Grandes marées können in Saint Malo auch relativ unspektakulär sein, wenn der Wind nicht passt. Fotos der grandiosen Stimmungen bei hoher Flut.
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Der Klosterberg Mont Saint Michel wird zweimal im Jahr bei Springflut, im Frühjahr und im Herbst, für einige Stunden zur Insel.Wir legten unsere Reise aus diesem Grund genau in diese Zeit.
Mont Saint Michel wird zur Insel
Mont Saint Michel ist 200 Kilometer von Honfleur entfernt. Vor acht Jahren waren wir zum letzten Mal am Klosterberg. Seither hat sich einiges getan. Seit 2015 gibt es keine Straße mehr zum Mont Saint Michel, ein neu errichteter Steg führt jetzt dahin, den nur Shuttlebusse befahren dürfen. Das Wohnmobil muss jetzt etwa vier Kilometer entfernt gegen eine Gebühr von 17,60 Euro geparkt werden, Übernachtung inklusive. Der Weg zum Shuttlebus ist vom Wohnmobilparkplatz fast genauso weit, wie vom Bus aus zum Klosterberg. Wir haben ja Fahrräder, da ist das kein Problem. Am 20. März ist der Koeffizient extrem hoch, so dass der Klosterberg bei Flut fast wieder zur Insel wird. Ein Eingang wird überflutet, der zweite Seiteneingang bleibt gerade noch zugänglich. Am nächsten Morgen wird die Flut es ganz schaffen und Mont Saint Michel komplett vom Festland abschneiden.
Die Hälfte der Strecke fahren wir mit dem Rad, auf dem Steg schieben wir. Zu Fuß können wir den Ausblick länger genießen. Der Klosterberg liegt gewaltig und unwirklich vor unseren Augen. Das Licht ist hier am Meer viel weicher und farbiger als bei uns zuhause. Für mich ist das ein Genuß.
Für die Fahrräder gibt es direkt am Mont Saint Michel keine Parkplätze. Wegen der hohen Flut werden heute alle Fahrzeuge, Baumaschinen, Baumaterial und ähnliche Sachen direkt vor den Mauern des Klosterbergs an den Felsen abgestellt. In einer Felsnische verstauen wir unsere Räder und betreten dem berühmten Touristenmagneten zu Fuß. Von der Krone der Festungsmauer aus beobachten wir, wie die Flut mit einer irren Geschwindigkeit in die weite Bucht hineinläuft. Bei hohem Koeffizienten kann sie bis zu 30 km/h schnell werden. Da versteht es sich von selbst, dass das keine tolle Zeit für Wattwanderungen ist. Die Region ist sowieso gefährlich, es gibt auch kaum auszumachende Stellen mit Treibsand. Wir stehen sicher, weit oben auf dem Klosterberg. Ich habe mit wesentlich mehr Besuchern gerechnet, weil eine Springflut nur zweimal im Jahr, im Frühling und im Herbst vorkommt, und nur dann der Klosterberg völlig vom Meer umgeben wieder zur Insel wird.
Die 20000 Schritte, die wir an dem Tag zurücklegen, zähle ich gern doppelt. Mindestens die Hälfte davon ging treppauf und treppab.
Die Mascaret Welle ist eine eher kleine, circa 50 Zentimeter hohe Welle, mit der die Flut zum Mont Saint Michel hereinkommt.
Ein Auto in der Flut
Einer der Bewohner hat sein Auto im Flutungsbereich geparkt. Na wenn das Mal gut geht. Dutzende Touristen halten ihre Handys in die Höhe und fotografieren das langsam im Wasser versinkende Fahrzeug. Ich überlege schon, wem ich Bescheid geben könnte. Die Touristeninfo ist bereits geschlossen. Das Wasser hat schon die Karosserie erreicht und läuft in den Auspuff. Da kommt plötzlich ein junger Mann aus dem Haupttor gestürmt, hüpft federnd durch das knöcheltiefe Wasser, reißt die Autotür auf und schmeißt sich auf den Fahrersitz. Zum Glück springt die Kiste noch an, und er fährt sie auf sicheren Boden. Die Schaulustigen applaudieren, der junge Mann nimmts mit Humor.
Radtour über Feldwege
Auf der Suche nach einer weiteren Perspektive holpern wir mit den Rädern einem kilometerlangen unbefestigten Deichweg entlang. Die Sonne hängt schon tief am Horizont, eine Wolkenbank droht, den Sonnenuntergang zu verhindern. Wir machen Tempo und kommen trotz der kühlen Luft ganz schön ins Schwitzen.Die Tour brachte letztendlich für die Fotos nichts, wohl aber für unsere Fitness.

