Beiträge

Mit dem Rad durch Südnorwegen – wie Esra & Josi im Sommer das Fjell erkundeten

Eine 1600 Kilometer lange Rundreise mit Rad und Zelt war letzten August das Beste, was uns trotz Coronapandemie eingefallen ist. Also packten wir spontan die Radtaschen und zogen los, so lange das Reisen möglich war.

Josis Liebe zu Höhenmetern

Es ist August, und obwohl wir in Norwegen sind scheint uns bei 27 °C die Sonne auf die Fahrradhelme, während wir langsam das Gauset-Tal am Fuße des Hardangervidda-Bergplateaus hinter uns lassen. „Ich liebe es, Berge hochzufahren!“ teilt mir Josi mit, sichtlich außer Atem. Alle Indizien der bisherigen drei Tage auf Tour sprechen entschieden gegen diese Aussage, doch sie beharrt darauf. Sie wolle ihre Sichtweise auf Anstiege ändern, und als ersten Schritt hat sie beschlossen, nicht mehr negativ auf steile oder langwierige Bergstraßen zu reagieren. Stattdessen ruft sie ab jetzt jedes Mal, wenn sich ein besonders fieser Abschnitt nach einer Kurve präsentiert „Ah, super!“ oder „Da freu ich mich drauf.“

Josi liebt Höhenmeter.

Was als humorvoller Selbstbetrug startet, entfaltet bald eine unerwartet performative Wirkung. Nach ein paar Tagen kann ich ihr fast glauben, dass sie gerne mit mir Steigungen hochfährt. Es hilft natürlich, dass Berge hochzufahren tatsächlich einige schöne Seiten hat: Wir sehen innerhalb von 20 Kilometern einen Landschaftswechsel von dichten Wäldern zur kargen subpolaren Bergtundra, was sehr spannend zu beobachten ist. Oben angekommen breitet sich die stolze Genugtuung nach getaner Arbeit aus, wenn wir weit ins Tal hinabschauen, aus dem wir kamen. Dann sind da die Aussichten, die wir als hügelscheue Radler nicht genießen könnten. Und natürlich die langen, rasanten Abfahrten, die nochmal ein ganz eigener Spaß für sich sind.

Doch zurück zum Gauset-Tal: wir fahren den Anstieg rauf, weil wir nach unserem Start in Oslo zur Hardangervidda wollen, dem größten Bergplateau Europas. Unsere Route lassen wir spontan entstehen, und diese Routen-Idee kam uns am Tag zuvor. Was wir oben vorfinden werden ist kalkuliert ungewiss – zwar endet die Straße irgendwann im Nirgendwo, doch es soll einige vielversprechende Pfade jenseits der Schotterpisten geben. Der Anstieg ist mit all unserem Gepäck ausgesprochen anstrengend, einmal entscheidet sich Josi sogar für ein zehnminütiges Nickerchen am Straßenrand, um Kräfte zu regenerieren. Damit vorbeikommende Autofahrer die Szene nicht als Notfall interpretieren, stehe ich bereit, um Josi aufzuscheuchen, falls sich Motorengeräusche nähern. Aber hier fährt zum Glück sowieso kaum jemand entlang.

Ein sehr notwendinges Straßenrandnickerchen.

Wir erreichen 1.000 m über dem Meer, hier ist Schluss mit Bäumen und das Sonnenlicht geht mittlerweile auch rapide zur Neige. Woran es nicht im Geringsten mangelt sind Stechmücken – die karge, sumpfige Landschaft brütet diese Biester in raren Mengen aus. So haben wir zwar einen wunderschönen wild liegenden Zeltplatz, können ihn aber nicht genießen, ohne gefressen zu werden. Unser Mückenschutzmittel stemmt sich vergebens gegen die Wolke aus Mücken, uns bleibt nur der taktische Rückzug ins Zelt. Egal, wir sind sowieso todmüde, also essen wir schnell was und gehen früh ins Bett.

Der Platz sah zwar nett aus, war aber mückenverseucht.

Kleine Erzfeinde der Camper.

Kann man sich eigentlich verfahren, wenn der Weg das Ziel ist?

Am nächsten Morgen bringen wir die letzten hundert Höhenmeter hinter uns und genießen das herrliche Wetter in dieser eigentlich unwirtlichen Landschaft. Die mickrige, gekrümmte und vor allem karge Vegetation lässt uns wissen, dass hier normalerweise nicht 27 °C bei blauem Himmel herrschen. Viele Norwegerinnen und Norweger hat es an diesem Augusttag auch aufs Fjell verschlagen, die Menschen wandern, fahren zu ihren Booten auf den Bergseen oder sammeln Moltebeeren.

Schöne Aussichten auf der Hardangervidda.

Wir sind nicht auf der Suche nach Beeren, sondern nach einem Weg, der uns Richtung Westen führt. Geduldig fahren wir die Schotterstraßen ab, finden aber statt weiterführenden Quad-Wegen (die auf einigen Karten eingezeichnet waren, und auf denen wir sicherlich 20 mühselige Kilometer bis zur nächsten befestigten Straße geschafft hätten) nur schlammige Wanderpfade. Hmm. Die andere Option, einen der größeren Seen hier oben per Fährservice auf einem kleinen Boot zu überqueren, scheitert an der Aussage eines Wanderers, dass am anderen Ende des Sees seines Wissens nach auch keine weiteren Wege existieren.

Tja. Das hätten wir wohl besser recherchieren können. Mir macht es nicht so viel aus wie Josi, dass wir eine Sackgasse hochgefahren sind. Da unser Start- und Endpunkt Oslo ist und wir sowieso einfach eine große Rundtour aus Spaß am Radfahren machen, sind ein paar Extrakilometer keine Tragödie. Josi sieht das anders: „Wenn ich schon über tausend Höhenmeter hochfahre, dann soll das gefälligst auch irgendwo hinführen! Du willst mir nicht sagen, dass wir den ganzen Anstieg von gestern jetzt wieder runterfahren können?!“

„Ähm… doch. Tut mir leid, ich dachte…“

„Dann hast du falsch gedacht!“

Viel erfreuter wird Josi nicht, als ich ihr auf der Karte zeige, dass wir einfach das „falsche“ Tal hochgefahren sind, und dass das nächste Tal, fünf Kilometer weiter östlich, auf eine schöne asphaltierte Straße über das Fjell führt. Meine einzige Verteidigung ist: „Du hast doch gesagt, Du liebst jetzt Höhenmeter?“

Im Tal neben dem Gauset-Tal geht es asphaltiert bis oben.

Nachdem ich also gelernt habe, dass Josi die Höhenmeter nur unter der Kondition liebt, dass diese auch irgendwo hinführen, gebe ich mein Bestes, die Route vorsichtiger zu planen. Die Tage auf dem Fjell sind wunderschön, wir haben durchweg das beste Wetter und genießen grandiose Aussichten hinter jeder Kurve. Jeden Tag sammeln wir im Schnitt 1.500 Höhenmeter, weil die Straßen immer wieder vom Plateau herunter und sofort wieder rauf führen, aber wir machen auch viele Pausen und finden sogar zahlreiche Gelegenheiten, in Flüssen oder Bergseen zu baden. Das eiskalte Wasser ist aber nur durch die unnatürlich hohe Umgebungstemperatur irgendwie erträglich.

Dieses Wasser ist wirklich sehr frisch.

Da die Hardangervidda für einen Großteil des Jahres eine lebensfeindliche Schneelandschaft ist, ziehen es die meisten Menschen vor, sie zu besuchen, statt auf ihr zu leben. Private Ferienhütten sehen wir überall, als wären sie mit einem gigantischen Pfefferstreuer entlang der befahrbaren Wege verstreut worden. Dauerhaft bewohnte Siedlungen sind andererseits eine Seltenheit, und nur hie und da in Tälern zu finden. Das Fernstraßennetz ist ebenso geprägt von seiner Umwelt und daher nicht unglaublich komplex – um die Fjordlandschaft im Westen zu erreichen, haben wir genau eine Straße zur Auswahl: Die E7. Doch obwohl wir uns tagelang auf der einzigen Verkehrsader weit und breit bewegen, ist das Radfahren hier entspannt, Autofahrer lassen fast alle beim Überholen reichlich Platz, und manchmal werden wir bei steilen Steigungen angefeuert oder bekommen einen Daumen hoch von den Kollegen auf dem Motorrad.

Die E7. Die Stäbe helfen im Winter dabei, die Straße wiederzufinden.

Unliebsame Mitteilungen

Unsere Freude, dass wir hier so ungestört Radfahren können, wird von einem großen Schild in der kleinen Ortschaft Haugastøl ausgelacht. Zynisch teilt uns das Schild mit, dass in 50 Kilometern mehrere Tunnel kommen werden, die für Radfahrer gesperrt sind, und dass die Radwege um die Tunnel herum wegen Steinschlag gesperrt sind. Alternativen gibt es keine, abgesehen von einem mehrere hundert Kilometer langen Umweg mit groben Schotterpisten und der Option, 200 Kilometer zurück zu fahren, wo wir herkamen. Super! Wir spazieren in das Hotel, welches neben dem unerfreulichen Schild steht, und erkundigen uns an der Rezeption nach der Lage. „Ach, das steht da schon seit ein paar Jahren, ich weiß nicht, ob das jemals behoben wird“, teil uns die Dame mit.

Wir entscheiden uns, die Lage bei einem Kaffee zu reevaluieren. So viel wir die Landkarte auch drehen und wenden, es tauchen einfach keine weiteren Straßen auf ihr auf, und Google Maps beharrt ebenso stoisch darauf, dass wir doch einfach einen kleinen Umweg von vier Tagen nehmen sollen. Da wir aber die Fähre nach Hause bereits gebucht haben und deswegen in zweieinhalb Wochen wieder in Oslo sein müssen, können wir nicht auf gut Glück eine halbe Woche an Umwegen einbauen. Während wir so die Karte studieren und das Schild verfluchen, hören wir das Klicken von zwei sehr teuren Fahrrad-Freiläufen näherkommen. Das Geräusch gehört zu zwei obszön teuren Rennrädern, deren Fahrer aus der „verbotenen“ Richtung kommen und genau wie wir eine Kaffeepause einlegen wollen.

„Könnt ihr uns vielleicht etwas über die Situation mit dem gesperrten Radweg sagen?“ frage ich die beiden, nachdem ich ein Kompliment in Richtung ihrer leichten, eleganten Karbonräder gemacht habe (nach einer Weile auf einem vollbeladenen Reiserad lösen solche Rennräder sehnsüchtige Gefühle in mir aus).

„Ach, das mit den Tunneln ist schon länger so“ kommentiert einer der beiden und bestätigt, was die Rezeptionistin sagte. „Aber ihr habt sicher Licht dabei, oder?“

Er erklärt uns, dass der Radweg tatsächlich einer Schutthalde in einem Steinbruch gleicht, und nur mit gewissen Kletterkünsten und einer Portion Risikofreude passierbar ist. Die eigentlich für Fahrräder gesperrten Tunnel, andererseits, seien zumindest Richtung Westen kein Problem für uns. „In den Tunneln gilt ein Tempolimit von 50 km/h, und nach Westen sind die durchgehend abschüssig, sodass ihr das Tempo locker halten könnt. Nur bergauf würde ich das nicht empfehlen.“ Die beiden sind heute mit ihrem Auto durch die Tunnel hochgefahren, um auf dem Fjell Rad zu fahren, doch sie sind beide auch schon die Abfahrt mit dem Rad gefahren.

Diese Information ist genau das, was wir hören wollten. Das miesepetrige Schild können wir also getrost ignorieren und unsere Reise wie gehabt fortsetzen. Es folgen noch ein paar Dutzend Kilometer durch die teilweise noch mit Schneeteppichen gespickte Berglandschaft, bevor sich vor uns das Måbødal eröffnet. Wie ein großer Riss klafft es in dem Bergplateau und offenbart tiefe Blicke in eine enge Tallandschaft, in der es wieder Bäume, Felder und Blumen gibt. Die nächsten 30 Kilometer versprechen, sehr mühelos zu werden (dieser Aussage möchten unsere Bremsen vehement widersprechen).

Der Vøringsfossen.

Auf zum nähsten Abschnitt der Reise: die Fjordlandschaft.

Auf dem Weg nach unten, der sich mit dem Worten „viel Wind im grinsenden Gesicht“ gut zusammenfassen lässt, kommen wir noch an einer Sehenswürdigkeit vorbei, die in direktem Zusammenhang zu dem steilen Tal steht: der Vøringsfossen . Dieser Wasserfall zeichnet sich durch seine Höhe von über 160 Metern aus, von der er tosend in eine Schlucht fällt. Wir legen hier eine kleine Pause ein und genießen die exquisite Aussicht zusammen mit etwas weniger exquisiten Speisen (Knäckebrot und Dosenfisch), bevor wir uns in die Tunnel wagen. Mit jeweils zwei hellen Rückleuchten am Rad, einer Warnweste auf dem Rücken und mit kalter, klammer und muffiger Tunnelluft in der Nase fahren wir durch die Röhren, die uns am Tag davor so ein Kopfzerbrechen bereitet haben. Wie ein Korkenzieher windet sich einer der Tunnel in die Tiefe, insgesamt weicht der Gradient der Straße nicht signifikant von abschüssigen 8% ab. Wir lassen die Finger von den Bremsen und rauschen ins Tal.

Im Nu sind wir also am Ufer des Eidfjords. Gerade haben wir noch von der Tundra aus ins tiefe Tal geschaut, jetzt stehen wir unten und begutachten die kolossalen, nackten Granitwände, die überall um uns herum in die Höhe ragen. Kaum zu glauben, dass wir gerade erst da oben standen. „Jetzt wird es wahrscheinlich erstmal viel flacher für uns, wir fahren ja nur am Fjordufer entlang“ informiere ich Josi mit einem ahnungslosen, fehlgeleiteten Optimismus.

 

Hol dir Norwegen auf dein Smartphone – unsere kostenlosen Bildschirmhintergründe in den Zeiten von Corona.

