Um 6:00 Uhr nervte wie immer der Wecker. Draußen war blauer Himmel, und wir sprangen direkt aus dem Bett. Nach dem Regen der letzten Tage fiel das wunderbar leicht. Wir dürsteten nach guten Motiven. Feine, schmale Wolkenbänder umschlangen die hohen Berge. In der Ferne verschwand gerade ein Hurtigrutenschiff unter einem Bogen aus Wolken. Wir hatten es um fünf Minuten verpasst. Die Berge und Wolken blieben wenigstens stehen, glücklich fingen wir die Eindrücke ein. Ein kleines Boot zog seine Bahn über das stille Wasser, der Bootsmotor brummte gemütlich in der ansonsten ruhigen Natur. Anfangs blies eine eiskalte Brise, ich war fast geneigt, wieder den Hügel hinunter zu laufen um die warme Jacke zu holen, da legte sich der Wind.

Wolkensteifen und Berge
Wir hatten noch etwas Zeit vor der Fährfahrt und machten einen Abstecher nach Tonnes. Eine 60 m hohe und 180 m lange Grotte ist dort eine der Sehenswürdigkeiten. Schon vom Hafen aus sahen wir das gigantische Loch hoch oben im Berg finster gähnen. Anfangs wanderten, später kletterten wir den steilen schlüpfrigen Felspfad hinauf, wir hielten uns an Büschen und Bäumen fest. Kaum angekommen, waren die Jungs schon auf dem Weg ins Höhleninnere. Ich stieg ihnen nach und bat sie nach einem kurzen Ständchen für ein Video. Da rülpsten sie allerdings nur laut und lachten sich eins. Halbstarke sollte man nicht nach sowas fragen. Amy ängstigte sich um die gröhlenden Jungs. Große Felsen lagen wild verstreut auf dem Boden des Höllenlochs. So lange schienen sie noch nicht da zu liegen. Kaum vorstellbar, dass hier Konzerte und Musikaufführungen gegeben werden.
Am Ende der Grotte entdeckten wir ein in eine Plastiktüte gehülltes Gästebuch, Esra trug uns darin ein.
Auf dem matschigen Weg zurück, stellten wir uns bildlich vor, welche Instrumente die Musiker wohl in der Höhle spielten. Flöte, Geige, Cello, Klavier, Orgel…

Die Grotte vom Hafen aus gesehen

Im Eingang der Grotte – unsere Kids als Größenvergleich!

Das Licht am Ende der Grotte
Die wunderbare Fährfahrt von Kilboghamn nach Jektvik
Zufrieden und gut gelaunt stellten wir uns in die Schlange an der Fähre von Kilboghamn nach Jektvik, deren Route den Polarkreis überquert. Auf dem Schiff gingen wir uns sofort aufs Außendeck der Fähre, mit kalten Wind und Sonnenschein. Jetzt war die Gelegenheit, die Zeitraffer-Aufnahmfunktion der GoPro zu testen. Wir klemmten dazu den GorillaPod ans Schiffsgeländer, stellten die automatische Bildfolge auf alle 5 Sekunden ein und los gings.
(Hier nochmal das 30 Sekunden lange Filmchen der einstündigen Fährfahrt)
Beim Kapitän auf der Brücke
Die kleine Kamera konnte sich selbst überlassen werden. Ich fragte mich derweil zum Kapitän durch. Wie sieht es wohl auf der Brücke der Fähre aus? Vor allem groß und geräumig. Im Gegensatz zu einem Straßenfahrzeug ist auf dem Schiff massig Platz. Ich traf oben auf zwei uniformierte Männer, der eine saß konzentriert am Steuer. Ich löcherte sie mit Fragen und sie gaben bereitwillig Antwort.

Der Kapitän der Fähre

Esra & ich als Spiegelung in der Tür
Zehnmal täglich fahren die beiden im Sommer immer diese gleiche Tour, je fünf mal hin und fünf mal her. Langweilig ist das aber nicht, es ist eine der eindrucksvollsten Strecken und sieht bei jedem Wetter anders aus.
„Ist es denn sehr schwierig, so eine große Fähre zu fahren?“ frage ich, wahrscheinlich etwas naiv, denn ich kenne mich überhaupt nicht aus. „Nein, bei ruhigen Bedingungen wie heute ist es ein Kinderspiel. Bei Wind wird es allerdings schwierig, da brauchen wir die volle Konzentration“ antwortet der Kapitän während er nach vorne auf den ruhigen Fjord schaut.
Die Fähre ist symetrisch aufgebaut und die Brücke hat zwei Steuerplätze, einen vorn und einen hinten. Für die Rückfahrt wechselt der Kapitän einfach auf den anderen Platz. So muss die Fähre nicht wenden.
Er erzählt mir noch über einen Grindwal, der seit Jahren im gleichen Fjord ganz allein in der Nähe einer Lachsfarm lebt. Ich schaue mir seine Bilder auf dem Smartphone an und bin begeistert, wie zahm dieser Wal ist. Auf dem Foto scheint er sich am kleinen Boot zu reiben und schaut direkt in die Handykamera.
Nach dem Plausch geselle ich mit wieder zu meinen Männern, Amy und Noah sitzen im Salon der Fähre, in ihre Bücher vertieft, wir schauen uns die Berge und Wolken an. Und natürlich die metallene Weltkugel auf dem Felsen, welche den Verlauf des Polarkreises markiert.