Mein Fahrrad und Mont Saint Michel – So sieht es am Ende des Feldwegs aus. Wir laufen noch ein Stück in Richtung Klosterberg, bleiben aber im Matsch hängen.
Die blaue Stunde
Die blaue Stunde, die Zeit nach Sonnenuntergang, eignet sich generell für Fotos. Besonders beim Mont Saint Michel fällt mir jedoch auf, dass der Zeitrahmen für brauchbare Fotos auf nur wenige Minuten begrenzt ist. In der Nacht aufgenommene Fotos wirken nicht mehr, weil die Kontraste zu hoch sind.
Im stockdunklen radeln wir frierend zurück zum Mobil, die 15 Kilometer, die wir heute mit dem Rad zurückgelegt haben, zählen auch doppelt. Die Feldwegtour war ganz schön anstrengend. Die Nachtruhe auf dem Parkplatz wird nur von quakenden Fröschen unterbrochen, bei geschlossenem Fenster hören wir sie kaum.
Informationen zum Mont Saint Michel
Übrigens: Der Mont Saint Michel ist inklusive der Kirchenspitze mit dem Erzengel Michael 157 Meter hoch. Die ganze Anlage ist auf einen riesigen Granitblock erbaut. Es fing mit einer Kirche an, doch irgendwie konnten die Franzosen nicht aufhören immer weiter drum herum und höher zu bauen.
Als die Heiligenverehrung im 17 Jahrhundert außer Mode kam, nutzte die Regierung den Berg als Gefängnis. Aber mit Pilgern konnte man mehr verdienen, also wurde das Kloster wieder aktiviert.
Der Mont-Saint-Michel und seine Bucht gehören seit 1979 zum „UNESCO Kulturerbe der Menschheit“.
Ganze 33 bis 46 Einwohner bewohnen einen kleinen Ort auf dem Mont Saint Michel. Und drei Millionen Touristen schlendern jedes Jahr durch die Gassen. Würdest du da gern wohnen? Ich habe die ganze Zeit überlegt, ob das was für mich wäre.
Außer Souvenirläden bietet Mont Saint Michel noch weitaus mehr. Sehr empfehlenswert ist der Besuch der Abtei. Wir besuchten sie vor ein paar Jahren zusammen mit den Kindern. Es gibt noch einige Museen und zahlreiche Restaurants.
Der Shuttlebus ist kostenlos. Es ist wahrscheinlich eine gute Idee auf dem Hinweg zu Laufen, dann hat man den Mont Saint Michel im Blick und nähert sich dem Berg gemächlich. Auf dem Rückweg gehts dann schneller mit dem Bus.
Jetzt wird Mont Saint Michel zur Insel – und wir verpassen es um wenige Minuten
Wieder klingelt der Wecker vor Sonnenaufgang, raus aus dem Bett und aufs Fahrrad geschwungen. Heute werden beide Eingänge vom Meer umspült, heute wird Mont Saint Michel zur Insel.
Bodennebel umfließt die Basis des Klosterberges, es scheint, als ob der Berg schwerelos in der Luft schwebt. Mensch, das sieht geil aus. So kommen wir nicht voran, obwohl wir mit den Rädern unterwegs sind. Andauernd stoppen wir, packen die Fotoapparate raus.
Außer uns scheinen nur Japaner unterwegs zu sein. Wir amüsieren uns: »Die Japaner haben so wenig Urlaub, dass sie die eine Woche auf Reisen gar nicht schlafen«. Das stereotype Bild vom Japaner mit permanent gezückter Kamera gibt es nicht mehr, die nutzen jetzt alle Smartphones und machen Selfies. Es ist trotzdem erstaunlich wenig los. Für uns ist es ein Wahnsinnserlebnis den Mont Saint Michel als Insel sehen zu können und noch dazu im weichen Morgenlicht.
Als wir uns dem Ende des Stegs nähern, hören wir bereits den großen Kehrlaster die Steine, die die Flut angespült hat, laut brummend wegräumen. Jetzt wollen wir unbedingt die hohe Flut sehen, sind aber so begeistert vom Licht und dem Klosterberg in der Landschaft, dass wir das Beweisfoto vom Steg aus an diesem Tag nicht schießen. Und wisst ihr was: es ist uns egal. An diesem frühen Morgen sind wir glücklich.