Nach den Leuchttürmen der Bretagne und den schottischen Impressionen präsentieren wir als dritten Download der Serie Bilder von Norwegen. Wieder präsentieren wir zehn Motive  aus einem faszinierenden Reiseziel.

Du kannst wie gehabt die 10 Fotos plus ein PDF mit Erklärungen zu den Fotos gezippt runterladen oder jedes Foto einzeln rechtsklicken und  mit Ziel speichern unter… downloaden. Viel Spaß damit.

Du darfst den Blogbeitrag gerne an Deine Freunde weiterleiten aber wir bitten dich darum, Fotos nur Privat zu nutzen!

kostenlose Smartphone-Fotos Norwegen

kostenlose Smartphone-Fotos Norwegen

SmartphoneNorwegen.pdf

Norwegische Landschaften – ZIP Download, 10 Smartphone Hintergrundfotos plus PDF mit Infos

Du magst die Smartphone Hintergrundfotos und möchstest mehr davon? Die Leuchttürme der Bretagne hast du wahrscheinlich schon, und auch die schottischen Landschaften. Wenn du uns unterstützen magst, kannst du unser großes Paket mit 111 Fotos kaufen. Hier entlang:

Lindesness, Norwegen

Lindesness, Norwegen

Puffin, Anda, Norwegen

Puffin, Anda, Norwegen

Moltebeere, Vesterålen, Norwegen

Moltebeere, Vesterålen, Norwegen

Pottwal, Andenes, Norwegen

Pottwal, Andenes, Norwegen

Boot, Stockmarknes, Vesterålen, Norwegen

Boot, Stockmarknes, Vesterålen, Norwegen

Bleik, Vesteralen, Norwegen

Bleik, Vesteralen, Norwegen

Tranøy Fyr, Norwegen

Tranøy Fyr, Norwegen

Hurtigrute im Raftsund, Lofoten, Norwegen

Hurtigrute im Raftsund, Lofoten, Norwegen

Nordlicht in Sandness, Lofoten, Norwegen

Nordlicht in Sandness, Lofoten, Norwegen

Gezeitenbecken, Utakleiv, Lofoten, Norwegen

Gezeitenbecken, Utakleiv, Lofoten, Norwegen

Wir überarbeiten zur Zeit unsere Fotos und Berichte von früheren Reisen. Im Mai 2009 hatten wir die Insel Værøy auf den Lofoten besucht.

Eine dunkle und stürmische Fährfahrt

Schon früh am Tag beginnt es hier auf Moskenøy im Süden der Lofoten zu regnen und zu stürmen. Es schüttet so stark, dass wir im Mobil bleiben. In den kurzen Regenpausen finden wir in Å schöne Fotomotive mit dunklen, tiefhängenden Regenwolken. Å ist diesmal nicht die Ångström-Einheit aus dem Physik-Unterricht, sondern das berühmte Museumsdorf mit dem ultrakurzen Namen an der Südspitze der Lofoten. Hier endet auch die Europastraße 10. Jetzt im Frühjahr liegt ein ständiger Duft nach getrocknetem Kabeljau  in der Luft.

Das Fischerdorf mit dem kurzen Namen, Å in Norwegen

Das Fischerdorf mit dem kurzen Namen, Å in Norwegen

Küste bei Å, Norwegen

Küste bei Å, Norwegen

Regenwolken auf der Fährfahrt

Regenwolken auf der Fährfahrt

Gegen Abend stellen wir uns im heftig strömenden Regen am Fährableger an. Und diesmal, zum ersten Mal überhaupt, müssen wir rückwärts auf die Fähre fahren. Ich sehe natürlich im strömenden Regen gar nichts in den Rückspiegeln. Die Fähre ist vollbesetzt und wir müssen die letzten Millimeter ausnutzen. Das bedeutet ohne Sicht exakt einzuparken. Und die Rampe ist noch steil dazu. Uff, das ist wirklich kein Spaß.

Kleiner Hafenleuchtturm auf Vaeroy

Kleiner Hafenleuchtturm auf Vaeroy, Norwegen

Die Fahrt ist auch nicht angenehm, wir schaukeln gewaltig hin und her, und uns wird es ziemlich mulmig. Hier in der Meerenge zwischen Moskenøy und Værøy werkelt der berühmt/berüchtige Moskenstraumen, der gewaltigste Malstrom der Welt. Heftigste Gezeitenströme erzeugen massive Verwirbelungen, die auch unserer dicken Fähre ziemlich zusetzen. Es ist kalt und windig, trotzdem verbringe ich die meiste Zeit fotografierend auf dem Oberdeck. Die Wolken ziehen sehr dramatisch über uns hinweg. Die Wellen klatschen und spritzen bis aufs Deck. Meine Kamera ist hinterher ziemlich klamm vom vielen Salz.

Zu Gast bei Aina und Bjoernar

Wir besuchen eine Familie mit drei Kindern, die wir vorher über das SERVAS-Netzwerk kontaktiert haben. Bei Aina und Bjoernar werden wir herzlich aufgenommen und fühlen uns sofort wohl. Aina kreiert originelle Kleidung und Accessoires, und alles, was für den Haushalt praktisch ist. Hier ist ihre Webpage: http://kaosheimen.blogspot.com/

Wir parken am Schuppen von Aina und Bjoernar, Vaeroy, Norwegen

Wir parken am Schuppen von Aina und Bjoernar, Vaeroy, Norwegen

Bei uns würden wir Ainas Kreationen als trendige Kindermode bezeichnen, die Stücke sind wirklich sehr gelungen. Allerdings entwirft Aina nicht nur Kleidung für die jüngeren unter uns, auch für Erwachsene gibt es Einiges zu entdecken. Sie hat auch ausgefallene Damenmode in ihrem Sortiment. Handschuhe, Kleider, Westen, Schals und Mützen. Mal sind sie einfarbig, mal gemustert und zumeist mit aufwändigen Verzierungen versehen, welche die eigentlich „normale“ und bequeme Kleidung noch wertiger macht. Bei Ainas Produkten steht Geld verdienen nicht an erster Stelle, auf einer solch abelegenen Insel, wie Værøy ist es sehr praktisch, derartige Gebrauchsgegenstände und Kleidung selbst herstellen zu können. Hier gibt es schließlich nicht viele Möglichkeiten, einzukaufen.

Kirche von Sørland, Vaeroy, Norwegen

Kirche von Sørland, Vaeroy, Norwegen

Panoramen fast wie aus dem Flugzeug

Am nächsten Morgen haben wir die Gelegenheit, mit Bjoernar den Berg hochzufahren, das ist eine fantastische Gelegenheit, denn bei diesem unbeständigen Wetter hätten wir mit unseren drei Kindern nicht ohne weiteres zu Fuß auf den Weg gemacht. Amy und Noah haben trotzdem keine Lust, mit auf den Berg zu fahren und bleiben bei Aina. Ihnen ist es draußen zu kalt und sie geniessen es, wieder einmal in einem geräumigen warmen Haus zu sein.

Blick über Vaeroy, Norwegen

Blick über Vaeroy, Norwegen

Das Mastadfjellet im Südwesten von Vaeroy, Norwegen

Das Mastadfjellet im Südwesten von Vaeroy, Norwegen

Oben auf dem Berg laufen wir über die grasigen Matten und haben eine herrliche Panoramasicht auf Værøy. Wir haben auch Glück mit dem Wetter und werden nur einmal kurz nass. Von hier oben können wir das schlechte Wetter schon von weitem sehen. Unsere Fotografenseele würde die Regenwolken kaum als schlecht bezeichnen, denn sie sind dramatische,sich dauernd ändernde Motive.

Hauskaninchen und die einsame Nordküste

Am nächsten Tag regnet es wieder fast ununterbrochen. Wir sind zwar ins Freie gegangen und etwas gewandert, werden aber in kurzer Zeit klatschnass. Gegen Abend lässt der Regen nach und wir fahren zur Nordküste. Dort zeigen wir Bjoernar, wie man Langzeitaufnahmen tätigt.

Die Kinder haben derweil Spaß mit den Kaninchen der Gastfamilie. Amy und Noah sind ständig draußen zum Füttern. Von einem Ausflug an die Küste, wir wollen Krebse und anderes Wassergetier suchen, kommen wir mit einem Eimer Löwenzahn zurück.

Im Norden von Vaeroy, Norwegen

Im Norden von Vaeroy, Norwegen

Kurz vor der Abfahrt der Fähre fahren Esra und ich mit dem Fahrrad noch eine Runde durch den Ort. Am Tag zuvor haben die Tour zu Fuß wegen des zu starken Regens abbrechen müssen. So bekomme ich nochmal einen schönen Eindruck von der Insel. Die Fähren fahren nicht täglich, da haben wir beschlossen, nach nur zwei Tagen wieder abzureisen. Ansonsten hätten wir noch einige Tage länger bleiben müssen. Ohne Campingplatz und Stromanschluss ist es uns dafür viel zu kalt. Der Mai fühlt sich hier im Norden noch an, wie Winter.

Fischerhütte mit Stockfisch, Vaeroy, Norwegen

Fischerhütte mit Stockfisch, Vaeroy, Norwegen

Kirche von Sørland, Vaeroy, Norwegen

Kirche von Sørland, Vaeroy, Norwegen

Eine schrecklich musikalische Fährfahrt

Wieder müssen wir rückwärts auf die Fähre auffahren. Wir sind beinahe die Letzten, die noch draufkommen, denn wieder ist die Fähree vollbesetzt. Auf der Rückfahrt nach Å läuft auf den Monitoren des Passagierdecks der Eurovision Song Contest, das ist fast schlimmer wie Seekrankheit. Wir lernen auf dieser Fahrt zwei Mädels aus Frankreich und der Türkei kennen. Die beiden fahren wir dann noch mitten in der Nacht nach Å zur Jugendherberge. So spät fuhr kein Bus mehr, und ein Taxi hätte für die paar Kilometer 50 Euro gekostet. In Moskenes stellen wir uns auf einen noch geschlossenen Campingplatz. Strom fürs Heizen ist aber vorhanden. Die Küche und anderen Einrichtungen sind aber abgesperrt. Wir werfen 100 NOK in den Briefkasten, in der Hoffnung, das ist so in Ordnung.

Wissenswertes über Værøy

Værøy ist eine kleine Insel in Nord-Norwegen, und hat in etwa die Form eines Tyrannosaurus rex, mit einem gebirgigen Ausläufer als Kopf. Zwischen Værøy und der südlichen Spitze der Lofoten liegt der Moskenesstraumen, einer der stärksten Gezeitenströme der Welt. Nach ihm ist der Maelstrom benannt, ein gigantischer schiffeverschlingender Strudel.
Værøy und die Inseln der Kommune Røst sind Brutgebiete vieler Seevögel, darunter auch Papageitaucher.
Nach Værøy kommt man mehrmals wöchentlich mit der Fähre von Bodo oder Moskenes.

Blick über Vaeroy, Norwegen

Blick über Vaeroy, Norwegen

Papageitaucher und Lundehunde

Von Værøy stammt auch der norwegische Lundehund, eine speziell für die Jagd auf Papageitaucher gezüchtete Hunderasse. Lundehunde haben ein paar anatomische Besonderheiten, die sie zur Jagd in den Bruthöhlen der Papageitaucher befähigen. So können die Lundehunde ihre Schultergelenke auskugeln und ihren Kopf komplett zurück in den Nacken legen. Weil die Bewohner von Værøy und Røst auf andere Methoden der Vogeljagd umstiegen, war kein Bedarf mehr für diese scheuen und sensiblen Jagdhunde mehr vorhanden, und fast wären sie ausgestorben. Es ist nur ein paar enthusiastischen Hundeliebhabern zu verdanken, dass es diese Rasse noch gibt.

Papageitaucher, Vesterålen, Norwegen

Papageitaucher, Vesterålen, Norwegen

Lundehund

Lundehund, diese Rasse hat an jeder Pfote sechs Zehen

Seeadler, Lofoten, Norwegen

Seeadler, Lofoten, Norwegen

Adlerfang per Hand, eine außergewöhnliche Methode

von Esra Merlin Reichert.

Als sich die ersten Menschen auf Værøy ansiedelten, waren Schafe eine wichtige Existenzgrundlage. Gut zu wissen ist es auch, dass ein Adler gerne mal ein saftiges Lamm verputzt. Blöd nur, dass so ein Lamm, wenn es lange genug lebt, zu einem stattlichen Schaf heranwächst. Und die sind nun mal eine wichtige Lebensgrundlage der Bauern auf Værøy. Daher war es dort viele Jahrhunderte Sitte, Adler mit hinterhältigen Fallen in großer Zahl zu fangen.

Bjoernar zeigt uns den Einstieg ins Fanghaus, Vaeroy, Norwegen

Bjoernar zeigt uns den Einstieg ins Fanghaus, Vaeroy, Norwegen

Esra im Adlerfanghaus, Vaeroy, Norwegen

Esra im Adlerfanghaus, Vaeroy, Norwegen

Man grub dazu ein Loch in den Steinboden, in dem ein Mensch viele Stunden mehr oder weniger bequem sitzen konnte, und deckte den Eingang mit ein oder zwei großen Steinplatten ab, damit alles wie vorher aussah. Allerdings liess man zur Seite hin ein Loch offen, so groß nur, dass der Arm eines erbarmungslosen Bauern den Adler an den Füßen packen und in das sogenannte Adlerfanghaus ziehen konnte, um ihm den Hals umzudrehen. Dummerweise können Adler bis drei zählen, weshalb man zum Bestücken der Falle mit vier Leuten den Berg hoch und mit dreien wieder runterlaufen musste, damit der Adler keinen Verdacht schöpft und den ausgelegten Köder einfach liegen lässt (die sind ja nicht blöd, die Adler). Aber wenn der Adler im Glauben ist, es seien nur drei Menschen den Berg hoch und wieder runtergelaufen, dann ist demnach auch keiner mehr oben. Das denkt der Adler. Also stürzt er sich, angelockt vom Geschrei der Krähen, auf das leckere Fleisch, welches der Adlerfänger an einer Schnur befestigt hat, die er an einem Ende festhält. Sobald der Adler die Krähen verjagt hat, beginnt er, auf das Fleisch einzuhacken. Dann zieht der Bauer das Fleisch langsam in seine Richtung. Der Adler hackt dann nur noch stärker auf das Fleisch ein, im Glauben, es sei noch am Leben. Sobald die Adlerfüße in Reichweite des Bauernarms sind, werden sie vom Letzteren gepackt und der Adler wird in das Loch gezogen, wo man ihm den Garaus macht. Das Adlermorden wurde mit der Zeit zu einem beliebten Sport für Jung und Alt, doch um 1960 wurde es dann verboten. Seitdem erholen sich die Adlerbestände wieder etwas und heute kreisen die majestätischen Vögel ungefährdet über den leckeren Lämmern.