Gunter fotografiert – von Esra aufgenommen

Ein Wolkenband um den Berg

auf der Fähre

Wir überqueren den Polarkreis
Objektiv kaputt
Mein Objektiv muckt gerade, als es besonders schön ist. Die Blende flackert, die Kamera meldet Error 01. Das Gleiche hatte ich schon mal mit einem Teleobjektiv. Damals war die Reperatur sehr teuer und dauerte ewig. Hmm, schlecht. Das 24-105 mm ist mein meist genutztes Objektiv. Wie viele Fotos ich wohl damit gemacht habe? Einige Hunderttausend bestimmt, an mehreren Kameragenerationen!
Ob unsere technischen Probleme mit der Sonnenaktivität zu tun haben? Sind die Geräte so empfänglich dafür wie wir für das Nordlicht? Später brummte das Handy, der Navi knarzte selbsttätig ohne Grund, der Akku der GoPro war obwohl gerade geladen und unbenutzt, wieder leer, das Licht am Mobil….
Nun, wir bilden uns das wohl nur ein. Was intensiv genutzt wird, stirbt hie und da auch mal.
Grandiose Aussichten auf den Gletscher
Nach dieser Fährfahrt wird die RV17 immer grandioser. Die Berge erheben sich jetzt bis über 1300 m. Das hört sich nicht sonderlich viel an? Doch wir sind ja am Meer, da geht es direkt von 0 au 1300! Wir näherten uns dem Svartisen Gletscher. Hoch oben zwischen den Gipfeln hängt das blaue Eis fast bis in die Täler hinunter. Mit einem Boot kann man zum anderen Ufer des grünblauen Fjords übersetzen und dann zum Gletscher laufen. Wir hatten das vor ein paar Jahren schon mal gemacht und können die Wanderung zum Engabreen unbedingt empfehlen. Dieses Mal verzichteten wir darauf, denn es ist bereits später Nachmittag ist.
Die hohen Berge bieten wenig Möglichkeit für Pässe, so durchqueren wir sie durch zahlreiche, lange Tunnels. Es ist jedesmal spannend zu sehen, was sich am anderen Ende zeigen wird. Das Aussehen der Landschaft und das Wetter wechseln ständig. In einen acht Kilometer langen Tunnel fahren wir bei sonnigem Wetter hinein, bei der Ausfahrt erwarten uns tiefe, schwere, graue Wolken. Das sonnige Wetter war von kurzer, aber intensiver Dauer. Wir haben es aber bewußt und in vollen Zügen genossen.
Lebensmittel müssen besorgt werden, dabei entdeckte Gunter in einem der Läden wieder meine Lieblingswollsocken. Wunderbar! Wir hatten vor vier Jahren im Fühling mehrere Packs davon erstanden und sie seither mit Vorliebe beim Wandern und auch sonst getragen. Inzwischen waren jedoch alle so löchrig geworden, dass wir sie aussortieren mussten.
An einem Rastplatz mit Toilette und Grillmöglichkeiten richteten wir uns für die Nacht ein. Fette Wolken bedeckten den Himmel, dass wir nicht mehr auf Nordlichter zu hoffen brauchten. So schnell kann sich das Wetter drehen.

Tang, Felsen und tiefhängende Wolken

Wolken, Berge und Fjord
Größere Kartenansicht
Tranøy Fyr und der etwas andere Zeitraffer-Film
So heftig Regen und Sturm in der Nacht auch tobten, morgens begrüßte uns bestes Sonnenwetter. Ich zog mehrere Lagen Wäsche an und lief mit schwerem Rucksack und Stativ los, wieder den Hügel gegenüber des Leuchtturms hoch. Das weiche Moos hatte sich mit Wasser vollgesaugt, das taten nun auch meine Füße. Die Socken waren schnell nass, was mich nicht davon abhielt, über den Hügel bis ans felsige Ufer zu laufen. Dort positionierte ich das Stativ dicht bei den Wellen. Wie immer :-) Ich wurde ständig von hinten nass gespritzt, schütze mit meinem Körper die Kamera. Was tut man nicht alles für ein gutes Foto?
Den Leuchtturm von Tranøy habe ich bereits im Sommer, Winter und im Herbst aufgenommen, noch nie aber mit Wellen. Jetzt war die Zeit dafür gekommen!
Wellen am Tranøy Fyr
Das typische weisse Geländer
Ebbe und Flut, das Leben unter Wasser
Esra kam mir entgegen. Wir hatten noch ein weiteres Experiment vor. Und zwar mit dr GoPro. Die Unterwassertauglichkeit wollte ich mir zur Verdeutlichung von Ebbe und Flut zunutze machen. Wir beratschlagten uns, fanden einen Metallstab im Matsch liegend, an der wir die Kamera befestigten. Das Wasser stieg, die Kamera war positioniert. Jetzt mußten wir nur noch warten!
Derweil liefen Gunter und ich nochmal zum Restaurant um mit Inger und Villy zu sprechen. Die beiden betreuen das Anwesen. Die Leute, die in der Nähe Hütten haben, würden gerne mal hier essen. Die meisten Gäste, im Restaurant und zur Übernachtung, seien Norweger. Aber es kämen auch viele Italiener und Deutsche. Ab Ende September ist jedoch alles geschlossen.
Inger und Villy
Die Webpage des Tranøy Fyr
Vogelkolonie im Sommer
Hinter den Häusern gibt es eine weisse Mauer. Vor Jahren im August beobachteten wir hier das Spektakel der brütenden Küstenseeschwalben. Inger erzählt: „Das ist jedes Mal wieder spannend zu sehen, wie sich die Vögel langsam an den Felsen annähern. Sie tuen sich draußen auf dem Meer zusammen, baden ausgiebig, kommen dann auf die Felsen, gehen wieder, kommen zurück. Es scheint ein kompliziertes Ritual zu sein. Irgendwann schaffen sie es dann. Während sie brüten essen und trinken die Vögel anscheinend nichts. Die Küstenseeschwalben suchen die Nähe zu Siedlungen und Menschen. Sie werden von allen Raubvögeln bedroht und sind daher im Schutz der Häuser sicherer.“
Inger und Villy bauen den Vögeln sogar kleine Häuschen, die sie gerne nutzen.
