegestation für kranke und schwache Seehunde dazu.
Walskelett vor dem Ecomare
Finanzierung des Walsaals durch Ambra
Das Museum zeigt im Wechsel Ausstellungen über die Nordsee und das Wattenmeer, über Fischerei und Umwelt. Das Meeresaquarium beherbergt Tiere und Pflanzen der verschiedenen Nordsee-Regionen. Im Walsaal hängen die Skelette der im Wattenmeer gestrandeten und verendeten Wale. Wir fanden es ganz besonders interessant, dass der Walsaal durch einen Ambrafund finanziert wurde. Man kann also doch mit Ambra reich werden! Ambra ist Pottwalerbrochenes welches manchmal als Art Fettklumpen am Strand zu finden ist. Gabi hält übrigens immer danach Ausschau.
Ecomare und Buckelwal
Gunter im Ecomare Museum
Ein Schildkrötenskelett im Ecomare
Die Verschmutzung der Meere ist Thema im Ecomare
Geschwächte Seehunde aufpäppeln und nach drei Monaten wieder freilassen
Der eigentliche Touristenmagnet ist allerdings die Seehund-Auffangstation und die beiden Schweinswale. Ecomare päppelt jedes Jahr bis zu 70 Robben und Heuler (von der Mutter getrennte Robbenjunge) auf, die fit gemacht und wieder ausgesetzt werden. Ecomare hat auch ständige Robbenbewohner in den Becken. Das sind ältere Tiere, die in der freien Natur keine Überlebenschance mehr hätten. Viele der Seehunde sind schon doppelt so alt, wie ihre freilebenden Artgenossen werden, und einige davon sind blind oder fast zahnlos.
Am Eingang schaut uns ein bemoostes Pottwalskelett traurig an, dann tauchen wir auch schon ein in die schummrige Unterwasseratmosphäre der Ausstellung und des Aquariums.
Walsaal des Ecomare
Seehund im Ecomare
Kegelrobbe im Ecomare
dieser junge Seehund fühlt sich anscheinend pudelwohl
diese altersschwache Robbe genießt ihr Seniorendasein
Die Seehunde im Souvenirladen kann man knuddeln und sogar kaufen
Agile aufgeweckte Schweinswale
Wir sind gerade im Museum unterwegs, als das Training und die Fütterung der beiden Schweinswale angekündigt wird. Diese mit den Delphinen verwandten Kleinwale sind vor etlichen Jahren als blutjunge Waisen an der Küste gestrandet und im Ecomare gerettet worden. Für das Überleben in der Nordsee fehlte ihnen die Erziehung in iher Walgruppe, deswegen sind auch sie notgedrungen Dauergäste geworden. Sie werden täglich von ihren Betreuern gefüttert und mit Spielen unterhalten. Das ist essentiell für diese intelligenten Tiere, damit sie nicht trübsinnig werden und verkümmern. Wir schauen fasziniert zu, wie diese agilen Meeressäuger mit einem Affenzahn quer durch ihr Becken von Betreuer zu Betreuer flitzen, um sich ihre Heringe abzuholen. Gabi freute sich sehr, diese Wale, die wir schon oft in freier Natur gesehen haben, mal genauer ansehen zu können.
neugieriger Schweinswal im Ecomare
schneller Schweinswal im Ecomare
Schweinswal im Ecomare
Schweinswal im Ecomare, Spielen mit der Tierpflegerin
Schweinswal im Ecomare
Schweinswalfütterung im Ecomare
Schweinswalfütterung im Ecomare
Die ausführlichen Erklärungen waren alle auf niederländisch, wir konnten uns also auf die Wale und die Fotografie konzentieren. Die Infotafeln sind alle dreisprachig, Niederländisch, Deutsch und Englisch.
Robbenaufangstation
Jetzt gehen wir weiter zu den Robben. In den 2 vorderen Becken ziehen einige Jungtiere elegante 8er-Schleifen, mühelos gleiten ihre stromlinienförmigen Körper durch das Wasser. Als sie merken, dass wir sie beobachten, richten sie sich auf uns schauen uns neugierig mit ihren großen dunklen Augen an. Mit ihrem Schnauzbart sehen sie so drollig aus, man könnte sie den ganzen Tag lang knuddeln.
Seehundseniorenheim
Die hinteren Becken sind für die Seehundsenioren reserviert. Die erblindeten Tiere sehen mit ihren rotleuchtenden Augen ziemlich gruselig aus und können einem leid tun. Diese Oldtimer fühlen sich aber anscheinend pudelwohl und genießen die Betreuung in ihrem Robben-Altersheim.