Da greift die Hand nach dem Adler

Da greift die Hand nach dem Adler

Das Adlerfanghaus ist perfekt getarnt, Vaeroy, Norwegen

Das Adlerfanghaus ist perfekt getarnt, Vaeroy, Norwegen

Nordlicht-Sichtungen an ungewöhnlichen Orten

 

Du möchtest einmal in deinem Leben Nordlichter mit eigenen Augen sehen? Vielleicht befasst du dich ja schon mit der Planung einer Nordlichtreise.

Du könntest auch Glück haben und das Nordlicht kommt sogar zu dir nach Hause.

Wir beobachten bereits seit Jahren aufmerksam die Meldungen über die Sonnenfleckenaktivitäten und die davon abhängigen Nordlicht-Erscheinungen.

Im Jahr 2005 beobachtete und fotografierte ich das Nordlicht zum ersten Mal in Norwegen. Damals besuchte ich die Vesteralen, um Orcas im Tysfjord zu fotografieren.

Seitdem fuhren wir mehrfach in den hohen Norden, um das außergewöhnlich beeindruckende Schauspiel zu erleben. Mit unseren drei Kindern verbrachten wir sogar einen ganzen Winter in Skandinaviens Norden. Das ist übrigens die schönste Art Nordlichter zu beobachten – gemeinsam mit der Familie.

 

Immer gut informiert sein mit einer Nordlichtvorhersage

Ich schaue zwar nicht jeden Tag auf die Nordlichtvorhersagen im Internet, kriege aber immer mit, wenn die Nordlichtaktivität stark ansteigt. Auf Facebook bin ich Mitglied in mehreren Nordlichtgruppen. Das ist praktisch, weil ich so immer auf dem Laufenden bleibe, auch wenn wir gerade nicht im Norden unterwegs sind. Die Mitgliedschaft in den Nordlicht-Foren bescherte mir bereits zweimal außergewöhnliche Nordlichtmöglichkeiten, ohne dass ich den weiten Weg nach Nord-Skandinavien auf mich nehmen musste.

 

Nordlicht auf der Belle Ile in der Bretagne

Unsere bisher südlichste Nordlichterfahrung erlebten wir im März 2015 auf der Belle Ile en Mer in der Bretagne. Während unseres Inselaufenthaltes erreichte mich die Meldung, dass ein KP Wert von 8 angekündigt war. KP 9 ist der höchste Wert, der erreicht werden kann. Bei KP 8 kann sich das Nordlicht bis zum 50. Breitengrad ausdehnen, also bis zum Rhein-Main-Gebiet.

Die Belle Ile liegt zwischen dem 47. und 48. Breitengrad. Wir hatten also eine reale Chance, dort Nordlicht zu beobachten, wenn auch nur dicht über den nördlichen Horizont.

Es ist natürlich wichtig, auf Fotos nicht nur Meer, Nordlicht und die Sterne zu sehen, denn das Foto könnte ja überall aufgenommen worden sein. Eine Sehenswürdigkeit oder ein Wahrzeichen sollte schon im Bild zu sehen sein.

Wir wählten den Grand Phare, den größten Leuchtturm auf der Belle Ile dafür aus. Als wir am Grand Phare ankamen, war es tiefschwarze Nacht, nur die Sterne funkelten am wolkenlosen Firmament.

Wir schossen uns fotografisch auf den Leuchtturm ein, die Abstimmung der Belichtung in tiefschwarzer Nacht mit einem grellen Leuchtturmlicht ist kein Kinderspiel. Nach einer Weile zeigte sich ein schwaches, rotes, diffuses Leuchten am Horizont. Nicht wirklich spektakulär, aber wir waren sofort aus dem Häuschen. Nordlicht in der Bretagne! Die Lichterscheinung hielt leider nur kurz an, dann war der Himmel wieder tiefschwarz.

Phare de Goulphar, Belle Ile, Bretagne

Phare de Goulphar, Belle Ile, Bretagne. Der schwache rote Widerschein einer starken Polarlichteruption weiter im Norden ist noch in der Süd-Bretagne zu sehen.

Phare de Goulphar, Belle Ile, Bretagne

Phare de Goulphar, Belle Ile, Bretagne. Eine halbe Stunde vor dem roten Himmelsleuchten war davon noch nichts zu sehen. Also war das auch kein Widerschein einer Stadtbeleuchtung.

Die Belle Ile mit zahlreichen Blogbeiträgen – auch mit Interview des Leuchtturmwärters

Als Zugabe leuchtet das Meer in der Nacht

Aber wir gaben nicht so schnell auf. Wir eilten zur Nordseite der Insel und schauten am Grand Sable, dem großen weiten Sandstrand, übers Meer Richtung Norden. Wir hörten die Wellen rauschen, sahen aber nichts. Aber irgendwie spiegelten sich die funkelnden Sterne seltsam im Wasser

Das waren keine Reflektionen, das war die Biolumineszenz im Meer. Unzählige winzige Algen leuchteten dicht unter der Wasseroberfläche, als wären es pflanzliche Glühwürmchen. Wir versuchten, dieses Phänomen fotografisch festzuhalten, es gelang uns jedoch nicht. Schade. Aber, es einmal gesehen zu haben war genial.

So hatten wir an einem einzigen Abend zwei völlig unterschiedliche Naturphänomene erlebt, Nordlicht und leuchtendes Meer. Frierend aber euphorisiert fuhren wir zurück in die Ferienwohnung und gönnten uns etwas Warmes zu trinken. Den Rest der Reise suchten wir nachts an der Küste nach Spuren von Biolumineszenz, fanden sie aber nicht mehr.

Dem zweiten, weit im Süden sichtbaren Nordlicht begegneten wir im März 2016 auf Sylt

Endlich schafften wir es auch, in Deutschland das Nordlicht zu fotografieren. Zwar nicht zuhause, aber während unseres Aufenthaltes auf Sylt. Übrigens ist der Ellenbogen auf Sylt der nördlichtste Landzipfel Deutschlands.

Auch hier suchten wir uns als Vordergrundmotiv den Leuchtturm  List West als Landmarke. Logischerweise ist es schwieriger, das Nordlicht mit dem starken Licht des Leuchtturms zu fotografieren. Das gleiche Problem wie auf der Belle Ile. Ich denke aber, die Mühe, diese beiden Lichterscheinungen auf einem Foto zu vereinen hat sich gelohnt.

Den ausführlichen Blogbericht mit weiteren Fotos dazu findest du hier.

Nordlicht am Leuchtturm List West, Sylt, Deutschland

Nordlicht am Leuchtturm List West, Sylt. Grünes Nordlicht ist im Süden wesentlich seltener, weil es viel näher über der Erdoberfläche angesiedelt ist

Nordlicht am Leuchtturm List West, Sylt, Deutschland

Nordlicht am Leuchtturm List West, Sylt. Das ist der typische weiter im Süden zu beobachtende lila-rote Schimmer

Die Insel Sylt mit Dackel hier im Blog

[yellow_box]

Fotografisches und optisch sichtbares Nordlicht

Ist Nordlicht in unseren Breitengraden zu sehen, ist es in der Regel sehr schwach, nicht mehr als ein schwacher Schimmer. Der Kamerasensor reagiert wesentlich empfindlicher auf diese Lichterscheinung als unser Auge und stellt es viel intensiver dar. Deswegen hat sich unter Nordlicht-Fans der Begriff „fotografisches Nordlicht“ etabliert.

In den Polargebieten gibt es ebenfalls fotografisches Nordlicht. Das ist aber fast immer der Vorbote von richtigen Nordlicht-Ausbrüchen.

So können wir unsere Digitalkameras quasi als Himmels-Scanner benutzen, um beginnende Nordlicht-Aktivitäten auszumachen. Wenn es dann richtig abgeht, sind wir bereit und haben unseren Aufnahme-Standort schon bezogen.

Kann man den Fotos von Nordlicht ansehen, ob es fotografisches oder mit dem Auge gut sichtbares Nordlicht gewesen ist?

Wir denken, schon. Das schwache fotografische Nordlicht ist diffus und konturlos, eigentlich nur eine leuchtende, meist grünliche Wolke.
Wird es dann stärker, zeigt es immer mehr seine Formen, Strahlen und Bewegungen. Die Bilder von wabernden grünen Vorhängen und strahlenförmigen Koronen sind auch in Wirklichkeit so eindrucksvoll und mitreißend.

[/yellow_box]

Wo haben wir sonst noch Nordlicht beobachtet?

In den letzten Jahren durften wir aber auch in Schweden schon Nordlichter beobachten. Etwa 80 Kilometer südwestlich von Stockholm auf der Farm unserer Freunde sahen wir richtig kräftiges Nordlicht, und im gleichen Winter überraschte uns in Schwedisch Lappland bei Minus 40° C ein wahnsinnig starker Ausbruch auf der Rückreise nach Deutschland.

Kräftiges Nordlicht, wie hier ein Bogen in Schwedisch Lappland hat meist deutliche sichtbare Struktur

Kräftiges Nordlicht, wie hier ein Bogen in Schwedisch Lappland hat meist deutliche sichtbare Struktur

Askö, Stockholm, Schweden

Askö, Stockholm, Schweden. Schwaches Nordlicht hinter den Wolken. Die orangenen Lichter links und rechts sind Reflektionen von Dorfbeleuchtungen.

Im August 2014 sahen wir Nordlicht an zwei Abenden auf den finnischen Aland-Inseln

Rotes Nordlicht, Aland

Rotes Nordlicht, Aland. Dies ist ein weit entferntes starkes Nordlicht. Das lila Leuchten oben tritt nur bei sehr starken magnetosphärischen Störungen auf.

Schwaches Nordlicht, Aland, Finnland

Nordlicht auf Åland, Finnland. Es war relativ schwach, aber auch mit den Augen gut erkennbar da es sich leicht bewegte und deswegen eine sichtbare Struktur aufweist.

Ausführlicher Reisebericht zu den finnischen Aland Inseln

Im April 2013 erlebten wir auf den schottischen Shetland Inseln ein besonderes, grünes Nordlicht am nördlichen Horizont über der Nordsee

Eshaness Leuchtturm, Shetland

Eshaness Leuchtturm, Shetland. Das Nordlicht war hier schon in der Abklingphase.

Nordlicht in Eshaness, Shetland

Nordlicht in Eshaness, Shetland. Auf dem Höhepunkt war das grüne Band gut zu sehen. Die Klippen wurden vom Leuchtturm illuminiert.

Ganz besonders war für uns die Location. Wir wohnten für eine Woche im Eshaness Leuchtturm, der hoch über den Klippen steht. Die Region ist sehr einsam, es gibt keine Lichtverschmutzung, sieht man einmal vom grellen Lichtstrahl des Leuchtturms ab. Es war für uns genial, direkt in einer solchen Kulisse zu wohnen. Wir mussten einfach nur die Tür öffnen und rausgehen und schon standen wir auf den unglaublich gewaltigen Klippen über dem tosenden Meer. Leider verpassten wir rotes Nordlicht an diesem Abend, weil wir kurz drinnen waren um uns aufzuwärmen. Ich sah das grandiose sehr farbkräftige und strukturierte Licht durch das Fenster der Ferienwohnung. Der Kamera, die draußen aufgestellt war, um Zeitrafferaufnahmen zu schießen, war die Batterie ausgegangen. Schade!

Sheltand Live Reisebericht

Nordlichter auf den Lofoten, Norwegen

Eine Corona, Lofoten

Eine Corona, Lofoten. Coronen sind die kräftigsten und am schnellsten beweglichen Nordlichter, meist direkt über dem Beobachter.

Rotes Nordlicht, Lofoten

Rotes Nordlicht, Lofoten. Rotes Licht entsteht in etwa 400 km Höhe, grünes Licht in etwa 200 km.

Starkes Nordlicht auf den Lofoten

Starkes Nordlicht auf den Lofoten. Solch ein starker Ausbruch ist in dieser Intensität nur in den Polarregionen zu beobachten.

Live Reisebericht Lofoten im Winter

Nördlich des Polarkreises, auf den Lofoten und Vesteralen ist es natürlich möglich auch bei geringer Nordlichtaktivität Nordlichter aufzunehmen. Bei hohen KP Werten wird es aber besonders spannend, weil dann die Nordlichter auch über den Köpfen der Beobachter tanzen. Das nennt sich dann eine Nordlicht Corona. Oft kommt es zu sehr schnell bewegten, sehr farbigen teilweise grell grünen Nordlichtern. Die Nordlichtbeobachtung im Norden ist spannender als die im Süden. Trotzdem freuten wir uns über jedes Nordlicht, welches wir fotografieren konnten. Im Süden wesentlich weniger spektakulär aber umso seltener.

Unser Tipp – sei immer bereit, Nordlichter zu sehen!

Also, als Tipp für dich: Nordlicht kann jederzeit und überall in Nordeuropa vorkommen. Und kann sogar, wenn auch äußerst selten, relativ weit im Süden zu sehen sein.

Als Empfehlung für deine anstehende Nordlichtreise: Wir haben ein informatives Buch über alles, was die Reise zum Nordlicht betrifft, geschrieben. Über das Erleben, über praktische Dinge und natürlich ausführlich über das Fotografieren dieser Himmelserscheinung.