Jetzt ist es wieder ruhig am Tranøy Fyr. Die Gruppe, die gestern hier übernachtet und deren Gelächter beim Frühstück über das ruhige Wasser schwebte, ist abgereist, außer uns waren keine Besucher mehr da.
Im Leuchtturm
Mit Villy besteigen wir den Leuchtturm. Zum ersten Mal sehen wir ein Nebelhorn im Innern des runden, gusseisernen Gebäudes. Die Druckbehälter sind gewaltig, aber nicht mehr in Benutzung. Oben gibt es ein kleines Guckloch, sah man früher dadurch die Berge nicht mehr, war es an der Zeit, das Nebelhorn anzuwerfen.
Wir liefen entlang der Fresnellinse, die letzte Woche erst ausgetauscht wurde, dann traten wir hinaus an die frische Luft. Der Blick schweift von oben herab über die ganze Region. Da muss ich leider wieder zu einem meiner Lieblingsworte hier im Bericht greifen: traumhaft!
Das Fensterchen fürs Nebelhorn
Die Fresnellinse
Der Blick steil nach unten
Wie sieht der Tranøy Fyr im Winter aus? Hier findet Ihr zwei Panoramen.
Ein etwas anderer Film der Flut
Wir liefen ans Mobil zurück und Esra grinste breit. „Ich sagte doch, dass das eine super Idee ist mit dem Zeitraffer auch Unterwasser!“. Ha, ich hab immer die tollen Ideen und dann sind sie alle stolz. Wir hatten aber auch Spaß am Filmchen. Es eröffnet einfach eine neue Sichtweise.
Wir überlegte, noch eine Nacht zu bleiben, entschieden uns jedoch dagegen, weil wir Heike Vester auf den Lofoten treffen wollten.
Die Fähre von Skutvik nach Svolvaer
Wir kauften Lebensmittel ein und fuhren dann nach Skutvik zur Fähre. Diese Fährfahrt machten wir bereist mehrmals und sie ist eine der Schönsten. Der Stopp in Skrova bietet mit den traditionellen Rorbuer Hütten, typisch norwegische Fotomotive. Der Leuchtturm der Insel sitzt fotogen aber ansonsten unerreichbar auf einem Felsen. Bei schönstem Wetter blieben wir die zwei Stunden draußen im Freien und genossen den Blick auf die näher kommenden Lofotenberge, die im Licht der Abendsonne perfekte Motive boten. Was für eine Fährfahrt!
Bei der Abfahrt hatten wir erfahren, dass diese Strecke eventuell aufgegeben werden soll. Das wäre sehr schade. Seit es die Strasse zu den Lofoten gibt, werden die Fähren wohl nicht mehr so intensiv genutzt. Meiner Meinung nach ist die Ankunft auf einer Inselgruppe übers Meer doch wesentlich angenehmer und authentischer als durch einen muffigen Tunnel.
Ankunft der Fähre in Sktuvik
Auf der Fähre
Häuser auf der Insel Skrova
Der Leuchtturm vor Skrova
Die Lofotenberge
Licht und Berge
Die Lofotenberge im Abendlicht
Wir fuhren direkt nach Henningsvaer, saßen noch lange mit Heike zusammen und schliefen dann nach der schlaflosen Nacht im Sturm, den Schlaf der Gerechten.
Lies auch den vorherigen Beitrag zum Tranøy Fyr!
Übersichtsseite Norwegenreise 2013
Norwegische Leuchtturm-Seiten
Leuchttürme im Süden Norwegens
25. August 2013/von GabiKrakenes Fyr – der Leuchtturm auf der Klippe
29. August 2013/von GabiTranøy Fyr und der etwas andere Zeitraffer-Film
8. September 2013/von GabiUnsere sechs Lieblingsleuchttürme in Norwegen
31. Dezember 2013/von Gabi„Gemeinsam einsam“ – Littleisland Lighthouse, Norwegen
19. Februar 2014/von GabiLindesness Fyr im Zeitraffer in der Nacht, Südnorwegen
Eggum, Lofoten, Norwegen
Leuchtfeuer in Henningsvaer, Norwegen
Litløy Fyr, Unterwasserfilmchen, Vesterålen, Norwegen
Skrova Fyr, Lofoten, Norwegen
Lindesnes Fyr und die Bunkeranlagen, Norwegen
Hov Fyr, Lofoten, Norwegen
Tranoy Leuchtturm und Wald
Unser nettes Plätzchen am Fjord hatten wir in der Dunkelheit gut gewählt. Wir blickten auf klares Wasser, träge schwankenden Tang und ein kleines rotes Leuchttürmchen am Straßenrand. Während das Wasser für den Kaffee heiß wurde, waren wir alle am Ufer. Gunter und ich mit dem Fotoapparat in der Hand, die Kids einfach nur so.
Jetzt waren es nur noch ca. 10 km zum großen Leuchtturm.
Tranøy Fyr
Der Leuchtturm bei Tranøy ist einer den schönsten Leuchttürme, die wir kennen. Das liegt vor allem an der außerordentlichen Lage. Ein 250m langer Steg führt über Felsen und kristallklares Wasser zum Leuchtturm, dem Restaurant und den Häusern, in denen früher die Leuchtturmwärter, und heutzutage bis zu 40 Touristen wohnen.
Perfekt zur Kulisse passendes Bilderbuchwetter verwöhnte uns. Natürlich liefen auch wir wieder über den Steg. Im Restaurant traf ich auf Inger und Villy, die den Sommer über das Anwesen betreuen. Die beiden waren schwer beschäftigt, sie erwarteten Übernachtungsgäste für den Abend. Wir verabredeten uns auf später.