Zurück auf dem Parkplatz leeren wir unsere Toilettenkassette an der Entsorgungsstation, dann machen wir uns weiter auf den Weg nach Saint Malo.
Hurra! Wir fahren jetzt in die Normandie und Bretagne. Dort gibt es noch einige Leuchttürme, Strände und Ortschaften, die wir noch nicht fotografiert haben. Ein paar der Leuchttürme stehen auf Inseln, die wir noch nie besucht haben. Ich stecke zur Zeit mitten in der Reiseplanung. Tipps sind wie immer sehr willkommen!
Welche bretonischen Reiseziele stehen dieses Mal auf dem Plan? Die Ile de Groix im Morbihan und die Ile de Brehat an der Cote d’Armor. Auf beiden Inseln interessieren uns die Leuchttürme und die Küstenlandschaften. Am liebsten würde ich weitere bretonische Inseln besuchen, aber diese beiden sind mir vorerst am wichtigsten. Hast du eine Lieblingsinsel?
Ansonsten werden wir St Malo, Dinan und weitere Städte fotografieren. Auf unseren bisherigen Reisen haben wir meeresbegeisterten Menschen das leider immer vernachlässigt.
Das Wohnmobil steht mit frischem Öl, fast fertig gepackt im Hof und wartet geduldig auf uns.
Auf dieser Reise werden wir wieder live berichten. Auch, wenn die Blogbeiträge dann nicht perfekt formuliert und die Fotos nicht optimal entwickelt sein werden, sind die Live-Berichte authentischer. Wir werden versuchen, mehr praktische Fototipps in die Live-Reiseberichte einzubauen. Das machten wir auch im Jahr 2015 auf der Belle Ile. Zum Beispiel mit den Wellenfotos.
Sieben schafe Tipps für Wellenfotos
Warum es sich lohnt gute Fotospots immer wieder zu besuchen
Übrigens haben wir die Fotos im Belle Ile Live Reisebericht von 2012 überarbeitet und zahlreiche zusätzliche hinzugefügt. Außerdem gibt es in dem Bericht jetzt auch Zeitrafferfilme von Ebbe und Flut. Unbedingt reinschauen!
Ile de Sein
Die kleinere Ile de Sein ist auch einen mehrtägigen Besuch wert. Wir berichten ausführlich über diese Insel. Hier ein paar Fotos und die Reiseberichte der Ile de Sein.
Ouessant
Als Leuchtturmliebhaber MUSS man die Ile d’Ouessant besucht haben. Drei Leuchttürme der Insel haben es bereits in meinen Leuchtturm Kalender geschafft. Die Extra Kalender Seiten hier im Blog sind vollgepackt mit Infos und Fotos. Reinschauen!
Zum nächsten Blogbeitrag:
Übersichtsseite Nordfrankreich & Bretagne Fototour mit dem Wohnmobil
Buch: »Wir dackeln durch Europa«, Reisetipps für Leuchtturm- und Hundefreunde – 192 farbige Seiten, Hardcover Buch in DIN A 5 quer. mit Fadenbindung: 30,70 Euro inkl. Versand DE
Entschuldige bitte die relativ lange Blogpause. Auf der Ile d’Ouessant gefiel es mir so gut, dass ich soviel Zeit wie möglich draußen in der Natur verbrachte. Ich radelte auf der kleinen Insel von einem Ende zu anderen und wieder zurück.
Meist zwischen 20 und 30 Kilometer pro Tag. Was sich zwar wenig anhört, aber mit Fotorucksack auf dem Rücken, Stativ auf dem Gepäckträger und Wanderungen zwischen den Etappen doch sehr anstrengend, aber unglaublich schön. Wir waren tagsüber und nachts unterwegs, wieviele Stunden kann ich nicht sagen. Sechs Kilogramm habe ich abgenommen, trotz Schoko-Croissant-Frühstück, so viel waren wir unterwegs. Ich schaffte es jedenfalls nicht, mich an der Insel satt zu sehen.