Dein Weg zum Nordlichtbuch, Gabi & Gunter Reichert

Dein Weg zum Nordlichtbuch, Gabi & Gunter Reichert

„Dein Weg zum Nordlichtfoto“ von Gabi & Gunter Reichert – auf 164 Seiten geballte Information zum Thema! Jetzt als EBook für 9,98 Euro in unserem Buchladen! Als  gebundenes Buch für 24,80 Euro. 

 

„Worauf haben wir uns nur eingelassen?“ fragen sich meine Freundin und ich beim Anblick des Weges vor uns. Der Asphalt ist zu Ende. Auf grobem Schotter geht es bei 18% Steigung und etlichen Serpentinen den Hang rauf. Die Reaktionen der entgegenkommenden Radfahrer weiter unten im Tal hätten eine Vorwarnung sein können: Einer rief uns laut „Respect!“ zu, als er an uns vorbeifuhr, andere gaben uns Daumen hoch oder schauten beeindruckt. Sie dachten bestimmt, wir wissen, was auf uns zukommt. Da haben sie falsch gedacht. Alles, was wir über den Rallarvegen wissen, ist, dass er uns Richtung Osten bringt (da wollen wir hin) und dass er vor einer Ewigkeit neben einer Eisenbahnstrecke angelegt wurde, damit die Eisenbahnarbeiter zu den Gleisen gelangen konnten. Die Sache mit dem groben Schotter und dem sehr einseitigen Höhenprofil der Strecke lernen wir gerade dazu.

„Ist es okay, wenn ich hier schiebe?“ fragt Josi. Sie ist manchmal besorgt, dass Schieben ein Zeichen von Schwäche ist, und fährt in der Regel jede noch so steile Straße mit mir hoch. „Ich glaube, das können wir gar nicht fahren“ antworte ich, und steige auch vom meinem voll beladenen Reise-Rad ab. Wir mühen uns ab, die 30 kg schweren Räder über den losen Schotter diese Straße hoch zu hieven. Unsere Räder sind einfach nicht für solche Strecken gemacht, wir haben schmale Straßenreifen auf den Felgen.

Uff! 17 solcher Kurven führen hier den Hang rauf.

Uff! 17 solcher Kurven führen hier den Hang rauf.

Erschöpft, aber glücklich.

Erschöpft, aber glücklich.

Von oben betrachtet lässt uns die Straße staunen: da haben wir es hoch geschafft.

Von oben betrachtet lässt uns die Straße staunen: da haben wir es hoch geschafft.

Das Dilemma mit dem Proviant

Nach zwei Stunden Knochenarbeit haben wir das Schlimmste hinter uns, der Weg wird ebener und wir steigen wieder auf unsere Räder. Noch 60 Kilometer liegen vor uns, es wird bald dunkel, und wir haben nicht mehr viel zu Essen dabei – die Plackerei hat unseren Appetit in die Höhe getrieben und den Proviant dezimiert. Zumindest um einen Schlafplatz machen wir uns keine Sorgen, denn in Norwegen darf man wildcampen. Nur: Wenn der Rallarvegen weiterhin so schwer befahrbar ist, brauchen wir den gesamten nächsten Tag dafür. Wir haben nur noch ein paar Bananen, eine Packung Kekse, etwas Müsli und Schokolade dabei – ohne zusätzlichen Proviant wird es eng. Was machen wir jetzt? Zurückzufahren kommt nicht in Frage. Nachdem wir so viel Mühe investiert haben, um die bisherigen 1.000 Höhenmeter zu sammeln, fahren wir sie sicher nicht einfach wieder runter. Eine zweite Option wäre die Bahn. Zwar führt nach Myrdal, eine Siedlung mit zehn Häusern, keine Straße, aber es gibt einen Bahnhof. Wir könnten also den Rallarvegen einfach überspringen.

Wir fragen einen entgegenkommenden Radfahrer, wie denn der Weg beschaffen war, den er die letzten 60 Kilometer gefahren ist. „Ganz schlimm“, meint er, „Mit euren Reifen wird das nichts. Nehmt lieber den Zug.“ Ich will diesen Gedanken zögerlich zur Debatte stellen und ernte prompt einen empörten Blick von Josi. Wir warten also kurz ab, um die nächsten Entgegenkommenden zu fragen. Zwei Meinungen sind besser als eine. Es kommt ein Paar mittleren Alters um die Kurve. „Ach was, das geht schon. Ihr seid noch jung,“ lautet deren Meinung. „Der Weg ist sehr anstrengend, aber er lohnt sich!“ Wir entscheiden uns, der optimistischen Einschätzung mehr Vertrauen zu schenken. Es wird schon schief gehen!

Mein Rad muss viel mitmachen.

Mein Rad muss viel mitmachen.

Endlich oben angekommen.

Endlich oben angekommen.

Der Weg ist beschwerlich.

Der Weg ist beschwerlich.

Neben dem Rallarvegen rauscht ein Gebirgsfluss.

Neben dem Rallarvegen rauscht ein Gebirgsfluss.

Die Aussichten hier oben sind nicht schlecht.

Die Aussichten hier oben sind nicht schlecht.

Über das ungeplante Reisen

Wenn wir gewusst hätten, was uns hier erwartet, hätten wir uns diesen Weg nicht zugetraut. Jetzt merken wir, dass es doch geht – und sind sehr froh darüber, dass wir zufällig hier her geraten sind. So müssen wir unsere Komfortzone verlassen und werden dafür reich belohnt. Die ganze Reise gleicht einer Kette von spontanen Entscheidungen. Wir haben ein paar Orte im Kopf, die wir gerne besuchen wollen, doch der Weg dazwischen wird kurzfristig erkundet. Schließlich bietet uns das Reisen per Fahrrad die perfekten Voraussetzungen für diesen Reisestil, und das wollen wir ausnutzen. Mit dem Zelt auf dem Gepäckträger ist die Freiheit einer Radreise perfekt.

Als wir auf den Rallarvegen treffen, sind wir schon seit einer Woche in Norwegen unterwegs, und während dieser Woche kamen wir schon einige Male aus dem Staunen nicht mehr heraus. Doch die Landschaft hier oben stellt alles Vorherige in den Schatten. Wir befinden uns über der Baumgrenze, kantige Berghänge sind mit Restschnee aus dem Winter gespickt und kristallklare Bergseen säumen den Schotterweg. Bei der Kulisse macht es uns nichts aus, dass der Weg fordernd und hin und wieder auch frustrierend ist.

Da es bald dunkel wird, halten wir Ausschau nach einem netten Plätzchen für unser Zelt. Es nieselt und ist nicht gerade warm hier auf dem Hardangervidda Plateaufjell. Viele der Flächen neben der Straße sind sumpfig und feucht, es dauert eine Weile, bis wir das Zelt auf einem relativ guten Stück Boden ausrollen können. Da wir seit knapp einer Woche nicht mehr geduscht haben, steigen wir auch noch kurz in den See direkt vor unserem Zelt, aber lange halten wir das eiskalte Wasser nicht aus. Zum Glück sind die Daunenschlafsäcke schön warm.

Nach einigem Suchen finden wir einen Zeltplatz direkt an einem See.

Nach einigem Suchen finden wir einen Zeltplatz direkt an einem See.

Ein prachtvoller Tag auf dem Fjell

Am nächsten Morgen scheint zum ersten Mal die Sonne an einem gänzlich blauen Himmel. Die nächtliche Kälte liegt zwar noch im Tal, aber ein prächtiger Tag kündigt sich an. Zum Glück! Die Schotterpiste wäre ein Alptraum in Regenwetter, daher ist der erste trockene Tag ein Segen. Wir fahren bald nach Sonnenaufgang los, damit wir den Rest des Weges noch am selben Tag hinter uns bringen können. Für einen weiteren Tag reicht der Proviant nicht mehr. Etliche Radfahrer kommen uns an diesem Tag entgegen, beinahe alle auf den Leihrädern, die sie sich am anderen Ende des Weges gemietet haben, nachdem sie mit dem Zug auf das Plateau gefahren waren.

Wir schaffen die Strecke gut, müssen nur in Ausnahmefällen schieben. Irgendwann erreichen wir den Höchsten Punk des Weges, bei 1.343 Metern über Normalnull. Um dort hinzukommen, sind wir allerdings knapp 2.000 Höhenmeter hochgefahren, es geht ja nicht stetig rauf, sondern auch manchmal wieder runter. Wir sind mächtig stolz auf uns, posieren vor dem Schild, genießen die Aussicht. Hinter der nächsten Kurve lauert sogar noch eine Überraschung: hier oben steht mitten im Niemandsland, zwischen Bergseen und kargen, felsübersähten Berghängen, ein kleines Café.  So doof ist das gar nicht, denn der stete Strom von Radfahrern sorgt für Kunden, die beinahe garantiert Hunger haben. Nur: Die Frau hinter der Theke kann keine Kartenzahlungen annehmen. Das ist in Norwegen ein Problem, denn Bargeld ist hier beinahe ausgestorben. Wenn es eine rote Liste für gesellschaftliche Praktiken gäbe, dann würde bei den besonders bedrohten Arten das norwegische Bargeld stehen. Wir haben bisher immer die Kreditkarte genutzt (und sollten auch bis zum Ende damit an jeder Pommesbude Erfolg haben). Bis auf einen 20€ Schein haben wir nichts, doch nachdem wir ein bisschen um den Wert desselben gefeilscht haben akzeptiert sie ihn für eine üppige Bestellung mit Heißgetränken, Waffeln, und Kuchen. Ein Traum an diesem Tag.

Am nächsten Tag herrscht gutes Wetter.

Am nächsten Tag herrscht gutes Wetter.

Langsam aber stetig kommen wir vorwärts.

Langsam aber stetig kommen wir vorwärts.

Tatsächlich leben in dieser Steinwüste auch Menschen.

Tatsächlich leben in dieser Steinwüste auch Menschen.

Hier in Norwegen gibt es schon ab 1.000 Metern keine Bäume mehr.

Hier in Norwegen gibt es schon ab 1.000 Metern keine Bäume mehr.

Das Wasser in den Bergseen ist sehr klar.

Das Wasser in den Bergseen ist sehr klar.

Hier musste ich einfach ein Panorama machen.

Hier musste ich einfach ein Panorama machen.

Kamera auf Stein gelegt; Zehn Sekunden Selbstauslöser; rennen und auf's Rad springen.

Kamera auf Stein gelegt; Zehn Sekunden Selbstauslöser; rennen und auf’s Rad springen.

Kaum zu glauben, aber das beste Wetter der Reise hatten wir am höchsten Punkt - wo von September bis Mai Schnee liegt.

Kaum zu glauben, aber das beste Wetter der Reise hatten wir am höchsten Punkt – wo von September bis Mai Schnee liegt.

Hier war der Weg weniger perfekt.

Hier war der Weg weniger perfekt.

Pfützen sind gute Fotorequisiten.

Pfützen sind gute Fotorequisiten.

Über das Radeln auf der E7 und Rabauken am Steuer

Irgendwann gegen Abend entlässt uns der Rallarvegen bei 1.000 Meter über dem Meeresspiegel wieder auf eine wundervoll asphaltierte Fernstraße, die E7. Das gefällt uns viel besser, als diese Höhenmeter auf grobem Schotter runter zu fahren. Wir rollen also mit hohem Tempo in die nächste Siedlung und decken uns dort als erstes wieder mit Proviant ein. Nach einer Nacht auf einer kleinen abgelegenen Wiese geht es dann auf der E7 weiter in Richtung Oslo. Die Straße ist tatsächlich als Fahrradroute ausgewiesen, und die Auto- und Lastwagenfahrer sind sehr rücksichtsvoll und angenehm. Erst nach etwa 50 Kilometern ergibt sich ein Problem: Parallel zur E7 führt für wenige Kilometer eine Seitenstraße, auf die uns ein kleines Schild für Radfahrer verweist. Gleichzeitig deklariert ein gut sichtbares Verbotsschild, dass ab hier keine Radfahrer mehr auf der E7 sein dürfen. Als die kleine Seitenstraße kurz darauf wieder in die E7 mündet, sagt uns ein kleines Schild wieder, dass die E7 eine Fahrradroute ist. Leider haben das die anderen Verkehrsteilnehmer nicht mitbekommen. Sie haben noch das Verbotsschild vor wenigen Kilometern im Kopf und fahren jetzt, als hätten wir hier nichts zu suchen.

Das Problem mit der Routenführung wiederholt sich noch einmal, und je näher wir an Oslo kommen, desto unangenehmer wird die Straße. Der Preis für das größte Arschloch auf der Straße geht an den Fahrer eines Reisebusses. Die Straße verfügt nur über jeweils eine Spur pro Richtung, und gerade ist die Spur des Gegenverkehrs voll. Es wird noch etwa 20 bis 30 Sekunden dauern, bis wir wieder überholt werden können. Von hinten hören wir den Reisebus anrauschen, und wie immer können wir an den Geräuschen der Fahrzeuge abschätzen, ob die schnell oder langsam fahren und ob sie abbremsen. Der Bus ist eindeutig mit vollem Tempo unterwegs, und die Bremsen bleiben unberührt. Auf die andere Spur kann der Bus nicht ausweichen, der will uns also einfach so überholen. Oh fuck! Josi lenkt ihr Rad in den Straßengraben und ich halte meines so gut ich kann auf der weißen Begrenzungslinie, während der Bus mit einer Handbreit Abstand an mir vorbeischießt. Was für ein Drecksack! Ich rufe ihm wüste Beschimpfungen hinterher und wünsche ihm den Teufel an den Hals, aber natürlich hört er das nicht.

Die (eigentlich recht ruhige) E7.

Die (eigentlich recht ruhige) E7.