Tranøy Fyr und Tang
Eine nette Bekanntschaft
Zurück am Parkplatz sprach mich eine Frau an, die bereits vorher freundlich grüßend an uns vorbeigeradelt war. Wir werden nicht sehr häufig angesprochen, meist fange ich die Gespräche an. Nach wenigen Minuten lud sie uns zum Kaffee ein, was wir dankend annahmen.
Das Wohnmobil durch namenlose Schotterwege zu manövrieren war eine Herausforderung, vor allem aber, weil wir uns verfuhren. Endlich an der Ferienhütte angekommen, machte sie eher den Eindruck eines ausgewachsenen Hauses. Genial, so einen eleganten Rückzugsort in die Natur zu haben. Bei einer Tasse Kaffee, Waffeln und Moltebeeren unterhielten wir uns angeregt. Der berühmteste Deutsche dieser Region ist übrigens Horst Tabbert (Derrick), der auch eine solche Hütte in Hamarøy bewohnte.
Die Kids und einer der kleinen Bäume. Der Wald war etwas ganz Besonderes, eine Art Bonsai Wald!
Die Wanderer
Im Wald
Die verlassene Fischfabrik
Das ehemalige Büro
in der verlassenen Fischfabrik
in der verlassenen Fischfabrik – allerlei Werkzeug
Ein kleiner See im Hamaroy – das war der See, der das Eis für die Lofotenfischerei lieferte!
Eine kurze Wanderung
Arnt Egil, der Hausherr lud uns zu einer kurzen Wanderung ein. Unweit der Hütte stand ein verfallendes Fischerhaus, welches wir inspizierten. Danach liefen wir gemeinsam durch einen fantastischen Wald mit krummen kleinen Bäumen, farbenfrohen Moosen und Flechten den Hang hinauf. Auf dem Hügel angelangt schauten wir über ein malerisches Tal, welches noch vor wenigen Jahren Farmland, nun aber verlassen war.
Unsere Gastgeber aus Oslo erzählten, dass die Region immer einsamer würde. Die meisten Menschen ziehen weg. Der Schulweg ist mühsam für die Kinder, weil immer mehr Schulen geschlossen, wird der Weg weiter und weiter. Die beiden haben ihre jüngsten Enkel zu Besuch, die sie für die Natur und die landschaftliche Schönheit begeistern wollen.
Froh, Arnt Egil und Gunhild kennengelernt zu haben, und dankbar für die Führung verabschiedeten wir uns herzlich von den beiden und kehrten zurück zum Leuchtturm.
Ein besonderer Ort: Tranøy
Skulpturlandskap in Tranøy
Im Hafen von Tranøy
Klares Wasser mal wieder
Regenwetter und eine stürmische Nacht am Leuchtturm
Dort hingen bereits schwere Wolken am Himmel. Es fing an zu nieseln und der Wind blies biestig kalt, als wir den Hang gegenüber dem Leuchtturm hinaufwanderten. Wir schafften es gerade noch so zurück zum Wohnmobil, da schüttete es richtig und der Wind wuchs zur Sturmstärke an. Er heulte und pfiff und schüttelte kräftig an unserer Kiste. Aus Nachtaufnahmen wurde darum leider nichts.
Regenwetter am Tranøy Fyr
Morgen geht es mit dem Leuchtturm weiter….
Übersichtsseite Norwegenreise 2013
Norwegische Leuchtturm-Seiten
Leuchttürme im Süden Norwegens
25. August 2013/von GabiKrakenes Fyr – der Leuchtturm auf der Klippe
29. August 2013/von GabiTranøy Fyr und der etwas andere Zeitraffer-Film
8. September 2013/von GabiUnsere sechs Lieblingsleuchttürme in Norwegen
31. Dezember 2013/von Gabi„Gemeinsam einsam“ – Littleisland Lighthouse, Norwegen
19. Februar 2014/von GabiLindesness Fyr im Zeitraffer in der Nacht, Südnorwegen
Eggum, Lofoten, Norwegen
Leuchtfeuer in Henningsvaer, Norwegen
Litløy Fyr, Unterwasserfilmchen, Vesterålen, Norwegen
Skrova Fyr, Lofoten, Norwegen
Lindesnes Fyr und die Bunkeranlagen, Norwegen
Hov Fyr, Lofoten, Norwegen
Bodø und ein arktischer Korallensandstrand, Per Ole, der Walkapitän
Bodø liegt nördlich des Polarkreises und ist die größte Stadt in Bezirk Nordland. Wir hofften, hier ein Ersatz-Objektiv zu finden. Leider kam es, wie insgeheim befürchtet: teure und hochwertige Linsen im norwegischen Norden aufzutreiben ist unmöglich. Nun, es regnete sowieso, wir verpassten wenigstens während der Sucherei keine traumhaften Stimmungen.