Ideale Bedinungen für den Fotokurs auf Ouessant
In der zweiten Woche hielten wir unter besten Bedingungen unseren ersten Fotoworkshop. Wir hatten zwar nur eine Teilnehmerin mit ihrem Partner und einen Freund von uns dabei, aber es war ein interessantes Erlebnis. Wir fotografierten die Strahlen des Leuchtturms Creac’h in der Nacht, wir hatten mehrere Male beste Licht- und Wellenbedingungen am Pointe de Pern, dem wilden, westlichen Ende der Insel. Wir unternahmen Fotowanderungen in weichem Morgenlicht und futterten dabei die saftigen wilden Brombeeren, die überall auf Ouessant wuchern. Wir rückten die fünf Leuchttürme der Insel fotografisch ins richtige Licht. Den Leuchtturm Stiff fotografierten wir mit Sternenbahnen. Bei Regenwetter rauschten hohe Wellen mit weißen Kämmen auf uns zu. Der inselbekannte Delfin absolvierte eine ganz besondere Show für uns im Fährhafen Stiff. Insgesamt also ein gelungenes Workshop-Programm.
Ruhiges Meer auf der Insel Ouessant
Die dritte und letzte Woche waren wir wieder allein unterwegs. Es war ruhig, der Wind kam die ganz Zeit aus Osten, fiel also als Wellenerzeuger aus. Das Meer lag ruhig, manchmal fast spiegelglatt da. Das gab uns mangels dramatischer Meeresansichten die Gelegenheit, die skurrilen Granitfelsen intensiver zu fotografieren. Für eine gute Aussicht kletterten wir täglich auf die Felsen hinauf. Wir radelten, wanderten und kletterten und das tat uns gut.
Unser Sohn Noah lernt das Fotografieren
Amy, Noah und Dackeldame Grindel waren auch mit auf die Insel gekommmen. Noah hatte den Wunsch geäußert, einen Fotokurs bei uns zu absolvieren. Logisch, das machen wir doch gern. Und was für eine Freude war es, als ich merkte: JETZT hat der Fotograf in ihm eingeschaltet. Es passierte nach dem Aufenthalt auf Ouessant, als wir Wellen am Leuchtturm Petit Minou fotografierten. Er kam zu mir, konnte gar nicht schnell genug reden, soviel Begeisterung sprudelte aus ihm heraus. Ich war selbst mitten in die Arbeit vertieft, aber musste die Wellen auf seinem Kameradisplay anschauen. Und ich muss sagen: er hat Talent!
Ohne Französisch Kenntnisse miteinander Reden
Ich freundete mich mit unserer Vermieterin Veronique an. Da mein Französisch immer noch sehr rudimentär daherkommt und Veronique genauso wenig Englisch kann, wie ich Französisch, hätte man meinen können, wir haben uns nichts zu sagen. Dem war aber nicht so. Wir redeten trotzdem die ganze Zeit und gingen auch gemeinsam auf Fototour. Das hat mir riesigen Spaß gemacht. Hier ein herzliches Dankeschön an unsere Vermieterin! Unsere Wohnung war übrigens genial: vom Fenster aus schauten wir auf die Bucht, den Strand und auf drei von vier Leuchttürmen.

Creac’h am Abend, links unten im Bild Gunter mit unserer Kursteilnehmerin
PS: Der in Deutschland für die Filmmusik von „Die fabelhalfte Welt der Amelie“ bekannte Pianist Yann Tiersen wohnt auf Ouessant. Sein im September erschienenes Album Eusa ist der Insel gewidmet. Auf Ouessant habe ich vergeblich versucht, die CD zu kaufen. Später auf der Rückfahrt durch die Normandie habe ich sie endlich gefunden und höre seither nichts anderes mehr.
Übersichtsseite Bretagne 2016
Ausführliche Infos und Bildgalerie zur Insel Ouessant
Die erste gedruckte Auflage unseres Buches: Dein Weg zum Nordlichtfoto
Die erste Auflage der gedruckten Version unseres Buches »Dein Weg zum Nordlichtfoto« kam gerade mit der Post, als wir vom Schulfrei-Festival nördlich von Berlin nach Hause gekommen waren. Das Buch fand großes Interesse bei unseren Bloglesern – an dieser Stelle ein ganz herzliches Dankeschön – so waren wir beschäftigt, Bücher zu packen und zur Post zu schleppen.
Nach den Touren nach Schweden und Klein Leppin hätten wir wenigstens ein, zwei Tage Ruhe gebrauchen können, das war aber nicht drin. Wir waren zwischen den Reisen jeweils nur 5-6 arbeitsreiche Tage daheim, dann ging es schon wieder los.
Mehrere Reisen kurz hintereinander
Wie packen wir das Wohnmobil für einen Besuch der Insel Ouessant?