Eine neue Herausforderung

Um dem Verkehr aus dem Weg zu gehen, verlassen wir wenig später die E7 und fahren auf einer kleinen Seitenstraße nach Oslo weiter. Wir sind an diesem Tag schon über 80 Kilometer gefahren und sind nur minder begeistert von dem Schild, das uns gleich zu Beginn der neuen Straße informiert: 8% Steigung für die nächsten zwei Kilometer. Über 15 Kilometer geht es bergauf, wir sammeln etwa 800 Höhenmeter. Als wir oben ankommen, ist die Sonne schon untergangen. Wir finden bald einen Schlafplatz und gehen nicht zu spät schlafen, denn am nächsten Tag wollen wir die 130 Kilometer nach Oslo in einem Rutsch schaffen. Wir haben Servas-Gastgeber kontaktiert, dort wollen wir zwei Nächte bleiben.

Im nächste Reisebericht schreibe ich über Oslo und den Weg nach Stockholm!

Genug von der E7! Weiter geht's auf der 287.

Genug von der E7! Weiter geht’s auf der 287.

Das Wetter ist wieder wie gewohnt.

Das Wetter ist wieder wie gewohnt.

Nervige Blök-Viecher (dazu mehr im nächsten Beitrag).

Nervige Blök-Viecher (dazu mehr im nächsten Beitrag).

Wieder sind wir knapp bei der Baumgrenze (aber noch drunter).

Wieder sind wir knapp bei der Baumgrenze (aber noch drunter).

Neugierige Schafe an meinem Zelt.

Neugierige Schafe an unserem Zelt.

Dieser Baumstumpf dient uns alst Frühstückstisch.

Dieser Baumstumpf dient uns als Frühstückstisch.

Das Geschenk, welches Josi und ich im August am ersten Tag der Reise von unserer Busfahrerin bekommen, wird man im Nachhinein leicht als Omen oder Vorzeichen deuten können. Josi sollte es die gesamten 2.000 Kilometer auf ihrem Gepäckträger herumfahren, stets bereit, es bei einer Pause am Straßenrand zu entfalten. Es sollte oft von uns benutzt werden, wenn auch nicht während der Fahrt. Es ist schwarz und hat bestimmt nicht viel gekostet, doch an diesem ersten Tag ist es für uns sehr wertvoll. Es ist ein Regenschirm.

Radreise…ohne Fahrräder?

Josi und ich sind gerade am Flughafen in Bergen gelandet. Hier soll sie losgehen, unsere nächste Radtour. Erst wollen wir nach Norden fahren, zum Geiranger-Fjord, dann via Oslo in Richtung Schweden weiter. Fehlt nur noch eins: unsere Fahrräder. Es ist das erste Mal, dass wir mit den Rädern fliegen. Mit viel Aufwand haben wir sie zuhause in riesigen Pappkartons verstaut, haben sie gut gepolstert und die Kartons mit dem Hinweis versehen, man möge sie bitte vorsichtig handhaben. Jetzt machen wir uns natürlich riesige Sorgen, weil sie nicht angekommen sind. Erst am nächsten Tag sollen sie da sein, wird uns gesagt. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als uns auf zu unserer Servas-Gastgeberin aufzumachen, und zwar ohne Räder. Wer Servas nicht kennt: es funktioniert genau wie Couchsurfing. Man hat eine Gastgeberliste mit etlichen lieben Menschen, die gerne Reisende aufnehmen. Eine davon ist Jorunn, eine pensionierte Krankenschwester aus Bergen, bei der wir zwei Nächte verbringen.

Josi in schicken Regenklamotten.

Josi in schicken Regenklamotten.

Unser "Maskottchen" auf Josis Gepäckträger.

Unser „Maskottchen“ auf Josis Gepäckträger.

Bergen, Norwegen.

Bergen, Norwegen.

Jorunn, unsere Gastgeberin, ist eine pensionierte Krankenschwester.

Jorunn, unsere Gastgeberin, ist eine pensionierte Krankenschwester.

Nasse Holzplanken in Bergen.

Nasse Holzplanken in Bergen.

Auch am nächsten Morgen bekommen wir wieder eine einführende Lektion in die klimatologische Situation an Norwegens Westküste. Wir haben gerade die Räder am Flughafen abgeholt und wieder zusammengebaut, jetzt fahren wir in strömendem Regen in die Innenstadt. Der Regen kommt so intensiv vom Himmel, dass das Wasser nicht schnell genug abfließen kann und bald mancherorts eine Handbreit hoch den Asphalt bedeckt. Für die Westküste Norwegens ist das nicht unüblich, immerhin hat Bergen mehr als 200 Regentage im Jahr und in der Summe etwa dreieinhalb Mal so viel Niederschlag wie Mainz – das meiste davon im August und September. Viel Sightseeing machen wir nicht an diesen Tagen.

Je weniger geplant ist, desto leichter fallen Planänderungen

Nach zwei Nächten in Bergen geht die Tour dann richtig los. Wir fahren nach Norden, wollen an der Westküste entlang zum Geirangerfjord und dann wieder nach Süden Richtung Oslo. Das Wetter ist „besser“ geworden. Es regnet nur noch den halben Tag über, wenn auch sehr intensiv, und ein paar kurze Male sehen wir sogar Sonnenlicht. Trotzdem ist es anstrengend. Das Zelt müssen wir nach der ersten Nacht im Freien nass zusammenrollen, ohne Aussicht auf eine Gelegenheit zum Trocknen. Die Regenklamotten gehören fest zum Outfit. Ein paar Tage lang können wir das sicherlich ohne Murren ertragen, das Radfahren in dieser Landschaft wirkt stark entschädigend. Der Wetterbericht prophezeit allerdings eine geschlagene Woche starken Regen für die Westküste. Wollen wir uns das antun?

Im Landesinneren regnet es generell weniger als an der Küste. Und wir sind autark unterwegs, können also machen, was auch immer wir wollen. Wir entscheiden uns schließlich, diesen enormen Vorteil des Radreisens auszunutzen: wir haben ja nichts gebucht und ändern den Plan einfach. Auf geht’s, direkt nach Westen!

Die Warnweste ist in trübem Wetter wichtig.

Die Warnweste ist in trübem Wetter wichtig.

Bei dem vielen Regen müssen wir die Ketten alle paar Tage nachölen.

Bei dem vielen Regen müssen wir die Ketten alle paar Tage nachölen.

Eine verregnete Aussicht.

Eine verregnete Aussicht.

Zu dumm zum Fähre fahren?

Wir entscheiden uns, ein wenig am Sognefjorden, Norwegens längstem Fjord, entlang zu fahren. Dazu müssen wir wieder die Seite wechseln, und mit den Fähren klappt es bei uns nicht so. Unsere erste Überfahrt soll uns an einem regnerischen Samstagabend vom Süd-Ufer ans Nord-Ufer bringen. Am Fähranleger warten wir also, es gibt sogar einen (beheizen!) Aufenthaltsraum und eine Toilette! Darauf sitze ich gerade in aller Seelenruhe, als ich Josi rufen höre: „Esra, wo bist du? Schnell! Die Fähre ist da!“ In aller Eile schaffen wir unsere Räder auf das kleine Schiff, das nur einen kurzen Moment am Anleger verweilt. Während der Überfahrt aber merken wir: das fährt ja gar nicht auf die andere Seite, sondern zu einer kleinen Insel. Mist! Haben wir den Fahrplan nicht richtig gelesen? Auf der kleinen Insel angekommen, studieren wir den verwitterten Aushang am Fähranleger, während die Fähre schon wieder ablegt. Schnell merken wir, dass die Fähre wohl im Dreieck zwischen Süd-Ufer, der Insel, und den Nord-Ufer verkehrt. Wir hätten also nur drauf bleiben müssen! Dazu kommt, dass es schon spät ist, und wir auf der letzten Fähre gekommen sind. Vor dem Morgen kommen wir nicht mehr hier runter.

Wir fluchen und überlegen, wie wir das beste draus machen. Hier ist absolut nichts los am Arsch der Welt, und neben dem Fähranleger steht wieder so ein tolles Häuschen mit Aufenthaltsraum und Toilette. „Sollen wir…?“ fragt Josi. Warum eigentlich nicht. Diese Nacht verbringen wir im Warmen, und das Zelt hängen wir auch zum Trocken auf. Draußen prasselt der Regen gegen die Fenster, ein kalter Wind pfeift um das Häuschen. Zum Glück waren wir heute zu blöd, richtig Fähre zu fahren.

Die letzte Fähre des Tages...

Die letzte Fähre des Tages…

Ein trockener Schlafplatz!

Ein trockener Schlafplatz!

Das Essen wird knapp, und das an einem Sonntag!

Am nächsten Morgen lauert allerdings die nächste Realisation: unser Essen wird knapp, wir sind am Ende der Welt, und es ist Sonntag. Eine suboptimale Kombination von Umständen. Nachdem wir mit der Fähre dorthin übergesetzt haben, wo wir gestern Abend schon hinwollten, suche ich auf Google Maps nach der nächsten Einkaufsmöglichkeit. Eine Tankstelle hat offen, sechs Kilometer abseits von der Straße, die wir eigentlich nehmen wollen. Der Umweg ist es uns wert, wir fahren die sechs Kilometer und müssen dabei einige Höhenmeter bezwingen. Die Landschaft ist allerdings wunderschön, und auf einer Radreise ohne festes Ziel sind ein paar Kilometer mehr ja kein Problem.

Das Problem liegt am Ende der sechs Kilometer: die Tankstelle ist nur insofern „geöffnet“, dass man dort per Karte tanken kann. Essen gibt’s keines. Wir haben absolut nichts mehr zu essen und mächtig Hunger. Wir wägen gerade unsere Optionen ab (es ist eigentlich nur eine: 40 anstrengende Kilometer bis zur nächsten Siedlung fahren) da sehe ich eine Holzhütte mit Menschen davor. Vielleicht wissen die mehr? Es stellt sich heraus, dass hier ein Freilichtmuseum bei einem alten Wikingersteinbruch liegt. Hier wurde vor über tausend Jahren Granatglimmerschiefer abgebaut und gehandelt. Das Gestein ist sehr speziell und besonders gut für Mühlräder geeignet, erklärt uns die Frau an der Rezeption. Ich höre gespannt zu, ich verstehe das geologische Fachchinesisch ja aufgrund meines Studiums. Als wir nach der nächsten Essensgelegenheit fragen, lacht sie. „Also wenn ihr Svela essen wollt, die bekommt ihr bei uns.“

Aber hallo! Svela sind wie Pfannkuchen, nur mit Hirschhornsalz, damit sie fluffiger werden. Und Svela sind lecker! Vor allem, wenn man so einen riesigen Appetit hat. Wir essen sie mit viel Marmelade und Frischkäse und können unsere Reise schließlich gestärkt fortsetzen. Zum Glück hat uns Google in die Irre geleitet, sonst wären wir nicht auf diesen Ort gestoßen.

Der Umweg fürht uns auch bergauf.

Der Umweg fürht uns auch bergauf.

Svela machen glücklich!

Svela machen glücklich!

Sieh mal einer an! Ich werfe einen Schatten! Sonne!

Sieh mal einer an! Ich werfe einen Schatten! Sonne!

60 Kilometer Idyll, vier Kilometer Tunnel

Später am selben Tag sind wir wieder am Süd-Ufer des Fjords. Auf dem Weg nach Westen müssen wir immer wieder die Seiten wechseln, um langen Tunneln oder stark befahrenen Straßen aus dem Weg zu gehen. Die Straße, auf der wir gerade sind, ist winzig. Eine Spur, manchmal eineinhalb, und es fahren so wenige Autos, dass wir die Spur fast als persönlichen Radweg empfinden. Der Grund für die Leere: die Straße führt zum 60 Kilometer entfernten Ortnevik, wo sie dann endet. Von dort aus kann man eine winzige Fähre nehmen, die aber nur einmal am Tag verkehrt, jeden Morgen um zehn vor neun.

Wir haben ein bisschen Zeitdruck. Weil wir erst gegen vier auf der Südseite angekommen sind, müssen wir die 60 Kilometer noch in den Rest des Tages packen, damit wir in der Nähe des Fähranlegers zelten können. Es sind diese kleinen Herausforderungen, die jeden Tag des Radreisens spannend machen. Aber wir kommen gut voran. Auf der Strecke liegen zwei Tunnel, zusammen etwas über vier Kilometer lang, die kann man gerne auch zu den Herausforderungen zählen. Da hier so gut wie niemand fährt, haben die Tunnel auch keine Beleuchtung abbekommen. Es sind einfach zwei finstere, kalte Höhlen im nackten Stein. Ein eisiger Wind weht aus ihnen heraus, und sie haben eine unheimliche Akustik, wenn man etwas hineinruft. Es führt kein Weg drum herum, sprichwörtlich und im wahrsten Sinne des Wortes, also machen wir unsere Lichter an, ziehen uns was Warmes drüber und kramen die Warnwesten aus den Taschen. Josi bittet mich, ihr was zu singen, damit die Dunkelheit nicht so bedrückend ist. Ich tue ihr gerne den Gefallen. Der zweite der Tunnel legt sogar noch einen drauf und verfügt über eine stetige Steigung. Aber schließlich sehen wir – wieder sprichwörtlich und wortwörtlich – ein Licht am Ende des Tunnels. Nichts wie raus!

Straßenrand-Aussichten am Sognefjord.

Straßenrand-Aussichten am Sognefjord.

Tunnel kommen in zwei Ausführungen: beleuchtet...

Tunnel kommen in zwei Ausführungen: beleuchtet…

...und unbeleuchtet.

…und unbeleuchtet.

Die Straße ist schmal und kaum befahren.

Die Straße ist schmal und kaum befahren.

Bald sind wir in Ortnevik, und wir machen wieder Gebrauch vom Jedermannsrecht, welches uns das Campen auf einer Wiese mit Aussicht gestattet. Heute regnet es fast nur in der Nacht, eine angenehme Abwechslung. Am nächsten Morgen sind wir wieder auf einer Fähre.