Camping am Sandstrand
Gegen Nachmittag entdeckten wir etwa 5 km nördlich der Stadt einen einfachen Campingplatz; er bot halt keine Toiletten, keine Duschen und auch keinen Abfallkontainer. Die Saison war vorbei und der Platz bereits winterfest eingemottet. Die Gebühr war entsprechend gering. 100 NOK für den Stellplatz und 30 NOK für Strom, der noch floss. Den würden wir bei dem feucht- dunklen Wetter gut brauchen können. Wir zahlten per Briefumschlag und machten es uns gemütlich. Als der Regen etwas nachliess, liefen wir am langestreckten Sandstrand entlang. Wir stellten die GoPro für ein Timelapse Film auf, mussten sie aber am vermeintlich ruhigen Strand dauernd vor Spaziergängern und Hunden in Schutz nehmen.
morgens an der RV 17
Eine kurze Saison im Norden
Ein Traktor schichtete Unmengen von Erde vor dem Mobil am Rand des Strandes auf. Der heftige Wintersturm von vor zwei Jahren hatte an dieser Stelle an der Küste genagt. Der Traktorfahrer sprach sich mit einer Frau ab, sie beratschlagten, wie die Erde am besten zu verteilen sei. Ich sprach sie an. „Ja, im Sommer kommen hier sehr viele Leute her. Seit vielen Jahren verbringt ein deutsches Ehepaar den ganzen Sommer hier. Die beiden träumen davon einmal Nordlichter zu sehen, haben es aber noch nie geschafft“ Ich erzähle ihr von unserem Lebensstil, von unserer Fotografie und sage auch, dass ich für solch einfache Stellplätze sehr froh bin. Der Mülleimer und die Toiletten seien erst gestern abgeholt worden. Als sie das realisierte, öffnete sie den Briefumschlag, den wir kurz vorher in den Bezahlkasten eingeworfen hatten und gab mir 100 NOK zurück. Sie wollte nur das Geld für den Strom. Ich bedankte mich mit einem Nordlichtfoto für die nette Geste!
Die GoPro bei der Arbeit
seichte Wellen am Strand
Die Nacht war wieder wolkenverhangen, wir behielten aber sicherheitshalber den Himmel im Blick. Das Wohnmobil stand so nah am Strand, dass ich verzückt den Wellen lauschen konnte, als die Flut hereinkam. Es gibt viele Arten von Wellen, diese ruhigen auf dem Sand plätschernden mag ich fast am liebsten.
Strandgut
Gespräche im Regen
Auch der nächste Tag war noch verregneter. Es hörte gar nicht mehr auf. Wir kauften Schuhe für Esra und Lebensmittel, gingen zur Bank, um Geld für das Objektiv zu holen. Trotz des andauernden Regens trafen wir bei der Rückkehr auf dem Campingplatz norwegische Camper. Wir schwätzten mit den Nachbarn, der seinen Wohnwagen abbaute. Er hatte den Schlüssel vergessen und war froh über unsere Kurbel, mit der er die Stützen einfahren konnte. Esra und ich kamen klatschnass zurück und abends schauten wir eine Folge Dr Who. Wir hatten ja ausreichend Strom. Nachts lauschte ich wieder den Wellen.
Regenpausen
Morgens halfen wir einem Ehepaar im Rentenalter beim Abbauen ihres Campers. Erst wollten sie keine Hilfe, dann merkte er, dass der Abbau der große Holzterasse doch zu schwer war und meine Männer packten mit an. Wir unterhielten uns auf norwegisch. Das heisst, wir versuchten es zu verstehen, antworteten aber auf Englisch. Vielleicht werde ich doch nochmal mit einem norwegisch Kurs anfangen…
Das Wetter wurde nun trockener und warm, und wir brachen auch auf.
In Bodø besuchten wir zwei Galerien, holten Fährfahrpläne im Touristencenter und machten uns danach auf den Weg nach Fauske, wo wir uns eine warme Mahlzeit zubereiteten.
Fahrt nach Tranøy
Die Strecke nach Tranøy war atemberaubend schön. In den Bergen beginnt bereits der Herbst. Die Bäume werden vor allem gelb, nur wenige rot. Doch kaum fahren wir wieder ins Tal, ist es wieder Sommer. In Ulsvag trafen wir unseren guten Freund Per Ole, den Walkapitän, auf einen Kaffee. Es ist einige Jahre her, seit wir uns zum letzten Mal getroffen haben, und es war an der Zeit, mal wieder zu plaudern.
Per Ole wurde immer munterer, ich liebe einfach seine Geschichten. Hatte ihn vor ein paar Jahren dazu angregt, doch ein Buch zu schreiben. Jetzt ist er schon eifrig dabei, stolz zeigte er zig Kapitel, fix und fertig bebildert. Und wenn ich nur für dieses Buch Norwegisch lernen werde!
Per Ole und Esra
Geistergeschichten vom Leuchtturm
Ich erzählte ihm von unseren Leuchtturm Fotos. Grinsend sprudelte eine weitere Geschichte aus ihm heraus: „Auf Tranøy gibt es den kopflosen Geist einer Frau. Aber die Leute hier in Norwegen reden nicht gerne über solche Geschichten. Schreib das besser nicht auf“
Er redete weiter, wir kleben an seinen Lippen: „Früher wurden die Verbrecher auf diese Insel gebracht und einen Kopf kürzer gemacht, jetzt spuken sie da halt herum.“
Spät am Abend, nach einer langen interessanten Unterhaltung, verabschieden wir uns von Per Ole. In der Dunkelheit suchten wir uns ein nettes Plätzchen am Fjord, wieder plätschern die Wellen als kleine Nachtmusik. Wir waren müde und schliefen früh ein. Der Himmel war wieder einmal wolkenverhangen.
Glauben wir an diese Geistergeschichten? Ja, das tun wir! Während ich das schreibe, sitzen wir im Sturm bis Windstärke 8 vor dem Leuchtturm – ob das übrigens unser neues Motto wird? Bei jedem Leuchtturm ein Sturm? Bei jedem Leuchtturm ein Geist?
Bis jetzt jedenfalls, kam kein kopfloser Geist :-)
PS Das Licht am Mobil funktioniert seit Namsos ohne weitere Probleme! Gut, was?