In Eile putzten wir grob das Wohnmobil und packten es erneut. Diesmal gestaltet sich das schwieriger als sonst. Wir fahren die 1200 km lange Strecke nach Le Conquet ins westlichste Festlandende Frankreichs und setzen dann mit einer kleinen Personenfähre nach Ouessant über. Dort werden wir dieses Mal ganze drei Wochen verbringen. Nur, was würden wir an Kleidung und Technik brauchen? Wie können wir den Kram verpackt im Wohnmobil transportieren? Im Kofferraum stehen unsere beiden Fahrräder. Der ist damit bereits voll und ansonsten gibt es wenig große Staufläche im Fahrzeug. Meinen Kram stopfe ich in Radtaschen, die können wir bequem in der Dusche transportieren. Die anderen räumen die Klamotten erst mal in die Schränke. Das müssen wir dann unterwegs noch in Reisetaschen packen.
Wir möchten die kleine 15 km² Insel hauptsächlich per Rad erkunden, darum mieten wir eventuell noch ein Rad für Noah, wenn er mit uns auf Fototour gehen will.
Wir haben zuhause noch viel zu viel zu erledigen, deshalb fahren wir zwei Tage später als geplant los. Das ist schade, denn wir haben so kaum Zeit für Zwischenstopps und sitzen länger am Stück, als es uns gut tut im Wohnmobil. Unser Bedarf an langen Nonstop-Fahrten war eigentlich für dieses Jahr schon gedeckt.
Wir beginnen mit einem kleinen Umweg und besuchen schnell noch meine Eltern, die uns ein Stativ für Noah ausleihen. Wir haben auch in letzer Minute ein kleines Reisestativ, ein Rollei Kompakt Traveller No.1 gekauft, weil mein altes Manfrotto langsam in die Jahre kommt und schon viel mitgemacht hat. Ich musste es schon richten und auch geradebiegen. Wie dumm wäre es, wenn mein Stativ auf Ouessant den Geist aufgibt? Da ist es besser, wir haben ein Ersatz-Stativ dabei. Wir wählten das Rollei Stativ, weil es auf längeren Wanderungen oder in Städten kaum aufträgt und trotzdem ausreichend robust erscheint. Den ausführlichen Erfahrungsbericht Rollei Kompakt Traveller kannst du hier lesen.
Le Treport, Normandie
In Le Treport stoppen wir in der Nacht nach einer 760 km langen, ewig scheinenden Fahrt. Einige Baustellen und Umleitungen haben die Fahrzeit zusätzlich verlängert. Im Dunkeln laufen Gunter, ich und Grindel noch die eineinhalb Kilometer zum Leuchtturm. Es tut gut, das Meer zu riechen, den Flair dieses Hafenortes in uns aufzunehmen und die verkrampften Beine zu bewegen.
Der Leuchtturm am Cap Frehel
Am folgenden Morgen unternehmen wir den gleichen Spaziergang noch einmal, diesmal mit den Fotoapparaten. Danach müssen wir wieder auf die Straße. Weiter Richtung Westen, durch die traumhafte Bretagne, vorbei an den allerschönsten Fotolocations. Den nächsten Übernachtungstop legen wir am Cap Frehel ein. Direkt am Leuchtturm dürfen Wohnmobile nicht übernachten, drei Kilometer davor sehen wir einen kostenlosen Stellplatz am Ortsausgang. Nach einer ausgiebigen Fototour stellen wir uns zu den französischen Mobilen auf den Schotterplatz. Die Nacht ist ruhig, wir brauchen den Schlaf.
Morgens springen wir früh aus den Betten, das Licht ist gut, der Leuchtturm und die Steilküste in Griffweite. Unsere Kids – Teenager passt nicht mehr, weil Noah schon 20 ist – sind noch schlaftrunken, die beiden kuscheln sich wieder in die Decken. Wir gehen mit Grindel auf Fototour. Die Steilküste badet gerade in weichem Morgenlicht, noch sind außer Fotografen keine Spaziergänger unterwegs. Nur Kaninchen. Wir legen wohl einige Kilometer zurück, allerdings nicht in eine Richtung, sondern hin und her, hoch und runter und wieder zurück. Ich kann mich gar nicht sattsehen. Würde am liebsten noch ein, zwei Tage bleiben.
Erst nach einigen Stunden lasse ich locker, dann frühstücken wir ausgiebig und fahren wieder los. Schnell noch ein Stopp an einem Supermarkt, wo wir noch ein paar Kleinigkeiten für den Inselaufenthalt besorgen, da sind wir schon unserem Ziel nahe.
