Vor ein paar Tagen besuchten wir Saint-Pol-de-Leon im Norden der Bretagne. Der Stellplatz direkt am Wasser gefiel uns so gut, dass wir direkt für 4 Nächte geblieben sind. Das lag auch daran, dass ich etwas weiter entlang der Küste ideale Unterwasserbedingungen vorgefunden habe. Dort habe ich viele der Seehasen-Fotos aus diesem Blogbeitrag aufnehmen können.
Wir radelten öfters in die Stadt, die bei gutem Wetter sehr fotogen sein kann. Der ehemalige Fischerort mit rund 7000 Einwohnern lebt heute vom Gemüseanbau und Tourismus. Saint-Pol hat einen historischen Stadtkern, die romanisch-gotische Kathedrale Saint-Paul-Aurélien mit ihrem Doppelturm aus dem 12. bis 16. Jahrhundert, und nicht weit davon die Kapelle Notre-Dame du Kreisker. Deren Glockenturm ist mit 78 m der höchste der Bretagne. Der Festungsbaumeister und General Vauban hat die Kapelle als das gewagteste Gebäude, das er jemals gesehen hat, bezeichnet.
Außerdem machten wir eine Radtour nach Roscoff. Im hügeligen Küstengebiet war das bei strahlendem Sonnenschein ziemlich schweißtreibend, aber spannend.
Hier ein paar Fotos.
Häuser direkt am Wasser, Saint-Pol-de-Leon
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Regenwetter in Saint-Pol-de-Leon
Saint-Pol-de-Leon, Hafengebiet
Saint-Pol-de-Leon, Hafengebiet
Saint-Pol-de-Leon, Hafengebiet
Saint-Pol-de-Leon, Hafengebiet
Das Auge des Pierre Chanteau im Hafen von Saint-Pol-de-Leon
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Kathedrale und Kirche in Saint-Pol-de-Leon
Wir hatten einige Regentage, aber auch sehr kurze Sonnenminuten – die haben wir direkt genutzt.
Straße mit Blick auf die Kathedrale, Saint-Pol-de-Leon
Straße mit Blick auf die Kathedrale, Saint-Pol-de-Leon
Mein Hauptschwerpunkt in Saint-Pol-de-Leon waren diese faszinierenden Gezeitentümpel an der Îlot Sainte-Anne. Ich war also ständig mit dem Rad unterwegs, und bin dann im Wasser umhergestapft und habe in den Gezeitenbecken fotografiert.
Diese Landspitze ist sowieso ein sehr beliebtes Ausflugsziel.
Drohnenfoto der Îlot Sainte-Anne
Hier kannst du die Gezeitentümpel sehr gut sehen. In den Tanggebieten direkt daneben wohnen die Seehasen und tausende andere Tiere.
Die charmanten Seehasen – Fotos und Infos über eine erstaunliche Meeresschnecke!
Vielleicht bist du ihm schon einmal begegnet, ohne es zu wissen. Wenn du zur Zeit in der Bretagne unterwegs bist, bist du ihm sehr sicher begegnet: dem Seehasen!
Seehase – schau mir in die Augen
Junger Seehase schaut sich um
Jetzt im Juni 2025 finde ich bei jedem meiner Strandspaziergänge zahlreiche dieser Breitfußschnecken oder Meeresnacktschnecken.
Auf Französisch nennt man ihn „Lièvre de mer“ – also Seehase – weil seine beiden olfaktorischen Fühler sehr an Hasenohren erinnern.
Auf Englisch heißen Seehasen „Dotted sea-hare“, und auch unter den Namen Aplysie und „gefleckter Seehase“ ist er bekannt. „Essigpisser“ nennen ihn die Bretonen, das finde ich den passendsten Namen. Mehr dazu aber weiter unten.
Wo lebt der Seehase?
Der Seehase fühlt sich in unseren europäischen Gewässern ziemlich wohl. Du findest ihn in der Nordsee, im Ärmelkanal, im Atlantik und sogar im Mittelmeer.
Besonders mag er Seegraswiesen und Algenwälder – am liebsten grüne Algen – und er bleibt meist in flachem Wasser.
Ich habe ihn dieses Jahr zu Hunderten in den Seegraswiesen in Meneham gefunden. Bei sehr hohen Koeffizienten zieht sich das Meer sehr weit von der Küste zurück. Da können wir sehr weit hinaus ins Watt wandern. Zu Stellen, die sonst zu Fuß nicht zugänglich sind.
In geschützten Buchten und Algenfeldern kommt er dieses Jahr besonders häufig vor, vor allem jetzt in der Paarungszeit. So habe ich die Seehasen auch in St Pol de Leon und an der Plage de Kerfissien gesehen und fotografieren können.