Ein kleiner Leuchtturm auf dem Weg nach Tranoy – Amy kletterte mutig nach oben
Übersichtsseite Norwegenreise 2013
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Wieder auf der RV 17, eine traumhafte Fährfahrt, Grimstad im Regen
Um 6:00 Uhr nervte wie immer der Wecker. Draußen war blauer Himmel, und wir sprangen direkt aus dem Bett. Nach dem Regen der letzten Tage fiel das wunderbar leicht. Wir dürsteten nach guten Motiven. Feine, schmale Wolkenbänder umschlangen die hohen Berge. In der Ferne verschwand gerade ein Hurtigrutenschiff unter einem Bogen aus Wolken. Wir hatten es um fünf Minuten verpasst. Die Berge und Wolken blieben wenigstens stehen, glücklich fingen wir die Eindrücke ein. Ein kleines Boot zog seine Bahn über das stille Wasser, der Bootsmotor brummte gemütlich in der ansonsten ruhigen Natur. Anfangs blies eine eiskalte Brise, ich war fast geneigt, wieder den Hügel hinunter zu laufen um die warme Jacke zu holen, da legte sich der Wind.
Wolkensteifen und Berge
Wir hatten noch etwas Zeit vor der Fährfahrt und machten einen Abstecher nach Tonnes. Eine 60 m hohe und 180 m lange Grotte ist dort eine der Sehenswürdigkeiten. Schon vom Hafen aus sahen wir das gigantische Loch hoch oben im Berg finster gähnen. Anfangs wanderten, später kletterten wir den steilen schlüpfrigen Felspfad hinauf, wir hielten uns an Büschen und Bäumen fest. Kaum angekommen, waren die Jungs schon auf dem Weg ins Höhleninnere. Ich stieg ihnen nach und bat sie nach einem kurzen Ständchen für ein Video. Da rülpsten sie allerdings nur laut und lachten sich eins. Halbstarke sollte man nicht nach sowas fragen. Amy ängstigte sich um die gröhlenden Jungs. Große Felsen lagen wild verstreut auf dem Boden des Höllenlochs. So lange schienen sie noch nicht da zu liegen. Kaum vorstellbar, dass hier Konzerte und Musikaufführungen gegeben werden.
Am Ende der Grotte entdeckten wir ein in eine Plastiktüte gehülltes Gästebuch, Esra trug uns darin ein.
Auf dem matschigen Weg zurück, stellten wir uns bildlich vor, welche Instrumente die Musiker wohl in der Höhle spielten. Flöte, Geige, Cello, Klavier, Orgel…
Die Grotte vom Hafen aus gesehen
Im Eingang der Grotte – unsere Kids als Größenvergleich!
Das Licht am Ende der Grotte
Die wunderbare Fährfahrt von Kilboghamn nach Jektvik
Zufrieden und gut gelaunt stellten wir uns in die Schlange an der Fähre von Kilboghamn nach Jektvik, deren Route den Polarkreis überquert. Auf dem Schiff gingen wir uns sofort aufs Außendeck der Fähre, mit kalten Wind und Sonnenschein. Jetzt war die Gelegenheit, die Zeitraffer-Aufnahmfunktion der GoPro zu testen. Wir klemmten dazu den GorillaPod ans Schiffsgeländer, stellten die automatische Bildfolge auf alle 5 Sekunden ein und los gings.
(Hier nochmal das 30 Sekunden lange Filmchen der einstündigen Fährfahrt)
Beim Kapitän auf der Brücke
Die kleine Kamera konnte sich selbst überlassen werden. Ich fragte mich derweil zum Kapitän durch. Wie sieht es wohl auf der Brücke der Fähre aus? Vor allem groß und geräumig. Im Gegensatz zu einem Straßenfahrzeug ist auf dem Schiff massig Platz. Ich traf oben auf zwei uniformierte Männer, der eine saß konzentriert am Steuer. Ich löcherte sie mit Fragen und sie gaben bereitwillig Antwort.
Der Kapitän der Fähre
Esra & ich als Spiegelung in der Tür
Zehnmal täglich fahren die beiden im Sommer immer diese gleiche Tour, je fünf mal hin und fünf mal her. Langweilig ist das aber nicht, es ist eine der eindrucksvollsten Strecken und sieht bei jedem Wetter anders aus.
„Ist es denn sehr schwierig, so eine große Fähre zu fahren?“ frage ich, wahrscheinlich etwas naiv, denn ich kenne mich überhaupt nicht aus. „Nein, bei ruhigen Bedingungen wie heute ist es ein Kinderspiel. Bei Wind wird es allerdings schwierig, da brauchen wir die volle Konzentration“ antwortet der Kapitän während er nach vorne auf den ruhigen Fjord schaut.
Die Fähre ist symetrisch aufgebaut und die Brücke hat zwei Steuerplätze, einen vorn und einen hinten. Für die Rückfahrt wechselt der Kapitän einfach auf den anderen Platz. So muss die Fähre nicht wenden.
Er erzählt mir noch über einen Grindwal, der seit Jahren im gleichen Fjord ganz allein in der Nähe einer Lachsfarm lebt. Ich schaue mir seine Bilder auf dem Smartphone an und bin begeistert, wie zahm dieser Wal ist. Auf dem Foto scheint er sich am kleinen Boot zu reiben und schaut direkt in die Handykamera.
Nach dem Plausch geselle ich mit wieder zu meinen Männern, Amy und Noah sitzen im Salon der Fähre, in ihre Bücher vertieft, wir schauen uns die Berge und Wolken an. Und natürlich die metallene Weltkugel auf dem Felsen, welche den Verlauf des Polarkreises markiert.