In Vik steigen wir auf eine weitere Fähre um, doch an der hier ist etwas anders. Sonst kosteten uns die Überfahrten immer 80 norwegische Kronen, das sind etwa elf Euro. Jetzt zeigt das Kartenlesegerät über 600 Kronen an. Josi schaut zweimal hin, bevor sie ihre Karte an das gierige Gerät verfüttert. Der preisliche Unterschied hängt mit dem Ziel der Reise zusammen: Flåm. In dem winzigen Fischerdorf wohnen nur eine Handvoll Seelen, aber in den Sommermonaten mutiert das Idyll zur Touristenhochburg. Das merken wir schon auf der Fähre nach Flåm, die fast überquillt vor gut betuchten Besuchern aus den Staaten und aus Asien.

Das Jedermannsrecht lässt uns unbsorgt auf dieser Wiese zelten.

Das Jedermannsrecht lässt uns unbesorgt auf dieser Wiese zelten.

Ein Fähranleger am Ende der Straße. Hier geht eine Fähre am Tag.

Ein Fähranleger am Ende der Straße. Hier geht eine Fähre am Tag.

Die "Touristenfähre" macht extra langsam bei Wasserfällen und anderen Sehenswürdigkeiten.

Die „Touristenfähre“ macht extra langsam bei Wasserfällen und anderen Sehenswürdigkeiten.

Gilt das eigentlich als Schummeln?

Gilt das eigentlich als Schummeln?

Nachdem wir aus Flåm raus sind, geht es weiter auf dem „Rallarvegen“. Der Weg führt grob an einer alten Eisenbahnlinie entlang, und sein Zweck war damals, die Eisenbahnarbeiter an ihren Arbeitsplatz zu bringen. Wir haben uns nicht über den Weg informiert, aber ganz am Anfang der 80 Kilometer ruft uns ein entgegenkommender Radfahrer „Respect!“ zu. Andere geben Daumen hoch. Und niemand fährt in die Richtung, in der wir unterwegs sind. Ob das ein Zeichen, eine Vorwarnung ist? Die unablässige Steigung wird nach zehn Kilometern noch steiler und der Asphalt ist hier zu Ende. Worauf haben wir uns hier eingelassen?

Ich mach’s mal spannend: Das erzähl ich euch im nächsten Eintrag 😉

Müde, aber glücklich.

Müde, aber glücklich.

Ein Wasserfall am Straßenrand.

Ein Wasserfall am Straßenrand.

Ein bisschen Zeit zum Klettern muss immer sein.

Ein bisschen Zeit zum Klettern muss immer sein.

Uff! Was habn wir uns hier eingebrockt?

Uff! Was haben wir uns hier eingebrockt?

Norwegen der Länger nach

Norwegen der Länge nach

Norwegen der Länge nach von Simon Michalowicz

Es ist 2013 als Simon Michalowicz seinen Job in Deutschland kündigt und sich auf einen beinahe 6-monatigen Fußmarsch von Kap Lindesnes ganz im Süden Norwegens bis ans Nordkap begibt. Ein langwieriges, anstrengendes Abenteuer, doch als Belohnung locken die atemberaubende Weite des Fjells, die warme Gastfreundschaft der Norweger, und eine Chance mit sich selbst ins Reine zu kommen.

Simons Erzählung ist direkt und auf den Punkt, man könnte es beinahe schon trocken nennen, doch genau das gibt dem Buch seine fesselnde Authentizität. Nicht immer verläuft die Wanderung nach Plan; neben schwer zu findenden Routen und verlorener Ausrüstung stellt vor allem der nagende Selbstzweifel immer wieder ein Hindernis dar. Aber dank der aufrichtigen, ehrlichen Ausdrucksweise verhindert der Bericht zur langwierigen Leidensgeschichte oder abgedroschenen, selbstironischen Farce zu werden. Es macht Mut, Simons allmähliche Wandlung zu verfolgen, wie er selbst über die Zweifel hinweg mehr und mehr Selbstvertrauen gewinnt. Der Ton des Buches wandelt sich je weiter er sich nach Norden bewegt. Wie es die Norweger, im Buch viel zitiert, so schön sagen: „Ut på tur, aldri sur!“ – „Bist du auf Tour, ist alles gut“

Besonders die Höhepunkte des Buches ziehen, durch die aufrichtige Begeisterung die man in ihm findet, in ihren Bann. Sei es die immerwährende Freundlichkeit der Norweger, grandiose Naturlanschaften, oder einfach der Genuss zufriedener Einsamkeit. Es ist kein weitreichendes Schwelgen, oft fehlen selbst Simon die Worte sein Wunder ausreichend zu beschreiben. Doch wer immer schon selbst mal von einer ähnlichen Reise geträumt hat, wird in den überwältigten Berichten des Natur-verliebten Wanderers Resonanz und reichlich Anstoß zum träumen finden.

Würde ich „Norwegen der Länge nach“ jedermann empfehlen? Schwer zu sagen. Doch wer den Norden bewundert, und davon träumt ihn einmal selbst zu erleben, der wird hier sicherlich auf seine Kosten kommen. Ein inspirierender, manchmal sinnlicher Abenteuerbericht der, mit all den Ecken und Kanten, die unbändige Wanderlust in einem weckt.

Warum im Winter nach Norwegen?

Im Sommer sind wir schon seit Jahren immer in Norwegen um die Mitternachtssonne und die Tiere zu genießen und fotografieren. Schon oft traf ich Fotografen, die mir den Tipp gaben, doch mal im Winter zu kommen um die Orcas im Tysfjord zu fotografieren. Die Orcas sind nur im Winter, von ca. November bis Januar im Tysfjord, in der letzten Zeit eher im Vestfjord. Der norwegische Winter machte mich neugierig. Ich versuchte mir die Landschaft im Schnee vorzustellen und war schon vor Reisebeginn begeistert und aufgeregt. Im Winter nach Nord Norwegen zu reisen ist nicht unbedingt einfach, denn man braucht die unterschiedlichsten Fortbegewungsmittel. Nach zwei Flügen nahm ich den Bus zur Fähre und wurde nach einstündiger Überfahrt von Lodingen nach Bognes von einem Freund abgeholt. Ein ganzer Reisetag lag zwischen dem grauen, nassen Deutschland und dem verschneit, norwegischem Winterwunderland.

eine Gruppe Orcas in wunderbarer winterlicher Fjordstimmung

eine Gruppe Orcas in wunderbarer winterlicher Fjordstimmung

eine Gruppe Orcas in wunderbarer winterlicher Fjordstimmung

Am nächsten morgen ging ich sogleich auf die erste Waltour. Da wir Stunden auf dem Boot verbringen würden, waren alle sehr warm eingepackt. Weil man sich auf einem Boot nicht so bewegen kann, wie in der freien Natur, sollte man Schuhe wählen, die bis auf – 40°C warm halten, auch, wenn es so kalt nicht ist. Meine Füße waren also bestens versorgt, nur meine Handschuhe eigneten sich wenig, weil ich darin schwitzte und sehr bald kalte Finger hatte. Für Fotografen sind natürlich warme Hände essentiell. Nach dieser Erfahrung werde ich nur noch Handschuhe benutzen, mit denen ich auch ohne das Hochklappen der Fingerspitzen die Kamera bedienen kann. Bei Temperaturen von – 10°C und Wind auf dem Boot stecken die Fingerspitzen diese völlige Blöße nicht weg. Aber: man kann in Norwegen bestens Handschuhe kaufen und sollte sich zuhause nicht zu viele Gedanken darum machen.

Orca an einem regnerischen, trüben Tag, Tysfjord, Norwegen

Orca an einem regnerischen, trüben Tag, Tysfjord, Norwegen

Orca an einem regnerischen, trüben Tag, Tysfjord, Norwegen

Regenwetter – es ist zwar schwierig, weil die Kamera dauern naß wurde aber die Fotos wirken autentisch und vermitteln die typische Stimmung im Fjord.

blasender Orca, Tysfjord, Norwegen

blasender Orca, Tysfjord, Norwegen

blasender Orca, Tysfjord, Norwegen

Nun, ich stand also auf dem Boot, der Leonora, und betrachtete begeistert die winterliche Landschaft. Dazu hatte ich nicht viel Zeit, schon sichteten wir die ersten Orcas. Seit 1992 werden im Tysfjord in Norwegen Orca Touren angeboten. Besonders gut eignet sich dieses Gebiet, weil die Orcas ab Oktober den Heringen in den Fjord folgen und man diesen relativ (im Vergleich zum offenen Meer) kleinen Fjord gut überschauen kann. So findet man mit sehr großer Sicherheit Wale auf den Touren, die je nach Licht und Witterung 5-8 Stunden dauern. Orcas sind so interessant für Walbeobachter, weil sie sehr soziale, in Gruppen lebende Säugetiere sind und man sehr viele verschiedene Aktivitäten vom Boot aus beobachten kann. Wenn die Tiere ruhige an der Wasseroberfläche liegen „schlafen“ sie, indem eine Gehirhälfte abschaltet, während die andere das lebensnotwendige Atmen steuert. Der Kapitän, Per Ole Lund, dreht das Boot dann ab, um den Tieren die nötige Ruhe zu ermöglichen.

Oft kann man den Gruppen in angemessenen Abstand folgen, wenn sie von einer Stelle im Fjord zum nächsten unterwegs sind. Diese Reisebewegungen der Wale zu beobachten ist fotografisch sehr interessant, denn man sieht, wie schnell und optimal angepaßt sie in ihrem Lebensraum sind. Oft hat man hier die Chance sehr dynamische Fotos zu machen. Am belebtesten und fotografisch am herausfordernsten wird es, wenn man die Orcas beim gemeinsamen Jagen der Heringe erleben kann. Hier im Tysfjord haben die Wale ein ganz besondere Jagdmethode entwickelt, die man „Carousell Feeding“ nennt. Dabei treiben die Wale in Teamwork die Heringe mit Hilfe ihrer hellen Bauchunterseite immer enger zusammen. Mit Schlägen der Fluken über und unter Wasser werden die zur Kugel zusammengetriebenen Heringe danach betäubt und nach und nach einzeln verspeist. Manchmal, wenn man Glück hat, kann man sehen, wie die Heringe in einem letzten Versuch zu entkommen, aus dem Wasser springen. Doch auch in der Luft warten schon tausende Möwen und sehr viele Seeadler, die auch einen Teil des Festmahls haben möchten. Welch ein Spektakel! Schwierig ist die Fotografie in solchen Momenten, weil es sehr viele Wale zu beobachten gibt, man aber nie weiss, wann ein Wal wo auftaucht. Man kann sich ein wenig an den Blasgeräuschen orientieren. In solchen Augenblicken werden auch die Orcas neugierig und strecken den Oberkörper aus dem Wasser um über der Wasseroberfläche zu sehen was passiert. Diese sogenannten „Spyhops“ sind besonders schön auf Fotos, aber auch Glükssache, denn der Blickkontakt zwischen Wal und Waltourist dauert nur wenige Sekunden. Nach einer solchen Waltour, auch, wenn sie anstrengend, kalt und evtl naß war, sieht man tatsächlich nur glückliche Menschen an Bord.

Fischerboote im Tysfjord, diese Lichtstimmung hielt sich übrigens stundenlang

Fischerboote im Tysfjord, diese Lichtstimmung hielt sich übrigens stundenlang

Fischerboote im Tysfjord, diese Lichtstimmung hielt sich übrigens stundenlang

Doch warum ist die Orca Fotografie eine solche Herausforderung?

Da sich der Tysfjord oberhalb des Polarkreises befindet, werden die Tage im Winter immer kürzer, bis dann die Sonne Ende November gar nicht mehr über den Horizont und schon gar nicht über die Berge kommt. Diese Zeit vor der Polarnacht kann sehr schön sein, weil man sich sozusagen im ständigen Sonnenauf- oder auch untergang befindet. Das Licht und die Farben sind phänomenal, doch auch sehr schwach. Mit den neuen Digitalkameras ist man also sehr im Vorteil, weil man die Isozahl ständig den unterschiedlichen Lichtbedingungen anpassen kann. Man sollte für eine gute Fotoausbeute mehrere Tage einplanen, denn je nach Bewölkung bekommt man ganz unterschiedliche Stimmungen. Ich hatte an den 5 Tagen auf dem Meer sehr großes Glück und von klarem Himmel bis starken Regenfällen war alles dabei. An meinem letzten Tag, dem 24.11. kam ich sogar um 12:00 Uhr mittags nicht über 800 ISO.

Es lohnt sich also eher Anfang November einzuplanen, weil man dann evtl Sonnenlicht auf den Walen hat, was Ende November gar nicht mehr der Fall ist. Die Touren werden von Mitte Oktober bis ca. 20 Januar angeboten. Mittlerweile scheint es besser zu sein, etwas später zu fahren, weil die Wale eher später kommen.

Um eine weitere Perspektive zu sehen, buchte ich auch eine Tour mit dem Zodiac, einem sehr schnellen Schlauchboot. Von dieser Basis aus gibt es die Möglichkeit in besonderen Trockentauchanzügen auch mit den Orcas schwimmen zu gehen, was ich mir ersparte:-) Nun, später bereute ich es, denn in diesen Anzügen war man bestens für das Wetter, welches auf Regen umgestellt hatte, gerüstet. Am Ende waren alle naß auch die ohne diese Anzüge! Für die Kameraausrüstung war es ein Härtetest, denn zum Regen kam die Gischt hinzu, wenn das Zodiac mit hoher Geschwindigkeit über den Fjord schoss. Die Kameras, ich war mit zwei Canon 20d’s unterwegs, hielten das Ganze bestens aus, die Wassertropfen, die sich unweigerlich auf der Linse sammelten, unterstrichen die regnerische Stimmung. Ein Akku packte selbst bei -8°C und Wind ca. 800 Bilder. Bei einigen Leuten auf dem Boot setzte gerade bei diesen sehr niedrigen Temperaturen die Canon 350d zeitweise aus. Nach kurzem Aufwärmen des Akkus in der Hosentasche oder unter der Jacke waren diese Kameras nach wenigen Minuten wieder einsatzbereit.