Vogelpflegestation, Basstölpel und Kormorane
Die Vogelpflegestation von Ecomare kümmert sich um kanke und verschmutzte Seevögel. Für diesen Zweck stehen vor dem Haupteingang einige Vogelboxen, die zum Anliefern gefundener Seevögel auch außerhalb der Öffnungszeiten dienen. Nach erfolgreicher Behandlung werden die Patienten wieder in die Freiheit entlassen. In der großen Voliere auf dem Gelände lebt eine kleine Schar Basstölpel in Dauermiete. Das sind ebenfalls Tiere, die das Überleben in freier Natur nicht gelernt haben. Es macht uns schon traurig, diese großen Flugkünstler auf so engem Raum einepfercht zu sehen, aber nur hier haben sie eine realistische Chance, weiterzuleben.
Den Dünenpark hinter den Biomare-Gebäuden besuchen wir nicht, wir wollen Grindel nicht zu lange warten lassen und machen uns Richtung Strand auf, damit unser Dackel seinen Bewegungsdrang ausleben kann.
Basstölpel im Ecomare, Texel
Basstölpel im Ecomare, Texel
Solche Mülleimer mag ich gar nicht – wer möchte schon einem Delfin oder einer Schildkröte Dreck ins Maul werfen?
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Hundesprache lernen mit Jos Oosting – ein anderer Fremdsprachenkurs auf Texel
Mit dem Dackel nach Texel
Achtung – Dackelcontent!
Gibt es Traumreiseziele für Hunde? Ja und um es vorweg zu nehmen: die niederländische Insel Texel ist eins davon. Hunde und deren menschlichen Reisebegleiter haben besondere Bedürfnisse. Orte, an denen die Vierbeiner frei laufen und mit Gleichgesinnten stressfrei spielen können, sind eine Grundvoraussetzung. Dazu brauchen Hundebesitzer noch eine hundefreundliche Unterkunft, sei es in einer Ferienwohnung, einem Hotel, oder wie wir mit unserem Wohnmobil, auf dem Campingplatz. Wasserschüsseln in Restaurants und Entsorgungsmöglichkeiten für die Gassibeutel mit den Hinterlassenschaften sind auch Aspekte, an die man erst denkt, wenn man eine Weile mit Hund unterwegs ist. Wir haben zusammen mit Grindel die Insel Texel dahingehend genauer unter die Lupe genommen.
Grindel im Rudel
Reisen mit Hund machen Spaß sind aber auch herausfordernd
Reisen ohne Dackel sind möglich, Reisen mit Dackel sind anders. Es macht einfach Spaß an Stränden spazieren zu gehen und zuzusehen, wie unsere gutgelaunte Dackeldame Grindel ausgelassen mit anderen Hunden spielt. Andauernd kommen wir mit anderen Hundehaltern oder Wanderern wegen des Dackels ins Gespräch. Auf unseren erster Reise mit Hund hatten wir in den Städten Stress. An der Leine war die gute Hundelaune dahin, und das wichtigste Anliegen von Grindel war, jeden Hund giftig anzukläffen. Daran verzweifelten wir fast, bis ich mich an einen Tipp eines Hundebesitzers erinnerte: eine mit kleinen Kieselsteinen gefüllte Flasche schütteln, wenn die Krawallschnecke am Ende der Leine mal wieder so lärmt, dass wir am liebsten in den Erdboden versinken würden. Mit diesem Trick schafften wir es ziemlich schnell, Grindel auch in belebten Städten zum Schweigen zu bewegen.
Bei uns muss ein Hund reisetauglich sein
Grindel war diesen Sommer auf den unterschiedlichsten Touren dabei: sie begleitete uns auf unserer wochenlangen Wohnmobiltour durch England und Schottland, und war beim Schulfrei-Festival mit dabei, was sie erstaunlich gut meisterte. Immerhin hatten sich mehr als 500 Leute dort versammelt und Leine war Pflicht. Die anschließende Hausboottour auf der Havel war wieder unkompliziert. Wir waren wieder unter uns und gingen bei den Landgängen viel wandern. Aber an so ein Boot muss sich ein Hund auch erst mal gewöhnen.
Dann bot sich die Gelegenheit, auf einer Pressereise die als hundefreundlich bekannte holländische Insel Texel kennenzulernen. Auf dem Programm stand ein Vortrag über Hundesprache und Rudelspaziergänge. Genau das brauchten wir. Vielleicht könnten Grindel und wir dort noch was lernen. Zum ersten Mal waren wir nur zu viert unterwegs – Gabi, Gunter, Amy und Dackel. Esra studiert Geographie und Noah bereitet sich auf das Abi vor.