Gunter fotografiert – von Esra aufgenommen
Ein Wolkenband um den Berg
auf der Fähre
Wir überqueren den Polarkreis
Objektiv kaputt
Mein Objektiv muckt gerade, als es besonders schön ist. Die Blende flackert, die Kamera meldet Error 01. Das Gleiche hatte ich schon mal mit einem Teleobjektiv. Damals war die Reperatur sehr teuer und dauerte ewig. Hmm, schlecht. Das 24-105 mm ist mein meist genutztes Objektiv. Wie viele Fotos ich wohl damit gemacht habe? Einige Hunderttausend bestimmt, an mehreren Kameragenerationen!
Ob unsere technischen Probleme mit der Sonnenaktivität zu tun haben? Sind die Geräte so empfänglich dafür wie wir für das Nordlicht? Später brummte das Handy, der Navi knarzte selbsttätig ohne Grund, der Akku der GoPro war obwohl gerade geladen und unbenutzt, wieder leer, das Licht am Mobil….
Nun, wir bilden uns das wohl nur ein. Was intensiv genutzt wird, stirbt hie und da auch mal.
Grandiose Aussichten auf den Gletscher
Nach dieser Fährfahrt wird die RV17 immer grandioser. Die Berge erheben sich jetzt bis über 1300 m. Das hört sich nicht sonderlich viel an? Doch wir sind ja am Meer, da geht es direkt von 0 au 1300! Wir näherten uns dem Svartisen Gletscher. Hoch oben zwischen den Gipfeln hängt das blaue Eis fast bis in die Täler hinunter. Mit einem Boot kann man zum anderen Ufer des grünblauen Fjords übersetzen und dann zum Gletscher laufen. Wir hatten das vor ein paar Jahren schon mal gemacht und können die Wanderung zum Engabreen unbedingt empfehlen. Dieses Mal verzichteten wir darauf, denn es ist bereits später Nachmittag ist.
Die hohen Berge bieten wenig Möglichkeit für Pässe, so durchqueren wir sie durch zahlreiche, lange Tunnels. Es ist jedesmal spannend zu sehen, was sich am anderen Ende zeigen wird. Das Aussehen der Landschaft und das Wetter wechseln ständig. In einen acht Kilometer langen Tunnel fahren wir bei sonnigem Wetter hinein, bei der Ausfahrt erwarten uns tiefe, schwere, graue Wolken. Das sonnige Wetter war von kurzer, aber intensiver Dauer. Wir haben es aber bewußt und in vollen Zügen genossen.
Lebensmittel müssen besorgt werden, dabei entdeckte Gunter in einem der Läden wieder meine Lieblingswollsocken. Wunderbar! Wir hatten vor vier Jahren im Fühling mehrere Packs davon erstanden und sie seither mit Vorliebe beim Wandern und auch sonst getragen. Inzwischen waren jedoch alle so löchrig geworden, dass wir sie aussortieren mussten.
An einem Rastplatz mit Toilette und Grillmöglichkeiten richteten wir uns für die Nacht ein. Fette Wolken bedeckten den Himmel, dass wir nicht mehr auf Nordlichter zu hoffen brauchten. So schnell kann sich das Wetter drehen.
Tang, Felsen und tiefhängende Wolken
Wolken, Berge und Fjord
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Übersichtsseite Norwegenreise 2013
Von Brønnøysund nach Stokkvågn
Es regnete ohne Unterlass. Es schien nur zu nieseln, doch kaum trat man ins Freie, war man schon nass. Da war uns eine heiße Dusche lieber. An diesem trüben Tag verzichtete keiner der 5Reicherts darauf. Das lokale Internet hatte am Abend zuvor nicht funktioniert. Nachdem der Besitzer auf Anfrage den Resetknopf des Routers gedrückt hatte, klappte es endlich. Unser cooler NetCom Stick schaffte es mangels Verbindung nicht, durch das Loch im Berg einen Empfang aufzubauen. So waren wir froh für den schnellen Zugang. Die Jungs konnten sogar ihren kurzen Unterwasserfilm des Steinplatschers hochladen. Wir leerten noch das Abwasser und nahmen frisches Wasser an Bord, so kamen wir erst gegen 13:00 Uhr weg. Es machte mich traurig, diesen Abschnitt der RV 17 nicht ansehen zu können. Vor allem die Wanderung durch das Loch im Berg wäre interessant gewesen.
Sandstrand beim Torghatten
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Fähren
Der Wetterbericht verhieß nichts Gutes. Der Nordlichtbericht aber umso mehr. Neidisch schielten wir auf das Sonnensymbol, welches auf der Landkarte über den Lofoten prangte.
Mit quietschenden Scheibenwischern machten wir uns weiter auf den Weg. Ganz allein warteten wir vor der nächsten Fähre. Es war Sonntag und der 1. September. Der Winterfahrplan war ab heute im Einsatz. Wir hätten sehr lange warten dürfen. Und bei der anschließenden Fähre wieder. Normalerweise ist das kein Problem. Die Fjorde haben immer etwas zu bieten. Doch nicht im strömenden Regen. Wir entschlossen uns, die alternative Strassenroute über die 76 und die E 6 nach Mo i Rana zu nehmen. Das mit der RV17 schaffen wir aber sicher nochmal!
Anstrengende Fahrt
Wir fuhren stundenlang, hörten traurig „Nichts Neues im Westen“ weiter, fanden jedoch auch viel Schönheit in der regnerischen Landschaft. Die Fahrt war anstrengend. Es ging kurvig auf und ab. Ich schaltete dauernd rauf und runter, mein rechter Arm ist schon lahm.
Die E6 hätte ich auf dieser Reise gern vermieden, nun waren wir doch wieder auf der schnelleren Straße gelandet.
Laksfossen
Beim Laksfossen machten wir Rast, der Wasserfall führte viel mehr Wasser als üblich, die Gischt war von weitem zu sehen. Da wir eh regennass waren, machte uns das heute nichts aus. Ich schoss nur ein paar dokumentarische Aufnahmen. Auf die glitschigen Felsen traute ich mich nicht.