Seehasen nutzen eine sehr grell-bunte Abwehr!
Fühlt sich der Seehase bedroht, hat er einen cleveren Trick: Er scheidet eine blau-violette Tinte aus, die Räuber abschrecken soll. Diese Substanz, die die Fischer früher „Essig“ nannten, enthält Zellgifte, die heute sogar in der Krebsforschung untersucht werden!
Deswegen der Name Essigpisser. Ich habe es endlich, nach langem Üben geschafft, diese Abwehrausscheidung der violetten Farbe anzuregen und zu fotografieren.
Ich war mit Susanne in den Tangfeldern auf der Suche nach einer Ormeau, dem Meerohr, einer Schnecke, unterwegs. Da erzählte ich ihr gerade, dass diese zahlreich vorhandenen Seehasen eine lila Tinte zur Abwehr abgeben, als sie versehentlich auf einen drauf trat. Klar, da kam Tinte. Aber man sah den Hasen nicht mehr vor lauter Sand und Farbe. Dem Seehasen machte das übrigens nichts aus im weichen Sand, er kroch direkt danach ziemlich munter weiter.
Ich habe jetzt eine bessere Methode, diesen Tintenausstoß auszulösen.
Seehasen Abwehr – Lila Tinte zur Abwehr von Feinden
Seehasen Abwehr – Lila Tinte
Der Seehase ist spannend für die Wissenschaft
Der Seehase ist aber nicht nur für Biologen, Fotografen und neugierige Familien am Strand interessant.
Seine Nervenzellen sind riesig – perfekt für Forscher, die mehr über neurodegenerative Krankheiten wie Alzheimer herausfinden wollen. Kein Wunder, dass drei Forscher für ihre Arbeit am Seehasen 2002 sogar den Medizin-Nobelpreis bekommen haben!
Es gibt einige verschiedene Arten von Seehasen. Manche sind sehr dunkel und wirken korpulent. Dann gibt es hellere Schnecken, die langgestreckter sind. Die sehr kleinen Seehasen sind noch durchscheinend. Man kann sogar die lila Tinte in seinem Innern sehen.
Claudine Robichon, die das Muschelmuseum in Brignogan eingerichtet und zahlreiche Bücher über die Lebewesen an der Küste geschrieben hat, erzählte uns von Seehasen, die im Sommer bis zu 1 kg schwer werden. Mal gespannt, ob ich eine so große Schnecke finden kann. Ich halte natürlich weiterhin die Augen offen.
So sehen Seehasen aus
Der Seehase hat zwei Paar eingerollte Fühler: die vorderen sind bei der Mundöffnung und mit einem Kopfsegel verbunden, die hinteren bilden die typischen „Hasenohren“. An ihrer Basis sitzen kleine, runde Augen. Auf dem Rücken trägt er zwei seitliche Lappen, die Parapodien heißen – mit denen kann er sogar schwimmen! Dazwischen versteckt sich seine innere Schale und die Kiemen.
Seehase im flachen Wasser, da legt er die Öhrchen an
Seine Farbe reicht von rötlich bis grünlich-braun, oft mit weißen Flecken. Junge Seehasen sehen noch viel bunter aus.
Seehase Jungtier – hier kann man die Innereien sehen und auch, wo sich die lila Farbe befindet
Unterschiedlich farbige Seehasen im Seegras
Verfressene Seehasen
Die Hauptbeschäftigung der Seehasen: Sich paaren und Algen abweiden!
Zum Fressen benutzt er seine Radula, eine Art Raspelzunge mit winzigen, extrem harten Zähnchen. Es war schwierig, die Seehasen beim Fressen zu fotografieren. Aber einige Aufnahmen sind mir gelungen.
Seehase frisst Salat
Seehase beim Fressen
Tarnung der Seehasen
Bei Ebbe liegt ein Seehase oft still und vertraut darauf, dass er durch seine Tarnung als unförmiger Klumpen zwischen den braunen Algen einfach unsichtbar bleibt.
Da die Seehasen zur Zeit in der Bretagne so weit verbreitet sind, finde ich sie zum ersten Mal auch im Spülsaum gestrandet, wo sie dann den Strandflöhen als Nahrung dienen.
Seehasen am Strand
Sie haben Liebesleben der besonderen Art
Der Seehase ist Zwitter – er trägt also männliche und weibliche Geschlechtsorgane. Beim Liebesspiel bilden die Tiere oft richtige „Ketten“.
Dann erste Tier ist dann ein Weibchen, die mittleren sind beides, und das letzte ist nur männlich.
Die Eigelege, die du zahlreich im Tang hängen sehen kannst, sehen aus wie ein Haufen Spaghetti – eine gallertartige Kugel voller tausender kleiner Eier. Ihre Farbe reicht von beige bis gelblich, orange oder rosa. Nach etwa sechs Wochen treiben die Larven im Plankton, bis sie sich zu jungen Seehasen entwickeln.