Ja und wenn man dann Abends nicht zu müde ist, lohnt es sich immer, den Himmel im Blick zu halten, denn das Nordlicht ist für uns Deutsche doch eine sehr seltene Erscheinung, für die sich das Mitschleppen des Stativs auf alle Fälle lohnt. Als Ausgleich zur reportageartigen Art der Fotografie an Bord eines Schiffes ist das Arbeiten mit Stativ und Drahtauslöser eine schöne Art der Meditation und ein toller Abschluß einer fotografisch anspruchsvollen Reise!

Und Elvis schaut herab - seht Ihr ihn?

Und Elvis schaut herab – seht Ihr ihn?

Und Elvis schaut herab – seht Ihr ihn?

Anmerkung im Oktober 2009: Die Touren wurden bisher, wie hier beschrieben im Tysfjord veranstaltet. Jedoch änderten die Orcas ihre Route. Man findet sie nicht mehr im gut erreichbaren Fjord, weil die Heringe dort nicht mehr überwintern. Jetzt werden die Orcas meist im offenen Meer gesichtet. Per Ole Lund – der weltbeste Walwatching Kapitän – bieten nun längere und den Bedingungen angepasste Touren an. Wenn jemand die Orcas finden kann, dann er!

An dieser Stelle zur Inspiration nocheinmal der Artikel, der in der Digitalfoto im Mai 06 erschienen war. Hier habe ich allerdings andere Bilder eingefügt, ich habe so viel Auswahl!
Fotogalerie Orcas

Zum großen Nordlicht Fotografie Tutorial

Seiten

Belgien

Deutschland

Hafeneinfahrt Warnemünde, Deutschland

Hafeneinfahrt Warnemünde, Deutschland

Schottland

St Abbs, Borders, Schottland

St Abbs, Borders, Schottland

Caerlaverrock Castle, Dumfries, Schottland

Caerlaverrock Castle, Dumfries, Schottland

Bretagne

Ile Vierge, Bretagne

Ile Vierge, Bretagne

Schweden

Allee, Askö, Schweden

Allee, Askö, Schweden

Schweden – Insel Öland

Neptuni åkrar, Öland, Schweden

Neptuni åkrar, Öland, Schweden

Schweden – Insel Gotland

Junfru Klint, Gotland, Schweden

Junfru Klint, Gotland, Schweden

Finnland – Insel Aland

Kastelholmer Schloss, Åland, Finnland

Kastelholmer Schloss, Åland, Finnland

Norwegen

Tranøy Fyr, Norwegen

Tranøy Fyr, Norwegen

Utalkeiv, Lofoten, Norwegen

Utalkeiv, Lofoten, Norwegen

Norwegen – Nordlicht

Nordlicht, Hovden, Bo, Vesterålen, Norwegen

Nordlicht, Hovden, Bo, Vesterålen, Norwegen

Norwegen – Winter

Blaue Stunde, Lofoten, Norwegen

Blaue Stunde, Lofoten, Norwegen

Norwegen – kleiner Leuchtturm

Litløy, Vesterålen, Norwegen

Litløy, Vesterålen, Norwegen

Dänemark – Insel Bornholm

Dänemark – Winter

Blavand, Dänemark

Blavand, Dänemark

Wolken in Deutschland und der Niederlande

Was wäre der Himmel ohne Wolken. Langweilig. Wolken sind faszinierende Gebilde. Immer in Bewegung, immer in Veränderung, und in allen möglichen Formen und Farben.

Flauschige Federn, feine Schleier, kuschelige Schäfchen, aufquellende Gebirge, schwere heranrollende Gewitterfronten, die Bandbreite ist riesig. Die Farben ändern sich mit der Tageszeit, im Licht der untergehenden Sonne leuchten die Wolken oft grellfarbig auf.

Strand, Ameland, Niederlande

Strand, Ameland, Niederlande

Wolken und Wetter in Frankreich

Gatteville, Normandie, Frankreich

Gatteville, Normandie, Frankreich

Regenwetter in Portugal

Praia de Manta Rota – Portugal

Wechselhafte Wetter in Schottland

Findochty, Schottland

Findochty, Schottland

Wetter – Mitternachtssonne und Nordlicht in Norwegen

Nordlicht und Mondbogen, Utakleiv, Lofoten

Nordlicht und Mondbogen, Utakleiv, Lofoten

Schweden, Finnland und Dänemark

Hallsvik, Gotland, Schweden

Hallsvik, Gotland, Schweden

Meeresblicke aus der Bretagne und von der französischen Küste

Hafenleuchtturm Audierne, Bretagne

Hafenleuchtturm Audierne, Bretagne

Lesconil, Bretagne

Lesconil, Bretagne

Skandinavische Küstenlandschaften

Fredvang, Lofoten, Norwegen

Fredvang, Lofoten, Norwegen

Schottische Küstenlandschaften

Mainland Shetland, Schottland

Mainland Shetland, Schottland

Meeresblicke aus Süd-Europa

Küste an der Algarve, Portugal

Küste an der Algarve, Portugal

Meeresblicke aus den Niederlanden und Deutschland

Lubmin, Ostseeküste, Deutschland

Lubmin, Ostseeküste, Deutschland

Kleines Leuchtfeuer in Eggum, Lofoten, Norwegen

Kleiner Leuchtturm in Eggum

Fotografisch ist der kleine Leuchtturm des Fischerortes Eggum auf den Lofoten ein sehr lohnenswertes Motiv. Auf der Lofoteninsel Vestvågøy liegen hohe Berge und das Meer  dicht beieinander. Je nachdem, was ich als Fotografin zeigen möchte, konzentriere ich mich entweder auf die Berglandschaft oder das seichte Wasser und den Sand. Ebbe und Flut geben weitere variable Motive. Der kleine Leuchtturm steht entweder nah am Wasser oder die Ebbe gibt die Muster im weiten Sand frei und es ist möglich weit hinaus zu laufen.

Der große Vorteil der Lage 300 km nördlich des Polarkreises ist das spektakuläre Licht. Im Sommer nehmen die Tage keine Ende. Eggum liegt nach Westen und eignet sich ideal für das Beobachten der Mitternachtssonne. Im Winter ist es manchmal nicht möglich, Eggum zu besuchen, weil die windexponierte Lage zu Schneeverwehungen neigt. Wir finden beides spannend und in den Zeiten dazwischen, im Herbst und Frühjahr, genießen wir die nicht enden wollende Sonnenuntergangsstimmungen.

Vollmond am Leuchtturm von Eggum, Lofoten, Norwegen

Regenwolken nach Sonnenuntergang, Eggum, Lofoten, Norwegen

Der Regen kommt. Letztes Licht auf dem kleinen Leuchtturm von Eggum, Lofoten, Norwegen

Flut in Eggum, Lofoten, Norwegen

Kleines Leuchtfeuer in Eggum bei Ebbe, Lofoten, Norwegen

Mond über Eggum, Lofoten, Norwegen

Das Fischerdorf Eggum

Eggum ist ein winziges Fischerdorf auf der rauen Westseite der Lofoteninsel Vestvågøy. Von Böstad aus schlängelt sich ein kleines Sträßchen immer am Wasser entlang weit hinaus an die offene Nordmeerküste. Der kleine Fischerort klebt am Fuß eines Berges, der Mini Leuchtturm wacht über einem mit Felsbrocken übersäten Sandstrand.

Hinter dem Fischerdorft führt der Weg weiter durch ein Viehgatter zu einem Parkplatz, der als Trailhead für die Wanderwege dient. Hier wird der Sandstrand von fußballgroßen, algenbedeckten runden Felsbrocken abgelöst, die tückisch glatt und rutschig sind. (da habe ich mir vor mehr als 10 Jahren den Knöchel gebrochen)

Felsenküste in Eggum, Lofoten, Norwegen

Felsen und Tang in Eggum, Lofoten, Norwegen

Der typische Sommernebel hängt am Berg, Eggum, Lofoten

Skulptur von Markus Raetz

Weiter des Weges stoßen wir auf eine Skulptur von Markus Raetz. Der „Head“ ist je nach Blickwinkel ein aufrechter oder ein kopfstehender Kopf. An diesem Küstenabschnitt sind wir auch schon auf Pottwalknochen gestoßen. Ausdauerende Wanderer können hier weiter um die Landzunge herum bis nach Unstadt laufen, und auch wieder zurück. Vor Jahren haben wir auf dieser Wanderung gewaltige Pottwalknochen gefunden.

Eggum, Kopf Skulptur, Norwegen

Eggum, Kopf Skulptur, Norwegen

Strandgut in Eggum, Lofoten, Norwegen

Das Meer nagt am Eisen, Eggum, Lofoten

Muster im Sand, Eggum, Lofoten

Teil eines Pottwal Schädels, Eggum, Lofoten

Teil eines Pottwal Schädels, Eggum, Lofoten

Unterkiefer eines Pottwals, Norwegen

Unterkiefer eines Pottwals, Norwegen

Flaches, klares Wasser, Eggum, Lofoten

kleiner Seestern, Lofoten, Norwegen

Muster im Sand, Eggum, Lofoten, Norwegen

Seetang, Eggum, Lofoten, Norwegen

Seeigel, Eggum, Lofoten, Norwegen

Berge und Meer, Eggum, Lofoten

Strandgras und Berge, Eggum, Lofoten

Typisch norwegische Hütte mit Seezeichen, Eggum, Norwegen

Eggum mit herannahendem Regen, Nord-Norwegen, Lofoten

Schafe in Eggum

Schafe sind an der Küste  allgegenwärtig. Mit ihren Glocken um den Hals ist das oft neben dem pfeifenden Wind das einzige Geräusch, welches zu hören ist.

Schafe in Eggum, Lofoten

Schaf, Eggum, Lofoten

Unser Wohnmobil in Eggum, Lofoten

Die westliche Lage Eggums ist im Sommer der beste Ort, um die Mitternachtsonne zu beobachten. Mir gefällt es ja besser, wenn die Sonne auch wieder untergeht. Dann die Chance auf einen seltenen „Green Flash“ zu haben…

Green Flash in Eggum, Lofoten

Green Flash in Eggum, Lofoten

Leinwandfotos und Kalender bei Delius Klasing

Das Quermarkenfeuer Rotes Kliff auf Sylt

Das Quermarkenfeuer Rotes Kliff auf Sylt

Das Quermarkenfeuer Rotes Kliff auf Sylt

Hoburg Fyr, Insel Gotland, Schweden

Hoburg Fyr, Insel Gotland, Schweden

Hoburg Fyr, Insel Gotland, Schweden

Rattray Lighthouse, Aberdeenshire, Schottland

Rattray Lighthouse, Aberdeenshire, Schottland

Rattray Lighthouse, Aberdeenshire, Schottland

Cabo Carvoeiro, Portugal

Cabo Carvoeiro, Portugal

Cabo Carvoeiro, Portugal

Illa Pancha, Galicien, Spanien

Illa Pancha, Galicien, Spanien

Illa Pancha, Galicien, Spanien

Peilturm Kap Arkona, Insel Rügen, Deutschland

Peilturm Kap Arkona, Insel Rügen, Deutschland

Peilturm Kap Arkona, Insel Rügen, Deutschland

Cabo Silleiro, Galicia, Spanien

Cabo Silleiro, Galicia, Spanien

Cabo Silleiro, Galicia, Spanien

Mull of Galloway Lighthouse, Schottand

Mull of Galloway Lighthouse, Schottand

Mull of Galloway Lighthouse, Schottand

September 2020 - Eggum, Lofoten, Norwegen

September 2020 – Eggum, Lofoten, Norwegen

September 2020 - Eggum, Lofoten, Norwegen

Flügge, Fehmarn, Deutschland

Flügge, Fehmarn, Deutschland

Flügge, Fehmarn, Deutschland

Phare du Cap Frehel, Bretagne, Frankreich

Phare du Cap Frehel, Bretagne, Frankreich

Phare du Cap Frehel, Bretagne, Frankreich

Sandhammaren, im Süden von Schweden

Sandhammaren, im Süden von Schweden

Sandhammaren, im Süden von Schweden

Mit dem Rad durch Südnorwegen – wie Esra & Josi im Sommer das Fjell erkundeten

Eine 1600 Kilometer lange Rundreise mit Rad und Zelt war letzten August das Beste, was uns trotz Coronapandemie eingefallen ist. Also packten wir spontan die Radtaschen und zogen los, so lange das Reisen möglich war.

Josis Liebe zu Höhenmetern

Es ist August, und obwohl wir in Norwegen sind scheint uns bei 27 °C die Sonne auf die Fahrradhelme, während wir langsam das Gauset-Tal am Fuße des Hardangervidda-Bergplateaus hinter uns lassen. „Ich liebe es, Berge hochzufahren!“ teilt mir Josi mit, sichtlich außer Atem. Alle Indizien der bisherigen drei Tage auf Tour sprechen entschieden gegen diese Aussage, doch sie beharrt darauf. Sie wolle ihre Sichtweise auf Anstiege ändern, und als ersten Schritt hat sie beschlossen, nicht mehr negativ auf steile oder langwierige Bergstraßen zu reagieren. Stattdessen ruft sie ab jetzt jedes Mal, wenn sich ein besonders fieser Abschnitt nach einer Kurve präsentiert „Ah, super!“ oder „Da freu ich mich drauf.“

Josi liebt Höhenmeter.

Was als humorvoller Selbstbetrug startet, entfaltet bald eine unerwartet performative Wirkung. Nach ein paar Tagen kann ich ihr fast glauben, dass sie gerne mit mir Steigungen hochfährt. Es hilft natürlich, dass Berge hochzufahren tatsächlich einige schöne Seiten hat: Wir sehen innerhalb von 20 Kilometern einen Landschaftswechsel von dichten Wäldern zur kargen subpolaren Bergtundra, was sehr spannend zu beobachten ist. Oben angekommen breitet sich die stolze Genugtuung nach getaner Arbeit aus, wenn wir weit ins Tal hinabschauen, aus dem wir kamen. Dann sind da die Aussichten, die wir als hügelscheue Radler nicht genießen könnten. Und natürlich die langen, rasanten Abfahrten, die nochmal ein ganz eigener Spaß für sich sind.