Le Conquet
Der nächste Stop ist Le Conquet, einer meiner bretonischen Lieblingsorte. Dort gibt es an jeder Ecke Fotomotive im Überfluss. Wir schauen erst einmal, wie wir das Wohnmobil kostengünstig für drei Woche parken können. Ein Langzeit-Parkplatz liegt hinter der Gendarmerie. Wir haben mit Hilfe eines Freundes einen fairen Preis von ca 50 Euro heraushandeln können, üblicherweise kostet der Spaß über 100 Euro für diese Zeitspanne.
Der Leuchtturm Kermovan
Auf der gegenüberliegenden Seite des Hafens von Le Conquet liegt ein ausgedehnter Sandstrand und dort steht auch der Leuchtturm Kermorvan. Amy und Noah laufen mit Grindel den Strand entlang und treffen tatsächlich auf einen anderen verspielten Tigerdackel. Die Hunde rennen, was das Zeug hält. Noah übt sich derweil in Französisch-Konversation, während Gunter und ich zum Leuchtturm wandern. Im Internet hatte ich zahlreiche stimmungsvolle Fotos dieses Leuchtturms gesehen, solche will ich auch. Doch dann stehen wi vor einer Absperrung und einem Verbotsschild. Mist. Genau das ist uns schon vor Jahren einmal passiert, fällt es uns wieder ein. Was haben denn all die Fotografen, die ihre Bilder im Internet zeigen, gemacht? Ich frage zwei Franzosen, die meinen »geh doch über den Zaun, macht eh jeder«. Dann gesellen sich noch zwei Engländer dazu, zielstrebig laufen sie auf das Gatter zu, klettern ohne zu Zögern drüber. Hallo?! »Ja, das habe ich im Internet mit Google Streetview schon recherchiert« meint einer der Engländer. »Das Verbotsschild habe ich da schon gesehen und mir war klar, dass ich drüber klettern muss« Ich klettere mit, die Familie, mittlerweile sind Amy, Noah und Grindel zu uns gestossen, warten derweil. Ich mache nur ein paar Schnappschüsse, obwohl das Licht nicht schlecht ist. Ich will lieber zusehen, wo ich eine Erlaubnis bekommen kann, dann kann ich die Fotos auch offiziell nutzen. Den Rest des Abends verbringen wir beim Leuchtturm St Matthieu, der nur wenige Kilometer entfernt ist.

Saint Mathieu am frühen Morgen
Der Stellplatz in Le Conquet ist besetzt
In Le Conquet sind alle Stellplätze besetzt, da müssen wir in der Nähe des Leuchtturms parken. Ich mache zusammen mit Noah zusammen Sternenaufnahmen und vor Sonnenaufgang sind wir schon wieder im Sturm unterwegs.
Das Hafenstädtchen Le Conquet als Fotoreiseziel.
Dann fängt das große Packen an. Spaß macht das nicht. Wir schaffen es aber, mit relativ wenigen Gepäckstücken auszukommen. Wir können mit dem Wohnmobil nicht zum Fähranleger hinunterfahren, die Straße ist zu eng und zu steil. Ich halte oben an der Straße mit Warnblinklicht und die anderen drei schleppen das Gepäck hinunter. Gunter und ich fahren das Mobil zum Parkplatz, wir holen die Fahrräder raus und radeln zurück zur Fähre. Das ist irgendwie alles aufregend und spannend. Ich freue mich wie ein kleines Kind zu Weihnachten. Die Insel Ouessant bedeutet Wellen, Leuchttürme, Ruhe und Natur.
Mit der Fähre nach Ouessant
Infos zur Anreise nach Ouessant und die Beschreibung, wie du den Langzeitparkplatz findest.
Die Fährfahrt verläuft recht ruhig, obwohl eine steife Brise bläst. Wir sitzen alle draußen und genießen die salzige Meerluft. Zwei Delfine schwimmen für kurze Zeit neben dem Boot her, was begeisterte Ausrufe bei den Passagieren hervorruft.
Im Hafen von Ouessant angekommen, holen wir schnell unsere Taschen aus dem Metall-Container, ich frage kurzerhand bei einem Bustaxi nach, ob noch Plätze frei sind, und dann gehts schon los Richtung Unterkunft. Gunter, Amy und Grindel mit dem Gepäck im Taxi, Noah und ich auf den Fahrrädern.
Übersichtsseite Bretagne 2016

























































