Des Dackels unglaubliche Freude über einen Sandstrand
Wir kamen frühzeitig auf Texel an und nutzten die Zeit zum Einkaufen und für einen ausgedehnten Spaziergang am Meer. Grindel sah den Strand, das Schwänzchen ging schlagartig nach oben, die Ohren wurden vorgeklappt und schon flitzte sie wie von der Sehne geschnellt los. Die ausgelassene Freude unserer Dackeldame, wenn beim Rennen die Ohren fliegen und sie vor Übermut Saltos schlägt, ist extrem ansteckend. Ein paar Fotos hatten wir im ersten Texelblogbeitrag bereits gezeigt.
Hunde sind in den Restaurants willkommen
Grindel tobte sich richtig aus und war hundemüde, als wir kurz drauf die anderen Journalisten und Blogger mit ihren Hunden trafen. Ein Restaurantbesuch mit gemeinsamen Abendessen stand auf dem Programm. Im Restaurant waren wir sogar mit der großen Hundemeute herzlich willkommen. Die Grindel Dackeldame war bei weitem die Kleinste. Am Eingang standen Wassernäpfe für durstige Hundekehlen, die anwesenden Herrchen und Frauchen wurden mit Säften, Wein und leckerem Essen verwöhnt.
Die Fotos sind vom nächsten Tag.
Der Knochen ist zu groß für Grindel
Gunter mit Grindel im Restaurant
So bequem liegen Hunde in einigen Restaurants auf Texel
Wir saßen neben Martina vom Blog Hunde-reisen-mehr. Ihre beiden großen Rhodesian Ridgebacks waren die Zielscheibe für Grindels Gebell. Peinlich, aber sehr lange hielt Grindel das nicht durch, gut dass sie „strandmüde“ war. Fotos habe ich vom Essen allerdings nicht gemacht, irgendwie waren wir zu beschäftigt.
Wir waren mit dem Wohnmobil angereist und übernachteten auf dem ganzjährig geöffneten komfortablen Campingplatz De Krim. Auch da wohnte in fast jedem Wohnmobil mindestens ein Hund. An jeder Ecke gab es kostenlos Gassitüten und Mülleiner, sogar eine richtige Hundewaschanlage stand auf dem Campingelände.
Natürlich gibt es auch auf Texel Gebiete, in denen das Anleinen vorgeschrieben ist:
Ein Bus voller Hunde
Ein Teil der Reisegruppe
Vortrag über Hundesprache mit Jos Oosting
Das offizielle Programm startete mit einem Vortrag über Hundesprache vom berühmtesten niederländischen Hundeflüsterer Jos Oosting. Wir liefen vorher ausgiebig am Strand entlang, um Grindel müde zu machen, damit sie Ruhe hält, schafften es aber nicht.
Jos erzählte, dass es „dominierende“ Hunde strenggenommen nicht gibt. Dass aber kleine und vor allem schlaue Hunde mit ihrem Charme schnell in die Position eines Rudelführers geraten und damit sich selbst und Herrchen/Frauchen überfordern. Grindel fing an zu kläffen, als das Foto eines niedlichen Chihuahuas auf der Leinwand erschien. Die großen Hunde lagen alle zufrieden am Boden und schliefen. Nur Grindel wollte nicht auf dem Boden liegen, und auf dem Schoß bellte sie am Stück. Wir schämten uns und versuchten trotzdem dem Vortrag zu folgen, denn wir hatten ihn augenscheinlich am Nötigsten.
Jos Oosting beim Vortrag
Hunde kommunizieren ständig mit uns, wir verstehen sie nur nicht
Jos erklärte uns anhand von Fotos und Videos, dass Hunde ständig mit uns kommunizieren. Er machte uns deutlich, dass wir sie leider auch fast ständig ignorieren oder gar völlig falsch verstehen. Das Bellen ist dabei nur ein winzig kleiner Teil der Hundesprache. Ein Hund spricht mit dem ganzen Körper und bei der Interpretation ist das Zusammenspiel der „Gesten“ bedeutsam. Gähnen kann Unsicherheit bedeuten, oder aber der Hund ist einfach nur müde. Wie beim Menschen eigentlich, oder?
Hundesprache – Hunde reden mit ihrem ganzen Körper
Der Hund beobachtet uns ständig, und interpretiert unsere unbewusste Körpersprache. Meist geben wir ihm die falschen Signale. Wir beugen uns zum Beispiel von oben herab und streicheln ihn auf dem Rücken. In der Hundesprache bedeutet das eine Bedrohung. Besser ist es, in die Hocke zu gehen, und dem Hund beim Streicheln die Körperseite zuzuwenden.