Doch zurück zum Gauset-Tal: wir fahren den Anstieg rauf, weil wir nach unserem Start in Oslo zur Hardangervidda wollen, dem größten Bergplateau Europas. Unsere Route lassen wir spontan entstehen, und diese Routen-Idee kam uns am Tag zuvor. Was wir oben vorfinden werden ist kalkuliert ungewiss – zwar endet die Straße irgendwann im Nirgendwo, doch es soll einige vielversprechende Pfade jenseits der Schotterpisten geben. Der Anstieg ist mit all unserem Gepäck ausgesprochen anstrengend, einmal entscheidet sich Josi sogar für ein zehnminütiges Nickerchen am Straßenrand, um Kräfte zu regenerieren. Damit vorbeikommende Autofahrer die Szene nicht als Notfall interpretieren, stehe ich bereit, um Josi aufzuscheuchen, falls sich Motorengeräusche nähern. Aber hier fährt zum Glück sowieso kaum jemand entlang.

Ein sehr notwendinges Straßenrandnickerchen.

Wir erreichen 1.000 m über dem Meer, hier ist Schluss mit Bäumen und das Sonnenlicht geht mittlerweile auch rapide zur Neige. Woran es nicht im Geringsten mangelt sind Stechmücken – die karge, sumpfige Landschaft brütet diese Biester in raren Mengen aus. So haben wir zwar einen wunderschönen wild liegenden Zeltplatz, können ihn aber nicht genießen, ohne gefressen zu werden. Unser Mückenschutzmittel stemmt sich vergebens gegen die Wolke aus Mücken, uns bleibt nur der taktische Rückzug ins Zelt. Egal, wir sind sowieso todmüde, also essen wir schnell was und gehen früh ins Bett.

Der Platz sah zwar nett aus, war aber mückenverseucht.

Kleine Erzfeinde der Camper.

Kann man sich eigentlich verfahren, wenn der Weg das Ziel ist?

Am nächsten Morgen bringen wir die letzten hundert Höhenmeter hinter uns und genießen das herrliche Wetter in dieser eigentlich unwirtlichen Landschaft. Die mickrige, gekrümmte und vor allem karge Vegetation lässt uns wissen, dass hier normalerweise nicht 27 °C bei blauem Himmel herrschen. Viele Norwegerinnen und Norweger hat es an diesem Augusttag auch aufs Fjell verschlagen, die Menschen wandern, fahren zu ihren Booten auf den Bergseen oder sammeln Moltebeeren.

Schöne Aussichten auf der Hardangervidda.

Wir sind nicht auf der Suche nach Beeren, sondern nach einem Weg, der uns Richtung Westen führt. Geduldig fahren wir die Schotterstraßen ab, finden aber statt weiterführenden Quad-Wegen (die auf einigen Karten eingezeichnet waren, und auf denen wir sicherlich 20 mühselige Kilometer bis zur nächsten befestigten Straße geschafft hätten) nur schlammige Wanderpfade. Hmm. Die andere Option, einen der größeren Seen hier oben per Fährservice auf einem kleinen Boot zu überqueren, scheitert an der Aussage eines Wanderers, dass am anderen Ende des Sees seines Wissens nach auch keine weiteren Wege existieren.

Tja. Das hätten wir wohl besser recherchieren können. Mir macht es nicht so viel aus wie Josi, dass wir eine Sackgasse hochgefahren sind. Da unser Start- und Endpunkt Oslo ist und wir sowieso einfach eine große Rundtour aus Spaß am Radfahren machen, sind ein paar Extrakilometer keine Tragödie. Josi sieht das anders: „Wenn ich schon über tausend Höhenmeter hochfahre, dann soll das gefälligst auch irgendwo hinführen! Du willst mir nicht sagen, dass wir den ganzen Anstieg von gestern jetzt wieder runterfahren können?!“

„Ähm… doch. Tut mir leid, ich dachte…“

„Dann hast du falsch gedacht!“

Viel erfreuter wird Josi nicht, als ich ihr auf der Karte zeige, dass wir einfach das „falsche“ Tal hochgefahren sind, und dass das nächste Tal, fünf Kilometer weiter östlich, auf eine schöne asphaltierte Straße über das Fjell führt. Meine einzige Verteidigung ist: „Du hast doch gesagt, Du liebst jetzt Höhenmeter?“

Im Tal neben dem Gauset-Tal geht es asphaltiert bis oben.

Nachdem ich also gelernt habe, dass Josi die Höhenmeter nur unter der Kondition liebt, dass diese auch irgendwo hinführen, gebe ich mein Bestes, die Route vorsichtiger zu planen. Die Tage auf dem Fjell sind wunderschön, wir haben durchweg das beste Wetter und genießen grandiose Aussichten hinter jeder Kurve. Jeden Tag sammeln wir im Schnitt 1.500 Höhenmeter, weil die Straßen immer wieder vom Plateau herunter und sofort wieder rauf führen, aber wir machen auch viele Pausen und finden sogar zahlreiche Gelegenheiten, in Flüssen oder Bergseen zu baden. Das eiskalte Wasser ist aber nur durch die unnatürlich hohe Umgebungstemperatur irgendwie erträglich.

Dieses Wasser ist wirklich sehr frisch.

Da die Hardangervidda für einen Großteil des Jahres eine lebensfeindliche Schneelandschaft ist, ziehen es die meisten Menschen vor, sie zu besuchen, statt auf ihr zu leben. Private Ferienhütten sehen wir überall, als wären sie mit einem gigantischen Pfefferstreuer entlang der befahrbaren Wege verstreut worden. Dauerhaft bewohnte Siedlungen sind andererseits eine Seltenheit, und nur hie und da in Tälern zu finden. Das Fernstraßennetz ist ebenso geprägt von seiner Umwelt und daher nicht unglaublich komplex – um die Fjordlandschaft im Westen zu erreichen, haben wir genau eine Straße zur Auswahl: Die E7. Doch obwohl wir uns tagelang auf der einzigen Verkehrsader weit und breit bewegen, ist das Radfahren hier entspannt, Autofahrer lassen fast alle beim Überholen reichlich Platz, und manchmal werden wir bei steilen Steigungen angefeuert oder bekommen einen Daumen hoch von den Kollegen auf dem Motorrad.

Die E7. Die Stäbe helfen im Winter dabei, die Straße wiederzufinden.

Unliebsame Mitteilungen

Unsere Freude, dass wir hier so ungestört Radfahren können, wird von einem großen Schild in der kleinen Ortschaft Haugastøl ausgelacht. Zynisch teilt uns das Schild mit, dass in 50 Kilometern mehrere Tunnel kommen werden, die für Radfahrer gesperrt sind, und dass die Radwege um die Tunnel herum wegen Steinschlag gesperrt sind. Alternativen gibt es keine, abgesehen von einem mehrere hundert Kilometer langen Umweg mit groben Schotterpisten und der Option, 200 Kilometer zurück zu fahren, wo wir herkamen. Super! Wir spazieren in das Hotel, welches neben dem unerfreulichen Schild steht, und erkundigen uns an der Rezeption nach der Lage. „Ach, das steht da schon seit ein paar Jahren, ich weiß nicht, ob das jemals behoben wird“, teil uns die Dame mit.

Wir entscheiden uns, die Lage bei einem Kaffee zu reevaluieren. So viel wir die Landkarte auch drehen und wenden, es tauchen einfach keine weiteren Straßen auf ihr auf, und Google Maps beharrt ebenso stoisch darauf, dass wir doch einfach einen kleinen Umweg von vier Tagen nehmen sollen. Da wir aber die Fähre nach Hause bereits gebucht haben und deswegen in zweieinhalb Wochen wieder in Oslo sein müssen, können wir nicht auf gut Glück eine halbe Woche an Umwegen einbauen. Während wir so die Karte studieren und das Schild verfluchen, hören wir das Klicken von zwei sehr teuren Fahrrad-Freiläufen näherkommen. Das Geräusch gehört zu zwei obszön teuren Rennrädern, deren Fahrer aus der „verbotenen“ Richtung kommen und genau wie wir eine Kaffeepause einlegen wollen.

„Könnt ihr uns vielleicht etwas über die Situation mit dem gesperrten Radweg sagen?“ frage ich die beiden, nachdem ich ein Kompliment in Richtung ihrer leichten, eleganten Karbonräder gemacht habe (nach einer Weile auf einem vollbeladenen Reiserad lösen solche Rennräder sehnsüchtige Gefühle in mir aus).

„Ach, das mit den Tunneln ist schon länger so“ kommentiert einer der beiden und bestätigt, was die Rezeptionistin sagte. „Aber ihr habt sicher Licht dabei, oder?“

Er erklärt uns, dass der Radweg tatsächlich einer Schutthalde in einem Steinbruch gleicht, und nur mit gewissen Kletterkünsten und einer Portion Risikofreude passierbar ist. Die eigentlich für Fahrräder gesperrten Tunnel, andererseits, seien zumindest Richtung Westen kein Problem für uns. „In den Tunneln gilt ein Tempolimit von 50 km/h, und nach Westen sind die durchgehend abschüssig, sodass ihr das Tempo locker halten könnt. Nur bergauf würde ich das nicht empfehlen.“ Die beiden sind heute mit ihrem Auto durch die Tunnel hochgefahren, um auf dem Fjell Rad zu fahren, doch sie sind beide auch schon die Abfahrt mit dem Rad gefahren.

Diese Information ist genau das, was wir hören wollten. Das miesepetrige Schild können wir also getrost ignorieren und unsere Reise wie gehabt fortsetzen. Es folgen noch ein paar Dutzend Kilometer durch die teilweise noch mit Schneeteppichen gespickte Berglandschaft, bevor sich vor uns das Måbødal eröffnet. Wie ein großer Riss klafft es in dem Bergplateau und offenbart tiefe Blicke in eine enge Tallandschaft, in der es wieder Bäume, Felder und Blumen gibt. Die nächsten 30 Kilometer versprechen, sehr mühelos zu werden (dieser Aussage möchten unsere Bremsen vehement widersprechen).

Der Vøringsfossen.

Auf zum nähsten Abschnitt der Reise: die Fjordlandschaft.

Auf dem Weg nach unten, der sich mit dem Worten „viel Wind im grinsenden Gesicht“ gut zusammenfassen lässt, kommen wir noch an einer Sehenswürdigkeit vorbei, die in direktem Zusammenhang zu dem steilen Tal steht: der Vøringsfossen . Dieser Wasserfall zeichnet sich durch seine Höhe von über 160 Metern aus, von der er tosend in eine Schlucht fällt. Wir legen hier eine kleine Pause ein und genießen die exquisite Aussicht zusammen mit etwas weniger exquisiten Speisen (Knäckebrot und Dosenfisch), bevor wir uns in die Tunnel wagen. Mit jeweils zwei hellen Rückleuchten am Rad, einer Warnweste auf dem Rücken und mit kalter, klammer und muffiger Tunnelluft in der Nase fahren wir durch die Röhren, die uns am Tag davor so ein Kopfzerbrechen bereitet haben. Wie ein Korkenzieher windet sich einer der Tunnel in die Tiefe, insgesamt weicht der Gradient der Straße nicht signifikant von abschüssigen 8% ab. Wir lassen die Finger von den Bremsen und rauschen ins Tal.

Im Nu sind wir also am Ufer des Eidfjords. Gerade haben wir noch von der Tundra aus ins tiefe Tal geschaut, jetzt stehen wir unten und begutachten die kolossalen, nackten Granitwände, die überall um uns herum in die Höhe ragen. Kaum zu glauben, dass wir gerade erst da oben standen. „Jetzt wird es wahrscheinlich erstmal viel flacher für uns, wir fahren ja nur am Fjordufer entlang“ informiere ich Josi mit einem ahnungslosen, fehlgeleiteten Optimismus.

 

Belgien

Deutschland

Hafeneinfahrt Warnemünde, Deutschland

Hafeneinfahrt Warnemünde, Deutschland

Schottland

St Abbs, Borders, Schottland

St Abbs, Borders, Schottland

Caerlaverrock Castle, Dumfries, Schottland

Caerlaverrock Castle, Dumfries, Schottland

Bretagne

Ile Vierge, Bretagne

Ile Vierge, Bretagne

Schweden

Allee, Askö, Schweden

Allee, Askö, Schweden

Schweden – Insel Öland

Neptuni åkrar, Öland, Schweden

Neptuni åkrar, Öland, Schweden

Schweden – Insel Gotland

Junfru Klint, Gotland, Schweden

Junfru Klint, Gotland, Schweden

Finnland – Insel Aland

Kastelholmer Schloss, Åland, Finnland

Kastelholmer Schloss, Åland, Finnland

Norwegen

Tranøy Fyr, Norwegen

Tranøy Fyr, Norwegen

Utalkeiv, Lofoten, Norwegen

Utalkeiv, Lofoten, Norwegen

Norwegen – Nordlicht

Nordlicht, Hovden, Bo, Vesterålen, Norwegen

Nordlicht, Hovden, Bo, Vesterålen, Norwegen

Norwegen – Winter

Blaue Stunde, Lofoten, Norwegen

Blaue Stunde, Lofoten, Norwegen

Norwegen – kleiner Leuchtturm

Litløy, Vesterålen, Norwegen

Litløy, Vesterålen, Norwegen

Dänemark – Insel Bornholm

Dänemark – Winter

Blavand, Dänemark

Blavand, Dänemark

Wolken in Deutschland und der Niederlande

Was wäre der Himmel ohne Wolken. Langweilig. Wolken sind faszinierende Gebilde. Immer in Bewegung, immer in Veränderung, und in allen möglichen Formen und Farben.

Flauschige Federn, feine Schleier, kuschelige Schäfchen, aufquellende Gebirge, schwere heranrollende Gewitterfronten, die Bandbreite ist riesig. Die Farben ändern sich mit der Tageszeit, im Licht der untergehenden Sonne leuchten die Wolken oft grellfarbig auf.

Strand, Ameland, Niederlande

Strand, Ameland, Niederlande

Wolken und Wetter in Frankreich

Gatteville, Normandie, Frankreich

Gatteville, Normandie, Frankreich