Sylvain erzählte mir, dass manchmal auch Eigelege mit zu den Seeohren in die Zucht kommen. Dann hat er nach einer Weile sehr viele kleine Seehasen in seinen Zuchtkästen, die sich gefräßig über den Tang hermachen, der eigentlich für die Seeohren gedacht war.
Eine Gruppe von vier Seehasen bei der Paarung
Seehasen Paarung
Eiablagen des Seehasen
Eiablage des Seehasen
Eiablage des Seehasen
Eiablage des Seehasen
Eiablage des Seehasen hängen an Felsen
Seehasen sind sanfte Riesen
Mit bis zu 20 cm Länge gehört der Seehase zu den größten Nacktschnecken der Meere. Also beim nächsten Schnorcheln oder Spaziergang im flachen Wasser an der Küste: Augen auf – vielleicht entdeckst du ja dieses faszinierende Tier zwischen den Algen!
Seehase auf Tang, Split Foto
Seehasen halten sich mit dem hinteren Teil der Unterseite an einem festen Untergrund fest. Auf Sand nutzen sie die Rückenflügel zur Steuerung, manche können damit auch schwimmen. Das habe ich aber noch nicht beobachten können.
Für die Nacht von Sonntag auf Montag, 1. auf 2. Juni 2025 gab es Nordlichtalarm. Das lässt mich ja immer aufhorchen.
Wir waren zwar den ganzen langen Tag auf den Beinen gewesen – wurden zu einer Ausstellung ins Atelier VillaDada eingeladen, wo wir unsere Fotos ausstellten und sehr viele Gespräche geführt hatten. Dazu schreibe ich bald mehr.
Nachtaufnahmen am Leuchtturm Pontusval
Trotzdem planten wir eine Nacht am Leuchtturm Pontusval, denn da fehlte mir sowieso noch eine schöne Nachtaufnahme. Dann war das unsere Nacht, denn die Wolken hatten sich alle verzogen. Wir versuchten vergeblich, ein Stündchen zu ruhen.
Los geht es um 1:30 Uhr in der Nacht
Es war dann schon sehr spät – oder eher früh – als wir uns gegen 1:30 Uhr auf die Räder schwangen und an den Strand radelten. Die anderen Wohnmobilisten schliefen längst alle. Eigentlich war ich auch sehr müde. Eigentlich. Am Strand angekommen, war ich längst wieder munter. Ich bewunderte die funkelnden Sterne, das glitzernde Wasser, welches seicht an den Strand schwappte.
Magie in der Nacht
Die Nacht war magisch. Kein Windhauch, die Luft mild, der Himmel vollkommen klar. Über den Himmel zog sich die Milchstraße und über uns funkelten die Sterne. Vor uns thronte und blinkte der kleine Leuchtturm auf den Felsen – diese Nacht war wie gemacht für eine lange Fotosession. Wie cool, dass wir uns überwunden hatten raus zu gehen. Denn solche Nächte sind selten in der Bretagne. Wir hielten schließlich bis fast fünf Uhr morgens durch. Lauschten dem leisen Rauschen der Wellen, redeten miteinander und ließen die Kameras arbeiten.
Fotos der Sternenbahnen über dem Leuchtturm Pontusval mit leichtem Nordlicht
Sternenbahnen und leichtes Nordlicht am Leuchtturm Pontusval, Bretagne
28 Aufnahmen a 2 Minuten – also 56 Minuten belichtet. Fokusstacking mit Starstacks im Kometenmodus.
Canon R5, 24 mm, f/4, ISO 640
Sternenbahnen und leichtes Nordlicht am Leuchtturm Pontusval, Bretagne
Zusammengesetzt aus 2 Aufnahmen a 15 Minuten
Canon R6, 16mm, 2x 900s, f/5, ISO 500
Und dann war da tatsächlich dieses ganz zarte Nordlicht, nicht sichtbar mit bloßem Auge, aber die Kamera fing es ein: ein Hauch von lila am Horizont, ein zusätzliches Geschenk der Nacht.
Pontusval hat sich uns wieder einmal von seiner magischsten, schönsten Seite gezeigt – und jetzt waren wir aufgedreht.