Der Mensch sollte seine Körpersprache dem Hund anpassen und so Rudelführer werden
Jos will bei seinem Training erreichen, dass der Mensch durch eine angepasste Körpersprache seinen Platz als Rudelführer einnimmt, und damit seinen Hund von der Last des Führen und Beschützen müssens befreit. Es gibt dabei keine Bestrafung oder gar Gewaltanwendung oder lautes Gebrüll. Die passenden Signale und die positive Art des Umgangs soll den Hund motivieren.
Ein Hundebesitzer ist in dem Moment Anführer seines Rudels, wenn sein Hund dessen Verhalten spiegelt. Das funktioniert nur, wenn er eindeutig das Sagen hat, und das auch in einer hundeverständlichen Körpersprache ausdrückt. Um Anführer zu werden, brauch er das volle Vertrauen seines Hundes, das er durch klare Körpersprache gewinnt.
Ein kleiner Hund hat als Rudelführer nur Stress
Vor allem kleine, süße und schlaue Hunde sind schwierig zu erziehen. Sie suchen immer wieder Möglichkeiten, den Rudelführer mit ihrem Charme auszutricksen.
Der kleine Hund wird dadurch ungewollt zum Anführer: er fühlt sich verantwortlich für seine eigene Sicherheit, für die des Herrchens, und er muss Entscheidungen treffen. Damit ist er voll überfordert. Stattdessen braucht ein Herrchen, das ihn beschützt und dem er blind vertrauen kann, dann entspannt er sich.
Wie zur Bestätigung kläffte Grindel extra laut. Grindel war die ganze Zeit über angespannt, und wir waren zu dritt beschäftigt, sie halbwegs ruhig zu halten.
Grindel am Strand
Jos interessiert sich für diesen tollen Dackel
Ein bellender Dackel und was wir dagegen tun können
In der Pause fragte ich bei Jos nach, was ich mache, wenn mein Hund in Gesellschaft einfach keine Ruhe gibt.
„Ja, Dackel bellen richtig laut, das müssen sie auch, sie sind darauf gezüchtet,“ war seine Antwort. Macht auch Sinn, denn Dackel müssen klein sein, um in Dachs- oder Fuchsbauten zu passen, aber laut, um den Tieren einen größeren Hund vorzugaukeln.
Mit Luftspray zur Ruhe
„Hmm, hast Du nicht einen Tipp für uns?“ Hatte er! Jos gab uns sein Luftspray, welches einfach nur ein unangenehm zischendes Geräusch macht. Beim weiteren Vortrag setzten wir es zweimal ein, und es war Ruhe. Es beruhigte mich auch, dass Dackel von Berufs wegen bellen dürfen, doch gibt es da Grenzen. Grindel soll nicht stundenlang bellen, oder sich selbst gefährden, indem sie auf große Hunde losgeht. Sie muss sich in Ruhe ablegen können in der Gewissheit, dass wir als Rudelführer sie beschützen.
Das Bellen wird wohl erst nachlassen, wenn sie aus der Anführerrolle herauskommt. Wir werden das mithilfe der Hundesprache versuchen. Desinteressiert wegschauen, wenn sie zu stürmisch und wild auf uns herumklettert. Ignorieren ist das Privileg des Rudelführers. Wenn das noch nicht helfen sollte, zusätzlich leicht nach vorne beugen. Versucht es mal! Es klappt wirklich. Wir sahen jedenfalls sofortige Erfolge.
Wann sieht dich Dein Hund als Boss?
Eine Rudelwanderung mit Jos Oosting
Die anschließende Rudelwanderung war die große Belohnung für die Hunde. Mit Blick auf die Fähre und das niederländische Festland wanderte unsere Gruppe den weiten Strand entlang. Die Hunde rannten, spielten und buddelten ausgelassen, während wir Menschen miteinander redeten, und zufrieden auf die glücklichen Vierbeiner schauten. Grindel war mittendrin, leider eignete sich keiner der große Hunde wirklich als Spielkamerad und der Rauhhaardackel Dods war schon etwas älter und hatte keine Lust zum Spielen. Grindel rannte kreuz und quer über den Strand, bellte des öfteren, buddelte zwischendurch im Sand und schien zufrieden zu sein.
Der nächste Rudelspaziergang am folgenden Tag verlief noch ruhiger. Wir versetzten unsere innere Haltung auf Entspannung und versuchten, die gelernte Körpersignale anzuwenden. Grindel verhielt sich wesentlich leiser und folgsamer, sie kannte jetzt auch die anderen Hunde, was bestimmt zusätzlich geholfen hat.