Laksfossen
Nach dem Essen gings weiter nach Mosjoen und Mo I Rana. Die Fahrerei zog sich zäh in die Länge. Vor einem Tunnel staute sich der spärliche Verkehr. Im dunklen Loch wurde gearbeitet. Wir waren wieder auf der RV 17 und legten kurz nach Stokkvågn unseren Stopp für die Nacht ein.
Am Himmel schien ein leicht grünlicher Schimmer durch die dünne Wolkendecke. Ich war hundemüde und beim kurzen Ausruhen tief und fest eingeschlafen. Ich weiss nicht, ob ich in dieser Nacht noch eine Nordlichtfotosession durchgestanden hätte.
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Namsos nach Brønnøysund
Es war Samstag. Wir suchten eine Autowerkstatt, die uns mit dem Elektrikproblem des Mobils helfen konnte. Es war unmöglich jemanden zu finden. Alle Werkstätten waren geschlossen.
An der Statoil Tankstelle fragten wir, ob sie uns helfen könnten. Der nette Chef versuchte telefonisch jemanden zu erreichen, doch niemand beantwortete das Klingeln. Wir müßten wohl bis Montags warten.
Ein neuer Plan
Wir beschlossen, das Wochenende auf der Insel vor Namsos zu verbringen, dazu würden wir Vorräte brauchen. Im COOP nebenan stockten wir die Vorräte auf, Gunter suchte dort auch noch nach geeignetem Werkzeug. Auf dieser Reise haben wir optimistischerweise nur leichtes Reparaturzeug mitgenommen. Wir wollen ja nicht dauernd schrauben. Nur, das Womo wußte nichts davon.
Der Himmel zog sich zu, schwere Wolken senkten sich herab. Es regnete. Es regnete in einer Art, dass es uns sofort klar war, das dauert jetzt. Kennt Ihr das? Man weiss, es einfach. Und wir sollten Recht behalten. Es hörte den ganzen Tag nicht mehr auf.
Selbst ist der Mann
Da es regnete, hatten wir es nicht wirklich eilig, ans Meer zu kommen. Gunter hatte die Relais und Kabel am Abend zuvor bereits frei gelegt, die Plastikverkleidung abgeschraubt. Jetzt sortierte er das Kabelgewirr und schraubte die Halterung der Sicherungen los, da löste sich etwas und fiel runter. Gleichzeitig klickte es und das Licht funktionierte wieder. Was für ein Glück! Doch würde es auch halten? Gunter war sich sicher, dass zumindest dieses Problem der Vergangenheit angehört.
Wir haben uns mittlerweile an unser Mobil gewöhnt. Das macht öfters mal solche Possen. Es ist ja auch so alt, wie unser Ältester. Also im besten Teenageralter. Für das Mobil gilt das wohl eher schon als spätes Mittelalter.
Zurück zum alten Plan
Wir fuhren also im Regen weiter, jetzt gen Norden. Was mit den Wetter zu tun hatte. Im Norden sagte die Vorhersage – da schiene die Sonne und der Himmel sei nachts klar, gut für das angekündigte Nordlicht. Sind wir Nordlichtsüchtig? Ja, definitiv!
Die typisch norwegische Landschaft sieht auch im Regen zauberhaft aus. Die Silhouetten der hohen Berge staffeln sich am Horizont von schwarz nach grau, Wolkenfetzen umgarnen die Bergspitzen, die Bäume strahlen in intensivem Grün, der Tang gibt jetzt zurück, was er sich von der Sonne einfing: das grell leuchtende Orange. Einsame Birken auf kleinen Felseninseln scheinen in der dunstigen Luft schwerelos zu schweben. Seen und Fjorde wechseln sich ab, wir wissen oft nicht, ob wir auf Süß oder Salzwasser schauen.
norwegische Landschaft im Regen
Intensives Erleben
Wir hörten „Im Westen nichts Neues
“ von Erich Maria Remarque. Das Buch ist tiefsinnig, traurig und regt zum Nachdenken an. Wir diskutierten darüber. Auch so kann man Schullektüre abhandeln. Die Stimmung passte zum tristen Wetter. Am Nachmittag fragt Amy nach Musik. Schwere, melancholische Klassik harmoniert mit der nassen, tropfenden Landschaft. Die Kids schliefen irgendwann ein. Sie nahmen von den Schären um Brønnøysund kaum was wahr. Wir fuhren über die hohe, kurvige Brücke auf die vorgelagerte Insel und erreichten am Ende der Straße den Campingplatz am Torghatten, dem Berg mit dem Loch darin.
Ein Loch im Berg – zum Torghatten
Ein einziger Wohnwagen stand noch auf der nassen Wiese. Ich fand den Besitzer des Platzes im geschlossenen Restaurant, bezahlte für eine Nacht und wir gesellten uns zu den norwegischen Nachbarn. Für eine halbe Stunde ruhte der Regen. Der Himmel kleidete sich in Rosa, leider standen die Berge dem freien Blick gen Westen im Weg. Oben auf dem Berg würde der Ausblick besser sein, doch wir rutschten auf den glitschigen Felsen aus, es war an diesem Tag zu gefährlich, weiter nach oben zu steigen.
typisch RV 17, auf der Fähre
Die Kids am Abend
Unser Mobil am Torghatten
Die Wanderung durch das Loch im Berg verschoben wir darum auf den nächsten Morgen. Doch daraus würde nichts werden. Kurz nachdem wir im Bett lagen, öffnete der Himmel wieder die Pforten. Wir schliefen die ganze Nacht zum Trommeln der harten Regentropfen auf dem Wohnmobildach.
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