Sternenbahnen am 3. Juni 2025
Sternennacht am Leuchtturm Pontusval, Bretagne
In der nächsten Nacht waren die Chancen auf Nordlicht noch da, wir zogen, diesmal wirklich sehr müde nochmal los. Aber um einiges früher. Da stand der Mond noch am Himmel, aber die Milchstraße war noch nicht zu sehen. Und Nordlicht kam auch keines. Hier eine kürzere Belichtung mit Mondlicht.
https://www.5reicherts.com/wp-content/uploads/2025/06/Sterne-Pontusval-_2.webp10671600Gabihttps://www.5reicherts.com/wp-content/uploads/2025/07/logo-5reicherts.webpGabi2025-06-04 00:08:022026-04-19 11:47:15Sterne und leichtes Nordlicht am Leuchtturm Pontusval, Bretagne
https://www.5reicherts.com/wp-content/uploads/2025/05/Bretagne-phareVierge.webp9341400Gabihttps://www.5reicherts.com/wp-content/uploads/2025/07/logo-5reicherts.webpGabi2025-05-20 17:25:112026-04-19 11:47:49Sonnenuntergang am Phare de l’Île Vierge
Die letzten beiden Wochen haben wir langsam gemacht. Der Schock, dass wir Ende April fast ein Vorderrad verloren hätten, sitzt tief. Diese Reparatur war schon schwierig und relativ teuer wegen der schwierig zu beschaffenden Ersatzteile.
Doch endlich sind wir auf dem Weg nach Morlaix. Wir brauchen mobiles Internet, denn mein Aldi Guthaben reicht nicht aus. Als freiberufliche Fotografen müssen wir ja immer irgendwas arbeiten.
Doch jetzt kommt der Stress schon wieder: Das Womo macht beim Fahren seltsame, schabende Geräusche. Ob bei der kürzlich vorgenommen Reparatur was nicht geklappt hat? Wir horchen genau hin. Nein, diesmal ist es eindeutig der Motor.
So eine Scheiße. Wir sind nicht mal 50 km weit gefahren seither.
Ich kann mich gar nicht auf das Einkaufen konzentrieren. Will eigentlich nur schnell wieder aus dem Samstagsverkehr und den Kreiseln raus und auf einen ruhigen Stellplatz.
Die Geräusche im Motor werden nicht schlimmer, sind aber sehr deutlich.
Bei der Werkstatt bekommen wir für Dienstag einen Termin. Bis dahin sind es 37 km. Die wollen wir in kleinen Etappen langsam fahren.
Das war der Plan. Der funktionierte nicht. Keine 5 km weit kamen wir. Dann wurde der Motor so laut, dass wir zügig den nächsten Parkplatz anfuhren und den ADAC kontaktierten.
Lange Rede… Das Womo wurde in die Werkstatt abgeschleppt. Zum ersten Mal, seit wir es 2002 gekauft haben, schafft es den Weg zur Reparatur nicht mehr selbst.
Wohnmobil wird abgeschleppt, Bretagne
Wohnmobil wird abgeschleppt, Bretagne
Dieses Mal ist die Wasserpumpe defekt. Wir haben rechtzeitig gehalten, der Motor hat keinen Schaden genommen. Doch, wie immer, wenn wir eine Panne haben, ist Donnerstag in Frankreich Feiertag und die Werkstatt bis nächste Woche geschlossen.
Wir kamen glücklicherweise drei Tage bei Freunden im Ferienhaus unter.
Haben für Montag bis Mittwoch auch ein privates Gästezimmer gefunden und hoffen nun sehr, dass das der letzte Schaden auf dieser Reise ist und wir sicher nach Hause kommen werden.
Und dann fahren wir in kurzen Etappen mit Zwischenstopps in fotogenen Regionen Richtung Heimat.
Ich habe einige Küsten-Fotothemen, an denen ich gerade arbeite. Da kommt es mir sogar entgegen, wenn ich weniger fahre und längere Zeit an einem Strand verbringen kann.
Auch im Mobil können wir an den neuen Buchprojekten arbeiten. Das noch langsamere Reisen hat vielleicht Vorteile, die wir erst noch erkennen müssen?!
Vielleicht schaffen wir ja diese eine Insel, die wir seit Jahren schon besuchen möchten, trotz allem noch. Das wäre sooo genial. Die Hoffnung bleibt. Es geht um die Ile de Groix.
Natürlich nutzte ich die Zeit um in Guissény zu fotografieren. Zu dieser außergewöhnlichen Küste mit 2 km langer Sandbucht lade ich auch noch einen Blogbeitrag hoch. Schau öfters rein.
Update:
Am Mittwoch bekamen wir unser Mobil wieder. Der Motor läuft wieder ruhig. Wir bleiben erstmal in der Region um Plouguerneau. Melde dich, falls du ein Fotocoaching buchen möchtest.
https://www.5reicherts.com/wp-content/uploads/2022/12/Plage-des-Amiets-2924.jpg9341400Gabihttps://www.5reicherts.com/wp-content/uploads/2025/07/logo-5reicherts.webpGabi2025-05-07 10:17:302026-04-19 11:50:47Wind & Wellen an der Plage des Amiets