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Zweimal pro Woche Rudelwandern auf Texel
Jos Oosting führt auf Texel kostenlos zweimal wöchentlich, am Dienstag und am Samstag Nachmittag, Rudelwanderungen am Strand von Paal 17 durch. Die aktuellen Termine findet man in der kostenlosen Texelzeitung oder auf seiner Facebookseite. Wir können diese Rudelwanderungen sehr empfehlen, denn den Hunden tut dieser freie und ausgelassene Kontakt zu ihresgleichen unglaublich gut.
Freier Auslauf hat nicht immer Vorteile. Auf einer der Rudelwanderung badeten Golden Retriver Gina und Rhodesian Ridgeback Dayo im brackigen Uferwasser. Wie von Zauberhand war die vorher blonde GIna nun dunkelbraun und wirkte auch schlanker. Ein ausgiebiges Vollbad war nötig, bevor Gina sich später auf dem weichen Hundekissen im Hotel ablegen durfte.
zweifarbiger Retriever
Die Hundewaschstraße
Vor allem langhaarige Hunde die gern baden, kommen mit kiloweise Sand und Dreck im Fell vom Strandspaziergang zurück. So können Hundehalter ihre Schützlinge natürlich nicht in die Wohnung lassen. Auf dem Campingplatz De Krim gibt es speziell für solche Fälle eine „Hundewaschstraße“. Knapp 1000 Hunde durften diese Prozedur seit Bestehen der Anlage schon über sich ergehen lassen.
Die Vorrichtung bietet jeden Komfort: die Hunde laufen über eine Rampe hoch in das Waschbecken, das dann mit einer Tür verschlossen wird. Mit der Handbrause wird der Hund entweder mit Wasser oder diversen Wasser/Shampoogemischen geduscht. Nach der Wäsche können sich furchtlose Hunde noch trocken föhnen lassen. Das funktioniert mit Druckluft, ähnlich wie in der Autowaschstraße. Wir probierten die Hundewäsche lieber nicht an unserer wasserscheuen Grindel aus. Sie ist mit ihrem kurzen Fell relativ schmutzunempfindlich, und verliert grundsätzlich den feinen Sand, der an ihr hängen bleibt, in der Wohnmobilsitzgruppe.
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Radfahren mit und ohne Hund
Jedes Jahr fahren zwischen 10000 und 15000 Fahrräder auf dem 140 Kilometer langen Radwegenetz von Texel. Wir hatten zwar ein Fahrrad für Erkundungstouren mitgenommen, haben es aber nicht benutzt. Mit Grindel waren wir nur zu Fuß unterwegs, weil sie Fahrrad-Körbchen „noch“ nicht mag.
Beim Radverleih fiets inn-texel in De Koog können wir verschiedene Hundetransportarten ausprobieren. Grindel mochte die Körbchenvariante auf dem Gepäckträger immer noch nicht, in einen Anhänger stieg sie neugierig ganz alleine rein. Der schien richtig schön nach Hund zu riechen. Fahren wollte sie trotzdem nicht.
Natürlich gab es nicht nur Hundeanhänger zu mieten, auch spezielle Fahrräder mit integrierten Kindersitzen, Tandems, Elektroräder und ganz normale Räder stehen bereit.
Für den lebhaften Radverkehr sind auf Texel entlang der Straßen meist beidseitig breite Radwege angelegt. Die 60 Kilometer Rundfahrt um die Insel würde ich ja gern mal machen. Dafür müssen wir erst Grindel das Radfahren schmackhaft machen, trainieren und dann im Frühjahr nochmal kommen.
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Und was gibt es sonst noch…
Texel ist nicht nur für Hundehalter interessant. Die Insel bietet noch viel mehr. Unter anderem einen Leuchtturm mit beeindruckender Geschichte, ein Strandgut-Museum, eine Seehund- und Seevogelauffangstation mit Aquarium und Nordsee-Informationszentrum, Käsereien, weitere inseleigene kulinarische Genüsse, und es ist sogar möglich, elegant aus 3000 m Höhe vom Himmel zu fallen. Doch davon mehr in den nächsten Blogbeiträgen!
Was schreiben die anderen Reiseblogger über diese Reise?
Sabines Lifestyle-Kolumne über die Hundewaschstraße
Texel: Anton und der World Cheese Award
Eine Hundepackliste im Hunde-reisen-mehr Blog von Martina
Der Wufflog von Claudia
Noch eine Hundepackliste im Blog Isarhunde
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