Wir wachten um kurz vor 9 davon auf, dass die Morgensonne das Zelt beleuchtete und aufwärmte. Au ja! Der Tag fing gut an. Ich reinigte die Getriebe unserer Räder, das schreckliche Quietschen war ja gestern nicht auszuhalten gewesen. Wir frühstückten ordentlich, und um 10:45 Uhr kamen wir los.
Der Göta-Kanal verlief gerade durch den Vikensee, also gab es keinen Kanalradweg und wir fuhren auf Landstraßen, wie wir es die Tage zuvor auf dem Weg um den Vätternsee getan hatten. Schon nach ein paar Minuten Fahrt wurden wir versichert, dass wir tatsächlich am Göta-Kanal waren, als sich vor uns eine Hebebrücke erhob. Ich stellte mich ganz vorne hin, um das dafür verantwortliche Schiff zu beobachten, und siehe da: Es war die „Aron“, ein altes Segelschiff, das wir bereits an unserem zweiten Tag am Kanal in einem Yachthafen gesehen hatten. Majestätisch (sprich: langsam) zog sie an uns vorüber. Die Brücke senkte sich, und wir fuhren weiter durch die sonnenbeschienene Landschaft.
Unsere stark in Mitleidenschaft gezogene Landkarte verriet uns, dass es in einer Siedlung namens Tatorp wieder an dem Kanal weitergehen würde. Dort wollten wir dann auch einkaufen, doch Tatorp stellte sich als eines dieser winzigen Orte heraus, in denen man abgesehen von Durchfahren nichts machen konnte. Dann wurde unser Mittagessen eben verschoben, bis wir nach Töreboda kamen.
Auf dem Weg dorthin sahen wir die Aron wieder, wir hatten sie eingeholt. Sie bewegte sich auch gemächlich Richtung Töreboda. Es hatte angefangen zu regnen.
Da wir nicht sonderlich scharf darauf waren, nass zu werden, und sowieso einen Bärenhunger hatten, gingen wir in Töreboda Pizza essen. Wir setzten uns auf die überdachte Terrasse, damit wir unsere Räder im Blick halten konnten. Die Pizzen waren groß und lecker, und dazu gab es gratis Krautsalat, wie es in Schweden üblich ist. Hmm! Während wir dort saßen und unsere Mahlzeit genossen, öffnete sich die Hebebrücke und Aron trieb durch die Ortsmitte.
Wir füllten im Supermarkt noch schnell unsere Vorräte wieder auf, dann fuhren wir am Kanal weiter. Ich sage es bestimmt zum hundertsten Mal, aber es war sehr idyllisch am Kanal. Es dauerte nicht lange, da hatten wir die Aron wieder eingeholt. Sie war gerade in einer Schleuse, und wir legten eine Pause ein, um uns das Spektakel anzuschauen.
Mittlerweile war es nicht mehr weit bis zum Ende des Göta-Kanals. Bald würden wir den Värnernsee erreichen. Eigentlich müssten wir schon vor dem Ende des Kanals nach Süden abbiegen, wenn wir am See entlang weiterfahren wollten, doch jetzt waren wir schon so lange am Kanal entlang gefahren, da wollten wir auch den Endpunkt sehen. Also führen wir nach Sjötorp rein, machten eine Pause, aßen Äpfel und schauten uns den See an, bevor wir umkehrten und die letzten sieben Kilometer des Kanals in entgegengesetzter Richtung wieder zurück fuhren. Gerade, als wir nach Süden abbiegen wollten, kam die Aron ein letztes Mal in Sicht. Wir warteten am Kanal und winkten den Leuten auf dem Boot zu, die uns auch längst erkannten und den Gruß erwiderten.

Am Abend sahen wir die Aron ein letztes Mal, diesmal kam sie uns entgegen, denn wir hatten ja gewendet
So, das war’s mit den Göta-Kanal. Die verbleibenden knapp 300 Kilometer würden wir selbstständig auf Landstraßen navigieren müssen. Das würde lustig werden!
Es war schon recht spät, und wir waren uns nicht sicher, ob wir es noch bis Mariestad schaffen würden. Eigentlich war es nicht sehr weit, doch wir konnten ja nicht auf der Autobahn fahren und mussten einen Umweg nehmen. Wir fuhren erst eine Weile auf Schotterpisten durch den Wald und nahmen dann die Schnellstraße in Richtung Mariestad, doch als es zu dämmern begann, wollten wir lieber Rast machen. Wir waren von Wald und Feldern umgeben, keine Wiese in Sicht, auf der wir hätten Zelten können. Was soll’s, dann klopfen wir eben an einer Haustür und fragen, ob wir auf dem Grundstück übernachten können. Das klappte beim ersten Versuch, und ein freundlicher Hausbesitzer zeigte uns ein Fleckchen Rasen vor seinem Haus, auf dem wir unser Zelt aufschlagen konnten. Er war recht interessiert an unserer Unternehmung und plauderte noch ein bisschen mit uns, bevor wir schlafen gingen.































































